Die Vorgesetzte - Martin Danders - E-Book

Die Vorgesetzte E-Book

Martin Danders

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Beschreibung

Der Erzähler beschreibt unverblümt seinen doch sehr langweiligen Behördenalltag mit wenig Höhen und vielen Tiefen, aber auch mit den Abgründen, die sich in solchen staatlichen Einrichtungen abspielen. Nur mit Hilfe einer unattraktiven Vorgesetzten bekommt er nach einer Vielzahl von Zeitverträgen endlich einen Festvertrag, der aber an Bedingungen geknüpft ist. Einige Umweltdramen passieren in Bremen, die den ansonsten eher ruhigen Behördenalltag schwer erschüttern. Der Erzähler hat in Bremen eine attraktive, polnische Freundin, die eine alleinerziehende Mutter ist. Später heiratet er sie aus voller Überzeugung. An den Wochenenden fährt er entweder alleine oder mit ihr ins Asse-Gebiet nahe Wolfenbüttel, um dort seine privaten Untersuchungen ohne offiziellen Auftrag durchzuführen. Dabei stellt sich heraus, dass das Grundwasser wie auch das Flusswasser im Nahbereich des Bergwerks schwach radioaktiv belastet sind. Bei seinen Einsätzen hat er stets einen Geigerzähler dabei. Seine Untersuchungsergebnisse hält er in einem Bericht fest, den er aber noch nicht veröffentlicht, weil er erst alle Untersuchungen abgeschlossen haben und keine Panik in der Bevölkerung auslösen will. Erst als alle Fakten auf dem Tisch liegen, fährt er mit seiner Frau abschließend noch mal ins Untersuchungsgebiet und parkt seinen VW-Bus auf einem kleinen Berg in der Nähe des Asse-Förderturms. Während eines Schäferstündchen im Bulli, donnert es gewaltig und ein kleines Erdbeben schüttelt sie durch. Die Ursache hierfür ist eine große, kreisrunde Erdabrutschung im Bereich des Assebergwerks. Nachdem das Paar sich angezogen haben, laufen sie zur Abrisskante und filmen die komplett veränderte Geländemorphologie. Die Abrutschung beträgt ca. 15 Meter und führt zu einem Kontakt zwischen dem tiefen Grundwasser und dem in der Asse eingelagerten radioaktiven Müll. In Bremen verkauft der Erzähler seine Filmaufnahmen.

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Seitenzahl: 255

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Martin Danders

Die Vorgesetzte

Asse II - Das Endlager

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

Impressum neobooks

Vorwort

Die Geschichte und die darin vorkommenden Personen sind frei erfunden, allerdings ist das ehemalige Salzbergwerk Asse II nüchterne Realität. Der Roman spielt in den Bundesländern Niedersachsen und Bremen. Das ehemalige Salzbergwerk Asse II liegt ungefähr 10 Kilometer südöstlich von Wolfenbüttel und wurde viele Jahre von den Betreibern als atomares Endlager benutzt. Das beschriebene Untersuchungsgebiet befindet sich im Radius von ca. 10 Kilometer um Asse II. Im Buch wird ein Szenario beschrieben, das in nächster Zukunft mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit eintreten wird, weil sämtliche Bemühungen des derzeitigen Betreibers (Bundesamt für Strahlenschutz) scheitern werden. Trotz der Stabilisierungsmaßnahmen durch die oben genannte Behörde wird in den nächsten Jahren der Atommüll in Kontakt mit dem Grundwasser kommen, sodass sich ungehindert radioaktives Grundwasser in der Region ausbreiten wird. Die geplante Rückholung der eingelagerten radioaktiven Abfälle ist wegen dem schlechten Zustandes des Bergwerks, sowie aufgrund der bekannten Zwischenfälle in der Vergangenheit nur teilweise möglich. Die Sanierungskosten belaufen sich auf geschätzte 2 bis 6 Milliarden €, die nun der arme Steuerzahler zahlen muss. Die Resttragfähigkeit des Bergwerks erstreckt sich gemäß dem jetzigen Betreiber nur noch bis zum Jahr 2020, spätestens dann wird es in sich zusammenstürzen. Vorliegende Fachgutachten besagen, dass es bereits ab 2014 zu einem Tragfähigkeitsverlustes im Deckgebirge kommen wird, dieser Umstand würde zu einem ungehinderten Grundwasserzufluss und damit zu einem folgenschweren Kontakt zwischen dem Grundwasser und dem eingelagerten Atommüll führen. In der Vergangenheit gab es bereits solche Kontakte wegen zahlreicher, kleinerer Wassereinbrüche, die die verschiedenen Betreiber vor große Probleme gestellt haben.

Man kann nur hoffen, dass die geplanten Maßnahmen des Betreibers funktionieren werden, weil es den Menschen in dieser Region zu wünschen ist. Ansonsten haben wir demnächst mitten in Deutschland eine Todeszone wie in der Umgebung von Tschernobyl oder Fukushima.

1. Kapitel

Heute ist Mittwoch, somit ist ein ganz normaler Arbeitstag, an dem ich gerade in meinem Büro in einer Bremer Umweltbehörde sitze. Das Wetter ist für norddeutsche Verhältnisse ausgesprochen sommerlich, nämlich kein Sturm mit Regenfällen, sondern blauer Himmel mit Sonnenschein. Eigentlich wäre es wesentlich besser, wenn wir heute nicht in diesem langweiligen Büro eingesperrt wären, aber leider können wir unsere missliche Lage nicht ändern. Mein Zimmergenosse Hugo und ich sind Geologen. Wir kennen uns seit der Studentenzeit, somit sind wir fast wie ein altes Ehepaar.

