Winter Träume auf Usedom - DEA WiLK - E-Book

Winter Träume auf Usedom E-Book

DEA WiLK

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Beschreibung

Band 2 der Usedom mit Herz & Liebe ADVENT Reihe Vier Frauen. Ein kaputter Zug. Und ein Dezember, der anders läuft als geplant. Eigentlich will Rina den Dezember allein verbringen – in Zempin, in der Wohnung einer Freundin, möglichst weit weg von Berlin und allem, was war. Doch gleich am ersten Abend stolpert sie im wahrsten Sinne des Wortes vor die Füße eines Mannes. David ist Arzt, wohnt nebenan – und lässt sich nicht so leicht abschütteln. Was als Rückzug beginnt, wird zur Begegnung, die sie nicht gesucht hat. Und die vielleicht genau deshalb etwas in ihr berührt, das sie längst verloren geglaubt hat.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Eins

1. Advent - UBB

Ich betrachtete die anderen drei Frauen. Isabel, die Innenarchitektin, die ihren Bruder besuchen wollte. Joanna, die Event-Managerin, die für einen Job auf die Insel gekommen war. Und Loui, die keinen Job und keine Wohnung mehr hatte, weil das Café, in dem sie arbeitete, abgebrannt war und der Brand ihre Wohnung unzugänglich gemacht hatte, und die deshalb hier Zuflucht suchte. Sie waren alle älter als ich und ich fühlte mich wie ein Küken. Meine bunten Taschentücher waren dafür ein wunderbares Symbol.

Doch über die Zeit, die wir an diesem ersten Advent zusammen in der Usedomer Bäderbahn saßen und darauf warteten, dass die Technik wieder funktionierte, schien der Altersunterschied auf die wenigen Jahre, die uns tatsächlich trennten, zusammenzuschrumpfen. Vielleicht hatten sie ein paar Dinge mehr erlebt. Doch vermutlich hatten sie nicht erlebt, wovor ich davonlief.

Das traf es gut. Ich lief vor meinem Leben davon. Zum Glück hatte Maria schon so lange den Traum, nach Berlin zu ziehen. Zum Glück hatte sie gerade selbst keinen Job, der sie auf der Insel hielt. Und zum Glück hatte sie in Berlin so schnell ein Café gefunden, in dem sie arbeiten konnte.

»Also, Rina, erzähl mal. Was für Software programmierst du denn eigentlich?« Jo hatte sich ihren Mantel über die Beine gelegt und sah mich erwartungsvoll an. Es war ein Mantel, den ich selbst nie tragen würde. Viel zu umständlich und vermutlich auch zu teuer.

»Das ist unterschiedlich. Momentan arbeite ich mit einer Schule zusammen, mit der ich für ihre Lernplattform ein Spiel entwickle, das den Kindern der dritten und vierten Klassen die Möglichkeiten und Gefahren im Umgang mit dem Smartphone verdeutlicht, ohne dass sie sich belehrt fühlen.«

»Wow, das klingt wirklich spannend. Meine Nichte ist ja erst in der zweiten Klasse und mein Bruder ist strikt dagegen, dass sie ein Smartphone bekommt, bevor sie dreizehn ist. Ich fürchte nur, dass sich das kaum verhindern lässt«, sagte Isa.

»Es lässt sich schon verhindern, aber an manchen Schulen arbeiten die Kinder auch mit den Handys. Sie recherchieren damit oder machen Fotos, die sie dann für den Kunstunterricht verwenden. Auf Ausflügen halten sie mit der Kamera auch Dinge fest, die sie sich für später merken wollen. Der Schule geht es darum, dass die Kinder früh lernen, dass ein Smartphone ein Tool ist und nicht nur dazu dient, Kurzvideos anzusehen und in Gruppenchats sinnlose Sticker auszutauschen.« Früher hatte ich vor allem Apps für kleinere Unternehmen programmiert, die ihre Kunden und Kundinnen durch gezielte Angebote an sich binden wollten. Die Arbeit mit den Schulen gefiel mir deutlich besser, weil ich dabei das Gefühl hatte, etwas Gutes zu tun.

