Vater und Geliebter - Cleo Edwards - E-Book

Vater und Geliebter E-Book

Cleo Edwards

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Beschreibung

Nachdem Lauren in den ersten Jahren ihres Lebens bei ihrer manisch-depressiven Mutter und ihren zwei älteren Geschwistern aufwuchs, nahm ihr Vater sie nach einem Streit mit ihrer Mutter, im Alter von vierzehn, bei sich auf. Sechs Jahre später, sind aus den sich fast fremden Menschen nicht nur Vater und Tochter, sondern auch Nachbarn, Kollegen und Freunde geworden. Während Lauren bereits einige Jahre zuvor romantische Gefühle für ihn hegt, muss Daniel bei einem unscheinbaren Abendessen feststellen, dass sie in ihm ebenfalls Gefühle auslöst, die ihm nicht nur Herzklopfen und eine enge Hose bereiten, sondern auch üble Magenschmerzen. Sie schlittern in eine Liebesbeziehung mit Höhen und Tiefen, in der Daniel nicht nur einmal erkennen muss, dass vieles anders gelaufen wäre, wenn er sie in den ersten Jahren nicht vernachlässigt hätte. Vor allem, als er den Grund erfahren muss, wieso Lauren damals nach einem Streit mit ihrer Mutter vor sechs Jahren davon rannte.

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Seitenzahl: 411

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Cleo Edwards

Vater und Geliebter

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Epilog

Impressum neobooks

Prolog

Bevor aus Lauren jene schöne Frau wurde, die fest im Leben stand, durchlebte sie eine durchwachsen schlechte Kindheit bei ihrer manisch depressiven Mutter und ihren zwei älteren Geschwistern. Ihr Vater Daniel verließ ihre Mutter Elena noch während der Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen. Einerseits war er viel zu jung Vater geworden und heiratete frühzeitig, wodurch er sich noch nicht wirklich ausgetobt hatte; andererseits zweifelte er an ein weiteres, mögliches Zusammenleben mit dieser Frau. Die Flucht ergriff er, als Elena ihm mitteilte, dass sie zum dritten Mal schwanger sei. Daniel wollte das Kind nicht und er wollte das Leben mit dieser Frau nicht mehr. Er zog aus, kümmerte sich um seine Karriere als Art-Director in der Werbeabteilung eine großen IT Unternehmens und holte seine vermeintlich versäumte Jugend auf.

Für ihn war klar, dass er keine feste Partnerschaft mehr eingehen würde und sich vor allzu großen emotionalen Abhängigkeiten distanzierte. Vielleicht war das auch mit ein Grund, warum er seine jüngste Tochter nie wirklich akzeptierten wollte oder konnte und sie die ersten Jahre ihres Lebens emotional auf Abstand hielt. Finanziell ließ er es seiner jüngsten Tochter allerdings sehr gut gehen. So war es doch einfach, sein schlechtes Gefühl, aufgrund der emotionalen Distanz, mit Geld zu kompensieren.

So waren vor allem Holly und Maurice, ihre Geschwister, von Neid geprägt, da Lauren in materiellen Dingen schlicht und einfach mehr bekam. Lauren hingegen hätte lieber einen Vater gehabt, der sie lieben würde und der Zeit mit ihr verbringen wollte.

Ihr war ziemlich schnell klar geworden das er seine Gefühlsdefizite mit Geld ausgleichen wollte.

Es machte sie erst traurig, dann wütend, bis sie sich entschloss ihren Vater nur noch als wandelnden Geldsack anzusehen. Daniel konnte ganz gut damit leben.

Im Alter von vierzehn hatte Lauren ziemliche Probleme, traute sich jedoch keinem an.

Sie verzankte sich mit ihrer Mutter, ihren Geschwistern, hatte keinen Bock mehr auf Schule und überhaupt war die ganze Welt für sie unerträglich geworden. Niemand außer ihr selbst, wusste damals den Grund, warum aus dem ehemals lieben und braven Mädchen, eine regelrecht aggressive Rebellin wurde.

Als es für ihre Familie gar nicht mehr ging, wollte ihre Mutter sie weggeben.

An diesem Abend, als Elena ihr das mitteilte, rannte Lauren weg. Sie wollte an diesem Tag einfach abhauen und ihre Familie nie wieder sehen.

Ohne Ziel, stieg sie in einen Bus und landete nach einer einstündigen Fahrt an einer Tankstelle, wollte sich was zu Essen und zu Trinken holen. An der Kasse sprach sie plötzlich jemand mit ihrem Namen an, schreckhaft drehte sie sich um…

“Daniel? Was machst du denn hier?”, fragte sie nervös, überlegte was sie sagen sollte, nachdem sie ihr Vater hier entdeckt hatte.

“Das gleiche könnte ich dich fragen Lauren. Was machst du um elf Uhr abends an einer Tankstelle? Deine Mutter wird schimpfen… und ich sehe es auch nicht gerne, wenn meine Tochter mit vierzehn Nachts an einer abseits gelegenen Tankstelle rumlungert. Ich zahl dir ein Taxi nach Hause.”

Lauren wollte die Colaflasche bezahlen, doch das übernahm ihr Vater für sie, woraufhin sie ihn wütend anschaute.

“Ich HASSE DICH und nenn mich ja nicht Tochter. Dein scheiß Taxi kannst du dir sonst wohin stecken. Wie wäre es, wenn DU mich nach Hause fahren würdest, aber nein, draußen im Auto wartet bestimmt wieder irgendeine von deinen Schlampen auf dich, da kann man ja seine Tochter nur verstecken.”

Sie klatschte dem Kassierer einen Geldschein hin, ging wütend und verletzt raus. Auf einer schwach beleuchteten Parkbank setzte sie sich hin. Einige Minuten später setzte sich Daniel schweigend hinzu.

“Also Lauren, wie wäre es wenn ich dich nach Hause fahre? Du bist vierzehn und ich kann dich hier nicht einfach alleine rumgammeln lassen. Es ist hier nicht gerade ungefährlich.”

Daniel stand auf, doch Lauren blieb trotzig sitzen.

“Was ist? Komm schon, in meinem Auto ist niemand, ich bin allein unterwegs.” Er sah, dass Lauren sich ein paar Tränen aus den Augen wischte und kramte in seiner Jackentasche nach einem Taschentuch, reichte es ihr.

“Ich will nicht nach Hause. Bitte Papa. Ich will nicht mehr nach Hause und auch nicht mehr in die Schule. Bring mich bitte nicht mehr…”, Lauren stockte, für sie gab es an jenem Abend kein Zuhause mehr.

“Lauren ich muss dich nach Hause bringen. Wohin willst du denn sonst? Hier rumlungern im Dunkeln?”

Sie stand auf und schaute ihren Vater Daniel mit, wie bis dahin nie zuvor, traurig flehenden Augen an…

Daniel fuhr sie an jenem Abend vor über sechs Jahren persönlich nach Hause, beredete mit seiner Exfrau Elena und Lauren was für alle am besten wäre. Zum ersten Mal interessierte es ihn, was mit seiner Tochter passierte und setzte sich für sie ein. Er wollte, dass es ihr gut geht.

Ein Kompromiss fand sich darin, dass Daniel sie probeweise bei sich wohnen ließ und sie vorerst nach der Schule als Praktikantin in das Unternehmen brachte, in dem er arbeitete.

Wenn sie sich beweisen und anstrengen würde, dann könnte sie dauerhaft bei ihm leben und eine Ausbildung im Brease Unternehmen machen, jener Firma in der Daniel arbeitete.

