WILHELM TELL ME A STORY - Erhard Schümmelfeder - E-Book

WILHELM TELL ME A STORY E-Book

Erhard Schümmelfeder

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Beschreibung

"Ein Schelm namens Wilhelm" – aus dieser Grundidee entwickelte Erhard Schümmelfeder fünf Satiren mit einem Schmunzelfaktor von mindestens 100%. Alle Hauptfiguren tragen den Vornamen Wilhelm. In "WILHELM TELL ME A STORY" geht es um einen üblen Streich mit schmerzhaften Folgen. Außerdem erleben wir einen anarchistischen "Staubjäger" in der gleichnamigen Erzählung, den Beschützer einer entzückenden Dame in "Das Glück des Anderen" und einen verwegenen Abenteurer in "Der Abgrund hinter dem Wald". Den Schluss dieser unterhaltsamen Sammlung bildet die Kurzgeschichte "Die hohle Gasse", in der ein gewisser Wilhelm die Rolle eines Straßengaffers übernimmt. Vergnügliche Lektüre für anspruchsvolle Leser, die abends gern mit einem Lächeln auf den Lippen einschlafen möchten.

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Seitenzahl: 25

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Erhard Schümmelfeder

WILHELM TELL ME A STORY

und andere Satiren #11

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

STAUBJÄGER

DER ABGRUND HINTER DEM WALD

DAS GLÜCK DES ANDEREN

WILHELM TELL ME A STORY

DIE HOHLE GASSE

Impressum neobooks

STAUBJÄGER

Bei der Erziehung unserer Kinder legen meine Frau und ich großen Wert auf Sauberkeit und Ordnung. Gelegentlich zeigen sich Eric und seine beiden Schwestern Jana und Beate ein wenig uneinsichtig, wenn ich sie maßvoll und geduldig auffordere, ihr Zimmer aufzuräumen, wie es sich in einer kultivierten Familie gehört. Die in patzigem Ton geäußerte Frage meines Sohnes, ob mein Zimmer während der Jugend immer höchsten Ordnungsprinzipien genügt habe, wurde von mir bislang mit einer pädagogischen Notlüge beantwortet.

Ich finde, Kinder dürfen alles essen, nicht aber alles wissen.

Ja, ich habe etwas zu verheimlichen.

Dem Papier vertraue ich nun an, was ich mündlich niemals zugeben könnte:

Als ich noch ein kleiner Junge war, begann ich die Buchstaben A und O zu hassen. Die Ursache für diese Gefühlsregung lässt sich leicht erklären, denn das weltanschauliche A & O meiner Erziehung bestand aus den Begriffen Artigsein und Ordentlichkeit.

„Wilhelm, bist du heute artig gewesen?“, fragte mich meine Mutter jeden Abend.

„Ja“, antwortete ich, ohne auch nur die Spur einer Schuld in meinem kindlichen Herzen zu verspüren.

„Warst du auch ordentlich, wie ich es dir beigebracht habe?“

„Ja.“

„Dann zeig mir dein Zimmer!“

Mit kritischem Blick stellte meine Mutter fest: Das Bett war vorschriftsmäßig gemacht; der Teppich erwies sich als gesaugt; Schränke, Tisch und Fensterbank zeigten keine Staubspuren. Lediglich auf der Fußleiste oder in einem entlegenen Winkel des Raumes befanden sich manchmal winzige Partikel, die es zu beseitigen galt, denn Ordnung musste sein. In diesem Punkt duldete meine Mutter keine Ausnahme.

Das Heulen des Staubsaugers weckte mich jeden Morgen aus dem Schlaf. Was ist los?, fragte ich mich jedesmal aufschreckend und erlebte dann, wie die unbarmherzige Fanfare der Sauberkeit mindestens zwei Stunden ihr Lied spielte. Es gab kein Entrinnen.

Trotz aller Anstrengungen meiner Mutter bildete sich überall im Haus schon nach kurzer Zeit neuer Staub, hauchdünn zu Beginn, fast nur als Ahnung wahrnehmbar, um dann greifbare Wirklichkeit zu werden. Das machte mich, den kleinen Wilhelm, sehr nachdenklich.

Woher kommt der verfluchte Staub?, fragte ich mich immer wieder und beschloss, dieses Rätsel zu lösen, während meine Mutter flinkhändig mit trockenen, feuchten und antistatischen Tüchern über Bilderrahmen, Treppengeländer und Türgriffe sauste.

Das rasende Tempo, in welchem sie durch ihren Hygienetempel wirbelte, hatte etwas Beängstigendes. Manche Leute aus der Nachbarschaft hielten sie für eine Ordnungshexe, während mein Vater, der sein Leben mit dem Verwalten des ererbten Vermögens zubrachte, für mich eine düstere Schattengestalt war. Nie hatte er Zeit für mich. Er interessierte sich nur für sein Geld und die Ordnung in unserem Anwesen.

Der häufigste Ausspruch meiner Mutter lautete: „Ich muss noch saubermachen. Wenn mal einer zu Besuch kommt, will ich mich nicht blamieren müssen.“