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Bedrohungen, die sich daraus ergeben. Die Geschichte wird nicht aus Sicht der Menschen, sondern aus der von den Dingen um die Figuren herum erzählt, aus der von Stiefel, Duschkopf, Kaffeemaschine, Spiegelei, Regenschirm, Sneakers und vielem mehr, auch aus der von Erscheinungen der Natur, ein Baum, ein Baumschatten ... Bald ist klar welchen Menschen diese Gegenstände begleiten. Das Ganze entfaltet sich um eine Liebesgeschichte herum. Die beiden haben sich im Büro kennengelernt, eine Kaffeetasse spielte eine Rolle. Es wird auch bald klar, aus welcher Szene der männliche Protagonisit kommt, die Frau, die sich in Social Media "Gartenfrucht" nennt, kommt aus einer ganz anderen Szene. Die Maschinen der Hauptfigur geben nach und nach den Geist auf, seine Espressomaschine funktioniert nicht mehr, die Gasttherme, und es dauert lange, bis ein Handwerker kommt, und zum Schluss verabschiedet sich auch noch das so wichtige Handy, das wie sein Handteller immer dabei ist. Und nichts stimmt mehr in seiner Welt ... Ein sowohl sehr sinnlicher wie politischer Roman. Entmystifizierung der Menschen. Sind wir Energien, die die Natur blockieren oder in Bewegung bringen? "... Sind es die versagenden Maschinen? Die Gefühle? Oder sind es gar die Eisenstangen, die irgendwann zum Einsatz kommen? ... Das Chaos, in das der arme Leon gestürzt wird, hat Folgen: Nach und nach scheint in dem tumben Mann so etwas wie Bewusstsein zu erwachen ... eine grandiose Komödie über menschliche Irrungen und Störungen und über unsere seltsame Gegenwart. Große Kunst ist das, von einer der erstaunlichsten Autorinnen, die derzeit auf Deutsch schreiben." (Uli Hufen, Deutschlandfunk, Büchermarkt, 31.10.2025)
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2025
Yoko Tawada
Eine Affäre ohne Menschen
Roman
Konkursbuch
Verlag Claudia Gehrke
Inhaltsverzeichnis
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Zum Buch
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Zur Autorin
Impressum
Ein Roman mitten aus der Gegenwart mit ihren politischen Gruppierungen an den Rändern und den Bedrohungen, die sich daraus ergeben. Die Geschichte wird nicht aus Sicht der Menschen, sondern aus der von den Dingen um die Figuren herum erzählt, aus der von Stiefel, Duschkopf, Kaffeemaschine, Spiegelei, Regenschirm, Sneakers und vielem mehr, auch aus der von Erscheinungen der Natur, ein Baum, ein Baumschatten ... Bald ist klar welchen Menschen diese Gegenstände begleiten. Das Ganze entfaltet sich um eine Liebesgeschichte herum. Die beiden haben sich im Büro kennengelernt, eine Kaffeetasse spielte eine Rolle. Es wird auch bald klar, aus welcher Szene der männliche Protagonisit kommt, die Frau, die sich in Social Media "Gartenfrucht" nennt, kommt aus einer ganz anderen Szene. Die Maschinen der Hauptfigur geben nach und nach den Geist auf, seine Espressomaschine funktioniert nicht mehr, die Gasttherme, und es dauert lange, bis ein Handwerker kommt, und zum Schluss verabschiedet sich auch noch das so wichtige Handy, das wie sein Handteller immer dabei ist. Und nichts stimmt mehr in seiner Welt ...
Ein sowohl sehr sinnlicher wie politischer Roman. Entmystifizierung der Menschen. Sind wir Energien, die die Natur blockieren oder in Bewegung bringen?
