Albtraum DDR - Udo Jeschke - E-Book

Albtraum DDR E-Book

Udo Jeschke

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Beschreibung

Warum ist das Bild der DDR von vielen Deutschen noch immer von Verharmlosung und nostalgischer Verklärung geprägt? Wie riskant ist es, die entscheidenden Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie nicht zu verstehen? Udo Jeschke stellt diese brisanten Fragen und ruft eindringlich dazu auf, den "Alptraum DDR" nicht zu verdrängen. Sein Ziel: aufrütteln, erinnern und die Lehren der Vergangenheit für eine freie, demokratische Zukunft bewahren. DDR: Ein Staat, der seine Bürger hinterrücks erschoss, nur weil sie in Freiheit leben wollten. DDR: Ein Staat, der mehreren Hundert Frauen und Männern die Kinder wegnahm, weil ihre Lebensweise dem SED-Regime nicht passte DDR: Ein Staat, der knapp 200 000 inoffizielle Mitarbeiter zur Bespitzelung ihrer Mitmenschen, Freunde, Arbeitskollegen und Familienmitglieder unterhielt. DDR: Ein Staat, der über 12 000 junge Sportler systematisch und ohne ihr Wissen gedopt hat.

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Einleitung

Albtraum DDR

Über den Autor

Prolog

I. Kapitel

Wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was!“

II. Kapitel

Beitrittsverhandlungen 1990

III. Kapitel

Die TREUHAND hat den Osten platt gemacht

IV. Kapitel

Nun muss mal Schluss sein mit „Spitzelgeschichten“

V. Kapitel

Wir hatten alle Arbeit und tolle Hausgemeinschaften

VI. Kapitel

Unsere Gesundheitsversorgung und dann diese Polikliniken

VII. Kapitel

Schulbildung auf höchstem Niveau

VIII. Kapitel

Unsere Sportler zählen international ihre Medaillen

IX. Kapitel

Endlich Lebensgeschichten akzeptieren, zuhören und Lebensleistung anerkennen

X. Kapitel

Schlussbemerkungen zum Leben „40 Jahre DDR“ als fürsorgliche Diktatur zum Sozialismus

Anhang

Textbezogene Anhänge

Weitere ergänzende Anhänge

Einleitung

Im Frühjahr 1990 war die DDR zahlungsunfähig. Es war ein wirtschaftlicher und politischer Zusammenbruch. Der Stasi-Chef Mielke hatte allerdings auch einen „Plan B“. Dieser lautete: „Wenn wir die Menschen nicht in der DDR halten können (Ungarn mit offenen Grenzen zu Österreich, sowie mehrere tausende Familien, welche über die Prager Botschaft in den Westen geflohen sind), dann schicken wir sie doch alle rüber und fluten damit den Westen. Solch einen Zuwanderungsstrom verkraften sie nicht …

Im Jahr 2024, 35 Jahre nach der im Volksmund sogenannten „friedlichen Revolution“, sind noch viele Fragen ungeklärt und es braucht auf diese Volkserzählungen fundierte Antworten. Die „friedliche Revolution“ war eine westdeutsche Erzählung, da die Revolutionäre des Ostens grundsätzlich in den vielen Gefängnisanstalten der DDR saßen … Die in dieser Broschüre gesammelten Antworten basieren auf Fakten und eigenen Erfahrungen, allzu oft der schmerzlichen Art.

„Es war nicht alles schlecht!“ So beginnen sie oft, diese Geschichten aus diesem so unterschiedlich ausgelegten Kapitel der DDR-Geschichte. Mit Mantra mäßigen Wiederholungen, dichten diese Erzählungen die 40-Jahre Geschichte um. Sie verklären alles Existierende dieser vierzig Jahre; unfähig zur Selbstreflexion.

