Wer Wind sät - Nele Neuhaus - E-Book
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Beschreibung

Der Bestseller jetzt im Taschenbuch

Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff wird zu einem ungewöhnlichen Tatort gerufen: Ein toter Nachtwächter lag mehrere Tage unentdeckt in einem Firmengebäude. Schnell wird klar, es war Mord. Gemeinsam mit Oliver von Bodenstein ermittelt Pia im Umkreis einer Bürgerinitiative, die gegen einen geplanten Windpark kämpft. Dabei stoßen sie auf ein Grundstück im Taunus, das plötzlich zwei Millionen wert ist – und einen Mann das Leben kostet …

Entdecken Sie auch SOMMER DER WAHRHEIT, einen fesselnden Roman, den Nele Neuhaus unter dem Namen Nele Löwenberg geschrieben hat!

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Das Buch

Kaum aus dem Urlaub zurückgekehrt, wird Kriminalkommissarin Pia Kirchhoff zu einem Leichenfund in Kelkheim gerufen: Drei Tage lag der tote Nachtwächter im Treppenhaus der Firma für Windkraftanlagen, die Verwesung ist bereits in vollem Gange. Auch wenn der Mann ein Alkoholproblem hatte, ist ein Unfall unwahrscheinlich. Denn die Überwachungskamera zeigt einen Einbrecher, außerdem liegt ein toter Hamster auf dem Schreibtisch des Firmenchefs. Aber jegliche Einbruchsspuren fehlen, und gestohlen wurde angeblich auch nichts.

Die Ermittlungen führen Pia und ihren Chef Oliver von Bodenstein zu einer Bürgerinitiative, die sich mit der Firma einen erbitterten Krieg um eine geplante Windkraftanlage im Taunus liefert; die Rede ist von Korruption und gefälschten Gutachten. Dann gibt es einen weiteren Toten. Geht jemand über Leichen, um Profit zu machen? Je intensiver Pia nachforscht, umso mehr Verdächtige tauchen auf; die Motive reichen von Gier über Rachsucht bis zu blankem Hass. Und Bodenstein hat plötzlich ganz andere Dinge zu tun, als bei der Aufklärung der Morde zu helfen …

Die Autorin

Nele Neuhaus lebt mit Mann, Hund und Pferden im Taunus. Ihre Krimis um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff machten sie zu einer der meistgelesenen deutschen Krimiautorinnen und auch international berühmt: Ihre Romane wurden bisher in 15 Sprachen übersetzt.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.neleneuhaus.de

Von Nele Neuhaus sind in unserem Hause bereits erschienen:

Eine unbeliebte Frau

Mordsfreunde

NELE NEUHAUS

WER WIND SÄT

Kriminalroman

Ullstein

Besuchen Sie uns im Internet:

www.ullstein-taschenbuch.de

Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden

Originalausgabe im Ullstein Taschenbuch

1. Auflage Juni 2011

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin2011

Umschlagkonzept: HildenDesign, München

Umschlaggestaltung und Titelillustration:

© bürosüd° GmbH, München

Satz und eBook: Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

ISBN 978-3-8437-0046-7

Für Vanessa

Prolog

Sie rannte die menschenleere Straße entlang, so schnell sie rennen konnte. Am nachtschwarzen Himmel explodierten erste verfrühte Silvesterraketen. Wenn es ihr doch nur gelingen würde, den Park zu erreichen, die feiernden Menschenmassen, in denen sie untertauchen konnte! Sie kannte die Gegend nicht, hatte völlig die Orientierung verloren. Die Schritte ihrer Verfolger hallten von den hohen Häusermauern wider. Sie waren ihr dicht auf den Fersen, trieben sie immer weiter von den größeren Straßen weg, weg von Taxis, U-Bahn und Menschen. Wenn sie jetzt stolperte, war alles aus.

