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»ABBA-Songs sind erschütternd und erhebend zugleich, sie können zu Tränen rühren und zum Tanzen führen, schenken Freude und Selbstvertrauen und haben bisweilen therapeutische Wirkung.« Die Geschichte ABBAs ist unglaublich: Zwei schwedische Liebespaare machen ab 1972 knapp zehn Jahre lang Musik und erobern die ganze Welt. Als sie sich trennen, ahnt niemand, dass sie fast vierzig Jahre später zurückkehren werden, um ein sagenhaftes Comeback zu feiern. Jan Wiele erzählt die märchenhafte Karriere von Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid. Er gibt Einblick in ihre hohe Kunst des Songwritings und führt durch einen musikalischen Kosmos zwischen Folktradition und Discomoderne. - Alles über ABBA: Vom Eurovision Song Contest zum Multimediaspektakel Voyage - Ihre großen Erfolge: Waterloo, Dancing Queen, Mamma Mia & Co. - Smart und fundiert: Reihe »Reclam 100 Seiten« – kompaktes Wissen für Neugierige und Fans - Unterhaltsam und informativ: Mit vielen Abbildungen und Infografiken Wissenswertes über ABBA Spannende Einblicke in die faszinierende Karriere einer der erfolgreichsten Popbands der Welt. Ein tolles Geschenk für alle ABBA-Fans.
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2023
Jan Wiele
Reclam
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2. Auflage
2023, 2025 Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Covergestaltung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH nach einem Konzept von zero-media.net
Infografik: annodare GmbH, Agentur für Marketing
Bildnachweis: siehe Anhang; Autorenfoto: © Bonera
Gesamtherstellung: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Siemensstraße 32, 71254 Ditzingen
Made in Germany 2025
RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart
ISBN978-3-15-962185-2
ISBN der Buchausgabe 978-3-15-020708-6
reclam.de | [email protected]
Playlists zum Buch
Weltmusik aus Viggsö
ABBA vs. Progg: Der Sieg von »Waterloo« und die Folgen
Süß vs. bitter: Die Songs
Folk vs. Disco: ABBA zwischen traditioneller und moderner Musik
Scheiden tut weh: ABBAs Autofiktion zwischen traditioneller und moderner Gesellschaft
Cheesy vs. campy – ABBA als Quelle produktiver Ironie
»Forever Young«?
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Lektüretipps
Bildnachweis
Zum Autor
Über dieses Buch
Leseprobe aus Udo Jürgens. 100 Seiten
Die Playlists zum Mithören finden Sie online unter https://www.reclam.de/abba
Über den Bildschirm irgendeiner Karaokebar läuft irgendwo auf der Welt genau jetzt, in diesem Moment, der schrittweise sich von Grün zu Rot färbende Text von »Dancing Queen«, und jemand singt dazu: »Friday night and the lights are low / Looking out for a place to go«. Vielleicht ist es ein einsamer älterer Mann, der die Zeilen mit Elvis-Stimme ins Mikrofon säuselt, während hinten in der Bar jemand betreten zu Boden schaut; vielleicht ist es eine junge Frau, die gerade ihre erste Trennung erlebt hat, was sie selbst und andere zu Tränen rührt und dann doch zum Tanzen führt. Vielleicht sind es zwei junge Mädchen, die von weiteren Freundinnen angefeuert werden; vielleicht ist es ein queeres Paar, das sich gegenseitig versichert: »You are the dancing queen«. Oder es ist eine nicht genau erkennbare Person mittleren Alters, die man nur von hinten sieht, wie sie sich im ABBA-Museum in Stockholm eher verstohlen in die Karaokekabine begibt, in der jeder für sich, unter Kopfhörern versteckt, spielerisch zum ABBA-Mitglied werden kann – und die dann aber, als sie sich selbst in einer Animation zwischen den tatsächlichen Bandmitgliedern auf der Bühne sieht, völlig aus sich herausgeht: »You can dance, you can jive / Having the time of your life«.