"... Sind es die versagenden Maschinen? Die Gefühle? Oder sind es gar die Eisenstangen, die irgendwann zum Einsatz kommen? ... Das Chaos, in das der arme Leon gestürzt wird, hat Folgen: Nach und nach scheint in dem tumben Mann so etwas wie Bewusstsein zu erwachen ... eine grandiose Komödie über menschliche Irrungen und Störungen und über unsere seltsame Gegenwart. Große Kunst ist das, von einer der erstaunlichsten Autorinnen, die derzeit auf Deutsch schreiben." (Uli Hufen, Deutschlandfunk, Büchermarkt, 31.10.2025)
Wie die Sitze im Europäischen Parlament sind die Löcher kreisförmig angeordnet,, aus jedem Loch spritzt es,, eine lebhafte Diskussion zwischen dem Duschkopf und der Badewanne,, zwischen oben und unten,, die Kachel mit blauem Schiffsmuster wird bespritzt,, die Fugen an der Wand bleiben weiter trocken.
In der Pfanne zischt es,, der quabblige Rand verändert seine Farbe von transparentem Grau in Porzellanweiß,, das Dotter bleibt sonnengelb,, eine viereckige Weizenscheibe springt hoch, schafft es aber nicht, aus dem Schlitz des Toasters herauszukommen,, die Messerspitze hilft ihr, auf dem Teller zu landen,, ein Stück Gold schmilzt auf dem teilweise angebrannten Weizenfeld.
Ein diffuses Licht lässt die unterirdische Höhle banal erscheinen,, banal wirken auch Kekse und Schokoladen,, sie sind eingesperrt hinter Gittern,, gegen Bezahlung werden sie nach und nach wie Geiseln freigelassen,, neben dem Automaten liegt eine leere Bierflasche wie eine Bombe,, alle Schuhe weichen ihr vorsichtig aus bis auf eine Ausnahme: ein schmaler, weißer Sneaker gibt der Flasche einen Ruck,, sie rollt unter die Notruftafel und verschwindet aus der Öffentlichkeit,, in dem Moment taucht aus dem dunklen Loch des Tunnels das vertraute gelbe Gesicht mit Kulleraugen auf,, Vorsicht bei der Einfahrt.
Äste eines kahlen Baumes sind zitternde Finger,, seine Baumkrone ist ein luftiges Gehirn,, verführerisch wirkt das Schattenspiel an der rauen Außenwand der Firma.
Silberne Aufzugstüren öffnen sich, dahinter erscheint eine Schachtel, sie ist einen Meter tief, einen Meter breit, zwei Meter hoch,, das Drahtseil kann dem Gewicht von achthundert Kilogramm Menschenfleisch standhalten,, der Lift schließt abrupt seine Lippen, die Raumfahrt beginnt,, irgendwo im Schacht weint eine verstimmte Violine im Pianissimo,, der Stahleisendraht ist zum Zerreißen gespannt,, dreizehn Minuten nach acht.
Es ist nicht verboten, mit persönlichem Kram den eigenen Bürotisch zu schmücken, solange er den Brandschutz nicht gefährdet,, es gibt einen Schreibtisch mit einem Strandfoto mit nackten Kindern,, es gibt einen mit der Freiheitsstatue, die so klein ist wie ein erhobener Zeigefinger, dazu noch eine Mini-Kaktee aus Mexiko,, ein anderer Schreibtisch bevorzugt ein Foto vom Schrebergarten, Haushund und Kanarienvogel,, es gibt aber einen merkwürdigen Schreibtisch, der weder die Familie noch den Urlaub darstellt,, ein Wikingerhelm mit zwei Hörnern,, dazu ein metallener, schwarzer Untersetzer in Form einer zackigen Sonne,, und all das passt gar nicht zum unschuldigen Kamel mit langen Wimpern, das nicht von seinem 2D-Gefängnis, der Oberfläche eines Kaffeebechers, fliehen kann.
