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Ruhelos zieht Burt Kincaid seit Jahren durch den Westen. Von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Er hat geschworen, einen vielfachen Mörder zu finden und ihn der strafenden Gerechtigkeit zu übergeben. Zwanzig Männer sind Opfer eines Massakers geworden, das der verbrecherische Colonel Orlebeck angerichtet hat, als der Krieg längst zu Ende war. Grundlos hat er von seinen Rebellen Kincaids ganze Einheit niedermetzeln lassen. Wie durch ein Wunder hat Kincaid das Massaker überlebt. Und er wird sich eisern an den Schwur halten, den er am Grab seiner toten Männer gesprochen hat: Diesen Rebellen-Colonel wird er jagen bis mitten in die Hölle!
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Seitenzahl: 132
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhalt
Kincaid, der Rebellenjäger
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Von Bill Murphy
Ruhelos zieht Burt Kincaid seit Jahren durch den Westen. Von Stadt zu Stadt und von Land zu Land. Er hat geschworen, einen vielfachen Mörder zu finden und ihn der strafenden Gerechtigkeit zu übergeben. Zwanzig Männer sind Opfer eines Massakers geworden, das der verbrecherische Colonel Orlebeck angerichtet hat, als der Krieg längst zu Ende war. Grundlos hat er von seinen Rebellen Kincaids ganze Einheit niedermetzeln lassen. Wie durch ein Wunder hat Kincaid das Massaker überlebt. Und er wird sich eisern an den Schwur halten, den er am Grab seiner toten Männer gesprochen hat: Diesen Rebellen-Colonel wird er jagen bis mitten in die Hölle!
Burt Kincaid stand neben seinem Wagen und hielt noch Zügel und Peitsche in den Händen, als ein Schuss krachte, der ihm galt. Er hörte das Geschoss durch die Wagenplane fetzen. Es schepperte. Töpfe und Pfannen, die unter der Plane lagen oder aufgehängt waren, wirbelten durcheinander, und das alles endete in einem hellen, jaulenden Ton.
Er ließ Zügel und Peitsche fahren und warf sich unter den Wagen. So entging er dem zweiten Schuss und auch einem dritten.
Während er den Revolver zückte, rollte er sich zur Seite und kam hinter dem Gefährt auf die Beine.
Gegenüber stürzten drei Männer aus dem Hotel, Gewehre oder Revolver in den Fäusten, verteilten sich, entdeckten ihn und schossen wie wild.
Burt Kincaid duckte sich und schoss zurück. Während ihre Geschosse an ihm vorbeiflogen oder unter der Plane ein Höllenkonzert anstimmten, traf er den großen, blonden Kerl, der mit zwei Revolvern feuerte. Den zweiten Mann trieb er mit dem nächsten Schuss in das Hotel zurück.
Der dritte Mann nahm die Beine in die Hand und rannte da drüben unter den Vordächern entlang davon, das Gewehr in der Faust.
Passanten, die auf dem Sideway stehen geblieben waren, liefen schreiend über die Fahrbahn.
Den Revolver in Augenhöhe, hatte Burt Kincaid den Mann genau im Visier. Aber er hatte noch nie jemanden in den Rücken geschossen. Im Krieg nicht und auch nicht die Jahre danach.
Nun ließ er den Revolver sinken.
Ein Vogelschwarm kreiste aufgeregt kreischend über den Bäumen vor dem Hotel. Unter der Wagenplane schwangen Töpfe und Pfannen aus.
Das Krachen der Schüsse drückte Burt noch auf die Trommelfelle.
Kein Mensch war mehr auf der Straße zu sehen. Nur der blonde Hüne lag zwischen den Bäumen vor dem Hotel.
Den Revolver in der Faust, schritt Burt Kincaid über die Fahrbahn.
Der Blonde war ihm noch nie begegnet. Auch die anderen beiden nicht. Er konnte sich jedenfalls nicht erinnern, sie je gesehen zu haben.
Der Blonde war tot. Der Mann im Hotel ebenfalls.
Gäste und Personal versammelten sich in der Halle und drängten entsetzt zurück, als Burt Kincaid hineinschaute.
