Abenteuer in zwei Welten - Hedy Youssef - E-Book

Abenteuer in zwei Welten E-Book

Hedy Youssef

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Beschreibung

Dieses Buch handelt von meinem abenteuerlichen Leben in zwei Welten: Ägypten, meinem Herkunftsland und Deutschland, meiner neuen Heimat. Ich möchte den Leser auf eine außergewöhnliche Reise mitnehmen und tiefe Einblicke in die beiden verschiedenen Kulturen vermitteln. Ich erlebte viele Abenteuer in meinem Leben, für die ich sehr dankbar bin. Viel Spaß beim Lesen! Ihre Hedy Youssef Trägerin der Silbernen Ehrennadel der Stadt Alzey

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Seitenzahl: 135

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Ich widme dieses Buch voller Dankbarkeit und Liebe meinen Eltern sowie meinem Ehemann, der mich immer bestärkt hat und an mich glaubte. Ebenso ein großes Lob und Dank an meine Tochter Nancy, die mich beim Verwirklichen meines Buches enorm unterstützt hat.

INHALTSVERZEICHNIS

Geburtsurkunde

Kindheit und Herkunft:

Der Schulweg: Schule und Studium

Familie

Die orientalische Mentalität und Lebensweise

Der Sprung vom Hilton zum Sheraton

Die Verlobung

Hochzeit und Beginn eines neuen Lebens

Die Anfangsjahre in Alzey

Der Hauskauf

Aufregende Zeiten

Die Zeit der Einbürgerung

Der Weg zur Selbstständigkeit

Die Liebe zu den Partnerstädten

Hedy als Stadtführerin

Hedy und „The Friendship-Force“

Kontakt zum El-Masry-Clan

Belohnung für das Ehrenamt

Special events in my life-

Ein Leben voller Aktivitäten

Engagement für die Senioren

Die vier Reisen nach Ägypten

Die Überraschung mit der silbernen Ehrennadel

1. Geburtsurkunde

Es war eine andere Welt und eine andere Zeit, als ich am 10. April 1944 in Heliopolis, einem Vorort von Kairo, geboren wurde. Viele Jahre später erst erkannte ich, welch besonderer Ort das war und wie wohlhabend und gebildet die Bürger dort waren.

Schon meine Geburt war ganz besonders. Zu der damaligen Zeit war es üblich, dass die werdenden Mütter zu der Großmutter gingen, um dort ihr Kind zu bekommen.

Meine Oma Virginie Frühstück, eine gebürtige Österreicherin, wohnte zufällig glücklicherweise neben dem Arzt, der bei der Geburt helfen sollte. Sie stammte ursprünglich aus Wien, wo heute noch ein Teil der Familie Frühstück lebt. Meine Mutter, Isis Ayad, war somit ein Kind aus einer Mischehe.

Als meine Mutter also bei ihr ankam, veranlasste Oma Frühstück, dass der Arzt sofort kommen sollte. „Das dauert noch! Das Kind hat noch viel Zeit! Ich kann doch hier nicht die ganze Zeit warten!“, schimpfte er und verließ daraufhin einfach die Wohnung. Meine Großmutter war aufgebracht und empört. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte der Arzt stündlich vorbeischauen sollen. Und wie sich herausstellte, hatte sie nicht ganz unrecht.

Denn kaum war er gegangen, rief meine Mutter laut auf: „Das Kind kommt jetzt. Ich wusste es!“ und da erblickte ich auch schon das Licht der Welt – nach nur zwei Wehen.

Meine Großmutter half bei der Geburt und bewahrte einen kühlen Kopf. Als sie sah, dass ich gesund war und atmete, schickte sie sofort den Hausmeister zu dem Arzt hinüber und schimpfte bei seiner Ankunft mächtig mit ihm. Er schaute sofort nach meiner Mutter und mir und besänftigte dann Oma Frühstück mit seinem Lob, dass sie sehr gute Arbeit geleistet hätte. Es ist wohl kein Wunder, dass ich von Geburt an zu ihr eine ganz enge, besondere Beziehung hatte. Obwohl meine Großmutter insgesamt 17 Enkel hatte, war ich immer ihr Liebling. Ich war ihre kleine Hedy und sie war meine geliebte Nonna. So wollte sie am liebsten genannt werden. Als Beweis, dass ich ihr größter Schatz war, lud sie mich auch später als einziges Enkelkind nach England zu sich ein. Aber davon will ich erst später berichten.