Wir beauftragen, steuern und überwachen Altlastenprojekte in Bremen und sind mit dieser Arbeit gut ausgelastet. Häufig finden bei uns im Raum Besprechungen mit Gutachtern statt, die sich sehr lange hinziehen. Die größte Schwierigkeit unserer Arbeit ist, Aufträge bei den Vorgesetzen genehmigt zu bekommen. Die eigentliche fachliche Koordination läuft dann wie von selbst. Eingehende Fachgutachten und Rechnungen werden von uns fachlich bzw. sachlich und rechnerisch geprüft. Der bürokratische Aufwand im Hause ist enorm, aber so ist das nun mal in einer Behörde.

Nach meiner Auffassung ist es wesentlich besser in der freien Wirtschaft wie zum Beispiel in einem Ingenieurbüro zu arbeiten, weil man dann die Untersuchungen im Gelände eigenhändig durchführt und anschließend das Gutachten schreibt. Diese Arbeit ist im hohen Maße befriedigend, dagegen ist eine Behördentätigkeit im Prinzip extrem langweilig. Beruflich engagierte Typen halten es deswegen nicht lange in der Behörde aus, weil sie nach kurzer Zeit dem Wahnsinn nahe sind. Hier herrscht gähnende Langeweile und vollkommene Unbeweglichkeit. Ein anderer Kollege mit dem Namen Leo sagte mal zu mir, „Hier dauert es 10 Jahre bis eine Veränderung eintritt!“ Jeder Behördenangestellte, der schon länger auf seinem Posten sitzt, kann nicht mehr entlassen werden. Dieser Umstand führt zu einem gemeinschaftlichen Warten auf die Rente, dabei geht jeder unterschiedlich vor. Manche sitzen einfach die Zeit ab und warten täglich auf den Feierabend, dabei werden Computerspiele gespielt oder es wird im Internet gesurft. Man kann sich hier keine Pornoseiten anschauen, weil Schlagwörter wie Porno oder Sex eine Sperrung der entsprechenden Seiten verursacht. Die eindeutig bessere Variante als nichts zu tun, ist zu arbeiten. Diese Angestelltenfraktion ist im Prinzip glücklicher, als die Nichtstuer, aber ihnen werden am laufenden Band Steine in den Weg gerollt, aufgrund von unsinnigen bürokratischen Regeln und weil Aufträge Geldausgaben bedeuten, die wegen knapper Finanzen eigentlich nicht gewünscht sind. In der Behörde dauert es wegen der vielen bürokratischen Hemmnisse ungefähr eine Woche einen Auftrag für ein Ingenieurbüro fertig zu bekommen. Wenn man zu der aktiven Mitarbeitern gehört, vergeht der Arbeitstag eindeutig schneller und das allgemeine Wohlgefühl ist wesentlich besser. Problematisch bleibt aber, dass man nichts produziert und deswegen kein Erfolgserlebnis hat.

Hugo und ich gehören natürlich zu der arbeitenden Fraktion, weil wir uns nicht langweilen wollen. Wir verstehen uns quasi ohne Worte, wie das bei einem alten Ehepaar eben ist. Mittlerweile bin ich 50 Jahre alt und arbeite seit 25 Jahren im Umweltschutz, früher mal in Ingenieurbüros und jetzt hier in einer Bremer Umweltbehörde im Bereich Boden- und Grundwasserschutz. Die Projekte für die ich verantwortlich bin, sind durchaus interessant. In Bremen habe ich eine Dachwohnung angemietet, die sich nicht weit von der Arbeit befindet. Sie liegt zentral in der Nähe vom Bremer Hauptbahnhof. Mein ständiger Begleiter ist Fritz, ein großer 5-jähriger Mischlingsrüde, der jetzt gerade neben meinem Schreibtisch liegt und friedlich schläft.

„Kommst du mit in die Kantine?“ fragt mich Hugo.

„Nein, ich gehe mit Fritz durch den Park!“

„O.K.! Dann bis später“, antwortet er.

Exakt um 12 Uhr ist hier Mittagspause, wie jeden Werktag gehen meine Kollegen gemeinsam in die Kantine. Dagegen kaufe ich mir beim Bäcker ein belegtes Baguette und laufe mit Fritz durch die Parkanlage „Am Wall“, da wo die große Windmühle steht. Meines Erachtens ist sie die einzige Sehenswürdigkeit in dieser Stadt neben den Bremer Stadtmusikanten, obwohl die nach meiner Auffassung sehr mickrig ausgefallen sind. Als ich das erste Mal das Denkmal gesehen habe, war ich über ihre geringe Größe sehr geschockt. In der Parkanlage bin ich ziemlich bekannt, weil man als Hundehalter in jeder Stadt in kürzester Zeit jede Menge Leute kennt. Ich setze mich mit Fritz auf die Wiese und esse mein Käsebaguette. Wenig später sehe ich Paul den Anwalt auf mich zu laufen. Als Begleiter hat er einen kleinen weißen Pudel, der sich gut mit Fritz versteht.

„Und alles in Ordnung?“ fragt mich Paul, nachdem er sich neben mich auf den Rasen gesetzt hat. Wenn er einen Gerichtstermin hat, setzt er sich nicht auf den Rasen, weil er dann einen Anzug trägt, der sauber bleiben muss.