Rufe und Geschrei hallten über die Straße. Von allen Seiten näherten sich nun die Leute.
Burt Kincaid schob den Revolver ins Leder. Ein schlanker, vornehm gekleideter Gentleman trat aus dem Hotel. Offenbar war er der Besitzer.
»Haben Sie geschossen?«, fragte er mit strenger, aber auch gewichtiger Miene.
»Ja!« Burt Kincaid nickte. »Ich auch! Aber zuerst die.« Dann zeigte er auf den Blonden und zur Tür, hinter der die Stiefel des anderen zu sehen waren.
Im Handumdrehen waren sie von Leuten umringt. Da bahnte sich auch schon der Sheriff einen Weg durch die Menge.
Er und der Hotelbesitzer grüßten sich.
»Was ist hier passiert?«, wollte er dann wissen und musterte Burt Kincaid.
»Ich bin eben mit meinem Wagen in die Stadt gekommen«, antwortete Burt. »Da krachte es auch schon. Drei Männer kamen aus dem Hotel und schossen auf mich.«
»Und warum?«
Burt Kincaid zuckte mit den Schultern. »Wenn ich das wüsste.«
»Sie kennen die Männer nicht?«, fragte der Sheriff ungläubig.
»Nein! Das ist es ja! Jedenfalls die beiden hier habe ich noch nie gesehen.«
»Wo ist denn der dritte?«
Burt Kincaid wies die Straße entlang. »Weggerannt!«
»Ich kenne die Männer«, warf der Hotelier ein. »Sie wohnen seit zwei Tagen in meinem Haus.«
»Haben Sie die Namen? Woher sind sie?«
Der Hotelier wies auf die Tür. Der Portier und ein Kellner hatten den Toten da drinnen zur Seite getragen. Dann winkte der Sheriff Burt Kincaid mit einer raschen Handbewegung herbei.
An der Rezeption schlug der Hotelier das Anmeldebuch auf. Und der Sheriff studierte die Namen, die Burt Kincaid nichts sagten. Sie waren alle drei aus Denver.
»Sind Sie mal in Denver gewesen, Mister ...«
»Burt Kincaid! Denver! Sicherlich. Aber wie lange ist das schon her! Vielleicht war ich auch schon zweimal oder dreimal dort. Man kommt rum in meinem Job.«
Der Sheriff musterte ihn von oben bis unten. »Was treiben Sie denn?«
Burt Kincaid wies über die Schulter auf die Straße hinaus, wo sein Karren stand. »Ich handle mit Töpfen und Pfannen aller Art.«
Der Sheriff musterte ihn abermals, nun voller Zweifel. »Sooo!«, sagte er gedehnt.
Ein Hotelgast drängte sich an die Rezeption. »Kennen Sie den Mann nicht, Sheriff?«, fragte er grinsend und zwinkerte Burt Kincaid zu. »Das ist Bratpfannen-Jock! Fährt mit seinen Pfannen und Töpfen landauf und landab.«
Argwohn war im Blick des Sheriffs zu erkennen. »Bratpfannen-Jock? Haben Sie nicht eben gesagt ...«
»Jock heißt sein Pferd!«, erklärte der Gast eifrig. »Noch Bratpfannen, Leute?«, rief er tönend und lachte. »Nein? Dann mal weiter, Jock!«
Alle grienten und betrachteten Burt Kincaid nun ein wenig von oben herab. Ein fahrender Händler, ein billiger Jakob womöglich noch.
Nur der Sheriff fand das nicht komisch. Er hatte den Doc und auch den Leichenträger rufen lassen. Der Doc war zur Stelle und sah sich die Männer an.
»Beide tot!«, sagte er und schüttelte bedauernd den greisen Kopf.
Der Sheriff ließ sich Burt Kincaids Revolver geben. Ein Blick genügte ihm. Nur drei Patronen waren abgefeuert worden, und dabei hatte es eine ganze Weile geblitzt und gekracht, als wären vor dem Hotel zwei Abteilungen feindlicher Kavallerie aufeinandergestoßen. Und mit jedem Schuss hatte dieser fahrende Händler getroffen. Ihm selbst war nicht einmal die Haut geritzt worden.