ABBA holt alle ab. Auch die, die das zunächst nicht erwartet haben oder sich dagegen sträuben. Aber gegen gewisse ABBA-Songs ist man einfach machtlos, sie überwältigen einen, ob mit Euphorie oder auch mit Trauer. ABBA ist eine Band der extremen Gefühle, verwandelt in Musik und Text. Und ABBA löst extreme Reaktionen aus – ob jene kreischender Fans, die den geläufigen Impressionen der Beatlemania kaum nachstehen und deshalb auch den Begriff Abbamania geprägt haben, oder solche der heftigen Abwehr: Diese Klänge, diese Kostüme seien doch der reinste Kitsch!
Von denen, die bereits erwachsen waren, als ABBA bekannt wurde, oder die mit der Musik aufgewachsen sind, hört man immer wieder den Satz, dass man die Band »damals ja nicht gut finden durfte«. Oft gefolgt von der Äußerung: »Aber ich fand sie eigentlich trotzdem gut.« Auch für die professionelle Kritik galt und gilt ABBA als guilty pleasure, also als etwas, was man nur heimlich und »schuldbewusst« goutieren darf. Ein schwedischer Musikjournalist erinnert sich in einer Fernsehdokumentation, dass die Gruppe in den 1970er Jahren in ihrer Heimat ein »No-Go« gewesen sei: so peinlich, dass man sich nicht getraut habe, über sie zu schreiben. Für den amerikanischen Rockkritiker Robert Christgau war sie schlicht »der Feind«.
Alles Mögliche ist gegen ABBA einzuwenden. Aber wenn man den jeweiligen Einwand prüft, lässt sich doch oft schnell ein Gegenargument finden. Sie seien keine echten Rocker – nein, eingestandenermaßen nicht, und dennoch haben sie bemerkenswerte, auch bemerkenswert harte Rocksongs aufgenommen; sie seien nur auf den Discozug aufgesprungen – von wegen: Sie haben das Disco- und Electrogenre entscheidend geprägt und inspirieren damit die Tanzmusik bis heute; sie machten nur billige Schlagermusik – wer das behauptet, muss verrückt sein.
Für die Nachgeborenen, die erst in den späteren Achtzigern, in den Neunzigern oder in der Zeit bis heute auf ABBA aufmerksam wurden und werden, stellt sich die Frage der Haltung zu ihnen etwas anders, aber auch nicht unbedingt auf einfachere Weise: Zum einen setzte nach dem vermeintlichen Ende der Gruppe von 1982 schon wenige Jahre später ein ABBA-Revival ein, das sie noch größer und erfolgreicher machte – und damit zu einer regelrechten Industrie, siehe die Kompilation ABBA Gold, eines der erfolgreichsten Alben aller Zeiten, sowie das ABBA-Musical Mamma Mia! und dessen Verfilmung. Zum anderen ist man seit den 1980ern mit einer Fülle von ABBA-Parodien und witzig-kritischen, aber auch gehässigen Bezugnahmen konfrontiert. Alles zusammen macht es eher noch schwerer, sich zu ihnen zu bekennen.
Auf dem Weg zur Insel: ABBA 1974
Gewiss, ABBA ist in mancher Hinsicht Kitsch – aber ebenso wird man feststellen müssen, wie komplex manche Komposition ist und womöglich auch wie hintergründig und gewitzt, in der Musik wie im Text. Gleiches lässt sich über Arrangement und Produktion sagen. Darüber hinaus ist sehr vieles an dieser Band wirklich erstaunlich, fast schon sagenhaft. Eine Band, in der alle Mitglieder vor der Gründung schon auf Schwedisch singend erfolgreich waren und dann auf Englisch singend zu Weltstars wurden. Zwei Liebespaare, deren Songs sich oft wie eine persönliche Beziehungsbiographie verstehen lassen und dabei gleichzeitig überindividuell und universell verständlich sind, die verstanden und geschätzt werden von Menschen verschiedener Generationen, verschiedener sexueller Identität und Orientierung. Eine Band, die wohl die längste Pause der Popgeschichte eingelegt hat, und die dann, fast vierzig Jahre nach ihrer Auflösung, ein umjubeltes Comeback feierte. Und schließlich eine Band, die lange für eine gewisse Traditionalität stand und die dann im hohen Alter noch einmal die neueste Technik umarmt hat, um sich in einem eigens geschaffenen Theater in digitale Avatare aus der Phase ihres größten Erfolgs zu verwandeln und dort wohl auch weit über ihren Tod hinaus fortzuleben!