Deshalb möchte ich meine Sicht auf die Geschichte schildern. Geschichte wiederholt sich, dies ist leider eine traurige Wahrheit. Seit dreieinhalb Jahren streiten sich die Mächtigen des Landes im Deutschen Bundestag um die Fleischtöpfe. Genau das war 1933 auch die Basis für die Machtergreifung dieses Hilfsmalers, Adolf Hitler! Damals startete seine Partei mit 4 %. Alle anderen Parteien im Reichstag kümmerten sich einzig um Ihre Interessen und vergaßen dabei die sechs Millionen Arbeitslosen des Landes. Das Ergebnis war dann 1933 die sprunghaften rund 40 % Wählerstimmen für ihren „Führer“ …

Es ist eine sehr persönliche Inventur daraus geworden, mit der nötigen Härte gegen mich selbst und andere handelnde Personen. Nichts ist weichgespült, Täter werden nicht geschont. Dabei habe ich mich an einem therapeutischen Grundsatz orientiert: „Nenne Ross und Reiter!“

Damit geht das schmerzhafte Eingeständnis der Kapitulation einher. Das Eingeständnis, dass diese weltweit in verschiedenen ca. 27 Staaten zum Vorbild gemachte Utopie des Sozialismus über kurz oder lang überall gescheitert ist. Alle endeten in reinen Diktaturen.

Die Diktatur des Proletariats entartete in Wirklichkeit in eine Diktatur der Machthaber, die dem Individuum kaum Chancen auf freie Entfaltung ließ. Fast schon gesetzmäßig führte dies zu den unwürdigen Zuständen einer Mangelwirtschaft. Die menschlichen Unzulänglichkeiten der falschen Führer und die ökonomischen Unzulänglichkeiten des von blinder Ideologie getriebenen Systems führten in eine Sackgasse. Weil Theorie und Praxis auseinanderklafften, entstand eine revolutionäre Situation, die in Massenprotesten mündete. Diese Utopie kollabierte und ließ dem vierzig Jahre währenden Albtraum DDR ein verdientes Ende zukommen. Meine nicht endende Lebensaufgabe ist es, diese Brüche zu überwinden und daraus neue eigene Lebensenergie zu schöpfen.

Sicherlich ist die Leistungsgesellschaft à la USA oder Schweiz und der Bundesrepublik nicht die letzte Antwort auf das Zusammenleben von Menschen. Es handelt sich um Kapitalismus, aber in Form einer demokratischen Grundordnung und mit sozialem Sicherheitsnetz.

Bis heute anhaltend gibt es einen Abwärtstrend in Deutschland, bei dem sich die Diskrepanz zwischen Leistungswilligen und den Millionen Menschen der Empfängerseite immer weiter verstärkt. Meine Überlegung zurzeit ist wieder zurück in eine Schweizer Wohnung zu zügeln, die ich vierzehn Jahre sehr genossen habe. Die DDR ihrerseits ist abgebrannt und kommt hoffentlich in dieser oder in einer anderen Form nicht mehr wieder. Nicht zuletzt, um das sicherzustellen, ist diese – meine – Inventur unerlässlich.

Albtraum DDR

Das sind die geschichtlichen Meilensteine und Themen, um die sich die unsäglichen und märchenhaften Volkserzählungen ranken:

Beitrittsverhandlungen 1990

Die Treuhand hat den Osten platt gemacht

Stasispitzelgeschichten

Ja, wir hatten alle Arbeit und tolle Hausgemeinschaften

Gesundheitsversorgung mit den Polikliniken

Schulbildung war auf höchstem Niveau

Unsere Sportler brachten immer ihre Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympia nach Hause

Was bleibt: Lebensgeschichten erzählen und Lebensleistungen akzeptieren

Und trotzdem ist dieses „Zauberland“ nach einem 40-jährigen Schwelbrand abgebrannt. Deshalb hier meine persönlichen Anmerkungen dazu, die als Gegenrede verstanden werden dürfen. Ab der Stunde NULL im Jahr 1949 war niemals eine DEMOKRATIE in der DDR vorgesehen. Stalins Schüler aus Moskau enteigneten nach russischem Vorbild 1945 alle Großgrundbesitzer ohne Ersatzleistungen. Im Gegenteil: Über 40.000 Familienangehörige landeten in den noch vorhandenen KZ-Einrichtungen. 1949 kam dann die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED. Denn die Definition von Diktatur heißt „Einparteiensystem“. Sogenannte „Blockparteien“ vollzogen die Politik der SED, dann mit 98,85 % für die führende Partei.

Über den Autor

Udo Jeschke engagiert sich in der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, hält als Zeitzeuge Vorträge in Schulen und hat seine Lebensgeschichte in einem Buch niedergeschrieben. 2 1⁄2 Leben – Menschengeschenke: Ein bewegtes Leben zwischen Ost und West.