»Da hast du recht. Vielleicht stelle ich dir meinen Bruder mal vor.«

»Klar«, erwiderte ich. Warum auch nicht?

»Das ist doch unheimlich schwer, oder? Mit diesem Code zu arbeiten und diese ganzen komplexen Zusammenhänge zu verstehen.« Loui steckte sich einen ihrer Kekse in den Mund, die wirklich wahnsinnig lecker waren.

Ich zuckte mit den Schultern. »Ich habe schon mit fünfzehn damit angefangen und es dann studiert. Irgendwann hat man den Dreh raus.« Ich nahm mir selbst noch einen Keks. Die Schachtel schien nicht leerer zu werden, obwohl wir alle vier immer wieder zulangten und auch unseren Sitznachbarn und den Zugbegleitern etwas abgegeben hatten. »Ich zum Beispiel würde es nicht hinbekommen, Milch so zu schäumen, dass ein Keks darauf liegen bleibt, wenn mein Leben davon abhinge.«

»Das Geheimnis ist, die Ziehphase nicht zu lang zu halten und in der Rollphase darauf zu achten, dass die Luftblasen sich gleichmäßig verteilen.«

Wir anderen drei schwiegen, sahen Louise eine Weile an und lachten dann.

»Irgendwie könnte das auch eine Anleitung für Kaugummiblasen sein«, sagte Isabel und ich lachte noch mehr.

»Stimmt.«

Louise lachte auch, fügte aber irgendwann erklärend hinzu: »In der Ziehphase hält man die Dampfdüse nur knapp unter die Oberfläche der Milch. So bekommt man die Luftblasen. Und dann geht man tiefer und verteilt alles.«

Joanna grinste anzüglich. »Das klingt nun wieder nach einer ganz anderen Anleitung.«

Dieses Mal lachte Louise von Anfang an mit uns. Und irgendwann, als mein Bauch leicht zu schmerzen begann, fragte ich mich, wann ich eigentlich das letzte Mal so richtig gelacht hatte. Es war auf jeden Fall länger als drei Monate her.

Zwei

Es war dunkel, als ich mich von Joanna und Isabel verabschiedete, um in Zempin, eine Station nach Louise, die Bahn zu verlassen. Wir hatten Telefonnummern ausgetauscht, aber ich vermutete, dass ich keine von ihnen wiedersehen würde. Am ehesten noch Louise, weil sich ihr Hotel nur einen Ort entfernt befand. Doch auch diese Distanz konnte unüberbrückbar sein.

Ich hievte meinen Koffer aus dem Zug und rollte ihn durch den Nieselregen bis zur Straße. Ich hatte keinen Schirm dabei, setzte aber die Kapuze auf und beschleunigte meinen Schritt etwas, um nicht vollkommen durchnässt in Marias Wohnung anzukommen. Etwa achthundert Meter waren es bis zu ihrer Wohnung in der Hansestraße. In Berlin wäre ich dafür vermutlich in einen Bus gestiegen. Zumindest bei diesem Wetter.

In Berlin hätte ich vielleicht auch ein paar andere Menschen getroffen. Okay, es waren zwei Familien mit mir aus der Bahn gestiegen, aber als ich die Hauptstraße entlang und später durch das Wohngebiet ging, sah ich nicht eine Menschenseele außerhalb der Häuser.

Durch manche Fenster konnte ich sie dagegen sehen, wie sie gemeinsam am Kaffeetisch saßen, ein Adventskranz mit einer brennenden Kerze zwischen ihnen. Bei manchen stand sogar schon ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Lichterketten und andere leuchtende Figuren, Sterne und Pyramiden strahlten bis auf den Bürgersteig. Manche sahen hübsch aus, andere blinkten in allen Farben.

Der Anblick der glücklichen Familien führte mir mein eigenes Unglück nur noch deutlicher vor Augen, weshalb ich meinen Schritt noch weiter beschleunigte. Der Koffer wollte nicht richtig mitziehen, weshalb ich dennoch immer wieder stehen bleiben musste, um die Rollen neu auszurichten. Als ich die Hansestraße endlich erreichte, hatte der Wind mir die Kapuze so oft vom Kopf geweht, dass ich sie nicht wieder aufsetzte. Ich würde einfach sofort heiß duschen gehen, die Klamotten über die Heizung hängen und mir einen Tee kochen. Ich konnte noch immer selbst entscheiden, wie sich diese Ankunft gestaltete.

