Alpengold 473 - Kathi Bernried - E-Book

Alpengold 473 E-Book

Kathi Bernried

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Beschreibung

Birte Grabe wächst als Tochter einfacher Bauern auf - schön, klug, ehrgeizig und voller Sehnsucht nach einem Leben jenseits des kleinen Dorfes. Ihre Mutter glaubt an ihren Aufstieg, ihr Vater warnt sie vor Enttäuschungen. Doch Birte träumt weiter, vor allem seit der junge Gutsherr Ansgar von Hohnholz ihr sein Herz zu schenken scheint. Zwischen Schulbank und Schneefeldern erlebt Birte zum ersten Mal das berauschende Gefühl, geliebt zu werden. Ansgar überhäuft sie mit Zärtlichkeiten, Versprechen und Zukunftsplänen - und Birte hält es für ihr größtes Glück. Blind vor Liebe übersieht sie die Warnungen ihres standhaften Verehrers, des Tierarztes Benno Mayer, und auch die Zweifel ihres Vaters. Doch je weiter Ansgar sie in seine Welt lockt, desto deutlicher spürt Birte, dass hinter seinen Worten Schatten liegen. Für eine Umkehr ist es allerdings zu spät ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Zu gutgläubig für sein Spiel

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Zu gutgläubig für sein Spiel

Vertrauen, Verrat und der schwere Weg zurück ins Leben

Von Kathi Bernried

Birte Grabe wächst als Tochter einfacher Bauern auf – schön, klug, ehrgeizig und voller Sehnsucht nach einem Leben jenseits des kleinen Dorfes. Ihre Mutter glaubt an ihren Aufstieg, ihr Vater warnt sie vor Enttäuschungen. Doch Birte träumt weiter, vor allem, seit der junge Gutsherr Ansgar von Hohnholz ihr sein Herz zu schenken scheint.

Zwischen Schulbank und Schneefeldern erlebt Birte zum ersten Mal das berauschende Gefühl, geliebt zu werden. Ansgar überhäuft sie mit Zärtlichkeiten, Versprechen und Zukunftsplänen – und Birte hält es für ihr größtes Glück. Blind vor Liebe übersieht sie die Warnungen ihres standhaften Verehrers, des Tierarztes Benno Mayer, und auch die Zweifel ihres Vaters.

Doch je weiter Ansgar sie in seine Welt lockt, desto deutlicher spürt Birte, dass hinter seinen Worten Schatten liegen. Für eine Umkehr ist es allerdings zu spät ...

»Tschüss, Mutti, auf Wiedersehen, Vater.« Birte nahm ihre Tasche und verließ das Haus.

»Servus, mein Kind«, gab Alma Grabe ihrer Tochter mit auf den Weg.

»Solch ein Blödsinn«, knurrte Ewald Grabe. Er saß noch am Frühstückstisch und löffelte seine Milchsuppe. Um diese Jahreszeit konnte ein Bauer es sich schon einmal erlauben, ein bisschen herumzutrödeln. Das Vieh war gefüttert, die Kühe gemolken. Auf den Äckern gab es nichts zu tun, denn der Boden war gefroren und mit einer Schneeschicht bedeckt.

»Was ist Blödsinn?« Seine Frau drehte sich um.

»Na, alles! Warum fährt unsere Birte in die Stadt und besucht eine Fachschule? Das kostet nur unnütz Geld und bringt nichts ein.«

Alma Grabe stemmte resolut die Hände in die Hüften und funkelte ihren Mann an. Sie war ihm mit der Zunge schon immer überlegen gewesen. So war es auch jetzt.

»Ich will dir mal etwas sagen, Ewald! Heutzutage kann man nicht genug lernen. Unsere Birte ist intelligent und begabt, das hat uns der Dorfschullehrer damals, als sie noch hier zur Schule gegangen ist, oft bestätigt. Vor Jahren hast du deinen Willen durchgesetzt und das Kind nicht auf die Stadtschule geschickt, damit es sein Abitur machen konnte. Jetzt war ich am Zuge. Birte bleibt auf der landwirtschaftlichen Schule, bis sie ihren Abschluss gemacht hat! Sie braucht die Kenntnisse und die Bildung. Sie kommt sicher einmal in höhere Kreise!«

Der Bauer lachte laut und höhnisch auf.

