Young Guns - Jools Louise - E-Book

Young Guns E-Book

Jools Louise

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Beschreibung

John ist britischer Ex-Special Forces-Soldat und Schneeleopardenwandler mit einem trockenen Sinn für Humor. Außerdem ist er geradezu süchtig nach englischem Tee. Während einer Razzia gegen eine bösartige Sekte, die die gesamte Stadt Sage in ihren Klauen hielt, begegnete John seinem wahren Gefährten Cameron. Er hat Angst davor, sich dem Mann zu öffnen, stellt aber bald fest, dass er sich gegen diese neue Sucht nicht wehren kann. Er zeigt Cameron eine Seite von sich, die nur wenige je zu sehen bekommen haben, und teilt mit ihm Geheimnisse aus seiner Vergangenheit, von denen sogar seine Crew kaum etwas weiß. Dann entdeckt John, dass es eine erschreckende Verbindung gibt zwischen den Alpträumen seiner Kindheit und einem Wanderzoo, der umherzieht und minderjährige Gestaltwandler entführt, um mit ihnen Profit zu machen – und das schon seit Jahrzehnten. Zusammen mit einer Gruppe kürzlich geretteter Jugendlicher, die sich die Young Guns nennen, machen John und seine Crew sich auf, um den Wanderzoo zu finden und endgültig zu schließen. Dabei decken sie weitere abscheuliche Machenschaften auf. John hat schon oft sein Leben riskiert, aber ist er auch bereit, sein Herz zu riskieren? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein. Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Länge: rund 56.000 Wörter

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

ÜBER JOOLS LOUISE

LESEPROBE:

Young Guns

John ist britischer Ex-Special Forces-Soldat und Schneeleopardenwandler mit einem trockenen Sinn für Humor. Außerdem ist er geradezu süchtig nach englischem Tee. Während einer Razzia gegen eine bösartige Sekte, die die gesamte Stadt Sage in ihren Klauen hielt, begegnete John seinem wahren Gefährten Cameron. Er hat Angst davor, sich dem Mann zu öffnen, stellt aber bald fest, dass er sich gegen diese neue Sucht nicht wehren kann. Er zeigt Cameron eine Seite von sich, die nur wenige je zu sehen bekommen haben, und teilt mit ihm Geheimnisse aus seiner Vergangenheit, von denen sogar seine Crew kaum etwas weiß.

Dann entdeckt John, dass es eine erschreckende Verbindung gibt zwischen den Alpträumen seiner Kindheit und einem Wanderzoo, der umherzieht und minderjährige Gestaltwandler entführt, um mit ihnen Profit zu machen – und das schon seit Jahrzehnten. Zusammen mit einer Gruppe kürzlich geretteter Jugendlicher, die sich die Young Guns nennen, machen John und seine Crew sich auf, um den Wanderzoo zu finden und endgültig zu schließen. Dabei decken sie weitere abscheuliche Machenschaften auf.

John hat schon oft sein Leben riskiert, aber ist er auch bereit, sein Herz zu riskieren?

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Jeder Band dieser Reihe geht auf die romantische Beziehung eines anderen Paares ein.Um die gesamte Handlung sowie die Geschichte aller Figuren zu erfahren, empfiehlt es sich, alle Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen.

Länge: rund 56.000 Wörter

JOOLS LOUISE

Young Guns

Two Spirit Ranch 3

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Young Guns“:

Jools Louise

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2019

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

Übersetzt von: Betti Gefecht

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Widmung

Es gibt immer jemanden in der Welt da draußen, der will, dass wir uns als Individuen klein und unbedeutend fühlen. Jemanden, der lauter schreit, härter zuschlägt und sich über Menschen lustig macht, die er nicht einmal wirklich kennt. Jeder von uns hat solche Erfahrungen schon gemacht.

Wir alle sind Individuen, wir alle sind verschieden, und jeder ist einzigartig. Das ist ein Geschenk, das wir feiern sollten.

Wenn Dir das nächste Mai jemand sagt, dass Du weniger wichtig bist als er selbst … dann sag ihm, er kann dich mal! Du darfst Dein Leben genau so leben, wie Du es willst. Scheiß auf alle, die Dir etwas anderes einreden wollen (na ja, nicht wörtlich).

JL

Prolog

10 Jahre zuvor.

David saß zitternd vor Angst auf der Veranda. Der Geruch von Blut hing schwer in der Luft, wie ein Leichentuch, das sich über das Grauen im Inneren des Hauses legte. Bis Tagesanbruch waren es noch Stunden. Die Kreaturen der Nacht huschten raschelnd durch das niedrige Gesträuch – sie wussten nichts von dem Schmerz, den David fühlte. Er wagte es nicht, zurück ins Haus zu gehen. Der Anblick und der Geruch des Blutes waren mehr, als er ertragen konnte.

