2050 - Die Vulkane im Rheingraben - Martin Danders - E-Book

2050 - Die Vulkane im Rheingraben E-Book

Martin Danders

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Beschreibung

Es ist durchaus möglich, dass die durch Menschen verursachte Erdklimaerwärmung maßgeblich durch vulkanische Aktivitäten gestoppt oder sogar reduziert werden könnte. In der Erdgeschichte war dies schon öfters vorgekommen. Dieser extrem, spannende Roman "2050 - Die Vulkane im Rheingraben" beschreibt ein geologisches Szenario, das tatsächlich eintreten könnte, allerdings würde es für die betroffefen Menschen ein unbeschreibliches Unglück bringen. Die Handlung beginnt im Jahr 2050. Von 2010 bis 2050 war das durchschnittliche Erdklima um 4° Grad Celsius gestiegen. In dieser Zukunftsvision sind die dramatischen Auswirkungen auf die Erdbevölkerung weltweit eingetreten. Der Erzähler, ein Chefgeologe in einer Geothermie-Firma, entdeckt bei Bohrarbeiten eine unterirdische Magmakammer in der Nähe von Lahr in Südbaden. Wenig später bricht an dieser Stelle ein Vulkan aus, der eine sehr hohe Aktivität aufweist. Ein deutscher Krisenstab wird in Freiburg eingerichtet, indem der Erzähler als Fachmann mitwirkt. Im Vulkanumfeld werden die Menschen mit einem Radius von 50 Kilometern evakuiert. Der neue Vulkan deutet auf einen wieder aktiven Rheingraben hin und bringt für viele Betroffene lebensbedrohende Ereignisse mit sich.

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Seitenzahl: 256

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Martin Danders

2050 - Die Vulkane im Rheingraben

Wenn Vulkane unser Klima retten

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort:

1. Kapitel (2050)

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel (1 Jahr später; 2051)

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel (1 Jahr später; 2052)

Impressum neobooks

Vorwort:

Die Geschichte ist frei erfunden. Es ist eine Zukunftsvision, die aber durchaus auch sehr schnell Realität werden kann. Die Handlung spielt im Jahr 2050. Das Erdklima hat sich tatsächlich seit 2010 im Durchschnitt global um vier Grad erwärmt, aber die beiden Vulkanausbrüche im Rheingraben senken die Temperaturen wieder. Dieser selbst regulierende Effekt der Natur soll allerdings für potenzielle Klimasünder kein Freibrief sein, weiterhin die Atmosphäre mit Methan und Kohlendioxid zu belasten.

1. Kapitel (2050)

Um 8 Uhr starte ich mein Elektrofahrzeug und düse zur Arbeit nach Breisach im Breisgau. Mein kleines Haus mit Solarzellen auf dem Dach ist bestens isoliert und befindet sich im Elsass in einem Vorort von Colmar. Ich habe es nur gemietet und wohne dort allein mit meinem Hund „Alpha“. Und ich bin sehr froh, nicht verheiratet zu sein. Manchmal habe ich wieder für eine gewisse Zeit eine Freundin für einen weiteren Lebensabschnitt. Diese Lebensform ist heute sehr modern, aber auch häufig ziemlich anstrengend.

Eigentlich nutze ich das Haus nur als Schlafstätte. Tagsüber bin ich bei der Arbeit in Breisach oder beruflich unterwegs und komme in der Regel erst sehr spät nach Hause. „Alpha“, ein Kuvasz-Rüde, ist bei meinen Aktivitäten immer dabei. Der Hund ist sozusagen ein Partnerersatz. In der Vergangenheit hatte ich zwei längere Beziehungen zu Frauen, eine dauerte zehn Jahre und die andere hielt ganze fünf Jahre. Beide Beziehungen sind gescheitert, wegen Unfähigkeiten auf beiden Seiten. Danach hatte ich mit Frauen nur noch mehr oder weniger Kurzgeschichten. Es gibt Wichtigeres im Leben als eine Partnerschaft.

„Alpha“ nehme ich immer mit zur Arbeit, denn in meinem Job bin ich sehr viel unterwegs. Ich bin Chefgeologe im besten Alter von 45 in einem großen Geothermie-Unternehmen. Seit dem Jahr 2010 expandierten diese Unternehmen explosionsartig, weil die Geothermie schnell einen wichtigen Anteil bei den regenerativen Energien bekommen hatte. Im Wesentlichen sind ich und meine Abteilung damit beschäftigt, Bohrungen zu planen und niederzubringen. Diese Bohrungen werden im Rheintal bis in Tiefen von ca. 1.000 Metern abgeteuft. Wenn die Bohrung die geeignete Endteufe erreicht hat, werden in einem wasserdurchlässigen Gestein Filterrohre eingebaut. Eine zweite Bohrung wird in einem von der Geologie abhängigen Abstand auf die gleiche Tiefe niedergebracht und auch mit Rohren verfiltert. Die Erdtemperatur nimmt mit zunehmender Tiefe, gemäß dem geothermischen Gradienten, zu. In Gegenden mit hohem Temperatur-Gradienten hat man natürlich bei der Geothermie eine hohe Energieausbeute, im Gegensatz zu Gegenden mit niedrigen Gradienten. Dort lohnt sich die Anwendung dieser Technik nicht. In das erste Bohrloch wird Wasser gepumpt, welches dann im Filterbereich in das umgebende poröse Festgestein gelangt. Bei der Migration des Wassers zum zweiten Bohrloch wird es durch das umgebende Gestein erhitzt. Das heiße Wasser erreicht die Filter der zweiten Bohrung. Anschließend wird es zur Erdoberfläche gepumpt, wo mit der Wärmeenergie eine Turbine in einem speziellen kleinen Vor-Ort-Kraftwerk angetrieben wird, welche wiederum Strom erzeugt. Der Anteil von allen regenerativen Energien ist 2050 bei 100% des Energiekuchens. Fossile Energieträger wie Braunkohle, Steinkohle, Erdöl werden seit Jahren wegen der Klimaerwärmung nicht mehr zur Stromerzeugung genutzt. Auch die Kernkraftwerke sind wegen zu hoher Risiken schon lange nicht mehr am Netz.