»Du machst Birte ja reinweg närrisch mit deinen Ideen. Sie ist eine Bauerntochter und wird es auch bleiben. Aber Hochmut kommt vor dem Fall, das solltest du nicht vergessen.«

Alma Grabes Augen funkelten noch mehr.

»Willst du abstreiten, dass sie Verehrer hat, von denen andere Mädchen noch nicht einmal zu träumen wagen?«

»Oh, Alma, was bist du nur für eine Frau!« Ewald Grabe schüttelte den Kopf. »Meinst du wirklich, auch nur einer von den feinen Herren würde unsere Tochter heiraten? Sie wollen sich doch alle nur mit Birte amüsieren.«

»Willst du damit etwa sagen, dass unsere Birte ... ein leichtes Mädchen ist?«

»Natürlich nicht, aber ich sehe es nicht gern, wenn sie sich mit den feinen Herren abgibt. Dabei kann nichts gescheites herauskommen«, erwiderte der Bauer ein wenig verlegen.

»Sie lernt nur von ihnen«, erklärte seine Frau zornig.

»Ha!« Ewald Grabe lachte hart und trocken. »Was wohl?«

Seine Frau wandte sich unwillig um.

»Mit dir ist eben nicht zu reden«, sagte sie und hantierte dann weiter am Herd.

Ewald Grabe löffelte schweigend seine Suppe.

***

Unterdessen eilte Birte leicht und beschwingt von ihrem Elternhaus zum Bahnhof. Sie spürte die Kälte nicht, die ihr in die Wangen kniff. Sie war mit sich und der Welt zufrieden.

Seit einem Jahr durfte sie wieder zur Schule gehen und lernen. Sie wusste, dass sie ihrer Mutter auf dem Hof fehlte, und war darum doppelt dankbar für deren Entgegenkommen.

Sie war in fast allen Fächern die beste Schülerin und hatte noch freiwillig einen Englischkursus belegt. Der Sprachunterricht machte ihr am meisten Freude.

Birtes Gedanken schweiften ein wenig weiter voraus. Um zwei Uhr war heute Schulschluss; zwei Stunden später begann erst der Englischunterricht. Ansgar hatte ihr versprochen, an der Schultür zu stehen und in der Zwischenzeit mit ihr ins Café zu gehen. Diese Aussicht beglückte sie sehr.

Da hielt neben ihr ein Auto. Sie hatte es gar nicht kommen hören, weil sie gar so sehr mit ihren glücklichen Gedanken beschäftigt gewesen war.

»Guten Morgen!«, rief ihr eine Männerstimme herzlich zu.

»Guten Morgen«, gab Birte zugeknöpft zurück. Der junge Tierarzt fiel ihr allmählich durch die Hartnäckigkeit, mit der er sie verfolgte, auf die Nerven.

Birte hätte nicht sagen können, warum ihr Ansgar von Hohnholz so viel besser gefiel. Imponierte ihr Ansgars ausgesprochene Eleganz, sein sicheres Auftreten? Oder lag es daran, dass der junge Gutsherr so gut tanzte?

Neben ihm wirkte der Tierarzt beinahe plump und unbeholfen.

»Ich fahre in die Stadt. Steigen Sie ein, ich nehme Sie mit«, bot er freundlich an und öffnete die Wagentür.

Birte zögerte ein bisschen. Es war verlockend, auf so bequeme Art und Weise zur Schule zu kommen. Auf der anderen Seite fürchtete sie jedoch, Ansgar könne davon erfahren und eventuell falsche Schlüsse ziehen.

Dann siegte jedoch der Wunsch, schnell und bequem in die Stadt zu kommen. Sie stieg mit anmutigen Bewegungen in den Wagen. Dr. Benno Mayer schloss höflich die Tür und lachte sie an.

»Ich hätte nicht geglaubt, heute in so reizender Begleitung zur Stadt fahren zu können«, sagte er.

Birte lächelte etwas gezwungen. Sie war davon überzeugt, dass der Tierarzt genau gewusst hatte, wann er sie auf dem Weg zum Bahnhof traf.

»Wie geht's Ihnen?«, wollte er jetzt wissen.

»Seit vorgestern nicht schlechter«, gab Birte ein bisschen belustigt zurück.

Er wurde ein wenig verlegen. Er erinnerte sich daran, dass er sie auch vorgestern mit zur Stadt genommen hatte, weil er ganz »zufällig« dort etwas zu besorgen gehabt hatte.

