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Band 3 der romantischen Liebesromanreihe auf der Insel Usedom an der Ostsee rund um fünf Freundinnen, die sich vor zehn Jahren ein Versprechen gaben. Ein Sommer auf Usedom. Eine Boutique, die mehr ist als ein Laden. Und ein Regen, der alles verändert. Nele lebt ein ruhiges Leben auf der Ostseeinsel Usedom – zwischen Nähmaschine, Boutique und ihrer geliebten Großmutter. Männer? Fehlanzeige. Während ihre Freundinnen sich verlieben, Familien gründen und große Pläne schmieden, zweifelt Nele daran, ob es für sie überhaupt den einen gibt. Bis Ben Claassen völlig durchnässt und ohne Schirm in ihrem Laden steht – ein alter Schulkamerad mit einem Lächeln, das Erinnerungen weckt und Fragen aufwirbelt, die Nele längst vergessen glaubte. Doch Ben trägt mehr als nur nasse Kleidung mit sich. Seine Geschichte ist kompliziert, sein Herz zerrissen – und Nele weiß, dass sie sich besser raushalten sollte. Aber was, wenn Begegnungen wie diese genau zur richtigen Zeit passieren? Warmherzig, klug und voller Ostseeluft – eine Geschichte über Freundschaft, Neuanfänge und die große Frage, ob man das Glück manchmal einfach hereinbitten muss.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
USEDOM MIT HERZ & LIEBE
BUCH DREI
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Epilog
Möchtest du noch mehr...
Mein Podcast
Über die Autorin.
Gehen dir diese Turteltauben auch ein bisschen auf den Keks?« Ida hakte sich bei mir unter, als wir die Strandpromenade erreichten. Sie wohnte nur ein paar Straßen von mir entfernt und für ein paar Minuten würden wir den gleichen Weg haben.
»Welche Turteltauben?«, antwortete ich müde und wir lachten.
»Deine T-Shirts sind der Hammer.«
»Danke, aber das ist wirklich nichts Besonderes.«
»Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich dir jetzt eine Standpauke darüber halten, wie man Komplimente einfach annimmt und dass du endlich anfangen sollst, an dich zu glauben.«
»Das kannst du ja morgen machen.«
»Morgen Montag oder Morgen Sonntag?«
Ich sah auf die Uhr. Es war halb sechs morgens. Die letzten Gäste hatten die Eröffnungsfeier von Papas Café vor drei Stunden verlassen. Nachdem wir gemeinsam mit Clara, Mia, Mads und Noah aufgeräumt hatten, ließen wir uns am verglühenden Feuer nieder. Es war, als hätte die Erschöpfung der letzten Tage endlich einen Weg gefunden, sich durchzusetzen – die Aufregung fiel langsam von uns ab. »Morgen Montag. Heute kommt davon eh nichts mehr bei mir an.«
Ida lachte. Eine Weile gingen wir schweigend nebeneinanderher, doch das Wort Turteltauben ließ mich nicht los. Es brachte einen anderen Gedanken zum Vorschein, der mich schon seit ein paar Tagen beschäftigte.
