Alpengold 449 - Kathi Bernried - E-Book

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Kathi Bernried

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Beschreibung

Auf dem Mooslehen, einem kleinen Pachthof, steht die Familie Feichtl vor dem Zerfall. Der trunksüchtige Vater Xaver stirbt bei einem tragischen Unfall, und die tapfere Mutter Gerti hinterlässt ihren Söhnen Christian und Jochen eine Last, die sie kaum schultern können. Christian, der verantwortungsbewusste ältere Bruder, kämpft unermüdlich darum, den Hof zu retten und die Familie zusammenzuhalten. Doch sein jüngerer Bruder Jochen, ein arbeitsscheuer Hallodri, denkt nur an sich und gefährdet mit seiner Selbstsucht nicht nur die Zukunft des Mooslehens. Auch die Hoffnungen der schönen Mirl, die auf seine Worte fest vertraut hat, zerbrechen an seiner Rücksichtslosigkeit ...


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Seitenzahl: 92

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Mein junges Herz schlägt nur für dich

Vorschau

Impressum

Mein junges Herz schlägt nur für dich

Durch ihre Liebe sollte sie großes Leid erfahren

Von Kathi Bernried

Auf dem Mooslehen, einem kleinen Pachthof, steht die Familie Feichtl vor dem Zerfall. Der trunksüchtige Vater Xaver stirbt bei einem tragischen Unfall, und die tapfere Mutter Gerti hinterlässt ihren Söhnen Christian und Jochen eine Last, die sie kaum schultern können.

Christian, der verantwortungsbewusste ältere Bruder, kämpft unermüdlich darum, den Hof zu retten und die Familie zusammenzuhalten. Doch sein jüngerer Bruder Jochen, ein arbeitsscheuer Hallodri, denkt nur an sich und gefährdet mit seiner Selbstsucht nicht nur die Zukunft des Mooslehens. Auch die Hoffnungen der schönen Mirl, die auf seine Worte fest vertraut hat, zerbrechen an seiner Rücksichtslosigkeit ...

Der Mann torkelte über den Wiesenpfad, der zum Mooslehen führte. Er war sehr groß, hatte dunkle, leicht zerzauste Haare und sah dabei gar nicht mal so schlecht aus. Er lallte laut vor sich hin und versuchte, eine Melodie zustande zu bringen, was ihm aber nicht recht gelang.

Der Weg führte an einem kleinen Bach entlang, und wenn man den Mann beobachtet hätte, konnte man schon ahnen, dass seine Torkelei nicht lange ohne Folgen bleiben würde.

Der betrunkene Xaver Feichtl nestelte unbeholfen eine Schnapsflasche aus der Jackentasche. Der Fusel stank wie eine ganze Brennerei. Als der Bauer trinken wollte, rutschte er aus und landete klatschend im Bach. Das Wasser war tiefer, als es den Anschein hatte. Es reichte dem Bauern bis zum Kinn.

»Pfui Teufel!«

Der Mann spie gurgelnd das Wasser aus, das ihm in den Rachen geraten war. Er wollte wieder aufs Trockene, doch das Ufer war mit allerlei Wasserpflanzen bewachsen und viel zu glatt. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als mit der Strömung zu gehen.

»Sapperment!« Damit quittierte der Betrunkene den harten Griff von einem Burschen, der ihn am Kragen packte und aus dem Bach zerrte.

»Aha«, meinte Xaver, als er erkannt hatte, wer ihn da am Wickel hatte: Christian, sein ältester Sohn, der ihm noch nicht einmal den kleinsten Schluck Alkohol gönnte.

»Bist du der Mutter wieder an die Haushaltskasse gegangen?«, fragte der Bursch, und alle Missbilligung und Nichtachtung, die er für den Vater empfand, klangen aus seiner Stimme.

Der plötzliche Wassersturz hatte den Mann ernüchtert. Die Anwesenheit seines Sohnes, der ihn unerbittlich aus dem Bach zerrte, trug zusätzlich dazu bei, die Trunkenheit zu vertreiben.

»Was geht's dich an?«, erwiderte er aufgebracht. »Noch bin ich der Mooslehen-Bauer und kann in meinem Haus nehmen, was ich will.«

Christian war seinem Vater an Kraft weit überlegen. Er hielt den Betrunkenen immer noch fest.

»Hast du das Geld im Wirtshaus vertan?«, wollte er wissen.

Stockend rückte Xaver Feichtl mit der Wahrheit heraus. »Ich hab' geschafkopft.«

Christian nickte grimmig. »Und natürlich verloren. Mein Gott, wann wirst du endlich vernünftig und begreifst, dass dir die anderen im Schafkopfen und Tarocken und Jassen überlegen sind, Vater?«

Die Miene des Mooslehen-Bauern wurde trotzig.

»Einmal ist mein Pech zu End', und dann gewinn' ich«, behauptete er. »Ich krieg' all mein Geld zurück. Verlass dich drauf!«

»Ja«, höhnte Christian spöttisch. »Dann kaufen wir uns auf der Stelle den Traktor, den wir so lange schon brauchen, und bar bezahlen tun wir ihn auch.«

Xaver Feichtl versuchte, sich aus dem festen Griff seines Sohnes zu befreien.