In Breisach angekommen, parke ich mein Auto auf dem betriebseigenen Parkplatz und stecke den Auto-Stecker in die Ladedose, um die Batterien wieder aufzuladen. Alpha und ich laufen ins Büro. Auf dem Schreibtisch stapeln sich die geologischen Pläne und Schichtenverzeichnisse. Die Firma hat sehr viel zu tun, weil die geothermische Energie immer noch weiter vorangetrieben wird, damit es keine Energieengpässe in Deutschland gibt. Vor allen Dingen müssen die Energieflauten, bedingt durch die Windräder bei Windstille, durch die Energieversorger ständig ausgeglichen werden. Ich setze mich an den Schreibtisch, lege die Füße auf den Tisch und schaue mir einige neue Schichtenverzeichnisse von durchgeführten Bohrungen an.

Plötzlich erscheint in der offenen Bürotür unsere Sekretärin Anna. In dieser Firma duzt sich jeder, auch die Chefs werden geduzt. Anna ist Anfang 30, hat schwarze, gefärbte Haare, trägt heute einen feuerroten Rock und schwarze Nylonstrümpfe mit Maschenmuster. Ihre Bluse ist halb durchsichtig, sodass ihr BH zu sehen ist. Ich weiß, dass ihr BH mit Einlagen ausgepolstert ist. Aber dazu kommen wir später.

„Hallo Max, guten Morgen!“, grüßt Anna.

„Guten Morgen, Anna!“

„Wie wärs heute Abend bei dir?“, fragt sie mich.

„Ja, okay! Um zwanzig Uhr?“

„Ja, ist okay!“, lächelt sie.

Mit Anna habe ich seit einem Jahr eine Affäre, die sich auf der Arbeit entwickelt hat. Wenn ich permanent in der Firma bin, kann ich auch nur dort eine Frau kennenlernen. Wir treffen uns regelmäßig entweder bei mir oder bei ihr. Sie ist geschieden und alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern. Ich bin ihren Reizen vollkommen verfallen. Für Männer ist es auf der Arbeit sehr schwierig, diesen weiblichen Reizen auf Dauer auszuweichen. Vor allem die verheirateten Ehemänner haben es nicht leicht, ihren Frauen immer treu zu bleiben.

Nach einer Stunde verlasse ich das Büro und fahre mit Alpha zu einer Baustelle in der Nähe von Lahr im Rheintal. Bei den dortigen Bohrungen ist es zu Problemen beim Bohrfortschritt gekommen. Der Bohrmeister erklärt mir, dass die Ursache in den dortigen extrem widerstandsfähigen Gesteinen zu suchen ist. Der Bohrfortschritt ist sehr gering und ein Bohrmeißel musste vorzeitig gewechselt werden. Zum Wechseln des Meißels muss das gesamte Bohrgestänge gezogen und wieder eingebaut werden. Da die Bohrung bereits eine Endteufe von ca. 1.000 Metern hat, sind dafür mit unserem Gerät ungefähr acht Stunden notwendig (vier Stunden zum Ziehen und vier Stunden zum Einbringen).

Wichtig ist es für die Geologen, Wasser leitende, poröse Gesteinsschichten rechtzeitig zu erkennen. Bei der Erkundung der Beschaffenheit der Gesteinsschichten werden drei unterschiedliche Methoden angewendet. Der Geologe kontrolliert, als erste Methode, die Bohrspülung, die über ein Schüttelsieb geleitet wird. Hier bekommt er ein Bild von den aktuellen Schichten, die gerade durchbohrt werden. In ausgewählten Bereichen lässt er, als zweite Methode, eine Kernbohrung durchführen. Der entstehende Bohrkern zeigt dem Geologen das in dieser Bohrtiefe anstehende Gestein im Original. Eine dritte Methode sind von Geophysikern durchgeführte Messungen. Bei einer wichtigen geophysikalischen Untersuchungsmethode werden Druckwellen durch das Festgestein gesendet, die an dichten Festgesteinen anders reflektiert werden als an porösen Festgesteinen. Die unterschiedlich reflektierten Druckwellen werden von einem Empfänger aufgezeichnet und in Diagrammen dargestellt. Diese Messungen habe ich täglich genau zu kontrollieren. Heute wurden keine porösen Festgesteine angetroffen.

