Wenn die Pampers zum Helm wird - Thomas Bentler - E-Book

Wenn die Pampers zum Helm wird E-Book

Thomas Bentler

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Beschreibung

Wenn ... ... im Supermarkt mehr Artikel auf dem Fußboden als im Einkaufswagen landen, ... zu Hause die Klobürste spontan zum Staubwedel umfunktioniert wird, ... einem im Schwimmbad mit Kind auf dem Arm plötzlich ein warmer Schauer die Hüfte hinunterfließt, dann ist unser Sohnemann Paul mal wieder ordentlich "on fire" und treibt gnadenlos sein Unwesen. Seit der kleine Fegebesen vor etwas mehr als 1,5 Jahren das Licht der Welt erblickt hat, hält er meine Frau Marie und mich ordentlich auf Trab. Und damit nicht genug: Immer wieder zeigt er uns sogar cheffig, wo der Hammer hängt. Jeden Tag erleben Marie und ich absolute Highlights mit unserem Racker. Natürlich ist es dabei auch immer wieder mal stressig, allerdings überwiegen die tollen Momente so dermaßen, dass wir keine einzige Sekunde missen möchten. Zeit innerhalb unserer kleinen Familie zu verbringen, ist etwas ganz Wunderbares, es gibt nichts, was wir lieber täten! Kurzgeschichten rund um das wundervolle Familienleben mit Kleinkind: nicht nur für Mamas, Papas, Omas und Opas, sondern für alle Menschen, die Kinder lieben ...

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Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Thomas Bentler

Wenn die Pampers zum Helm wird

Der ganz normale Alltagswahnsinn aus Papa-Sicht

Erste Auflage 2017

Alle Rechte vorbehalten

Copyright 2017 by

Lektora GmbH

Karlstraße 56

33098 Paderborn

Tel.: 05251 6886809

Fax: 05251 6886815

www.lektora.de

Covermotiv: Markus Freise, www.markus-freise.de

Covermontage: Markus Freise, www.markus-freise.de

Lektorat: Lektora GmbH

Layout Inhalt: Lektora GmbH, Denise Bretz

eISBN: 978-3-95461-117-1

Inhalt

Vorwort

Pulle(r)alarm im Schwimmbad

Beim Kinderturnen

Supermarkt-Spektakel

Spielplatz-Session

Shopping-Marathon

Putz- und Waschtag

Der sonntägliche-Spaziergang

Ein lauschiger Sommertag im Garten

Rock ’n’ Roll im Musikgarten

Ein ganz normaler Feierabend

Badespaß in der Wanne

Zu Besuch bei Oma und Opa

Auf’m Rummel

Schneegestöber

Best of the rest

Die wahren Spielzeuge

Fragenhagel

Feststellungen

Lügen und betrügen

Schreckmomente

Lob, Dank und Anerkennung

Vorwort

Im Grunde genommen sind Marie und ich zwei Menschen, die es wahrlich schlimmer hätte treffen können. Sie: 32 Jahre alt, blondes, langes Haar, bildhübsch und vom Charakter her ein Mädel, das man einfach gernhaben muss. Ich: vier Jahre älter, etwas zu klein geraten, erste Anzeichen von grauem Haar und mit einem wohlgeformten Waschbärbauch ausgestattet. Als passionierter Morgenmuffel tue ich mich am Anfang eines jeden Tages etwas schwer mit Freundlichkeit, nach der ersten Tasse Kaffee bin ich aber ein ganz passabler Kerl, behaupten jedenfalls Insider.

Seit mittlerweile zehn Jahren sind wir nun ein Paar und immer noch happy wie am ersten Tag. Das ist wirklich nicht gelogen, meistens jedenfalls. Es ist eine tolle Beziehung, die von Vertrauen, Ehrlichkeit und einer riesigen Menge Spaß geprägt ist. Jeden Tag lachen wir gemeinsam und nehmen uns gegenseitig auf die Schippe, ohne dabei den Respekt voreinander zu verlieren. Da Lachen bekanntlich die beste Medizin ist, ist es vielleicht genau diese Lockerheit, die unsere Beziehung für uns so schön und besonders macht.

