Zorn der Götter - Charlotte Camp - E-Book

Zorn der Götter E-Book

Charlotte Camp

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Beschreibung

Nach einem Zeitenwechsel traf Carla auf ein Inferno - die totale Apokalypse. Alles war zerstört, alles Leben vernichtet, doch das schien schon vor längerer Zeit geschehen. Denn jetzt betrat sie eine trügerische, künstliche Welt, eine Zeit, die es eigentlich gar nicht geben konnte. Dort traf sie auch ihren alten Freund Justin. Beide versuchten nun eine neue, bessere Welt aufzubauen. Doch das Unheil schlug erneut zu. Nach Justins tragischem Ableben, wagte Carla wieder einmal die ungewisse Reise durch den Zeitenkanal. Doch sie traute dem Zeitenlenker nicht mehr, nachdem er sie einst in die Steinzeit und zuletzt gar ans Ende der Zeit befördert hatte.

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Zum Buch

Ohne Vorwarnung kamen sie plötzlich aus dem All herab geschossen Sternenfahrer – wie zornige Himmelsgötter.

Ein unheimliches Donnern aus der Höhe, das sich zu einem Pfeifen und Zischen erwuchs.

Die ungeheure Druckwelle fegte Dächer von den Häusern und ließ Fensterscheiben bersten.

Sie waren gekommen, um Justin zu strafen.

Aber wofür?...

Zur Autorin:

In einem kleinen Harzdörfchen - in selbstgewählter Ruhe und Abgeschiedenheit, widmet sie sich nun ausschließlich ihrem Hobby - dem Schreiben utopischer Abenteuer Romane und Thriller.

Inhalt:

Kap. 1: Muskeln gegen Charme

Kap. 2: Die verlorene Zeit

Kap. 3: Das Uhrwerk des Lebens

Kap. 4: Heiter bis wolkig

Kap. 5: Verworrene Wege

Kap. 6: Böses Erwachen

Kap. 7: Der Fahrstuhl in die Zukunft

Kap. 8: Das Traumschloss

Kap. 9: Der große Regen

Kap. 10: Besuch aus dem All

Kap. 11: Auferstehung der Götter

Kap. 12: Die mächtigen Götter ohne Macht

Kap. 13: Monumente aus alter Zeit

Kap. 14: Das Jüngste Gericht

Kap. 15: Ende eines Mythos

KAPITEL 1 MUSKELN GEGEN CHARME

Ich Narr – ich glaubte doch tatsächlich, mein nahes Ende wäre gekommen.

Obgleich ich ja immer schon wusste, wenn ich einst sterbe, dann nur durch die quälende Herzenskälte dieser göttlichen Frau.

So hat sie letztendlich – einfältig, gleichwohl verhängnisvoll aber - naiv – die giftigen Pfeile in mein überkochendes Gefühlschaos geschossen und mich tödlich getroffen.

Doch ohne Zynismus, eher war es wohl ein gut dosiertes Betäubungsmittel, welches mich in den tiefen Schlaf hat gleiten lassen. Denn – ich lebe noch.

Doch Sie ist jetzt verschwunden.

Dasselbe Schicksal- hätte nun die Rivalen vereinen sollen.

Denn dieses Mal fahndeten beide, Günter und Justin zusammen nach ihr.

Dennoch traute einer dem anderen nicht.

Doch Günters Groll war unermesslich, nach der letzten verheerenden Schandtat Justins.

So war es mehr als nur ein Schabernack oder lustiger Streich, eher ein hinterhältiger Mordversuch, als er die Laube in Brand steckte und zu allem Übel auch noch seine Liebste entführte.

„Was soll diese Farce, sie wäre verschollen und nicht auffindbar. Was hast du mit ihr gemacht, du Schurke?“ brüllte Günter, außer sich vor Zorn.

„Doch diesmal wirst du für deinen ewigen Weiberraub bitter büßen!“ fügte er hinzu und landete den ersten Fausthieb in Justins unschuldiges Gesicht.

Worauf er infolge einen zweiten – dritten und vierten Hieb erbarmungslos mit aller Kraft in seiner aufgestauten Wut ausgeführt – den Gegner nieder warf und am Boden hielt.

Zum zweiten Mal hat er die grausamsten Prügel seines Lebens einstecken müssen – na und?

„Bah – Fäuste gegen Charme und Geistesgröße des unwiderstehlichen Adonis.“ grinste er, noch am Boden liegend, herausfordernd – als ihn der wuchtigste Schlag das Lachen erfrieren ließ.

Wie erniedrigend und schmachvoll für Justin...

