Abenteuer der deutschen Grammatik - Yoko Tawada - E-Book

Abenteuer der deutschen Grammatik E-Book

Yoko Tawada

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Beschreibung

Die deutsche Grammatik sei schwer; eins der Klischee. Tawada nimmt Sätze, wie sie uns im Alltag begegnen, und nimmt sie wörtlich, zeigt dabei, wie leicht und spielerisch sich Grammatik auch "lesen" lässt. erhellende, überraschende, vergnügte Einblicke in die deutsche Grammatik. Weitere Gedichte und Kurzprosa zu Städten, Gärten und bekannten Autoren. Ihre Gedichte in diesem Band sind "bezaubernd und unverwechselbar". (literaturkritk.de) „Immer wieder gelingt es ihr, einen neuen Blick auf unsere Sprache zu werfen und ihre Leserschaft zum Rätseln zu bringen: er hemt / wenn ich bluse. Ein Vergnügen, auch für Menschen, die einen großen Bogen um Lyrik machen!" (Karen-Susan Fessel, Monatsbotin, April 2019)

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EPUB
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Seitenzahl: 28

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Yoko Tawada

Abenteuer der deutschen Grammatik

Gedichte und Kurzprosa

Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke

Inhaltsverzeichnis

Titelseite

Zum Buch

1. Abenteuer der deutschen Grammatik

 2. Eine poetische Nachbarschaft

3. Die Mischschrift des Mondes

4. Loblieder für die Toten

5. Utopien

Zur Autorin

Impressum

Zum Buch

Die deutsche Grammatik sei schwer - ein Klischee. Yoko Tawada nimmt Sätze, wie sie uns im Alltag begegnen, wörtlich, zeigt dabei, wie leicht und spielerisch sich Grammatik auch „lesen“ lässt. Erhellende, überraschende, vergnügte Einblicke in die deutsche Grammatik und Sprache. Wussten Sie etwa, dass „Ich liebe dich“ auf Japanisch heißt: „Was mich betrifft, bist du begehrenswert“ (Watashi wa anata ga suki desu)? Weitere Gedichte und Kurzprosa zu Städten, Gärten und bekannten Autoren. Ihre Gedichte in diesem Band sind  „bezaubernd und unverwechselbar“ (literaturkritik.de).

„Immer wieder gelingt es ihr, einen neuen Blick auf unsere Sprache zu werfen und ihre Leserschaft zum Rätseln zu bringen: er hemt / wenn ich bluse. Ein Vergnügen, auch für Menschen, die einen großen Bogen um Lyrik machen!" (Karen-Susan Fessel, Monatsbotin, April 2019)

1. Abenteuer der deutschen Grammatik

Groß aber leise

„Mein Deutsch“ schreibe ich groß und spreche

es leise aus.

Die „deutsche“ Grammatik schreibt man klein

mit Größenwahn.

---

Die zweite Person Ich

Als ich dich noch siezte,

sagte ich ich und meinte damit

mich.

Seit gestern duze ich dich,

weiß aber noch nicht,

wie ich mich umbenennen soll.

---

Schienenersatzverkehr

Der Zug fährt heute in der umgekehrten Reihenfolge ein: das übliche Spiel der

Eisenbahngesellschaft. In einer Reise nach Jerusalem kann man keinen Sitz reservieren.

Du hast neun Wörter zu sagen und es gibt keinen achtsamen Fahrgast. Ganz am Ende

eines Schlangensatzes warte ich, das Verb, auf dich, das Subjekt. Inzwischen passierten schon

zwei Unfälle im vierten Fall: Es gab einen Selbstmord und einen Personalschaden.

Ein einziger Toter – zweimal gestorben. Ich bin gern ein Verb. Bitte benutzen Sie den

Schienenersatzverkehr! Werden die Schienen ersetzt oder ist es ein er, der im Verkehr

ausgesetzt wird? Ein Satz macht einen großen Satz über fremde Schatten und verkehrt mit

dem Sinn des Sagbaren in der umgekehrten Reihenfolge.

---

Die Grammatik der Sommernacht

Warum steht das Jucken im Singular,

wenn du so viele Mückenstiche hast?

Ist Gott noch Single?

Der Schöpfer zahlreicher Mücken?

---

Perfekt

Es hat geblüht

Und indem ich dir davon erzähle

Blüht es immer noch

Die Blume ist nicht die letzte Form der Knospe

Da fehlt noch der amtliche Stempel auf dem Staubblatt

Sie hat am Fruchtstiel geblutet

Und sie blutet weiter, indem ich das sage

Das Perfekt ist eine unvollendete Zeit

---

Vor einem hellen Vokal

Gleich werde ich meinen

Bauch zeigen und tanzen an einem

Teich wo eine deutsche

Eiche steht. Ein gottloses

Buch werde ich

euch schreiben und steige

hoch auf den Galgen. Ich bin ein fl iegender

Teppich mit einem

Kopftuch. So ein

Pech! Kann ich fl iehen? Kennst du das Land

CH?

Die Lesart der heiligen Schriftzeichen

c und h bleibt weiter offen

---

Eine neue Periode ohne Punkt und Komma

Jeder weiß wo ein Satz zu Ende geht Selbst in

einer Trauerzeit ist die Lektüre eine Dauer ohne

Ende dennoch wird ein Punkt gesetzt Oder war

das ein Tintenfleck Ein Tröpfchen Träne aus dem

Füller Keiner braucht zu wissen wo der nächste

Satz beginnt Wer redet schon mit Interpunktionen

auf der Zunge Jeder darf ein Pausenbrot essen