Er konnte die Leichen seiner Eltern zwar nicht mehr sehen, aber ihr Anblick hatte sich so unauslöschlich in sein Gedächtnis gebrannt, dass es war, als würde in einer Endlosschleife immer und immer wieder der gleiche Film abgespult – in HD. Er wünschte, er könnte diesen Teil seines Gehirns, diese Erinnerung einfach herausreißen, aber um seiner Eltern willen musste er bei der Sache bleiben. Es gab Dinge zu erledigen. Seine Eltern waren jetzt tot. Er hatte die Polizei gerufen, und so ein Dummkopf namens Clyde hatte sich genau zwei Minuten Zeit genommen, um sich alles anzusehen und die Sache zu einem Fall von Mord und anschließendem Selbstmord zu erklären. Dann hatte er die Leichen entfernen lassen. Clyde hatte etwa so viel Respekt für die Toten, wie er Respekt für die Lebenden besaß: sehr, sehr wenig. David musste weinen, als er daran dachte, wie Clyde seine Mutter und seinen Vater in Leichensäcke gestopft hatte, als würde er Müll entsorgen. Spurensicherung hatte er nicht für nötig befunden, genauso wenig, wie einen Gerichtsmediziner zu bestellen.

Tränen liefen Davids Wangen herab, und wie sehr er sich auch wünschen mochte, irgendwo anders zu sein als in dem Haus seiner Geburt – für den Augenblick blieb ihm keine andere Wahl. Clyde hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass es nicht sein Problem war, wo David unterkam. Offenbar gehörte es nicht zu Deputy Clydes Aufgabenbereich, einem achtjährigen Kind zu helfen, das soeben unter brutalen Umständen zur Vollwaise geworden war. Selbst mit seinen erst acht Jahren wusste David schon, dass der Mann ein Schwachkopf war

Ein neues Geräusch drang an seine Ohren, dieses Mal mechanischen anstatt natürlichen Ursprungs. Er sah mehrere helle Lichterpaare, die sich über die Auffahrt dem Haus näherten. Die Ranch seiner Eltern lag mitten im Wald, und es gab keine Hinweisschilder. Von der Hauptstraße aus konnte man sie nicht sehen. David erstarrte abrupt, als er Gefahr witterte

Er verließ die Veranda und versteckte sich an einem seiner Lieblingsplätze direkt darunter. Von hier aus konnte er beobachten und lauschen, ohne gesehen zu werden. Das hoffte er zumindest. Etwas sagte ihm, dass diese Eindringlinge nicht um zwei Uhr nachts hierher gefahren waren, um übers Wetter zu plaudern.

Acht große Fahrzeuge tauchten auf und hielten vor dem Haus, und zwei weitere fuhren durch in Richtung der Scheune und der Ställe. Es gab zwei große Anhänger, und soweit David erkennen konnte, waren sie voll beladen. Er konnte nur nicht sehen, was sich in ihnen befand. Die Trucks verströmten einen deutlichen, moschusartigen Geruch, als sie vorbeifuhren. David konnte nicht recht ausmachen, wonach es genau roch.

Plötzlich überkam ihn ein seltsames Gefühl. Es war, als wäre seine Haut zu fest gespannt, und irgendetwas in ihm erwachte drängend und wollte sich mit Klauen und Zähnen einen Weg durch seine Brust nach draußen kämpfen. Er stöhnte leise, als er einen dumpfen Schmerz zu fühlen begann – in seinen Gelenken, in seinem Kopf und auch überall sonst. Dann lag er auf der Erde, wand sich hilflos und nahm nichts mehr von den Aktivitäten abseits der Veranda wahr. Sein ganzes Bewusstsein kreiste ausschließlich um den Kampf, der in seinem Inneren tobte. Krallen schoben sich aus seinen Fingerspitzen und zogen sich wieder zurück. Sein Gaumen schmerzte, und er öffnete unwillkürlich den Mund zu einem Schrei, als sich lange Reißzähne herausschoben und in seine Unterlippe gruben, bevor er überhaupt wusste, was geschah.

„Na, sieh mal einer an. Der kleinste Feenan lebt noch.“ Eine Stimme, an die David sich aus seinen frühesten Alpträumen erinnerte, ertönte und machte den schmerzhaften Kampf, den er mit seinem eigenen Körper führte, noch schlimmer. „Mein Bruder sollte eigentlich keine lebenden Erben hinterlassen. Die Ranch sollte mir ganz allein gehören.“ Die Stimme nahm einen boshaften Klang an, und dann ertönte ein Schmerzensschrei, gefolgt von einem dumpfen Schlag, als etwas Schweres neben David auf den Boden fiel.

Vage erkannte er, dass es ein Körper war, der aus einem langen, tiefen Schnitt quer über die Kehle Blut verlor.

„Onkel … Onkel Sean. Hilf mir“, flüsterte David heiser. „Irgendetwas Schlimmes passiert mit mir.“ Er schrie auf, als seine Knochen brachen und seine Gelenke sich unnatürlich verdrehten. Fell begann auf seinem Körper zu sprießen, seine Kleidung ging in Fetzen, und plötzlich war er stolzer Besitzer von vier Beinen anstatt zwei. Er stieß ein erschöpftes Stöhnen aus.