Gegen Abend fahre ich in mein Haus nach Colmar. Endlich Feierabend. Ich öffne die Gartentür, decke den Tisch und starte den Elektrogrill. Heute werden Steaks gegrillt, die ich zuvor im Supermarkt gekauft habe. Dazu gibt es einen Salat und eine Flasche Gutedel.

Alpha hockt vor dem Grill und starrt die Steaks an. Kurz nach 20 Uhr klingelt es und Anna stürmt in mein Haus. Sie hat auch eine Flasche Wein mitgebracht und Kekse.

„Hallo, wie war dein Arbeitstag?“, fragt sie mich.

„Nichts Besonderes heute, wie immer.“

„Ich kann heute nur bis zweiundzwanzig Uhr bleiben. Ich habe das Kindermädchen nur bis halb elf engagiert“, sagt Anna.

„Wir werden unser Programm bis zweiundzwanzig Uhr schaffen. Erst wird gegessen und Wein getrunken.“

„Na, dann bin ja beruhigt“, erwidert sie.

Nach unserem Essen bekommt Alpha seine Ration. Ich schließe die Gartentür. Anna hat die gleiche aufreizende Aufmachung wie heute auf der Arbeit an. Ich ziehe mich aus und gehe ins Badezimmer, um mir die Zähne zu putzen. Anna folgt mir und zieht mir die Unterhose herunter. Ich drehe mich um und sie bläst mir einen, bis ich schwach werde. Sie greift meine stolze Erektion und zieht mich daran durch das halbe Haus ins Schlafzimmer. Blitzschnell hat sie ihre Sachen ausgezogen und ich verwöhne sie genauso, wie sie es zuvor bei mir gemacht hat. Wie sind wie zwei Raubtiere, die übereinander herfallen. Wir lieben uns mehrfach hintereinander, bis zur totalen Erschöpfung. Ich liebe ihre ungezwungene Art beim Sex.

Um 22 Uhr geht sie und gibt mir einen Abschiedskuss. Ich bin eigentlich ganz froh darüber, weil ich es länger kaum aushalten würde. Manchmal ist es auch ganz schön, alleine zu sein.

Ich rauche noch eine Zigarette, trinke das Glas Wein aus und schaue mir im Garten die Sterne am Himmel an. Anna ist eine anstrengende Geschichte. Sie ist eine nette Frau, aber ich will keine feste Beziehung mit ihr. Ein Mann bleibt immer ein Jäger und Sammler. Er wird es niemals lassen, sich nach anderen Frauen umzuschauen.

2. Kapitel

Der Zustand der Welt im Jahre 2050 sieht durch die Klimaveränderung sehr kritisch aus. Die Menschheit hat es bis heute nicht geschafft, das Problem in den Griff zu bekommen.

Die durchschnittliche Temperatur ist in den Jahren von 2010 bis 2050 weltweit um vier Grad gestiegen und der Meeresspiegel mittlerweile um fünf Meter. Der schwimmende Eisberg in der Arktis und die Eiskappe von Grönland sowie die Eisbedeckung auf der antarktischen Landmasse haben sich vollkommen aufgelöst. Der Verlauf der Küstenlinien hat sich wegen der größeren Wassermenge in den Ozeanen ins Landesinnere verschoben, obwohl die Deiche in den Industrieländern von 2010 bis 2020 massiv erhöht wurden. Die Niederlande ist heute wesentlich kleiner und die Malediven sind ganz verschwunden. Viele andere Koralleninseln existieren nicht mehr. In Norddeutschland haben die Deiche wegen Deicherhöhungsmaßnahmen ab 2010 noch sehr lange gehalten. Aber durch aufsteigendes Grundwasser waren zum Beispiel Bremen und Hamburg nicht mehr zu halten. Beide Städte mussten, wie auch noch viele andere Ortschaften, aufgegeben werden. Der Grundwasserspiegel hatte 2020 die Geländeoberfläche erreicht und später sogar überschritten. Das heißt, dass die Küstenstädte quasi von innen vollgelaufen sind, obwohl Deiche vorhanden waren. Dieser Effekt war weltweit an den Küsten mit Deichschutz zu beobachten.

Allmählich entstanden zwei unterschiedliche Bewegungen von Klimaflüchtlingen. Einen Flüchtlingsstrom verursachten weltweit die Bewohner der Küstenstreifen, welche ab 2020 in küstenfernere Gebiete übersiedelten. Hierbei kam es zu massiven Konflikten mit den Einheimischen im Landesinneren. Eine zweite Flüchtlingsbewegung von der Dritten Welt in die erste Welt lösten die Bewohner der Entwicklungsländer aus. Hier setzte die Massenflucht ebenfalls 2020 ein, aufgrund von Hungersnöten und mangelndem Trinkwasser. Die erste Welt schützt sich bis heute mit hohen Befestigungsmauern vor den Klimaflüchtlingen, ähnlich der Berliner Mauer. Besonders aus Afrika strömten wegen der enormen Trinkwasserknappheit sehr viele Menschen auf den anderen Kontinent. Weltweit wurden seit 2010 mehr als dreißig regionale Kriege wegen des knappen Trinkwassers geführt.