Udo Jeschkes Vater Richard wuchs in den Stadtteilen Moabit und Wedding auf. Als Jungkommunist führte er dort eine Widerstandsgruppe und war Waffenträger. Diesen Fakt bewunderte Udo Jeschke, es verlangte ihm größten Respekt und Achtung ab, berichtet er. Das väterliche Leben als Widerstandskämpfer führte allerdings auch dazu, dass Udo drei Halbschwestern hat.

1945 wurde der Vater von den Russen aus der Kerkerhaft in Plötzensee befreit. Die Sowjets schickten ihn noch im selben Jahr mit Wilhelm Pieck, dem ersten und einzigen Präsidenten der sowjetisch besetzten Zone (SBZ), in die Ostprignitz. Dort waren beide mit der Bodenreform betraut. „Junkerland in Bauernhand“ hieß die Kampagne nach Moskauer Prägung. 1945 war „ein russischer Schreibmaschinentext“ zur Übersetzung die Grundlage für den Gesetzesentwurf zur „Verordnung über die Bodenreform“ und damit 3,3 Millionen Hektar entschädigungslos zu enteignen. Eine ersatzlose Zwangsenteignung. Richard Jeschke wurde als Statthalter der Kreisstadt Kyritz eingesetzt. Makarov Pistole und „Pobeda“-Dienstwagen (GAZ-M20) gehörten zur Grundausstattung des neuen Machthabers sowjetischer Prägung, natürlich auch eine gute finanzielle Ausstattung.

In der Prignitz beginnt im November 1951 auch die Geschichte von Udo Jeschke. Dort lebte er mit einer Halbschwester und der Mutter Else, die noch aus Breslau vor den Russen geflüchtet war. Und noch dort wurde sein Bild vom „Heldenvater“ zerstört, da dieser mit den stalinistischen Sicherheitsorganen und den sowjetischen Kontrollkommissaren zusammenarbeitete und persönliche Vorteile daraus schöpfte. Zu gewissen Anlässen die Gerechtigkeit, der Ideologie sowie dem Machterhalt opferte. Es gab ein konkretes Ereignis, das seine Abkehr vom System auslöste. Es ist die Initialzündung seiner Renitenz, gewissermaßen sein politisches Erwachen.

„Meine politische Bildung hat mit zwölf Jahren angefangen“, beschreibt Udo Jeschke diese Erfahrung. In seinem Elternhaus in Kyritz wurde er Zeuge, wie ein Landtierarzt, der unter Alkoholeinfluss eine Frau totgefahren hatte, als inoffizieller Stasi-Mitarbeiter angeworben wurde und dafür mit einer lächerlichen Strafe davonkam. In diesem Moment sei er mit seinem „Heldenvater“ fertig gewesen, so Jeschke, der von sich sagt, in einem „Bonzenhaushalt“ aufgewachsen zu sein.

Udo Jeschke geriet erstmals in seiner Schulzeit mit dem DDR-Regime in Konflikt. Als 16-Jähriger wurde er einen Tag nach dem Truppeneinmarsch beim „Prager Frühling“ am 22. August 1968 verhaftet. Er hatte eine tschechische Fahne in der Öffentlichkeit gezeigt. Es folgt eine lange Liste von Repressalien. Diese endeten erst, als er 1988 aus der Haft von der BRD freigekauft wurde und in den Westen ausreisen durfte. Seine Frau und die beiden Söhne folgten im Zuge der Familienzusammenführung. Für ihn seien 96.000 DM gezahlt worden, für die Frau 40.000 DM und für jedes Kind 20.000 DM.

Auch bei seinen eigenen Kindern habe die politische Verfolgung Spuren hinterlassen. Udo Jeschke spricht von einem Trauma und einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dieser Nachweis obliegt allerdings den Opfern. Und weil das so schwierig ist, würden laut Opferverband neun von zehn Anerkennungsanträgen abgelehnt. Sein jüngerer Sohn sei bereits mit 41 Jahren gestorben. Das war 2019. Jeschke erzählt, wie seine Söhne ganz bewusst hätten mit ansehen müssen, wie die Mutter und er von der Stasi im Auto weggebracht wurden.

Im Westen begann das „zweite“ Leben des heute 73-Jährigen. Das weitere „halbe“ Leben, auf das der Buchtitel seiner Lebenserinnerungen abzielt, betrifft seinen 14-jährigen Aufenthalt in der Schweiz. Der endete 2016. Seitdem wohnt Jeschke in Berlin-Spandau.