„Oh, ich helfe dir schon. Keine Bange“, fauchte Sean Feenan wütend. „Du bist genauso ein Freak wie meine geliebte, nun verblichene Schwägerin. Ein Gestaltwandler. Und da ich es gar nicht gebrauchen kann, dass du all meine Pläne über den Haufen wirfst, denke ich, wir werden dich der Obhut von jemand anderem überlassen.“

David fühlte einen scharfen Stich an seinem Hals, dann bekam er einen schweren Tritt verpasst. Er schrie vor Schmerz auf und versuchte wegzukriechen. Aber seine Gliedmaßen verweigerten den Gehorsam, und innerhalb von Sekunden wurde er mit einem wahren Hagelschauer von weiteren Tritten bombardiert, bis schließlich einer davon seine Schläfe traf und er das Bewusstsein verlor.

* * * *

Als David erwachte, pochte der Schmerz in jedem Teil seines Körpers. Seine Augenlider wollten zuerst nicht funktionieren, aber schließlich öffneten sie sich doch. Während sein Blick langsam klarer wurde, stellte David fest, dass er auf einem Bett aus schmutzigem Stroh lag, in einem Käfig, der so klein war, dass er gerade eben hineinpasste. Er sah an seinem Körper herab – einem Körper, der mit Fell bedeckt war, Krallen trug und einen langen, buschigen Schwanz an seinem hinteren Ende hatte. David blinzelte. Er war eine Katze! Irgendwie hatte er sich von einem Jungen in eine Katze verwandelt.

Er versuchte zu denken, seinen Kopf zu klären, kam aber nicht über den Gedanken hinaus, dass er sich in einem winzigen Käfig befand und, wie er es auch drehte und wendete, eine Katze war. Dann erinnerte er sich nach und nach wieder an die letzten Geschehnisse. An seine Mama und seinen Vater, tot zuhause auf dem Boden. An die Worte seines Onkels. Etwas darüber, ihn der Obhut von anderen zu überlassen.

Er hörte ein leises Geräusch, so etwas wie ein Wimmern oder Weinen, und starrte angestrengt aus seinem Käfig in die ihn umgebende Dunkelheit. Er versuchte zu sprechen, brachte aber nur einen jaulenden Laut heraus. Verspätet begriff er, dass seine Stimmbänder in seiner jetzigen Gestalt nicht dazu taugten, menschliche Laute hervorzubringen.

Erneut ertönte das Wimmern, und David konnte eine kleinere Katze ausmachen, die ebenfalls in einem viel zu kleinen Käfig kauerte, der neben seinem stand. Unter Schmerzen kroch er ein Stück nach vorn und schnupperte an den Gitterstäben. Die kleine Katze machte es ihm nach, ihre Nasen begegneten sich und sie betrachteten einander neugierig.

David rieb seine Wange am Gitter und jaulte leise. Es tröstete ihn, dass außer ihm noch jemand anderes hier war. Er fühlte eine raue Zunge an seinem Ohr und schnurrte. Ein wenig entspannte er sich, drängte sich an die Gitterstäbe. Als er leicht die Hitze der anderen Katze spürte, schmiegte er sich enger an, um es wärmer zu haben.

Von unter seinem Käfig hörte er ein tiefes Brummen, wie das Geräusch von Reifen auf Asphalt, und ihm wurde klar, dass sich sein Käfig in einem sich bewegenden Fahrzeug befand. Das Brummen wirkte einschläfernd, und er döste für eine Weile ein, erschöpft von dem Stress, seine Eltern zu verlieren, den Schlägen und der anschließenden Entführung. Es war, als würden Körper und Geist auf Standby schalten, um sich erholen zu können.

Sein Schlummer wurde unterbrochen, als das Fahrzeug anhielt. Tageslicht flutete das Innere, als ein Schloss klickte und die Tür geöffnet wurde. David blinzelte in das grelle Licht und kauerte sich entsetzt zusammen, nicht wissend, was als Nächstes passieren würde.

„Also dann, ihr kleinen Bastarde, es ist Showtime. Ich erwarte von euch, dass ihr nett zu den Kindern seid, und wenn ihr euch gut benehmt, dann sorge ich dafür, dass ihr nachher etwas zu essen bekommt. Falls ihr Dummheiten macht … hungert ihr. Kapiert?“ Die Stimme war menschlich, weiblich und hatte einen boshaften Unterton von Belustigung, der David vor Angst zittern ließ. Sein Käfig wurde hochgehoben und landete dann krachend auf einem harten Untergrund. Der Aufprall ließ Davids schmerzende Glieder rasseln, aber bevor er auch nur einen weiteren Gedanken fassen konnte, war der Käfig auch schon wieder in Bewegung. Er hörte ein Klappern wie von Rädern auf einer geteerten Fahrbahn unter sich, und dann war er in einem geräumigen Zelt. Das Geschrei von Kinderstimmen ließ ihm fast die Trommelfelle platzen. Laute Stimmen, begleitet von gelegentlichem, schrillen Kreischen oder dem aufgeregten, spitzen Schrei von jemandem, der ein bisschen zu aufgedreht war, um noch tolerierbar zu sein.

