Alpengold 373 - Kathi Bernried - E-Book

Alpengold 373 E-Book

Kathi Bernried

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Beschreibung

Ein einziger Blick in die leuchtendblauen Mädchenaugen genügt, und es scheint Peter Gasteiner, als schwebe er auf Wolken dahin, als leuchteten die Sterne nur für ihn und die bildschöne fremde Sennerin.
Und die Bärbel scheint seine Gefühle zu erwidern. Ja, diese laue Sommernacht ist wie geschaffen für zwei junge Menschen, um sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen.
In diesen Stunden höchster Seligkeit denkt Peter nicht einen Augenblick daran, dass zu Hause bereits ein Mädchen auf ihn wartet. Ruth Pollichter hat sein Wort, und sie wollen in wenigen Wochen heiraten ...

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Seitenzahl: 98

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Weil die andere schöner war

Vorschau

Impressum

Weil die andere schöner war

Eifersucht macht zwei Madln zu Feindinnen

Von Kathi Bernried

Ein einziger Blick in die leuchtendblauen Mädchenaugen genügt, und es scheint Peter Gasteiner, als schwebe er auf Wolken dahin, als leuchteten die Sterne nur für ihn und die bildschöne Sennerin.

Und Bärbel scheint seine Gefühle zu erwidern. Ja, diese laue Sommernacht ist wie geschaffen für zwei junge Menschen, um sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen.

In diesen Stunden höchster Seligkeit denkt Peter nicht einen Augenblick daran, dass zu Hause bereits ein Mädchen auf ihn wartet. Ruth Pollichter hat sein Wort, und sie wollen in wenigen Wochen heiraten ...

Es war ein warmer, wunderschöner Sommer gewesen. Die Ernte aus Feld und Garten füllte Scheuern und Keller.

Dieser Sonntag war ganz besonders schön. Die Sonne ließ die schon bunten Blätter der Bäume in einem goldenen Licht erstrahlen. Die Nadeln der Lärchen bekamen buttergelbe Spitzen.

Am Stammtisch beim Ranzenwirt in Hallthurm waren alle Bauern versammelt, die Almvieh auf den Hochweiden des Lattengebirges rund um die »Schlafende Hexe« hatten.

»Ein verlässlicheres Zeichen gibt's einfach nicht, Leute. Werden die Lärchen gelb, kommt der Schnee. Das Vieh muss heim.«

Diese Ansicht setzte sich schnell durch. So wurde der Zeitpunkt, an dem die Herden ins Tal getrieben werden sollten, schnell festgelegt.

Die Anwesenden einigten sich auf den übernächsten Freitag. Dann blieb am Samstag Zeit, den Abtrieb zu feiern und den Almtanz abzuhalten, wie es Sitte war.

Felix Gasteiner vom Gasteinerhof und Firmin Pollichter vom Pollichterhof saßen nebeneinander. Seit vielen Generationen herrschte zwischen den Nachbarnhöfen gute Nachbarschaft. Und in absehbarer Zeit sollte aus der Nachbarschaft ein noch engeres Verhältnis werden.

Bisher war es stets so gewesen, dass beide Höfe Erben hatten. Jetzt hatte der Bauer des Gasteinerhofes einen Sohn und der des Pollichterhofes konnte mit einer Tochter dienen.

Beiden Bauern war so gut wie gleichzeitig die Idee gekommen, die beiden Höfe zusammenzulegen. Sie ergaben zusammen einen Besitz, wie er weder im Rupertiwinkel noch sonst wo im Land ein zweites Mal zu finden war. Die Vorstellung davon begeisterte den Felix und den Firmin.

Peter, der Jungbauer vom Gasteinerhof, hatte nichts dagegen, Ruth Pollichter zu heiraten, und Ruth fand kein einziges Widerwort, als die Eltern ihr den Plan erklärt hatten. Um nichts auf der Welt hätte sie zugegeben, dass ihr auf diese Weise ein Kindheitstraum erfüllt wurde. Wenn sie an ihre Zukunft dachte, spielte Peter Gasteiner stets eine sehr große Rolle darin.