Wie an allen Menschen nagt dabei natürlich auch an uns unaufhörlich der Zahn der Zeit, auch wir werden nicht jünger. Allerdings tut dies der gemeinsamen Freude keinen Abbruch, selbst wenn wir in all den Jahren erwachsener geworden sind und uns hier und da etwas verändert haben. Bei mir war diese Veränderung sogar ziemlich extrem, vom Feiermeier zum frauenverstehenden Alpha-Softie könnte man überspitzt sagen. Tatsächlich ist vieles in meinem Leben mittlerweile anders als früher. Und das ist auch gut so!

Hätte mich vor ein paar Jahren jemand nach den Zutaten für ein paar perfekte Stunden gefragt, wäre mir die Antwort leichtgefallen. Spontan und kalt aus der Hose geschossen hätte ich losgefeuert: »Fußball. Und ein, zwei raffiniert aufgeschäumte Halbe. Oder drei. Und meine Kumpels, um mit ihnen bei Bierchen und fettigem Essen jede Menge dummes Zeug zu erzählen.«

Würde ich dieselbe Frage heute noch einmal gestellt bekommen, sähe die Antwort anders aus. Zugegeben: Fußball, Bier und Kumpels gegenüber wäre ich immer noch alles andere als abgeneigt, jedoch haben sich die Prioritäten im Laufe der Zeit einfach verschoben. Bis vor einigen Jahren hätte ich nämlich nicht mal im Traum daran gedacht, wie sehr ich mich mal verändern würde. Beispiele gefällig?

– Einen familienfreundlichen Babybomber anschaffen und damit wie eine alte Tante durch die Gegend schleichen, wenn der Nachwuchs mit im Auto sitzt? Auf gar keinen Fall!

– Beim Spaziergang einen munteren Plausch mit Muhs, Mähs, Nat-Nats und Hopps aus der heimischen Tierwelt halten? Viel zu albern, nicht mit mir!

– Als einziger Mann zwischen einer Horde Müttern sitzen und mich beim Singen von Kinderliedern wie »Summ summ summ«, »Hopp hopp hopp« oder »Hakuna Matata« zum Vollhorst machen? Um Gottes willen, nein!

Aber im Leben kommt es halt oft anders, als man denkt, so auch bei mir. Der Grund für meine Metamorphose heißt übrigens Paul und erblickte vor etwas mehr als 1,5 Jahren das Licht der Welt. Er hält Marie und mich wirklich ordentlich auf Trab und zeigt uns zwischendurch sogar cheffig, wo der Hammer hängt. Besonders seitdem er laufen kann, ist die Zeit überaus spannend. Der Kleine ist nur noch auf Achse, will die Welt entdecken und alles inspizieren. Darüber hinaus kann er sich für sein Alter schon ganz fantastisch ausdrücken und versteht gefühlt fast jedes Wort, mit Ausnahme von »Nein«.

Mit so einem Fegebesen kann es selbstverständlich auch mal ziemlich anstrengend sein. Aber selbst wenn wir gelegentlich total platt sind oder uns auch mal über ihn ärgern, die tollen Momente überwiegen so dermaßen, dass wir keine einzige Sekunde missen möchten. Zeit innerhalb unserer kleinen Familie zu verbringen, ist etwas ganz Wunderbares, es gibt nichts, was wir lieber täten.