David blinzelte mehrmals und starrte in das überfüllte Zelt. Dann wurde die Tür zu seinem Käfig geöffnet, und er wurde grob am Nackenfell gepackt und hochgehoben. Vor Schmerzen jaulend wehrte er sich zappelnd gegen den Griff und erntete dafür einen scharfen Stich ins Hinterteil. Sofort wurde seine Wahrnehmung gedämpft. Er fühlte sich schläfrig und hörte auf zu zappeln.

Dann wurde er an ein Paar kleine, klebrige Hände weitergereicht. Sein Fell wurde grob gestreichelt; jede Berührung fühlte sich auf seiner Haut an wie Rasierklingen, als seine Verletzungen gegen den groben Kontakt protestierten. Diese erste Begegnung dauerte nur wenige Sekunden, bevor David an die nächste Person weitergereicht wurde, und die nächste, und die nächste … Die Schmerzen und die Drogen machten seine Sicht verschwommen, und ihm wurde übel. Sein Magen rebellierte und er erbrach sich über ein Kind, das laut schrie und ihn auf den harten Boden fallen ließ. Er jaulte auf und versuchte davonzukriechen, aber harte Hände packten ihn, hoben ihn hoch und stopften ihn wieder zurück in den Käfig, wo er hechelnd liegenblieb und versuchte, sich nicht noch einmal zu übergeben.

„Tja, du kleiner Bastard. Da du dich nicht benehmen konntest, rate mal … Du kriegst nichts zu essen“, fauchte die Frau von vorhin ihn flüsternd an und schlug die Käfigtür zu. Davids einziger Gedanke war, dass er nun zumindest nicht weiter betatscht wurde. Mein Gott, er würde nie wieder gedankenlos mit einem Tier umgehen, solange er lebte. Und er würde auch nie wieder einen Streichelzoo besuchen. Er wusste jetzt, wie die Tiere dort sich fühlten.

In den darauffolgenden Tagen wiederholte sich dasselbe Muster immer und immer wieder, bis alles ineinander verschwamm. Sein einziger Trost war die kleine Katze, die nachts im Käfig neben ihm lag. David wusste nicht, was geschehen würde, falls er sich in seine menschliche Gestalt zurückverwandelte, aber er hatte zu viel Angst, um es auch nur zu versuchen. Dennoch fragte er sich, ob er nicht vielleicht üben sollte, für den Fall, dass sich eine Gelegenheit zur Flucht bot, diesem wahr gewordenen Alptraum zu entkommen.

Also versuchte er eines Nachts, wieder menschliche Gestalt anzunehmen. Er stöhnte laut, als seine Gelenke sich zurückformten, und ließ heftig zitternd die Verwandlung über sich ergehen. Danach lag er schwer atmend da, während die kühle Nachtluft Gänsehaut auf seinem blassen Körper hervorrief.

Er spürte mehr, als dass er hörte, wie sich im Käfig nebenan etwas bewegte.

„Alles in Ordnung?“, fragte eine helle Stimme, und als David hinübersah, starrte er in das niedliche Gesicht eines Jungen, der noch jünger war als er selbst. David nickte zur Antwort, da er seiner eigenen Stimme noch nicht recht traute.

„Hier, trink ein bisschen Wasser, wenn du magst. Mein Name ist Chaz.“ Der Junge lächelte David an und reichte ihm eine kleine Flasche durch das Gitter. David nahm sie entgegen und trank durstig, um das Kratzen in seinem Hals zu lindern.

„Danke, Chaz. Ich heiße David.“ David lächelte ebenfalls. „Ich wusste nicht, dass du dich auch verwanden kannst.“

„Ich hab’ mich bisher nicht getraut, aber als ich dich sah, dachte ich, ich versuche es einfach. Mein Vater erzählte mir, dass wir uns eigentlich noch nicht verwandeln können sollten, solange wir so klein sind, aber ich glaube, unsere Körper mussten sich einfach verwandeln, um unser Überleben zu sichern.“ David stimmte dieser Einschätzung mit einem Nicken zu. Er zitterte erneut.

„Mir ist kalt. Ich hatte vor, mich ein paarmal hin und her zu verwandeln, damit ich es schneller hinbekomme, wenn die Zeit gekommen ist, um zu fliehen.“ Chaz machte große Augen. „Ohne Daumen kann man schlecht ausbrechen.“ David wackelte mit den Brauen und versuchte zu lächeln.

„Ausbrechen? Wirklich? Lässt du mich dann mitkommen?“, flüsterte Chaz aufgeregt.