Genau wie ich noch immer selbst entscheiden konnte, wie ich meinen Dezember verbrachte, den ich so anders geplant hatte. Wärmer. Nicht allein. Mit einer vollkommen anderen Perspektive für meine Zukunft.

Ich kniff die Augen zusammen, um die aufkommenden Bilder zu vertreiben. Irgendwann mussten sie doch endlich verschwinden. Irgendwann musste mein Verstand doch akzeptieren, dass es kein Zurück gab. Musste mein Herz doch verstehen, dass es loslassen konnte.

Irgendwann.

Nicht jetzt.

Vielleicht, wenn der Abstand es geschafft hatte, mir auch in meinem Inneren einen Raum zu erschließen, in dem ich herausfinden konnte, wer ich von nun an sein wollte.

Ich sah das Loch im Weg, als ich daran vorbeiging, dachte aber nicht darüber nach, ob es ein Problem für die Rollen meines Koffers sein könnte. Erst als er stecken blieb und ich fast stolperte, erkannte ich die Gefahr für mein Nervenkostüm, das unter ständiger Hochspannung stand. Auch die gemütliche Teestunde im Zug hatte daran wenig geändert. Zumindest nicht nachhaltig.

Ich riss viel zu kräftig an dem Griff des Koffers, anstatt das schwere Ding einfach anzuheben und auf diese Weise zu befreien. Irgendwann hörte ich ein Knacken, das mich zusammenschrecken ließ. »Nein!«, sagte ich so laut, dass Menschen in meiner Nähe es hätten hören können. Nur, dass es hier keine Menschen in Hörweite gab.

Ich ging zurück, richtete den Koffer auf und ließ den Griff los. Auf den ersten Blick schien alles okay zu sein. Doch als ich ihn weiterziehen wollte, löste sich eines der Räder, rollte ein paar Zentimeter und kam dann in einer merkwürdig endgültigen Position zum Liegen. Ich sah auf mein Handy. Noch zweihundert Meter bis zu Marias Wohnung. Ich versuchte, den Koffer auf dem verbliebenen Rad zu ziehen. Ich hatte ihn mir von meiner Mutter geliehen, die ihn irgendwann in den Neunzigern gekauft hatte. Normalerweise reiste ich mit einem Rucksack, aber da ich dieses Mal so lange weg, aber nicht viel unterwegs war, war der Koffer die bessere Wahl gewesen. Hatte ich gedacht.

Der Koffer ließ sich nicht auf einem Rad ziehen. Und ich konnte ihn auch nicht am seitlichen Griff tragen, weil dieser irgendwann abgerissen war. Ich konnte mich sogar an den Moment auf dem Flughafen erinnern, als mein Vater den Koffer vom Gepäckband gehoben hatte und er ihm direkt wieder aus der Hand gefallen war.

Also musste ich ihn am oberen Griff nehmen, wofür ich zu klein war. Ständig schlug mir das schwere Ding gegen die Beine. Alle zehn Meter musste ich ihn abstellen, um zu verschnaufen. Meine noch vor Minuten so herrlich wärmende Jacke war nun eine Last, die ich nur allzu gern abgelegt hätte, der stärker werdende Regen eine willkommene Abwechslung.

Etwa zwanzig Meter vor dem zweistöckigen Mehrfamilienhaus, in dessen Erdgeschoss sich Marias Zweiraumwohnung befand, übersah ich wieder ein Hindernis auf dem Weg. Dieses Mal stoppte es nicht den Koffer, sondern mich. Der Koffer blieb irgendwie in Bewegung und sorgte auf mir unerklärliche Weise dafür, dass er selbst zu einem Hindernis wurde, über das ich stolperte. Ich fiel nicht so richtig der Länge nach auf den Asphalt, sondern landete komisch und schmerzhaft auf der Seite. Der schlimmste Schmerz aber stieg von meinem rechten Knöchel auf.

