Wolfsnächte - Cat Corres - E-Book

Wolfsnächte E-Book

Cat Corres

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Beschreibung

Als Enyas geliebte Omi Tilly ermordet wird, soll sie die Waldhütte erben, doch ist sie dort nicht alleine. Alte Geheimnisse die an der Oberfläche kratzen, lassen Enya in ihre eigene Vergangenheit abtauchen, doch Vorsicht, der Verfolger ist schon hinter ihr und will sie mit Haut und Haaren.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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-1-
* Ankunft *
-2-
* Zuhause, oder das unausgesprochene Gefühl, doch nicht willkommen zu sein? *
-3-
* Vergissmeinnicht im Abendrot *
-4-
* Rätselhafte Vorkommnisse *
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* Eine Begegnung im Wald *
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* Nächtlicher Besuch *
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* von Gut und Böse *
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* Vom großen, bösen Wolf *
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* Opferstätte oder ein Ritual aus Liebe? *
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* Von Freund und Feind *
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* Der Grimm *
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* Eine Jagd durch den Wald *
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* Vorbestimmung *
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* Eine Nacht *
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* Tillys Tagebuch *
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* Nachtgespenst *
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* Widerstand ist zwecklos *
-18-
* Die Stille um uns *
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* Für immer *
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* Alte Zeiten *
-21-
* Wald des Höllentieres *
-22-
* Fürchte dich nicht *
-23-
* Waldmoss muss brennen *
-24-
* Und die Stille, die uns umhüllt *
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* Finde dich *
-26-
* Und so bette dich in seinen Schoß *
-27-
* Ankunft *
-3-
* Du musst rückwärts laufen *
-2-
* Eins werden *
-1-
* Waldmoss *

Wolfsnächte

Wood to hell

Enya und Silas

Von Cat Corres

Impressum

© 2025 / Erstauflage

Autorin:

Cat Corres

C/o WirFinden.Es

Naß und Hellie GbR

Kirchgasse 19

65817 Eppstein

ISBN: Print: 9783759298201

E-Mail: [email protected]

Instagram: @catrin_autorinmithangzumchaos

Covergestaltung: Cat Corres

Illustrationen: MiA und Cat

Buchinhalt:

Enyas, geliebte Omi, Tilly Lincoln, wurde brutal ermordet, der Täter nie gefasst. Doch um ihr Erbe annehmen zu können, muss Enya den Sommer über, so, wie sie es in ihrer Kindheit schon getan hat, in Tillys Waldhäuschen verbringen.

Strom kommt nur aus einem alten, verrosteten Stromgenerator, fließendes Wasser gibt es aus dem Brunnen, hinter dem Haus, und dazu kein Internet.

Nur das Knistern der Holzscheitel im Kamin und das flackernde Kerzenlicht, erhellen die düstere Dunkelheit.

Enya ist an diesem Ort nicht alleine. Familiengeheimnisse bleiben selten im Schatten verborgen, und wehe, wenn diese an die Oberfläche gekrochen kommen. Dann lauf, und am besten, so weit du kannst, davon. Aber bedenke, es gibt immer einen Ausweg.

Über die Autorin:

Cat Corres ist 45 Jahre jung, lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in NRW. Sie liebt es, in verschiedenen Genres herumzuschleichen und zu schreiben. Gerne verwirrt sie auch ihre Leser und lässt sie mit einem Schmunzeln zurück. Wer mehr über ihre Werke wissen möchte, folgt ihr am besten, über Instagram unter:

@catrin_autorinmithangzumchaos.

Diese Bücher sind erschienen:

Plötzlich Groupie #misscommunicationlovstory

Red Shoes in the Moonlight – wie Jack Frost die liebe fand. #winterfairytalelovestory

Ella Blue – die Jagd nach dem Weltenschlüssel

#scienefictionfanzylovestory

Wolfsnächte

Wood to hell

Enya und Silas

Von Cat Corres

* Beware *

Bevor ihr anfangt, solltet ihr wissen, dass es dunkel, gefährlich, und genauso Angst machen kann, wie zu einer Sucht werden, wenn ihr in die Tiefen dieser Geschichte abtaucht. Auch wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, die von Liebe, Hass und dem Tod erzählt. Steckt auch hinter jeder Geschichte ebenso ein wahrer Kern. Es gibt Legenden und Mythen, die wir nicht erklären können. Ob unsere Fantasie dazu ausreicht, um diese lebendig werden zu lassen? Entscheide daher selbst, ob du weiter lesen möchtest. Die Content Notes findest du auf Seite 107.