Lauren bewies sich und mit achtzehn zog sie in die frei gewordene Appartementwohnung direkt nebenan.

Heute, mit zwanzig, war sie eine schöne Frau geworden, die ein geregeltes Leben hatte, in der Firma eine gute Anstellung und sich mit ihrer Familie, zumindest oberflächlich, wieder einigermaßen verstand.

Zu ihrem Vater Daniel hatte sie im Laufe der Jahre ein recht besonderes, freundschaftliches Verhältnis. Sie arbeiteten im gleichen Gebäude und aßen meistens auch abends zusammen. Meist kochte Lauren, ab und zu auch mal Daniel, manchmal auch zusammen. Immer öfter saßen sie abends zusammen auf der Couch, guckten Komödien, Krimis, Horrorfilme und kuschelten sich auch öfter mal zusammen unter eine Decke. Daniel dachte sich nie etwas besonderes dabei, als sie immer wieder mal erzählte, wie gut er doch aussehe, was für einen tollen Körper er doch hätte und fasste solch Sätze wie: “Ich liebe dich”, nie als das auf, was sie eigentlich waren, nämlich Liebeserklärungen.

Durch die frühere Distanz entwickelten sich bei Lauren nämlich keine Vater-/ Tochtergefühle, sondern Schwärmereien. Jedenfalls hatte sie diese mit fünfzehn oder sechzehn gehabt, Schwärmereien für ihren eigenen Vater.

Es wäre schön gewesen, es wären noch Schwärmereien, doch heute mit zwanzig existierten keine Schwärmereien mehr, sondern tiefe Gefühle. Gefühle die man normalerweise zu einem Liebes- und Lebenspartner hatte.

Diese äußerten sich schon beim frühen Morgen, wenn sie aufwachte. Sie dachte nämlich zuerst mit flatternden Herzen an ihren Vater Daniel, fragte sich, was er in seinem Schlafzimmer tat, küsste das Bild von ihm, das unter ihrem Kissen versteckt war und dachte bei intimen Momenten mit sich, immer nur an ihn. Bei Begegnungen mit anderen Männern, stellte sie sich immer nur Daniel vor.

Beim gemeinsamen Frühstück lächelte sie ihn oftmals an, massierte seine Schultern, berührte mit ihrer Hand, die seine. Natürlich spielte sie auch mit ihren Reizen, jedoch mehr diskret, unverfänglich.

Sie hatte vor Zurückweisungen Angst. Sie gab ihm hier und da einen flüchtigen Kuss auf den Mund, richtete gerne seine Krawatte und spannte ihm öfter nach.

Abends in ihrem Bett, dachte sie wieder nur an ihn bevor sie einschlief.

Kapitel 1

Sie saßen zusammen am Tisch, aßen Nudeln mit Lachs und tranken Weißwein.

Lauren trug an diesem Abend ein schwarzes kurzes Kleid, ohne Unterwäsche, dafür aber mit halterlosen Strümpfen und hochhackigen schwarzen Schuhen.

“Gehst du heute Abend noch weg?”, fragte Daniel und spitzelte beim Essen zu ihr rüber.

“Nein wieso, aber selbst wenn? Ich bin erwachsen.”

Daniel lächelte, nahm das Weißweinglas und blickte auf seine Armbanduhr. Es war schon spät, zehn Uhr abends.

Er griff nach einer Serviette und wollte sich seinen Mund abwischen, ließ jedoch versehentlich das Tuch fallen. Seufzend bückte er sich danach und blickte beim Auftauchen auf die Beine seiner Tochter.

Sie schlug die Beine übereinander und er sah überrascht, dass sie keine Unterwäsche trug. Beschämt guckte er auf, während sein Blut in Wallung geriet.

Der kurze Moment, ein kurzer Anblick ihrer bloßen intimen Stelle, den Spitzenstrümpfen und die schönen langen Beine, reichten aus, um ihn zu erregen und sein Blut zum kochen zu bringen.

Er war zutiefst erschrocken über sich selbst, dass ihn seine mittlerweile erwachsene Tochter sichtbar erregte.

Ihm wurde schlecht und er rannte entschuldigend ins Bad, kühlte sich ab.

“Scheiße”, sagte er zu sich und schlug mit seiner Faust auf das Waschbecken. Beschämt schaute er auf die Wölbung seiner Hose, hielt sich die Hand vors Gesicht. Ihm war schlecht, sein Magen rebellierte. Das konnte doch jetzt nicht wahr sein, wer ihm gerade diese schmerzhafte Latte bereitete.

Von dieser Situation überfordert sackte er zusammen, hielt sich den Bauch und versuchte seinen Unterleib zu ignorieren. Das wäre ihm vielleicht gelungen, wenn er nicht beim Abstützen auf der Wäschekiste, an einen schwarzen getragenen Spitzenslip hängen geblieben wäre. Entsetzt und gleichzeitig fasziniert schaute er das Höschen von Lauren an. Er roch vorsichtig dran und gab dem Druck nach sich hier im Bad zu befriedigen.

Lauren, die im Esszimmer saß, lächelte. Die Aussicht von gerade eben war natürlich beabsichtigt gewesen und sie freute sich, dass es ihn anscheinend nicht kalt ließ. Sie dachte nach, wie sie es schaffen würde ihn zu küssen und zu verführen.

Nach einigen Minuten kam er leise zurück und ging zu ihr hin. Er musste weg, raus aus dieser Situation, damit fertig werden, was er gerade getan hatte.

“Lauren, ich bin müde und gehe rüber.”

Sie stand auf und umarmte ihn vorsichtig.

“Ich liebe dich”, flüsterte sie leise und wünschte ihm eine gute Nacht. Er ging daraufhin raus, eilig rüber in seine eigene Wohnung.

Lauren wusste, dass sie vorsichtig sein musste. Sie war sich ziemlich sicher, dass ihr Vater sie ebenfalls auf eine verbotene Art liebte, er musste es sich einfach nur bewusst werden. Sie wollte und musste erst mal vorsichtig sein, um diese zarte Knospe dieser Art von Liebe nicht zu überdüngen oder zu verwässern.

Daniel saß drüben bei sich am Küchentisch und starrte stumm auf ein Weinglas. Was hatte er gerade nur getan? Erregte ihn wirklich seine eigene, erwachsene Tochter? Sie war sehr schön und attraktiv, aber sie war ja immerhin seine Tochter. Es wäre wohl bedenklicher gewesen, er fände sie hässlich und unattraktiv.

Er stand auf und ging zu einem Designerregal, griff nach einem Bild seiner Tochter Lauren und betrachtete es. Lauren hatte braune, lange, gewellte Haare, glänzend braune Augen. Schönes Dekolleté wie ihm auffiel und einen schönen Hals. Ihre Beine waren auch nicht zu verachten, wie er gerade eben schon sah. Er verzweifelte langsam, schaffte es sich dann aber einzureden dass ihm schlicht und einfach nur Sex fehlte. Viel zu lange hatte er nicht mehr so richtig eine Frau gehabt, irgendwelche kurze, unbedeutende Flirts mal abgesehen. Er nahm nämlich auf seine Tochter Rücksicht, was sich wohl nach den Jahren als Fehler rausstellte. Nun beschloss er dem ganzen ein Ende zu bereiten und wollte wieder auf Jagd gehen. Die Hochzeit eines Freundes in zwei Tagen würde sich dazu wunderbar anbieten und da begann auch der Tag… Der Tag an dem das geschah, was er sich bis dahin nie zu träumen gewagt hätte.

