Winter Liebe auf Usedom - DEA WiLK - E-Book

Winter Liebe auf Usedom E-Book

DEA WiLK

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Beschreibung

Band 4 der Usedom mit Herz & Liebe ADVENT Reihe Vier Frauen. Ein kaputter Zug. Und ein Dezember, der anders läuft als geplant. Joanna reist im Dezember nach Usedom, um ein exklusives Weihnachtsevent zu organisieren – professionell, unvergleichlich und perfekt. Doch gleich bei der ersten Besprechung trifft sie auf Florian, der das Projekt leitet: zurückhaltend, unbeeindruckt und alles andere als begeistert von ihrer Art. Außerdem ist er der Bruder von Isabel, die sie im Zug kennengelernt hat – was ihn leider auch nicht sympathischer macht. Doch Joanna weiß, was sie will. Zumindest glaubt sie das.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Eins

Ich war schon oft Zug gefahren. Sehr oft. Und wenn ich mich nicht hinter meinem Laptop verschanzte, lernte ich auch regelmäßig Leute kennen, die interessant genug waren, um sich mit ihnen zu unterhalten. Außerdem stand ich ungefähr einmal im Monat irgendwo in Deutschland auf offener Strecke. Im Winter teilte ich regelmäßig Kekse und Tee mit anderen Fahrgästen. Ich hatte so viele Telefonnummern in meinem Handy mit dem Zusatz Bahnfahrt XY gespeichert, dass ich, sollte ich mal ein Buch herausbringen und sie dafür alle anschreiben, ziemlich gute Chancen auf einen Platz in den Bestseller-Listen hatte.

Doch so etwas wie heute hatte ich noch nie erlebt. Vier Frauen, die, abgesehen vom Alter, kaum unterschiedlicher sein könnten, und sich verhielten, als wären sie extra für diesen Adventstee hier in der Usedomer Bäderbahn zusammengekommen. Als hätten wir es geplant, auf offener Strecke zu halten. Als hätte Loui ihre Kekse nur für uns gebacken und zu Hause geübt, wie sie die kitschigen Taschentücher von Rina kunstvoll falten könnte. Die Kreationen waren wirklich hübsch und als sie uns zeigte, wie wundervoll sie das abgebrannte Café vor diesem Brand immer dekoriert hatte, machte ich mir eine gedankliche Notiz, dass ich sie im Kopf behalten würde. Ich brauchte immer mal wieder jemanden, der kleinere Deko-Aufgaben bei den Events übernahm, die ich organisierte.

Rina und Isa wirkten beide niedergeschlagen, auch wenn Isa so tat, als wollte sie nur ihren Bruder besuchen. Das nahm ich ihr nicht ab. Sie hatte ganz offensichtlich seit Tagen nicht geschlafen. Loui dagegen schien den Schicksalsschlag, der ihr nicht nur den Job, sondern auch die Wohnung genommen hatte, als Chance gesehen und gepackt zu haben. Als hätte sie nur darauf gewartet, dass etwas in ihrem Leben passierte, das sie aus ihrem angenehmen Trott herausholte. Ich war gespannt darauf, was sie hier finden würde. Vielleicht würden wir uns in ein paar Wochen zu einem Kaffee treffen. Dann, wenn wir alle etwas angekommen waren.

»Es ist doch verrückt, dass wir alle für einen ganzen Monat hier sein werden, oder?«, sagte Louise ein paar Stationen, bevor sie den Zug als Erste verlassen würde.

Wir stimmten alle zu und nahmen uns noch einen ihrer köstlichen Kekse. Am liebsten hätte ich mir ein paar davon für später aufgehoben. Doch ich war ziemlich sicher, dass Louise eigentlich eine längere Haltbarkeit für sie geplant hatte. Schon jetzt war die Box zur Hälfte geleert.

Aber ich hatte das Rezept und vielleicht fand ich in der Küche des Dünenschlosses jemand, der es mit mir ausprobierte. Etwas wehmütig dachte ich an meine Nichte Lotti, die ich erst im nächsten Jahr wiedersehen würde. Zwar fand die Weihnachtsgala schon in drei Wochen, am vierten Advent statt. Doch ich hatte das Angebot des Hoteldirektors, bis Anfang Januar zu bleiben, nicht ablehnen wollen. Urlaub am Meer. Die nächsten Wochen würden anstrengend sein und ich hätte kaum die Möglichkeit, die Insel zu erkunden. Zehn Tage Pause danach wären genau das Richtige.

Und Lotti und ich würden Weihnachten im Februar nachfeiern. Das hatte ich ihr versprochen.