Der Anteil der Moslems in Europa liegt 2050 bei 55% der Gesamtbevölkerung. Weniger als 45% machen zusammen die Konfessionslosen, Christen, Juden und andere aus. Dies erklärt sich mit der höheren Geburtenrate bei den Moslems.

Die Weltwirtschaft ist seit der Finanzkrise von 2008 mehrfach in schwere Schieflagen geraten. Der Raffgier der Konzerne hat niemand wirklich etwas entgegengesetzt. Es wurden weiter fossile Brennstoffe verfeuert. Ein Klimaabkommen ist bis heute nicht zustande gekommen, weil die Einzelstaaten ihre Wirtschaft nicht schädigen wollen. Die Folge ist nun, dass sich der CO²-Gehalt in der Atmosphäre in den letzten 200 Jahren verdoppelt hat. Damit haben wir jetzt einen CO²-Gehalt wie im Jura, als die Dinosaurier in einem tropischen Umfeld die Erde bevölkert haben. Viele ehemalige demokratische Länder werden von Militärdiktaturen beherrscht. Die Lage der Weltwirtschaft ist 2050 wieder etwas besser, hat aber das Niveau von 2008 nicht mehr erreicht.

Die Erwärmung des Meerwassers in den letzten Jahrzehnten führte dazu, dass sich das im Meeresboden eingelagerte Methan (CH4) freigesetzt hatte, an die Meeresoberfläche gelangte und sich dort in der Atmosphäre ausbreiten konnte. Methan (CH4) ist ein viermal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid (CO²). Auch das in Permafrostgebieten, wie zum Beispiel in Russland, im Boden gebundene Methan (CH4) gelangte durch den Verlust der Dauerfrostgebiete in die Atmosphäre. Die Viehzucht wurde in den letzten Jahrzehnten nicht eingeschränkt, sodass auch dadurch der Methangehalt in der Atmosphäre anstieg. Weltweit produzieren Bakterien beim anaeroben, mikrobiologischen Abbau in Müllbergen Methan. Der mikrobiologische Abbau in einem Müllberg kann ca. 60 Jahre dauern. Alle aufgezählten Effekte führten oder führen bis heute zu einer massiven Erderwärmung.

Bereits im Jahr 2030 war das Erdöl fast vollständig aufgebraucht. Die Industrieländer verfügen noch über einige Reserven, weil sie sich mit militärischer Gewalt die letzten Erdölfelder gesichert haben. Die Verknappung führte auf dem Weltmarkt zu einem enormen Preisanstieg, da auf unserem Planeten nur noch wenige neue Ölfelder entdeckt wurden. Lange hatte man mit Tiefseebohrungen versucht, das drohende Unheil aufzuhalten. Im Jahr 2050 laufen die PKW und LKW mit Elektroantrieb. Aber für die Passagierjets und Hubschrauber verwendet man immer noch die letzten Reste an Erdöl. Als Folge der Erdölverknappung konnten weltweit weniger Düngemittel und Medikamente hergestellt werden, weil Erdöl ein sehr wichtiger Rohstoff für diese Industrie war. Als Resultat gab es eine globale Nahrungsmittelverknappung und eine rapide Verschlechterung der Gesundheitsversorgung.

Wetterextreme haben in den letzten vierzig Jahren massiv zugenommen. Alle Küstendeiche an der Nordsee wurden 2020 zerstört, trotz der Deicherhöhungsmaßnahmen von 2010 bis 2020. Es gibt bis heute extreme Windgeschwindigkeiten mit Unwettern, weil die Luft durch höhere Temperaturen starke Druckausgleichsbewegungen durchführt. Es ist einfach mehr Energie im System wegen der höheren Temperaturen. In Europa führen die Wetterextreme zu Überschwemmungen, während in der Dritten Welt eine große Trockenheit zu verzeichnen ist. Die Wetterextreme sind bis in die Gegenwart (2050) zu beobachten.

Viele Pflanzen und Tiere konnten sich nur schwer dem relativ schnellen Temperaturanstieg anpassen. 60 % der Säugetierarten sind 2050 ausgestorben. Dazu gehören leider auch die Eisbären, Gorillas und viele andere Arten. Dieser biologische Vorgang ist nicht reversibel.

Große Solarkraftwerke wurden in der Sahara gebaut, die aber militärisch geschützt werden müssen. In Afrika gab es in der Vergangenheit folgenschwere Terroranschläge auf die Kraftwerke und die Stromtrassen.

Heuschreckenschwärme waren in Europa in den letzten Jahrzehnten vermehrt zu beobachten. Sie fraßen blitzschnell die landwirtschaftlichen Anbaugebiete kahl. Sie kamen übers Mittelmeer, weil für sie in Afrika kein Futter mehr vorhanden war. Der Hunger trieb sie über das Mittelmeer. Dieses Phänomen ist bis heute im Jahr 2050 zu beobachten.

