Atmosphäre der Akzeptanz - Betty Wagner - E-Book

Atmosphäre der Akzeptanz E-Book

Betty Wagner

0,0

Beschreibung

Wie der Titel schon sagt, soll der Inhalt des Buches eine Atmosphäre der Akzeptanz schaffen. Der oder die Leser/innen können sich in einen Menschen versetzen, der ganzheitlich gelähmt ist und Empathie entwickeln. Dadurch auch Offenheit und Akzeptanz. Ein friedliches Miteinander kann dadurch noch besser entstehen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1 : Eine (kurze) Lebensgeschichte

Mein Wesen

Wie ich aufgewachsen bin

Teil 2: Tiefer Blick auf die Welt

Inklusive Entwicklung

Bedeutung und Entstehung von Inklusion

Rechtliche und inhaltliche Grundlagen der UN-Behindertenrechtskonevention (UN BRK)

Probleme bei der Umsetzung von Inklusion

Bewunderung der Barrierefreiheit in Schweden

Inklusion als Lebensqualität

Wertschätzung und Hingabe

Konfrontation mit der Langeweile - tiefste innere Gedanken

Die Sorge um sich und die Welt

Interview mit meiner Schwester

Tiergestützte Intervention als heilpädagogische Methode

Geschichtlicher Hintergrund der tierischen Heilkräfte

Beziehung und Bindung zu Tieren

Positive Effekte durch die Mensch-Tier-Interaktion

Biophilie

Du-Evidenz

Psychische Wirkungen

Physische Wirkungen

Soziale Wirkungen

Teil 3: CBD – Öl in Verbindung mit der Heilpädagogik

Gesundheit des Gehirns erhalten

Selbstbestimmung und das EGO

Manifestieren, Dankbarkeit und Liebe als Fazit

Weitere Briefe an mich …

Quellenverzeichnis

VORWORT

Dieses Buch, welches ich geschrieben habe, ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich warte jetzt schon so lange darauf. Endlich ist die Gelegenheit gekommen mein wirres Leben mit euch zu teilen. Warum ich das unbedingt machen möchte? Es ist ganz einfach: Ich liebe es, mit Menschen in Kontakt zu sein. Mich zu öffnen. So wie viele Menschen das machen, um sich einfach mit anderen Leuten zu treffen. Wie das halt üblich ist. Bei mir jedoch ist es ungewöhnlich, auch etwas schwieriger, da ich im Rollstuhl sitze und mit Tetraplegie zu tun habe. Trotzdem hält mich nichts davon ab, mich zu öffnen, um der Welt zu zeigen, was für ein toller Mensch in mir steckt. Trotz Behinderungen!

Es macht mir sehr viel Spaß, ein Buch über meine Lebensgeschichte und Themen, die mich interessieren zu schreiben. Allein die Arbeit an sich ist schon eine gute Idee gewesen, denn dadurch stand ich ständig in Kontakt mit Menschen. Es ist ein tolles Projekt und ich habe schon ein Ziel erreicht. Also bedanke ich mich bereits jetzt, dass ich mich öffnen darf!

Die Themen, die ich aufgegriffen habe, sollen viele Menschen zum Nachdenken animieren. Ich bin ein Mensch mit vielerlei Einschränkungen, eine davon ist der Rollstuhl. Ich musste über viele ,,Hindernisse‘‘ klettern, um glücklich zu sein. Wie kann ich ins ,,Hier und Jetzt‘‘ finden? Ich möchte hiermit für viele Personen eine Motivation oder Inspiration sein. Denn es funktioniert auch neben vielen Einschränkungen und Hindernissen im Leben, das sogenannte ,,Glück‘‘ zu finden.

Auch wenn ich körperlich nicht so viel in Bewegung komme, bin ich in meinem Herzen und Kopf ständig in Bewegung. Das kann schon sehr viel auslösen. Viel mehr als erwartet. Das Beobachten von Tieren bringt meinen Geist und Seele ebenso in Bewegung. Tiere berühren uns sehr. Hier werde ich auch ansetzen. Ein Thema in meinem Buch wird die tiergestützte Intervention sein, was in der Welt mit Menschen sehr heilsam sein kann. Es bereitet einfach eine riesige Freude, Tiere um uns herum zu haben. Tiere und die Natur sind das, was wir sind.

Natürlich hilft mir eine vertrauensvolle Person, die ich im September 2017 kennengelernt habe. Betty Wagner! Ich habe mich getraut, sie zu fragen, ob sie mir helfen würde ein Buch über mich, aus verschiedenen Themen in Verbindung mit Teilen aus meiner Lebensgeschichte, zu schreiben.