Louise war die Erste, die in Zinnowitz ausstieg. Schon an der nächsten Station in Zempin raffte Katharina ihre Sachen zusammen und verließ den Zug mit ihrem Koffer, der schon ein paar Jährchen hinter sich hatte.

»Freust du dich auf deine Nichte?«

Isabel strahlte mich an. »Ich kann es kaum erwarten, sie zu sehen.« In diesem Moment schienen die Schatten unter ihren Augen etwas heller zu sein.

»Grüß deinen Bruder von mir«, sagte ich, als ich aufstand, um meinen eigenen Koffer aus der Gepäckablage zu ziehen. Ein Mann erhob sich und half mir dabei. Ich bedankte mich und umarmte dann Isabel, die mich noch bis zur Tür brachte.

»Wir hören sicher voneinander.«

»Ganz bestimmt«, versicherte ich ihr. Immerhin würde ich mit ihrem Bruder zusammenarbeiten. Wenn er auch nur halb so nett war wie sie, sah ich uns schon jetzt zu viert beim Abendessen. Vielleicht durfte ich sogar mit Isabel und ihrer Nichte Louises Keksrezept ausprobieren.

Erneut überkam mich etwas Wehmut, doch ich schob sie zur Seite. Dafür war jetzt weder die Zeit noch der Ort. Es war zu lange her, um noch immer darum zu trauern. Was ich verloren hatte, würde nicht wiederkommen. Und ich hatte mir so vieles aufgebaut. Ich hatte so vieles, für das ich so unglaublich dankbar war.

Als ich den Bahnsteig betrat, erwartete mich ein junger Mann in Hoteluniform. »Hallo, Frau Martens«, begrüßte er mich, obwohl ich mich ihm nicht vorgestellt hatte. Allerdings war ich auch die einzige Frau, die hier herumstand und nicht wie die anderen Fahrgäste zum Ausgang ging. Die anderen wenigen Fahrgäste, die mit mir gemeinsam ausgestiegen waren, hatten den Bahnsteig bereits verlassen.

»Hallo, sind Sie hier, um mich abzuholen?«

Er lächelte mich freundlich an. »Das bin ich. Darf ich Ihr Gepäck nehmen?«

Ich nickte und er nahm meinen Koffer. Ich folgte ihm durch den Regen zu einem Minivan, auf dem in großen Buchstaben Dünenschloss geschrieben stand. Dazu die Kontaktdaten des Hotels und der Slogan Bei uns wohnen Sie königlich. Ich schmunzelte, konnte mir aber gut vorstellen, dass sich eine bestimmte Gruppe von Urlaubern von diesen Worten angesprochen fühlte. Auf jeden Fall war ich gespannt, wie königlich ich wohnen würde.

Ich setzte mich auf den Beifahrersitz, weil ich schließlich kein Hotelgast war, und registrierte den kleinen Tannenkranz, der vom Rückspiegel herunterhing. Ein alter Weihnachtssong, gesungen von Ella Fitzgerald lief im Radio. Der Regen, der auf die Windschutzscheibe prasselte, passte nicht zu der Weihnachtsstimmung, die bei dem Lied leise über mich rollte.

Wir erreichten das Hotel in wenigen Minuten. »Ich hätte die Strecke auch laufen können.«

Der junge Mann, der mir seinen Namen nicht genannt hatte, schaltete den Motor aus, nachdem er das Auto direkt vor dem Eingang gestoppt hatte. »Dann wäre Sie jetzt aber vollkommen durchnässt.«

Ich dachte an Louise und Katharina, die keinen Abholservice hatten. Vermutlich würden sie tatsächlich keinen schönen Fußmarsch erleben. »Danke«, sagte ich deshalb. »Das ist vermutlich richtig.«

Wieder half er mir mit dem Koffer und führte mich bis zur Rezeption, bevor er zurückging, um das Auto umzuparken.

»Guten Abend, Frau Martens.« Die Frau am Empfang begrüßte mich mit einem freundlichen Lächeln. Auch auf dem Tresen, hinter dem sie stand, fand sich ein Weihnachtskranz. Er war hübsch. Echte Tanne. LED-Kerzen. Ein bisschen Schmuck. Daneben stand eine Schale mit Schokokugeln. Sie deutete darauf. »Nehmen Sie sich gern eine.«

Doch ich schüttelte abwehrend den Kopf. »Ich habe auf der Fahrt so viele Kekse gegessen, dass ich erst mal eine Zuckerpause brauche.«

Sie lachte herzhaft. »Das kann ich gut verstehen. Ich habe gestern mit meinen Kindern Plätzchen gebacken und ich kann Ihnen sagen, es sind nicht viele übrig geblieben.« Ein kurzer Stich durchfuhr mich bei ihren Worten. Jedes Jahr war es das Gleiche. Und das war ein weiterer Grund, warum ich den Auftrag und das Angebot, länger zu bleiben, angenommen hatte. Ich liebte meine Schwester und meine Nichte und auch meinen Schwager. Doch manchmal ertrug ich ihr glückliches Familienleben einfach nicht.

