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Der Alltag eines Depressiven besteht aus Beeinträchtigungen. Manchmal kommt der Moment, in dem man alles aufgeben möchte. Doch nur wer stark ist wird belohnt. Ich bin auf der Suche nach mir selbst, auf der Suche nach Antworten, Erklärungen und Lösungen. Dass es nicht immer einfach ist, wissen Betroffene sowie Freunde und Angehörige. Mit psychiatrischer bzw. psychologischer Hilfe kann vielen geholfen werden. Du musst nur den Mut haben, den ersten Schritt zu gehen. Der vielleicht schwerste Weg in deinem Leben, denn das Leben bietet weitaus mehr als das schwarze Loch! Alle Fragen rund um das Thema Depressionen und warum professionelle Hilfe wichtig ist, erklärt Dr. K. Henkel aus der Uni-Klinik Aachen in einem Interview!
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort
Kapitel 1 – Die Auslöser
Kapitel 2 – Auf der Suche nach mir selbst
Kapitel 3 – Der erste Abend
Kapitel 4 – Therapiemöglichkeiten
Kapitel 5 – Die erste Belastungserprobung
Kapitel 6 – Zwei Monate vollstationär
Kapitel 7 – Die Tagesklinische Behandlung
Kapitel 8 – Neue Freunde
Kapitel 9 – Mein Neuanfang
Kapitel 10 – Ein Rückfall, der gesessen hat
Kapitel 11 – Neuer Job, der erste Arbeitstag
Kapitel 12 – Sport / Meditation / Haustier
Inkl. Interview mit Psychiater Dr. K. Henkel
Schlussfolgerung
Danksagung
Warum hast du Depressionen? Wie lange hast du sie schon? Und was waren die Auslöser dafür? Was machst du jetzt dagegen? All dies sind Fragen, die ich gestellt bekommen habe bzw. die ich mir auch selber stelle. Bin ich allein an allem schuld oder trägt jemand seinen Teil noch dazu bei und wenn ja wer? Bei manchen Menschen stoße ich mit der Krankheit auf Unverständnis, ich bekomme dann Kommentare wie diese zu hören: „Stell dich nicht so an“, „du übertreibst doch völlig“, „du Spinner“. Doch in Wirklichkeit wissen die meisten nicht einmal, was Depressionen wirklich sind. Zumindest, glauben sie es zu wissen, doch oft sind das nur falsche Vorurteile. Bei einer Depression handelt es sich im medizinischen Sinne um eine ernste psychiatrische Erkrankung, deren Symptome sich der Beeinflussung durch reine Willenskraft entziehen. Es ist eine Stoffwechselerkrankung im Gehirn. Sollte sie einmal diagnostiziert werden, wäre eine schnelle Behandlung ratsam. Man sollte die Auslöser durch Therapien ausfindig machen, überlegen, wo sie herkommen und sie regulieren, sowie die Probleme lösen und versuchen, die negativen Gedanken und die negativen Handlungen zu lindern bzw. im besten Falle zu stoppen. Dies ist ein harter Weg und fordert Disziplin, denn Depressionen kommen nicht von heute auf Morgen, geschweige denn sind sie schnell wieder geheilt. Es ist ein langer Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt. In meinem Buch „Auf der Suche nach mir selbst“ erkläre ich, wie es bei mir zu diesem Zustand kam. Ich erzähle, was in meiner Jugend alles passiert ist bzw. was dazu geführt hat, dass ich knapp 4 Monate in der Psychiatrie behandelt wurde und was ich mit meinen Handlungen alles ausgelöst habe. Ich versuche meinen Freunden, Bekannten und Verwandten nahe zu bringen, was in einem Menschen wie mir vor sich geht, dass man mit Depressionen nicht spaßen sollte und dass alles nicht so ist, wie es im ersten Moment scheint. Von außen war immer alles in Ordnung, doch tief im Herzen und in der Seele war ich kaputt. Ich möchte mit dem Buch den Menschen nahe bringen, dass eine Depression eine ganz normale, jedoch sehr ernstzunehmende Krankheit ist. Ich schrieb das Buch nicht nur als Aufklärung für die Menschen, sondern auch, weil es mir half, meine Erlebnisse besser verarbeiten zu können, in der Hoffnung, später einmal komplett neu anfangen zu können und mit allem abzuschließen. Ich möchte mit dem Buch erreichen, dass man mehr Toleranz für die Krankheit bekommt und man sich besser in unsere Lebensverhältnisse hineinversetzen kann. Zudem möchte ich das „Tabuthema“ etwas lockern und allen Betroffenen helfen, ihnen Mut geben und sie unterstützen.
