Vasily Kandinsky - Mikhaïl Guerman - E-Book

Vasily Kandinsky E-Book

Mikhaïl Guerman

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Beschreibung

1921, im Jahr seiner Rückkehr nach Deutschland, entwickelt Kandinsky seine Theorie einer "Wissenschaft der Künste" in Weimar. Die Bauhaus-Periode ist seine intensivste künstlerische Phase, hier kommt sein Genie am Besten zur Wirkung. Dieses Buch gibt einen Einblick in den Reichtum und die Vielfalt Kandinskys Arbeit, der es mit seinen zahlreichen Werken zu einem international sehr hohen Ansehen gebracht hat.

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Seitenzahl: 69

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Mikhaïl Guerman

Wassily Kandinsky

1866 - 1944

Text: Mikhaïl Guerman

Layout

Baseline Co. Ltd

61A-63A Vo Van Tan Street

4. Etage

Distrikt 3, Ho Chi Minh City

Vietnam

© Confidential Concepts, worldwide, USA

© Parkstone Press International, New York, USA

Image-Barwww.image-bar.com

© Kandinsky Estate / Artist Rights Society, New York, USA

ISBN: 978-1-78310-447-5

Weltweit alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders vermerkt, gehört das Copyright der Arbeiten den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Nachforschungen war es aber nicht in jedem Fall möglich, die Eigentumsrechte festzustellen. Gegebenenfalls bitten wir um Benachrichtigung.

Inhalt

Konzentration

Das Wunder von Murnau

Zwischen Ost und West

Rückkehr

The “Blaue Reiter”: A Look Back

Lebenslauf

Index der Werke

Exotische Vögel, Tretjakow Galerie, Moskau

Konzentration

Wir malen immer noch, wenn auch mit etwas freier Handschrift und für den Bourgeois aufregend genug, die Dinge der „Wirklichkeit“: Menschen, Bäume, Jahrmärkte, Eisenbahnen, Landschaften. Darin fügen wir uns noch einer Konvention. „Wirklich“ nennt ja der Bürger die Dinge, die von allen oder doch vielen ähnlich wahrgenommen und beschrieben werden.

Hermann Hesse, Klingsors letzter Sommer.

Vor kurzem schien es, dass das jetzige Jahrhundert nicht nur mit Wassily Kandinsky begann, sondern auch mit ihm endet.[1] Doch wie oft die Anhänger von neuen und modischen Interpretationen seinen Namen auch zitieren mögen – der Künstler ist Geschichte und gehört vielleicht mehr zur Vergangenheit oder der Zukunft als zum Heute. Über Kandinsky ist soviel gesagt und geschrieben worden und seine Arbeiten – auch die theoretischen – sind derart bekannt, dass das Übermaß an Wissen und vorgefertigten Urteilen zuweilen verhindert, den Künstler in seiner Individualität und realen Bedeutung jenseits aller Mythologisierung zu sehen: Mit neuem Blick, von der Schwelle eines neuen Jahrtausends. Der erfahrene und interessierte Leser von heute sucht, ermüdet von den gewagten postmodernistischen Spielen, in Kandinsky das, was man früher nicht an ihm bemerkte und gar nicht erst bemüht war, in ihm zu sehen, nämlich eine Stütze in der instabilen Welt der künstlerischen Phantome und modischen Scheingeschöpfe. Was vor kaum weniger als hundert Jahren als wagemutige Entdeckung begann, gehört heute bereits zu den ewigen Werten.

Unter den Titanen der neuesten Kunst ist Kandinsky ein Patriarch. Matisse wurde 1869 geboren, Proust 1871, Malewitsch 1878, Klee 1879, Picasso 1881, Kafka 1883, Chagall 1887. Kandinsky dagegen 1866, als Romain Rolland zur Welt kam, als Dostojewski Schuld und Sühne veröffentlichte, als Anna Karenina noch nicht geschrieben war, als noch niemand den Begriff „Impressionismus“ benutzte. Mit einem Wort - in den „tiefsten Tiefen“ des 19. Jahrhunderts.

Gouspiar, Tretjakow Galerie, Moskau

Gebet vor den Dorfheiligen

Der Hafen von Odessa, späte 1890er,

Öl auf Leinwand, 65x45cm,

Tretjakow Galerie, Moskau

Gegend bei Achtyrka, Tretjakow Galerie, Moskau

Skizze zu „Achtyrka, Herbst“, 1901.