»Ich habe vor zwei Tagen den Herrn, den ich sprechen wollte, nicht angetroffen.« Es sollte wohl eine Erklärung dafür sein, dass sie nun schon wieder in seinem Auto saß.

Birte zuckte ein wenig gleichmütig die Schultern. Ihre Gedanken flogen zu Ansgar. Wie sie sich auf das Wiedersehen mit ihm freute!

Dr. Benno Mayer fuhr zwar zügig, aber er raste nicht. Verschneite Felder, Wälder und vereinzelte Häuser ließen sie hinter sich zurück.

»Demnächst ist Feuerwehrball«, sagte der Tierarzt.

»Ich weiß.«

»Kommen Sie auch?« Das klang so eifrig, dass Birte ein wenig amüsiert lächelte. Sie fühlte sich geschmeichelt. Ansgar war offenbar viel daran gelegen, dass sie mit zum Ball kam – dem jungen Tierarzt auch! Sie hätte also gleich zwei Kavaliere haben können! Und kaum eine ihrer Schulfreundinnen würde so wählen können.

»Ja, aber ich bin schon verabredet.«

Der Wagen ruckte. Wahrscheinlich hatte Dr. Benno Mayer aus Versehen ein wenig auf die Bremse getreten.

»Ich verstehe«, meinte er enttäuscht.

»Wir können doch trotzdem miteinander tanzen«, sagte sie tröstend, weil er ihr plötzlich leidtat.

»Danke, ich weiß noch nicht, ob ich kommen werde.«

Sie erreichten die ersten Häuser der Stadt. Der Arzt musste auf den Verkehr achten.

»Hoffentlich hält das klare Frostwetter noch an«, sagte Birte, um das jetzt lastende Schweigen zwischen ihnen zu durchbrechen. Sie ertrug es nicht, wenn ihretwegen jemand verstimmt war.

Sie standen an einer Kreuzung. Dr. Benno Mayer wandte Birte sein Gesicht zu und lächelte.

»Ich denke doch«, sagte er.

Birte atmete erleichtert auf. Sie hatte schon geglaubt, er sei eingeschnappt, weil sie zusammen mit Ansgar den Feuerwehrball besuchen wollte. Aber er schien ein freundlicher Mensch zu sein. Schlecht gelaunt kannte sie ihn eigentlich gar nicht.

Benno hielt direkt vor der Schule. Es war reichlich früh. Birte hätte eigentlich noch nicht hineinzugehen brauchen. Beim letzten Mal hatte der junge Tierarzt sie in ein Gespräch verwickelt; das tat er heute auch.

»Sie gehen gern zur Schule, nicht wahr?«, erkundigte er sich.

»Ich bin dankbar, noch hinzulernen zu können«, sagte Birte ernst.

»Das kann ich verstehen. Mir ging es ähnlich. Aber ich glaube, wir teilen unsere Ansicht nicht mit vielen anderen Menschen.«

»Das ist schon möglich.«

»Welche Fächer liegen Ihnen denn am meisten?«

Birte sagte es ihm, aber sie hatte das Gefühl, dass er sie möglichst lange in ein Gespräch verwickeln wollte, um mit ihr zusammen zu sein.

Benno räusperte sich plötzlich. Seine Hände umklammerten das Lenkrad, dann ruckte sein Kopf zur Seite.

»Birte ... Sie bedeuten mir sehr viel«, stieß er mit etwas heiserer Stimme hervor.

Sie zuckte unangenehm berührt zusammen. Mit einem Liebesgeständnis hatte sie wahrlich nicht gerechnet. Es kam für sie völlig überraschend.

»Ich weiß ... ich hab kein Recht, so zu sprechen, aber ich denke Tag und Nacht an Sie ... und mache mir Sorgen um Sie!«

»Warum? Das – das ist völlig unnötig!« Birte war befangen. Sie fühlte, dass Benno Mayer es ehrlich meinte, und es tat ihr leid, ihn vor den Kopf stoßen zu müssen.

»Ich glaube nicht ... Birte! Ansgar von Hohnholz ist ein unzuverlässiger Mensch. Ich befürchte, er spielt nur mit Ihnen.«

Da reichte es Birte. Sie war geduldig und langmütig, aber sie ließ ihren Liebsten nicht beleidigen.

»Wenn Sie mich nur mitgenommen haben, um Ansgar zu verleumden, will ich Sie in Zukunft niemals wiedersehen«, stieß sie hervor. Sie zitterte vor Empörung und konnte nicht schnell genug die Wagentür öffnen. Dann stieg sie aus, ohne ihm zu danken oder auf Wiedersehen zu sagen, und schmetterte die Tür heftig ins Schloss.