„Alles in Ordnung! Ich kann nicht klagen!“

Nachdem ich mein Essen vertilgt habe, laufen wir mit den Hunden wie so häufig eine große Parkrunde. Paul ist seit vielen Jahren Anwalt und stöhnt regelmäßig über zu viel Arbeit. Er beklagt sich häufig bei mir, dass er nicht an die großen Fische in Bremen herankommt, weil er nicht über ausreichende Kontakte zur Bremer Oberschicht verfügt. Er war zweimal verheiratet, aber beide Ehen haben nicht funktioniert. Aus den gescheiterten Partnerschaften stammen insgesamt 3 Söhne, die er seit langem finanzieren muss. Momentan hat er eine Freundin, allerdings streitet er sich permanent mit ihr. Sie macht mit ihm ungefähr dreimal in der Woche Schluss, weil er so unmöglich ist. Ich berate ihn gerne als Fachmann für Frauenfragen bei seinen Beziehungsgeschichten, während er mich eher in juristischen Angelegenheiten berät.

Nach der Mittagspause stürze ich mich wieder in die Arbeit, während sich Fritz auf sein kleines Deckchen neben den Schreibtisch legt.

„Um 14 Uhr ist eine wichtige Sitzung wegen dem Projekt Müllerstraße“, erinnert mich Hugo.

„Ich bin darauf vorbereitet und habe es nicht vergessen!“

„Dann ist ja alles in Ordnung“, antwortet er.

Kurz nach 14 Uhr betreten unsere Besucher unser Arbeitszimmer. Es ist wieder so eine endlose Sitzung, die fast bis zum Feierabend dauert. Die beiden Gutachter möchten natürlich bei uns einen guten Eindruck abliefern und sind deswegen äußerst bemüht, das Projekt vorbildlich abzuwickeln. Nachdem unser Besuch um 17 Uhr gegangen ist, fertige ich noch ein Gesprächsprotokoll an.

„Fährst du am Wochenende wieder zur Asse?“ fragt mich Hugo, als ich mich gegen 18 Uhr von ihm verabschiede.

„Ja, aber ich fahre vermutlich wieder mal alleine dahin, weil Claire auf diesen Ausflug keine Lust hat.“

„Die Frauen haben eben andere Interessen als wir“, meint er grinsend.

„Das kann mal wohl sagen! Tschüss, dann bis morgen!“

„Tschüss, bis morgen!“ verabschiedet er sich.

Für den Heimweg brauchen Fritz und ich in etwa 10 Minuten. Wir erreichen meine Dachwohnung, die eine schöne sonnige Terrasse besitzt. Sie ist zwar etwas teurer, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Bevor ich mit dem Kochen beginne, rufe ich meine Freundin Claire an.

„Hallo“, meldet sie sich.

„Hallo, kommst du nachher zum Essen?“

„Ja, in einer Stunde bin ich bei dir“, antwortet sie.

„O.K.! Dann bis gleich!“

„Bis gleich“, verabschiedet sie sich.

Claire ist 40 Jahre alt und hat einen 10-jährigen Sohn mit dem Namen Peter. Sie stammt ursprünglich aus Polen, wohnt aber bereits seit vielen Jahren in Bremen. Sie hat eine eigene Wohnung, die sich in der Nähe von meiner befindet. Sie arbeitet als Ärztin für Anästhesie in einem Bremer Krankenhaus und ist mit dem Job sowie der Kindererziehung ziemlich eingespannt. Sie legt sehr viel Wert auf ihr aussehen, wie das bei polnischen Frauen häufig anzutreffen ist. Scheinbar haben sie es von ihren Müttern in frühster Kindheit gelernt, wie man Männer beeindruckt. Meine Beobachtung ist, dass je weiter man in Europa Richtung Osten fährt, desto hübscher werden die Frauen. Am hübschesten sind sie in Sibirien, allerdings ist dort das Klima für uns Mitteleuropäer im Winter einfach nur brutal. Claire finde ich sehr hübsch, deswegen hatte ich mich vor drei Jahren sofort in sie verschossen, als ich sie in Bremen kennengelernt habe. Es war Liebe auf den ersten Blick und hatte bei mir regelrecht „Gong“ gemacht. Damals war ich nicht in der Lage die Geschichte noch abzublocken und habe sie wie ein Verrückter angestarrt, vollkommen unfähig woanders hinzuschauen. Claire ist immer gut geschminkt, relativ klein und stets fraulich schick gekleidet. Sie hat blonde Haare, einen erotischen Hintern und eine große Oberweite. Sie war bereits einmal verheiratet, ist aber mittlerweile geschieden. Der Vater ihres Sohnes lebt in Polen und zahlt Alimente. Ich verstehe mich mit Peter sehr gut, obwohl ich nicht der Vater bin. Claire spricht Deutsch mit einem polnischen Akzent, den ich aber sehr sympathisch finde. Im Vergleich mit meinen bisherigen Damenbekanntschaften ist sie sehr leidenschaftlich im Bett, nach meiner Einschätzung kann man sie als Nymphomanin bezeichnen. Aber welcher Mann würde sich darüber beschweren? Allerdings darf man sich als Mann in jeglicher Hinsicht nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen.

Als das Spagetti-Gericht fertig ist, klingelt es an meiner Haustür, sofort eile ich zur Wohnungstür und drücke auf den Summer. Claire läuft leichten Fußes die Treppe hinauf und fällt mir um den Hals, als sie meine Etage erreicht hat. Dann gibt sie mir einen feuchten Begrüßungskuss und betritt meine Wohnung. Zu meiner Freude trägt sie heute ein rotes Kleid und schwarze Nylonstrümpfe mit roten Pumps, passend zu ihren knallroten Lippen. Als ich das Essen und eine Weinflasche serviere, setzt sie sich an den gedeckten Küchentisch.