Um acht Uhr klingelte sein Wecker, da er heute nun auf der Hochzeit eines Freundes eingeladen war. Ebenso seine Tochter Lauren.

Er stand auf, blickte aus dem Fenster und schlenderte dann ins Bad. Er gähnte nochmals herzhaft und sprang dann in die Dusche. Seinen Fauxpas vor zwei Tagen hatte er weitestgehend erfolgreich verdrängt.

Lauren stand zur selben Zeit in der Dusche und nahm sich vor nun endlich einen Schritt weiterzugehen. Heute würde sie nämlich mit Daniel in einem Raum schlafen, denn nach der Hochzeit, so bot das zukünftige Brautpaar den Beiden an, würden sie über Nacht bleiben, da die Fahrt zu der Villa des Hochzeitspaares fast zwei Stunden dauerte. Und für gewöhnlich floss auf einer Feier sowieso reichlich Alkohol, was sie in ihrem Vorhaben unterstützend würde.

Lauren zog ein kurzärmeliges, sanft fließendes, knielanges Sommerkleid in zartem Rot an, mit passenden Riemchensandaletten und Bolero.

Nachdem sie komplett fertig war um kurz vor neun, ging sie zu Daniel rüber. Sie klopfte an seiner Tür und er öffnete sie. Beinahe überrannt von ihrer Erscheinung, entglitt ihm ein kurzes „umwerfend“, bevor er sich dann eilig Richtung Auto mit ihr begab.

Während der Fahrt sprachen sie über belanglose Dinge, bis sie ihren Vater, ein wenig aus Berechnung und weil es sich anbot, nach der Ehe und Hochzeit mit ihrer Mutter fragte. Erst schwieg er, doch dann versuchte er zu antworten warum er ihre Mutter geheiratet hatte und sie auch verließ.

“Lauren, weißt du, wir haben uns in der Schule kennen gelernt. Sie war die erste Frau gewesen und”, er stockte, wusste nicht was er sagen sollte, “sie wurde damals mit Holly ungeplant schwanger und ich dachte, wir könnten zusammenleben und haben auch dann geheiratet. Ich war mir meiner Gefühle damals schon nicht so sicher. Sie wollte dann auch ein zweites Kind und ich habe mir gedacht, vielleicht kommt dann mehr. Mir ist dann klar geworden, dass ich sie einfach nicht mehr liebe oder es nie mehr wie eine Schwärmerei war. Ich wollte mit fünfundzwanzig einfach nicht mein Leben komplett gelebt haben. Ich habe dann auch einige Dummheiten getan, die mir leid tun. An dem Abend, als ich ihr dann mitteilen wollte, dass ich über eine Trennung nachdenke, hat sie mir dann gesagt dass sie schwanger sei. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Lauren, es tut mir leid, aber ich wollte damals einfach kein Kind mehr.” Daniel bekam einen kratzigen Hals, es tat ihm leid, dass er ihr sagen musste, dass er sie nicht wollte. Lauren jedoch legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. Er schaute kurz auf ihre Hand und griff nach ihr.

“Ist schon okay. Irgendwie kann ich froh sein, dass du damals kein Kind mehr wolltest, denn sonst wären vielleicht diese Gefühle nicht da. Sicherlich wären sie nicht da. Ich liebe dich." Leise fügte sie ein: "nicht nur als Tochter”, hinzu.

Daniel zuckte daraufhin zusammen und traute seinen Ohren nicht. Er brachte kein Wort raus. Hatte er dies gerade wirklich richtig verstanden?!

Sie krallte sich in seinen Oberschenkel, doch zu Daniels Erleichterung klingelte ihr Handy und sie ging ran. Er war geschockt nach dieser Aussage von Lauren und wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Hatte sie das gerade so gemeint, wie er das aufgefasst hatte? Oder doch anders und ihm spielte die Wahrnehmung einen Streich?

Lauren beendete das Telefongespräch erst bei der Ankunft.

Ab da ging dann alles schnell und sie hatten keine Möglichkeit mehr zu reden. Daniel verdrängte dann auch erst einmal schnell was  im Auto war und ging auf diverse Flirts auf der Hochzeitsfeier ein. Er musste wieder normal werden, er überschritt Grenzen, gefährliche Grenzen. Sich auf den getragenen Slip seiner Tochter einen von der Palme zu wedeln, konnte definitiv nicht mehr von allzu viel überboten werden. Und dass er nun schon in Sätzen von ihr etwas rein interpretierte, machte ihm deutlich, dass es so nicht weitergehen konnte. Er brauchte eine Frau, von ihm aus hier. Jetzt. Sofort.  

Ein paar mal sah sich das Lauren an, wie er offenherzig flirtete, Körperkontakt suchte. Nicht mit einer Frau, mit mehreren. Irgendwann platzte ihr der Kragen und sie ging wütend zu ihm hin, zog ihn zur Seite.

“Was soll das? Was machst du? Warum flirtest du hier bitte?”, fragte sie wütend und hielt sich an seinem Jackett fest.

“Lauren was wird das? Ich bin wohl alt genug, dass es mir zusteht, mich zu amüsieren.” Sie griff in sein Jackett und zog ihn näher zu sich hin.

“Amüsier dich mit mir. Ich meinte das im Auto wirklich ernst, dass ich dich liebe… auch körperlich.”

Daniel fühlte bei den Worten seine Beine nicht mehr. Seine Tochter hatte ihm gerade eindeutige Avancen gemacht. Daran gab es nichts zweideutig zu verstehen.

Lauren wollte ihn gerade vor versammelter Mannschaft küssen, doch glücklicherweise konnte er das verhindern.

“Sag mal bist du bescheuert? Du wolltest gerade deinen eigenen Vater küssen.”

Er guckte sich verlegen um ob jemand was mitbekam, doch dem war anscheinend nicht so und er wandte sich von ihr ab, ging schweigend weg, rein in die Villa, wollte auf die Toilette und kurz verschnaufen. Allerdings folgte ihm Lauren und ging unbemerkt mit in das Gäste WC. So gedankenverloren wie er war, bekam er das nicht mal mit. Als er die Tür schloss, krallten sich zwei Hände von hinten um seine Taille. Er bekam einen großen Schreck und drehte sich um.

“Lauren was machst du…”, weiter kam er nicht, denn dann spürte die Lippen seiner Tochter auf seinen.

Ihre Arme waren um seinen Nacken geschlungen und er spürte ihren Atem in seinem Gesicht.

Sanft und wild, küsste sie seinen Mund, versuchte vorsichtig mit ihrer Zunge in seinen Mund zu gelangen.

Er wusste nicht was er tun sollte, geschweige denn denken. Er war erstarrt, fühlte nur ihre Lippen und ihren warmen Atem.

Nachdem ihre Zunge endlich den Weg in seinen Mund gefunden hatte, umfassten seine Hände vorsichtig ihre Taille. Er wünschte es wäre ein Traum, doch er konnte wirklich seine Tochter schmecken.

Daniel konnte den Geschmack nicht definieren, doch er war alles andere als unangenehm.

“Ich liebe dich”, sagte sie zwischendurch und war dabei sein Hemd zu öffnen, doch dann schaffte es Daniel seinen Verstand einzuschalten und konnte stoppen.

“Schluss Lauren.” Er riss sich von ihr los und richtete seinen Anzug.

“Wieso Schluss? Ich liebe dich und du liebst mich oder hat dir das nicht gefallen?” Sie griff wieder nach ihm und wollte weitermachen.