* Auch zwischen Licht ist Schatten zu sehen, immer. *

Für Denise

-1-

* Ankunft *

Es war Anfang Mai, als ich aus dem Zug stieg. In der rechten Hand zog ich meinen Koffer, in der linken, flatterte eine Karte von der Gegend, in der ich mich befand. Es war eine lange Zeit vergangen. Eine sehr lange Zeit, wie ich feststellen musste, denn der kleine Kiosk, den ich als Kind, in den Ferien oft besucht hatte, lag ausgebrannt zu meinen Füßen. Meine Aufmerksamkeit galt allerdings nicht dem alten, kaputten Kiosk, es war, als hätte ich einen schweren Atemzug hinter mir gespürt. Erschrocken drehte ich mich um, doch ich war weit und breit die einzige Person. Hier stieg wohl selten jemand aus, sicherlich, war das nur mein schlechtes Gewissen und runzelte die Stirn. Das schrille Pfeifen, des Schaffners, der die Weiterfahrt ankündigte, ließ mich ein weiteres Mal zusammenzucken.

»Verdammte Henkeraxt, was ist nur los mit mir?«, versuchte ich mich selbst zu beruhigen, stellte den Koffer kurz auf den Boden ab und strich mir über die nackten Arme, weil mir ein Schauer überging. Dann lief ich dennoch unsicher, weiter durch den steinigen Rundbogen, der in Richtung Straße führte.

Auch hier schien keine Menschenseele sich aufzuhalten. »Alle ausgeflogen?«, und ein Räuspern ließ mich erneut zusammenfahren. Unwirsch drehte ich mich zu der Person um, die das Geräusch verursacht hatte.

»Oh, tut mir leid, ich wollte sie nicht erschrecken, aber sie müssen Enya sein. Tillys, Enkelin?«, fragte mich ein runzeliger, älterer Herr mit Hut und deutete auf eine kleine Kutsche mit zwei zotteligen Ponys im Gespann. »Ich bin Samu, Samu Grimm, man hat mich gebeten, sie abzuholen und nach Waldmoss zu fahren. Ich habe das Haus für sie herrichten lassen, so wie es Tillys letzter Wunsch war. Gott hat ihre Seele in Sicherheit«, dabei bekreuzigte sich Samu, schüttelte seinen Kopf, als würde er sich noch mit jemand anderes unterhalten und nahm mir den Koffer ab. »Kommen sie, es wird gleich dunkel und ich will nicht im Düsteren zurückfahren müssen.«

Ich verstand nicht, wo sein Problem lag, und schaute stirnrunzelnd rauf zum Himmel. Die Sonne brannte und würde erst in ein paar Stunden untergehen. Grimm? So, wie die Brüder Grimm aus den Märchenbüchern? Ich schüttelte belanglos mit dem Kopf und stieg eilig auf die wackelige Rückbank. Der nette, alte Herr mit Hut kletterte mir nach. Ich wusste, dass die Uhren hier etwas anders tickten als in der Stadt, wo ich herkam. Doch das, lag nun hinter mir. Ein neuer Abschnitt. Meine Zukunft lag neu, zwar noch unordentlich vor meinem Weg, aber ich hatte eh nichts mehr zu verlieren. Vielleicht war das mein Abenteuer, auf das, ich so lange gewartet hatte? Auch wenn ich liebend gern, Omi Tilly ein letztes Mal gesehen hätte, fühlte sich die Fahrt in ihr Waldhäuschen nach Hause kommen an.