Die Todesangst schnürte ihr die Luft ab, das Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Lange konnte sie das Tempo nicht mehr durchhalten. Da! Endlich! Zwischen den endlosen Fassaden der hohen Häuser gähnte ein düsterer Spalt. Sie bog in vollem Lauf in die schmale Gasse ein, aber ihre Erleichterung dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis sie begriff, dass sie den größten Fehler ihres Lebens gemacht hatte. Vor ihr erhob sich eine fensterlose glatte Mauer. Sie saß in der Falle! Das Blut rauschte in ihren Ohren, ihr Keuchen war das einzige Geräusch in der plötzlichen Stille. Sie duckte sich hinter ein paar stinkende Mülltonnen, presste ihr Gesicht an die raue, feuchte Hausmauer und schloss die Augen in der verzweifelten Hoffnung, die Männer würden sie nicht sehen und weitergehen.

»Da ist sie!«, rief jemand mit halblauter Stimme. »Jetzt haben wir sie.«

Ein Scheinwerfer flammte auf, sie hob einen Arm und blinzelte geblendet in das grelle Licht. Ihre Gedanken rasten. Sollte sie um Hilfe schreien?

»Hier kommt sie nicht raus«, sagte ein anderer.

Schritte auf dem Pflaster. Die Männer kamen näher, langsam jetzt, ohne Eile. Ihr Körper schmerzte vor Angst. Sie ballte die schweißfeuchten Hände zu Fäusten, ihre Fingernägel gruben sich schmerzhaft ins Fleisch.

Und dann sah sie ihn! Er trat in das Licht und blickte auf sie herab. Für einen winzigen erleichterten Moment durchzuckte sie die wahnsinnige Hoffnung, er sei gekommen, um ihr zu helfen.

»Bitte!«, flüsterte sie heiser und streckte die Hand nach ihm aus. »Ich kann alles erklären, ich …«

»Zu spät«, schnitt er ihr das Wort ab. Sie las kalten Zorn und Verachtung in seinen Augen. Der letzte Funken Hoffnung in ihrem Innern verglühte und zerfiel zu Asche, so, wie die schöne weiße Villa am Seeufer.

»Bitte, geh nicht!« Ihre Stimme klang schrill. Sie wollte zu ihm kriechen, ihn um Verzeihung anbetteln, ihm schwören, dass sie alles, alles für ihn tun würde, aber er wandte sich ab und verschwand aus ihrem Blickfeld, ließ sie allein mit den Männern, von denen sie keine Gnade zu erwarten hatte. Die Panik schlug wie eine schwarze Welle über ihr zusammen. Sie blickte sich wild um. Nein! Nein, sie wollte nicht sterben! Nicht in dieser dunklen, dreckigen Gasse, die nach Pisse und Müll stank!

Mit einer Kraft, die ihr die Angst verlieh, wehrte sie sich, sie trat und schlug um sich, kämpfte verbissen ihren allerletzten Kampf. Doch sie hatte keine Chance, die Männer drückten sie auf den Boden und bogen ihre Arme brutal nach hinten. Dann spürte sie den Stich an ihrem Arm. Ihre Muskeln wurden schlaff, die Gasse zerfloss vor ihren Augen, während man ihr die Kleider vom Leib zerrte, bis sie nackt und hilflos dalag. Sie fühlte sich davongetragen, erhaschte einen letzten Blick auf den schmalen Streifen nachtschwarzen Himmels zwischen den hohen Mauern, sah die blinkenden Sterne. Dann stürzte sie und fiel und fiel in endlose, schwarze Tiefe. Für einen kurzen, herrlichen Moment fühlte sie sich schwerelos, der rasende Fall raubte ihr den Atem, es wurde dunkel, und sie war ein klein bisschen verwundert, dass Sterben so leicht war.

Sie fuhr in die Höhe. Das Herz raste in ihrer Brust, und sie brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, dass sie nur geträumt hatte. Dieser Traum verfolgte sie seit Monaten, aber nie war er so real gewesen, und nie hatte sie ihn bis zu Ende geträumt. Zitternd schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und wartete, bis sich ihre verkrampften Muskeln entspannten und die Kälte aus ihrem Körper wich. Das Licht der Straßenlaterne fiel durch das vergitterte Fenster. Wie lange war sie hier in Sicherheit? Sie ließ sich nach hinten sinken, presste ihr Gesicht ins Kopfkissen und begann zu schluchzen, denn sie wusste, dass diese Angst sie nie mehr loslassen würde.