3. Kapitel

Am nächsten Morgen fahre ich wie immer mit Alpha zur Arbeit. In Breisach angekommen, parke ich mein Auto und gehe ins Büro. Zuerst telefoniere ich mit mehreren Bohrmeistern, um Informationen über die aktuellen Situationen auf den Baustellen zu erfahren. Alles scheint im Moment ganz gut zu laufen. Das kann sich aber in unserem Gewerbe sehr schnell ändern, und ich muss zu einem Bohrturm eilen. Außeneinsätze sind aber ganz gut angenehm. Ich hasse langweilige Tage im Büro, ohne mal rausgekommen zu sein.

Anna betritt mein Zimmer. Sie sieht heute wieder sehr aufreizend aus.

„Hallo, alles in Ordnung?“, fragt sie.

„Ja, fast alles!“

„Was ist los?“, will sie wissen.

„Mir juckt wie verrückt mein Schwanz!“

„Das ist nichts Schlimmes. Das hast du von mir. Das sind irgendwelche Pilze, die ich mir auf einer öffentlichen Toilette eingefangen habe. Ich habe schon mehrfach so eine Selbstbehandlung mit einer Anti-Pilz-Vaginal-Creme gemacht. Im Moment habe ich es im Griff!“, erklärt Anna.

„Na toll! Dann hast du mich mit deinem Pilz angesteckt. Ich dachte schon, ich hätte einen Tripper!“

„Nein, das ist kein Tripper!“, beruhigt sie mich.

„Na, Gott sei Dank!“

„Pass auf! Ich gebe dir jetzt meine Vaginal-Creme und du gehst auf das Klo und cremst dich da unten ein!“, schlägt sie vor.

„Okay! Mach ich!“

Ich laufe zur Herrentoilette, schließe mich in der Kabine ein und creme meinen wichtigen Freund ein. Der Kandidat ist sowieso schon ziemlich mitgenommen wegen der vielen Einsätze bei Anna. In den letzten Wochen hatten wir beide wunde Stellen im Intimbereich. Und jetzt auch noch der Pilz. Ich habe selten eine Frau getroffen, die so offen mit diesen Themen umgeht.

In der Mittagspause gehe ich mit Kollegen in einer Kantine essen. Das Jucken hat zum Glück etwas nachgelassen. Scheinbar wirkt die Vaginal-Creme auch bei mir. Meine Kollegen bemerken beim Essen meine missliche Lage nicht. Es wird über die Probleme auf diversen Baustellen geredet. Unterm Tisch reibe ich mir mit der linken Hand ständig über die betreffende Stelle.

Wieder im Büro, schaue ich mir alle wichtigen E-Mails an. Im Jahre 2050 gibt es überhaupt keine Faxe oder Briefe mehr, weil nur noch rechtsverbindliche E-Mails mit Unterschriften versendet werden.

„Wie geht es deinem Freund?“, fragt Anne per E-Mail.

„Wieder besser!“, schreibe ich zurück.

„Kommst du heute Abend zu mir?“, kommt es postwendend.

„Ja, um circa zwanzig Uhr!“

Also dann wird es für meinen kleinen Freund heute keine Pause geben. Auf der einen Seite finde ich die Geschichte mit Anne anstrengend, aber anderseits auch ganz gut. Doch so richtig zufrieden bin ich mit ihr nicht. Sie neigt zu Eifersuchtsanfällen, die es in sich haben. Ihr geschiedener Ehemann war ein untreuer Kandidat, der nichts ausgelassen hat. Außerdem hat sie eine schwerstbehinderte Schwester, die von ihren Eltern vorgezogen wurde. Vermutlich ist sie wegen beider Gründe so extrem eifersüchtig. Und gerade wegen ihrer starken Eifersuchtsgefühle sind unsere Bettszenen ausgesprochen unterhaltsam und erlebnisreich. Außerdem hat sie eine leichte Schilddrüsenüberfunktion, die zu sexueller Höchstleistung führen kann.

Am Nachmittag bekomme ich doch noch mal die Gelegenheit, das Büro zu verlassen. Der Bohrmeister von der Bohrung in Lahr hat sich telefonisch wieder gemeldet. Ich fahre erneut von Breisach nach Lahr, um das Schüttelsieb, die Schichtenverzeichnisse und die Ergebnisse der aktuellen, geophysikalischen Messungen anzuschauen. Die Diagramme zeigen einige Anomalien, die ich aber vor Ort auch nicht erklären kann. Ab einer Tiefe von 1.200 Metern verschwinden unsere Druckwellen scheinbar, weil sie an keiner Schicht mehr reflektiert werden. Das kann aber beim besten Willen nicht sein, weil dort ein Festgestein sein muss. Ist das Festgestein verschwunden? Ist dort flüssiges Magma? Flüssiges Magma würde unsere Druckwellen nicht reflektieren. Dem Bohrmeister schildere ich zunächst nichts von meiner Entdeckung.

Tief in Gedanken versunken fahre ich mit Alpha von Lahr nach Freiburg und esse im Schnellrestaurant „Burger King“. Bei Anna bekomme ich heute bestimmt keine warme Mahlzeit. Ich lasse Alpha bei geöffneten Scheiben im Auto und setze mich mit meinem Tablett auf die Restaurantterrasse. Die sommerlichen Temperaturen erlauben es, draußen zu sitzen. Bevor ich mich auf den Weg zu Anna mache, muss ich erst einmal in Ruhe über das Lahrer Phänomen nachdenken.