Im Allgemeinen bin ich ein Mensch, der sehr viel nachdenkt. Das ist eine wichtige Ressource für mich. Betty und ich haben uns regelmäßig getroffen, da sie mich während ihres Studiums für Heilpädagogik drei Jahre lang begleitet hat. Sie hat in meinem Wohnheim ein Praktikum für ihr Studium absolviert. Wir haben uns also zwei bis drei Jahre lang intensiv und regelmäßig gesehen. Am Schluss von den drei Jahren ist dann Covid-19 ins Spiel gekommen. Ab dem Zeitpunkt konnten wir uns dann leider nicht mehr so oft sehen. Zum Glück gibt es ,,WhatsApp‘‘, so behalten wir regelmäßig Kontakt. Durch das ständige Treffen konnten wir uns über sehr viele verschiedene Themen unterhalten. Wir sind beide auf einer Wellenlänge.

Betty hat immer wieder Notizen gemacht und wir haben ein Brainstorming durchgeführt, was alles in dieses Buch kommen soll, was für uns beide passt. Sie hat mir geholfen, Themen bewusst anzusprechen, um mit dem Buch einen sogenannten ,,Mehrwert‘‘ zu schaffen und das Bewusstsein von mir, wie auch von anderen Menschen erweitern zu können. Zusammen haben wir Videos angeschaut und Bücher gelesen, indem Betty mir vorgelesen hat. Wir haben viel miteinander gelacht und ich bin so dankbar, dass wir dieses Projekt auf die Beine gestellt haben. Hier werden wir viele Bücher ansprechen, aber auch zitieren, wenn wir denken, dass es gerade reinpasst!

Einer meiner absoluten Favoriten ist auf jeden Fall Timo Ameruoso. Ich fühle mich seiner Lebensgeschichte sehr verbunden, da ich mich gut in sie hineinversetzen kann. Er ist ein total inspirierender Autor! Ein Mann, der im Rollstuhl sitzt, durch eine dramatische Lebenserfahrung lernt und seine Träume verwirklicht.

Ein weiteres wichtiges Thema, das ich auf jeden Fall in meinem Buch ansprechen werde, ist Inklusion. Dies betrifft mich sehr, so wie auch viele andere und kann für viele Menschen ein interessantes Thema sein, denn damit gehen viele andere Themen einher. Beispielsweise die Selbstbestimmung eines jeden Menschen. Wie Inklusion als Lebensqualität betrachtet werden kann. Dadurch kann man Menschen wie mich besser verstehen und möglicherweise zukünftige Änderungen bewirken, die auch ein Vorteil für andere Menschen haben.

Betty und ich möchten Menschen zum Nachdenken anregen, ebenso behilflich sein, wie die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen noch ,,besser‘‘ funktionieren könnte. Wie kann eine erfolgreiche inklusive Entwicklung aussehen? Was für Probleme gibt es, die bewältigt werden können? Dafür ist es wichtig, den einzelnen Menschen zu betrachten. Was braucht er / sie genau, um ein erfülltes Leben zu führen? Wie gelangt man zu mehr Freiheit und Entschlossenheit?

In diesem Buch werden Betty und ich solchen Fragen auf den Grund gehen und diesbezüglich Impulse setzen. Natürlich werden auch viele Aspekte genannt, die gut in meinem Leben im Wohnheim verlaufen. Die auch sehr wichtig sind. Ich versuche auf jeden Fall ehrlich zu sein und mich zu offenbaren, dabei gibt es meiner Meinung nach immer einige positive und negative Aspekte.

Jeder sieht die Welt und die Dinge anders. Man kann in niemanden hineinschauen, nur versuchen einen zu verstehen oder zumindest aufgeschlossen an die Sache heranzugehen. Oder vielleicht die Dinge neutraler zu betrachten? Denn wenn es weniger positive und negative ,,Bewertungen‘‘ gibt, wird die Dualität kleiner. In dem Sinne möchte ich meine Erfahrungen mitteilen, so könnte auch etwas für dich dabei herauskommen und dir im Leben behilflich sein.

Mein Leben ist eine reine Achterbahn, von den Gefühlen her bis hin zum Bekämpfen der Schmerzen. Ich habe Glück meistens die Menschen um mich herumzuhaben, mit denen mein Leben mit ihrer Hilfe trotzdem noch oft schön sein kann. Natürlich werdet ihr diese Menschen auch alle kennenlernen.