Da war ich nun, die kleine Hedy - ein kleiner, gesunder Sonnenschein. Ich war nun das dritte Kind. Meine dreijährige Schwester war während der Geburt bei einer meiner Tanten untergebracht. Mein älterer Bruder verstarb leider zuvor an Diphtherie mit nur eineinhalb Jahren.

White Sabry El Masry, mein Vater, sollte nach einer gewissen Zeit über meine Geburt informiert werden.

Als erfolgreicher Rechtsanwalt war er sehr beschäftigt. Unter anderem half er bei der Evakuierung etlicher Ausländer, die während des Krieges Kairo verlassen mussten.

Da er auf einem Internat der Jesuiten war, konnte er neben Arabisch auch Französisch fließend sprechen. So hatte er ein breites Klientenspektrum und immer viel mit den verschiedensten Nationalitäten zu arbeiten.

Meine Großmutter bestand darauf, dass mein Vater endlich kommen sollte, um nach mir zu sehen. Aber für White Sabry El Masry war ich im ersten Moment eine herbe Enttäuschung, denn ich war ja „nur wieder ein Mädchen“.

Als er informiert wurde, dass das Baby da war, sagte er „Ah, sehr gut. Wenn ich einmal Zeit habe, dann komme ich mal nach dem Kind schauen.“

Nachdem meine Eltern meinen Bruder verloren hatten, hatte mein Vater alle Hoffnung in mich gesetzt. Der Aufwand, extra mit der Straßenbahn oder dem Taxi zu kommen, war sehr groß. Sein Terminkalender war immer bis oben hin vollbepackt und mit dem Auto selbst fahren, war schwierig, denn es gab kaum Parkplätze. Aber er besuchte uns dann doch. „Ah, so ein hübsches Mädchen. Schade, wir müssen es mit dem Kind deiner Schwester tauschen. Hedy soll nach El Fayoum“, schlug er lachend meiner Mutter als Witz vor, denn meine Tante Renée bekam kurz vorher einen Sohn. „Nein! Meine Tochter bleibt bei mir“, entschied Mutter Isis bestimmt.

Meine Mutter wollte, dass ich endlich eine Geburtsurkunde ausgestellt bekam und sie ließ nicht mehr locker. Also musste White sich schließlich darum kümmern. Im Orient waren es nämlich vorwiegend Männer, die auf das Amt gingen und Urkunden oder dergleichen beantragten.

Meine Eltern genossen durch ihre Erziehung viel Bildung und kamen mit der ausländischen Kultur häufig in Kontakt. Meine Mutter durfte auf eine französische Schule, sprach zu Hause nur französisch und liebte das Kino, ebenso wie mein Vater. Die beiden beschlossen „Hollywood nach Kairo“ zu holen, indem sie meine Schwester Marlene nach der berühmten Marlene Dietrich benannten und mich, Hedy, nach dem Hollywoodstar und der Erfinderin Hedy Lamarr. Die gesamte Familie machte sich gerne über die Kinobegeisterung meines Vaters lustig und so wurden wir oft Marlene Dietrich und Hedy Lamarr gerufen. White wurde selbst auch wegen seines englischen Namens oft von Leuten gehänselt. Aber das störte ihn nicht weiter. Er war stark und kam durch, so wie wir auch.

Mein Name Hedy stand also fest, und was blieb meinem Vater auch anderes übrig, als für mich nun endlich eine Geburtsurkunde zu besorgen. Er ging also zu dem zuständigen Amt. Als er gefragt wurde, wann ich geboren sei, antworte er verstreut: „Geboren? Gestern.“ Er hat gar nicht nachgedacht und das erstbeste gesagt, was ihm einfiel. Und so kommt es, dass statt dem

10. April 1944, der 13. Mai in meinem Pass steht. Er kontrollierte dummerweise auch am Ende das Dokument nicht noch einmal, so dass er nicht bemerkte, dass statt Hedy dort nun plötzlich Hoda stand. Hoda ist im Arabischen sehr ähnlich zu Hedy, daher kam wohl die Verwechslung meines Namens durch den Beamten.