»So eine Gemeinheit, solch eine Unverschämtheit«, murmelte sie, als sie auf das Schulgebäude zustürmte. Sie bemerkte gar nicht, dass er ihr mit einem traurigen Blick nachsah, bevor er den Motor anließ.

In der Schule war Birte heute nicht so konzentriert wie sonst. Sie musste immerzu an die letzte Phase der unerfreulichen Begegnung mit Benno Mayer denken. Ob er wohl dachte, sie könnte ihn lieben, wenn er die Unverschämtheit besaß und Ansgar verleumdete?

Himmel, sollte er sich doch zum Teufel scheren! Sie war aus lauter Gutmütigkeit immer nett und freundlich zu ihm gewesen, weil sie natürlich geahnt hatte, dass sie ihm nicht gleichgültig war. Wenn er jedoch ihr Entgegenkommen so auslegte, war er für sie für alle Zeiten erledigt.

Birte war heute froh, als das letzte Läuten zum Schulschluss ertönte. Sie war eine der ersten, die das Gebäude verließ – und wurde bitter enttäuscht.

Ansgar stand nicht, wie verabredet, am Tor!

»Erwartest du jemanden?«, fragte eine Mitschülerin im Vorübergehen, als Birte schon geraume Zeit vergeblich Ausschau hielt.

»Ja«, antwortete sie kurz. Sie war schon entschlossen, wieder zurückzugehen, als neben ihr ein roter Sportwagen hielt und Ansgar mit lachendem Gesicht ausstieg.

»Hey, Birte, da bist du ja schon!«, sagte er, als sei es ganz normal, dass er erst jetzt kam.

»Schon ist gut«, erwiderte Birte. Gleichzeitig schlug ihr Herz wieder einmal oben im Hals.

Ansgar sah großartig aus. Er trug einen eleganten Wintermantel und einen Kaschmirschal. Wenn er ihr wie jetzt zulachte, schmolz der aufgestaute Groll über sein Zuspätkommen nur so dahin.

»Wieso, Süße? Wir waren doch um vierzehn Uhr dreißig verabredet«, sagte er mit unschuldigem Gesicht und schaute auf die Uhr an seinem Handgelenk. »Jetzt bin ich genau zwei Minuten zu spät dran. Deswegen wirst du mir doch hoffentlich keine Szene machen.«

Birte war einen Moment unsicher. Sollte sie sich so ungenau ausgedrückt haben? Das war eigentlich unmöglich.

»Ich habe um zwei Uhr Schulschluss!«

»Was – schon um zwei? Wie komme ich dann auf halb drei?«

»Das ist mir auch ein Rätsel«, sagte Birte vorwurfsvoll. »Nun haben wir eine halbe Stunde weniger Zeit.«

»Das ist bitter, Kleines. Aber wir wollen sie umso gründlicher nutzen.« Er legte seinen Arm um ihre schmalen Schultern und drückte sie zärtlich an sich. Birte durchrieselte ein warmer Strom. »Komm, gib mir deine Tasche. Wir werfen sie ins Auto.«

Birte tat es. Sie hängte sich willig bei ihm ein, als er ihr seinen Arm bot. Sie fühlte sich an seiner Seite glücklich und geborgen.

Später führte Ansgar sie in ein Café. Sie fanden eine Nische, in der sie ungestört saßen.

Hier küsste er sie so leidenschaftlich, dass ihr fast schwindlig wurde.

»Mein Gott, hab ich mich nach dir gesehnt!«, sagte er dann. Aller Groll war in Birte längst dahingeschmolzen.

»Ich auch«, gab sie leise zu und senkte dabei den Kopf.

»Du bist wunderschön, Birte«, schwärmte der junge Gutsherr und schaute auf ihre stolze Nackenlinie, auf das silberblonde, naturgewellte Haar. »Ich kenne kein Mädchen, das es nur annähernd mit dir aufnehmen kann.«

Birte stieg ein liebliches Rot in die Wangen.

Und als Ansgar sie nun berührte, fuhr es ihr wie ein elektrischer Strom durch den ganzen Körper.

Eine Serviererin kam. Birte war sehr verlegen, Ansgar amüsierte sich darüber. Er gab die Bestellung auf.

