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Horst Zahner hatte Anfang der 1990er Jahre eine Vision: Er wollte dafür sorgen, dass bedürftige Menschen in Freiburg täglich mit einem warmen Essen versorgt werden. Aus der Vision wurde Wirklichkeit: Mit Gründung des Fördervereins Freiburger Essenstreff e.V., der 2019 sein 25jähriges Bestehen feierte! Die Geschichte dieses einmaligen Vereins schildert Horst Zahner in seinem neuen Buch. Doch gedanklich geht er noch viel weiter. Der Autor nimmt seine Leser mit in seine Welt des Denkens und Handelns. Dabei schildert er seine Antworten auf Fragen, wie: Was heißt Glaube? Was macht uns glücklich? Warum tut es uns selbst so gut, wenn wir anderen helfen? Ein Buch, das zum Nachdenken und zum Nachmachen anregt.
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Seitenzahl: 82
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Gewidmet meiner Ingrid,die mein Leben verändert hat.
Grußwort von Martin Horn
Grußwort von Ulrich von Kirchbach
Vorwort
Wie alles begann …
Gründung des Essenstreffs
Über den Umgang mit Menschen
Obdachlosigkeit – ein Thema deutschlandweit
Spendengelder sind heilige Gelder
Der nächste Schritt
Über die Schwierigkeit, Freiwillige zu finden
Einsatz für die Wagenburgen
Feuer im Essenstreff
Hat ein Mensch, der abgestürzt ist, noch eine Chance?
Die Geschichte eines Obdachlosen
Turbulente Jahre
Was mich beschäftigt
Altruismus – ein wichtiges Thema
Schlusswort
Anmerkungen
Literatur- und Quellenverzeichnis
Fotonachweis
Anhang
Kontakt
Antrag zur Mitgliedschaft im Förderverein Essenstreff e.V.
Artikel aus: »FREIeBÜRGER« vom 1. Oktober 2021
Oberbürgermeister der Stadt Freiburg
Die Stärke einer Gesellschaft zeigt sich insbesondere daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Ein gut ausgebautes Netz für Wohnungslose und Bedürftige ist daher ein Gradmesser dafür, wie es um unsere Stadt bestellt ist.
Der Freiburger Essenstreff ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil des sozialen Netzes, sondern er ist längst eine Institution: Ein Ort der Begegnung, der gegenseitigen Hilfe, des Trostes und der Wärme.
Gutes Essen günstig zu bekommen ist für viele Freiburgerinnen und Freiburger unglaublich wertvoll. Kaum weniger wichtig ist es, dass Menschen in Not Gehör finden in schwierigen Stunden. Hier schafft der Essenstreff Raum für Geborgenheit. Als Oberbürgermeister bin ich stolz und dankbar über das breite Engagement, das all dies möglich macht. Mein Dank geht an die vielen Ehrenamtlichen, Unterstützer*innen, Geldgeber und Sponsoren. Ihre Menschlichkeit verdient unsere volle Unterstützung.
Martin HornFreiburg im Breisgau
Erster Bürgermeister der Stadt Freiburg
Der Freiburger Essenstreff ist aus der Hilfelandschaft Freiburgs nicht mehr wegzudenken. Seit einem Vierteljahrhundert finden Bedürftige hier nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern vor allem einen von Wertschätzung und Wärme geprägten Platz.
Entsprechend dem an der Fassade angebrachten Leitsatz »Komm herein, hier bin ich Mensch, hier darf ich sein« ist der Essenstreff ein Ort, an dem Menschen nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für die Seele bekommen. Den vielen ehrenamtlichen Helfern und dem hauptamtlichen Team sind alle Besucher willkommen. Der Essenstreff ist ein Ort der Begegnung und des Gespräches. Erstversorgung mit einer warmen Suppe, Orientierung im Hilfesystem und die Möglichkeit zum Duschen und Waschen sind Teil des Konzeptes.
Nachdem der Essenstreff in den Anfangsjahren seinen Standort im Vauban hatte, ist er nun seit 1998 in der Schwarzwaldstraße. Nicht nur die verkehrsgünstige Lage führt dazu, dass täglich bis zu 150 Essen an die Besucherinnen und Besucher verteilt werden.
Der Essenstreff stellt eine Konstante im Stadtbild und in der Stadtgesellschaft dar – nach dem Brand 2015 wurde dies erneut bestätigt. Nach Renovierungsarbeiten, die durch ein hohes Spendenaufkommen der Bürgerschaft sowie finanzielle Unterstützung durch die Stadt Freiburg ermöglicht wurden, konnte der Betrieb an alter Stelle fortgesetzt werden.