Ich trug bequeme Winterboots, aber gegen diesen Sturz hatten sie nichts ausrichten können. Für einen Moment blieb ich auf dem nassen Boden halbliegend, halbsitzend. Am liebsten hätte ich geheult. Doch das hatte ich mir vor drei Wochen verboten. Keine Tränen mehr in diesem Jahr. Ich würde aufhören, mich selbst zu bemitleiden. Auch jetzt.

Ich rappelte mich auf und konnte mit beiden Füßen auftreten, auch wenn sich der rechte, der noch immer schmerzte, nicht so anfühlte, als würde er mich für einen Marathon tragen können. Aber die letzten zwanzig Meter würde er schaffen.

Ein Mann kam aus dem Haus geeilt, als ich mich wieder in Bewegung gesetzt hatte. »Geht es Ihnen gut? Ist etwas passiert?«

Verwirrt sah ich ihn an. Nicht nur, weil er im T-Shirt und mit einer Serviette in den Händen hier im Regen vor mir stand, sondern weil er offensichtlich gesehen hatte, was passiert war.

»Ich stand gerade am Fenster und habe gesehen, dass Sie gefallen sind. Haben Sie sich verletzt?«

Ich schüttelte langsam den Kopf. »Nein, schon okay. Es ist nichts.«

»Wo wollen Sie denn hin? Lassen Sie mich den Koffer nehmen.«

»Ähm … nein … danke. Das ist nicht notwendig. Ich bin eigentlich schon da. Nur einmal ums Haus herum.«

Sein Gesicht hellte sich etwas auf. »Ah, du bist die Freundin von Maria.« Dass Maria und ich Freundinnen waren, schien für ihn Grund genug zu sein, mich zu duzen.

»Ja, die bin ich. Kennt ihr euch?«

»Wir sind Nachbarn. Ich bin aber erst vor drei Monaten hier eingezogen.«

Von einem neuen Nachbarn hatte sie nichts erzählt. Nur von einem Pärchen, das in einem Hotel in der Nähe arbeitete, und zwei älteren Damen, die hier zusammen wohnten. Die Wohnung direkt neben ihrer wurde an Feriengäste vermietet.

»Oh«, sagte ich nur, weil ich nicht wusste, was ich sonst erwidern sollte, und noch mehr als zuvor in Marias Wohnung wollte, um etwas zu tun, bei dem ich mich besser fühlte, als in der Gegenwart eines Mannes, der mich bei dem wohl peinlichsten Sturz des Jahres erlebt hatte. Und das alles in einem kalten Novemberregen.

»Warte. Sie hat mir deinen Namen gesagt.« Ihn schien der Regen nicht sonderlich zu stören. »Katharina, richtig?«

Ich nickte, verzog aber das Gesicht. »Eigentlich nennt mich so niemand. Rina reicht.« Warum hatte ich das gesagt? Ich sah nach oben, als würde mir der Regen erst jetzt auffallen. »Ich geh dann mal weiter, bevor wir beide vollkommen aufweichen.«

Er lachte leise und irgendwie verwandelte das sein Gesicht in etwas, das ich mir gern länger angesehen hätte. Überrascht von dieser Erkenntnis starrte ich ihn zu lange an. Es war das erste Mal seit … wie lange war es her, dass ich einen Mann kennengelernt hatte, der mir auf diese Art gefiel?

Der Regen hatte sein T-Shirt inzwischen durchnässt. Im Schein der Laterne konnte ich seine Brustwarzen sehen, die sich hart aufgestellt hatten vor Kälte. Seine nackten Arme waren feucht und eine Gänsehaut hatte sich darauf gebildet.

»Ich nehme den Koffer und bringe dich«, bot er noch einmal an, doch ich hielt weiterhin den Griff und setzte an, um ihn weiter zu tragen. Das hätte ich auch geschafft, wenn mein Fuß nicht in diesem Moment nachgegeben hätte. Der Mann, der mir seinen Namen noch nicht genannt hatte, fing einen neuerlichen Sturz auf. Mein Herzschlag hatte sich noch mehr beschleunigt als vor ein paar Minuten und ich atmete schnell, um den Schreck wieder loszuwerden.