“Nein! Doch!… Ich meine… Ist doch völlig unerheblich ob es mir gefallen hat. Du bist meine Tochter und ich küsse meine Tochter nicht so. Das ist nicht normal.”

Kaum hatte er das gesagt, waren auch schon wieder ihre Lippen aneinander.

“Es ist völlig egal, ob es normal ist oder nicht”, flüsterte sie zwischendurch und griff in seinen Schritt, wollte wissen ob es ihm gefiel. Nach seinem Erregungsgrad zu urteilen schien es ihm jedenfalls sehr zu gefallen.

“Hör jetzt auf, wir reden wenn wir alleine sind.” Ob er den Satz mit ihr alleine zu sein, nicht noch bereuen würde, war ihm erst mal egal. Daniel fiel es zwar auf eine gewisse Art nicht gerade leicht sich von ihr zu lösen, doch hier auf der Gästetoilette wollte er garantiert nicht mehr bleiben.

Er ging, ohne sie weiter anzublicken, raus. Lauren blieb einen kurzen Moment lächelnd zurück. Ihr Vater liebte sie also auch auf eine andere Art.

Während der weiteren Hochzeitsfeier suchte Lauren Blickkontakt zu ihm, doch er wies sie ab. Daniel hatte  im Laufe des Abends schon vor der kommenden Nacht Angst.

Um halb vier Nachts war die Feier dann, zumindest teilweise, beendet und ihnen wurde ein Gästezimmer gezeigt. Es gab zwei Schlafmöglichkeiten in dem Raum, ein relativ kleines Tagesbett und eine Couch.

“Ich schlaf auf der Couch”, murmelte Daniel und zog sich, bis auf sein T-Shirt und Unterwäsche, aus, verkroch sich schnell auf die Couch, zog sich die Decke bis zum Kopf hoch.

Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte und wollte vor allem Dingen heute nicht mehr darüber nachdenken. Der Alkohol, der Kuss, alles Dinge, die er gerade vergessen wollte.

Lauren setzte sich erst mal auf das Bett und zog sich dann komplett aus. Immer wieder schaute sie zu Daniel hin. Sie räusperte sich kurz und ging dann zu dem Klamottenstapel von ihrem Vater. Nach kurzem wühlen nahm sie sein Hemd, zog es sich an und knöpfte es halb zu.

Schleichend ging sie zu ihm hin und legte ihre Hand auf seine Schulter.

Daniel hatte sich weggedreht und ihm überkam ein wohliger Schauer bei ihrer Berührung. Seinem Gefühl folgend, drehte er sich auf den Rücken und Lauren kuschelte sich auf ihn drauf. Er sagte nichts, wehrte nicht ab, diskutieren wollte und konnte er nicht in diesem Moment.

Eine Zeit lang schwieg sie und hörte ruhig auf seinen Atem. Irgendwann ging Daniels Hand unbedacht auf ihren Rücken und begann kurz zu zucken.

“Warum weichst du mir aus?”, fragte Lauren leise und blickte zu ihm auf.

“Da fragst du noch warum? Du bist meine Tochter, reicht das als Antwort?”

Sie streichelte über seine Wange und näherte sich gefährlich nah seinen Lippen.

“Und?” Sanft begann sie ihn zu küssen.

“Was und? Das geht nicht. Das darf nicht sein, dass wir uns so küssen.”

Lauren überfiel sanft seinen Hals, ließ sich davon nicht beirren.

“Wieso darf das nicht sein? Du bist erwachsen, ich bin erwachsen und wir tun doch niemanden weh…” Ihre Hände verfingen sich unter seinem T-Shirt und streichelten seine Brust.

“Lauren, bitte hör auf” Seine Worte und seine Körpersprache waren nicht ganz einer Meinung wie Lauren gerade erfühlte.

Ihre Hände waren gerade in seiner kurzen Shorts und vergriffen sich an seiner Männlichkeit.

“Schlaf mit mir”, flüsterte sie leise in sein Ohr und fuhr vorsichtig mit ihrer Zunge über seine Lippen. Daniel schluckte, führte mit seiner Tochter einen intimen Zungenkuss aus und berührte zum ersten Mal ihre Brust. Ihre Haut war weich, ihre Brust rund, ihre Knospen spitz. Er fand ziemlich schnell Gefallen daran, ihre Brust zu liebkosen. 

Lauren gefiel seine Berührungen aus sanften Kneten, zartem Streicheln und zärtlichen Verwöhnen mit seinem Mund.

“Lauren… wir…”, bevor Daniel noch sagen konnte, dass sie einfach nicht miteinander schlafen durften, hatte sie auch schon sein lästiges Stück Stoff runter gezogen und begann sich mit ihm körperlich komplett zu vereinen. Lauren fühlte sich noch nie so komplett und befriedigt. Schon so lange wollte sie endlich Eins mit ihm sein, schon lange, hatte sie drauf gewartet…

Daniel wusste nicht ob es daran lag, dass er schon so lange abstinent lebte, doch wenn das was er vorher hatte, schöner Sex gewesen sein sollte, was war dann dass was er gerade erlebte?

Die Wärme, Enge und Feuchtigkeit von ihr brachten ihn schlicht um den Verstand. Ihr Becken, ihre Hüften, die sich ihm entgegen pressten. Bei jedem Stoß erlebte er eine Welle der Befriedigung und Lust die er noch nie zuvor fühlte.

Wäre er jetzt gestorben, wäre er als der glücklichste Mann der Welt gestorben.

In welcher Lautstärke sie sich ihrer Lust hingaben nahmen sie nicht wahr und Daniel fühlte, dass er sich ziemlich schnell seinem Höhepunkt näherte und war sich unsicher in ihr zu kommen, obwohl er wusste das sie geschützt war. Lauren spürte, dass er nicht in ihr kommen wollte, presste sich aber fest gegen ihn und genoss jede einzelne Zuckung von ihm.

Erschöpft und glücklich ließ sie sich auf seine Brust fallen. Er legte seinen Arm um sie und eine Zeit lang blieben sie schweigend übereinander.

Nachdem die Lust jedoch abgeklungen war, überkam Daniel ein schlechtes Gewissen. Mit wem hatte er nur gerade geschlafen?

Es war die Frau, die er vor über zwanzig Jahren selbst gezeugt hatte.

Was hatte er ihr nur angetan? Das was sie und er wollten…

Als er müde wurde und kurz vorm Einschlafen war, spürte er zwei weiche Lippen auf seinem Mund.

Er zuckte kurz zusammen und schlug seine Augen auf.

“Du hast schon geschlafen?”, fragte sie entschuldigend und legte ihre Nase an seinen verschwitzten Hals.

“Hm fast. Lauren das war gerade ein Fehler”, teilte er ihr leise mit, während er sanft ihren Rücken streichelte.

“Wieso Fehler? Dir hat es doch auch gefallen oder?”

Er musste lächeln. Ja, das war schön gewesen, aber ob es die Konsequenzen wert war?

“Ja, es war schön. Solange du es noch nicht bereust.”

Lauren griff mit ihren Armen unter seinen Nacken und hielt ihn fest.

“Warum bereuen? So schön habe ich es noch nie empfunden und ich liebe dich so, wie dich noch keine geliebt hat. Was fühlst du eigentlich für mich?”

Daniel dachte nach und suchte nach der Klarheit seiner Gefühle. Was fühlt man für eine Frau, die das eigene Kind war, was man vor zwanzig Jahren nicht wollte?!

“Lauren, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Sicherlich liebe ich dich, aber ich weiß nicht genau, was für eine Liebe. Du bist immerhin meine Tochter. Meine Tochter die ich die ersten Jahre total vernachlässigt habe. Es tut mir leid.”