Ich lächelte trotzdem. »Das war sicher schön.«

»Das war es. Und vielleicht hilft es Ihnen, wenn ich Ihnen sage, dass sie sofort zum Abendessen ins Restaurant gehen können, wenn Sie sich auf Ihrem Zimmer frisch gemacht haben. Das Restaurant befindet sich gleich dort hinten. Es wurde Halbpension für Sie gebucht. Allerdings steht es Ihnen frei, auch etwas anderes von der Karte zu bestellen. Die Kollegen wissen Bescheid.«

Dankbar lächelte ich sie an. Etwas Vernünftiges zu essen, war genau das, was ich jetzt brauchte. Sie übergab mir meine Zimmerkarte, erklärte mir den Weg und wünschte mir einen schönen Aufenthalt. Nachdem ich mich noch einmal bedankt und weitere Hilfe mit meinem Koffer abgelehnt hatte, stieg ich in den Fahrstuhl. Mein Zimmer lag in der zweiten Etage und hatte Meerblick. Königlich. Das Wort aus dem Slogan fiel mir wieder ein.

Es war ein schönes Hotel. Gepflegt und es verdiente seine fünf Sterne. Doch königlich? Ich sah mich in meinem Zimmer um, das größer war als die durchschnittlichen Zimmer der Hotelketten, in denen ich normalerweise wohnte, wenn ich in anderen Städten arbeitete. Es war auch deutlich anders eingerichtet. Doch königlich? Ein Grinsen schob sich auf meine Lippen. Werbung.

Ich zog mich um und ging dann ins Restaurant, das mich mit klassischer Musik und einer dezenten Weihnachtsdekoration empfing. Ein paar Tannenzweige hier, ein paar Weihnachtskugeln dort. Geschmackvoll, aber nicht herausstechend. Es passte zum Hotel, wirkte allerdings etwas langweilig. Manchmal war mein Beruf ein Fluch. Ich achtete viel zu sehr auf all diese Dinge. Dekoration, Bekleidung der Mitarbeiter, die Darbietung des Essens, die Wahl der Musik. Meine Sinne waren für jedes dieser Details und tausende weitere geschärft. Deswegen fiel es mir oft schwer, Veranstaltungen oder selbst einen simplen Restaurantbesuch zu genießen.

Ich versuchte, es als Inspiration zu betrachten. Mir einzureden, dass ich auf diese Weise dazulernte und meinen Blick für meinen Job schärfte. Das stimmte sicher auch, aber manchmal würde ich mich einfach gern bei einem guten Essen entspannen, ohne zu bemerken, dass die Tischdecke nicht zur Serviette passte.

Das Essen war trotzdem gut und nach und nach überkam mich die Müdigkeit. So schön die Reise gewesen war, so sehr hatte sie mich auch erschöpft. Ich freute mich auf eine heiße Dusche. Oder … Als die Kellnerin meinen Teller abräumte, fragte ich: »Können Sie mir sagen, wie lange der Wellness-Bereich heute geöffnet ist?«

»Bis um zehn.«

Ich sah auf die Uhr. Es war halb neun. Ich bedankte mich bei ihr, legte ein Trinkgeld auf den Tisch und beeilte mich dann, aufzustehen, den Bademantel aus meinem Zimmer zu holen und den Abend mit einer echten Entspannung ausklingen zu lassen. Sauna-Events hatte ich bisher nämlich nicht veranstaltet.

Zwei

Am nächsten Morgen joggte ich noch vor Sonnenaufgang im eisigen Regen für eine halbe Stunde den Strand entlang. Trotz der Kälte und der Dunkelheit jauchzte ich laut auf, als der Wind mir entgegenschlug und eine Möwe irgendwo über mir laut aufschrie. »Guten Morgen«, schrie ich den Wellen entgegen, die laut ans Ufer rollten. Oh, wie sehr ich es liebte, am Meer zu sein. In diesem Moment war ich so froh über meine Entscheidung. Ja, es war dunkel. Ja, es regnete. Und ja, ich würde einen Großteil meiner Zeit in einem Büro verbringen oder durch das Hotel laufen. Doch diese Minuten, in denen ich die saubere, salzige Meeresluft einatmen durfte, waren ein Geschenk. Mein Weihnachtsgeschenk an mich selbst.