Jetzt, beim Ranzenwirt in der Gemeinschaft mit den Almbauern, prosteten Felix Gasteiner und Firmin Pollichter einander zu.

»Auf dein Wohl, Felix!«

»Auf deine Gesundheit, Firmin, und auf das, was wir lieben und vorhaben. Wohl bekomm's!«

»Meinst du nicht auch, wir sollten's so langsam offiziell machen, Firmin?«

»Das mit unseren Kindern?«, wollte der Bauer vom Pollichterhof wissen.

»Genau.«

Die beiden tranken sich noch einmal zu.

»Das Christfest wäre ein gutes Datum für die Ankündigung der Verlobung«, sagte Felix mit einem glücklichen Lächeln.

»Hm, und die Hochzeit würde dann zwischen Ostern und Pfingsten gefeiert. Wäre dir das recht?«

»Natürlich«, stimmte Felix Firmins Vorschlag zu.

Sie brachen als Erste von der Runde auf. Firmin Pollichter lud seinen Freund Felix zum Mittagessen ein.

»Bei uns gibt's Schweinsbraten mit Knödeln und Kraut. Den Peter kannst du gleich anrufen, dass der auch kommt.«

Für Firmin war das kein Problem. Er hatte eine Familie und eine Frau, die den Haushalt in hervorragender Weise organisierte.

Felix Gasteiner hingegen war schon lange Witwer. Die Haushälterin Vroni leitete den Haushalt auf dem Gasteinerhof. Sie machte das ausgezeichnet. Vroni hatte einen sogenannten Ziehsohn mitbringen dürfen, von dem die Leute nicht recht wussten, ob er nun Vronis Neffe oder der eigene Sohn war.

Vroni und ihr Neffe ahnten von dem Gerede nichts. An diesem Sonntag hatte Fritzi seine Pflicht als Messdiener schon in aller Frühe erfüllt.

Jetzt hockte er auf der breiten Fensterbank in der Küche und beobachtete den Weg. Was er sah, berichtete er in sehr anschaulicher Weise.

»Jetzt sind die zwei, der Nachbar vom Pollichterhof und unser Bauer, am Grenzweg. Ei, unser Bauer geht mit zum Nachbarn. Das heißt, da gibt's bestimmt ein Sonntagsessen.«

Fritzi war ein aufgeweckter Junge von knapp elf Jahren. Unter meist struppigen dunkelbraunen Haaren zeigte sich ein rundes Lausbubengesicht. Um die Augen, auf der Stirn und auf der Nase zierten es zahllose Sommersprossen.

Vroni, eine schlanke Frau von Ende dreißig, bereitete das Mittagessen vor. Sie hatte ein klares Gesicht und einen ausgesprochen hübschen, herzförmigen Mund.

»Du musst dir nicht allzu viele Sorgen um deine Umwelt machen«, mahnte Vroni ihren Neffen.

Sie war entschlossen, in der Erziehung des Jungen nichts zu versäumen. Daher tadelte sie ihn lieber einmal zu viel als zu wenig.

Das Telefon schrillte.

»Nimmst du ab und fragst, wer was von uns will?«, fragte sie den Neffen.

»Das wird der Küster sein, um mir noch etwas wegen der Messe nächste Woche zu sagen«, nahm Fritzi an.

Es war aber nicht der Küster, sondern der Bauer vom Gasteinerhof. Fritzi hielt den Hörer hoch.

»Er kommt nicht zum Essen, sagt er, aber er möchte dich trotzdem noch mal sprechen. Nimm schon, Tante.«

Vroni nahm den Hörer in die Hand und meldete sich.

»Nein, das macht überhaupt nichts, Bauer. Ich kann einfrieren, was ich heute gekocht habe. Ja, dem Peter sag ich gleich Bescheid. Ich wünsche noch einen schönen Tag.«

Damit hängte Vroni ein. Sie lächelte, und das verlieh ihrem Gesicht einen hübschen Ausdruck. Das hatte Fritzi schon des Öfteren bei der Tante wahrgenommen, wenn sie nach einem Gespräch mit dem Hofbauern wieder zurückkam.