Für all das muss man als malochender Vater natürlich erst mal Zeit haben, aber durch meinen relativ flexiblen Job ist das glücklicherweise möglich und so sehen wir uns jeden Tag, was ganz fantastisch ist. Auch wenn es in der Woche teilweise nur ein bis zwei Abendstunden sind, ist das immer noch besser als gar nichts. Manchmal reicht sogar schon ein einziger kleiner Augenblick, um einen total beschissenen Tag noch zu retten, zum Beispiel beim Blick in das Gesicht des glücklichen Sohnes, der sich freut, wenn der Papa von der Arbeit nach Hause kommt. Oder der Moment, in dem er sich eine Pampers (zum Glück noch ungenutzt) auf den Kopf setzt und stolz seinen neuen Helm präsentiert – unbezahlbar! In solchen Situationen scheinen Alltagsprobleme auf einmal total unwichtig und ganz weit weg. Ohne zu übertreiben: Das ist Lebensfreude pur. Und hier, beim Thema Freude, schließt sich der Kreis zu diesem Buch, denn genau das ist das Ziel der folgenden Seiten: Die Kurzgeschichten aus »Wenn die Pampers zum Helm wird« sollen allen Mamas und Papas, oder die es noch werden wollen, ein locker-flockiges Lesevergnügen bieten. Alle anderen (Omas, Opas, der Rest der buckligen Verwandtschaft und Menschen, die Kinder einfach gern haben) sind natürlich ebenfalls herzlich eingeladen, einen Blick in dieses Werk zu werfen.

Also, schnappt euch ein Kaltgetränk, macht es euch gemütlich und taucht mit diesem Buch ein in die spannende, lustige und teils auch skurrile Welt von Eltern mit kleinen Kindern! Zieht euch die Geschichten aus dem wahren Leben rein, findet euch darin wieder, nickt bestätigend oder schmunzelt einfach ein wenig darüber und habt eine gute Zeit!

Ach ja: Das Buch soll nicht als Ratgeber dienen, wer Tipps erwartet, ist hier falsch. Da muss schon jeder von euch sein eigenes Ding draus machen! Vielmehr ist jedes geschriebene Wort einfach nur eine in lockere Schrift verpackte, liebevolle Hommage an die Familie, von der man einfach nicht genug bekommen kann.

In diesem Sinne, viel Freude beim Lesen wünscht

Thomas Bentler

Pulle(r)alarm im Schwimmbad

Wellness? Kann man so oder so sehen

Es ist ja nicht so, dass ich vorher noch nie mit dem Kleinen im Schwimmbad gewesen wäre. Nein, Schwimmen ist ein absoluter Dauerbrenner, ein echtes Allheilmittel, wenn zum Beispiel das Wetter mal nicht mitspielt oder Paul einen schlechten Tag hat.

Ein bisschen Respekt habe ich vor diesem Tag allerdings schon, zum ersten Mal gehen wir zu zweit in die moderne Thermal-Badelandschaft mit staatlich anerkanntem Heilwasser. Richtig gehört, keine quitschbunte Lärmbude mit Rutschen, Springtürmen und einer schlechten PommesKantine, sondern eine echte Wohlfühloase, welche für ihr ganzheitliches Gesundheitskonzept schon mehrmals ausgezeichnet wurde. Nur das Beste also für die feinen Herren, die heute mal nicht auf Mama bauen können, da diese sich mit einer fetten Erkältung herumschlägt und von uns einfach mal in Ruhe gelassen wird, um etwas Zeit zur Genesung zu haben. Somit sind wir komplett auf uns allein gestellt. Aber echte Männer kriegen das locker hin. Hoffe ich zumindest.

Eine erste Diskussion gibt es allerdings schon auf dem Parkplatz, die kleine Wasserratte möchte ihr Kuscheltier »IA« mit in die Therme nehmen, was ich vergeblich versuche, dem Kleinen auszureden. Letztendlich schließen wir einen Kompromiss, mit dem beide leben können: Das Tierchen darf mit ins Bad, jedoch nicht ins Wasser.