Ihre Einflüsse und Vorbilder zu benennen, haben Benny Andersson und Björn Ulvaeus sich nie gescheut. Immer wieder haben sie dabei vor allem die Beatles und die amerikanischen Songschreiberduos Leiber/Stoller und Goffin/King erwähnt. Ausführlich hat sich Benny Andersson zu diesem Thema anlässlich der Aufnahme ABBAs in die Rock and Roll Hall of Fame 2010 geäußert. Er blickte zurück auf erste Hörerlebnisse mit einem schwedischen Radiosender in den 1950er Jahren, der Klassik, Jazz, italienische Arien und französische Chansons, deutschen Schmalz und Märsche von John Philip Sousa gespielt habe; außerdem nannte er zusätzlich zu den bereits genannten Einflüssen die Beach Boys, Joni Mitchell, Chuck Berry und die Kinks. Vom amerikanischen Blues indes habe ABBA nichts geerbt. Das war aber wohl auch gar nicht nötig, denn, so Andersson, wer oberhalb des 59. Breitengrades lebe, wo die Sonne für zwei Monate im Jahr verschwinde und es sechs Monate lang schneie, der stamme ja ohnehin aus dem »Melancholiegürtel«. Die daraus resultierende Niedergeschlagenheit spüre man etwa innerhalb der schwedischen und russischen Volksmusik, in den Werken des Norwegers Edvard Grieg und des Finnen Jean Sibelius oder in den Filmen Ingmar Bergmans oder in der Stimme Greta Garbos – und in so manchen ABBA-Melodien setze sie sich fort, so Andersson.
Diese sagenhafte Band kommt, zugespitzt gesagt, aus dem Wald und ihre Musik aus einer kleinen Hütte. ABBA ist im Herzen eine Folkband, man könnte sogar sagen: eine Volksmusikgruppe, wenn der Begriff im deutschen Sprachraum nicht durch die deutsche Geschichte etwas anders konnotiert wäre. In vielen anderen Ländern ist der Unterschied zwischen Folk- und Volksmusik weniger groß, und es gab nicht jenen tiefen Bruch, der alles Volkstümliche und auch das Romantische bis heute verdächtig wirken lässt. In Schweden ist die Popmusik, nicht nur die von ABBA, noch deutlicher aus der Tradition der volkstümlichen Musik hervorgegangen als anderswo. Die musikalische Entwicklung der Bandmitglieder von ABBA geht zudem einher mit dem internationalen Folkrevival, das ab den ausgehenden 1950er Jahren besonders Amerika und England erfasst hatte und das dann, während wenige Hardliner treu am traditionellen Folk festhielten, immer wieder Transformationen durchlief und neue Genres hervorbrachte. Die produktive Auseinandersetzung mit der eigenen Folktradition zeigt sich in Schweden zu jener Zeit exemplarisch etwa an dem wegweisenden Album Jazz på svenska (›Jazz auf Schwedisch‹) von Jan Johansson, das 1964 erschien. Der bei einem Unfall 1968 früh verstorbene Pianist experimentierte darauf und auf Folgewerken genresprengend, indem er etwa blue notes in die alten Volksweisen injizierte oder diese mit seinem Jazztrio völlig neu deutete.