Wie konnte er jemals vergessen, gegen Günter, nicht die geringste Chance zu haben.

Genau wie damals vor vielen Jahren, als er nach seiner Niederlage, mitleidig von Carla mit Pflastern beklebt, mit eingezogenem Schwanz das Weite suchte.

Als er nun geschunden, mit blutiger Nase – Platzwunden und etlichen Blutergüssen übersät, davon kriechen wollte.

„Weg – nur weg von hier“.

Wurde er erneut gepackt und festgehalten.

„Jonny, hol meinen Arztkoffer, ich muss seine Platzwunden versorgen und ihn wieder zusammen flicken!

Nun wirst du es aushalten müssen, Bürschchen – doch ohne Betäubung!“

„Nein um Gotteswillen, nicht ohne Betäubung,“

stammelte Justin und wehrte sich verzweifelt.

Doch mit Jonnys eingreifen und seinem festen Griff, blieb ihm nichts anderes übrig, als die schmerzhaften Nadelstiche zu erdulden.

„So, nun kannst du gehen, verschwinde aus meinem Leben, je weiter desto besser und wage es nicht, mir noch einmal über den Weg zu laufen!“

.

Oh, diese Schmach, die Justin bis ins Mark erschütterte, während er im Laufschritt, trotz seines geschundenen Leibes davon humpelte.

Nein, solch eine Schmach, wollte er nicht noch einmal erleben.

Zum Teufel – was hatte ihm das alles gebracht?

Nichts, als die erniedrigende Schande – alles nur wegen einer einzigen Frau.

Konnte eine Frau das alles Wert sein?

Sie war es und er würde niemals aufgeben – nicht gleich, doch irgendwann würde sich eine neue Chance ergeben.

Ich werde nie auf sie verzichten.

Stets war ich bemüht ihr alles zu geben, was sie begehrte, einschließlich mich – den begehrtesten Junggesellen dieses Universums - versuchte er sich, über sich selbst lustig zu machen.

Aber war es nicht wirklich so?

So quälte er sich mühsam den Hang hinauf in die Höhle – dem Zeitenkanal, um sich in seiner Welt, von der Medizinfrau auskurieren zu lassen.

Hässliche Narben zierten sein Gesicht, die seiner Eitelkeit durchaus nicht schmeichelten.

„Meine Güte, euch hat es aber scheußlich erwischt.

Aus welchem Nest seid ihr denn gefallen?“

hörte er den Roboter spöttisch sich äußern.

War die Häme auch tonlos, nur in Gedankenübertragung, so kränkte es umso mehr, von einem Roboter verhöhnt zu werden.

„Ja scheußlich – ein hinterhältiger Überfall aus heiterem Himmel. Aber du solltest die anderen Mal sehen,“

brummte Justin angeberisch.

So jedenfalls werde ich gewiss nicht unter mein Volk treten, überlegte er.

„Robby, du brauchst mich nur um einen Tag verjüngen und somit diesen verfluchten Tag auslöschen, dann bin ich wieder unversehrt!“ So geschah es dann auch.

Carla, auf ihrem Tripp durch die Höhle.

Am eindrucksvollsten wäre eine größere Verjüngung, dachte sie.

„Nun ja, ein paar Jahre mehr als sonst, sollten es schon sein. Hast du mich verstanden?“ sprach ich zu Robby, der mit allen Zeiten jonglieren konnte.

In seinem Hyperraum seinem Einflussbereich, konnte er über alle Zeiten gebieten.

Es dauerte diesmal sehr lange.

So dass ich gelangweilt die Augen schloss.

Ich spürte ein Ziehen im Gesicht – mehr als sonst immer.

So sollte es wohl sein.

Ich wollte diesmal besonders jung, reizvoll, ja umwerfend erscheinen – ihm gegenüber in die Vergangenheit treten.

Eigentlich war die Verjüngung unnötig.

Ach was mich nur wieder für unsinnige Gedanken heimsuchen, dachte ich, als sich endlich das Tor für mich wieder öffnete.

Ich starrte den Hang hinab, doch ich erkannte nichts wieder.

Mein Gott, wo bin ich hier nur wieder hingeraten.

Hier bin ich mit Sicherheit noch nie gewesen. Ich sah an mir herab. Ich trug einen weiten Petticoat, der meinen Rock wippen ließ und mich am Laufen zwischen den Büschen behinderte. Doch eigentlich war es gar kein Petticoat, sondern eher ein Reifrock – eine Krinoline, wie sie ganz früher in vorigen Jahrhunderten, von den hohen Damen des Adelstandes getragen wurden.