Montag, 11. Mai 2009

Die Sonne war gerade aufgegangen, als er das Gartentor hinter sich schloss und mit geschultertem Gewehr wie jeden Morgen den leicht ansteigenden Weg zum Wald einschlug. Tell, der drahthaarige braune Pudelpointerrüde, trabte ein paar Meter vor ihm her, schnupperte hier und da und nahm mit seiner feinen Nase die tausend Gerüche auf, die die Nacht zurückgelassen hatte. Ludwig Hirtreiter atmete tief die frische, kühle Luft ein und lauschte dem Frühkonzert der Vögel. Auf der Wiese am Waldrand ästen zwei Rehe. Tell blickte zu ihnen hinüber, machte aber keine Anstalten, sie aufzuscheuchen. Er war ein kluger, gehorsamer Hund, der wusste, dass ihn das Wild nur zu interessieren hatte, wenn sein Herr es ihm gestattete.

»Brav so, Junge«, brummte Ludwig Hirtreiter. Von seinem Hof war es nicht weit bis zum Wald. Er passierte die rotweiße Schranke, deren Errichtung vor ein paar Jahren notwendig geworden war, weil die lauffaulen Wochenendspaziergänger aus Frankfurt immer häufiger bis tief in den Wald hineinfuhren. Den Menschen von heute, vor allem den Städtern, fehlte jede Demut vor der Natur. Sie konnten einen Baum nicht vom anderen unterscheiden, plärrten lautstark herum und ließen ihre unerzogenen Hunde selbst in der Schonzeit frei herumlaufen. Manche ergötzten sich sogar daran, wenn diese dann Wild aufstöberten und hetzten. Ludwig Hirtreiter hatte für ein solches Verhalten kein Verständnis. Der Wald war ihm heilig. Er kannte ihn so gut wie seinen Garten, kannte die einsamen Lichtungen, wusste, wo das Wild stand und welche Wege die Wildschweine nahmen. Vor ein paar Jahren hatte er selbst die Hinweistafeln des Waldlehrpfades Lindenkopf entworfen und aufgestellt, um den Unwissenden die Geheimnisse des Waldes näherzubringen.

Die Sonne schickte ihre Strahlen durch das dichte Laub und verwandelte den Wald in eine stille, grüngoldene Kathedrale. An der ersten Weggabelung bog Tell in den rechten Weg ein, als ob er die Gedanken seines Herrchens gelesen hätte. Sie wanderten an der mächtigen Köhlereiche vorbei und erreichten den Kahlschlag, wo ein Sturm im vergangenen Herbst eine Schneise in den Wald gerissen hatte. Plötzlich hielt Ludwig Hirtreiter inne. Auch Tell stand still und spitzte die Ohren. Motorengeräusche! Kurz darauf zerriss das grelle Knattern einer Motorsäge die Stille. Das konnten keine Forstarbeiter sein, denn die hatten um diese Jahreszeit im Wald nichts zu tun. Ludwig Hirtreiter spürte heißen Zorn in sich aufsteigen. Er machte kehrt und marschierte in die Richtung, aus der die Geräusche kamen. Sein Herz klopfte heftig. Er hatte geahnt, dass sie sich nicht an die Vereinbarung halten, sondern einfach mit der Rodung beginnen würden, um schon vor der Bürgerversammlung für vollendete Tatsachen zu sorgen.

Minuten später sah er seine Befürchtungen bestätigt. Er bückte sich unter dem rotweißen Flatterband hindurch, das rings um die kleine Lichtung unterhalb des Bergkammes gespannt war, und schaute fassungslos auf die geparkten orangefarbenen Lastwagen und ein halbes Dutzend Männer, die geschäftig hin und her liefen. Erneut kreischte die Motorsäge, Späne flogen. Eine große Fichte schwankte und krachte mit einem Ächzen auf die Lichtung. Diese hinterhältigen Mistkerle! Bebend vor Zorn nahm Ludwig Hirtreiter sein Gewehr von der Schulter und entsicherte es.

»Stopp!«, brüllte er, als die Motorsäge im Leerlauf blubberte. Die Männer wandten sich zu ihm um, schoben die Visiere ihrer Helme hoch. Hirtreiter trat auf die Lichtung, Tell dicht an seiner Seite.