Der harte Weg von Anfang an, was ich tat, um alles zu ändern und dass es in der Therapie auch mal bergab gehen kann, man sich aber dennoch nicht fallen lassen sollte – all das möchte ich schildern. Vielleicht erkennt ihr euch in meinen Erfahrungen wieder und ich kann euch helfen, einen weiteren Schritt nach vorne zu gehen.
An Depressionen leide ich nicht erst seit einigen Wochen. Als ich 16 Jahre alt war, wurde ich bereits gegen Depressionen medikamentös behandelt. Eine therapeutische Behandlung nahm ich aber nicht in Angriff. Erst mit 18 habe ich mich therapieren lassen und zwar gegen Angstzustände. Auslöser für die Depression war die Trennung meiner ersten Beziehung, die ich nicht verkraftet hatte. Wir waren 2 ½ Jahre zusammen. Von meinem 13. Lebensjahr bis zur Mitte des 15ten.. Daraufhin bin ich dann abgerutscht und hatte sowohl mein Leben als auch meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle.
Ich fing an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren. Anfangs erst an Wochenenden und kurze Zeit später dann auch unter der Woche. In diesem Zustand ging ich dann auch zur Schule und riskierte meinen Realschulabschluss zu verlieren. Damals war mir nicht bewusst, dass ich vieles aufs Spiel setzte. Ich lief zwei Mal von zu Hause davon und habe meiner Mutter viel Kummer bereitet. Als ich merkte, dass Alkohol meine Probleme nicht wirklich löste, sondern nur den Schmerz für kurze Zeit verdrängte, fing ich an, mich selbst zu verletzen. Ich ritzte mir mit einem Messer die Unterarme auf. Doch auch dieses Handeln drängte meinen seelischen Schmerz noch tiefer in mein Herz und dieser wurde nur schlimmer. Deswegen versuchte ich alles, damit der Schmerz aufhörte. Ich hatte keine Motivation mehr gehabt zu leben - geschweige denn die Kraft dazu. Es sollte einfach enden. Zu diesem Zeitpunkt bekam ich Betablocker gegen meine Migräne als Prophylaxe. Ich wusste, dass Betablocker ein Medikament fürs Herz sind. Also las ich mir die Packungsbeilage durch und erfuhr, dass eine Überdosierung zum Herzstillstand führen kann. Ich schluckte die ganze Packung und legte mich abends ins Bett, mit der Hoffnung, abends einzuschlafen und morgens nicht mehr aufzuwachen. Es wäre ein schmerzloser Tod gewesen. Letztendlich hat es nicht viel gebracht. Die Wirkung der Tabletten war so negativ wie die meiner Gefühle. Mein Körper hat die Tabletten abgestoßen und ich bekam Magenbeschwerden mit dem vollen Programm. Mein Körper hat dementsprechend reagiert. Meiner Mutter habe ich nie etwas über mein Wohlbefinden erzählt. Dementsprechend hat sie sich keine Gedanken darüber gemacht, warum ich mich übergab. Sie half mir ins Badezimmer und anschließend wieder zurück ins Schlafzimmer. Am nächsten Morgen ging es mir körperlich sowie psychisch schlimmer als je zuvor. Ich fühlte mich, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggerissen; das Ziel, das so nah geschienen hatte, war plötzlich meilenweit entfernt.