Siebzehn Uhr siebzehn,, das Fließband bewegt sich in Richtung Kasse,, ein Frachtschiff mit Rohschinken und eine doppelte Flensburger Flaschenpost liegen auf einer Seite der Grenze,, auf der anderen Seite liegen ein Päckchen Quinoa und ein Bündel Stangensellerie,, eine graue Warentrennstange liegt zwischen zwei Kulturen.
Kurz nach der Mitternacht werden alle Stromfresser ausgeschaltet, bis auf ein Gerät, das rund um die Uhr Strom braucht, um seine innere Kälte zu bewahren,, in diesem E-Gerät schwitzen drei braune Flensburger im Seitenfach,, sechs Nürnberger liegen eng zusammen und kuscheln in einem transparenten Schlafsack.
Um drei Uhr nachts wirft auf dem Balkon ein Windstoß den einsamen Blumentopf um,, ausgetrocknete Wurzelfinger und etwas Erde werden ausgeworfen.
Die Friedensmusik des Regens wird durch die ungestüme Klingel des Weckers unterbrochen,, die Bettdecke fällt zu Boden und bleibt dort selbstmitleidig zusammengekauert,, im Badezimmer wird der Wasserhahn voll aufgedreht,, er kräht, weil es hinter der Wand einen Engpass gibt, und jedes Mal, wenn das Flüssige herausfließt, gibt es ein Geschrei,, in der Küche ist es ruhiger als im Bad,, eine Scheibe Schwein wird vom Plastikboden befreit und auf die heute weniger knusprige Weizenmatte gelegt,, an einem Regentag schafft es kein Lebensmittel, knusprig zu sein,, eine alte Spardose steht auf der Fensterbank,, auch sie ist ein Schwein,, in ihr wird das Geld für die Busfahrt nach Holland gespart, wo das nächste Treffen stattfindet.
Aufgrund einer technischen Störung ist heute die unterirdische Welt geschlossen,, es wird nicht bekannt gegeben, inwieweit diese Störung technischer Natur ist,, ein Gekritzel auf der Wand des Kiosks sagt: Störung ist menschlich,, dieser Spruch ist kostenlos zu lesen, was bei den im Kiosk angebotenen Zeitungen nicht der Fall ist,, nur die Schlagzeilen auf der ersten Seite der Presse sind umsonst zu haben,, Parteitreffen im renommierten Puff, Benzin aus Hamster-Fett, Waffengeschäft in Götterdämmerung: Worte werden gelesen, verdaut und ausgeschieden,, heute wird in der Unterwelt kein Klagelied der U-Bahn gesungen,, das Konzert findet ausschließlich oben statt,, ein Polo hupt in einem launischen Sopran,, der Mercedes-Bus lässt sich nicht vom kleinen Privatwagen hetzen, fährt majestätisch mit einem Bass-Brummen in die Bucht hinein, bremst und verweilt dort mit laufendem Motor im Tenor,, die Türen öffnen sich ruckartig, und kurz bevor sie wieder schließen, piept es in einem höheren Tonbereich.
Der Bildschirm schläft noch,, die Rasterleuchte an der Decke widerspiegelt sich in ihm,, hinter dem Kamel mit langen Wimpern verbreitet sich unbemerkt eine Wüste,, es ist der nordische Teil der Arabischen Halbinsel,, der Bildschirm wacht auf,, ein blauer Ozean erscheint und die Wüste verschwindet zwischen feinen, elektrischen Wellen,, vierstellige und fünfstellige Zahlen tauchen auf.
Das Kamel erschreckt sich,, sein Innenraum wird plötzlich mit heißem Kaffee gefüllt,, dann erscheint ein zweiter Kaffeebecher, der sich hemmungslos neben ihn hinstellt,, ein Becher mit einer flauschigen Perserkatze,, sie wirft einen verführerischen Seitenblick auf das Wüstentier,, bis zu diesem Augenblick kam es nie vor, dass auf diesem Schreibtisch ein zweiter Becher stand,, die Tasten hören auf zu klappern, die graue Maus bleibt stehen und die Stuhllehne quietscht nervös wegen des ungewöhnlichen Besuchs,, es passiert selten in diesem Büro, dass zwei Becher sich kennenlernen.