„Natürlich. Ich würde dich doch nicht zurücklassen. Diese Leute lassen uns garantiert verhungern, oder sie bringen uns mit einer Überdosis von dem Zeug um, was auch immer das für ein Dreck ist, den sie uns spritzen“, flüsterte David zurück. „Kannst du dich wieder zurückverwandeln? Es ist zu kalt hier, um so zu bleiben.“ David deutete auf seinen nackten Körper. „Mein Penis ist auch so schon klein genug, aber bei diesem Wetter ist er nur noch peinlich“, sagte er trocken. Chaz grinste und nickte zögerlich. Er runzelte die Stirn, und dann stöhnte er, bevor er sich rasch in seine Katzengestalt verwandelte. David tat es ihm gleich. Er seufzte erleichtert, als er feststellte, dass die Verwandlung dieses Mal deutlich weniger schmerzhaft war.

In den folgenden Nächten verwandelten sich die beiden so oft wie möglich und perfektionierten den Vorgang, bis sie es geräuschlos und schnell hinbekamen. Sie teilten ihr Essen. Sie wärmten sich gegenseitig. Und jedes Mal, wenn sie in Menschengestalt waren, redeten sie miteinander und tauschten ihre Geschichten aus. Bis zu der Nacht, als Davids Onkel kam und ihn mitnahm.

„So, du denkst also, du könntest mir Schande machen, oder was? Hier mit einem anderen Jungen nackt herumzuliegen? Beschissener Freak!“ Sein Onkel hatte die Wagentür aufgerissen und trat nun brutal nach Davids Käfig. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich dir mal ganz genau zeige, wie die Dinge hier für dich laufen werden, wenn du mit diesem Unfug weitermachst.“

Schreckensstarr sah David zu, wie sein Onkel den Käfig öffnete. Dann wurde David brutal an den Füßen gepackt und herausgezerrt. Er und Chaz hatten gerade leise miteinander gesprochen, als sein Onkel sie überraschte, und schafften es nicht, sich rechtzeitig zurückzuverwandeln. Aber jetzt verwandelte David sich in seine Katzengestalt und schlug verzweifelt mit seinen krallenbewehrten Tatzen um sich. Er traf sein Ziel und zog eine blutige Furche quer über das wutverzerrte Gesicht seines Onkels. Vage nahm er Chaz’ Fauchen war und erkannte, dass auch Chaz sich verwandelt hatte.

Davids Kampf war vergebens. Sein Onkel hatte Verstärkung mitgebracht. Die Hexe, die den Wanderzoo leitete, kam mit einem Betäubungsgewehr, feuerte und traf. Viel zu schnell wurde David bewusstlos, und jeder Gedanke an Flucht versank in Dunkelheit. Seine letzte Wahrnehmung waren Chaz’ Schmerzensschreie, und dann nichts mehr.

Kapitel 1

Heute

David erwachte mit einem entsetzten Schrei auf den Lippen, schweißbedeckt und zitternd, als hätte er eine Stunde lang nackt in Eis und Schnee gesteckt und würde gerade erst auftauen. Seine Brust hob und senkte sich heftig unter seinen keuchenden Atemzügen, und er geriet ein wenig in Panik, als er nicht sofort begriff, wo er sich befand. Die Bilder aus seinem Alptraum waren noch immer da, so lebendig wie ein Horrorfilm in Endlosschleife, und sanken nur langsam zurück in sein Unterbewusstsein.

Nach und nach schärfte sich sein Blick, und er erkannte, dass Joe, Chaz und dessen Bruder Cal da waren. Der Alptraum aus seiner Zeit als Sean Feenans Sandsack war erschreckend real gewesen, aber er seufzte erleichtert darüber, dass es eben nichts weiter als das gewesen war … ein Traum. Er war jetzt in Sicherheit, umgeben von Leuten, denen er etwas bedeutete.

„Hey, David, du bist in Sicherheit. Du bist auf der Ranch.“ Joe sprach ruhig und leise, und seine tiefe Stimme war sehr beruhigend. Das Zittern ließ nach, und David ließ den Alptraum schließlich hinter sich. Joe setzte sich aufs Bett, strich David das schweißfeuchte Haar aus der Stirn und wischte ihm liebevoll die Tränen fort.

„Ich habe mich an noch mehr Sachen erinnert“, flüsterte David heiser. Seine Kehle war vom Schreien ganz rau. „Daran, dass Chaz da war, als sie mich das erste Mal entführten. Ich erinnere mich daran, meine Eltern tot in der Küche aufgefunden zu haben. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, ich wäre immer noch da, nachdem ich mich zum ersten Mal verwandelt hatte. Und ich dachte, sie würden mich töten.“ Er fing an zu weinen und strengte sich unheimlich an, das Schluchzen zu unterdrücken, das seinen Körper zu schütteln drohte.

Joe zog ihn an sich, nahm den mageren Neunzehnjährigen in die Arme und streichelte ihm tröstend über das Haar und den Rücken. Joe war für David der Ersatzvater. Er ersetzte nicht jemanden, der verstorben war, aber in allen anderen Belangen war er eingesprungen und zu Davids Fels in der Brandung geworden. Nach allem, was passiert war, benötigte David mehr als alles andere Stabilität. Joe versuchte, ihm so viel Kraft, Liebe und wohlmeinende Disziplin angedeihen zu lassen, wie er konnte, und David einen sicheren Hafen zu bieten.