Darüber trug ich ein entzückendes – festliches Prinzessinnen Kleid.

Mein Gott – wie am Hofe Ludwig des Sonnenkönigs.

Es muss wohl eine sehr frühe Zeit gewesen sein.

Aber wie komme ich hier her, in diese unwirkliche Gegend.

Ich entsann mich nicht, von hier aufgebrochen zu sein.

Und was habe ich in dieser scheußlichen Höhle gesucht.

Benommen taumelte ich aus der Höhle – dem Zeitkanal und ließ mich erschöpft ins tiefe Moos fallen.

Dort erwachte ich ein paar Stunden später.

Völlig verwirrt und orientierungslos, als wäre ich neugeboren - gerade erst aus dem Ei geschlüpft oder mein tiefer Schlummer hatte die Wirklichkeit verwischt.

Vergangenheit und Gegenwart waren schemenhaft und unwirklich wie alte Filmszenen – rätselhaft und chaotisch miteinander verwoben.

Staunend betrachtete ich die fremde neue und dennoch vertraute Umgebung.

Ich erschrak fürchterlich, als ich nun das düstere Höhlentor – nicht weit von mir sah, es flößte mir Furcht ein.

Aber war ich nicht vor kurzem aus dieser Höhle getreten?

Auf der anderen Seite war das Plateau, auf dem ich mich befand.

Dahinter ging es in die Tiefe hinab, mitten in ein mir unbekanntes Wäldchen.

Wohinter ich kleine Häuser wie Bauernkaten entdeckte.

Alles schien mir fremd.

Was suche ich hier? Warum, woher und wie bin ich hier hergekommen?

Ich muss schnellstens von hier fort – von dieser grässlichen furchteinflößenden Höhle, die irgendetwas grausiges beherbergt.

Ein magischer Ort, wie in einem mystischen Märchen mit einer Zauberhöhle, Drachen und Ungeheuern.

Im Labyrinth der Domänen und Geister.

Doch mir ist, als hätte ich sie betreten und nicht zum ersten Mal.

Und sie hat mich wahrhaftig verzaubert und doch wieder ausgespien.

Doch all das war verschwommen.

Hundert Geistesblitze flammten und flackerten in meinem Kopf, doch ohne jeglichem Zusammenhang, wie eine blitzende Discokugel , die sich zu schnell dreht.

Wieder sah ich an mir herab und dachte , wie unpassend im Ballkleid über einer weiten Krinoline, auf eine Bergtour zu gehen.

Zudem war das nicht „Ich“- eher eine junge Ausgabe von mir und dennoch war ich es, denn es waren ja meine Gedanken in meinem Kopf.

Ich muss noch sehr jung sein, wohl 14 -15, oder gar jünger, denn ich trug mein Haar in langen Zöpfen, die bis auf den Po reichten.

Ein Zeichen dafür, noch nicht konfirmiert zu sein.

Weil zu diesen neuen Lebensabschnitt, die Mädels in der Regel die langen Zöpfe abgeschnitten bekamen, um sich in einer fraulich – kurzen Dauerwelle dem Ernst des Lebens zu stellen.

„Sie“ – das halbe Kind war jetzt ich, durch einen Zauber, der nur in der Höhle stattgefunden haben konnte.

Warum und wie mag dieses junge dumme Ding wohl in die Höhle – den vermutlichen Zeitenkanal, geraten sein?

„Ich“ – Wir – waren Eins – waren nun zu einem Körper verschmolzen – zusammen geschweißt, so dass es mich, die 50-Jährige – lebenserfahrene Frau nicht mehr gab.

Ich war jetzt die blutjunge Carla, in die ich mich erst einfügen musste und in deren Wesen und Denken fühlen.

Die Hälfte von mir, wusste kaum etwas von der Vergangenheit, sowie die andere, wenig von den zeitlichen Vorkommnissen und schon gar nichts von der Zukunft, aus der ich ja eigentlich kam, wissen konnte.

Wir müssen uns auf halbem Wege treffen und das Beste daraus machen.

Wenn ich nur wüsste, in welchem Landesteil wir uns hier befinden und welchen Weg ich einschlagen muss, um in eine mir bekannte Gegend, oder einen vertrauten Ort zu gelangen.

Wenn ich durch die Höhle im Berg gegangen bin, so ist es möglich, dass auf der anderen Seite ein völlig anderes Gebiet oder Landesteil liegt.

Ich trug nur einen Beutel bei mir, worin sich merkwürdige Kleidungsstücke und andere nicht identifizierbare Dinge befanden, welche ich nachdenklich vor mir, staunend ausbreitete, doch schnell wieder verbarg.