»Bittschön, lass mich aus«, bat er, als er einsah, dass seine Kraft nicht ausreichte. »Ich hab' beim Topfenwirt etwas vergessen.«

»Nix da«, meinte Christian. »Du kommst mit heim, und nur wenn die Mutter es erlaubt, lass' ich dich los, und du kannst dann von mir aus auch wieder ins Wirtshaus gehen.«

Gerti Feichtl würde alles andere eher tun, als ihrem Mann einen nochmaligen Wirtshausbesuch zu gestatten. Das wusste Christian natürlich genau. Xaver Feichtl fügte sich also. Er hatte die Schnapsflasche verloren, und er hütete sich wohl, diesen Verlust auch nur mit einem Wort zu erwähnen.

***

Das Mooslehen war bald erreicht. Alles an Haus und Stall wirkte schief, und die Haustür quietschte.

Gerti Feichtl stand in der Küche und war damit beschäftigt, Sachen zu bügeln und – falls nötig – zu stopfen. Geld war Mangelware, es ging nicht an, ständig Neues zu kaufen.

Der Hof war ein Pachthof und gehörte dem reichen Veit Moosinger, der auf dem benachbarten Wieshof wohnte. Es hieß, die Moosingers seien vor vier Generationen vom Mooslehen auf den Wieshof gezogen, wo der einzige Sohn damals eingeheiratet hatte. Nach ihnen kamen die Feichtls, und mit denen konnte niemand groß Staat machen. Sie hielten von Wirtshausbesuchen und Kartenspiel mehr als von der harten Bauernarbeit.

Gerti Feichtl war eine schlanke Frau mit einem für eine Bäuerin erstaunlich fein geschnittenen Gesicht. Sie sah ihren Mann nicht an, sondern nur ihren Sohn Christian.

»Ist er in den Bach gefallen?«

Der betrunkene Xaver Feichtl riss sich zusammen, so gut er konnte.

»Es war reines Pech, Gerti, liebes Weiberl. Tut mir leid. Da war erst das Magengrimmen, musst du wissen, und danach kam das Zahnweh. So grausam war's, dass ich gar net anders gekonnt hab', als einen kleinen Schnaps zu trinken.«

Der Bauer sprach diese Worte mit einschmeichelnder Stimme. Doch die Zeit, in der diese weinerliche Art auf Gerti Feichtl Eindruck gemacht hatte, war schon lange vorbei.

»Schaff ihn in die Schlafkammer, Christian, sei so gut. Leg ihn nur aufs Bett. Ich gehe dann später hinauf und ziehe ihm Schuhe und Anzug aus.«

»Ist recht, Mutter.«

Es mochte noch ein Rest von Anstand und Ehrgefühl in dem betrunkenen Bauern sein, dass er sich dagegen wehrte. Er rappelte sich hoch und ging taumelnd zur Treppe. Zwar stolperte er ein paar Mal, doch seine Schritte wurden immer sicherer.

»Mir braucht niemand zu helfen, und der Bub schon gar nicht.« Er sprach dabei beinahe wie in nüchternem Zustand.

Christian wollte ihm folgen, doch die Mutter hielt ihn zurück.

»Lass ihn nur, Bub.«

Es war später Herbst. Die Bäume hatten schon längst ihre Blätter verloren, und Christian hatte das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis es draußen richtig kalt wurde. Das sagte er auch seiner Mutter.

Gerti Feichtl war inzwischen mit der Bügelwäsche fertig. Sie brachte das Brett in die kleine Vorratskammer und meinte dann:

»Ich hab' auch das Gefühl, als würde es dieses Jahr einen besonders strengen Winter geben. Morgen oder übermorgen sollten wir das Holz aus dem Seewald holen. Kannst du einmal hinüber zum Pachtherrn laufen und ihn fragen, ob er uns den Holzwagen und ein Gespann leiht, Bub?«

»Gern, Mutter.« Christian nahm seinen Janker und verließ das Haus.

Noch während Gerti die Wäsche in die Schränke räumte, wurde die Bäuerin von jungen, kräftigen Händen um die Mitte gepackt. Sie wandte sich um. Ein junger Bursch mit einem ausgesprochen hübschen Gesicht lachte sie an.

»Mami, gibst du mir ein Zehnerl für Naschwerk?«

Das war Jochen, Gertis jüngster Sohn. Er war äußerst findig, wenn es darum ging, den leichtesten Weg zum Ziel zu finden. Selten war er zur Arbeit bereit.

»Ich hab' kein Geld mehr, Jochen. Dein Vater hat's wieder gefunden und mit seinen Spezis verjubelt. Tut mir leid. Bist du so nett und trägst mir die Bettwäsche ins Schlafzimmer?«

»Tut mir leid, Mami, aber ich hab' eine Verabredung und bin in Eile. Schaff's doch dem Christian an, der hilft dir bestimmt.«

»Ja, der hilft mir bestimmt«, murmelte die Frau verzagt und wuchtete den schweren Wäschekorb hoch.