Bratpfannen-Jock! Das passte ihm alles nicht zusammen.
»Sie bleiben in der Stadt ...«, merkte der Sheriff an.
Burt Kincaid zuckte mit den Schultern. »Wenn das Geschäft läuft.«
»Das ist keine Frage gewesen, sondern eine Feststellung!«, rasselte der Sheriff. »Ich werde mich nach dem dritten Mann umsehen. Wenn Sie schon nicht wissen, wer Ihre Feinde sind, kann er mir vielleicht Auskunft geben. Wir sprechen uns noch.«
Burt Kincaid machte kehrt und verließ das Hotel, schritt über die Straße und knöpfte die Plane auf. Voller Leute war die Straße vor dem Hotel. Als er die Plane hochrollte, umringten sie neugierig seinen Wagen.
Der Boden war mit Töpfen und Pfannen bedeckt. Pfannen hingen auch in Bündeln unter der Plane. Kleine, größere und große.
Die Schüsse hatten etliche Töpfe verbeult.
Nun schnitt Burt einen der demolierten Töpfe vom Strick und hielt ihn hoch.
»Seht euch das Material an! Nicht einmal eine Kugel kann einen solchen Topf durchschlagen.« Dann nahm er den Deckel dazu, der noch passte, und zeigte ihn herum. »Das Stück leicht beschädigt mit Deckel für zwei Dollar!«, rief er in die Menge.
Förmlich aus den Händen wurden ihm Töpfe und Pfannen gerissen.
Aber das war nichts Neues für ihn. Als er vor Monaten in Marfa den Sheriff aushebelte, der im Auftrag eines großen Landhais die Leute drangsalierte und um Haus und Hof brachte, von denen er gewählt worden war, damit er für Recht und Ordnung sorgte, hatten ihm die Einwohner den ganzen Karren leer gekauft. Sie hatten ihn bedrängt, in Marfa zu bleiben und sich zum Sheriff wählen zu lassen.
Doch das konnte er seinen toten Kameraden nicht antun, denen er geschworen hatte, nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis er den Mörder namens Orlebeck gestellt und vor Gericht gebracht hatte, damit er für ein feiges Massaker zur Rechenschaft gezogen wurde.
Colonel Mac Orlebeck, Regimentskommandeur in der konföderierten Armee!
Im Court House von Appomattox war die Kapitulationsurkunde bereits von Grant und Lee unterzeichnet worden, als Kincaid mit seinem Zug Kavallerie auf diese Rebelleneinheit gestoßen war. Es wäre nicht der erste Haufen von versprengten Konföderierten gewesen, den er mit seinen Männern entwaffnet und nach Hause geschickt hatte.
Colonel Orlebeck aber hatte sich nicht ergeben. Da hatte auch der Hinweis nichts genützt, dass der Krieg seit Wochen zu Ende war. Aus dem Hinterhalt waren zwei Schwadronen konföderierte Kavallerie hervorgebrochen.
Um ein sinnloses Gefecht, das den Ausgang des Krieges ohnehin nicht mehr zu beeinflussen vermochte, und um ein Blutbad zu verhindern, hatte Sergeant Burt Kincaid seinen Männern befohlen, die Waffen zu strecken.
Er und seine Männer hatten Waffen und Pferde an die Rebellen abgegeben. Danach hatte sie Orlebeck rücksichtslos zusammenschießen lassen.
Dass Burt Kincaid am Leben geblieben war, grenzte an ein Wunder. Er hatte sich sofort fallen lassen und sterbende und tote Kameraden waren auf ihn gestürzt und hatten ihn zugedeckt.
Ein solches Verbrechen durfte nicht ungesühnt bleiben. Burt Kincaid hatte es in jener Nacht seinen toten Kameraden geschworen.
Burt Kincaid konnte sich nicht vorstellen, dass Orlebeck sein Gesicht vergessen hatte. Sie hatten lange miteinander gestritten. Daran musste sich ein Mann wie Orlebeck einfach erinnern.