Ich blieb nicht stehen, es drängte mich einen Weg – eine Lösung aus meiner skurrilen Lage zu finden.

So machte ich mich behände an den Abstieg, um die nächsten Häuser näher zu betrachten.

Vielleicht würde dann ein Fünkchen der Erinnerung an meine früheste Jugend in mir aufflammen.

Denn jetzt bin ich nur noch die mädchenhaft – unwissend, naive Carla.

Alles andere zählte im Moment nicht mehr.

Obgleich ich zurzeit mehr wissen von der Zukunft oder besser gesagt – der Gegenwart als von der Vergangenheit in meinem Kopf hatte.

Doch ich fürchte, auch das Bisschen, wird in kurzer Zeit verblassen oder umgekehrt ist es gut möglich, dass es sich vervollständigen wird, dachte ich, als ich mich dem ersten Haus näherte.

Irgendetwas an dem Anwesen schien mir vertraut, dennoch war alles ganz anders als in meinen vagen Erinnerungen.

Da – wo einst die Gauben und Türmchen der Mansarden waren, gab es nur winzige Dachluken.

Nun, die Zeit lag weit zurück oder war noch fern.

Die Gauben und Türmchen, können viel später entstanden sein.

Während ich sinnend davor stand, schwirrten in meinem Hirn vielfältige Bilder, die wie ein rasend schnell ablaufender Film vor mir kurz zum Leben erwachten und sich sogleich wieder auflösten.

Mein „Ich“ war zerrissen - in diesem Wirrwarr, wusste ich nicht, was ich davon gehört, gelesen oder selbst erlebt hatte.

Das klare Leuchten der Erinnerung, konnte den Nebel nicht durchdringen – noch auflösen.

Einen Moment früher – und ich wäre vorbei gegangen und alles wäre anders gelaufen.

Denn plötzlich öffnete sich die Haustür und ein altes Männlein trat hinaus.

Als er mich sah, trat er in den Garten und kam mir neugierig entgegen.

Oh, welch ein schöner großer Garten, auch er rief Erinnerungen in mir wach.

Doch leider zeigte er keine Spuren meiner liebevollen Mühen und unermüdlichen Pflege, Blumen aller Art zu züchten.

So bestand er hauptsächlich aus einem Kartoffelacker und diversem Gemüse.

Der Alte nickte mir freundlich zu und beeilte sich, mich an dem Gartenzaun zu erreichen, mit den Worten: „Warte, bleib doch stehen Kindchen, oder muss ich junge Dame sagen!

Mir scheint, als suchtest du jemanden, wer ist es, ich bin es sicher nicht. Doch vielleicht kann ich dir bei deiner Suche helfen?“

„Hm – ja, ich suche nach meiner Vergangenheit, doch das könnt ihr nicht verstehen,“ murmelte ich, oder dachte ich es nur.

Ich fasste mich und sagte stattdessen: „Wem gehört dieses wunderschöne Haus und wer seid ihr?“

„Ach ich bin nur der Advokat des Grafen von Elzen im Schloss am See, ihm gehört dieses Haus eigentlich.

Nun bin ich im Altersstand und darf hier wohnen, bis zu meinem selig Ende.“

Nun wurde mir schlagartig klar, in welche Zeit ich abrupt geraten war.

Es war nicht etwa das Jahr 1959, wie ich erst vermutet hatte, sondern eher das Jahr 1839 – blitzte es in mir auf.

Alles war verworren und unverständlich.

So befand sich die junge Carla in einer falschen Zeit, wenn sie doch erst 1946 das Licht der Welt erblickte.

Also war es beinahe 110 Jahre vor meiner Zeit.

Wie ist dieses Zeitenchaos zustande gekommen?

Und wie konnte ich jetzt nach Verwandten und Bekannten Ausschau halten, wenn noch lange keiner aus meinem Umkreis lebte!

So hatte ich weder Eltern noch Geschwister.

Ich war allein – so allein ohne Familie und Freunde.

Ich konnte allerhöchst nach meinen Vorfahren forschen.

Doch selbst meine Urgroßmutter ist erst 1850 zur Welt gekommen.

Oh – je, nimmt denn dieses Verwirrspiel kein Ende?

Was hatte sich Robby nur dabei gedacht – dieser trügerische Barbar.

Nun ja, er zürnte mir, wir hatten noch eine Rechnung offen – ein Versprechen, das ich nicht einlösen konnte!

Ein Schwall von Selbstmitleid überkam mich – hüllte mich ein. Ich brach in Tränen aus und griff haltsuchend nach seinem Arm.