Bereits beim anschließenden Gang vom Auto zum Eingangsbereich wird schnell klar: Heute ist einiges anders als sonst. Mit Kollege Schnürschuh auf dem linken Arm, meiner großen Tasche auf der rechten Schulter, einem kleinen Rucksack mit seinen sieben Sachen in der linken Hand sowie Portemonnaie und Schlüssel in der rechten machen sich beim Versuch, die Eingangstür zu öffnen, zwangsläufig erste koordinative Probleme breit. Glücklicherweise hält uns eine ältere Dame die Tür auf. Bemitleidenswert, wie sie mich anschaut, würde sie am liebsten fragen, ob sie mir etwas abnehmen könnte. Der Bezahlvorgang kurze Zeit später ist mit voller Beladung auch nicht wirklich easy, erst recht nicht, wenn sich die Münzen aus der Geldbörse auf einmal selbstständig machen und auf dem Boden munter in alle Himmelsrichtungen rollen. Um sie wieder einzusammeln, muss ich den Kleinen absetzen. Er nutzt die Gunst der Stunde und geht schnurstracks in Schwarzfahrer-Manier unter dem Drehkreuz hindurch. Vom wem er das wohl hat? Aber er kommt in seinem Alter ja eh noch für umme durch.

Vor der Kabine, kurzes Abstimmen zum optimalen Ablauf des Umziehvorgangs: »Wer zuerst? Du oder ich?«

Da Paul nicht antwortet, entscheide ich mich für ihn. Zack zack, rauf auf den Wickeltisch, die Klamotten runter und schwupps rein in die bunte Schwimm-Pampers mit niedlichen Tieren drauf. Danach bin ich an der Reihe, selten habe ich mich so schnell umgezogen, trotzdem dauert es ihm immer noch deutlich zu lang, was nirgendwo im Umkleidebereich zu überhören ist. »Jetzt bleib mal geschmeidig, ich bin doch sofort fertig!«, versuche ich ihn zu besänftigen. Und tatschlich wird er ruhiger, allerdings nicht weil er auf meine Worte hört, sondern weil er zufällig eine neue Beschäftigung gefunden hat: das Auf- und Zuknallen aller Spindtüren in unserem Gang.

Nachdem wir einen leeren Spind gefunden und das für die nächsten 1,5 Stunden nicht benötigte Material darin verstaut haben, geht es für uns inklusive Schwimmflügeln für Kleinkinder Richtung Badewelt. Meine Schritte sind dabei äußerst vorsichtig, ein Sturz wäre fatal, viel zu wertvoll ist die Fracht auf dem Arm, die sich mittlerweile beruhigt hat. Auf halber Strecke wird mein Tempo zwangsläufig doch schneller, da ein kleiner warmer Schauer sanft an meiner linken Hüfte hinunterfließt.

»Scheinbar halten Schwimm-Pampers nur Größeres effektiv auf. Aber besser Pipi als Kacka«, denke ich mir, lege noch einmal einen Gang zu und versuche, mir dabei nichts anmerken zu lassen. Die ersten Tropfen unter der Dusche kurze Zeit später wirken dann irgendwie erlösend. Scheinbar aber nur für mich, der kleine Mann auf dem Arm kann dem erquickenden Schauer überhaupt nichts Positives abgewinnen und macht wiederholt keinen Hehl daraus. Nach dem Umkleidebereich weiß nun also auch die Badelandschaft, dass wir da sind. Ich winke kurz in die Runde und sage verlegen »Hallo!«, Paul macht derweil weiterhin einen auf Sirene, er kann und will nach dem Geschehenen nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen.

Unmittelbar nach dem Ausbreiten der Handtücher auf den beiden Liegen (Paul will seine eigene) geht es zu den Treppenstufen und von dort hinunter ins Wasser. Und siehe da, die Heulboje kann auch anders, von null auf hundert ziehen sich seine Mundwinkel nach oben und er schaut mich an, als wolle er jeden Moment sagen: »Na endlich, geht doch!«

Wenn ich nicht wüsste, dass er kurz vorher schon mal Pipi gemacht hat, könnte ich schwören, dass er es schon wieder tut. So warm, wie ich das Wasser für einen kurzen Moment empfinde, kann es unmöglich sein, schließlich sind wir ja nicht im Whirlpool.