»Ich schätze, ich könnte deine Hilfe doch gebrauchen.« Die Worte kamen genervt aus meinem Mund und der Mann ohne Namen hatte sie nicht verdient. Trotzdem war er ein Mann und das allein reichte für den Moment, damit ich mich wegen der Wahl meines Tons nicht allzu schlecht fühlte.

Er schien sich nicht angegriffen zu fühlen, zumindest griff er nach meinem Koffer und bot mir dann seinen Arm an, damit ich mich unterhaken konnte.

»Geht schon«, murmelte ich und humpelte voraus in die Richtung, in der ich Marias Eingangstür vermutete. Man betrat die Wohnung über eine kleine Terrasse, auf der es sich im Sommer sicher schön sitzen ließ. Jetzt gab es nicht einmal Möbel, die ich dafür hätte nutzen können. Außerdem war alles nass und dunkel. Bis sich zwei Lampen einschalteten, die links und rechts oberhalb der Glastür und des Fensters montiert worden waren.

»Es gibt einen Lichtschalter.« Der Mann ohne Namen deutete auf die dünne Holzwand, die die Terrasse zu beiden Seiten abschirmte. Dort, wo er stand, befand sich ein Steinpfeiler, an dem ein Schalter und zwei Steckdosen verbaut waren.

»Danke.« Ich zog den Schlüssel aus der Jackentasche, den ich schon in Berlin dort deponiert hatte, und steckte ihn ins Schloss. Als er sich drehte und ich die Tür öffnete, fiel ein Teil der Anspannung von mir ab. Wärme strömte mir entgegen. Endlich da. Noch einmal sagte ich »Danke«, griff den Koffer und stellte ihn auf die Matte, auf die ich auch meine nassen Schuhe stellen würde. »Gute Nacht.« Ich wollte in die Wohnung treten und die Tür hinter mir schließen, doch er hielt mich davon ab.

»Bist du sicher, dass mit deinem Fuß alles okay ist? Soll ich ihn mir kurz ansehen?«

Was war das denn für eine blöde Masche? Mein gesamtes System ging in den Widerstand, weshalb ich mich kratzbürstiger verhielt, als es vielleicht angebracht gewesen wäre. »Nein, das geht schon. Ich brauche deine Hilfe nicht.« Ohne auf seine Antwort zu warten, schloss ich die Tür. Ich schlug sie nicht zu oder so, aber ich zog danach den Vorhang vor die Scheiben, um ihm zu verdeutlichen, dass ich seine Hilfe nicht länger brauchte.

Für einen Moment hatte ich ein schlechtes Gewissen, denn vielleicht hatte er mir ja wirklich nur helfen wollen. Aber ich hätte es nicht ertragen, ihn abzuwimmeln, wenn er schon in der Wohnung gewesen wäre. Außerdem hatte meine Mutter mich immer davor gewarnt, mit fremden Männern nach Hause zu gehen. Diese Warnung schloss sicher auch die Mitnahme von Männern in fremde Wohnungen mit ein.

Ich schaltete das Licht an einem der Schalter an, die sich neben der Tür befanden, schälte mich müde aus meiner Jacke, hängte sie an die Garderobe und setzte mich dann auf die Lehne des Sofas, das direkt neben dem Eingang unter dem Fenster stand. Maria hatte mir erklärt, dass alle Wohnungen in diesem Haus darauf ausgelegt wären, von Feriengästen für einen kurzen Zeitraum gemietet zu werden. Deshalb fehlte es an manchen Dingen wie eine Abstellkammer oder einem Keller oder eben einem Flur, in dem man sich nicht aufs Sofa setzen konnte.

Ich zog erst den Schuh von jenem Fuß, dem nichts passiert war. Dann öffnete ich die Schnürsenkel des zweiten so weit, dass der Schuh sich von selbst löste und zu Boden fiel.

---ENDE DER LESEPROBE---