Wir wussten das alle nicht. Ich bekam meine Geburtsurkunde ja auch nie in die Hände. Und dann passierte eine lustige Geschichte:

Als ich zum Abitur zugelassen wurde, musste ich meine ganzen Daten, wie Namen, Geburtstag, Wohnort, angeben. Man kann ja auch von einer 18-Jährigen erwarten, dass sie ihre persönlichen Angaben fehlerfrei macht. Meine Geburtsurkunde musste auch eingereicht werden. Eines Tages kam die Direktorin auf mich zu. Sie war äußerst wütend und schrie sogleich auf mich ein.

„Sind Sie denn noch ganz bei Sinnen? Wollen Sie mir ernsthaft sagen, Sie wissen nicht, wann Sie geboren wurden? Und Ihren Namen kennen Sie wohl auch nicht? Ihre kompletten Angaben waren von Anfang an falsch. Ihre Zulassung wird hiermit zurückgezogen!“

Ich dachte: „Das gibt es doch nicht! Wie kann das denn sein?“ Wütend ging ich mit der Urkunde in der Hand zu meinem Vater und fragte ihn, was er sich da gedacht habe. Aber er gab die Schuld nicht zu. „Ach das haben wir gleich. Ich bin wohl auf den Beamten damals hereingefallen.“, versuchte er mich zu beschwichtigen. Er wollte erst die Urkunde reklamieren und sagte, dass er alles klären würde. Wie überall auf der Welt könne man mit Geld schließlich alles erreichen, war er sich sicher.

Doch dann kam er auf die absurde Idee, dass das Abitur doch eigentlich gar nicht nötig sei. „Wir brauchen das jetzt gar nicht lange diskutieren! Wer nicht studiert, der heiratet. Du bist ein hübsches Mädchen und wirst einfach bald heiraten!“

Zum Glück war es meiner aber Mutter wichtig, dass ich die Chancen auf ein Studium bekam. Und ich wollte es ja schließlich auch. Also wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Meine Tante Bahga- die hübsche, aber ledige Schwester meines Vaters- hörte von dem Problem meiner Zulassung. Da sie selbst Direktorin an einer arabischen Schule war, erklärte sie uns, dass das so nicht ohne Weiteres ginge. Sie verhalf mir dazu, dass ich doch zu meinem Abitur zugelassen wurde.

Und das war auch gut so, denn ich habe das beste englische Abitur mit Auszeichnung in diesem Jahrgang absolviert. So konnte ich nun doch studieren. Wer hätte damals schon gedacht, dass ich später derart erfolgreich und selbstständig werden würde.

Auch später in meinem Leben bekam meine Geburtsurkunde noch einmal eine wichtige Bedeutung für mich. Nämlich, dann als ich mit meinem Mann Tadros 1983 in Deutschland eingebürgert wurde und er zugeben musste, dass ich Recht hatte. Das war nämlich so:

Bei der Einbürgerung musste mein Mann viele unserer Dokumente, so auch unsere ägyptischen Geburtsurkunden, übersetzen lassen. Wir mussten unseren ägyptischen Pass für die Einbürgerung abgeben. Dabei haben wir eine Entdeckung bei meinen Dokumenten gemacht. „Wusstest du, dass deine beiden Großeltern aristokratische Titel hatten?“, fragte mein Mann erstaunt.

Meine Großeltern väterlicherseits bekamen die aristokratische Auszeichnung Bey für die Arbeit meines Großvaters in der Landwirtschaft und der Betreuung der Fellachen. Er war so etwas wie ein Großgrundbesitzer. Sein Titel war: Yaakob Sabry Bey El Masry. Meine Familie mütterlichseits war eine einflussreiche Bankiersfamilie aus Kairo. Auch sie hatten den aristokratischen Titel Bey und hieß Barsoum Bey Ayad.