Für die Entwicklung der Popmusik in Schweden sind ferner die sommerlichen Festivals in den »Folkparken« von kaum zu überschätzender Bedeutung: »Seit den 1930er Jahren wurden im gesamten Land Tausende kleiner Bühnen errichtet, auf denen Folk-, später auch Rock- und Popbands auftreten können. Diese Folkparks funktionieren als perfekte Präsentationsplattformen für neue schwedische Künstler, aber auch viele internationale Stars wie Frank Sinatra spielen auf diesen Bühnen«, schreiben Philipp Krohn und Ole Löding über die schwedische Musikszene, aus der ABBA hervorging. Insbesondere der Austausch zwischen den nationalen und internationalen Musikerinnen und Musikern habe die Entwicklung beflügelt. Hinzu kamen die jährlichen Melodifestivalen, die als Vorentscheid über den schwedischen Beitrag zur jeweiligen Ausgabe des Grand Prix Eurovision de la Chanson dienten. Und schließlich gab es die schwedische Hitparade namens Svensktoppen, die im Oktober 1962 in Svärtinge erstmals im Radio auf Sendung ging und die trotz mancher Veränderungen bis heute existiert. Sie dient dazu, einheimische Musik zu fördern und sie bekannt zu machen.
Ohne diese Faktoren, die die populäre Musik in Schweden in den 1960er und -70er Jahren maßgeblich bestimmen, wäre all das, was später charakteristisch für ABBA wurde, undenkbar. Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid ›Frida‹ Lyngstad hatten sich vor dem Erfolg als Gruppe schon individuell jahrelang regelrecht wundgesungen auf den besagten Folkparkfestivals und für den Erfolg in den Svensktoppen. Jedes einzelne Mitglied war mit allen Wassern der traditionellen Musik gewaschen. Und alle hatten, in unterschiedlichen, aber verwandten Genres, schon vieles ausprobiert und reiche Erfahrungen auf der Bühne wie im Studio gesammelt, bevor es zur Bildung der All-Star-Band – denn nichts anderes ist ABBA – kam.
Wann genau ABBA gegründet wurde, ist gar nicht so leicht zu bestimmen. Denn es handelte sich vielmehr um eine Gründungsphase in den Jahren 1972 bis 1973, der schon viele private und musikalische Kontakte vorausgegangen waren. Wie Björn Ulvaeus einmal einer britischen Zeitung erzählte, begegnete er Benny Andersson zum ersten Mal bei einem schwedischen Sommermusikfestival 1964, bei dem beide mit ihren damaligen Gruppen auftraten. Er habe Benny sofort gemocht, dessen trockenen Humor geschätzt und erkannt, was für ein musikalisches Schwergewicht Andersson sei. Etwa ein Jahr später, nach der zweiten Begegnung, seien sie zusammen etwas trinken gegangen und hätten dann auch gleich ihren ersten gemeinsamen Song geschrieben. 1967 sei Ulvaeus dann bei einer Tour für Anderssons Gitarristen eingesprungen. Das war der Beginn einer langen Freundschaft – und der eines bedeutenden Songschreiberduos der Popmusik.
Bei den Begegnungen der Frauen mit den Männern gehen Berichte und Erinnerungen etwas auseinander. Ulvaeus will Agnetha Fältskog 1967 kennengelernt haben, und er glaubt, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad hätten sich einige Monate später erstmals getroffen. Carl Magnus Palms großer ABBA-Bandgeschichte zufolge hat Ulvaeus sowohl Lyngstad als auch Fältskog erstmals Anfang 1968 im Fernsehen beobachtet. An Lyngstad habe er bewundert, dass sie ein eigenes Lied auf Schwedisch sang. Und über das »junge Mädchen« Agnetha Fältskog habe er angesichts ihres Fernsehauftritts gedacht, sie werde es bestimmt zu etwas bringen. Glaubt man Palm, sind sich Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson wohl erst im Frühjahr 1969 persönlich begegnet. In Agnetha Fältskogs Buch As I Am (1997) ist zu lesen, wie sich die Sängerin bei einer Fernsehaufzeichnung 1969 an der schwedischen Westküste in Ulvaeus verliebt, künstlerische Gemeinsamkeiten festgestellt und sofort erkannt habe, dass Björn »Heiratsmaterial« sei. Dort wiederum steht auch, Benny und Anni-Frid seien sich erst 1970 begegnet.