Das Schöne ist ja, dass es Dinge gibt, die sehr gut laufen. Die man schnell mal vergisst, aber sehr wichtig für schwierige Zeiten sind. Es wird beispielsweise ziemlich gut auf meine Bedürfnisse eingegangen. Wie zum Beispiel, wenn ich auf die Toilette muss, danach wird für meine Reinigung gesorgt, all das wird berücksichtigt. Glücklicherweise! Denn wenn das nicht der Fall wäre, hätte ich ein großes Problem. Also vielen Dank an die Menschen, die sich bereitstellen mir in solchen Angelegenheiten Unterstützung zu geben. Mir zu helfen!

Es ist allerdings nicht einfach ein Leben zu führen, in dem man immer auf andere Menschen angewiesen ist. Sich kaum bewegen kann und oft in Situationen gerät, in denen ich mich nicht mal richtig wehren kann. Die meisten Menschen, die autonom leben, können sich auswählen, wen sie um sich haben wollen. Sie können klare Grenzen setzen, weggehen, wenn es ihnen nicht gefällt oder einfach zu Hause bleiben. Das ist sehr toll, ich beneide diese Menschen. Allerdings gibt es auf der anderen Seite auch viele Menschen (ob mit oder ohne körperliche Beeinträchtigungen), die mein ,,Problem‘‘ teilen gefangen im Körper zu sein, auch wenn sie vielleicht keine physische Beeinträchtigung haben, sondern große Mentale Blockaden und den Glauben haben, sich nicht frei bewegen zu können. Es muss also nicht unbedingt eine körperliche Beeinträchtigung vorhanden sein, um sich kaum bewegen zu können. Wie sehr kann ich mich wehren? Wo darf und kann ich Grenzen setzen? Wie bekomme ich meine Wut im akuten Fall in den Griff?

Seit Jahren wohne ich bereits in einem Wohnheim, wo natürlich viele Fachkräfte arbeiten. Sehr viele unterschiedliche Menschen, immer wieder fremde Menschen. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Immer wieder fremde Menschen um mich zu haben, ist für mich Alltag. Wenn ich mir die Mitarbeiter auswählen könnte, wäre keiner mehr da! Nee Quatsch. Wäre cool! Die Mitarbeiter füllen wegen meiner Abhängigkeit einen großen Teil meines Lebens aus. Die Realität kann manchmal schmerzlich sein.

Vielleicht können mich ja einige verstehen und sogar etwas daraus lernen. Denn auch wenn ich im Rollstuhl sitze, denke ich, dass es vielen Leuten, die zum Beispiel als Fachkraft bei mir arbeiten, ähnlich wie mir ergeht und sie im übertragenen Sinne ebenso in ihrer Welt gefangen sind. Durch Überforderung, was zum Beispiel oft wegen Mangel an Mitarbeitern zustande kommt. Die Mitarbeiter haben es also auch oft nicht leicht, schon dort beginnt ein Teufelskreis. Eine sogenannte ,,Lose-Lose-Situation‘‘ für jeden.

Wie schon erwähnt, ist es Betty und mir wichtig, Inspirationen zu geben, um Menschen zu einem bewussteren Denken zu bringen. Wir gehen intensiv auf die Heilpädagogik ein, da Betty dies studiert hat und ich ebenso durch meine Beeinträchtigungen mit dem heilpädagogischen Bereich verbunden bin. Ihr und mein Denken sollen ineinanderfließen. Die inklusive Arbeit soll hier deutlich unterstrichen sein.

Heilpädagogik ist sowieso ein großer Begriff. Man kann damit so viel verbinden. Betty arbeitet mit vielen Menschen im heilpädagogisch und -praktischen Bereich, dass wir Themen aufgreifen, die passend sind. Unser ganzes Denken ist miteinander verbunden! Eine Art ,,Aufwachen‘‘ soll entstehen. Wir möchten einen kleinen Beitrag leisten, um mehr Frieden zu schenken. Wir haben die Traumvorstellung, dass die Gesellschaft sich noch viel positiver entwickeln könnte und es den Menschen einfach besser in dieser hektischen und turbulenten Zeit geht.

TEIL 1 : MEINE (KURZE) LEBENSGESCHICHTE

Mein Wesen

Das, was wir als Individuum sind, ist die Natur selbst. Ohne Wertung oder Vorstellung, ohne Vergleich bin ich eins und gleichzeitig alles. Also auch nichts.