***

Nachts kam der erste Frost, und geschneit hatte es auch.

Der Mooslehen-Bauer schlief lange an diesem Morgen. Er hatte einen schweren Brummschädel.

Der Tag war grau und schien sich nicht dazu entschließen zu können, richtig hell zu werden. Xaver Feichtl beschloss daher, im Bett zu bleiben. Seine Frau hinderte ihn nicht daran, weigerte sich aber, ihm dabei Gesellschaft zu leisten.

»Wenn's so weiter schneit, dann nehmen wir besser den Hörnerschlitten, um das Holz abzufahren.«

Ihr Mann war mit allem einverstanden, wenn er nur sein Bett nicht verlassen musste und wenn die Arbeit aufgeschoben werden konnte. Holz zu fahren war harte Knochenarbeit, ob es nun per Gespann oder mit dem Hörnerschlitten erfolgte.

Es wurde nicht ganz hell. Immer, wenn es schien, als wollte die Sonne durchbrechen, schneite es stattdessen. Der Schnee blieb noch nicht liegen, doch er machte die Straßen rutschig und das Gehen schwierig.

Die Verzögerung der Holzfuhr passte der Bäuerin gar nicht. Sie war eine arbeitsame Natur und fühlte sich nicht wohl, wenn ihr Leben nicht nach genau festgelegtem Plan verlief.

Anderntags hatte sich das Wetter eher verschlechtert als verbessert. In der vergangenen Nacht war es wieder frostig gewesen. Der Schneematsch war hart gefroren.

Obschon Xaver Feichtl ausgeschlafen war, weigerte er sich, die Arbeit aufzunehmen und mit seiner Frau in den Wald zu fahren.

»Noch haben wir Holz, und es wär' klüger, auf besseres Wetter zu warten.«

Die Bäuerin wollte von einem Aufschub aber nichts wissen.

»Ich hab' unserem Hochwürden Holz versprochen. Er zahlt einen guten Preis. Mach den Hörnerschlitten fertig, Xaver, wir machen jetzt unsere Arbeit.«

Xaver Feichtl wehrte sich, so gut er konnte. Doch nichts half ihm. Am frühen Nachmittag hörte der Schneefall auf.

Jochen, der sich wieder ausgehfein gemacht hatte, trat an Christian, seinen älteren Bruder, heran.

»Da kann die Mutter schimpfen, wie sie will. Den Vater kriegt sie heute nicht aus dem Haus. Wetten?«

Man hatte Christian von Anfang an beigebracht, nachzugeben, wenn Jochen etwas wollte, sagte oder tat. Diese Fügsamkeit dem Bruder gegenüber steckte tief in ihm.

»Er muss aber mit in den Wald.«

Jochen Feichtl setzte eine wissende Miene auf und gab dem Bruder in vertraulicher Weise einen Rippenstoß.

»Darf ich dir mal was sagen, Christian?«

»Was dir auf der Zunge liegt, musst du loswerden, ob ich's nun hören will oder nicht, Bruder.«

»Scher dich nicht darum, wie unsere Eltern miteinander umgehen. Aber was ich fragen wollt': Hast du ein bisserl Geld für mich?«

Im Gegensatz zu Jochen bekam Christian von der Mutter ein bescheidenes Taschengeld, weil er ja voll in die Hofarbeit eingespannt war.

Es musste nicht das erste Mal sein, dass Jochen den Bruder anbettelte. Christian hielt sein bisschen Geld eisern zusammen. Er lehnte stets ab.

»Ich hab' nix bei mir.«

Jochen schien mit der Ablehnung gerechnet zu haben.

»Wetten, dass sie ihn heut' nicht in den Wald kriegt?«, versuchte er es auf andere Weise.

»Wetten tut nur der Betrüger«, erwiderte Christian.

»Du bist mir vielleicht einer. Behüt dich Gott.« Damit verließ Jochen das Zimmer. Doch dann steckte er noch einmal den Kopf durch die Tür. »Dir ist nicht zu helfen, Christian. Du denkst nie an deinen eigenen Vorteil.«

Christian gab seinem Bruder keine Antwort. Doch was Jochen da gesagt hatte, ging ihm unter die Haut und gab ihm das Gefühl, dem leichtlebigeren Bruder gegenüber benachteiligt zu sein.

***

Jochens Vorhersage bewahrheitete sich übrigens. Xaver Feichtl erfand immer wieder neue Ausreden, um nicht aus dem warmen Bett zu müssen. Das trieb er so lange, bis es zu spät war, um an einen Aufbruch ins Holz zu denken.

Die Bäuerin fügte sich. Doch man merkte genau, wie sehr sie sich ärgerte und ihm seine Faulheit übelnahm.

Christian hörte seinen Bruder spät in der Nacht heimkommen. Ein Glück, dass die Mutter Jochen nicht gehört hatte. Sie billigte den Lebenswandel ihres jüngsten Sohnes nicht.