„Hattest du einen angenehmen Tag?“ frage ich sie beim Essen.

„Es war ziemlich stressig auf der Arbeit, aber sonst ganz gut.“

„Wo ist jetzt dein Sohn Peter?“ frage ich.

„Der ist bei seinen Kumpels. Ich hole ihn nachher dort ab, wenn ich nach Hause gehe.“

„Schmeckt dir mein Essen?“ frage ich und schaue sie dabei prüfend an.

„Du hast sehr gut gekocht. Das nächste Mal koche ich bei mir daheim. Dann kannst du bei uns vorbeikommen!“

„Werde ich machen“, antworte ich.

Nach der Mahlzeit fülle ich nochmal unsere Weingläser auf und trinke einen Schluck. Claire erhebt sich, nimmt meine Hand und führt mich zielbewusst ins Schlafzimmer. Dort stehen wir uns gegenüber und küssen uns leidenschaftlich. Sie zieht mir meine Sachen aus, danach ziehe ich ihr rotes Kleid aus. Sie trägt wegen ihrer großen Oberweite einen Büstenhalter und eine Nylonstrumpfhose, natürlich ohne Slip darunter. Dann werfe ich sie aufs Bett und überdecke ihren ganzen Körper mit leidenschaftlichen Küssen. Etwas ungeschickt öffne ich ihren Büstenhalter und werfe ihn in die Ecke. Danach ziehe ihr die Strumpfhose aus, sodass sie jetzt nackt und einladend auf dem Rücken vor mir liegt. Ich küsse ihre großen Brüste, obwohl ich eigentlich kleinere Exemplare wesentlich besser finden würde. Dann küsse ich ihre Muschi, die wie immer sehr schnell feucht wird. Ich liebe ihren Geschmack über alles, der immer unterschiedlich ist. Dann drückt sie mich rücklings aufs Laken und nimmt meinen Schwanz in den Mund. Nachdem wir beide mehr als bereit sind, kniet sie sich mit gespreizten Beinen vor mich hin, beugt ihren Oberkörper nach vorne und streckt mir ihren Hintern entgegen, sodass ich jetzt ihre rasierte Muschi von hinten sehen kann. Ohne lange nachzudenken, raffe ich mich auf und stoße ihr meinen Schwanz tief in ihr Feuchtgebiet, sodass sie dabei leidenschaftlich stöhnt. Mein Rhythmus ist erst langsam, aber er wird rasch schneller. Gleichzeitig bearbeite ich mit meinen Fingern ihre Klitoris. Sie kommt relativ schnell zu ihrem Höhepunkt, den sie ungehemmt aus sich herausschreit. Dann zieht sie ihren Hintern nach vorne, dreht sich um und bläst mir einen. Nach kurzer Zeit ejakuliere ich in ihren Mund, was sie erstaunlicherweise im Gegensatz zu vielen anderen Frauen sehr liebt. Danach legen wir uns entspannt nebeneinander hin und betrachten dabei die Zimmerdecke.

Wenig später stehe ich auf und hole die beiden Weingläser aus der Küche. Nachdem ich sie neben das Bett gestellt habe, lege ich mich wieder zu Claire.

„Was machen wir am Wochenende?“ fragt mich Claire.

„Ich werde wieder mit meinem VW-Bus zur Asse fahren!“

„Das ist ja stinklangweilig! Können wir nicht mal ein Wochenende zusammen verbringen?“ fragt sie leicht genervt.

„Ja, natürlich können wir das, aber nicht dieses Wochenende, weil ich unbedingt in mein Untersuchungsgebiet fahren muss.“

„Wahrscheinlich hast du dort eine andere Frau kennengelernt“, spekuliert sie.

„Blödsinn! Ich fahre dorthin, weil mich die Geschichte mit dem Endlager interessiert und nicht wegen einer anderen Frau.“

„Das glaube ich dir nicht“, antwortet sie.

„Das ist dann dein Problem! Außerdem kannst du ja mitkommen, um mich zu kontrollieren.“

„Nein, danke“, entgegnet sie etwas zickig mit einer leicht hochgezogenen Nase.

Claire steht auf und zieht sich ihre Sachen an. Kurz schaue ich ihr dabei zu, doch dann steige ich auch in meine Klamotten. Nachdem sie sich im Badezimmer etwas hergerichtet hat, bringe ich sie zur Wohnungstür. Dort gibt sie mir einen etwas dürftigen Abschiedskuss, geht die Haustreppe hinunter und winkt mir nochmal zu. Sie hat keine Lust auf solche Ausflüge, weil sie nicht im Dreck stehen will. Außerdem findet sie die Übernachtung im VW-Bus nicht so prickelnd, weil sie kein Camping-Typ ist. Sie geht lieber Shoppen und legt großen Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Für mich ist das völlig in Ordnung, weil ich solche Frauen sehr attraktiv finde.

Ich rufe Fritz und laufe mit ihm eine Runde ums Karree, damit er sein Geschäft machen kann. Wieder in der Wohnung, gehe ich sofort ins Bad. Danach falle ich müde ins Bett und stelle dabei fest, dass das Kopfkissen noch nach dem Parfüm von Claire riecht. Meine Gedanken kreisen noch eine Zeitlang um sie, aber dann schlafe ich doch schnell ein.

2. Kapitel

In diesem Kapitel wird dem Leser ein notwendiger Überblick bezüglich des ehemaligen Salzbergwerkes Asse II gegeben, das von den damaligen Verantwortlichen zu einem atomaren Endlager ausgebaut wurde. Man muss Nerven aus Stahl haben, um den folgenden Text zu verkraften.