»Geh und sag dem Peter Bescheid«, bat sie den Fritzi. »Sag ihm, er möchte zum Pollichterhof hinüberkommen. Er ist zum Mittagessen eingeladen, genauso wie sein Vater.«

»Sofort, Tante.«

Fritzi rutschte von der Fensterbank. Er wusste genau, dass die Tante Vroni es mochte, wenn er ihre Anweisungen befolgte.

***

Kaum war Fritzi fort, betrat Kuno Grimm die Küche. Der Kuno war Großknecht auf dem Gasteinerhof. Ein tüchtiger Mann, wenn es um die Landwirtschaft ging. Doch für Vronis Geschmack hätte er seine Hände ruhig mehr bei sich behalten können.

Sie hatte den Großknecht nicht gehört. Dafür spürte sie seine kräftige Hand umso deutlicher auf ihren Hüften. Vroni wusste genau, wer da hinter ihr stand. War es nun einfacher Reflex oder gezielte Absicht, was sie zu der folgenden Handlung trieb? Jedenfalls klatschte es ziemlich heftig, als ihre rechte Hand auf der Wange des Mannes landete, der sie eben noch berührt hatte.

»Verzeihung«, sagte sie und tat so, als bedauere sie den heftigen Schlag.

Der Mann rückte seinen Hut gerade, der durch die Wucht der Ohrfeige ein wenig zur Seite gerutscht war. Er stützte die Arme rechts und links auf den Herdstangen neben der Frau ab.

»Da kommst du nicht heraus, es sei denn, du zahlst meinen Preis.«

»Und der wäre?«

»Zwei Busserln«, erwiderte er mutig.

Vroni blickte dem Kuno in die Augen. Dass der Knecht leicht schielte, war ihr nicht neu. Sie wusste, dass Felix Gasteiner große Stücke auf ihn hielt.

»Lass mich los«, verlangte Vroni schroff.

Kuno Grimm lachte wie jemand, der seiner Sache besonders sicher ist.

»Da müsste ich ja schön dumm sein. Gib mir zwei Busserln, und du kannst deiner Wege gehen.«

Aber die Wirtschafterin Vroni wusste eine andere Lösung.

»Ich sage es dir jetzt noch einmal. Lass mich los, oder es wird dir noch leidtun.«

Ihre Augen funkelten dabei derart gefährlich, dass Kuno Grimm annahm, sie habe etwas ganz besonders Wildes vor.

»Eins ... zwei ...«, begann die Wirtschafterin zu zählen.

Der Großknecht ließ es nicht darauf ankommen, dass Vroni auch noch die dritte Zahl aussprach, und nahm die Hände wieder von der Herdstange.

»Weil ich ein so gutes, sauberes Herz hab, kommst du mir immer wieder aus«, sagte er in einem Anfall von Selbstlob. »Darf ich dir dann wenigstens bei Tisch Gesellschaft leisten, wo doch der Felix nicht heimkommt, wie ich eben gehört habe?«

Dagegen ließ sich wohl kaum etwas sagen, denn die beiden aßen ja immer am gleichen Tisch.

»In Ordnung. Vorausgesetzt natürlich, dass du nicht versuchst, mit mir zu fußeln.«

»Kann ich etwas dafür, dass du mich allweil reizt?«, meinte der Großknecht grinsend. »Im Ernst, Vroni, wenn du nicht immer so abweisend wärst, könnten wir längst glücklich verheiratet sein. Aber das weißt du bestimmt auch.«

Vroni brachte sich mit einigen schnellen Schritten außer Reichweite des Großknechts. Deshalb lenkte sie Kuno Grimm aber noch lange nicht von seinem Lieblingsthema ab: die Heirat. Damit verfolgte der Großknecht die Wirtschafterin schon, seit sie auf diesem Hof lebte.

Doch jetzt kam der Jungbauer Peter Gasteiner in die Küche, um Bescheid zu sagen.

