Ajor, die Halbjüdin - Roja Baumhoff - E-Book

Ajor, die Halbjüdin E-Book

Roja Baumhoff

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Beschreibung

Es ist die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Als Tochter einer jüdischen Mutter lernt Ajor schnell, was es heißt, nicht der rassenpolitischen Norm zu entsprechen. Von klein auf erlebt sie Ausgrenzung, Verfolgung und Hass. Das Verstecken und das Leben in Lagern und Zuchthäusern überschatten die Kindheit des kleinen Mädchens und hinterlassen nur wenige positive Erinnerungen. Doch auch diese finden einen Platz in ihren Erzählungen. In diesem Buch reflektiert die Autorin die Jahre ihres Lebens, die sie bis ins hohe Alter prägten. Die bewegende Geschichte von Ajor und den einzelnen Mitgliedern ihrer Familie lässt dieses Buch zu einem wichtigen zeitgeschichtlichen Dokument werden.

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EPUB
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Seitenzahl: 33

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Meine Großeltern

Tante Anni, meine Patentante

Onkel Görgel

Onkel Walter

Meine Mutter Gertrud

Die Jahre in Münster

Anders

Der Kriegsanfang

Mein Gesuch

Als Pflichtjahrmädchen

Die Biberfarm

Plattenspieler und Eierlikör

Im Zuchthaus Münster

Irrfahrt

In der Fabrik

Die Franzosen

Weihnachten 1944 und Flucht

Delbrück

Die Amerikaner kommen

Wieder zurück

Tauschhandel

Mein neuer Freund

Die Heirat

Junge Familie

Familiendrama

Die Jahre danach

Und heute

Roja Baumhoff

Vorwort

Als so genannter Mischling ersten Grades fiel ich automatisch unter den rassenpolitischen Verfolgungswahn des Dritten Reiches. Die bitteren Auswüchse, Zurücksetzung, Hohn und Spott in der Schule, kein Sportclub, Einsamkeit, Kränkungen überschatteten meine Jugend und ließen fürs ganze Leben unausrottbare Erinnerungen zurück, die jetzt in meinem Alter verstärkt in Erscheinung treten. Entscheidende Entwicklungsjahre sind zwischen dem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr für einen Menschen, die ihn fürs Leben prägen.

Da der Antisemitismus wieder aufkeimt, möchte ich meine unter dem Naziregime verlebte Jugend für meine Kinder und Enkel zu Papier bringen. Ich werde mit meinen Großeltern mütterlicherseits beginnen und anschließend bei den vier dazugehörigen Kindern.

Gertrud, Onkel Walter, Großmutter, Tante Anni und Onkel Görgel, vorn ich als Kind und Karl-Heinz

Meine Großeltern

Mein Großvater war Arzt und hatte seine Praxis in Limburg. Er war Geheimrat. Im Sommer besuchte er seine Patienten in der Umgebung per Pferd, im Winter mit der Kutsche. Er kam abends vor 22 Uhr nicht nach Hause. Dann gab es noch ein opulentes Mahl. Das Personal arbeitete fast rund um die Uhr. Er verstarb 1917 im Ersten Weltkrieg.

Sein ältester Sohn übernahm die Praxis, und meine Mutter wurde als Oberschwester im Feld mit vielen Auszeichnungen geehrt.

Die Oberschwester Gertrud Loeb war vom 1. März 1917 bis 1. August 1918 im hiesigen Lazarett Hessen-Nassau tätig. Sie hat ihren Dienst stets gewissenhaft, zuverlässig und zur vollsten Zufriedenheit des Arztes versehen. Dr. Lewin, Darmstadt, 31.7.1918

Doch nun komme ich erst zu meiner Großmutter. Streng, konsequent und lieb. Um eine gute Rückenhaltung zu bekommen, mußte meine Mutter nach dem Mittagessen eine Stunde mit einem Stock und den Armen auf dem Rücken liegen, während meine Großmutter auf dem Flügel vorspielte. Disziplin war das wichtigste, was meine Mutter bis ins hohe Alter behielt. Ferner gab es auf dem Brot Butter oder Marmelade, denn nur wenn man zwei Häuser sein eigen nennen konnte, durfte man beides nehmen. Ferner, wenn meine Mutter zu wild mit ihren beiden Brüdern auf den Bäumen herumkletterte und eine Platzwunde davontrug, so hat ihr Vater die Wunde ohne Betäubung genäht, als Abschreckung.

Tante Anni, meine Patentante

Doch nun zu der Ältesten. Sie war anders. Alle Kinder, es waren vier, spielten Klavier, aber sie hielt sich für etwas Besseres. Beide Schwestern waren auf einer Privatschule. Die Älteste interessierte sich für Biologie und war auch sehr erfolgreich. Außerdem sehr gepflegt – alle umschwärmten sie. Man ging 1920 in den Offiziersclub. Einer Tochter eines großen Warenhauses war der Zutritt versagt, die Schwestern als Akademiker waren zugelassen. Und um einen Offizier heiraten zu können, mußte man 75.000 Goldmark besitzen. Sie heiratete einen gutaussehenden Offizier, der eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis in Unna hatte und gleichzeitig Knappschaftsarzt war. Sie führte ein großes Haus, bekam aber leider keine Kinder. Als Personal hatte sie eine Pastorentochter. Als sie aus einem Urlaub zurückkamen, war das Wertvollste aus ihrem Haus verschwunden. Die Pastorentochter hatte in ihrer Abwesenheit ein Verhältnis mit einem Ganoven begonnen, somit kam auch keine Versicherung für den Schaden auf. Ich war noch sehr jung, trotzdem kann ich mich an das elegante Anwesen erinnern.