winterZAUBER - Fee-Christine Aks - E-Book

winterZAUBER E-Book

Fee-Christine Aks

0,0

Beschreibung

Winterlicher Sammelband mit Kurzerzählungen und Gedichten von Fee-Christine Aks. Von Schneeflocken und Strohsternen wird erzählt, über Adventskranz und Weihnachtspyramide wird gedichtet, von Waluma und Winterzauber wird berichtet. Ein Lese- und Vorlese-Büchlein für die Winterzeit.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2014

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Fee-Christine Aks

winterZAUBER

Sammelband

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Titel und Widmung

Die Schneeflocke

Der Adventskranz

Waluma

Die Weihnachtspyramide

Der Strohstern

Winterzauber

Mehr von der Autorin?

Leseprobe

Impressum neobooks

Titel und Widmung

winterZAUBER

Eine weihnachtliche Sammlung

von

Fee-Christine Aks

Frohe Weihnachten

wünscht

Fee-Christine Aks

Die Schneeflocke

Hoch über dem Meer in Norden war der Himmel dunkel. Lila-graue Wolken voller glitzernder Eiskristalle ballten sich zusammen, um mit dem eisigen Nordwind ihre Reise gen Süden anzutreten. Inmitten dieser vielen Eiskristalle entstand auch eine kleine Schneeflocke.

Sie war herrlich anzusehen: ein kunstvoll gestalteter Stern mit sechs ebenmäßigen Spitzen, an deren äußersten Enden blitzende Eiskristalle ein kleines Krönchen bildeten. Die Schneeflocke war umgeben von vielen anderen neu geborenen Flocken, die wuchsen und wuchsen, je weiter der eisige Nordwind sie gen Süden blies.

Die Schneeflocke flog inmitten ihrer Schwestern und Brüder in der riesigen Wolke. Sie flog hoch über eisbedeckte karge Landschaften und schließlich über das dunkle weite Meer.

„Wohin fliegen wir?“ fragte die kleine Schneeflocke verwundert.

Doch niemand antworte ihr. Niemand hörte sie, denn der eisige Nordwind übertönte ihr feines Stimmchen mit der gewaltigen Kraft seiner frostgestählten Lungen. Die kleine Schneeflocke sah sich um, so gut sie konnte. Um sie herum waren nur die anderen Schneeflocken und Millionen von weiteren Eiskristallen, die erst noch zu Schneeflocken werden würden.

„Wohin fliegen wir?“ wiederholte die kleine Schneeflocke ihre Frage und wandte sich direkt an die neben ihr fliegende Flocke. Diese wusste offenbar keine Antwort, denn sie gab die Frage weiter an die nächste Flocke und die wiederum an die nächste, bis sie schließlich bei einem Haufen Hagelkörner ankam, die am äußersten Rand der dunklen Wolke flogen.

„Dorthin, wo wir hinabprasseln können“, antworteten die Hagelkörner. „Der eisige Nordwind nimmt uns mit, um den Menschen unten auf der Erde auf die Köpfe fallen zu können. Denn die Menschen sind böse, sagt er. Sie sind zerstritten und gleichgültig gegenüber ihren Mitmenschen. Der eisige Nordwind sagt, sie müssen aufgerüttelt werden; und das geht am besten durch ein paar gezielte harte Hagelkörner.“

Die Flocken gaben die Antwort zurück, bis sie bei der kleinen Schneeflocke ankam, die erschrocken war darüber. In ihrer bisherigen Existenz hatte sie nur Gemeinschaft und Zusammenhalt erfahren. Alle Schneeflocken in dieser Wolke hielten zusammen; und selbst die harten Hagelkörner gehörten doch irgendwie zu ihnen – schließlich waren sie alle aus Eiskristallen entstanden und Teil dieser Wolke.

„Sind alle Menschen so böse?“ fragte sich die kleine Schneeflocke. „Gibt es keine, die gutherzig und liebevoll sind?“

Durch die Unruhe, die aus der Frage-und-Antwort-Kette in der dunklen Wolke entstanden war, wurde der eisige Nordwind aufmerksam und blies sie mit aller Macht über das Meer auf das nächste Stück Festland zu.

„Die Menschen sind kalt und gleichgültig“, rief er mit seiner tiefen eisigen Stimme. „Sie freuen sich nicht über die Schönheit von Schneeflocken und die Stille, die durch Schneetreiben entsteht. Wenn eine Schneeflocke auf ihre kalten Gesichter fällt, schmilzt sie nicht durch Herzenswärme, sondern wird mit gleichgültiger Bewegung weggewischt.“

Die kleine Schneeflocke erschauderte. In den ersten Minuten ihrer Existenz hatte sie noch geglaubt, durch ihre Schönheit erfreuen zu können. Sie hatte davon geträumt, ihre Bestimmung zu finden und Liebe, Zuneigung und Mitgefühl zu erfahren. Doch offenbar würde sie danach woanders suchen müssen als unter den Menschen.