Siebzehn Uhr siebzehn,, ein Paar milchige Postkarten, genannt Butterkäse, werden auf das laufende Band gelegt,, dem Käse folgen Schaumgetränk und Laib Jesu,, das Lebensmittel sieht aus wie ein politisches Geständnis,, seine Werte werden mit einem krummen Scanner abgelesen.
Das kluge Telefongerät ist eine Art Handteller, der den biologischen Handteller ersetzt,, in der Bahn findet er überall seine Artgenossen, die fast gleich aussehen, aber die Lebenslinie, die auf jedem Handteller gezeigt wird, ist verschieden,, in diesem einen Handteller wird ein cremefarbenes, ebenerdiges Betonhaus gezeigt und da-rauf erscheint der Satz: Todesstrafe für Kinderschänder,, dann wird eine Redepanne eines Klimapolitikers gezeigt, unterlegt mit gemeinem Gelächter,, danach erscheinen ein Thorshammer und ein Kampfhund, einfach so ohne Episode.
Es gibt Flug-Modus, U-Bahn-Modus, Kneipen-Modus, Date-Modus und Couch-Modus,, bei dem letzten wird keine Sperre eingebaut,, entsprechend erscheinen unkontrolliert radikale Reizunterwäsche, Folterkorsett, Dildo oder Kadaver,, plötzlich wird laut geschossen,, auf dem weißen Polohemd blüht ein Blutfleck in Form des Mittelmeers,, Sirene des Polizeiautos,, mit einem Klick wird das Drama abrupt beendet.
Sie schweigt, bleibt stur,, sie kann nicht auf Knopfdruck sich verlieben oder Lust entwickeln, Espresso zu kochen,, Trägheit ist in der Seele der Dienermentalität tief verwurzelt,, wenn die Kaffeemaschine keine Funktion mehr hat, fällt es auf, dass sie zu viel Platz in Anspruch nimmt,, wie wenig Quadratzentimeter braucht hingegen das Küchenmesser, obwohl es vielseitig einsetzbar ist,, sollte ein einziges Objekt aus der Küche gerettet werden, müsste die Wahl auf das Messer fallen,, es kann ins Fleisch, in die Früchte oder in den Kunststoff schneiden,, an diesem Morgen wird in der Wohnung kein Koffein zu sich genommen,, die Tür der Kältemaschine wird geöffnet, um eine Milchverpackung herauszuholen,, das Bild auf der Verpackung zeigt, wie die weiße Flüssigkeit in ein Glas gegossen wird,, Weiß ist die Farbe der Vatermilch,, das weiße Blut des Vaterlandes wird eingegossen,, das Bistroglas verblasst von unten bis zum Rand.
Defekte Stellen in der Unterwelt sind während der Nacht repariert worden,, es ist ein Wunder, dass es immer noch das Rumpelstilzchen gibt, es gab aber auch einen Diebstahl,, auf der wichtigen Plattform wird über den Kabeldiebstahl in drei U-Bahn-Stationen diskutiert,, verdächtigt werden asiatisch-stämmige Schüler, die angeblich Kabel geklaut und mit ihnen eine Nudelsuppe gekocht haben,, das Wort „asiatisch“ wird „assi-atisch“ geschrieben.
Vor dem Firmengebäude bleiben zwei Paare Schuhe stehen,, die Schuhspitzen richten sich verliebt zueinander,, der elektronische Handteller schläft ein und zeigt nicht einmal die Uhrzeit,, die Zeit ist eingefroren, während ein paar Meter entfernt die Firmentür immer wieder auf- und zugeht,, zuerst steht eine Nike oder ein Puma auf der Fußmatte, dann prüft die Überwachungskamera von oben, ob der Wirbel zur Firma gehört,, der Wirbel ist der neue Fingerabdruck,, das Kopftuch oder die Baseballkappe müssen natürlich abgenommen werden, manchmal ist eine Verbeugung nötig, damit die Kamera ihn abscannen kann,, eine Taube kackt auf den Straßenrand.