Mit jedem Schritt mehr durch das Wasser werden wir beide entspannter, fast schon wie in Trance gleiten wir durch das Becken, ich halte ihn dabei sanft vor mir, drücke mein Gesicht an seinen Hinterkopf und verteile fleißig Küsschen, während er verträumt nach vorn blickt. Erst durch sein lautes Husten wird die Idylle getrübt. Anscheinend hab ich ihn etwas zu tief vor mir hergeschoben, sodass er für kurze Zeit etwas Wasser gezogen hat. »Nichts passiert!«, haue ich, ohne rot zu werden, eine dreiste Lüge raus, während ich rhythmisch auf seinen Rücken klopfe, um das ungewollte Getränk so gut es geht hinauszubefördern.

Sobald wieder alles gut ist, beobachten wir gemeinsam die vielen Omis mit den feschen bunten Badekappen, die Paul irgendwie total faszinieren. Also die Badekappen, nicht die Omis. Sogar anfassen will er sie, was ich aber sofort unterbinde, bevor es noch Ärger mit den Damen gibt.

Stattdessen spielen wir lieber, was das Zeug hält. Auch wenn es sich mehr um einen Wellness- als um einen Spaßtempel handelt, ein paar Kleinigkeiten zum Toben finden wir trotzdem: Schwimmnudeln und Bälle vom Seniorenschwimmen stehen beispielsweise zur freien Verfügung, die Teile reichen locker aus, um uns bei Laune zu halten, in der Beziehung sind wir sehr genügsam. Die Leute drum herum freuen sich ebenfalls, alle grinsen uns an und sind freundlich, wir fühlen uns fast schon wie kleine Stars. Dieser Rolle wollen wir natürlich gerecht werden, also versuchen wir, den Mob mit tollen Moves zu bespaßen.

Einige Schaulustige sprechen uns zwischendurch sogar an: »Oooh, wie süß, wie heißt die Kleine denn?«

»Sie heißt Paul«, antworte ich freundlich, genieße zeitgleich den doofen Blick und entgegne auf ein entschuldigendes »Oh« mit einem wohlwollenden »Kein Problem«.

Neben den Spielsachen ist auch der Beckenrand sehr interessant, Paul will ständig aus dem Wasser krabbeln und auf ihm herumlaufen. Erst als eine kleine Fontäne mit ihrer Arbeit beginnt, lässt er ab und zeigt mir direkt den Weg zum neuen Highlight. Zu nah darf ich wiederum nicht rangehen, spritzendes Wasser ist bei ihm bekanntlich verpönt. Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, schnappe ich mir meinen Kleinen und wate mit ihm zusammen in Richtung Außenbecken.

Lange können wir aufgrund der niedrigen Außentemperaturen zwar nicht dort bleiben, aber wenigstens kurz nach dem Rechten schauen, ist auf jeden Fall drin.

Auf dem Rückweg beschließe ich, eine erste Pause einzulegen. Also raus aus dem Wasser, den Kleinen in sein dickes Winnie-Puh-Handtuch mit Ohren-Kapuze gewickelt und dann ab auf unsere Liegen. Wir haben es uns gerade richtig schön gemütlich gemacht, als er direkt anfängt, wild mit seinen Armen und Beinen herumzufuchteln und Geräusche zu machen, die nach Missfallen klingen. Er steht auf und schmeißt seine Trinkflasche ins Becken, als wolle er ein Zeichen setzen. Ihm ist scheinbar nicht nach Pause, war aber auch irgendwie naiv von mir, zu glauben, dass ich ein paar Minuten chillen kann, während er ruhig neben mir liegt.

Bevor wir die Aufmerksamkeit der Badegäste aufgrund seiner lauten Unmutsbekundungen erneut auf uns ziehen, fällt die Pause lieber kurz aus. Genau genommen wird lediglich ein Schluck getrunken, bevor wir wieder zurück zum Becken marschieren. Dort gibt es für die Leute um uns herum den zweiten Teil unseres erheiternden Kleinkunst-Programmes zu bestaunen. Diesmal bin ich mir sogar nicht zu schade, mich komplett zum Deppen zu machen, damit der Kleine sich ordentlich kaputtlacht. Mit Kind scheinen solche albernen Blödeleien übrigens total okay, ohne ihn würde man mich wohl umgehend einliefern lassen.