Der Essenstreff ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung wohnungsloser und von Armut betroffener Bürgerinnen und Bürger. Seit über 10 Jahren gibt es neben dem warmen Mittagessen an Werktagen auch an Sonn- und Feiertagen ein Frühstück für Bedürftige. Dieses Angebot ist deshalb so besonders, da es eine Versorgungslücke schließt. Jedoch kann man im Essenstreff nicht nur essen und einen Platz zum Verweilen finden.
Der Essenstreff bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Strafstunden und eine Arbeitsgelegenheit, sogenannte 1-Euro-Jobs, zu absolvieren. Somit bekommen Arbeitslose eine Tagesstruktur und eine motivierende Anleitung.
Der Essenstreff wird von einem ehrenamtlich organisierten Förderverein getragen, der immer wieder Impulse für Veränderungen an die Stadtverwaltung heranträgt und die Entwicklungen innerhalb der Wohnungsnotfallhilfe und der betroffenen Personengruppe konstruktiv-kritisch verfolgt.
Für dieses herausragende bürgerschaftliche Engagement von den Verantwortlichen des Fördervereins und den Unterstützern in den letzten 25 Jahren möchte ich meinen ausdrücklichen Dank aussprechen. Mit Blick darauf, dass es auch künftig Menschen am Rande der Gesellschaft geben wird, die Zuspruch und einer warmen Mahlzeit bedürfen, hoffe ich auf viele Jahre erfolgreicher Arbeit und wünsche den Akteurinnen und Akteuren weiterhin viel Herzblut, Kraft und Ausdauer.
Ulrich von KirchbachFreiburg im Breisgau
Nach meinem ersten Buch mit dem Titel »Mein Leben – keine leichte Kost« habe ich Anfang des Jahres 2020 damit begonnen, mein zweites Buch zu verfassen. Auslöser waren tatsächlich die Zwistigkeiten, die im Förderverein Essenstreff entstanden waren. Auch wenn diese völlig unnötig waren, heute bin ich (fast) dankbar, dass es sie gab, denn ohne diese hätte ich meine Gedanken vermutlich nie zusammengefasst und aufgeschrieben.
Der Schreibvorgang gab mir viel von meinen Erinnerungen an 25 Jahre Essenstreff zurück und er gab mir die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein.
Im Jahr 1990 erhielt ich vier Wochen vor Weihnachten von Sissi Walther- Kligler, die sich seit vielen Jahren in Freiburg ehrenamtlich engagierte, einen Anruf mit der Bitte: »Horst, kannst du mir für ein Weihnachtsessen für Obdachlose einen größeren Topf leihen?« Ich fragte nach: »Was hast du vor?« Ihre Antwort lautete: »Ich plane für Obdachlose wieder ein Weihnachtsessen in einer Lagerhalle! Ich möchte in diesem Topf für etwa 50 bis 80 Obdachlose einen Gemüseeintopf zubereiten.« Ich reagierte spontan: »Liebe Sissi, du brauchst keinen Gemüseeintopf zu kochen; ich bringe für rund 80 Obdachlose ein komplettes Essen mit. Bestehend aus Suppe, Gulasch mit Nudeln und Dessert.« Ihre Freude war riesengroß. Es war allgemein bekannt, dass Sissi Walther-Kligler jedes Jahr zusammen mit der Gruppe »Bürger helfen Bürgern« an Weihnachten eine Feier veranstaltete und ich beteiligte mich gerne.
Nächtigung zweier Obdachloser auf dem Parkplatz vor dem Essenstreff.
Bei der Weihnachtsfeier kam ich zum ersten Mal in meinem Leben mit einer so großen Anzahl von Obdachlosen zusammen. Alle schienen überglücklich und waren sehr dankbar. Es gab kleine Geschenke, es wurde gesungen und gebetet. Die Besucherinnen und Besucher fühlten sich offensichtlich sehr wohl in dieser kleinen Gemeinschaft. Man kümmerte sich mit viel Liebe um die Menschen; es gab ein warmes Essen in einem warmen Raum.