»Ich geh dann zu den Nachbarn hinüber. Ich wünsche euch einen schönen Tag.«

Aus seiner Zuneigung für die Vroni hatte Kuno Grimm nie ein Hehl gemacht. Er hatte eine Flasche Obstschnaps aus dem Schrank geholt und stellte zwei Gläser auf den Tisch. Dann setzte er sich auf einen Stuhl.

»Wir könnten's so gut haben, wir zwei«, begann er. »Wenn du nur nicht immer dem falschen Mann schöne Augen machen würdest.«

Kuno Grimm bezichtigte die Wirtschafterin immer wieder, sie habe ganz spezielle Pläne mit dem Hofbauern Felix Gasteiner.

Vroni stampfte entrüstet mit dem Fuß auf.

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass von deinen Vermutungen und Verdächtigungen nix stimmt?«

»Ich weiß, was ich weiß«, sagte der Großknecht überlegen und schenkte sich ein Glas Obstler ein. »Prosit, Vroni! Magst du auch einen?«

»Nein, und so früh am Tag schon mal gar nicht. Hör zu, Kuno: Entweder du hörst auf mit deinen Anzüglichkeiten, oder ich esse heute allein mit dem Fritzi.«

Kuno Grimm schüttelte den Kopf.

»Aber, aber, Vroni, wer wird denn gleich so böse sein?«

Fritzi hatte sich auch wieder in der Küche eingefunden. Doch er drückte sich in die äußerste Ecke. Zwischen dem Kuno und ihm herrschte so etwas wie dauernder Kriegszustand.

Daran war weniger die Stimmungslage des Großknechts Schuld, als vielmehr Fritzis dauernde Neigung, Streiche zu spielen, bei denen die betroffenen Personen meistens zu Schaden kamen.

Mit ausgesprochener Genugtuung erinnerte sich Fritzi zum Beispiel an die Geschichte mit dem neuen Hebebaum. Der war am Scheunendach angebracht worden, führte aber schräg über den riesigen Misthaufen des Hofes.

Felix Gasteiner selber hatte dem Fritzi aufgetragen, das Seil, mit dem der Hebebaum in Gang gebracht wurde, mit Wachs einzureiben, damit es geschmeidig wurde.

Fritzi hatte nicht an Wachs gespart, doch hatte er wohl des Guten ein wenig zu viel getan. Das Seil war zu gängig geworden, und als Kuno Grimm daran gehangen hatte, um die Belastbarkeit des Zughakens zu prüfen, war das Seil durchgerollt, und der Großknecht war mitten in die Mistlake gefallen.

Er hatte natürlich dementsprechend ausgesehen und entsetzlich gestunken, als er wieder auf neutralem Boden gestanden hatte.

»Du«, hatte Kuno den Fritzi angeschrien. »Eines Tages erwische ich dich, und dann kriegst du dafür die Quittung.«

Er hatte also gewusst, wem er dies Unglück zu verdanken hatte, doch man hatte dem Fritzi leider nichts nachweisen können.

So hatte Kuno auch noch die Kränkung hinnehmen müssen, dass niemand zu ihm gehalten hatte.

Sogar Felix Gasteiner, der doch sonst meist mit seinem Großknecht einer Meinung war, hatte den Jungen in Schutz genommen.

»Das kannst du dem Fritzi nun wirklich nicht ankreiden, Kuno, denn das hast du deinem eigenen Missgeschick zu verdanken. Dusch dich ab und vergiss den Fall.«

Da die Geschichte nur eine von vielen war, hatte der Kuno es recht schwer, die Sache wirklich zu vergessen.

Dass der Großknecht im Hinblick auf die Vroni weit mehr anstrebte als nur ein gutes Verhältnis unter Arbeitskameraden, war dem hellen Fritzi durchaus kein Geheimnis. Und er äußerte auch ungefragt seine Meinung zu diesem Punkt.

»Mit dem Kuno passt so eine wie du nicht zusammen, Tante Vroni. Du bist für den viel zu schön. Sieh ihn dir doch nur an, den Grimm. Ein Krummstiefel ist er, und schielen tut er auch noch.«