Zuerst einmal kurz zum Beginn meines Theaterstücks: Alles begann bereits in der Schwangerschaft meiner Mutter. Sie hätte fast eine Fehlgeburt gehabt. Ich erzähle euch nun, was genau biologisch passiert ist und mit welchen Beeinträchtigungen ich zu leben habe. Dann wisst ihr genau, mit wem ihr es hier zu tun habt.

Ungefähr nach dem dritten Schwangerschaftsmonat meiner Mutter bekam ich in ihrem Bauch einen Hirnschaden. Man nennt das einen frühkindlichen Hirnschaden. Dort können verschiedene Gruppen von Krankheitsbildern auftreten. Die Schädigung führt bei Kindern in den meisten Fällen zu einer spastischen Bewegungsstörung. Eine Störung von motorischen Funktionen (Bewegung, Haltung), die Tetraspastik.

Ich habe eine infantile Cerebralparese in Form einer spastischen Lähmung aller Extremitäten mit fortgeschrittenen Kontrakturen. Vor allem sind die Arme und Beine stark beeinträchtigt. Durch eine starke Anspannung der Muskulatur sind die Arme, Hände, Beine und Füße unnatürlich verkrampft, wodurch öfters heftige Zuckungen vorkommen. Die Hände und Arme kann ich nur in sehr geringem Masse selbstständig bewegen. Meinen Kopf kann ich nur eine kurze Zeit frei bewegen / halten. Eine Kopfstütze hilft mir dabei, den Kopf abstützen zu können. Damit ich bequem und in einer aufrechten Position sitzen kann, benötige ich eine speziell angepasste und verstellbare Sitzschale.

Durch meine körperlichen Beeinträchtigungen benötige ich in vielen Lebensbereichen Hilfestellung, wie zum Beispiel beim Essen. Das Essen muss mir zugereicht werden. Die Nahrung muss auch immer klein geschnitten sein, denn wegen meines Überbiss und meinem deformierten Gaumen kann es passieren, dass das Essen sonst stecken bleibt.

Die Beeinträchtigung meiner Sprache bringt mich dazu, zu Lernen mit Schwierigkeiten umzugehen, was wiederum zur Stärke führt. Akzeptiere deine ,,Störung‘‘ und sie führt dich zur Funktionalität.

Durch meine leichte Sprachstörung sind meine Sätze oft schwer verständlich. Deswegen muss man mich mehrmals darum bitten, das Gesagte zu wiederholen. Das ist Gewöhnungssache und eher eins von meinen weniger schlimmen Problemen. Es gibt auch Tage, wo man mich eigentlich sehr gut verstehen kann.

Wer hat nicht mal einen Tag, wo die anderen (oder man selbst) denkt, was redet der (oder ich) denn heute nur für einen Quatsch? Ist der mit dem falschen Fuß aus dem Bett gestiegen?! Ich verstehe ihn / sie (oder mich) heute gar nicht?!¨ Na ja, so ähnlich geht’s mir halt fast jeden Tag, das ist bei mir ‘normal‘ geworden. Auch Chaos. Ich bin halt ein ‚,Falscher-Fuß-Aufsteher‘‘, bei dem das allerdings täglich ist.

Hier kann man sich natürlich auch die Frage stellen, was denn normal ist? Keiner ist doch normal oder nicht? Jeder ist individuell, so sehen wir das doch heutzutage alle gleich oder nicht? Das Wichtigste bei dem Ganzen ist der Wille, den anderen verstehen zu wollen. Wenn man offen ist, versteht man mich auch. Wer mich also bereits gut kennt, kommt mit meiner Aussprache auch gut zurecht. Oder weiß, dass man mich immer dazu animieren muss zu sprechen, meine Sprachmotorik weiterhin zu trainieren, damit man mich auch am Ende problemlos versteht. Man muss mich nur kennenlernen, dann klappt das super.

Die Sprachstörung führt mich immer wieder zu Problemen meiner Selbstliebe, dadurch entstehen Ängste. Ein Gefühl von Angst überschüttet mich oft, deswegen traue ich mich immer wieder nicht, Menschen anzusprechen bzw. allgemein offen zu kommunizieren. Immer wieder motivieren mich die Mitarbeiter in meinem Wohnheim und auf der Arbeit dazu, offen zu sagen, was ich denke.

Kennst du das, kein Wort rauszubringen? Fällt es dir auch manchmal schwer, vor Leuten frei zu sprechen?