In Lauren stiegen Tränen auf und sie hielt sich an ihm fest.

“Und jetzt? Willst du abhauen, weil dir die Situation mit mir wieder nicht passt?” Krallend hielt sie sich an ihm fest, wollte ihn nicht verlieren.

“Nein, ich lass dich nicht wieder alleine, doch wie stellst du dir das nur weiter vor?”

Daniel sah für sie beide keine positive Zukunft, davon mal abgesehen, wusste er nicht, was er für Gefühle für sie besaß.

Vatergefühle? Ja sicher entwickelten die sich mit den Jahren, aber sie unterschieden sich zu seinen anderen zwei Kindern.

Sexuelle Gefühle? Ja, zu seiner Schande hatte er diese und die waren gefährlich ausgeprägt.

Liebesgefühle? Ja, Lauren war eine tolle Frau. Sie sah gut aus, sie hatten gemeinsame Interessen, sogar beruflich waren sie zusammen. Vielleicht schon zu viel des Guten.

“Wieso? Wir leben doch eh schon zusammen. Daniel wir… sag mir bitte, dass du mich so liebst, wie du nur eine Frau liebst und lieben kannst.”

Er zuckte zusammen.

“Lauren nein. Ich kann es dir nicht genau sagen welche Gefühle ich für dich habe. Ich kann dir nur sagen, ich habe so was noch nicht gefühlt. Ich will nicht, dass du unglücklich wirst, aber mit dem was wir tun, wirst du unglücklich sein. Deine Mutter bringt mich um, Holly und Maurice verachten mich, in der Arbeit sind wir unseren Job los… es ist... nicht richtig.”

Lauren verschloss seinen Mund mit einem Kuss und einer Träne. “Das ist doch egal. Deinen Job verlierst du nicht und andere haben uns nichts einzureden, aber wenn du mich nicht liebst…”

Daniel blickte auf die Uhr, es war schon früh und dämmerte.

“Lauren, es klingt vielleicht blöd, aber gib mir bitte etwas Zeit und lass mich darüber nachdenken wie es weiter geht, mit uns. Ich will einfach mit mir selber klar werden.”

Lauren schaute ihm tief in die Augen und gab ihm wieder einen Kuss, den Daniel versucht hatte abzubrechen. Versuchte, wohlgemerkt.

“Lauren, wenn du mich so küsst, dann…”

Er konnte ihr nicht widerstehen und verfiel mit ihr in ein weiteres Liebesspiel…

Irgendwann gegen Mittag fuhren sie nach Hause, die Heimfahrt lief sehr schweigend ab. Daniel bat sie darum, die nächsten zwei Tage nicht zu ihm zu kommen da er Pause brauchte.

Er musste nachdenken, über sich, über seine Tochter

Kapitel 2

Er traf sich am nächsten Tag nachmittags mit seinem besten Freund Chris in einem Café in der Innenstadt. Chris Dearing, Amerikaner, war ein wenig jünger als er, hatte braune Haare, grüne Augen, war etwas über 1.80 Meter groß, sehr sportlich und muskulös, mit einem gewissen Badboy Image. Er war der Liebhaber der Firmenchefin und Inhaberin Lizzy Brease, eigentlich Elizabeth Brease.

Daniel konnte mit ihm über so ziemlich alles reden, sofern nötig, auch wenn er sich nicht sicher war wie er darauf reagieren würde. Er fühlte sich schon selbst wie ein perverses Schwein, wenn er darüber nachdachte was er tat und fühlte…

Chris ahnte schon ein gewisses Donnerwetter als Daniel ihn anrief und mit ihm reden wollte. Er hatte ein ziemlich gutes Gespür für so was, aber DAS hatte er nun gar nicht erwartet. Erst sprach Daniel nur über belanglose Dinge, bis Chris von seinem nervös wippenden Fuß genervt war, den Daniel gerne an den Tag legte.

“Daniel, was ist los? Dein Schönwettergequatsche kannst du auslassen.”

Daniel räusperte sich und verzog eine Grimasse.

“Hast du schon mal was getan, wovon du weißt dass es falsch ist, aber du kannst es trotzdem nicht lassen?”

Chris verdrehte die Augen und überlegte sich  einen Schnaps zu bestellen, je mehr Daniel für gewöhnlich rumdruckste desto schlimmer waren normalerweise seine Probleme.

“Ja sicher, ständig. Also was ist jetzt?”

Daniel schaute fragend zu ihm hin. “Ich hab, ich habe…”, er verschluckte die Wörter und räusperte sich leise.

“Chris ich habe gestern mit meiner Tochter geschlafen”, brachte er dann leise raus.

Nach dem ersten Moment, Chris musste erst realisieren was sein Freund meinte, fiel ihm die Kinnlade runter und schaute Daniel zwischen Entsetzen und Ungläubigkeit an.

“Du hast was? Wieso? Nur damit wir vom gleichen sprechen, du hast deine Tochter gevögelt?

Welche eigentlich?”

Daniel schaute sich verlegen um und gab Chris einen Handschlag auf den Arm.

“Brüll doch noch lauter. Mit Lauren natürlich.”

Chris entschied sich nach der Aussage doch zu einem Wodka. Einen Wodka am Mittag, Nachmittag.

“Ich hoffe doch wenigstens freiwillig”, meinte Chris woraufhin sich Daniel an seinem Espresso verschluckte. Nachdem er wieder Luft gefunden hatte, schaute er Chris entsetzt an.

“Natürlich, jedenfalls von ihrer Seite aus, wenn dann wurde ich eher…”

Chris lachte abfällig und schüttelte den Kopf.

“Du willst mir jetzt aber nicht mitteilen, du hättest dich nicht gegen deine Tochter wehren können.”

Bevor Daniel antworten konnte klingelte sein Handy und er bekam eine Nachricht von Lauren.

“Ja doch, sieht sehr nach unfreiwillig aus, was?” Daniel zeigte ihm die Nachricht von seiner Tochter Lauren.

“Hi Daniel,

wo bist du?

Vermisse Dich so sehr,

würde gerne wieder mit Dir einschlafen,

wie in unserer Ersten Nacht.

Ich liebe Dich so sehr!!!”

Chris schnappte nach Luft als er die Nachricht gelesen hatte.

“Also”, fing er an und atmete tief durch, “wie bescheuert bist du eigentlich mit deiner Tochter zu schlafen? Wie kommst DU drauf?”

Daniel zuckte mit den Schultern.

“Man du weißt es doch selber. Sie wohnt gegenüber von mir, wir arbeiten zusammen, essen zusammen, liegen zusammen am Sofa, unternehmen was zusammen, sie sieht…”

Chris klopfte mit der Hand auf den Tisch und unterbrach ihn.

“Also Moment mal, ich wohnte auch mal mit meinen Töchtern zusammen, wir essen zusammen, lagen auch zusammen am Sofa und wir unternehmen was zusammen, aber entschuldige, deswegen habe ich noch nie ansatzweise daran gedacht mit ihnen in die Kiste zu springen… nein sorry, aber hier ist bei mir Schluss, darüber will ich gar nicht nachdenken. Ich habe meine kleinen Hosenscheißer gewickelt, gefüttert…” Chris schüttelte es durch und bekam eine unübersehbare Gänsehaut.