Also, wenn das so ist, wie ich es eben gesehen habe, befindet sich in 1.200 Metern unter Lahr flüssiges Magma. Man nennt so etwas eine Magmakammer im Festgestein. Das Magma befindet sich normalerweise unter der ozeanischen Kruste in einer Tiefe von 9 Kilometern und unter der terrestrischen Kruste in einer Tiefe von 35 bis 65 Kilometern. Wenn hier das Magma bei 1.200 Metern liegt, befindet sich das flüssige Gestein bereits in einer aufgestiegenen Magmakammer. Bevor sich ein Vulkan neu bildet, steigt zunächst Magma im Festgestein auf und bildet diese Kammer. Das Festgestein wird quasi weggeschmolzen. Magma kann auch an Klüften aufsteigen. Jeder Vulkan besitzt eine Magmakammer. Wenn ich mit dieser Nachricht zu anderen Geologen gehe, halten die mich für verrückt. Der Rheingraben ist inaktiv, da rührt sich nichts mehr, haben wir in der Universität Freiburg damals gelernt. Vielleicht ist der Rheingraben wieder aktiv? Wenn ich das der gesamten Geologenschaft erzähle, mache ich mich möglicherweise zum absoluten Deppen. Ich muss erst einmal die Lage beobachten. Außerdem werde ich einen Seismografen organisieren und in Lahr installieren. Ein Seismograf zeichnet Erdbebenwellen auf, die von sich aneinander bewegenden Erdplatten hervorgerufen werden. Auch bei Vulkanausbrüchen gibt es häufig vorangehende kleine Erdbeben. Bevor ich nicht hundert Prozent sicher bin, werde ich mit niemandem über das Thema reden. Nicht mit den Arbeitskollegen, nicht mit Anna oder sonst jemandem. Nur meinem Hund Alpha kann ich vorerst etwas anvertrauen.

Ich fahre von Freiburg zu Anna nach Ihringen. Ich muss erst mal von meinen Gedanken herunterkommen, sonst werde ich noch verrückt. Anna wohnt in einer exklusiven Eigentumswohnung. Ihre zwei Kinder mit den Namen Holger und Franziska öffnen mir die Tür. Der Junge ist acht Jahre und das Mädchen vier Jahre alt. Holger hängt an mir und Franziska betrachtet mich als Konkurrenz. Sie möchte gerne ihre Mutter allein für sich haben. Wenn das mal alles so einfach wäre im Leben.

Um 20 Uhr bringt Anna ihre Kinder ins Bett, was sich immer schrecklich lange hinzieht, weil die Kinder nicht brav im Bett bleiben. Um die Zeit zu überbrücken, schalte ich mir den Fernseher an. Alpha liegt zu meinen Füßen.

Bis 22 Uhr können wir uns nicht zurückziehen, weil die Kinder immer wieder auftauchen. Doch dann haben wir freie Bahn und gehen rasch ins Bett. Anna zieht sich blitzschnell aus und wir machen es in allen nur möglichen Variationen, bis wir nicht mehr können. Erschöpft schlafen wir ein.

4. Kapitel

Um fünf Uhr schlafe ich noch tief und fest. Doch dann merke ich halb wach, dass mir Anna einen bläst. Das macht sie jeden Morgen, wenn ich bei ihr übernachte. Sie ist der Meinung, dass der morgendliche Sex am schönsten ist. Quasi eine Pflichtübung, sonst gelingt der Tag nicht. Ihre Aktion bewirkt bei mir eine stramme Erektion, sie besteigt mich und reitet auf mir bis sechs Uhr. Dann steht sie auf, weckt die Kinder und bereitet das Frühstück. Anschließend geht sie ins Badezimmer und tunt sich fürs Büro sexy auf. Der Sohn Holger geht selbstständig in die Schule und die Tochter Franziska wird in Eile zur Kita gebracht, bevor sie zur Arbeit nach Breisach fährt. Meistens schreit die Tochter am Morgen, weil sie sich nicht anziehen mag. Sie will ihre Mutter in die totale Verzweiflung treiben.

Ich schlafe nach unserem morgendlichen Akt zufrieden wieder ein und stehe erst um 6:30 Uhr auf. Dann trinke ich einen Kaffee mit Milch, rauche auf ihrer Terrasse eine Zigarette, gehe ins Badezimmer zum Duschen, esse zwei Brötchen mit Marmelade und fahre dann nach Breisach ins Büro.

Nach einem Jahr mit Anna sehne ich mich nach etwas anderem. Bevor unsere Geschichte eine feste Beziehung wird, werde ich mir etwas Neues suchen. Oder ist das schon eine feste Beziehung? Solche Prozesse können auch schleichend vonstattengehen.

Vom gestrigen Erlebnis mit der von mir vermuteten Magmakammer erzähle ich im Büro niemandem etwas. Die Geschichte beschäftigt mich. Ich schaue mir einige meiner Geologie- und Vulkanologie-Bücher an, die ordentlich, aber etwas eingestaubt in meinem Büroregal stehen.