Der Fahrtwind, um die Nase, ließ mich für einen momentlang, an längst vergessene Tage erinnern. Ungeduldig suchte ich die Gegend ab, ob mir schon etwas Bekanntes vor die Nase sprang. Doch es hatte sich über die Jahre, hier viel verändert. Es lag wohl eher auch daran, dass ich diese Gegend als Kind völlig anders wahrgenommen hatte als jetzt mit achtzehn. Der Waldpfad wurde immer enger, und vorbei an unzähligen Feldern, kühler Waldluft und einem Hauch von Freiheit, bog Samu Grimm eine Dreiviertelstunde später, um drei dicke Eichen ab. In der Ferne konnte ich das Eisentor bereits erkennen, das die weite Zufahrt ankündigte. Tillys Haus lag noch tiefer, mitten im Wald. Umringt von hohen Tannen, die im Herbst immer so schön rauschten, wenn der Wind hindurch blies. Ich schloss die Augen, um mir das Bild zurückzuholen. Samu vor mir schnalzte mit der Zunge, zog die Zügel an und mit einem weiteren Satz nach vorne, hielt die Kutsche an.

»Hooo, brrrrr, brav, meine Lieben. Da wären wir!«

-2-

* Zuhause, oder das unausgesprochene Gefühl, doch nicht willkommen zu sein? *

Samu Grimm half mir noch, meinen schweren Koffer die Veranda hochzuhieven, und entschuldigte sich eilig, um wieder davonzukommen. Er würde erst in drei Wochen nachsehen, ob ich was benötigte und nach dem Rechten sehen, da sich wichtige Termine nicht verschieben ließen, wie er meinte, doch für die nächsten Wochen sei ich versorgt. »Einen schönen Abend wünsch ich, Enya.« Er pfiff durch die Zähne, und die Ponys trabten davon. Ich sah der Kutsche noch einen momentlang nach, zog die Waldluft tief in die Lungen ein und schleifte den Koffer hinter mir her. »Sei es drum, ich kann nur hoffen, dass es eine gute Idee gewesen war hier raus zu kommen.« Ich winkte, bis sie nicht mehr zu sehen war und erklomm die breiten Stufen in mein Neues, Altes zu Hause.

Die Luft war schwer und es roch nach Jasmin und feuchtem Waldboden. Eine seltsame Stimmung machte sich in mir breit, als ich die Türklinke herunterdrückte. Kurz hatte ich das Gefühl, einen atemlang keinen Sauerstoff zu bekommen. »Verrückt, beruhige dich endlich, das ist alles nur Einbildung, wer sollte sich hier draußen schon hinverirren?«, räusperte mich und schüttelte die beklemmeden Gedanken ab und trat dennoch unsicher in das Waldhäuschen ein.

Es war schwer, in Worte zu fassen, als hätte ich ein imaginäres Schutzwall durchbrochen, zumindest hatte sich meine Stimmung schlagartig verändert. Eine Trauer umfasste meine Schultern, als könnte ich spüren, dass hier etwas Schlimmes passiert sein musste. Nur konnte ich mir nicht erklären, wieso mich jetzt, so plötzlich, der Tod von, Oma Tilly so übermannte. War es das schlechte Gewissen, dass ich nicht bei ihrer Beerdigung war oder weil ich die letzten Briefe gekonnt ignoriert hatte, statt sie zu lesen? Vielleicht hätte ich so meine Antworten bekommen, doch dazu war es jetzt zu spät. Ein lauter Seufzer entfuhr mir und ich strich mir meine Haare zurück in den Nacken. Zuallererst lief ich rüber in die geräumige Küche, die den Blick direkt in den Wald freigab. Wie hypnotisiert starrte ich auf eine dunkle Stelle, genau zwischen den Blaubeerbüschen. Etwas war anders und doch lag alles vertraut vor mir, wie bei meiner Abreise. Nachdenklich legte ich den Kopf leicht schräg und blieb an dem frischgeputzten Fenster hängen »Viel zu sauber«, und stutzte. Die bodentiefen Fenster waren erst kürzlich geputzt worden. Und auch sonst, war alles, was ich bislang gesehen hatte viel zu blank, reingewienert worden. Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe und schluckte. Oma Tilly war zwar eine ordentliche Hausfrau gewesen, aber so reinlich, auch wieder nicht. Es schien mir absolut falsch zu sein und doch änderte ich jetzt auch nichts daran. Ich ärgerte mich vielmehr über mich selbst. Ich war hier und musste ihren letzten Wunsch einlösen. Vielleicht war es auch meine Schuld, dass sie nicht mehr lebte. Aber das war genauso absurd zu denken, als das ich eigentlich nicht wollte, hierhergekommen zu sein. Ich hatte diesen Ort schmerzlichst vermisst. Ich schob die Gedanken beiseite, ich sollte vielleicht erst ein Mal ankommen und auspacken. Eine gute Idee, nickte mir innerlich gutgesinnt zu, und sah mich erst hier unten flüchtig um und wuchtete den Koffer, wenig später, in das obere Stockwerk.