“Du scheinst zu vergessen, dass ich mit Lauren früher rein gar nichts zu tun hatte. Ich habe sie ja erst richtig kennen gelernt als sie zu mir zog und da war sie eine junge Frau. Chris es tut mir leid, aber irgendwie hat es nie zu richtige Vatergefühle gereicht, weißt du doch selber. Das wird mir jetzt wohl zum Verhängnis.”

Daniel blickte nachdenklich auf die Nachricht von Lauren.

“Bei mir brauchst du dich nicht zu entschuldigen, wenn dann bei Lauren. Das Mädchen hat sich anscheinend, aus mir schier unerklärlichen Gründen, in dich verschossen und du legst sie einfach flach. Du bist ihr Vater.”

Daniel blickte böse zu ihm hin.

“Was heißt flachlegen? Ich weiß einfach nicht was ich fühle. Außerdem hab ich sie nicht flachgelegt. Sie ist eine tolle junge Frau, wunderschön. Wäre ich nicht bei der Zeugung vor zwanzig Jahren dabei gewesen würde ich einmal laut verkünden: hier, das ist meine Frau.”

Chris lachte und legte seine Hand auf Daniels Schultern.

“Na ja, vor wann? Dreißig Jahren hast du das mit Elena…” Daniel schüttelte den Kopf und unterbrach ihn.

“Nein, das mit Elena damals war was völlig anders. Das waren andere Gefühle. Ich war zwar verliebt in sie, denke ich, aber ich war viel zu jung und hätte mich damals nicht so schnell binden sollen. Am Tag meiner Hochzeit habe ich mich schon gefragt ob ich das jetzt tun soll, weil ich es eigentlich nicht wirklich wollte. Irgendwas hat mich dann wohl doch dazu getrieben.”

Daniel zermarterte sich den Kopf darüber. Egal was er tun würde, es wäre falsch.

“Tja, muss wohl ein blödes Gefühl sein, seine eigene Traumfrau zu produzieren”, sagte Chris und kippte mittlerweile den nächsten Wodka runter.

“Im Moment wäre es das Beste, Lauren würde einen anderen jungen Kerl finden, dann würde sie nicht so leiden…” Just in dem Moment, stand plötzlich Lauren neben ihm und gab ihm eine Ohrfeige.

“Mieses Schwein”, sagte Lauren und ging wütend davon. Daniel und Chris wussten im ersten Moment nicht, was geschehen war und sammelten sich.

“Also wenn du mich fragst, deine Autorität als Vater kannst du vergessen”, gab Chris von sich.

Daniel rannte ihr hinterher.

Das mit gerade eben hätte er wohl nicht sagen dürfen, doch was sollte er auch ahnen, dass plötzlich seine Tochter hinter ihm stand und wahrscheinlich hatte sie es völlig falsch aufgefasst.

Er sah, dass sie in ein großes Kaufhaus flüchtete und eilte ihr hinterher. Als sie in den Aufzug einstieg, schaffte er es noch mit rein.

“Lauren was war das…?”, fragte er und näherte sich ihr. Sie schaute ihn wütend an.

“Anderen Kerl kennen lernen, damit du mich nicht mehr an der Backe hast? Das findest du ja immer wahnsinnig toll, mich abzuschieben und mich alleine zu lassen, wenn es dir nicht mehr in den Kram passt.”

Daniel nahm sie wortlos in den Arm und Lauren fing zu weinen an.

“Nein, so meinte ich das nicht. Lauren hör mal, ich weiß nicht ob ich dir das jemals wieder sagen kann. Ich dachte, wenn du einen anderen Mann kennen lernst, dass dann nur einer von uns unglücklich ist. Ich kann damit leben, wenn du einem anderen deine süßen Küsse gibst. Ich kann auch damit leben, dass du für einen anderen so lecker kochst und ihn mit deiner Anwesenheit beglückst. Ich kann damit leben abends Zuhause zu sein und dich zu vermissen, daran zu denken, wie schön es dieser andere hat, dass du bei ihm bist. Ich kann auch damit leben, nachts im Bett zu liegen und daran zu denken wie schön diese Nacht mit dir war, aber ich könnte nie damit leben, wenn du mich dafür hasst und mir vorwirfst dein Leben kaputt gemacht zu haben, weil ich diese Gefühle und Nähe zugelassen habe.” 

Lauren und Daniel küssten sich daraufhin leidenschaftlich in diesem Aufzug.

“Ich hasse dich nur dann, wenn du deine Gefühle nicht zulässt und mich wegschickst oder mich verlässt. Mein Leben ist nur dann zerstört, wenn du nicht bei mir bist…”

Daniel strich die Tränen aus ihrem Gesicht und hörte ein plötzliches “Gong”.

Eine ältere Dame stieg ein und sie beide standen Arm in Arm beieinander.

“Lass uns nach Hause gehen und überlegen wie wir das am besten zusammen schaffen.”

Lauren lief leicht rot an und lächelte. Er hatte zu ihr gesagt, dass sie es zusammen schaffen würden.      

Nachdem sie wieder in Daniels Appartementwohnung waren, war eine weitere Aussprache

unumgänglich. Nur leider ließ es sich in manchen Situationen nur schwer die passenden Worte finden und so saßen sie eine Zeit lang schweigend zusammen auf der Couch. Lauren dachte weniger nach, sie genoss nur den Arm ihres Vaters um ihre Schultern und war glücklich, dass er mit ihr zusammen sein wollte.

Daniel dachte darüber nach, wie es mit ihnen weiter gehen würde. Er wollte und konnte mittlerweile seine Gefühle für sie nicht unterdrücken, aber ihm war klar, dass ihr Verhältnis niemals so ausgelebt und gezeigt werden konnte, wie es bei einem “normalen” Liebespaar sein würde.

Sie wohnten direkt nebeneinander und was hinter ihren verschlossenen Türen passierte, ginge im Endeffekt niemanden was an und es bekam auch keiner mit. Nur leider gab es auch ein Leben außerhalb der eigenen vier Wände.

Dass sie im gleichen Gebäude und teilweise zusammen arbeiteten, machte die ganze Sache nicht gerade einfach, aber dieses Problem ließe sich noch am einfachsten lösen, denn er konnte sich in seinem Beruf entweder verselbstständigen oder in eine andere Niederlassung verlegen lassen. Weitaus schwieriger war die familiäre Situation. Er hatte zwei weitere Kinder, die ihn dafür hassen würden. Er hatte mit Holly und Maurice mehr oder weniger häufigen Kontakt und traf sich mit den beiden, mal regelmäßiger, mal unregelmäßiger. Wie lange könnten sie ihre Situation vor den beiden verheimlichen?

Ein anderes Problem war seine Exfrau und Laurens Mutter. Er konnte von ihr jede Reaktion erwarten, denn Elena hatte Depressionen, nicht nur, sie war manisch depressiv und manchmal fühlte er sich dafür mitschuldig.

Er bekam schon oft zu hören, seine Schuldgefühle Elena gegenüber seien unbegründet.

Zwar hatte seine Trennung und sein Betrug nicht unbedingt ihre Heilung gefordert, aber hätte er denn mit ihr sein weiteres Leben unglücklich verbringen sollen? Er hatte sie ja finanziell unterstützt, kümmerte sich um seine zwei älteren Kinder und vor sechs Jahren nahm er dann seine Jüngste bei sich auf.

Daniel machte sich teilweise Vorwürfe, denn hätte er zu Lauren von Anfang an, das selbe Verhältnis zu ihr gepflegt, wie zu seinen anderen zwei Kinder, wäre es nie so weit gekommen.

War er daran schuld?

Er schaute Lauren an und atmete tief durch. Irgendwie würden sie es schon schaffen.