Abbildung 1: Lage des Untersuchungsgebietes um Asse II

Von 1967 bis 1978 wurde in dem Salzbergwerk die Endlagerung radioaktiver Abfälle großtechnisch erprobt und praktiziert. Seit 1965 wurde die Anlage im Auftrag des Bundes von der GSF bzw. nach mehreren Namenswechseln von der HMGU betrieben. Die Forschungsarbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle liefen 1995 aus. Ab 1995 bis 2004 wurden verbliebende Hohlräume aus dem ehemaligen Salzabbau verfüllt. 2007 wurde vom Betreiber die endgültige Schließung beantragt, da die Stabilität des Grubengebäudes nur noch für wenige Jahre gewährleistet ist.

Wegen dem Auftreten von radioaktiv kontaminierter Salzlauge im Bergwerk wurde dem Betreiber 2008 vorgeworfen, die Aufsichtsbehörden unzureichend informiert zu haben. Seit 2009 wird die Anlage als ein Endlager nach dem Atomrecht betrieben, um sie schnell schließen zu können, dafür ist der neue Betreiber das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zuständig. Das BfS verwarf das Schließungskonzept seines Vorgängers und stellte 2010 einen Plan zur Rückholung der eingelagerten Abfälle vor.

Von 1906 bis 1964 war Asse II als Salzbergwerk in Betrieb. Ab den 60-ziger Jahren galt die Einlagerung von radioaktiven Abfällen in Salzstöcken als aussichtsreichste Option, als Standort dafür wurde damals Gorleben vorgeschlagen. Asse II diente quasi als Prototyp, um Techniken und Daten für die spätere geplante Endlagerung in Gorleben zu ermitteln. Die Problematik mit dem eindringenden Wasser in Asse II, war den damaligen Verantwortlichen bekannt, trotzdem wurde ab 1967 radioaktiver Abfall eingelagert.

Von 1967 bis 1975 wurde schwach- und mitteradioaktiver Abfall eingelagert, ohne das dafür Gebühren erhoben worden, die wurden erst ab 1975 eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt hat man bis zum Ende der Einlagerung 1978 rund 900.000,- € eingenommen, die jetzt allerdings Sanierungskosten von ca. 2 bis 6 Milliarden € gegenüberstehen. Im Zeitraum von 1967 bis 1978 wurden 125.787 Metallfässer und Betongefäße mit schwachradioaktiven Abfällen in verschiedenen Kammern in 750 Meter Tiefe eingelagert. Nach Aussagen der ehemaligen Mitarbeiter wurden in der Anfangszeit auch Fässer mit flüssigen Abfällen angenommen und eingelagert. Von 1972 bis 1977 wurden 1.293 Fässer mit mittelradioaktiven Abfällen in Kammer 8a auf der 511-Meter-Sohle eingelagert. Diese Abfälle mussten in Beton oder Bitumen fixiert sein. Zunächst wurde durch den Betreiber abgeschätzt, dass auf der 511-Meter-Sohle weniger als 25 kg Uran und 6 kg Plutonium lagerten. Im August 2009 gab das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bekannt, dass aufgrund eines Fehlers die registrierte Menge an Plutonium viel zu gering angegeben wurde und tatsächlich bei ca. 28 kg liegt. Eine erneute Überprüfung des Inventars durch den neuen Betreiber im Jahr 2010 ergab, dass insgesamt 14.800 nicht deklarierte Fässer eingelagert worden sind. Außerdem liegt die Gesamtzahl an mittelradioaktiven Fässern nicht wie bisher angenommen bei 1.293 sondern bei 16.100 Stück. Da das Bergwerk nicht als Endlager genehmigt werden konnte, wurden nach dem Jahr 1978 keine radioaktiven Stoffe mehr eingelagert.

Der radioaktive Abfall wurde in Metallfässern angeliefert, die Korrosion in salzigem Milieu ist je nach Feuchtigkeit nur eine Frage von wenigen Jahren bis Jahrzehnten. Als wichtigste Barriere fungierte der Salzstock selbst. Beim Beginn der Einlagerung wurden die Fässer senkrecht aufeinander stehend in die Abbaukammern im Steinsalz eingebracht. Später wurden die Fässer liegend aufeinander gestapelt und eingebaut. Zuletzt wurden die Fässer über eine Salzböschung in die Einlagerungskammer abgekippt und anschließend mit Salzhaufwerk abgedeckt. Bei der letzten Methode wurde in Kauf genommen, dass Fässer schon bei der Einlagerung beschädigt wurden. Auch die mittelradioaktiven Abfälle wurden in ihren Fässern über den entsprechenden Lagerkammern einfach nur abgekippt. Eine Rückholung von eingelagerten Abfällen war ausdrücklich nicht vorgesehen. 1973 kam es vor der Kammer 12 auf der 750-Meter-Sohle zu einer großflächigen Kontamination, aufgrund von ausgelaufenen Fässern, die vom Gabelstapler gefallen sind. Dieser Vorfall wurde damals dem Bergamt gemeldet.