Die Deckel des Scanners wird hochgeklappt und wieder runtergedrückt,, das erinnert an die Bewegung eines Webstuhles,, der Stoff, der dabei gewebt wird, ist digital,, Blatt für Blatt verschwindet das Papier im Aktenvernichter,, unter der Glasscheibe des Scanners fährt ein stark leuchtendes, längliches Rohr hin- und her,, es bewegt sich mit wechselndem Tempo,, es hält immer wieder kurz inne, als würde es nachdenken, und nach einer Weile fährt es entschlossen weiter,, daher wirkt es menschlich,, anscheinend ist das Menschliche leicht nachahmbar für die Mechanik.
In der Mittagspause landet eine kleine Schokolade auf dem Schreibtisch,, das süße Geschenk hat genau die Größe eines USB-Sticks,, auf der Verpackung steht Guatemala,, ein Herz steht darüber, das aber nichts mit dem mittelamerikanischen Land zu tun hat,, die Liebe ist ein Inlandprodukt,, der Inhalt wird konsumiert, während die knisternde Verpackung im Papierkorb landet,, dort lag bereits ein Tempotaschentuch,, eine weiße Blüte der Unschuld, durchnässt mit Nasenschleim.
Eine alte braune Wanduhr zeigt siebzehn Uhr siebzehn,, in der Halle herrscht eine aufdringliche Stille,, Geräusche und Gerüche werden technisch und chemisch entfernt, sonst würde es hier salzig riechen und der heftige Atem würde laut wie der Nordseewind wehen,, Leibesübungen ähneln Fabrikarbeiten, die aber kein Produkt hervorbringen,, hier gibt es eine Laufbahn ohne Karriere, ein Ellbogenstrecken ohne Konkurrenz,, es wird jede Sekunde nach unten getreten oder ohne Fortschritt gerudert,, die Geräte stehen voneinander distanziert,, es wird nicht geredet.
Der Handteller schläft nicht,, er klagt seine Einsamkeit durch die Nacht, aber kein Finger streichelt ihn,, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, zeigt er weibliche Rundungen des Fleisches, das aus der Spitzenunterwäsche ausgeschält wird,, nebenan steht ein männlicher Wasserturm,, das Trinkwasser der Hauptstadt sei angeblich vom ausländischen Geheimdienst vergiftet worden,, durch die Augenlider dringt das flimmernde Licht und irgendwann werden die Augen wieder geöffnet,, der Zeigefinger ist schlaff, sucht taumelnd nach erogenen Stellen im Bildschirm,, der Schlaf gewinnt doch am Ende,, egal wie reißerisch die Bilder sind, wird irgendwann geschlafen,, die Macht des Internets ist groß, aber die der Nacht ist größer.
Ein Häuflein Schaum bleibt auf dem silbernen runden Stöpsel der Badewanne,, das Sahnige ist erstaunlich fest, verfließt nicht,, wenn die Kraft der Verdickungsmittel in ihm endlich nachlässt, schrumpft der Schaum und verliert seine Form,, der Konservierungsstoff hingegen bleibt weiter im unterirdischen Abwasser erhalten.
Jede Ablagefläche hat eine andere Höhe,, früher stand auf der Fläche, die deutlich niedriger ist als die des Schreibtisches, ein Gerät, das Schreibmaschine hieß, und neben ihr lag ein robuster Taschenrechner,, heute stapeln sich dort Papierdokumente, die zwischen zwei Zeiten hängengeblieben sind,, irgendwann werden sie gescannt und vernichtet,, auf einer anderen Fläche, auf der heute eine Espressomaschine steht, stand früher ein Gerät, das Fernkopierer oder einfach Fax genannt wurde,, die meisten Maschinen wurden irgendwann entlassen und landeten auf einem Müllhügel in Ghana.