Dieses Zusammentreffen beim gemeinsamen Weihnachtsessen stimmte mich jedoch auch sehr nachdenklich. Ich fragte mich: Wie verpflegen sich wohl die Menschen, die auf der Straße leben, das restliche Jahr über? Ein Leben ohne regelmäßiges Essen oder mit einer gelegentlichen Mahlzeit – geht das überhaupt? Was müssen diese Menschen alles durchstehen und ertragen? Ist deren Leben menschenwürdig? Das Weihnachtsessen war ja eine ganz wunderbare Idee – aber das Jahr hatte weitere 364 Tage. Wo bekamen da die Menschen ihr Essen her? Hatten sie wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag? Die Gedanken an die Obdachlosen und ihr Leben ließen mich nicht mehr los. Konnte man es schaffen, jeden Tag ein warmes Mittagessen für diese zu organisieren?
… dazu schreibt Erwin Kräutler CPPS:
Armut meint mehr als Besitzlosigkeit.
Armut heißt: nicht haben, nicht sein,
nicht können, nicht dürfen.
Ein Jahr nach meiner Begegnung mit dem Thema Armut und Obdachlosigkeit feierte ich meinen 50. Geburtstag. Es war nicht nur ein Anlass zu feiern, sondern auch einer, um in die Vergangenheit und in die Zukunft zu schauen: Ich bin das Kind einer bürgerlichen Metzger familie aus Kenzingen in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Nachdem mein Vater nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt war, gab ich den erlernten Beruf des Metzgers auf. Ich wurde Koch und Konditor und machte anschließend beim Hertie-Konzern in Konstanz noch eine Ausbildung zum Industrie-Großhandelskaufmann. Danach erhielt ich eine Anstellung als Abteilungsleiter in einem Hertie-Haus in Kaiserslautern. Ein Jahr später war ich in Freiburg im neuen Hertie-Haus für alle Gastronomieabteilungen verantwortlich, außerdem war ich Einkäufer und Ausbilder für neue Abteilungsleiter. Mit 30 Jahren machte ich mich dann in Freiburg mit der Firma Zahner Feinkost GmbH selbstständig. Im Alter von 50 Jahren hatte ich viel erreicht: Ich hatte die Firma Zahner aufgebaut, geheiratet und drei Kinder. War das jetzt alles? Oder gab es noch etwas, dem ich mich in meinem Leben widmen konnte und wollte?
Ich beschloss, Menschen zu helfen, die alles verloren hatten – nicht nur alles Materielle, sondern auch ihr Selbstwertgefühl, ihre Würde, ja sogar ihre Achtung vor sich selbst. In mir hatte sich ein starkes Verantwortungsgefühl für Menschen entwickelt, die auf der Straße leben mussten und ich griff meinen Gedanken wieder auf, ob es nicht gelingen könnte, Obdachlosen jeden Tag eine warme Mahlzeit anzubieten.
Wenn man eine Idee hat, dann ist das Wichtigste, dass man selbst fest daran glaubt. (Hier taucht es auf, eines der Worte, die in meinem Leben zählen: Der Glaube. Der Glaube hat mein Denken, mein Handeln und mein Tun so stark geprägt, dass sich mein Innerstes verändert hat. Doch dazu später mehr.) Und ich glaubte fest daran, dass wir mit dem Essenstreff, wie ich das »Kind« nennen wollte, anderen Menschen helfen und etwas in unserer Gesellschaft bewirken konnten. Ich begann, Gespräche mit Freunden und Bekannten zu führen und suchte Mitstreiterinnen und Mitstreiter für meine Idee, einen Förderverein zu gründen.
Zu den Gründungsmitgliedern des Essenstreff Förderverein e.V. gehörten schließlich: Emmi Schweizer, Edeltraut Friedrich, Bärbel Böckel, Elfi Gehring, Brigitte Grünfelder, Paul Grünfelder, Violetta Höntsch, Helga Kux, Werner Langenfelder, Gerhard Schmidt, Ehrentrud Schröder, Werner Thurner, Gertrude Zahner und ich selbst.
Im Kreis einiger der Menschen, die ich seit über 25 Jahren von Herzen unterstütze.
Ohne diese Menschen der ersten Stunde, die ebenfalls von unserer Idee überzeugt waren, wäre der Essenstreff nicht das, was er heute ist. Allen Gründungsmitgliedern gebühren allerhöchster Respekt sowie größte Anerkennung für die gemeinsam geleistete Arbeit. Jedes Gründungsmitglied arbeitete mit Überzeugung und großer Leidenschaft mit, um das Projekt in die Tat umzusetzen. Jede Einzelne und jeder Einzelne hätte es verdient, mit dem höchsten deutschen Verdienstorden für diese besondere Leistung ausgezeichnet zu werden.
Eine besondere Wertschätzung hat Emmi Schweizer – inzwischen Ehrenmitglied des Essenstreffs – verdient. Wir alle machten uns am