„Aber, aber Kleine, so schlimm wird es doch wohl nicht sein, was dich bedrückt. So komm erstmal ins Haus.

Wir werden schon eine Lösung für dich finden,“

redete er beruhigend auf mich ein.

Er fasste mich väterlich um die Schultern und zog mich in die Diele.

„Ich bereite uns jetzt eine heiße Honigmilch, die wird dich stärken und aufmuntern.

Komm setzt dich in die Küche!“

Ich steuerte zielstrebig die Küche an.

„Aber woher weist du wo die Küche ist?

Ach, ihr Weiber, ihr findet immer instinktiv als erstes die Küche.“

Er beugte sich und blies kräftig in die Glut des Herdes, worauf er einen Topf mit Milch füllte und emsig darin zu rühren begann.

Die anheimelnde Atmosphäre beruhigte meine Nerven.

Ich fasste mich wieder.

Doch meine verirrten Gedanken überschlugen sich.

Was sollte ich noch denken, wie mit dieser verfahrenen Situation fertig werden?

Ein jäher Gedankenblitz durch fuhr mein Hirn.

Um 1958 war dieses Haus längst abgerissen, wenn es eben dieses Haus, in dem ich jetzt sitze – ist.

Sprach der Alte nicht von einem Grafen von Elzen?

Elzen, ist das nicht auch mein Nachname – Carla von Elzen!

Na, meinen Namen wusste ich wenigstens noch, ha ha.

Sollte etwa das Grafenschloss und nicht dieses Haus, hier mein zu Hause sein?

So wäre ich eine Comtesse von Elzen! Als er die dampfende süße Milch in Tassen füllte und sich zu mir setzte, fragte ich naiv: „Wo ist denn dieses Grafenschloss von Elzen?“

„Ach sieh mal an, unsere Kleine hat sich wieder gefangen.

Nun, das Schloss ist nur einen Katzensprung, wie man so sagt, entfernt.

Mit dem Einspänner können wir es in ein paar Stunden erreichen. Deine entzückende Aufmachung passt direkt.

Du könntest ohne weiteres eine von den aufreizenden Comtessen oder eine nahe Verwandte sein.

Doch selbst in Lumpen wärst du noch viel reizender als alle zusammen.

Also ich muss schon zugeben, aeh – wenn ich jünger wäre, hätte ich mich auf der Stelle in dich verliebt,“ fügte er, augenzwinkernd hinzu. Worauf er sich ein wenig verlegen räusperte.

„Aber warum irrst du denn hier im Tal am Berge herum und weist anscheinend nicht wohin?“

fragte er kopfschüttelnd, um dann fortzufahren.

„Ich wollte ohnehin den alten Haudegen aufsuchen, da gibt es noch einiges zu regeln.

Wenn du willst, können wir schon morgen einen Ausflug zu dem Schlösschen am See unternehmen!“

„Oh nein – nein, morgen ist mir zu früh.

Ich muss mich erst an den Gedanken gewöhnen.

Bis dahin würde ich gerne hier verweilen, wenn es denn möglich ist.

Das Haus hat doch so viele Räume.

So könnte ich mich doch in die Mansarde zurückziehen.

Ich werde euch gewiss nicht zur Last fallen!“

„Oh nur zu gerne. Du wirst mir keineswegs zur Last fallen, Herzchen, im Gegenteil, du bist mir sehr willkommen.

Du könntest einem alten Mann wie mir, das Haus führen.

Sieh nur, wie vernachlässigt alles ist, seit meine Frau nicht mehr ist.“

„Ja sicher, sehr gerne würde ich wieder etwas Schwung ins Haus bringen,“ entgegnete ich, erleichtert, aufatmend.

„So richte dich in der Mansarde ein, sie steht leer, seit meine Kinder ausgezogen sind.

Aber wo ist dein Gepäck?“

„Ach, ich besitze nicht mehr, als meinen Beutel und was ich am Leibe trage.

Alle meine Angehörigen leben noch nicht!“

„Du meinst – sie leben nicht mehr! Ach du arme Kleine, so wirst du hier ein warmes Nest finden.

Bleib nur, solange du magst.“

Ich blieb – der Beschäftigung gab es genug.

Ich räumte, kochte backte– machte mich unentbehrlich und betüddelte meinen großväterlichen Freund, über die Maßen, so dass er schon nach Tagen sagte:

„Du bist mir wie ein Engel vom Himmel gesendet, als wärst du nicht von dieser Welt.

Mein Gott, wie konnte ich nur so lange ohne dich auskommen.“