Das Waldhäuschen war ein absolutes Raumwunder. Ich hatte total vergessen, wie wunderschön die einzelnen Zimmer hergerichtet worden waren. Das kleine Badezimmer, das in verschiedenen Grünglastönen an den Wänden mosaikförmig gekachelt worden war, ließ die aufkommende Finsternis, fürs Erste verschwinden. Grüne Farntapeten zierten den Flur entlang, von dem die drei Schlafzimmer abgingen. Oma Tillys Zimmer war in weiß, violetten Farben gehalten. Als ich an ihrer Türe haltmachte, sah ich schwermütig auf das leere Bett. Es roch sogar noch immer nach Lavendel und Patschuli. Und so seltsam es auch war, es fühlte sich fast so an, als wäre sie immer noch hier. Ein Schauer erfasste mich. Schnell schloss ich die Zimmertüre und schob den Koffer auf die letzte Türe zu.

Die acht Kerben sah man noch immer deutlich im Holzrahmen. Ich schloss kurz die Augen und ließ eine weitere Erinnerung durch mich hindurchstreifen.

»Du bist schon soooo groß, Enya. Komm, wir halten es hier, fest.« Oma Tilly hatte mit ihren besten Küchenmesser, acht kleine Kerben eingeschnitzt, darüber ein großes E. und ein kleines Efeublatt. Ich strich mit den Fingerkuppen über die Einkerbungen und versuchte, die Tränen hinunterzuschlucken. Hier war die Zeit für immer stehen geblieben. Bis zu meinem achten Geburtstag hatte ich hier gelebt. Was mit meinen Eltern passiert war, wusste ich nicht und so wurde, Omi Tilly meine Welt, eine Zeit lang zumindest. Die restlichen Jahre wuchs ich in einem Internat auf. Mein Blick fiel auf die Blumentapete. Unter dem Fenster stand das selbstgezimmerte Bett, das Wolfsköpfe am Kopfende eingeschnitzt hatte, es schlummerte, wie der Rest im Schneewittchenschlaf und eine tiefe Sehnsucht erfasste mich, warum habe ich so lange gewartet? Wieso, war ich nicht schon eher hergekommen? Ich hatte mir den Grund nie gestellt. Oder sollte ich nicht herkommen? Etwas wollte mir meine Erinnerungen zeigen, und doch, war da eine unsichtbare Barriere, die es nicht zulassen wollte, das ich alles sah. Es gab ein Geheimnis, das spürte ich einfach.

-3-

* Vergissmeinnicht im Abendrot *

Über den Wipfeln sah man schon die Sonne, die sich zur Nacht betten wollte. Ich beschloss, mich etwas frisch zu machen und mir dann etwas Bequemeres anzuziehen. Erst jetzt spürte ich die Strapazen meiner langen Reise. Meine Knochen taten weh, und ich hatte einen Mordshunger. Ich machte die Zugfahrt und die im Anschluss holprige Kutschfahrt dafür verantwortlich. Gähnend und meine Arme über den Oberkörper streckend, hinkte ich hinunter in die Küche. Ich musste mir noch einen Eimer mit Wasser aus dem Brunnen besorgen, wenn ich Teewasser aufsetzen wollte. Auf dem Weg hinaus suchte ich Kerzen und fand sogar eine alte Öllampe und zündete sie an.

Hinter dem Haus hatte mein Ururgroßvater einen Brunnen ausgehoben. Als Kind hatte ich dort oft Wasser rausgeholt, allerdings war da immer hellster Tag gewesen. Und sah mit Besorgnis, dass bereits die letzten Sonnenstrahlen auf der Wiese vor dem Häuschen lagen.