»Verschwinden Sie!«, rief ihm einer der Männer zu. »Sie haben hier nichts zu suchen!«

»Ihr verschwindet!«, entgegnete Ludwig Hirtreiter grimmig. »Und zwar auf der Stelle! Wie kommt ihr dazu, hier Bäume zu fällen?«

Der Vorarbeiter bemerkte das Gewehr und die Entschlossenheit in Hirtreiters Gesicht.

»He, beruhigen Sie sich.« Er hob besänftigend die Hände. »Wir machen nur unseren Job.«

»Aber nicht hier. Raus aus dem Wald, und zwar sofort.«

Die anderen Männer kamen näher. Die Motorsäge war verstummt. Tell knurrte aus tiefer Kehle, und Hirtreiter legte den Zeigefinger an den Abzug. Ihm war todernst. Der Baubeginn war für Anfang Juni angesetzt, diese vorgezogene Rodungsaktion war illegal, selbst wenn sie mit stillschweigendem Einverständnis des Bürgermeisters oder des Landrats geschah.

»Ihr habt genau fünf Minuten, um eure Sachen zu packen und zu verschwinden!«, rief er dem Trupp zu. Keiner rührte sich. Da legte er an, zielte auf die Motorsäge in der Hand des einen Arbeiters und zog den Abzug durch. Ein Schuss krachte. Erst im letzten Moment hatte Ludwig Hirtreiter das Gewehr ein Stück nach oben gezogen, so dass die Kugel etwa einen Meter am Kopf des Mannes vorbeiflog. Ein paar Sekunden standen die Männer wie gelähmt da und starrten ihn fassungslos an. Dann ergriffen sie Hals über Kopf die Flucht.

»Das wird Konsequenzen für Sie haben!«, schrie der Vorarbeiter ihm noch zu. »Ich rufe die Polizei an.«

»Von mir aus.« Ludwig Hirtreiter nickte nur und schulterte sein Gewehr. Niemand würde die Polizei rufen, denn damit würden sie sich nur ins eigene Fleisch schneiden, diese verlogenen Verbrecher.

Beinahe hätte er den scheinheiligen Versprechungen geglaubt. Kein Baum sollte gefällt werden, bevor nicht alles entschieden sei, das hatten sie noch am Freitag hoch und heilig versichert. Dabei mussten sie zu dem Zeitpunkt der Rodungsfirma bereits den Auftrag gegeben haben, gleich am Montagmorgen loszulegen. Er wartete, bis die Lastwagen die Lichtung verlassen hatten und das Motorengeräusch in der Ferne verklungen war, dann lehnte er das Gewehr an einen Baumstamm und machte sich daran, das Absperrband aufzuwickeln. Hier würde kein Baum mehr fallen, solange er das verhindern konnte. Er war bereit für den Kampf.

*

Pia Kirchhoff stand am Gepäckband und streckte gerade die Hand nach ihrem Koffer aus, als es in ihrer Jackentasche leise zirpte. Es dauerte einen Moment, bis sie den Ton mit ihrem Handy assoziierte, das sie kurz nach der Landung wieder angeschaltet hatte. Drei herrliche Wochen lang hatte das Handy geschwiegen und war von einem der wichtigsten Utensilien ihres täglichen Lebens zur völligen Nebensache geworden. Ihr Gepäck war momentan allerdings ungleich wichtiger als der Anruf. Christophs Koffer war einer der ersten gewesen, er war schon hinausgegangen in der Annahme, Pia werde sofort folgen, aber sie hatte geschlagene fünfzehn Minuten warten müssen, denn die Gepäckstücke von Flug Nr. LH729 aus Shanghai erreichten das Förderband in nervtötender Unregelmäßigkeit und mit meterweiten Abständen.

Erst als sie ihren grauen Hartschalenkoffer auf den Gepäckwagen gewuchtet hatte, kramte sie in ihrer Tasche nach ihrem Telefon. Lautsprecheransagen schallten durch die Halle, jemand rammte ihr unsanft seinen Gepäckwagen in die Waden und brachte nicht einmal eine Entschuldigung über die Lippen. Ein weiteres Flugzeug hatte seine Passagiere ausgespuckt, vor der Zollabfertigung gab es einen Stau. Endlich fand Pia das unermüdlich zirpende Handy und ging dran.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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