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Anhand der "Apologie des Sokrates" Platons sowie seiner Dialoge Euthyphron, Theätet, Kriton, Phaidon und des Höhlengleichnisses aus dem "Staat" wird der Frage nachgegangen, was es mit dem Ausspruch des Sokrates "Ich weiß, dass ich nichts weiß" auf sich hat.
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Seitenzahl: 34
Veröffentlichungsjahr: 2018
Dr. Eckhard Schiffer, dem Seelenarzt
Wieder einmal hat sich der Förderverein des Stadtmuseums Quakenbrück über die engen Grenzen der Region hinausgewagt. Bereits zum fünften Mal zeigte Dr. Annrose Niem vor vollem Haus, dass die Themen des klassischen Altertums auch hier und heute gefragt sind.
Natürlich hat sich ihre unkomplizierte Art, Jahrtausende alte Themen der heutigen Generation schmackhaft zu präsentieren, herumgesprochen, und man fühlte sich auch diesmal ganz schnell in die Zeit des Sokrates zurückversetzt.
Sein denkwürdiger Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ lässt sich – so stellt sie fest – nur richtig interpretieren, wenn man das Werk des griechischen Philosophen Platon zu Hilfe nimmt. Platon fühlte sich seit der ersten Begegnung mit Sokrates tief beeindruckt von ihm. Er hat zahlreiche Dialoge hinterlassen; in den meisten von ihnen ist Sokrates der Hauptunterredner, während Sokrates selbst nie etwas schriftlich festgehalten hat.
Bei der Interpretation kommen auch die Aspekte „Weiterleben nach dem Tod“ und „Seele“ zur Sprache – Themen, die später im Christentum eine entscheidende Rolle spielen und auch bei der anschließenden Diskussion nach dem Vortrag im Mittelpunkt standen.
Diese kleine Schrift, für deren Text und Herausgabe wir Frau Dr. Niem herzlich danken, gibt im Nachhinein die Möglichkeit, angesprochene Lösungen zu „Wissen“ und „Nichtwissen“ in Ruhe nachzuarbeiten, zu überdenken und sie dem Augenblick zu entreißen.
Die Mitarbeiter des Fördervereins hoffen, dass Frau Dr. Niem auch in Zukunft das Programm bereichert und uns weitere Themen aus den unerschöpflichen Quellen des klassischen Altertums erschließt. Wir bitten Sie, liebe Leser, für diese Schrift zu werben, die zu den Öffnungszeiten im Stadtmuseum erhältlich ist.
Quakenbrück, im Januar 2013
Heinrich Böning Leiter des Stadtmuseums
Dies ist der fünfte Vortrag, den ich hier im Museum halte: Thema der drei ersten waren Schriftsteller und Gelehrte aus dem alten Rom des ersten Jahrhunderts nach Christus. Im vierten ging es um die Insel Atlantis, von der uns der griechische Philosoph Platon erzählt hat. Von ihm und seinem großen Vorbild und Lehrer Sokrates soll heute die Rede sein.
Das meiste, was wir von Sokrates wissen, geht auf Berichte seiner Schüler zurück und ist historisch nicht sicher bezeugt. Vieles davon ist verloren gegangen, anderes von verschiedenen Autoren unterschiedlich überliefert. Die meisten Angaben über ihn finden wir bei Platon; dabei ist es oft recht schwer zu unterscheiden, was wirklich auf seinen Lehrer Sokrates zurückgeht und was seiner eigenen Darstellung geschuldet ist. Sokrates selbst hat nämlich nichts Schriftliches hinterlassen. (Die Situation ist in etwa vergleichbar mit der von Jesus, über den wir auch aus verschiedenen Quellen einiges wissen, ohne immer sicher sein zu können, ob es historisch verbürgt ist.)
Trotzdem will ich hier mit dem beginnen, was wir aus dem Leben des historischen Sokrates wissen, und erst dann dazu übergehen, Ihnen sein Wirken und seine Lehre, wie wir sie von Platon vorgetragen bekommen, vorzuführen. Dabei verzichte ich darauf, auch nur zu versuchen, die Lehren beider Philosophen auseinanderzuhalten. Das ist nämlich in der Wissenschaft schon oft vergeblich versucht worden. Ich halte den Tatbestand für sehr gravierend, dass Platon von der Begegnung mit Sokrates so beeindruckt war, dass er darauf sein ganzes Leben nur noch der Philosophie widmete, anstatt eine politische Karriere anzustreben, wie es seinem Stand angemessen gewesen wäre. Ich nehme an, dass Platon seinen Lehrer, den er in fast allen seinen Werken zum Hauptgesprächsführer macht, so dargestellt hat, wie er ihn erlebt hat und wie es dessen Denken und Handeln entspricht.
Historisch sicher ist nur der Tod des Sokrates im Jahre 399 vor Christus; wie Sie sicher alle wissen, ist er vom höchsten Gericht in Athen wegen seines öffentlichen Wirkens zum Tode verurteilt worden. Da man auch weiß, dass er in seinem 70. Lebensjahr starb, kann man auf sein Geburtsjahr schließen: 470 oder 469 v. Chr.