Der alte, knorrige Efeustamm, sah aus, als bestünden die Blätter aus feurigen Zungen, die einem riesigen Drachen gehörten, der das Haus mit seinen Pranken dabei fest umarmte. Das bizarre Schattenspiel ging allerdings noch weiter. Als ich mit vollem Eimer zurück ins Haus gehen wollte, glaubte ich einen Schatten eines Wolfes zu erkennen, der aber sofort wieder verschwand. Mein Geist wollte mir wohl angst einjagen. Müde stellte ich den Teekessel auf die Feuerstelle am Kamin und kramte in den Schubladen herum und öffnete sämtliche Türen. Samu hatte gesagt, er hätte Lebensmittel und das, was ich sonst so brauchen würde besorgt, nur wo zum Kuckuck, hatte er den Tee versteckt? Unter einer Packung Bandnudeln wurde ich schließlich fündig. Es waren frischgepflückte Kräuter, der Duft verteilte sich sofort und auch die letzten Petroleumlampen waren schnell entzündet und es wurde langsam gemütlich in der Hütte. Vergessen war der seltsame Schatten, draußen am Haus. Es fühlte sich endlich ein klein wenig nach Hausekommen an. Vor allem freute ich mich auf die Ruhe die hier, herrschte. Das unruhige Internat leben hatte Spuren hinterlassen. Dort war ich nie allein gewesen und musste mich für mein inneres Wohlbefinden vergewissern, dass alle Türen und Fenster abgeschlossen waren. Als ich die Zimmer, das zweite Mal inspiziert hatte, setzte ich mich dann im Schneidersitz, in den grünen Ohrensessel, vor dem Kamin. Ein schwerer Atemzug entfuhr mir. »Hier bin ich nun. Allein im dunkelfinsteren Waldmoss. Eine Flucht dazu unmöglich, wenn ich mir keine Blasen laufen will«, und nahm einen großen Schluck, aus meiner Tasse. »Du schaffst das, Enya!«, redete ich mir Mut zu, trank noch einen Schluck von meinem Schlaftee und lauschte noch eine Weile, dem Knistern, der Holzscheitel.

Erst als ich müde genug war, und ich mir sicher sein konnte, schnell einzuschlafen, schlüpfte ich in mein altes Bett aus Kindertagen. Das Öllicht stellte ich sicherheitshalber auf die kleinste Stufe, denn ich wollte auf gar keinen Fall im Stockdunklen die Augen aufmachen. Denn hier im Wald war es viel dunkler als draußen in der Stadt. Ein kleinwenig Panik, wollte mich noch daran hindern, ganz runterzufahren, aber die lange Reise und der Tee, entließen mich dann doch recht schnell, ins Traumland.

Wenn auch gleich, die erste Nacht einem wahren Albtraum glich, weil ich ständig das Gefühl hatte, das mich jemand bei meinen Namen rufen würde. Und ich, jedes Mal, kerzengerade, auf dem Bett saß und jeden Winkel meines Zimmers mit den Augen verfolgte. Na, immerhin, fand ich in den frühen Morgenstunden, doch noch ein paar Stunden schlaf. Übermüdet sah ich mich im Zimmer um und rieb mir durchs Gesicht, als ich aufwachte. Da war er wieder, dieser Schatten. Direkt an meiner Zimmerwand. Doch als ich ein weiteres Mal hinsah, war er natürlich nicht mehr da. Verärgert, weil mir mein Hirn offensichtlich eins auswischen wollte, folgte ein Schnauben. Ich war schon länger reif, eine Pause einzulegen, und hatte die ganzen Anzeichen, der Überarbeitung immer weiter vor mich hergeschoben. Diese Auszeit sollte mir helfen, mich wiederzufinden.

Auf meinem aufgeschlagenen Koffer lag auch noch immer der Brief, der mich kurz vor meiner Reise erreicht hatte, ungelesen natürlich, es war die Beileidsbekundung des Bestatters, nun ich nahm es an, weil ein Aufkleber mit der Adresse drauf klebte. Nicht mal im Zug hatte ich ihn lesen wollen und mich sträubte es auch immer noch. Lies mich endlich, rief er mich. Ich schloss die Augen, stand auf und ging runter. Die Sonne schien wieder und ließ den letzten Nebel hinter den Tannen langsam verschwinden.