Ab 1979 wurde Asse II durch die GSF in einen Forschungsbetrieb umgewandelt, der der geplanten Endlagerung in Gorleben dienen sollte. Es wurden Techniken zur Verfüllung und zum Verschluss von Bohrlöchern, Kammern, Strecken und Schächten in einem Endlager entwickelt und erprobt. Zusätzlich wurden in einem Tiefenausschluss zwischen 800 und 975 Meter unter ähnlichen Bedingungen wie in Gorleben mehrere Großversuche durchgeführt. Das GSF-Institut für Tiefenlagerung wurde 1995 aufgelöst, weil das Bundesministerium für Forschung und Technologie die Fördergelder einstellte. Als Folge wurden die Versuche durch die GSF abgebrochen, dadurch gingen wertvolle Kenntnisse bzgl. der geplanten Endlagerung in Gorleben verloren.

Ein Bericht von 1993 zur Gefahreneinschätzung verwies auf Gebirgsbewegungen und Laugenzutritte und bezeichnet eine Verfüllung von Asse II als zwingend erforderlich. Daraufhin entwickelte die GSF, später in Helmholtz Zentrum umbenannt, ein Konzept zur Stabilisierung und Schließung der Grubenanlage. Nach politischen Turbulenzen 2008 wurde ab 2009 das Bundesamt für Strahlenschutz der neue Hausherr.

In einem Salzbergwerk wird auf Stützen und Streben verzichtet, stattdessen wird es so konstruiert, dass das verbleibende Grubengebäude sich selber trägt. Dadurch bauen sich erhebliche mechanische Spannungen auf, unter denen sich das Salzgerüst plastisch verformt. Dieses Nachgeben setzt sich im Deckgebirge oberhalb des Salzdiapirs fort, sodass sich dieses um ca. 15 Zentimeter im Jahr absenkt. Das unter Spannung stehende Salz verliert allmählich an Festigkeit, aufgrund des hohen Durchbauungsgrades und der jahrzehntelangen Offenhaltung. Das Institut für Gebirgsmechanik (IfG), das seit 1996 die Situation überwacht, prognostizierte 2007, dass es ab 2014 zu einer Zunahme des Tragfähigkeitsverlustes und damit zu verstärkten Verschiebungen im Deckgebirge kommen wird. Dieses Szenario führt zu einer unkontrollierbaren Zunahme des Wasserzuflusses. Bereits 1979 haben andere Fachleute auf einen unkontrollierten Lösungszufluss aus dem Deckgebirge im Bereich der Südflanke mit nachfolgendem Tragfähigkeitsverlust des Grubengebäudes hingewiesen.

Das Grundwasser dringt in ein Salzbergwerk ein, wenn die Salzbarriere zerstört wird oder wenn sich durch tektonische Belastungen Verwerfungen bilden. Die Asse II ist besonders durch Wasser gefährdet, weil die Salzbarriere zum Teil nur wenige Meter mächtig ist. In der Zeit von 1906 bis 1988 sind 29 Salzlösungszuflüsse dokumentiert. Zwischen 1988 und 2008 wurden 32 neue Zutrittsstellen entdeckt, insbesondere aus dem Deckgebirge der Südflanke. Die Zuflüsse werden auf den Sohlen 658, 725 und 750 aufgefangen und betrugen 2008 ca. 11,8 m³/Tag. Die aufgefangene Lauge wird auf Radioaktivität überprüft, bei Einhaltung der Grenzwerte nach übertage verbracht, in Tanklaster gepumpt, zu stillgelegten Kalibergwerken gebracht und dort zur Flutung eingesetzt. Die Grundwasserzuflüsse stammen aus den zahlreichen Verwerfungen, die sich im Deckgebirge, aufgrund der Absenkung des Salzdiapirs, gebildet haben. Eine Abdichtung dieser Zuflüsse ist nicht möglich.

Am 11.06.2008 berichtete die Braunschweiger Zeitung, dass Lauge in der Asse mit Caesium-137 (137Cs; Halbwertszeit 30 Jahre) belastet sei. Das niedersächsische Umweltministerium konnte Rückfragen nicht beantworten, weil sie nichts von einer solchen Kontamination wusste. Der Landtag und der Bundesumweltminister forderten vom niedersächsischen Umweltminister einen Statusbericht, der im September 2008 veröffentlicht wurde. Aufgrund einer parlamentarischen Anfrage wurde den politischen Verantwortlichen erst im Juli 2008 bekannt, dass jahrelang Lauge aus Asse II zu stillgelegten Kalibergwerken der K+S AG verbracht wurde.

Gemäß dem Statusbericht vom September 2008 wurde seit Anfang der 90er Jahre festgestellt, dass Lauge, die sich in Bohrlöchern am Boden der 750-Meter-Sohle sammelte, eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Isotops 137Cs aufwies. Im September 1995 wurde erstmals eine kontaminierte Laugentropfstelle im Firstbereich der 775-Meter-Sohle festgestellt. Nach einer Änderung der Strahlenschutzverordnung im Jahr 2001 lag die 137Cs–Aktivität an einigen Messpunkten über den Freigrenzen. Im Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde wurde die kontaminierte Lauge von 2001 bis 2008 auf die nicht mehr als Verkehrsweg offenstehende 900-Meter-Sohle abgeleitet. Später versiegte der Zustrom weitgehend.

Zur Erstellung des Statusberichtes wurden Gutachter herangezogen, die sich nicht mit der Erklärung des Betreibers zufrieden gaben, dass die Kontaminationen Rückstände des Einlagerungsunfalls von 1973 seien. Innerhalb weniger Tage fanden sie vielmehr deutliche Hinweise, dass die Lauge aus der Einlagerungskammer 12 aussickert. Ursprung der Lauge ist letztlich Altversatz aus einer nur 30 Meter entfernten Kammer, aus dem in den Jahrzehnten vor der Einlagerung Feuchtigkeit in Kammer 12 migriert ist. Bei der Einlagerung im Jahr 1974 war der Boden der Kammer 12 laugendurchtränkt. Diese Lauge ist in Kontakt mit den eingelagerten Stoffen gekommen und diffundiert nun in die Verkehrsflächen in der unmittelbaren Umgebung der Einlagerungskammer 12.