Öl auf Leinwand, 23,6x32,7cm,

Städtische Galerie im Lenbachhaus, München

München, Schwabing, 1901. Öl auf Karton,

17x26,3cm, Tretjakow Galerie, Moskau.

Kandinsky war ein europäisch gebildeter Mensch, Schriftsteller, professioneller Musiker und ein Künstler, der mehr zu Reflexion und strenger Logik – jedoch nicht ohne eine Spur von Romantik – neigte als zu schreienden Deklarationen. Er wahrte die Würde eines Denkers und verschwendete sich nicht an kleinkarierte, pseudokünstlerische Streitigkeiten. Oft und zu Recht wurde darauf hingewiesen, dass nicht allein die Kunst, sondern das gesamte Weltgefühl Kandinskys in Russland und Deutschland wurzeln. Wichtig ist: Sein Russland ist Moskau. Im Unterschied zur Mehrheit seiner berühmten, ihm gleich gesinnten Landsleute – wenn es sie im vollen Wortsinne überhaupt gab – hatte er praktisch keine Bindung an die Petersburger Kultur. Kandinsky umging dieses Fegefeuer zwischen West und Ost. Die gefährlichen und verführerischen Petersburger Trugbilder vernebelten ihm nicht den Kopf, sie brachten nicht einmal Inspiration. Die intellektuelle Orientierung Kandinskys war vor allem philosophischer Natur und von Deutschland geprägt.[2] Doch bei all seinem Interesse an der Vergangenheit wurde er nicht deren Sklave, sondern sah die Weisheit des Vergangenen als Basis für das Verstehen und den Aufbau der Zukunft. Seine frühen malerischen Werke zeigen einen durchaus reifen Künstler: Die ersten bekannten Bilder Kandinskys entstehen um die Jahrhundertwende: Bergsee (1899, Sammlung M.G. Manuchina, Moskau), München, Schwabing (1901, Tretjakow-Galerie, Moskau), Achtyrka, Herbst (1901, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München), Kochel (um 1902, Tretjakow-Galerie).

Rote Kirche, 1901.

Russisches Museum, St. Petersburg

Bergsee, 1899. Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm,

Manukhina Sammlung, Moskau.

Fluss im Sommer.

Kandinsky steht im Zenit seines vierten Lebensjahrzehnts. In diesem Alter ist es nicht leicht, sich als Anfänger zu fühlen. Das Gemälde Hafen von Odessa (Ende 1890er Jahre, Tretjakow-Galerie), das 1989 die berühmte Kandinsky-Retrospektive eröffnete, barg in sich bereits einen gewissen Hexenzauber.[3] Als die Ausstellung vorbereitet wurde, wirkte dieses Bild neben den abstrakten Werken oder den malerischen Erleuchtungen der Murnauer Zeit fast dilettantisch oder der Werkstatt der Genossenschaft für Wanderausstellungen (Peredwishniki) entsprungen. Doch jede beliebige Landschaft der Peredwishniki hätte man neben ihm als passiv und dem Natureindruck verhaftet empfunden. In diesem naiven Werk eines Neubekehrten Züge des zukünftigen Genius zu suchen, ist natürlich mehr als vermessen: Leicht findet man statt der Wahrheit das, was man zu sehen wünscht. Und doch: Die elastisch umrissenen dunklen und leuchtenden Flecke zeigen eine große Unabhängigkeit von der gegenständlichen Welt. Sie bergen viel Spannung in sich, die durch nichts mit dem realen Motiv verknüpft ist. Die rein dekorative Zeichnung ist neben der durchaus naiven und traditionellen Auffassung der gegenständlichen Form allzu mächtig. Zweifellos existierte dieser strenge und scharfe bildnerische Verstand auch auf emotionaler Ebene. Andere Zeichnungen Kandinskys ähneln dagegen der Auffassung von Marc Chagall. Die dunkelblaue Aushängetafel der Schule von Pen (Chagalls Lehrer in Witebsk), die den künftigen Künstler so sehr beeindruckte, ist die leibliche Schwester der blauen Pferdebahn, der blauen Luft und der singenden grellgelben Briefkästen[4], die den dreißigjährigen Kandinsky in München in Begeisterung versetzten. Und auch später ist Kandinsky mit dem Satz „Unten stach der kleine blaue grüne See die Augen“[5] aus seinen berühmten Klängen nicht weit entfernt von dieser Art visueller Offenbarung.