Kurz bevor ich den Strand verließ, legte ich den Kopf in den Nacken. So, wie ich es an jedem Morgen tat. Egal, ob auf dem Balkon meiner Wohnung in Berlin oder an einem Londoner Flughafen. Schon lange sagte ich in diesen Momenten nichts mehr. Es gingen mir auch keine Worte mehr durch den Kopf. Im Laufe der Jahre reichte die Bewegung, um mich mit Marc zu verbinden. Für ein paar Sekunden zu fühlen, was uns wohl für immer verbinden würde. Was kein anderer Mann nach ihm geschafft hatte, in mir zu wecken.

Ich lächelte, weil ich spürte, dass er es auch tat. Auf welche Weise auch immer. Selbst wenn es nur die Erinnerung an ihn war, die in mir weiterlebte.

Dann rannte ich zurück zum Hotel. Der Saunabesuch am Vorabend hatte gutgetan. Er hatte mich ankommen lassen. Ich war in einen entspannten, tiefen Schlaf gefallen und heute Morgen voller Tatendrang aufgewacht. Jetzt duschte ich kalt, drehte meine Haare zu Locken, schminkte mich und zog eine enge Jeans und eine weiße Bluse an. Darüber einen beigefarbenen Blazer. Mit einer auffälligeren goldfarbenen Kette, die in drei Teilen bis auf meine Brust reichte, rundete ich mein Outfit ab.

Der Frühstücksraum war fast leer. Die Woche nach dem ersten Advent war ganz offensichtlich nicht die Zeit, in der die Touristen die Insel stürmten. Wer konnte es ihnen verdenken? Der norddeutsche Dezember lud nicht gerade dazu ein, Urlaub zu beantragen. Obwohl ich dieses Wetter sehr mochte.

Ich frühstückte nicht und ließ mir deshalb nur einen Kaffee und eine Flasche Wasser bringen. Dann klappte ich meinen Laptop auf, um meine E-Mails zu checken. Sofort poppte die Erinnerung für den Termin mit der Geschäftsleitung in einer halben Stunde auf dem Bildschirm auf. Ich klickte darauf, um noch einmal zu bestätigen, dass wir uns hier in diesem Restaurant treffen würden. Dann beantwortete ich ein paar Anfragen, löschte Spam und verschob E-Mails, um die ich mich später kümmern würde oder von denen ich ausging, dass die Schreibenden eine eigene Lösung finden würden, wenn ich ihnen dafür ein bisschen Zeit gab.

Manche Leute hatten ganz offenbar noch nicht gelernt, wie man eine Suchmaschine benutzte, und glaubten, dass man nichts Besseres zu tun hatte, als Fragen zu beantworten, die sie deutlich schneller bei Google hätten eingegeben können.

Ich schloss den Laptop wieder und rührte die Milch in meinen Kaffee, den die Kellnerin in der Zwischenzeit gebracht hatte. Mit der Tasse in der Hand sah ich aus dem Fenster, beobachtete das stürmende Meer und die wenigen Menschen, die sich in dem faden Licht, das noch immer nicht so aussah, als wäre es Tageslicht, hinausgewagt hatten. Doch es war fast neun Uhr und viel heller würde es heute wohl nicht mehr werden. Die dicken Regenwolken gaben der Sonne keine Chance, etwas mehr Licht zu bringen.

»Guten Morgen, Frau Martens.«

Innerlich erschrak ich ein bisschen, doch das zeigte ich nicht nach außen. Ich war 35 Jahre alt und arbeitete seit über zehn Jahren in diesem Beruf. Professionalität war etwas, das mich auszeichnete. Langsam stellte ich meine Tasse auf den Tisch und erhob mich, um die zwei Männer zu begrüßen, die zu mir getreten waren.

»Guten Morgen, die Herren.« Ich musterte sie. Einer von ihnen war bereits deutlich über fünfzig, hatte tiefe Lachfalten um die Augen und ein rundes, freundliches Gesicht. Ich war ziemlich sicher, dass er nicht Isabels Bruder war.