-4-

* Rätselhafte Vorkommnisse *

Die Stille erfüllte den Raum, als ich das Feuer unter dem Kochfeld entfachte, um mir Kaffeewasser zu kochen. Oma Tilly hatte einen ganzen Raum voll mit alten Büchern. Gestern war ich nicht mehr dazu gekommen, doch als ich den Filter endlich in das passende Gefäß reingefummelt hatte, fiel mein Blick, an die angelehnte Türe, in der Nische. Das war Ablenkung für die nächsten Wochen genug. Sofort fing mein Herz vor Aufregung an zu flattern und ich verbrannte mich fast beim Aufbrühen meines Kaffees an den Fingern. Schlürfend und mit der Tasse an den Lippen ging ich langsam auf das Zimmerchen zu. Die Wände der Küche strahlten mir in einem Senfgelb entgegen und ein paar Sonnenstrahlen, fielen auf einen Glas-Talisman, der am Fenster hing, er ließ die Holzdielen bunt aufschimmern. Es war wie eine kleine Zeitreise, die ich beim Erkunden, des Hauses durchmachte. Doch als ich die Türe mit den alten Buchschätzen aufziehen wollte, kam von oben ein Poltern. Erschrocken ließ ich fast die Tasse aus der Hand fallen, der Kaffee schwabbte über den Rand und verbrühte mir die Finger ein weiteres Mal. »Verdammte Scheiße!« Mit Herzrasen sah ich an die Decke und lauschte. Nichts. Doch auch mein zweiter Versuch, in die kleine Bibliothek zu gelangen, scheiterte, an einem Poltern, das direkt über mir passierte. »Halloooo?«, rief ich mit viel zu dünner Stimme. Doch es kam keine Antwort. Was hatte ich erwartet? Ich war hier alleine und doch hielt ich noch immer angespannt die Luft an, um etwas auszumachen. Langsam ließ ich die Luft wieder frei. Das war Einbildung. Himmel, ich musste einen klaren Kopf behalten. Es gab zwei Optionen. Ich könnte rauslaufen, zum nächsten Haus gelangen, um Hilfe zu holen oder aber, ich ging diesem mysteriösen Poltern gleich auf den Grund. Aufgeregt, dennoch leise genug, bewegte ich mich zurück, in die Küche. Zog ein handgriffiges Messer aus dem Messerblock, und erklomm wenige Sekunden später, nicht viel mutiger, die Treppe im Flur. Die Gänsehaut, die dabei meinen Rücken hochkroch, machte die Gesamtsituation nicht besser, denn mit jedem Schritt, den ich tat, wurde das Gefühl beobachtet zu werden stärker. »Hallooo, das ist nicht witzig! Ich bin bewaffnet!«, kam es trotzig aus mir geschossen. So schnell würde ich nicht einfach aufgeben. Doch als ich an der letzten Stufe angekommen war, blieb es, wie zu erwarten, still. Niemand war da. Natürlich war ich hier alleine, wen hatte ich gehofft zu finden? Etwa, Oma Tilly?

Meine aufgebrachten Tränen liefen einfach mein Gesicht hinunter. Ein Windhauch umspielte die dünne Bluse, die ich trug und mir wurde plötzlich eiskalt. Schnell drehte ich mich wieder um, blickte den Flur entlang, doch es war niemand hier. Niemand lächelte mir entgegen, niemand nahm mich in den Arm, um mir zu sagen: »Enya, Kleines, es wird alles wieder gut«, und dennoch wollte ich es nicht wahrhaben. »Mein Geist hat mir nur einen Streich spielen wollen«, und ich stieß meine Zimmertüre auf mit keinerlei Erwartung. Doch etwas war hier durchgewütet. Denn der Stuhl war niemals von alleine auf dem Boden gefallen und der Brief lag aufgeschlagen, vor meinem Bett. Dabei hatte er zusammengefaltet, in einem Umschlag, auf meinem Koffer gelegen. Mein Herz pochte augenblicklich so laut in meiner Brust, das ich glaubte, es würde jeden Moment herausspringen. Ich ging vorsichtig in die Hocke, nahm den Brief vom Boden auf und schaute skeptisch unter das Bett. Nur zur Sicherheit, dass sich niemand dort versteckt hält. Im nächsten Moment wurde mir schwarz um die Augen und ich landete unsanft auf dem Fußboden.