Ich hatte meiner Mutter nie etwas über meine Probleme sowie Gefühle erzählt, da es immer öfters zu Stresssituationen kam und ich der Meinung war, es ginge sie nichts an. Lieber wollte ich von der ganzen Problematik weglaufen, denn ich war mitten in der Pubertät und alles was ich wollte war, mein Leben gegen ein Besseres auszutauschen, egal in welcher Form. Ich versuchte mich ein zweites Mal umzubringen, indem ich mir die Pulsadern aufschneiden wollte. Doch ich hatte Glück im Unglück, da es nicht funktionierte und die Schnittwunden nicht ganz so stark am Bluten waren. Ich hatte eingesehen, dass die Suizidversuche keine Lösung waren und habe es bei zwei Versuchen belassen. Es half einen kurzen Moment, den seelischen Schmerz zu vergessen, aber im Nachhinein wurde das Leid nur noch schlimmer. Wunden entstanden und Narben blieben – sowie im Geiste als auch auf der Haut.
Damals dachte ich, ich hätte allen Grund dazu, denn schon mehrmals wurde ich in der Schule gemobbt und hatte zu viel „Pech“ im Leben, aufgrund von Fehltritten, die ich heute bereue. Mein Selbstbewusstsein war sehr gekränkt und es war ein langer Weg, es wieder aufzubauen. Ich hatte viele Freunde, die mir zur Seite standen und geholfen haben das Erfahrene zu verarbeiten. Wenige Monate später nahm ich es in Angriff, meinen damaligen Allgemeinmediziner aufzusuchen und ich ließ mir Antidepressiva verschreiben. Ich bekam insgesamt 100mg – morgens und abends jeweils 50mg. Das Präparat half mir, mit allen Situationen klar zu kommen und einen geregelten Tagesablauf zu führen. Nach einem Jahr erfolgreicher Behandlung setzte ich das Medikament, ohne ärztliche Absprache, ab. Ich war 17 Jahre alt, bereits in meinem zweiten Ausbildungsjahr als Fachkraft für Senioren und Menschen mit körperlicher sowie geistiger Behinderung, und alles schien perfekt zu sein, wenn da nicht das Ereignis kurz nach meinem Geburtstag gekommen wäre.
Meine Mutter war aus beruflichen Gründen in Ost-Bayern gewesen. Es passierte an einem normalen Freitagmorgen. Ich ging nichtsahnend zur Schule und freute mich, dass die zwei letzten Stunden entfielen. Da draußen schönes Wetter war, entschloss ich mich zu Fuß nach Hause zu gehen. Zuhause angekommen realisierte ich erst mal nicht, was ich sah. In unserem Haus war eingebrochen worden. Die ganzen 100 m2waren auf den Kopf gestellt, die Türen aller Schränke waren offen. Im Wohnzimmer, im Esszimmer, in der Küche, Diele und im Schlafzimmer. Die Einbrecher nahmen einige Wertgegenstände mit, wie z.B. mein Netbook, Ladekabel, und -zig originale Musik-CDs, etc. Wie die Polizei mir mitteilte, waren es mehrere Jugendliche, die man als Profis bezeichnen kann. Sie schnitten die Fensterscheibe mit einem Glasschneider auf, nachdem sie versucht hatten, sie mit einem Backstein einzuschlagen. Die Beamten erzählten mir, man müsse mich über mehrere Wochen hinweg beobachtet haben, sodass sie wussten, um wie viel Uhr ich zur Schule ging und wann ich wieder zurück kam, und dass meine Mutter nie zu Hause ist und ich alleine in dem Haus bin. Ich glaubte mit der Situation zurecht zu kommen, doch das war nicht der Fall. Allein der Gedanke, man wird, bei allem was man macht, beobachtet und dass man im Prinzip doch nicht alleine ist, war sehr beängstigend, vor allem, wenn es sich um eine Zeitspanne von mehreren Wochen handelt.