„Sollten wir vielleicht noch einmal mit Murphy reden?“ Joe küsste sanft Davids Stirn. David nickte, den Kopf an Joes breite Brust gelehnt, und spürte die Wärme, die ihn bis in Mark durchdrang, ihn tröstete und ihm das Gefühl von Sicherheit zurückgab.

„Ich werde dich begleiten, wenn du das möchtest“, mischte sich Chaz ein, der nun ebenfalls aufs Bett krabbelte und sich eng an Davids andere Seite schmiegte. David klammerte sich an Joe und Chaz, deren Arme ihn schützend umschlangen.

„Es tut mir so leid, dass ich dich nicht befreien konnte“, flüsterte David Chaz zu. Chaz legte wie zur Antwort seinen Kopf an Davids Nacken.

„David, wir hatten keine Chance, als dein Onkel zurückkam, keiner von uns. Du hast getan, was du konntest, und alles versucht, um uns andere zu beschützen. Aber er war einfach zu stark. Und er schien immer im Voraus zu wissen, was du tun würdest. Er wusste, dass wir uns verwandeln würden; er wusste alles. Nichts davon war deine Schuld.“ David spürte einen weiteren Kuss und seufzte.

„Ich weiß nur einfach nicht, warum er mich so sehr hasst. Mein Vater hat ihm nie etwas getan. Aber es war, als wäre er eifersüchtig auf meinen Vater. Ich verstehe das einfach nicht, diesen Hass.“ David schüttelte den Kopf, während er versuchte, die Taten seines Onkels zu begreifen.

„Manchmal gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, David“, antwortete Joe sanft. Er spürte Davids Kummer. „Manchmal sind Leute einfach so. Wenn dein Onkel von deiner Gestaltwandlernatur wusste, hatte er wahrscheinlich Angst. Vielleicht befürchtete er, dass er selbst das auch in sich hatte, und wusste, dass all sein Hass gegen deine Art dann gegenstandslos wäre. So wie bei einem heimlichen Schwulen, der Baptistenpriester wird und von Entartung und all diesen Mist predigt. Und dann wird er von genau den Leuten, die er verdammt, dabei erwischt, wie er irgendeinem behaarten Dom einen bläst. Ziemlich peinlich, würde ich sagen.“

David stieß ein ersticktes Lachen aus, als er den Vergleich hörte. Er stellte sich unwillkürlich seinen Onkel vor, wie er … igitt! „Aber es war deine Mutter, die das Virus in sich trug, oder?“ David nickte. Seine Mutter war Gestaltwandlerin gewesen und hatte das Virus bei seiner Geburt auf ihn übertragen. Aber weder sein Vater noch sein Onkel hatten irgendwelche Anzeichen für das Virus gezeigt.

„Ich habe immer mehr den Eindruck, dass der Hass deines Onkels damit zu tun hatte, dass er eifersüchtig auf das war, was du und deine Familie hattet. Als wir ihn nach seiner Verhaftung verhörten, redete er ständig davon, dass die Ranch eigentlich ihm hätte gehören sollen. Dass deine Großeltern das irgendwie durcheinander gebracht hätten. Manchmal, wenn niemand da ist, dem man die Schuld geben kann, muss irgendwer anderes herhalten.“ Joe küsste David ein drittes Mal, dann stand er vom Bett auf und strich David eine Strähne seines blonden Haares aus der schweißbedeckten Stirn. Er lächelte über die beiden Teenager David und Chaz, die sich dicht aneinander schmiegten.

Chaz war noch nicht ganz siebzehn und vor dem Gesetz noch zu jung, aber zwischen den beiden hatte von Anfang an eine enge Bindung bestanden. Joe wusste, wie nahe sie sich standen, und er versuchte ihnen klarzumachen, dass sie im Augenblick nichts weiter tun mussten, um ihre Beziehung zu vertiefen. Er hatte das Gefühl, dass Chaz in diese Richtung drängte, aber David hatte Joe deutlich erklärt, dass er warten wollte, bis Chaz achtzehn war, was noch ein wenig mehr als ein Jahr dauern würde. So genau hatte Joe es eigentlich gar nicht wissen wollen, aber er war froh darüber, dass David so vernünftig war. Viele Jugendliche glaubten, unbedingt Sex miteinander haben zu müssen, um ihrer Beziehung Bedeutung zu verleihen. Er hatte versucht, den beiden zu vermitteln, dass Vertrauen, Liebe und Respekt ebenfalls dazu gehörten und Sex ohne das nur ein belangloser, rein körperlicher Akt war.

Die beiden Jungen waren einander unter entsetzlichen Umständen begegnet, und Joe wollte ihnen Kummer ersparen, falls sich die Dinge zwischen ihnen anders entwickelten sollten. Falls ihre Gefühle füreinander nachlassen sollten.

„Schlaf jetzt weiter, Kätzchen.“ Joe zwinkerte seinem Mündel zu und lächelte, als David die Augen verdrehte und ihm den Mittelfinger zeigte. „Morgen früh gehen wir zu Murphy.“ David nickte erschöpft, ließ den Kopf wieder zurück ins Kissen sinken und seufzte laut.