Unsere Show läuft super, völlig unnötig wird sie jedoch auf dem absoluten Höhepunkt von drei kleinen Jungs, circa 10–12 Jahre alt, getrübt. Sie toben im Spielwahn derart wild herum, dass Paul eine ordentliche Ladung Wasser ins Gesicht bekommt, und darüber ist er not amused. Nun gut, es sind Kinder, trotzdem bin ich stinkig. Für einen kurzen Moment bin ich bereit, die Situation zu regeln, und überlege ernsthaft, ob eine ordentliche Standpauke angebracht wäre. Letztendlich belasse ich es aber bei einem bösen Blick mit hochgezogener Augenbraue – erst in Richtung der Kinder, dann zu deren Eltern. Und siehe da, es wirkt, unsere Wasser-Festspiele können ohne weitere Störfälle fortgesetzt werden.

Irgendwann geht aber auch die schönste Zeit einmal zu Ende, Pauls sich langsam blau färbende Lippen geben uns das deutliche Zeichen: Raus aus dem Wasser! Darüber hinaus neigt sich unser Zeitkontingent dem Ende zu. Wir könnten zwar nachzahlen, aber für ein paar Minuten mehr lohnt sich das nicht, auch wenn Paul das natürlich anders sieht. Er würde gern noch etwas bleiben, aber diesmal lasse ich nicht mit mir reden, schließlich geht es um seine Gesundheit. Also wird ab nun nach Daddy-Regeln gespielt. Zielstrebig schreite ich mit ihm Richtung Dusche, biege aber auf dem Weg dorthin spontan am Whirlpool ab, damit wir es uns darin noch kurz gemütlich machen können. In einem Forum für aufgescheuchte Eltern stand letztens, dass man nicht unbedingt mit Kindern in die Dinger rein soll, weil sie die reinsten Bazillenschleudern sind. Aber wie kann ich ihm so etwas Cooles verwehren? Außerdem bleiben wir ja auch nicht lange drin. Und Vertrauen in die Unmengen von Chlor haben wir auch.

So stehen wir erst einige Minuten später unter der Dusche. Marie hat extra gesagt, ich solle nach dem Bad daran denken. Welches Theater er dabei machen wird, ist mir klar, aber immer noch besser als eine fette Ansage zu Hause. Keine Frage, die Mama würde es sofort riechen, wenn der Kleene nicht nach Babyshampoo, sondern nach Schwimmbecken riechen würde. Es hilft also alles nichts, ab unter die Dusche, wo der kleine, glitschige Mann unter donnerndem Getöse von oben bis unten gereinigt wird. Wieder gehört uns die Aufmerksamkeit der anderen Badegäste, die uns zwar nicht mehr sehen, dafür aber immer noch sehr gut hören.

Anschließend sagen und machen wir dem großzügig bemessenen Thermalinnen- und -außenbecken noch einmal »Winke Winke« und gehen langsam Richtung Umkleidekabinen. Dort angekommen, mache ich ihm ein Angebot, welches er unmöglich abschlagen kann: »Maisstange gegen ein entspanntes Umziehen!?!« Er willigt ein, zumindest interpretiere ich den gierigen Griff zum Notfallsnack so. Tatsächlich ist das oft so unbeliebte Umziehen nach dem Bad diesmal glücklicherweise gar nicht schlimm und geht ohne großartige Vorfälle vonstatten. Mit einer Stange kommen wir allerdings nicht hin, letztendlich werden drei Stück weggemümmelt, eine beim Trockenrubbeln und Eincremen, eine beim Anziehen und die letzte beim Föhnen. Die Mütze zum Schluss ist nur noch Formsache.