Im April 2011 fand das Bundesamt für Strahlenschutz erneut verstrahlte Lauge unweit der Einlagerungskammer 12. In einem Bohrloch seien bei Proben 240.000 Becquerel pro Liter des radioaktiven Isotops 137Cs gemessen worden. Nach Angaben der Behörde handelt es sich dabei um den bislang höchsten Wert an 137Cs, der seit dem Ende der Einlagerung im Jahr 1978 gemessen wurde. Der Wert liegt um das 24-fache über der Freigrenze.

Die Feuchtigkeit und die zutretenden Lösungen und Wässer im Salzstock führen zu verstärkter Korrosion an den eingelagerten Stahlfässern, dadurch entsteht das Gas Wasserstoff. Außerdem hat sich wegen der organischen Verrottung (Putzlappen, Tierkadaver etc.) in großen Mengen Methan gebildet. Damit könnte ein unbeherrschbarer Zustand auftreten, wenn aus dem Deckgebirge zu einem derzeit unkalkulierbaren Zeitpunkt plötzlich weitere und unter Umständen weitaus größere Mengen an Wasser oder Lauge durchbrechen würden. Die zuströmende Lösung würde weitere Salze im Grubengebäude auflösen, wodurch die Standsicherheit des Bergwerks weiter abnehmen würde. Darüber hinaus wäre bei Flüssigkeitszutritt auch mit einer massiven Zunahme der Korrosion und somit einer damit verbundenen verstärkten Entstehung von Wasserstoff zu rechnen. In Verbindung mit dem ebenfalls vorhandenen Methan könnte dies bereits nach 50 Jahren zu einem sogenannten „Blow-Out“ führen, bei dem die Gase durch den entstandenen hohen Gasdruck unkontrolliert an die Oberfläche strömen könnten, wobei sie radioaktiv kontaminierte Flüssigkeiten und Schlämme mit sich führen könnten. Die freiwerdenden Gase und Flüssigkeiten würden in kurzer Zeit in die Biosphäre austreten und dort zu radioaktiver Belastung führen. Diese Problematik wird auch nicht durch die Flutung der Grube durch das sogenannte Schutzfluid verhindert, im Gegenteil, die beim Scheitern der Müllrückholung vorgesehene und bereits für Teilverfüllungen angewendete Magnesiumchlorid-Lösung beschleunigt die Korrosion der Metalle zusätzlich massiv.

Der Antrag zur Schließung des Bergwerks wurde im Januar 2007 beim Landesbergamt eingereicht. Dieser Antrag beinhaltete einen Abschlussbetriebsplan sowie einen Langzeitsicherheitsnachweis. Nach einer ersten Prüfung beschied die Genehmigungsbehörde die eingereichten Unterlagen als nicht ausreichend und forderte weitere Nachweise an. Gemäß dem Plan sollte der Salzstock durch die Verfüllung von Hohlräumen mechanisch stabilisiert werden. Das Einblasen von Salzgrus führte zwar zu einer Beruhigung im Gebirge, für eine dauerhafte Stabilisierung reicht der dadurch zu erreichende Gegendruck aber nicht aus. Um das Restporenvolumen im Füllmaterial weiter zu minimieren und dadurch zum Abbau mechanischer Spannungen beizutragen, sollte ein Schutzfluid eingebracht werden. Vorgesehen war dafür eine MgCl-Lösung, mit deren Hilfe einer Zersetzung des Carnallitits durch zutretende NaCl-Lösung entgegengewirkt werden sollte. Das Schließungskonzept beinhaltete auch den Bau von Strömungsbarrieren.

Die Flutung der Asse mit einem Schutzfluid ist problematisch, weil es nicht mit den Anforderungen des Strahlenschutzes vereinbar ist. Entsprechend der Grundregel, Entsorgungsprobleme nicht durch Verdünnung zu lösen, ist es internationaler Standard, radioaktiven Abfall trocken einzulagern. Wenn die Einlagerungskammern geflutet werden, ist damit zu rechnen, dass ein Teil des radioaktiven Inventars gelöst wird und im Verlauf von Jahrhunderten durch die porös verfüllten Hohlräume des verschlossenen Bergwerks diffundiert. Um diese Diffusion zu begrenzen, sollten Strömungsbarrieren gebaut werden. Der Betreiber versuchte, durch Modellrechnungen den Nachweis zu führen, dass dauerhaft ein radiologisches Schutzziel erreicht wird, das jegliche Beeinträchtigung der Biosphäre ausschließt. Ein weiterer Einwand ist, dass der Zement, in dem viele Abfälle gebunden sind, mit dem zutretenden Wasser chemisch reagieren könnte. Dies würde Gas freisetzen, das explodieren könnte.

Von August 1995 bis April 2004 wurden fast vollständig die alten Abbauhohlräume zwischen der 725- und der 490-Meter-Sohle mit Rückstandssalzen verfüllt. Insgesamt wurden etwa 2,15 Millionen Tonnen in die Abbaue der Südflanke der Asse II eingebracht. Zurzeit werden Strömungsbarrieren eingebaut, Hohlräume unterhalb der 800-Meter-Sohle verfüllt, seit Dezember 2004 wird MgCl-Lösung eingespeist, die Schächte Asse II und Asse IV werden rückgebaut und Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Grubensicherheit werden durchgeführt.