„Ich will einfach nur, dass diese Erinnerungen weggehen. Ich hasse es, Angst zu haben.“ Chaz schlang beide Arme um seinen Freund, um ihn zu trösten. David drehte sich ein wenig und ließ Chaz unter seinem Arm hindurchschlüpfen.

„Ich habe viel von dem, was passiert ist, verdrängt. Murphy war wirklich toll und hat mir geholfen, das Zeug zu verarbeiten. Ich habe nur noch gelegentlich Flashbacks. Ich wünschte nur, wir hätten dir besser helfen können. Tut mir leid.“ Chaz drückte sein Gesicht an Davids Schulter und schloss die Augen.

„Wie du schon sagtest, Onkel Sean war einfach zu stark.“ David entspannte sich noch ein wenig mehr und atmete Chaz’ süßen Duft ein. Daran war nichts Sexuelles, nur eine tröstende Berührung, die angeboten und angenommen wurde. David erinnerte sich daran, dasselbe schon bei seiner ersten Begegnung mit Chaz empfunden zu haben. Er war nicht sicher, wie tief seine Gefühle für den jüngeren Teenager gingen, aber in diesem Augenblick ließ er sich einfach von der warmen Umarmung trösten und genoss das Gefühl von Chaz’ Atem an seinem Hals und das Kitzeln des lockigen, braunen Haars auf seiner Haut.

* * * *

Der folgende Morgen dämmerte mit heftigen Regenfällen, die auf die Ranch herniedergingen, große Pfützen auf dem Gelände verteilten und die trockene Erde in Schlamm verwandelten. Der Speisesaal, der vor zwei Monaten an die neuen Schlafräume angebaut worden war, war bis zum Bersten mit Leuten gefüllt. Lachen, Stimmen und das Klappern und Klimpern von Besteck und Geschirr hallten durch den großen Raum.

David betrat den weitläufigen Saal. Er war nicht hungrig, denn er hatte bereits in der Ranchküche gegessen. Er sah sich um und musste ein wenig grinsen, als er die fünf neuen Gestaltwandler-Kids an einem der Banktische entdeckte. Er ging zu ihnen und setzte sich dazu. Er hörte ihnen lächelnd bei ihren gegenseitigen Neckereien zu, während sie Essen in sich hineinstopften, als gäbe es heute zum letzten Mal welches.

„Hey, David“, begrüßte Kieran ihn schüchtern, zog den Kopf ein und wurde ein wenig rot. David hatte so ein Gefühl, als würde der Junge heimlich für ihn schwärmen. Er versuchte, ihn nicht zu ermutigen, und lächelte bewusst nur ganz allgemein in die Tischrunde und nickte. Kieran war jetzt fünfzehn und unheimlich schnuckelig. David hegte ihm gegenüber keinerlei romantische Gefühle, fühlte sich aber geschmeichelt. Zu Joes Crew gehörten einige gut gebaute Kerle, und David schwärmte selbst ein wenig für den einen oder anderen. Aber seine Aufmerksamkeit galt mehr und mehr seinem Freund Chaz, und er dachte oft darüber nach, was wäre, wenn.

„Hey, Leute. Wie läuft’s?“ Alle antworteten positiv. Manche redeten mit vollem Mund, und David musste lachen. Er erinnerte sich noch daran, wie es ihm in ihrer Situation ergangen war, als er ein Gefangener war und kaum etwas zu essen bekommen hatte und nach seiner Befreiung alles gegessen hatte, was in Reichweite war. Wenn er es sich recht überlegte, hatte sich daran in den letzten achtzehn Monaten auch nicht besonders viel verändert.

Er stibitzte ein Stückchen Fleisch von Archies Teller, ignorierte den Aufschrei des Protests und biss herzhaft hinein. Archie funkelte ihn aus bernsteinfarbenen Augen entrüstet an. Sein wilder Haarschopf aus Feuer und Gold stand in alle Richtungen von seinem Kopf ab. David zerzauste ihn noch ein wenig mehr und lachte, als Archie leise knurrte und schmollte.

„Ich hörte dich letzte Nacht schreien und habe mir Sorgen gemacht. Ich wollte aufstehen, aber dann sah ich, dass Joe und Chaz bei dir waren, und wollte mich nicht einmischen. Geht es dir jetzt besser?“, fragte Lucas. Seine braunen Augen blickten besorgt.

Davids Lächeln erstarb, und er wurde ein wenig rot. Da die Horde der Kinder und Jugendlichen auf der Ranch beständig wuchs, hatten sie an der Rückseite des großen Hauses einen weiteren Schlafsaal gebaut. Dorthin waren die älteren Kids, die im ersten Jahr hier gelandet waren, umgezogen, weil sie so ein wenig mehr Freiheiten hatten. Sie waren inzwischen alle entweder auf dem College oder im Abschlussjahr der Highschool. Die letzten Neuankömmlinge – darin eingeschlossen die fünf Jungen, die in Katzengestalt hier eingetroffen waren – waren in den Schlafräumen des Haupthauses untergebracht. Archie und Lukas teilten sich das ehemalige Zimmer der Mädchen, und Kieran, sein Bruder Kevin sowie Alfie teilten sich einen anderen Raum. Es war David peinlich, dass er wahrscheinlich das ganze Haus geweckt hatte …, wenn nicht sogar die halbe Stadt Sage gleich mit.