Burt Kincaid sah die Gestalt des Colonels ständig vor sich. Am Tag und in der Nacht. Vor allem in den Nächten, in denen ihn die Erinnerung mit wahren Albträumen plagte.
Zwei Jahre war er nun schon unterwegs mit seinen Töpfen und Pfannen, und er konnte und konnte diesen blutrünstigen Bastard nicht finden.
War er ihm jetzt auf der Spur?
Wer waren diese drei Männer? Nein! Sie mussten nicht unbedingt von Orlebeck bezahlt worden sein. Vielleicht hatte jener Sheriff von Marfa diese Kerle gedungen, um sich im Nachhinein zu rächen. Oder jener Landhai, den er um alles gebracht hatte, hatte diese Schießer angeworben.
Aber da gab es auch noch andere Leute, denen er auf seiner Wanderung durch den Westen auf die Zehen getreten hatte. Es war nicht das erste Mal, dass sich ein Bandit oder Mörder an ihm rächen wollte.
Jedes Mal hatte bei einem solchen Überfall sein erster Gedanke Orlebeck gegolten. Aber immer wieder war er enttäuscht worden.
Während er seine Töpfe und Pfannen anpries und verkaufte, dachte er unentwegt an den Colonel und hoffte, dass er dieses Mal der Auftraggeber der Killer war.
Denn das konnte nur eines bedeuten: Dass er ihm auf den Pelz gerückt war, wenn er das auch nicht wusste.
Er bediente gerade die letzten Kunden, als der Sheriff an den Wagen trat.
»Sir?« Burt Kincaid musterte den Sheriff, während er einen großen Kochtopf in Packpapier wickelte und ihn der Kundin ins Netz packte.
Mit einer Handbewegung deutete ihm der Sheriff an, dass er zu Ende bedienen sollte.
Drei Bratpfannen verkaufte er noch, dann konnte er die Wagenplane herunterlassen.
»Wie lange bleiben Sie in Delta?«, wollte der Sheriff wissen.
»Das Geschäft lohnt sich!«, erwiderte Burt Kincaid. »Sie haben es ja gesehen. Wie alle Hombres bin auch ich aufs Geldverdienen angewiesen. Haben Sie den dritten Mann gefunden?«
»Nein! Der Kerl ist inzwischen über alle Berge. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich Ihren persönlichen Schutz unmöglich übernehmen kann. Es wäre gewiss auch besser, Sie verlassen unsere Stadt so bald wie nur möglich.«
»Ich bin mein eigener Hüter!«
»Das habe ich gesehen!«, entgegnete der Sheriff. »Aber das ist nicht die Art, die wir schätzen.«
Burt Kincaid verzog das Gesicht. »Hätte ich das Blei der Killer mit der Hand abwehren sollen?«
»Sehen Sie zu, dass Sie weiterkommen, Mister Kincaid!«, riet der Sheriff und stapfte davon.
Burt Kincaid verschloss die Plane, ging nach vorne und packte den Braunen an der Kinnkette.
»Komm, Jock! Jetzt bist du an der Reihe!«, sagte er.
Hurtig setzte sich der Braune in Bewegung. Burt Kincaid führte ihn über die Straße durch die Einfahrt hinter das Hotel.
Der Hotelier trat aus dem Haus. »Wollen Sie hier übernachten? Sie haben zwei meiner Gäste erschossen und einen dritten davongejagt. Die Rechnung dieser Gentlemen ist noch offen.«
»Halten Sie sich an den dritten!«, versetzte Burt Kincaid. »Ich habe nicht einmal das Geld für ein Bett. Ich will im Stall bei meinem Pferd schlafen.«
»Das ist hier nicht üblich! Ich gebe Ihnen eine Dachkammer. Mit Abendbrot macht das einen Dollar.«
»Danke! Sehr gütig, Mister!«
Der Hotelier ging ins Haus.
Burt Kincaid spannte Jock aus, tränkte ihn und führte ihn in den Stall.
Als der Sheriff sein Office betrat, saß dort Mister Brown, der Advokat, der nur ein paar Häuser weiter sein Kontor besaß.