Vielleicht war die Zeit für alle Beteiligten um 1970 einfach so schön, dass sie im Rückblick etwas verschwimmt – jedenfalls bestanden dann bald die beiden Liebespaare, und auch im Studio und auf der Bühne kam es zu fruchtbarer Zusammenarbeit. Wenngleich diese für die beiden Frauen zunächst die Rolle von Backgroundsängerinnen bedeutete, reifte wohl die Einsicht, dass sie besser im Vordergrund stehen sollten. Mit dem Rampenlicht war jedes einzelne Mitglied von ABBA lange vor dem Bestehen der Band vertraut, und die gemeinsame musikalische Leistung lässt sich besser begreifen nach einem kurzen Rückblick auf die je individuelle.
Summer Night City: Abendstimmung bei der ABBA Folkpark Tour in Västervik, 1975
Björn Ulvaeus spielte schon 1961 als Schüler in einer Skifflegruppe, die schwedische Traditionals im Programm hatte und sie dann weiterentwickelte. Die Hootenanny Singers wurden recht erfolgreich, und Ulvaeus komponierte auch für andere.
Benny Andersson stammt aus einer Familie von Akkordeonspielern, die schwedische Volksweisen liebten, also begann er auch selbst in dieser Tradition zu musizieren. 1964 war er Mitglied einer Gruppe namens Elverkets Spelmanslag (›Kraftwerk-Spielmannsvereinigung‹), bevor er die Orgel bei den Hep Stars bediente, die man auch als die schwedischen Beatles bezeichnet. Aber auch diese hatten noch das Spielmannsgen. Ihr Lied »Speleman« (1969) handelt von einem einsamen Geiger auf Wanderschaft, »das Herz schwarz und die Wange kalt«, der, man ahnt es bereits, dennoch »leicht und sanft und schön« zu spielen vermag: eine Hobophantasie auf Schwedisch, in der Figurationen des fahrenden Sängers aus Mittelalter, Romantik und Folkrevival überblendet werden. Die Hep Stars wurden zur bis dahin erfolgreichsten Popgruppe des Landes – dies zugegebenermaßen mit vornehmlich englischsprachigen Hits, die schon eine Brücke zu ABBA bildeten.
Agnetha Fältskog hat angeblich schon im Alter von sechs Jahren ihr erstes Lied mit dem Titel »Två små troll« (›Zwei kleine Trolle‹) geschrieben. Zu Beginn ihrer Solokarriere, die schon im Alter von siebzehn Jahren begann, war auch sie nicht nur dem schwedischen Lied verbunden. Aber als erfolgreiche Schlagersängerin, die 1967 ihren ersten Solohit mit dem von ihr selbst geschriebenen »Jag var så kär« (›Ich war so verliebt‹) landete, anverwandelte sie sich auf ihren ersten drei Alben vor der Zeit mit ABBA einen um den anderen international bekannten Song in schwedischer Sprache – zum Beispiel den durch Petula Clark bekannten »Melody Man« als »Spela vår sång« oder Mireille Mathieus Ballade »La première étoile« als »En sång och en saga«. Als Funfact könnte man noch erwähnen, dass Agnetha Fältskog auch kurz versuchte, in der deutschsprachigen Rootsmusik des Schlagers Karriere zu machen: Hier sang sie um 1969 Titel wie »Fragezeichen mag ich nicht« oder »Ein kleiner Mann in einer Flasche«.
Anni-Frid Lyngstad, die eigentlich eher vom Jazz kam und mit Benny Andersson als ihrem Produzenten und Komponisten ebenfalls auf die Erfolgsstraße des Schwedenschlagers abbog, träumte in ihrem 1972 an der Spitze der Svensktoppen-Charts stehenden Lied »Man vill ju leva lite dessemellan« (›Man möchte dazwischen auch etwas leben‹), das vom Hamsterrad der modernen Arbeitswelt handelt, davon, die laute Stadt gegen ein bisschen Ruhe und Frieden außerhalb einzutauschen. Das ist der Folktraum schlechthin und auch jener vieler Hippies, wie er sich zur selben Zeit etwa in Stadtfluchtsongs von David Crosby (»Traction in the Rain«) oder Canned Heat (»Going Up the Country«) manifestiert.