Ich hatte meinem Mann früher immer wieder im Scherz gesagt, dass ich adlig sei. Er nahm das wohl nie so ernst. Doch nun musste er nach der Übersetzung der Urkunde zerknirscht zugeben, dass ich tatsächlich aus aristokratischen Familien stamme.

Es gab noch eine weitere amüsante Situation wegen meines Passes: Ich musste fast nie meinen Pass zeigen. Nur ein einziges Mal verwirrte ich einen armen Kontrollbeamten, als er meine Dokumente an der Grenze ansah: „Ja, aber Heliopolis ist doch in Griechenland. Weshalb steht hier Ägypten?“ Da erklärte ich ihm, dass ich aus einem sehr berühmten und noblen Vorort von Kairo abstamme. “Wussten Sie das etwa nicht?“, fragte ich kokett. Peinlich berührt gab er mir schnell meine Papiere zurück und wünschte mir eine gute Reise. Ansonsten hatten die Dokumente oder Papiere keine große Rolle für mich gespielt.

Nonna Virginie Frühstück in England 1958

Von links: Vater, Schwester Marlène mit Verlobten, Mutter 1963

Von links: Mutter, Ich und mein Vater bei meiner Hochzeit 1971

2.Kindheit und Herkunft: Das glückliche Sonntagskind

Ich hatte eine wundervolle Kindheit und durfte sehr beschützt und geliebt aufwachsen. Wir waren immer finanziell abgesichert. Unser Wohlstand entsprang aus unserer Bildung. Meine Familie bestand vorwiegend aus Akademikern. Wir genossen die ausländische Kultur, dadurch dass wir alle fließend Französisch sprachen. Es gab stets regelmäßig Zusammenkünfte mit den unterschiedlichsten Menschen, man tauschte sich aus, diskutierte, lachte. Es war eine herrliche Zeit.

Eine Freundin von mir machte regelmäßig Urlaub im Ausland. Von ihr bekam ich die schönsten Postkarten geschickt. Sie brachte mir auch oft schönes Briefpapier aus Europa mit und dann kam sie mich besuchen und berichtete mir von den schönen Orten. Ich träumte stets davon. Mir war klar, dass ich eines Tages auch die Welt sehen will.

Mein Vater hatte eine sehr große, schöne Wohnung in der Nähe des Schlosses von Baron Empain besorgt. Es war so ein schönes Viertel damals. Im Hof trafen wir uns zum Spielen, dabei sprachen wir immer nur Französisch. Als Kinder konnten wir in Begleitung von unserem Kindermädchen in die Schule, das Pensionat St Joseph, laufen und genossen unser Leben in vollen Zügen. Doch am schönsten waren die Sommerferien.

Die Schwester meiner Mutter, Tante Nelly, hatte in Alexandria gewohnt, in einer sehr großen Wohnung direkt am Meer. Weil Kairo im Sommer immer so schrecklich heiß war, lud uns Tante Nelly zu sich ein. Ferien am Meer, wie sehr wir Kinder uns darauf stets freuten.

Meine Tante hatte fünf Kinder, aber kaum einen großen Freundeskreis. Sie kümmerte sich nur um ihre Kinder. Mein Vater bezahlte in den Ferien für die Wohnung und meine Mutter nähte der Familie als Dankeschön immer neue Kleider mit schönen Stoffen. So durften wir dort unsere Ferien verbringen. Als wir kleine Kinder waren, hat das alles sehr gut geklappt. Doch mein Vater wollte lieber alleine mit uns Urlaub machen und nicht immer bei den Verwandten wohnen.

Als meine zwei Jahre jüngere Schwester Yolande mit nach Alexandria kam und mein Onkel und meine Tante dann noch anfangen wollten uns Mädchen mit einem ihrer Söhne zu verkuppeln, rief mein Vater: „Mein Gott, jetzt reicht es aber!“. Auch wenn die Kuppelei typisch für den Orient war, wollte mein Vater da nicht mitmachen. Er wollte immer nur das Beste für uns. Deshalb ließ er uns später auch selbst unsere Ehemänner aussuchen.