Gegen Mittag verlasse ich das Büro und fahre nach Freiburg in ein mir bekanntes Ingenieurbüro für Geophysik. Die haben unter anderem auch Seismografen, die man mieten oder kaufen kann. Ich miete mir für ein paar Wochen einen solchen und fahre schnurstracks zur Baustelle nach Lahr. Mithilfe des Bohrmeisters baue ich das Gerät in einem abschließbaren Baucontainer auf, damit es nicht durch Vandalismus zerstört wird. Der Bohrmeister wundert sich zwar über das neue Messgerät, stellt aber keine dummen Fragen. Ich stelle das Gerät um 15 Uhr an und ab jetzt werden sämtliche Erderschütterungen aufgezeichnet. Die ersten zehn Minuten beobachte ich das Gerät, ob die Nadel etwas anzeigt. Aber der Seismograf zeigt nur eine gerade Linie, was bedeutet, keine seismischen Aktivitäten.

Von Lahr aus fahre ich weiter nach Karlsruhe in ein Kongresszentrum. Ich beabsichtige, mir einige Fachvorträge über geothermische Energiegewinnung anzuhören. Ich lasse Alpha im Auto und laufe in einen großen Hörsaal. Die meisten Vorträge sind sehr interessant und für meine berufliche Weiterbildung sehr wichtig. Es gibt aber auch Beiträge, die bei den Zuhörern wie eine Packung Baldrian wirken.

In einer Vortragspause hole ich mir einen Milchkaffee und stelle mich an einen runden Stehtisch. Plötzlich gesellt sich eine blonde Frau zu mir und stellt ihren Kaffee auf den gleichen Tisch. Sie sieht sehr gut aus, ist schätzungsweise 35 Jahre alt, hat stechend blaue Katzenaugen, schaut etwas nervös und erscheint mir etwas unruhig sowie angespannt.

„Darf ich mich bei Ihnen dazustellen?“, fragt sie mich.

„Ja, natürlich!“

„Wie finden Sie die Vorträge?“ erkundigt sich die Blondine.

„Sehr gut! Man erfährt hier die aktuellen Neuigkeiten in der Geothermie. Kann man gut für den Job verwenden!“

„In welcher Firma arbeiten Sie?“, fragt sie.

„In der Geothermie Ingenieur GmbH!“

„Sind Sie Geologe?“, fragt die Dame weiter.

„Ja!“

„Ich auch“, lächelt sie.

„Dann sind wir ja beide Geologen!“

„Es sieht so aus“, meint sie und trinkt von ihrem Kaffee.

Die fremde Frau lächelt mich mit ihren blauen Katzenaugen an. Wir tauschen unsere Visitenkarten aus. Ich muss irgendwie reagieren, sonst ist es zu spät. Ich muss sie unbedingt näher kennenlernen.

„Haben Sie Lust und Zeit, heute Abend hier in Karlsruhe mit mir essen zu gehen?“, frage ich sie mutig.

„Ja, das ist eine sehr gute Idee.“

„Super, dann treffen wir uns nachher wieder hier, wenn die heutigen Vorträge zu Ende sind“, schlage ich begeistert vor.

„Okay! Machen wir!“

„Bis nachher“, sage ich.

„Bis nachher!“

Darauf gehe ich wieder zurück zu meinem Platz und schaue mir in Ruhe ihre Visitenkarte an. Sie heißt Luise und arbeitet in einem Ingenieurbüro in Karlsruhe. Was für eine tolle Frau! Ich bin kaum noch in der Lage, den weiteren Vorträgen zu folgen. Es ist absolut super, dass sie tatsächlich mit mir nachher in ein Restaurant geht.

Als der letzte Vortrag beendet ist, gehe ich zurück zu dem Stehtisch. Luise wartet schon auf mich. Wir fahren mit meinem Auto in die Innenstadt von Karlsruhe und finden ein nettes Restaurant. Wir entscheiden uns für einen Tisch am Fenster und setzen uns gegenüber, sodass ich ihr gut in die Augen schauen kann.

„Wollen wir uns duzen?“, frage ich.

„Ja, natürlich! Ich heiße Luise.“

„Und ich Max. Die Vorträge waren ganz gut!“, beginne ich die Konversation.

„Ja, sehr interessant!“

„Arbeitest du auch in der Geothermie?“, frage ich.

„Meine Arbeitsbereiche sind die Geothermie und der Boden- und Grundwasserschutz.“

„Aha, und dein Ingenieurbüro ist in Karlsruhe?“, will ich wissen.

„Ja, ich habe in Karlsruhe eine kleine Wohnung gemietet. Ich bin immer von Montag bis Freitag hier in der Stadt. Am Freitag fahre ich dann nach Basel zu meinem Mann und den beiden Kindern. Wir haben dort ein Haus.“

„Ach, du bist verheiratet!“, rufe ich überrascht und etwas enttäuscht.

Schade, dass sie einen Mann hat! Hätte ich nicht gedacht. Sie bemerkt meine Gedanken und erzählt mir offen ihre familiäre Situation, obwohl wir uns gerade ein paar Stunden kennen.

„Meine Ehe ist kaputt. Wir lieben uns nicht mehr und haben keinen Sex mehr miteinander. Mein Mann arbeitet in Basel und kümmert sich in der Woche um die beiden Kinder. Ich arbeite die ganze Woche in Karlsruhe. Am Wochenende kümmere ich mich dann um die Kinder“, erklärt sie offen.