Der Büroraum sieht ordentlich aus,, unnütze Gegenstände werden rechtzeitig hinausgetragen,, jedoch bleiben einige persönliche Gegenstände auf dem Tisch, denn der Arbeitsplatz soll trotz der Ordnung menschlich aussehen,, der Raum sieht in einem bestimmten Tageslicht zu effizient aus, fast beängstigend, als wollte er eines Tages ganz ohne Materie, das heißt ohne Schreibwaren und Geräte auskommen,, schon längst ist die Arbeitskraft an sich überflüssig,, zum Glück ist das offizielle Ziel dieser Firma nicht, das Kapital zu vermehren, sondern abgetragene Sneakers von der Straße zu holen, sie zu beschäftigen und zu motivieren, eine Familie zu gründen.
Die Fahrradkette baumelt seit fünf Minuten an derselben Stelle,, vier Schuhe stehen diagonal zueinander, sogar etwas näher als letztes Mal,, es duftet leicht nach weiblichem Vollmond,, die Fahrradkette kann sich nicht mehr an die Regel des Fesselspieles erinnern,, eine Taube torkelt zum Apfelrest, pickt aber nur einmal daran,, Kekse wären ihr lieber,, die Natur schmeckt zu sauer,, erst zehn Minuten später kommt der Abschied und der rechte Sneaker tritt zögernd auf das Pedal,, anschließend verlässt die linke Schuhsohle den gemeinsamen Boden,, das Fahrrad eiert, weil es nicht schneller fahren will,, das andere Paar Schuhe bleibt eine Weile stehen, dann steigt es in die Unterwelt.
Das Herz ist das Beste für das Herz: Werbesprüche waren schon mal besser,, es gibt ein großes Angebot in der Höhe der Kundenaugen: ein pralles und ein flaches Herz,, unter ihnen ein protziges und ein mageres Herz,, über ihnen ein nacktes und ein weinendes Herz,, die Herzen sind eingewickelt in Aluminiumfolie und verpackt in einer Schachtel oder in einer Dose,, eine freie Wahl,, nimm dir, was du haben willst, alles steht dir zur Verfügung, nimm doch, was dir gefällt: Elfenbeinküste, Ghana, Ecuador, Kamerun oder Indonesien,, es ist siebzehn Uhr siebzehn, aber ab heute wird nicht mehr in diesem Moment auf die Uhr geschaut.
Die rechte Hosentasche sieht seltsam ausgebeult aus,, ein Taschenmesser, das den Schläfer spielte, wird geweckt, obwohl der große Tag X noch nicht gekommen ist,, es wird in die Schublade des Nachttisches gelegt, auf dem seit Wochen eine schwarze Konzertkarte mit Schädelmotiv liegt,, die Hose wird ausgezogen und zu Boden geschmissen,, sie liegt die ganze Nacht auf dem Fußboden wie eine Pfütze.
Es ist eine Kamera, die durch eine fremde Wohnung schleicht,, am Ende des Flurs befindet sich ein Schlafzimmer,, auf dem Bett liegt weiße Unterwäsche,, plötzlich wird geschossen,, es ist unklar, ob es im Internet oder außerhalb, also in der Realität, geschah,, im Gebäude gegenüber steht das Flügelfenster weit geöffnet,, an der Wand dieser Wohnung hängen zwei Riesenplakate,, im einen Plakat zerschlägt eine Faust ein Hakenkreuz, ein typisches Linkshänder-Motiv, im anderen ist ein gutaussehender Typ mit Baskenmütze abgebildet,, er hing auch im Zimmer des Großvaters,, wie hieß der Schauspieler noch,, Che Guevara oder so.