»Setzen Sie sich, setzen Sie sich«, sagte der Mann mit dem runden Gesicht. »Ich bin Edgar Werner und ich leite das Hotel. Dies ist Florian Thomsen. Er wird Ihnen zur Seite stehen.«

Ich gab beiden Männern die Hand und musterte Isabels Bruder. Er war etwas älter als sie, aber ich war ziemlich sicher, dass er jünger als ich war. Das störte mich nicht. Es war gut, jemanden zu haben, den ich mit kleineren Aufgaben betrauen konnte und der wusste, wie es im Hotel ablief.

Die Männer nahmen mir gegenüber Platz und Herr Werner redete weiter: »Es tut mir leid, dass unsere Insel Sie nicht mit ihrem berühmten Sonnenschein begrüßt.«

Ich lächelte ihn an. »Da ich ohnehin die meiste Zeit in Ihrem wundervollen Haus sein werde, ist es doch ziemlich nett von der Wetterkönigin, mich nicht daran zu erinnern, wie schön der Strand bei Sonnenschein ist.« Ich legte ein verschwörerisches Lächeln auf. »Außerdem war ich heute bereits dort und es ist so herrlich leer, wenn der Regen einem eisig ins Gesicht geschlagen wird.«

Herr Werner lachte schallend auf. Florian lächelte, wirkte aber nicht sonderlich amüsiert.

»Sehr gut. Dann hoffen wir, dass es fürs Erste so bleibt.« Er beruhigte sich etwas und setzte dann ein ernsteres Gesicht auf. »Lassen Sie uns anfangen. Ich habe in zwei Stunden noch einen anderen wichtigen Termin und hoffe, dass wir bis dahin alles so weit geklärt haben, dass ich Sie beide mit dem Projekt allein lassen kann. Natürlich haben Sie sämtliche Unterstützung des Personals. Außerdem arbeiten wir mit einigen externen Dienstleistern zusammen. Die Dekoration übernimmt eine junge Frau aus Anklam. Sie sollte eigentlich heute dabei sein, entschuldigt sich aber. Sie liegt seit gestern mit hohem Fieber im Bett.«

»Das ist nicht weiter schlimm. Mein Vorschlag wäre ohnehin, dass wir erst einmal die Eckdaten zusammen durchgehen. Sie hatten mir bereits einige Informationen zukommen lassen und wie ich sehe, haben Sie meine groben Pläne sogar ausgedruckt. Wie ich Ihnen aber schon per E-Mail mitgeteilt hatte, kann sich daran noch einiges ändern, wenn wir mit der direkten Planung beginnen. Am liebsten würde ich deshalb zunächst den Saal sehen. Wissen Sie, für mich ist es wichtig, das ich ein Gefühl für den Veranstaltungsraum bekomme.«

Als er mich entgeistert ansah, fügte ich hinzu: »Das ist so ein Frauending. Sie müssen es nicht verstehen, dürfen aber davon profitieren, denn meine Events sind so viel besser, seitdem ich darauf vertraue.«

Florian, den ich einfach nicht Herr Thomsen nennen konnte, gab ein seltsames Geräusch von sich. Es konnte ein Lachen oder ein Schnauben sein. Es konnte bedeuten, dass ihn meine Worte amüsierten oder dass er sich über mich lustig machte. Na wunderbar.

Herr Werner nickte. »Ihre Arbeiten sprechen für sich.« Dann lachte er. »Und meine Frau hat auch fast immer recht.«

Ich lächelte, als wäre er einer meiner Schüler, der eine schwierige Aufgabe verstanden hatte. »Sehen Sie.«

»Ja, das tue ich. Also, gehen wir in den Saal.«

Ich trank meinen Kaffee aus, nahm die Wasserflasche vom Tisch und legte wieder einen Euro auf den Tisch. Ich sparte einen Monat lang sämtliche Kosten für meine Verpflegung, einen Teil davon konnte ich an die Mitarbeiterinnen weitergeben. Besonders viel Trinkgeld bekamen sie zu dieser Jahreszeit sicher nicht.

Die Männer gingen voran und ich folgte ihnen durch das Hotel-Labyrinth, das ich in ein bis zwei Wochen sicher verstanden haben würde. Jetzt versuchte ich, Wegmarken in meinem Gedächtnis abzuspeichern. Der Fahrstuhl, die Tür zur Küche, der lange Gang, der an der Treppe vorbei führte.

»Der Saal hat auch einen Außeneingang, doch unsere Hotelgäste können ihn betreten, ohne sich nasse Füße zu holen. Das ist gut, denn so können sie ihre Jacken auf den Zimmern lassen. Das entlastet unsere Garderobe.«

»Wie viele Anmeldungen gibt es inzwischen?«

---ENDE DER LESEPROBE---