Zeitlich legen wir eine regelrechte Punktlandung hin, lediglich drei Minuten überzogen, das ist noch absolut in der Toleranz, nachgezahlt werden muss also nicht. Die eingesparte Kohle werden wir, oder eher gesagt ich, ein paar Minuten später noch sinnvoll anlegen. Aber erstmal müssen alle Sachen und mein Mitfahrer im Auto platziert werden. Was dann passiert, ist ein Klassiker nach jeder Schwimmsession: Der Wagen hat sich noch keine drei Meter bewegt, schon wird hinten im Kindersitz gepennt. Ich nehme dies zum Anlass, eine kleine Schleife zu fahren. Schnell düse ich noch durch den Drive–In eines amerikanischen Schnellrestaurants, 2–3 kleine Burger auf die Hand habe ich mir jetzt verdient …

Beim Kinderturnen

Auspowern Deluxe – für Paul UND seine Eltern

Sport ist Mord? Von wegen! Regelmäßige Bewegung ist nicht nur in Sachen Wunschgewicht/Problemzonen immens wichtig. Nein, körperliche Ertüchtigung macht auch Spaß, hält fit und ist darüber hinaus ungemein wichtig für den Kopf, zum Beispiel um abzuschalten. Für Kinder ist Sport wichtig, weil sie durch ihn besser lernen und sich weiterentwickeln können. Marie und ich sind selbst regelmäßig aktiv, sie hüpft wie ein junges Reh beim Zumba über das Parkett und ich versuche, leider mit überschaubarem Erfolg, bei der Ü32 meines Heimatvereins auf dem Fußballplatz zu überzeugen. Von Anfang an war uns klar, dass wir Paul beim Thema Sport früh mit ins Boot holen wollen, weil uns das Thema einfach wichtig ist. Für einen guten Einstieg gibt es in unmittelbarer Nähe ein sehr nettes Angebot, bei dem Kinder ganz charmant und spielerisch an den Sport gewöhnt werden: das Kinderturnen. Da die Veranstaltung montags um 16:00 Uhr stattfindet, gehen meine beiden Süßen meist allein hin. Nur nicht heute, denn seitdem ich während des letzten Projektes in der Firma die 60-Stunden-Woche für mich entdeckt habe, ist mein Überstundenkonto derart prall gefüllt, dass ich einfach mal eher abhauen kann und statt Mad-Monday an der Schüppe nun das Schauen feinster Kinderakrobatik ansteht.

Die Turnhalle der Gemeinde ist für uns gut und schnell zu erreichen, also marschieren wir sportler-like zu Fuß mit dem Kinderwagen dorthin. Turnschuhe mit heller Sohle haben wir selbstverständlich dabei, für Paul reichen Stoppersocken. Bei der Ankunft an der Halle bietet sich uns ein verrücktes Bild, wir finden einen scheinbar spontan von den Müttern eröffneten Parkplatz mit circa 15 Boliden vor. Damit sind allerdings keine Autos gemeint, sondern Kinderwagen, die fein säuberlich nebeneinander eingeparkt wurden. Der Anblick macht ordentlich was her, ein Gerät sieht schicker aus als das andere. Und die Namen erst: Racer GT, Viper SLX, King Air, Carbon und Turbo 4.

»Leck mich am Arsch, bin ich hier auf dem Genfer Auto-Salon oder was?«, sprühen Erstaunen und Erheiterung aus mir heraus. »Dass man solche Raritäten einfach so draußen stehenlässt, unglaublich.«

Marie kann mich aber beruhigen: »Schatz, hier kennt jeder jeden, da kann man die Dinger ruhig mal draußen parken, hier kommt nichts weg.«

»Okay, dein Wort in Gottes Ohr!«

In der hoffnungslos überfüllten Umkleidekabine angekommen, tauschen wir Sneakers gegen Turnschuhe und statten unseren turn- und spielbereiten Sohn mit seinen Socken aus. Was sofort auffällt: Väter scheinen hier eher zu den Exoten zu gehören, außer mir ist lediglich noch ein weiterer Papi anwesend.

»Ist das immer so?«, frage ich Marie.

»Ja, leider«, antwortet sie.

»Warum leider, seid ihr Frauen hier auf der Pirsch oder was?«

»Nee! Aber warte mal ab, du wirst noch früh genug sehen, warum. Hier schwitzt du beim Aufpassen mehr als die Kinder beim Spielen.«