»Hallo, Leon!«, rief der Sheriff aufgeräumt. »Nett, dich zu sehen. Du bist schon lange nicht mehr in Fisher's Saloon gewesen. Wie geht es dir und was gibt es?«
Sie reichten sich die Hände. Der Sheriff nahm den Hut ab, warf ihn mit gezieltem Schwung über den Haken und nahm hinter dem Schreibtisch Platz.
»Es geht um den Burschen, der da mit seinem Krämerkarren in die Stadt gekommen ist«, sagte der Advokat.
Der Sheriff zog die Brauen hoch. »Da bin ich gespannt!« Er war ein großer, breitschultriger Mann mit schwarzen Haaren. Sein Slang verriet den geborenen Texaner.
»Es sind gewisse Leute an mich herangetreten, die ...«
Der Sheriff unterbrach ihn, indem er die Hand hob. »Einen Augenblick mal, Leon! Du kennst mich doch. Also komm mir doch da nicht mit gewissen Leuten.«
»Wenn ein Klient es nicht wünscht, dass ich seinen Namen preisgebe, bin ich verpflichtet, mich daran zu halten.«
»Dein Klient ist ja nicht mein Klient, und du bist auch nicht mein Klient, Leon!«, erwiderte der Sheriff mit dröhnender Stimme. »Aber schön! Ich höre dir zu ...«
»Diese Leute sind daran interessiert, dass dieser Krämer weiterzieht, und zwar sofort.«
»Weshalb kommst du da zu mir?« Der Sheriff lachte auf. »Sprich doch selbst mit dem Kerl. Vielleicht tut er dir und gewissen Leuten den Gefallen. – Aber nun hör mir mal zu, Leon! Diese gewissen Leute werden doch nicht hinter der Schießerei von vorhin stecken, oder?«
»Aber nein! Damit haben die absolut nichts zu tun! Wirklich nicht.«
»Ich kann doch den Kerl nicht aus der Stadt jagen!«, erboste sich der Sheriff.
»Du könntest es! Er hat eine Schießerei verursacht, und wahrscheinlich wird eine zweite Schießerei nicht lange auf sich warten lassen. Wir hatten mit der ersten Schießerei Glück, dass Unbeteiligte nicht zu Schaden gekommen sind. Das muss nicht wieder so sein. Beim nächsten Mal, meine ich.«
Der Sheriff schüttelte den Kopf. »Da kann ich für deine gewissen Leute nichts tun. Dass er die Stadt so bald wie möglich verlassen soll, habe ich ihm schon gesagt. Wenn euch das nicht genügt ...«
»Du weißt nicht, wer dieser Mann ist!«, gab der Advokat zu bedenken.
»Sooo? Wer soll er denn sein?«, fragte der Sheriff lauernd.
»Dieser Karren und dass er Händler ist, ist alles nur Tarnung.«
»Ach!«
»Es handelt sich um einen rachsüchtigen Yankee, der ehemalige, untergetauchte Konföderierte aufspürt und sie gegen eine Prämie verrät. Für diesen Bastard ist der Krieg noch immer nicht zu Ende. Und es haben sich doch damals viele Konföderierte kurz vor oder nach der Kapitulation in Sicherheit gebracht. Aus gar keinem anderen Grund als dem, dass sie Konföderierte waren. Du bist doch auch einer gewesen.«
Der Sheriff legte die Hand auf die Tischplatte und trommelte kurz mit den Fingern. »So ist das.«
»So ist es wirklich! Dieser Kerl wird hier herumschnüffeln, bis er jemanden aufgestöbert hat, der damals über Nacht die Uniform ausgezogen hat, um irgendwo, oft unter einem anderen Namen, neu zu beginnen.«
»Verstehe schon!«
»Wenn wir ihm hier Zeit lassen, sich umzuhören, wird er auf den einen oder anderen stoßen, der sich hier inzwischen eine neue Existenz aufgebaut hat und als friedlicher Bürger lebt, anerkannt und mit Respekt behandelt von seinen Nachbarn. Da sind Familien bei, die furchtbar darunter zu leiden hätten.«
Der Sheriff nickte. »Du kennst solche Leute, richtig?« Er griente. »Hier befindet sich doch nicht etwa Lee persönlich, oder?«