»Sag mal, Ida, glaubst du, wir kommen jetzt in dieses Alter?«
»Was für ein Alter?«
»Na, das Alter, in dem wir mit Männern zusammenkommen. Wir alle, meine ich.«
Sie blieb stehen und sah mich prüfend an. »Sind wir nicht schon ein bisschen mehr als ein Jahrzehnt in diesem Alter?«
Ich schüttelte den Kopf. »Ich meine doch was anderes. Ich meine Männer, die wir heiraten, mit denen wir Kinder bekommen, ein Haus bauen.«
Amüsiert hob sie eine Augenbraue. »Du meinst Männer, mit denen wir spießig werden?«
Ich verdrehte die Augen. »Du weißt doch, was ich meine.«
»Nein, eigentlich nicht.«
Ich suchte nach Worten, um meine Gedanken besser mit ihr teilen zu können, was angesichts der Müdigkeit ziemlich schwierig war. Vielleicht hätten wir auch dieses Gespräch lieber Morgen Montag führen sollen. »Mia und Mads, Clara und Noah. Das sieht doch nach der ganz großen Liebe aus, findest du nicht? Ich sehe die vier deutlich vor mir. In drei oder vier Jahren laufen hier mindestens zwei Kinder rum.«
»Vielleicht darfst du ja die Hochzeitskleider von den beiden nähen. Oh, und ich wette, du wirst dir die Nächte um die Ohren schlagen, um die süßesten Babyklamotten zu zaubern.«
Dieser Gedanke brachte mich tatsächlich zum Lächeln. »Dann siehst du es auch, oder?«
Sie dachte nach. »Clara und Noah sind noch nicht mal eine Woche zusammen.«
»Aber Clara hat sich erst im April von Finn getrennt. Ihr System sucht nach einem Mann.«
Sie fasste meine Oberarme. »Die meisten weiblichen Systeme suchen nach Männern.«
»Jetzt bleib doch mal ernst, Ida.«
Sie lachte auf. »Das kann ich nicht, Nele. Es ist zu früh oder zu spät dafür.« Sie ließ meine Arme los und ging weiter. »Und ich sehe mich überhaupt nicht in einer Beziehung, die irgendwelche Verbindlichkeiten mit sich bringt. Das, was Max und ich haben, ist genau das Richtige.«
»Ich will aber keine Affäre.«
»Wie kommst du nur darauf?«
Ich werde in weniger als zwei Wochen dreißig.« Plötzlich war mir kalt und ich kuschelte mich in meine Jacke.
»Ich weiß.« Sie sah mich verschmitzt an.
»Dreißig!«
»Was?« Sie wirkte überrascht. »Das stört dich doch nicht etwa. Dreißig ist das neue Zwanzig, Nele. Jetzt fängt das Leben erst an.«
»Für mich nicht. Und bestimmt nicht für meinen Körper. Ich bin dann eine dreißigjährige Singlefrau, die bei ihrer Großmutter im Laden aushilft, keinen Mann und keine Kinder und auch sonst nichts hat.«
Sie hakte sich wieder bei mir unter. »Du hast mich. Und Mia und Clara. Und irgendwie auch Leonie.«
Die Erwähnung von Leo versetzte mir einen Stich. Seit unserem Telefonat mit den Mädels am vorletzten Donnerstag hatte ich nichts von ihr gehört.
»Und du hilfst nicht im Laden deiner Großmutter aus, du schmeißt ihn. Du kümmerst dich um den Einkauf, die Abrechnung, die Mitarbeiter. Du sorgst dafür, dass der Laden läuft. Und eines Tages wird er dir gehören. Und dass du mit ihr zusammen wohnst, ist großartig, Nele. Ihr zwei seid nun mal alles, was euch an Familie geblieben ist.«
Ich schluckte. Sie hatte recht. Meine Eltern waren gestorben, als ich vier Jahre alt gewesen war. Ich erinnerte mich nicht an sie. Nur meine Großmutter war immer da gewesen. Sie hatte sich um mich gekümmert. Für mich war es selbstverständlich, dass ich mich jetzt um sie kümmerte. Aber welcher Mann würde genauso denken?
»Ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass sich ein Mann für mich als Gesamtpaket interessiert.« Ich schloss für einen Moment die Augen, weil ich das Gefühl hatte, zu viel gesagt zu haben. Ida zu viel von meinem Inneren gezeigt zu haben.
Wieder blieb sie stehen. »Was meinst du denn damit?«
Ich stöhnte auf, wollte weitergehen, doch sie hielt mich auf. »Nichts.«
»Nele?« Ihr Ton war warnend.
Ich war zu müde, um Widerstand zu leisten. »Sieh mich doch an, Ida. Wie schaffst du es nur, in einer Küche zu arbeiten und so schlank zu sein?«
Ich erkannte Wut in ihrem Blick.
»Ihr alle. Ich kann gut verstehen, dass Mads sich für Mia interessiert. Dass Noah sich gerade in Clara verliebt. Und dass Finn beide wollte. Und dass Max dich will.«
»Er will mich nur im Bett, Nele. Und ich kann dir jetzt auf der Stelle hundert Gründe aufzählen, aus denen ein Mann dich will.«
Jetzt ging ich wirklich weiter. Das wollte ich mir nicht anhören.