„Ist ja eine interessante Geschichte! Und warum trennt ihr euch nicht einfach?“

„Das ist nicht so einfach. Ich mache es nicht wegen der Kinder, weil die unter einer Trennung leiden würden“, sagt sie.

„Aber für die Kinder ist es doch so viel schlimmer. Die beobachten doch euer Verhalten mit den dazugehörigen Streitereien und verstehen das alles nicht.“

„Es ist so aber besser, dann haben sie wenigstens einen Vater und eine Mutter“, widerspricht sie.

„Ich würde mich an deiner Stelle scheiden lassen.“

„Das geht nicht“, entgegnet Luise schroff.

„Hat dein Mann schon eine andere Frau?“

„Nein, ich glaube nicht“, sagt sie.

„Wieso nicht?“

„Er sieht nicht so vorteilhaft aus und ist überhaupt kein Frauentyp“, berichtet sie mir.

Luise lächelt mich wieder mit ihren Katzenaugen an. Wir bleiben lange am Tisch sitzen und trinken eine ganze Weinflasche. Schon wieder eine Frau mit zwei Kindern, aber diesmal mit Ehemann. Das ist wirklich ein bisschen zu viel. Trotz meiner Gedanken flirtet mich Luise mit allen Mitteln an, die einer Frau zur Verfügung stehen. Lass dich nicht drauf ein!

Als wir das Restaurant verlassen, begleite ich sie wie ein Gentleman zu ihrer kleinen Wohnung im Zentrum von Karlsruhe.

„Ich würde gerne mit dir in deine Wohnung kommen, aber vielleicht ist es dafür noch etwas zu früh“, sage ich mutig.

„Das machen wir später einmal!“

„Okay!“, ich bin etwas überrascht wegen ihrer direkten Antwort.

Wir umarmen und küssen uns kurz. Wieder trifft mich ihr Lächeln mit den Katzenaugen.

„Tschüss!“, stammele ich mit erhöhtem Puls.

„Auf bald!“

Wie benebelt stolpere ich zurück zu meinem Auto. Alpha hat dort lange auf mich gewartet. Ich gehe eine kurze Pinkelrunde mit ihm und fahre anschließend auf der Autobahn zurück nach Colmar. Was für eine Frau! Mich hat es schon am ersten Tag erwischt. Ich habe mich verliebt. Ich alter Sack habe geglaubt, dass das bei mir nicht mehr funktioniert! Aber sie hat einen Mann! Lass die Finger davon! Meine inneren Warnschilder missachte ich vollkommen. Es ist wie eine süße Droge, die langsam von mir Besitz ergreift. Jetzt ist alles zu spät! Es ist passiert!

Auf der Rückfahrt treffe ich auf schwere Unwetter mit Starkregen. Aufgrund der Klimaveränderung sind solche Unwetter inzwischen normal. Die Menschen haben sich daran gewöhnt. In Colmar angekommen, unternehme ich einen großen Spaziergang mit Alpha, um von meinen Gedanken etwas herunterzukommen.

Morgen werde ich die Geschichte mit Anna beenden, dann ist es Schluss mit den Bettgeschichten. Danach werde ich erst mal wieder wie ein Mönch leben. Wenn es mit Luise nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm. Dann habe ich eben gar keine Frau mehr, aber immerhin noch den Hund. Die Geschichte mit Anna kann ich unmöglich so wie bisher weiterführen.

5. Kapitel

Am nächsten Morgen fahre ich ins Büro nach Breisach, schalte meinen Computer an und sende Anna eine E-Mail, dass ich mit ihr sprechen will. Eine Stunde später kommt sie in mein Zimmer. Ihr Gesichtsausdruck zeigt skeptische und ängstliche Züge. Mein Entschluss mit der Trennung steht fest, auch wenn sie mir jetzt ein wenig leidtut. Anna ist eigentlich ein guter Mensch.

„Und wo warst du gestern Abend?“, fragt sie als Erstes.

„In Karlsruhe auf einem Kongress.“

„Aha, und was willst du mir jetzt erzählen?“, argwöhnt Anna und legt nervös den Kopf zur Seite.

„Ich beende unser Verhältnis!“

„Soso! Du beendest unser Verhältnis! Und warum?“, ruft sie zornig .

„Weil unsere Geschichte nicht das Richtige für mich ist!“

„Das glaube ich dir nicht! Du hast eine andere kennengelernt!“, schreit sie.

„Nein, ich mache Schluss, weil wir nicht zusammen passen. Wir können ja Freunde bleiben.“

„Du Arschloch!“, kreischt sie.

„Tschüss!“

Anna läuft rot an vor Wut, dreht sich um und eilt davon. Ihre Schritte auf dem Gang hören sich an wie der Stechschritt eines Soldaten. Das war es! Unangenehme Dinge erledige ich immer sofort. Meine Entscheidung war richtig und ich fühle mich jetzt sehr erleichtert.

In der Mittagspause gehe ich mit den Kollegen in die Kantine. Sie diskutieren heute über die bald eintretenden Folgen, wenn die durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde noch weiter steigen. Ich bin heute etwas zurückhaltender als sonst und beteilige mich nicht an der Diskussion.