Es würde zwar noch holperig werden, aber diesmal wollte er auf seine Gefühle hören und nicht, wie vor fast dreißig Jahren, auf seinen Verstand. Damals, als er Elena heiratete…

“Gehen wir heute Abend Essen Daniel? Wir waren schon lange nicht mehr bei unserem Italiener.”

Lauren schaute ihn mit glänzenden Augen an und gab dem Bedürfnis ihn zu küssen nach.

Daniel war sich unsicher, aber einsperren war auch nicht gut. Außerdem gefiel es ihm mit Lauren Essen zu gehen.

“Ja, wenn du mich loslässt und aufhörst wild zu küssen.”

Lauren seufzte und stand auf, sie musste sich noch umziehen.

“Ich glaube, deine Wohnung ist groß genug für uns beide oder?”, sprach sie plötzlich und zwinkerte ihrem verdutzten Vater zu und ging dann rüber um sich kurz frisch zu machen und umzuziehen.

Nicht dass Daniels Wohnung zu klein wäre oder er sie hier nicht begrüßen würde, aber wie sah denn das aus, wenn eine Zwanzigjährige zu ihrem Vater zieht, obwohl die Tochter selber bereits eine eigene Wohnung hatte?

Während sich Lauren umzog und herrichtete, sprang er ebenfalls schnell unter die kalte Dusche und zog sich an.

Als Lauren wieder bei ihm war, kam er nicht drum rum ihr ein paar Komplimente über ihr Aussehen zu geben. Sie hatte sich ziemlich verführerisch raus geputzt, was ihm zwar gefiel, aber viel zu verräterisch war.

“Hoffe du hast das nicht ernst gemeint?”, fragte Daniel sie dann, während der kurzen Autofahrt zum Italiener.

“Was meinst du?”

“Na dass meine Wohnung groß genug für uns beide ist und du zu mir ziehen möchtest.”

Lauren lächelte und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel, diese Berührung gefiel ihr sehr.

“Ja natürlich, eigentlich schon. Wir leben doch eh schon fast zusammen und ab heute will ich nicht mehr ohne dich einschlafen. Du doch auch oder?”

Daniel schüttelte den Kopf.

“Deine Wohnung zu behalten, hindert uns doch nicht daran zusammen zu schlafen, aber mal ehrlich, wie willst du erklären, dass du keine Wohnung mehr hast und bei mir schläfst?”

Daniel versuchte sich vorzustellen, was für eine Reaktion das auslösen würde, dann wäre doch jedem sofort klar, dass zwischen ihnen beiden mehr lief.

“Vielleicht die Wahrheit erklären, dass wir uns lieben?”

Daniel zuckte zusammen und vor lauter Schreck, über die -naiv dumme- Aussage seiner Tochter, fuhr er über eine rote Ampel. Er hielt schnell auf einen Parkplatz um einen Unfall zu vermeiden.

“Lauren, das war doch gerade ein Scherz. Du kannst doch niemanden erzählen, dass wir uns lieben. Lauren ich glaube du verstehst nicht, ich bin dein Vater und ein Vater der mit seiner Tochter ins Bett geht, wird schlicht und einfach für pervers und krank gehalten, da ist es völlig egal um welche Umstände es sich handelt.”

Daniels Herz begann zu rasen, das war ja wohl völlig bescheuert, ihr Verhältnis und Beziehung zu erzählen.

“Wieso nicht? Wer damit ein Problem hat, kann mich mal…”

In Daniel kam gerade eine ziemliche Wut hoch. Das war mal wieder typisch für seine Tochter Lauren.

-Ich setze meine Meinung durch und mir ist alles völlig egal-.

Zum ausflippen, dass Lauren keine Konsequenzen sehen wollte und die Konsequenzen ihres gemeinsamen Tun, würden nun mal schwerwiegende Konsequenzen mit sich ziehen, wenn es andere erfuhren. Er konnte nur den Kopf schütteln.

“Lauren hör mir mal zu. Dass was wir tun und was wir fühlen, ist gesellschaftlich nicht akzeptabel und moralisch für die meisten einfach verwerflich, ich hätte nicht gedacht, dass ich das meinem erwachsenen Kind erklären müsste. Wenn mir jemand anderes erzählt, er würde mit seiner Tochter vögeln, würde und hätte ich genauso darüber gedacht. Die Umstände was zwischen uns war und ist, interessiert niemanden, sondern nur die Tatsache, dass du meine Tochter und ich dein Vater bin. Beruflich wären wir am Ende und damit auch finanziell. Du könntest an einer Hand abzählen wer zu uns noch Hallo sagt. Holly und Maurice, die schauen mich nie wieder an und deine Mutter, du kennst sie, deine Mutter bringt mich um. Ich schwöre dir, sie nimmt eine Axt und spielt einmal den nächsten Psychothriller nach. Sollte dies in deinem Interesse sein, können wir das auch anders und schneller regeln.”

Lauren kamen die Tränen. Der letzte Satz von ihrem Vater tat ihr weh, war natürlich völlig gemein und falsch.

Daniel bekam nicht mit, dass sie weinte. Er hielt sich die Hände vors Gesicht um sich selbst zu beruhigen.

“Es tut mir leid”, sagte sie mit zitternder Stimme und nun hörte er, dass sie weinte. Entschuldigend nahm er sie in den Arm. Sie zum weinen bringen wollte er nicht und konnte er nicht mit ansehen.

“Es tut mir leid Lauren, ich wollte nicht so was Dummes sagen. Ich bin mit der ganzen Situation einfach überfordert.”

Daniel versuchte sie beruhigen und war innerlich selber zum Weinen zu mute.

“Lauren, ich verspreche dir, wir finden schon eine Lösung, damit wir zusammen glücklich werden, aber unsere Beziehung muss sich erst entwickeln. Außerdem, sieh doch bitte ein, dass wir niemanden sagen können was wir tun und fühlen. Bitte. Das sind nun mal die Bedingungen und Konsequenzen unserer… Liebe.”

Lauren musste sich erst mal damit abfinden und sie müssten sie ihre Beziehung einfach geheim halten. Wahrscheinlich für immer.

Kapitel 3

Am nächsten Tag rief wieder der Arbeitsalltag. Lauren musste eine Stunde früher wie ihr Vater im Gebäude sein, aber zu einem gemeinsamen Frühstück reichte es doch noch.

An diesem Montagmorgen sah er einfach nur die junge hübsche Frau, mit der er die gestrige Nacht, eine der schönsten und aufregendsten in seinem bisherigen Leben, verbracht hatte. Er war absolut fasziniert von ihr, als sie im Morgenmantel zusammen am Tisch waren. Er wusste gar nicht wie er sich fühlte, jedenfalls nicht wie Mitte vierzig oder auf die fünfzig zugehend.

Der Tag in der Arbeit verlief aber dann recht unangenehm für ihn, da er Angst hatte, jemand würde merken was zwischen ihnen war. Er hatte immer Angst auf seiner Stirn wäre die Aufschrift: Perversling, treibt es mit seiner Tochter.

Lauren hingegen strahlte das komplette Gebäude zusammen und wurde von ihrer Kollegin gefragt, die mit ihr das Büro teilte, wer denn der Glückliche sei.

”Ein Mann meine liebe Nina”, gab sie freudestrahlend als Antwort. Nina war nicht nur eine Kollegin sondern auch noch eine gute Freundin von Lauren; kurz gesagt, sie hassten sich auf eine Art.

Hätte Lauren gewusst, dass Nina heimlich scharf auf Daniel war, hätte sie jedoch noch nicht mal ein Wort mit ihr gewechselt.