Doch Ida hastete mir hinterher. »Du hast die schönsten Augen, die ich je gesehen habe. So blau wie der Himmel an einem sonnigen Tag. Deine Haare wallen über deinen Rücken wie die einer echten Wikingerbraut, auch wenn sie etwas zu hell sind. Du hast wundervolle … ähm … volle Lippen, die mit Sicherheit sehr angenehm zum Küssen sind.«
Ich konnte mir mein Grinsen nicht länger verkneifen. »Du bist …«
Sie hob den Finger. »… noch nicht fertig. Denn dein Busen …«
»Ida.« Jetzt lachte ich. »Wenn du jetzt anfängst, über meine Brust zu sprechen, renne ich nach Hause.«
»Warum?« Sie wirkte ehrlich erstaunt. »Ich finde, du hast einen tollen Busen. Sieh mich an.« Sie fuhr mit den Händen vor ihrem Körper auf und ab. »Da ist nichts. Wenn ich eine Kochmütze und diese doofe Jacke trage, halten mich alle für einen Auszubildenden. Einen nicht eine.«
Das half mir nicht.
»Was ich doch nur sagen will, Nele: Ich finde dich wunderschön. Ich sehe all die Dinge an dir, die schön sind. Und ich bin sicher, dass es auch viele Männer dort draußen gibt, die das tun werden.«
Ich sah sie ernst an. »Ich habe keine Lust mehr, darüber zu reden.« Inzwischen hatten wir den Kreisverkehr erreicht, an dem sich unsere Wege trennten. Es waren schon einige Leute unterwegs. Lieferanten, die frische Brötchen in die Hotels brachten. Azubis und andere Hotelangestellte, die für den Frühdienst eingeteilt waren.
»Gute Nacht. Oder guten Morgen. Oder was auch immer.« Ich umarmte sie, bevor sie mich noch tiefer in dieses Gespräch verwickeln konnte, und ging dann ohne eine weitere Verabschiedung in Richtung der Wohnung, in der ich mit meiner Großmutter lebte.
»Nele.«
Ich hob die Hand, um ihr noch einmal zu winken, sah mich aber nicht um. Als ich um die Ecke gebogen war, atmete ich erschöpft aus, als hätte ich einen deutlich längeren Fußmarsch hinter mir. Um mich abzulenken und weil ich es seit letztem Donnerstag ohnehin deutlich öfter als gewöhnlich tat, zog ich mein Telefon aus der Tasche.
Ich war schon dabei, es aus der Gewohnheit heraus, dass mir sowieso niemand geschrieben hatte, wieder wegzustecken, als ich überrascht stehen blieb. Leo. Sie hatte mir geschrieben.
Es geht mir gut. Mein Telefon hat einen Abgang gemacht und ich brauchte ein neues. Melde mich bald. Lieb dich. Leo.
Ich wählte die Nummer. Sie beantwortete den Anruf nicht. Deshalb schrieb ich nur zurück: Gott sei Dank hast du dich gemeldet. Ich hab mir solche Sorgen gemacht. Lass uns später telefonieren. Lieb dich. Nele.
Erleichterung überkam mich. Auch als die Donnerstagstreffen nicht mehr stattgefunden hatten, hatten Leo und ich fast jede Woche miteinander telefoniert oder zumindest Nachrichten ausgetauscht. Manchmal waren es nur Fotos gewesen. Doch ich hatte immer gewusst, wo sie sich gerade befand. Und wenn sie sich mal ein paar Wochen nicht gemeldet hatte, hatte ich mich um sie gesorgt. Das tat ich zwar ohnehin immer, aber etwas mehr, wenn ich nichts von ihr hörte.
Und das, obwohl ich wusste, dass sie immer wieder ihr Handy verlor. Dieses war sicher ihr zwanzigstes.
Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht. Ich schickte Leo ein paar Bilder von der Eröffnung und von ihrem Ausklang am Strand und holte dann den Schlüssel aus der Tasche, um die Tür aufzuschließen. Die Wohnung lag nur einen Steinwurf vom Laden entfernt. Das war früher anders gewesen. Früher hatte sich die Boutique in der Nähe des Bahnhofs befunden. Wir hatten sie erst vor fünf Jahren hier neu eröffnet, was den Umsatz deutlich erhöht hatte. Bis dahin hatte ich zusätzlich in einem Supermarkt gearbeitet. Doch jetzt reichte der Gewinn, um meine Großmutter und mich zu ernähren und Geld zurückzulegen.
Als ich die Wohnung betrat, empfing mich meine Großmutter mit einer Tasse Tee in der Hand. »Na, Kleene, hattest du einen schönen Abend?«
Der Rest der Anspannung fiel von mir ab. Ich sank für einen Moment in ihre Arme und fühlte mich zu Hause und sicher und so, als könnte ich jetzt wirklich alles loslassen.
Ich lebte nicht nur deshalb mit meiner Großmutter zusammen, weil ich mich um sie kümmern musste. Ida hatte recht, wir waren alles an Familie, was wir hatten. Aber da war noch mehr. Meine Großmutter hatte ein Heim für uns geschaffen. Es gab keinen Grund, warum ich dieses Heim verlassen sollte. Auch ein Mann wäre nicht Grund genug dafür.
Juli
Es schüttet wie aus Eimern.« Meine Großmutter zog ihren Regenmantel über und griff nach dem Schirm, den wir im Kassenbereich aufbewahrten.
»Soll ich dich bringen?« Ich war gerade dabei, einen Karton mit T-Shirts zu öffnen, um die Regale aufzufüllen, die die Leute heute zu großen Teilen leer gekauft hatten. Regentage waren immer gute Verkaufstage. Einerseits brachten viele Touristen keine Regenjacken mit und andererseits konnten sie nicht an den Strand gehen und nutzten ihre Zeit deshalb zum Kaffeetrinken und Shoppen.
»Unsinn. Das bisschen Regen kann mir nichts anhaben.«
Ich gluckste auf. »Gerade waren es noch Eimer, aus denen es geschüttet hat.«
»Sind es ja auch. Aber dafür musst du nicht den Laden verlassen. So alt bin ich nun auch nicht.«
Einundachtzig. Meine Großmutter war einundachtzig. In meinem Alter hatten sie und meine Mutter bereits ein Kind gehabt. Bei beiden war es bei dem einen geblieben. Vielleicht hätte meine Mutter noch weitere bekommen, aber dazu hatte das Leben ihr keine Chance gelassen. Schon oft hatte ich darüber nachgedacht, wie anders mein Leben verlaufen wäre, wenn meine Eltern nicht nur mich, sondern noch ein weiteres Kind zurückgelassen hätten.
»Ruf mich an, wenn du zu Hause bist, ja?«
»Nele.« Sie klang genervt.
»Bitte.« Ich sah sie eindringlich an.
Sie seufzte. »Also gut.« Nach einer kurzen Umarmung ging sie zur Ladentür.
»Kannst du bitte das Schild umdrehen?« Es war schon nach sieben und ich wollte verhindern, dass weitere Kunden den Laden betraten. Es war ein anstrengender Tag gewesen und so sehr ich mich auch darüber freute, dass der Laden gut lief, irgendwann brauchte ich eine Pause. Außerdem war Donnerstag und unser Mädelstreffen stand an.
»Mach nicht mehr so lange. Wir können die Sachen auch morgen früh einsortieren. Ich kann das machen. Ich bin sowieso ab fünf Uhr wach.«
»Das geht doch schnell. Warte nicht auf mich. Es wird sicher später.«
Für einen Moment schien sie nicht zu wissen, wovon ich sprach.
»Es ist Donnerstag, Omi.«
»Ach ja, richtig. Grüß alle von mir, ja? Und frag Ida nach dem Rezept von diesem Auflauf, den sie uns letztens vorbeigebracht hat.«
Ich lachte auf. »Das wird sie uns nicht geben. Das weißt du doch.«
»Frag sie trotzdem und sag ihr, ich bin einundachtzig und werde es sehr bald mit ins Grab nehmen.«
»Omi!« Ich hasste es, wenn sie so redete. Natürlich wusste ich, dass sie keine vierzig Jahre mehr leben würde, doch ich ließ den Gedanken, dass es nur noch ein paar wenige sein könnten, nicht zu.
