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Der 1872 geborene Aubrey Beardsley war neben Oscar Wilde eine Symbolfigur der Dekadenz, die das Ende der Herrschaft von Königin Victoria kennzeichnete. Beardsley war weitgehend Autodidakt und zeigte in seinen Zeichnungen zunächst den Einfluss der Präraffaeliten wie Burne-Jones und Rossetti. Später nahm er einen radikaleren und innovativeren Stil an, indem er Le Morte d'Arthur von Sir Thomas Malory illustrierte und an der Gründung der Zeitschrift The Yellow Book mitwirkte. Die düstere und erotische Atmosphäre der damaligen Zeit brachte er jedoch am besten durch seine düsteren und erotischen Zeichnungen zum Ausdruck, die er unter anderem für Oscar Wildes Salome anfertigte. Beardsley erkrankte an Tuberkulose und starb früh im Alter von 25 Jahren. Er hinterließ zahlreiche Illustrationen, die einen großen Einfluss auf die Künstler des Jugendstils hatten. Der Autor: In einem originellen Layout erkundet Patrick Bade das zweideutige Universum von Beardsley, dem Künstler des Fin de Siècle par excellence. Mit seinen Illustrationen, die seine Zeitgenossen schockierten, forderte der Zeichner kühn die viktorianische Moral heraus und wurde so zu einem privilegierten Zeugen seiner Zeit.
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Seitenzahl: 42
Veröffentlichungsjahr: 2023
Patrick Bade
Herausgeber : Jean-Paul Manzo
Text : Patrick Bade
Übersetzung: U. Varchmin
Layout und Umschlaggestaltung: Sébastien Ceste
© 2023, Parkstone Press International, New York, USA
© 2023, Confidential Concepts, worldwide, USA
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ISBN: 978-1-63919-852-8
Inhalt
Beardsley in Brighton
Opfer der Schwindsucht
Beardsley und Burne-Jones
Frauenhaar und Dante Gabriel Rossetti
Beardsley und Salomé
Japanischer Einfluss
Beardsley, der Kosmopolit
Das Oscar Wilde Fiasko
Sex und sexuelle Metaphorik
Lysistrata
Letzte Pläne
Abbildungsverzeichnis
1. Aubrey Beardsley, Sei gegrüßt, Maria, 1891. Diese Zeichnung gehört zu denen, die Beardsley seinem Freund und Verleger J.M.Dent zeigte, als dieser einen Illustrator für sein Projekt Arthurs Tod suchte.
Auch wenn seine Bekanntschaft mit Oscar Wilde nur kurze Zeit dauerte, blieb Aubrey Beardsleys Ruf für immer mit dem großen anglo-irischen Schriftsteller und Märtyrer der Homophilen, Oscar Wilde, verbunden. Wilde beanspruchte für sich, Beardsley „erfunden“ zu haben, aber nach seinem anfänglich freundlichen, wenn auch leicht paternalistischen Interesse an dem begabten Jungen artete ihre Beziehung bald in einen geistreich geführten Krieg aus, bei dem mit Widerhaken gespickte Waffen und bösartige Nackenschläge eingesetzt wurden. Als Wilde ein Exemplar der ersten Nummer des Yellow Book (er wurde durch Eingreifen des undankbaren Beardsley von der Mitarbeit ausgeschlossen) in einem Bahnhofsbuchladen kaufte, warf er das Buch aus dem Zugfenster, dermaßen irritierten ihn Beardleys Illustrationen. Man stellt sich natürlich die Frage, was wohl ein Passant im ländlichen viktorianischen England, der das weggeworfene Buch mit dem auffälligen, schwarz-gelben Umschlag aufhob, mit Beardleys exquisiten Perversitäten und der manierierten Prosa des Essays von Max Beerbohm Eine Verteidigung der Kosmetik anfangen konnte.