»Ich möchte dich heiraten, Birte«, raunte er ihr dann mit heiserer Stimme zu.

»Heiraten ... du ... mich?« Erst jetzt wurde es Birte klar, dass sie es nicht gewagt hatte, diese Möglichkeit in Erwägung zu ziehen. Sie war schließlich die Tochter eines einfachen Bauern, Ansgar dagegen der Sohn eines Gutsbesitzers.

»Ja, warum? Willst du mich etwa nicht?«, neckte er sie.

Wieder erglühte Birte unter seinem Blick.

»Natürlich, wie kannst du nur so etwas denken. Nur ... was werden deine Eltern dazu sagen?«

»Sie werden von einer Schwiegertochter wie dir begeistert sein.«

Birte konnte es nicht recht glauben.

»Wissen sie schon von mir?«, fragte sie vorsichtig.

»Bis jetzt noch nicht; aber was nicht ist, kann natürlich noch werden.« Er schien nachzudenken. »Ich hab da eine Idee.«

»Welche?«

»Ich mache dich zunächst einmal mit anderen Verwandtschaftsmitgliedern bekannt. Da meine Eltern sehr familienbewusst sind, werden sie dich garantiert mit offenen Armen aufnehmen, wenn es vordem bereits meine liebe Verwandtschaft getan hat.«

»Wie willst du das anstellen?«

»Ich werde darüber nachdenken.«

»Oh, Ansgar«, flüsterte Birte selig. Sie würde Ansgars Frau werden und täglich mit ihm zusammen sein. Sie würde seine Kameradin, die Mutter seiner Kinder werden. Gab es auf der Welt etwas Schöneres? Birte hätte vor Glück weinen mögen.

»Du wirst bestimmt die schönste Frau von Hohnholz, die später in unserer Ahnengalerie hängen wird«, flüsterte ihr Ansgar ins Ohr – und erinnerte sie jäh daran, dass sie nur eine einfache Bürgerliche war.

Birte schreckte heftig zusammen.

»Mein Gott, Ansgar! Es ist alles so unfassbar«, flüsterte sie. »Ich kann es im Grunde genommen nicht glauben, dass du mich heiratest.«

»Glaubst du, ich spiele nur mit dir?«, sagte er entrüstet.

Birte senkte den Kopf. »Natürlich nicht, aber du bist von Adel ...«

»Adel«, lachte Ansgar. »Was bedeutet das in der heutigen Zeit noch?«

Birte konnte in sein Lachen nicht einstimmen, weil sie daran dachte, wie ehrfurchtsvoll die Leute sprachen, wenn sie etwas von »denen aus dem Herrenhaus« berichteten. Ansgar und seine Familie waren die Herrschaften, sie und ihre Eltern dagegen nur einfache Leute.

»Mach dir doch über so närrische Dinge keine Gedanken, Birte. Das ist das Lächerlichste, was du nur tun kannst«, flüsterte Ansgar wieder in ihr Ohr. »Du wirst meine Frau, die schönste, entzückendste und anmutigste Frau, die ich kenne.«

Birte ließ sich von seinen Worten einlullen.

Später aß sie mit größtem Appetit ein Stückchen Erdbeertorte mit Schlagsahne.

Sie machten Zukunftspläne.

»Wann werden wir uns verloben? Ich möchte meine Eltern darauf vorbereiten«, sagte Birte.

»Ich schätze zu Ostern. Auf jeden Fall werde ich eine Zusammenkunft mit meiner Verwandtschaft arrangieren, das halte ich für wichtig.«

Birte nickte ihm vertrauensvoll zu. Aber sie ahnte nun, dass Ansgar doch einige Schwierigkeiten mit seinen Eltern befürchtete. Wie hätte es auch anders sein können? dachte sie traurig.

Die kurze Zeit verging viel zu schnell. Ansgar brachte sie wieder zur Schule.

»Ich mache jetzt noch verschiedene Einkäufe und hole dich dann ab.«

Birte musste wieder eine Viertelstunde warten, bis Ansgar auftauchte. Bevor sie noch etwas sagen konnte, drückte er ihr ein Päckchen in die Hand.

»Ich bin untröstlich, Kleines, aber bis ich das Richtige für dich fand, verging eben viel Zeit. Daher hab ich mich verspätet.«

»Ansgar, du sollst mir nichts schenken«, protestierte sie.

»Darf dir dein zukünftiger Mann nicht mal eine kleine Freude bereiten?«