»Bis morgen, mein Herz.«
Jetzt stand ich doch auf, ging zu ihr und umarmte sie. »Bis morgen, Omi.«
Ich brachte sie zur Tür und drehte das Schild selbst um. So konnte ich auch direkt die Tür abschließen. Doch schon, als ich mich wieder umgedreht hatte, um die Musik einzuschalten, die ich immer zum Feierabend hörte, klopfte es an der Scheibe.
»Ach, Omi, hast du wieder deinen Schlüssel vergessen?«
Doch es war nicht meine Großmutter, die dort stand. Es war ein Mann. Ein Mann ohne Schirm und ohne Kapuze. Es war so nass, als wäre er direkt aus dem Meer gestiegen.
Ich deutete auf das Schild, auf dem auf der für ihn sichtbaren Seite geschlossen stand. Doch er legte die Handflächen gegeneinander und sah mich mit einem so flehenden Blick an, dass ich zögerte, ehe ich mich umwandte. Und während dieses kurzen Zögerns erkannte ich ihn. Ben Claassen. Ich seufzte, drehte den Schlüssel wieder und öffnete die Tür. »Warte dort.« Ich rannte in das Hinterzimmer des Ladens, um ein Handtuch zu holen, entschied mich, zwei zu nehmen, und eilte zurück.
»Hier, damit du nicht den gesamten Boden volltropfst.«
Ben nahm die Handtücher. »Du bist meine Rettung, Nele.« Er erinnerte sich an mich. Gut, es war nicht so, dass wir uns nie über den Weg liefen, doch ein Wort hatten wir seit der achten Klasse nicht mehr gewechselt.
»Wir haben eigentlich schon geschlossen«, erwiderte ich etwas barsch, weil ich mich unwohl fühlte. Ich stand seit neun Uhr hier im Laden. Und das sah und roch man sicher. Ben dagegen war quasi frisch geduscht.
Wieder sah er mich flehend an. »Ich habe in fünfzehn Minuten einen wahnsinnig wichtigen Termin. Und zu dem kann ich unmöglich nass wie ein begossener Labrador auftauchen.«
Ich lachte auf. »Labrador?«
Er grinste mich auf eine Art an, die ein leises Kribbeln in mir auslöste. »Was würdest du denn sagen, welcher Hund besser zu mir passt?«
Ich spürte Hitze in meine Wangen steigen. »Pudel. Im Moment würde ich sagen Pudel.«
Er lachte schallend auf. »Ich habe keine Locken.«
»Trotzdem.« Mein Telefon gab ein Geräusch von sich und ich zog es aus der Tasche. Bin zurück.
»Alles okay?«
Ich sah wieder zu ihm auf. Seine bernsteinfarbenen Augen waren freundlich und warm. Und sie irritierten mich. Warum irritierten sie mich? »Ja, ja, alles okay. Das war nur meine Großmutter. Sie ist gerade zu Hause angekommen und hat mir Bescheid gegeben, dass … na ja, dass sie angekommen ist.« Warum stammelte ich so?
»Deine Großmutter schreibt dir eine Textnachricht?«
Ich lächelte stolz. »Ja, das macht sie. Und sie weiß auch, wie man videotelefoniert und im Internet bestellt. Außerdem ist sie süchtig nach Spider Solitaire.«
Ben wirkte beeindruckt. »Meine Großeltern schaffen es gerade einmal, mit ihrem Handy einen Anruf entgegenzunehmen.« Er zog die Jacke aus, hängte sie an die Türklinke und fing erst jetzt an, sich abzutrocknen. Unter der Jacke, die alles andere als wasserdicht war, trug er ein sehr schickes Polo-Shirt und eine Jeans. Beides war vollkommen durchnässt. Trotzdem sah er verdammt gut aus. Das Shirt klebte an seinem Oberkörper und ich musste mich zwingen, ihm wieder ins Gesicht zu sehen.