Er senkte den Blick, und seine langen Wimpern verdeckten seine blauen Augen. Eine kleine Hand legte sich auf seine, und als er sie ansah, wurde ihm klar, dass sie Archie gehörte, der ihn traurig anschaute.

„Wir kriegen auch oft Angst. Du brauchst dich nicht zu schämen.“ Archies Augen waren wunderschön, eine Mischung aus Gold und Bernstein. Sein Haar leuchtete wie Feuer und umrahmte wild sein Gesicht. „Diese schreckliche Frau im Wanderzoo war wirklich bösartig. Sie ließ uns hungern, wenn wir uns nicht so verhielten, wie sie wollte. Zum Beispiel, wenn wir uns übergeben mussten wegen all der Drogen, mit denen sie uns vollpumpten. Sie war eine furchtbare, boshafte Hexe.“ Archie runzelte die Stirn und schauderte dramatisch. Und unfassbarerweise brachte David trotz allem ein Lächeln zustande.

„Ja, die Frau war echt übel. Und auch hässlich. Ich habe mir immer gewünscht, jemand würde sie mit einer dieser Spritzen stechen, damit sie einmal sieht, wie das ist.“ Die Jungen kicherten, und dann platzten sie mit allen möglichen, teuflischen Ideen heraus, wie man es ihr heimzahlen könnte. Augenscheinlich waren sie alle Gefangene im selben Wanderzoo gewesen. Das verriet David, dass diese Hexe schon eine ganze Weile im Geschäft war. Und es ließ vermuten, dass die Hexe ihre Operation immer noch irgendwo betrieb und zu ihrem Profit Kinder in diesem grotesken Abklatsch einer angeblichen Wildtierausstellung gefangen hielt.

„Wahrscheinlich hat sie noch mehr Kinder, die ihren Müttern und Vätern weggenommen worden sind“, warf Kieran ein, während er nachdenklich an einem Mundvoll Rührei kaute. Die Worte waren unter den Mampfgeräuschen kaum verständlich. David warf ihm einen Blick zu, hob die Brauen und hielt sich eine Hand vor den Mund. Kieran verstand die stumme Botschaft und schluckte, bevor er erneut redete.

„Wenn wir sie finden würden, könnten wir sie aufhalten“, beendete Lucas Kierans Gedankengang und schmunzelte ein wenig. Seine braunen Augen funkelten hintergründig. „Wir bräuchten jemanden, der fahren kann, und jemanden, der sich echt gut mit Computern auskennt. Und natürlich jemanden, der ordentlich Arschtritte austeilen kann.“ Er blickte in die Runde, dann schaute er Alfie, den Leopardenwandler an und hob die Augenbrauen.

Alfie schnaubte und schüttelte belustigt den Kopf.

„Du weißt, dass ich einen Computer bedienen kann. Aber fahren kann ich nicht, und für die Arschtritte würde jemand nötig sein, der ein bisschen größer ist als ich.“ Er schaute erwartungsvoll zu David, der bei weitem der Größte am Tisch war.

David neigte den Kopf und überlegte einen Augenblick lang. Ihm kam der Gedanke, dass der beste Weg, seine Alpträume zu beenden, möglicherweise darin lag, sich einem der Hauptakteure zu stellen, die diese Träume überhaupt erst verursacht hatten. Sein Onkel Sean saß hinter Gittern. Aber die Hexe, die den Zoo geführt hat? Die war immer noch irgendwo da draußen.

„Ich lerne gerade erst fahren, aber ich hätte da jemand anderen, der vielleicht helfen kann.“ Er nickte zu einem der anderen Tische, wo Cameron neben John, dem Leopardenwandler saß.

„Bist du verrückt?“, rief Kevin aus und zog sofort den Kopf ein, als alle im Saal sich neugierig zu ihm umdrehten. Er senkte seine Stimme zu einem Flüstern. „Cameron? Auf keinen Fall! Er geht nirgends hin, ohne dass John in der Nähe ist. Außerdem hat er seine kleine Schwester, um die er sich kümmern muss.“

„Warum schreit ihr so?“ Besagte kleine Schwester tauchte neben Kevin auf und kicherte erheitert, als der vor Schreck über ihr unerwartetes Erscheinen fast einen Meter hoch in die Luft sprang und beinahe auf dem Boden landete.

„Wie viel hast du gehört?“, fragte Kevin beunruhigt und schaute ihr mit einer gewissen Beklommenheit in die goldenen Augen. Die Kleine war elf Jahre alt und war mit dem Downsyndrom zur Welt gekommen.

---ENDE DER LESEPROBE---