Genauso wenig wie Wilde überlebte Beardsley als Ikone des Fin-de-siècle. Mehr als irgend ein anderer bildender Künstler der angelsächsischen Welt verkörpert Beardsley alle Werte, für die der Begriff Fin-de-siècle steht, ein Begriff, der so viel mehr umfasst als seine wörtliche Übersetzung ‚Ende des Jahrhunderts‘. Man verbindet mit ihm juwelengeschmückte Eleganz, Manieriertheit, Dekadenz, Perversion, sexuelle Abweichung und Zweideutigkeit sowie Rebellion gegen den Materialismus, die positivistische Philosophie und moralische Selbstzufriedenheit in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
2. Beardsley, Die sonderbaren Kreaturen des Lucian, für Lucians wahre Geschichte.
Aubrey Beardsley wurde am 21. August 1872 in dem südlich von London gelegenen Seebad Brighton geboren. Er war der Sohn des erfolglosen, schwindsüchtigen Vincent Paul Beardsley und seiner Frau Ellen (geborene Pitt, in der Öffentlichkeit wegen ihrer schlanken Figur als die „fußlose Pitt“ bekannt). Ellen Pitt war eine Frau mit gesellschaftlichen und kulturellen Ambitionen, enttäuscht, dass sie eine ihrer Meinung nach nicht standesgemäße Ehe eingegangen war und sich gezwungen sah, für ihre beiden Kinder, Aubrey und dessen ältere Schwester Mabel, aufzukommen. Sie war entschlossen, in ihren Kindern die Liebe zur Kunst zu wecken und ihre Begabung von frühester Kindheit an zu fördern.
Brighton selbst war keineswegs reizlos und uninteressant. Berühmt für schäbige Pensionen, den Seitensprung am Wochenende und die arrangierte Scheidung (wie in dem Roman von Evelyn Waugh Eine Handvoll Staub und Cole Porters Musical Die fröhliche Scheidung), genoss Brighton einen begehrenswert skandalumwitterten Ruf, der in der Phantasie der Engländer nur von Paris übertroffen wurde. Ein recht deutlicher Hinweis auf die laisser-faire-Moral von Brighton ist die Tatsache, dass Degas’ Gemälde Der Absinth, das anlässlich seiner Ausstellung 1890 in London einen solchen Skandal auslöste, zuerst im Pavillon von Brighton - und zwar schon 1876 - als Leihgabe eines Bürgers der Stadt zu sehen war, ohne dass jemand daran Anstoß genommen hätte. Es ist zwar nicht anzunehmen, dass die kulturell unersättliche und überhaupt nicht puritanische Mrs. Beardsley ihrem kleinen Sohn noch im Kinderwagen eines der berühmtesten Bilder von Laster und Verkommenheit der Großstadt zeigte, aber es scheint doch ein amüsanter Zufall, dass die Bevölkerung von Brighton als erste ein Bild zu sehen bekam, das später in mehreren Kompositionen der berühmtesten Künstler der Stadt sein Echo fand. Auch Beardsley zollte Degas einen sehr charakteristischen, ironischen Tribut mit der Karikatur der Königin Viktoria in einem Tutu, auf den er den Namen Degas schrieb.
Andere Aspekte Brightons, die in Beardleys Phantasie ihren Niederschlag fanden, waren die Interieurs des Brighton Pavillon im orientalischen Stil - dem phantastischen Vergnügungspalast, der für einen der liebenswürdigsten Lüstlinge unter den britischen Monarchen, Georg V., geschaffen wurde - und die von Präraffaeliten geschaffenen Kirchenfenster und anglikanischen Heiligenbilder, die Aubrey und Mabel Beardsley aufsuchten, um dem langweiligen Leben im Haus einer unverheirateten Tante zu entgehen, die sie für eine Weile aufnahm, als Ellen Beardsley sich nicht in der Lage sah, selbst für ihre Kinder zu sorgen.
3. Beardsley, Die Falle der Weinlese, für Lucians wahre Geschichte
4. Beardsley, Der Traum am Morgen, Illustration für Der Diebstahl der Locke, 1895-96. Der voyeuristische Baron begehrt die Locke der schlafenden Belinda.
5. Beardsley,Die Toilette, Der Diebstahl der Locke. Belinda bereitet sich auf das Fest des Tages vor.
6. Beardsley,Der Diebstahl der Locke