Mein Vater machte keine halben Sachen und besorgte uns eine eigene Wohnung in Alexandria, in der wir von da an immer unsere drei Monate Sommerferien genossen. Das Kindermädchen war auch hier immer mit dabei, um meine Mutter zu entlasten. Später hatten wir einen schönen Bungalow direkt am Strand.

Als ich acht Jahre alt war, begann sich jedoch einiges zu ändern. Ich wurde zu einem „Kind der Revolution“, als 1952 der Militärputsch stattfand. König Faruk I sollte abgesetzt werden. Die friedliche Revolution veränderte unser Leben sehr. Sie war ein wichtiger Schritt für die Bedeutung des Landes. Die Ausländer mussten teilweise Ägypten verlassen. Die Führungsleute der Revolution (vorwiegend Armeeoffiziere) hatten einen extrem ausgeprägten Nationalstolz. Die Revolution war sehr gut für Ägypten. Sie hat dazu verholfen, dass das Land zu einer angesehen Nation wurde.

1956 wurden wir aus Heliopolis evakuiert. Der Suez-Krieg wütete überall und unser Vorort wurde stark bombardiert. „Nichts wie weg hier!“, rief mein Vater. Er packte uns, so schnell es ging, in ein Taxi und brachte uns nach El Fayoum. Das war zirka 200 Kilometer weit weg von unserem Zuhause. Damals war mein kleiner Bruder gerade einmal 9 Monate alt.

Dort wohnte die Schwester meiner Mutter, Tante Renée. „Ihr müsst hierbleiben, bis der Krieg vorbei ist“, entschied mein Vater. So lebten wir quasi als Flüchtlinge bei ihr und hatten es trotz dieser schweren Zeit sehr gut.

Mein Vater war wie immer viel zu beschäftigt mit diversen Geschäften und blieb daher lieber in Heliopolis. Er half den Ausländern mit Verträgen, mit Geldgeschäften oder beim Verkauf ihrer Landgüter. Er war wirklich sehr tüchtig und hatte dadurch auch sehr viel Geld verdient. Mein Vater hatte ein gutes Gespür für finanzielle Investitionen. Er konnte aus jeder Situation immer das Beste herausholen. Nach der Revolution wurden viele Landbesitzer enteignet. Mein Vater hatte Glück, denn er verkaufte noch rechtzeitig einige unserer Immobilien und Ländereien. Und auch meine Großeltern lebten immer gut- trotz dieses aufregenden Umbruchs in Ägypten. Als die Angst vor Inflation aufkam, begann mein Vater wieder neue Immobilien zu kaufen. Wir waren wirklich immer finanziell abgesichert.

Irgendwann kehrte ich mit meiner Mutter und meinen Geschwistern nach über fünf Wochen wieder nach Hause zurück und wir waren geschockt. Wir hatten uns so auf unser Zuhause gefreut, aber alle Familien, die wir kannten, waren plötzlich weg. Auch unsere Freunde waren nicht mehr da. Das Haus war leer. Die einzige Familie, die blieb, war Nadia Perreras Familie, sie hatten die Wohnung unter uns. Mit ihr bin ich bis heute befreundet und im engen Kontakt. Sie ist übrigens auch der Grund, wieso ich später in Europa gelandet bin. Wir wohnten im selben Haus, litten gemeinsam über den Verlust unsere Freunde und haderten mit der neuen Zeit.

1955 wurde mein Bruder Karim geboren. „Endlich ein Sohn!“ Das dachte nicht nur mein Vater allein. Auch für uns Mädchen war die Geburt eines Jungen wichtig. Nur mit der Geburt eines Sohnes war unser Erbrecht gesichert. Sonst wäre das Vermögen auf die Großeltern und Tanten und Onkel verteilt worden. Wir Kinder hatten allesamt immer ein gutes Verhältnis untereinander. Zwar wurde mein Bruder immer ganz schön bevorzugt, aber dadurch, dass wir älter waren, war das völlig in Ordnung für uns.