„Ich wehe“, fuhr der eisige Nordwind mit einem traurigen Seufzen fort, „damit die Menschen frieren und enger zusammen rücken. Ich habe immer gehofft, dass sie so wieder zu einander finden. Doch sie tun es nicht. Sie streiten und fügen einander Schaden zu. Sie sind gierig nach allem, was sie bekommen können. Es ist ihnen egal, ob andere dafür leiden müssen. Ich habe so viel Schlechtigkeit gesehen und von meinen Brüdern – dem Ostwind, dem Südwind und dem Westwind – gehört…“

Die kleine Schneeflocke spürte, wie auch die anderen Flocken um sie herum gespannt lauschten auf die tiefe Stimme, mit der ihnen der eisige Nordwind hinterher rief. Es war eisig kalt in der Wolke, aber so musste es wohl sein. Denn es war ja eine Wolke aus dem hohen Norden, wo Schnee und Hagel geboren werden.

„Die Menschen waren nicht immer so“, erklang mit einem Mal eine andere, wärmere Stimme. Es war der freundliche Westwind, der seinem Bruder aus dem Norden widersprach. „Ich erinnere mich schwach. Früher einmal hat es Menschen gegeben, die einander geholfen haben und gut zueinander waren. Aber das ist lange her…“

Die kleine Schneeflocke fühlte, wie der Westwind nach ihr und der gesamten Wolke griff und sie mit warmer Stimme vor sich her über das Land trieb.

„Ich wehe“, rief der Westwind mit optimistischer Stimme, „weil ich immer noch an das Gute in den Menschen glaube. Ich streife durch die Dörfer und Städte, durch Wiesen und Wälder, über Flüsse und Seen, und puste mit sanfter Gewalt, um die Menschen auf einander aufmerksam zu machen und sie näher zusammen zu bringen. Ein paar Mal habe ich beobachtet, wie sie tatsächlich etwas freundlicher miteinander umgegangen sind. Aber ich habe nie lange genug verweilen können, um zu sehen, ob sie sich länger als einen Augenblick daran erinnert haben, dass sie alle Menschen sind, sich um einander kümmern und zusammenhalten sollten…“

Die kleine Schneeflocke spürte, wie der Schimmer von Optimismus verflog, der sie bei den ersten Worten des freundlichen Westwindes ergriffen hatte. Sie fühlte sich schwer werden, als die Traurigkeit über das Schicksal der Welt und der Menschen von ihr Besitz nahm. Sie sank tiefer hinab, den Hagelkörnern entgegen, die zuunterst in der Wolke dahintrieben.

Im grauen Tageslicht konnte die kleine Schneeflocke unter sich eine braun-graue Landschaft erkennen, die nur hier und da von blaugrauen Bändern eines Flusses durchzogen wurde. Grüngraue Wälder und abgeerntete Felder zogen unter ihr vorbei, einsam und trostlos.

Als die Wolke sich einer Stadt der Menschen näherte, hoffte die kleine Schneeflocke für einen Moment, dort vielleicht ein paar von den guten Menschen zu sehen, von denen der Westwind gesprochen hatte.

Doch obwohl die Häuser festlich mit Licht und allerlei Tannenzweigen geschmückt waren, konnte die kleine Schneeflocke nur eine Handvoll Menschen auf der Straße sehen. Dick verhüllt mit allerlei wärmender Kleidung schlichen sie einzeln durch die stillen grauen Straßen. Sie liefen vorbei an einer jungen Mutter, die ihr frierendes Kind im Arm wiegte und sich bemühte, mit einer Hand einen kleinen Tannenbaum hinter sich herzuziehen. Niemand half ihr, sodass sie den ganzen langen Weg allein bestreiten musste, bis sie schließlich die Treppe zu einem kleinen ärmlichen Häuschen erreichte und den Baum ächzend hinaufzog. Die kleine Schneeflocke konnte gefrorene Tränen auf denen Wangen der jungen Frau glitzern sehen.

„Warum hilft ihr denn keiner?“ fragte sich die kleine Schneeflocke. „Sehen sie denn nicht, dass die junge Frau ganz allein, einsam und traurig ist und Hilfe braucht?“

Doch die anderen Menschen unten auf den Straßen hatten die junge Frau nicht wahrgenommen. Sie waren gleichgültig ihrer Wege gegangen und hatten sich nur um sich selbst gekümmert.

„Es ist an der Zeit“, hörte die kleine Schneeflocke den Westwind rufen.