***

Als ich wieder zu mir kam, war es später Nachmittag. »Verflucht, was war das?« Mein Kopf schmerzte, ich spürte, dass ich mir die Stirn angeschlagen hatte, und rieb auch schon getrocknetes Blut von den Fingern. Was allerdings genau vorgefallen war, wusste ich nicht. Aber es war wohl möglicherweise meiner eigenen Tollpatschigkeit zu verdanken, dass ich über den Flickenteppich ausgerutscht und mit dem Schrecken davon gekommen war. Zumindest redete ich mir das ein, dass es nur meine eigene Schuld gewesen sein konnte. Auch wenn es sich völlig anders anfühlte. Hier musste etwas oder jemand gewesen sein. Für mein Wohlfühlgefühl beschloss ich daher diesen Vorfall, einfach zu vergessen. Es war ja auch nicht wirklich etwas passiert. Ich nahm das Messer von meinem Nachttisch und vergewisserte mich, das im oberen Stockwerk wirklich alle Fenster verschlossen waren. Wie zu erwarten, war das Ergebnis zufriedenstellend. Und mit besserer Laune zog ich die Schuhe an. Etwas Wind um die Nase würde mich schon wieder ruhiger werden lassen. Auch wenn die Sonne schon recht tief stand, fühlte ich mich hier draußen und auch wenn es für den Moment so war, einfach wohler. Ich sperrte die Türe zu und nahm den Pfad, der hinter dem Häuschen entlang führte, direkt in den Wald.

-5-

* Eine Begegnung im Wald *

Die Luft war klar und trotz, dass nur wenig Licht durch das dichte Blätterdach hinunter strahlte, war es angenehm warm. Die Vögel zwitscherten und in der Nähe hörte ich einen Specht klopfen. Um der Natur doch etwas zu entfliehen, steckte ich mir meine Ohrstöpsel in die Ohren und drückte auf Play, meines tragbaren Musikplayers. Das einzige elektronische Teil, das auch offline funktionierte, zumindest so lange, die Batterien mitspielten. Ich war ganz froh darüber. Ob gleich ich das Gefühl hatte, das mich wieder jemand beobachtete, lief ich weiter den Waldpfad entlang und summte die Melodien mit, um mich davon abzulenken.

Eine ganze Weile war ich schon dem schmalen Weg gefolgt und erschrak, weil unmittelbar vor mir, ein paar Vögel sich durch irgendetwas aufgescheucht, in die Luft schwangen. Ich nahm einen Stöpsel aus dem Ohr und lauschte. Mein Herz wummerte unruhig. War das eben ein Schuss gewesen? Hundegebell? Und horchte einen Atemzug weiter, zog eine Schnute und steckte den Stöpsel zurück ins Ohr. Es war anders als im Haus, aber ich fühlte mich auch nicht in Gefahr. Dennoch nahm ich den Weg etwas vorsichtiger wieder auf und stellte die Musik leiser, damit ich die Umgebungsgeräusche besser mitbekam. Ich kramte gerade in meiner Jackentasche herum, als ich wieder aufsah, lief ich geradewegs in jemanden hinein. Der junge Mann räusperte sich erheiternd und nahm sofort Abstand. Hinter ihm kamen zwei Schäferhunde in unsere Richtung gelaufen und das ziemlich schnell.

»Stopp! Asco! Cora! Es ist alles in Ordnung.« Er drehte sich wieder zu mir um und entschuldigte sich augenblicklich, für das nicht wirkliche Fehlverhalten seiner Hunde. Ich war in ihrem Territorium, womöglich hätte ich auch laut gebellt und schluckte. »Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken.« Er hielt mir seine Hand, freundlich entgegen und stellte sich mir vor. »Sorry noch mal, ich bin Arow Grimm, wir folgen dir schon eine ganze Weile. Du bist die Enkelin von, Tilly Lincoln.« Er sah mich verschmitzt dabei an und schulterte sein Gewehr, das ich erst jetzt registriert hatte, und zog die Brauen minimal zusammen. »Weiß du denn nicht mehr, das man nicht allein in den Waldmoss geht? Zudem, seit das mit deiner Oma passiert ist, man hat den oder die Täter noch immer nicht gefasst.«

---ENDE DER LESEPROBE---