Nach dem Betreiberwechsel im Januar 2009 ist das Schließungskonzept zurückgestellt worden. Zunächst wurden verschiedene Schließungsoptionen geprüft, doch im Januar 2010 schlug das Bundesamt für Strahlenschutz vor, den Atommüll komplett aus dem maroden Lager zu bergen. Der radioaktive Abfall soll nun im Schacht Konrad, einem stillgelegten Eisenerzbergwerk in Salzgitter, endgelagert werden. Die Optionen einer Einbetonierung der Fässer oder ein Umlagern der Fässer in tiefere Schichten waren zuvor verworfen worden. Für die Rückholung der eingelagerten Abfälle wurde ein Zeitraum von zehn Jahren angesetzt, die Kosten wurden in einem Gutachten zunächst auf rund 2 Milliarden € geschätzt. Der damalige Bundesumweltminister schätzt die Kosten mit 3,7 Milliarden € deutlich höher ein und bezeichnete die Anlage als die problematischste kerntechnische Anlage, die wir in Europa finden. Nach neuen Schätzungen soll die Sanierung von Asse II etwa 4 bis 6 Milliarden € kosten, diese Aufwendungen werden vom Bund getragen.

Durch die Ermittlungen des niedersächsischen Landtags wurde bekannt, dass die Behälter zur Einlagerung des radioaktiven Materials nur auf eine Haltbarkeit von 3 Jahren ausgelegt waren. Es wurde also in Kauf genommen, dass sie innerhalb kurzer Zeit verrotten würden. Damit ist belegt, dass die Industrie von Anfang an ein billiges Endlager in der als Forschungsbergwerk deklarierten Einlagerungsgrube gesehen hat.

2008 stellte der Landkreis Wolfenbüttel eine Anfrage nach Leukämiehäufigkeiten im Umfeld der Schachtanlage Asse II an das seit 2000 bestehende Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen. Dem Krebsregister, das Daten in diesem Gebiet beginnend ab 2002 erhebt, standen erst 2010 genügend Daten zur Beantwortung der Anfrage zur Verfügung. Mit Datenbestand vom Oktober 2010 stellte es fest, dass im Zeitraum von 2002 bis 2009 auf dem Gebiet der Samtgemeinde Asse gegenüber den anderen Gemeinden des umgebenden Landkreises Wolfenbüttel auffällig häufige Leukämie- und Schilddrüsenkrebserkrankungen aufgetreten waren und dass ebenso im Zeitraum 2002 bis 2008 die Sterblichkeit durch Leukämieerkrankungen auffällig hoch gewesen war. Die Überschreitungs-wahrscheinlichkeiten, mit denen die ermittelten Fallzahlen unter Annahme des jeweiligen Erfahrungswertes des Vergleichsgebietes zufällig erreicht würden, betragen für die Leukämieinzidenz 0,30% (18 Fälle; 8,5 erwartet), für die Inzidenz des Schilddrüsenkarzinoms 0,08% (12 Fälle; 3,9 erwartet) und für die Leukämiemortalität 0,86% (11 Fälle; 4,7 erwartet). Bei einer Irrtumwahrscheinlichkeit von 1% oder größer sind daher alle 3 Erhöhungen signifikant. Bei anderen Krebsarten zeigten sich wie in den anderen Gemeinden des Landkreises keine signifikanten Auffälligkeiten. Ob diese Erhöhungen einen Bezug zur Asse haben, konnte bis dato noch nicht verifiziert werden. Bemerkenswert ist, dass von den Erhöhungen bei den Leukämien nur Männer, beim Schilddrüsenkarzinom nur Frauen sichtbar betroffen sind. Bekannte Risikofaktoren für Leukämie und Schilddrüsenkarzinome sind u.a. ionisierende Strahlung.

Der geologische Schnitt vom ehemaligen Salzbergwerk Asse II (Abbildung 2) zeigt unter anderem, das verstürzte Deckgebirge und die vielen Verwerfungen, die das labile Grubengebäude belegen. Der geringe Abstand der Abbaukammern zum umgebenden Gestein ist ebenfalls sehr gut sichtbar. Trotzdem wurden dort von 1967 bis Ende 1978 radioaktive Abfälle eingelagert.

Abbildung 2: Geologischer Schnitt durch das Endlager Asse II; Quelle: Helmholtz Zentrum München

3. Kapitel

Heute ist Samstag, endlich ist das langersehnte Wochenende da. Somit steht keine langweilige Behördenarbeit an, sondern zwei Tage nur mit Fritz meinem Mischlingsrüden im Untersuchungsgebiet in der Umgebung der Schachtanlage Asse II. Wir werden eine Nacht in meinem VW-Bus schlafen und am Sonntag-Abend zurück nach Bremen fahren. Ich gehe mit meinem Kaffeebecher auf die Dachterrasse und schaue mir das Wetter an. Die Sonne scheint und keine Wolke ist am Himmel zu sehen. Die Temperatur ist trotz der frühen Uhrzeit sehr angenehm warm.

Nach dem Frühstück packe ich meine Reisetasche und stecke meinen Geigerzähler „Gamma-Scout“ sowie die Digitalfilmkamera ein. Außerdem nehme ich noch ein paar Lebensmittel und Hundefutter mit. Nachdem ich noch den 10-Liter Wassertank gefüllt habe, laufe ich mit dem Hund zum Bus. Ich verstaue die Utensilien im Auto und gehe mit Fritz noch eine Pinkelrunde, bevor es losgeht.