“Ach was, ich dachte schon ein Hund”, kicherte Nina.

Lauren schüttelte genervt den Kopf.

“Na komm schon Lauren, verrate es mir doch.”

Lauren schwieg Nina lächelnd an und legte ihren Zeigefinger auf den Mund.

“Psst, Geheimnis. Ich kann dir nur so viel sagen, er ist der tollste Mann der Welt. Er ist attraktiv, charmant, gebildet, kann gut kochen, wir haben die gleichen Hobbys, von seinen Qualitäten als Liebhaber mal ganz zu schweigen.”

Nina lachte, sie hätte zu gerne gewusst wer der Typ ist.

“Ist er verheiratet?”, fragte Nina und Laurens Gesicht verfinsterte sich und sie dachte zwangsläufig an ihre Mutter…

“Also doch ein kleiner Haken”, sagte Nina, die Laurens Schweigen und betrübten Gesichtsausdruck als Ja wertete.

“Was? Nein, er ist nicht mehr verheiratet. Schon lange nicht mehr, aber er war es.”

Lauren griff zum Telefon und klingelte Daniel an. Sie musste ihm zeigen, dass sie an ihn dachte, zu klarem Verstand war sie eh nicht fähig.

Daniel, der ein paar Gänge und Büroräume woanders saß, schaute wütend zum Telefon als er sah, dass es Lauren war. Zumal er wusste, dass es nicht geschäftlich sein konnte.

Es war furchtbar, er teilte sich zur Zeit das große Büro mit einem weiteren Kollege und Daniel war das unangenehm, wenn Lauren ihn grundlos anrief bzw. anklingelte.

Er schrieb ihr dann auch kurz darauf eine E-Mail:

Lauren unterlass das bitte. Willst du, dass alles auffliegt?

Daniel konnte nicht ahnen, dass Nina in diesem Moment an Laurens Computer war und die

E-Mail las.

Nina hatte gehofft, sie könnte vielleicht irgendwas über Laurens heimlichen Geliebten raus finden, außerdem war sie eh unsagbar neugierig.

Die Mail verstand Nina natürlich nicht, aber fand sie eigenartig. Sie dachte eher, dass Lauren und Daniel irgendwas Verbotenes in der Firma taten.

Nina beschloss dann ein kleines Auge auf die beiden zu werfen, ein großes hatte sie eh schon auf Daniel geworfen.

“Der blöde Kopierer funktioniert nicht”, schimpfte Lauren, die gerade wieder zur Tür rein kam.

Sie wollte etwas kopieren, doch der Kopierer streikte.

“Hast du meine E-Mails gelesen?”, fragte Lauren, als sie wieder am Bürotisch saß und sich ihrem PC widmete.

“Ja sorry, habe was nachgeschaut, bin dann versehentlich auf die aufleuchtende E-Mail gekommen, habe sie aber nicht gelesen. Ich schwöre. War sowieso nur die Adresse deines Vaters.” Nina versuchte glaubhaft zu wirken, doch Lauren schaute sie wütend an.

“Du hast an meinem PC nichts zu suchen. Nina, das ist ein Kündigungsgrund und das nächste Mal werde ich das auch melden.”

Nina äffte sie still nach.

“Fragt sich nur wer hier bald die Kündigung kriegen wird,” dachte sich Nina, entschuldigte sich allerdings nochmals bei Lauren.

Daniel saß gerade an einem neuen Projekt, das lief allerdings ziemlich schleppend, da er gedanklich immer wieder abschweifte, auf die Situation zwischen Lauren und ihm. Er fickte seine Tochter, da konnte man schon mal etwas durcheinander sein.

“Hey Kollege, alles klar?” Lucas, sein Kollege, bat ihn um Unterlagen. Bereits zum dritten Mal.  

“Entschuldige Lucas, ich schicke es dir dann gleich, Moment noch.”

Daniel war in Gedanken. Es machte ihn wahnsinnig, dass seine Arbeit unter der Situation litt.

“Das hast du vorhin schon mal gesagt. Mensch Daniel was ist los? Probleme?”

Daniel schaute gespannt auf seinen Bildschirm und schüttelte den Kopf.

"Alles okay." Das war es zwar nicht, aber das ginge niemanden etwas an. Oder zumindest keinem Kollegen, der eigentlich nur drauf spekulierte, dass Daniel Platz für ihn machte.

Um 15:00 Uhr machte Daniel dann Pause und ging raus auf das Parkgelände in dem es sich gute Spaziergänge laufen ließ. Frische Luft tat ihm gut. Er würde wahrscheinlich eh heute nichts vernünftiges mehr zusammen bringen. Er lief mit gesenktem Kopf durch den Park. Er fühlte sich so schlecht.

Was sollte er nur tun? Wie sollte er damit nur umgehen?

An einer leeren Holzbank setzte er sich hin und ließ sich die Sonnenstrahlen auf sein Gesicht scheinen.

Es war über 25 Grad warm, aber er hatte eine Gänsehaut. Nicht weil ihm kalt war.

Mit einem Mal fühlte er, wie sein Oberschenkel wärmer wurde und ihn ein Schauer durchzog.

Ruckartig setzte er sich auf und öffnete die Augen, schaute neben sich.

“Lauren? Was machst du hier?”

Lauren saß gerade neben ihm und schaute ihn lächelnd an.

“Ich hab doch schon Feierabend, weißt du doch. Ich hab immerhin feste Zeiten.” Irgendwo musste ihr Gehaltsunterschied ja begründet sein. Abgesehen von der Berufserfahrung, Studium und Verantwortungsbereich. 

Lauren ließ ihre Hand auf seinen Oberschenkel ruhen, was Daniel zwar einerseits gut tat und gefiel, aber andererseits furchtbar unangenehm war, hier in der Öffentlichkeit.

“Hab ich vergessen. Lass meinen Oberschenkel los, du weißt warum.”

Er forderte sie ruhig, aber bestimmt auf. Solche Spielereien wollte er auf der Arbeit nicht. Das Gelände war videoüberwacht und es konnte jeder vom Fenster aus zu ihnen rüber blicken.

“Nimmst du mich kurz in den Arm? Mir ist kalt.” Sie fragte leise und flehend.

“Bei fünfundzwanzig Grad im Schatten ist dir kalt? Eine glaubwürdigere Ausrede hättest du dir aber schon überlegen können oder?” Daniel lächelte, überlegte dann ob er ihr den Gefallen tun sollte. Unauffällig und normal.

“Das war keine Ausrede. Mir ist wirklich innerlich kalt, wenn ich dich nicht spüre. Nur ganz kurz Daniel, bitte. So dramatisch ist das doch nicht.” Lauren ging vorsichtig mit ihrem Kopf auf seine Schultern und schmiegte sich an ihn.

Daniel legte seinen rechten Arm kurz um sie und gab ihr einen Kuss auf ihr braunes, gewelltes Haar.

“Na komm schon. Ich muss wieder rein und du hast Feierabend.”

Daniel stand auf und Lauren verabschiedete sich lächelnd. Etwas glücklicher ging er dann wieder ins Büro. Laurens Haar roch so gut…

So wirklich gut kam er zwar immer noch nicht voran, aber irgendwie freute er sich schon auf Lauren heute Abend. Um 19:00 Uhr machte er dann Feierabend und verließ das Gebäude.

Sein Auto war unten in der Tiefgarage und auf den Weg dahin traf er Susan, die ihn freundlich grüßte und ihn nach seinem Befinden fragte.