Aufgeben? - Carlos Bauersachs - E-Book

Aufgeben? E-Book

Carlos Bauersachs

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Beschreibung

"Beurteilt mich nicht nach meinen Erfolgen, sondern danach, wie oft ich hingefallen und wieder aufgestanden bin." Nelson Mandela Wir leben in einer schnellen Welt, Veränderungen sind keine Ausnahme mehr. Unsere Existenz wird vom Stress beherrscht und immer wieder stoßen wir an unsere Grenzen. Beinahe täglich begegnen wir Menschen die aufgegeben haben und sich in ihr vermeintliches Schicksal ergeben. Besonders junge Menschen laufen Gefahr in ein Loch zu stürzen ohne Aussicht herauszukommen weil sie nicht gelernt haben zu kämpfen. Die Gesellschaft gaukelt uns vor man müsse nur studieren und schon wird man Vorstand eines Konzerns aber dieser Weg gilt nur für Wenige, nämlich diejenigen die nicht klein beigeben wenn Sie einmal vom Pferd fallen. Der Autor zeigt am eigenen Beispiel, dass es keinen einfachen Weg gibt aber Aufgeben keine Option ist. Nachdem er schon in seiner frühen Kindheit beschließt, seiner Umgebung zu zeigen, dass er sich nicht unterkriegen lässt, folgt er seinem Weg und seiner Intuition unbeirrt gegen alle Strömungen. Dieses Buch ist kein Handbuch mit einer festen Formel für garantierten Erfolg, denn die gibt es nicht, und es soll auch niemanden belehren, es ist die erzählenswerte Geschichte eines Mannes der im Deutschland der fünfziger Jahre aufgewachsen ist und mit viel Beharrlichkeit zu seinem Ziel gelangte.

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Seitenzahl: 148

Veröffentlichungsjahr: 2017

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„Beurteilt mich nicht nach meinen Erfolgen,

sondern danach, wie oft ich hingefallen

und wieder aufgestanden bin.“

Nelson Mandela

Inhalt

Teil I Kindheit

Teil II Jugend

Teil III Eheleben

Teil IV Berlin

Teil V Amerika und Cote D’Azur

Teil VI Neuanfänge

Teil VII Massage

Teil VIII Absturz und Aufstieg

Epilog

Danksagung

Teil I

KINDHEIT

Meine Geschichte beginnt im Niedersächsischen Hannoversch-Münden, irgendwo zwischen Kassel und Göttingen, im letzten Jahr des zweiten Weltkrieges 1944. Es war eine unsichere und unruhige Zeit, was mich aber nicht davon abgehalten hat, die Welt endlich von außen kennen lernen zu wollen und obwohl ich mich im Bauch meiner Mutter immer sehr wohl gefühlt hatte machte ich mich am zwölften März auf den Weg. Meine Mutter wurde damit von einer, wie ich später erfuhr, gänzlich ungeplanten Last befreit. Mein Vater Helmut, ein Feinmechaniker bei der Luftwaffe und meine Mutter, Assistentin beim Nachrichtendienst kannten und liebten sich für eine Bratkartoffelzeit, wie man das damals nannte und das Ergebnis war ich, Karl-Heinz Bauersachs.

Also war ich wohl eigentlich so etwas wie ein Unfall aber mit Sicherheit lässt es sich nicht sagen; doch ziemlich sicher ist, dass bereits zu diesem Zeitpunkt ein Gedanke in meinem Kopf wuchs der mich bis heute begleitet und der Ihnen, liebe Leser bald wie ein Mantra vorkommen wird: „Na wartet, Euch werde ich es schon zeigen!“ Nun gut, den beiden blieb jedenfalls nichts anderes übrig als den heiligen Bund der Ehe einzugehen da alles andere damals sehr peinlich gewesen wäre. Meinen Vater hatte ich in den ersten drei Lebensjahren nie richtig kennengelernt, da er sich im Kriegsdienst befand und so wohnten meine Mutter und ich bis zu meinem vierten Lebensjahr bei einer Familie Finkeldei zur Untermiete. Wenn mein Vater zuhause war wurde schnell klar, dass meine Eltern nicht so recht zusammen passten und so kam es wie es kommen musste, und die beiden trennten sich wieder. Besonders mein Großvater väterlicherseits, ein ehemaliger Polizeiobermeister, war darüber sehr erbost und forderte meinen Vater auf sich bis zu meinem 18. Lebensjahr um mich zu kümmern. Der hatte, noch während der kurzen Ehe mit meiner Mutter auf einer Feier eine Freundin meiner Mutter kennengelernt, die mit einem Amerikaner verheiratet gewesen war. Der war nicht aus dem Krieg zurückgekehrt und hatte ihr zwei Kinder hinterlassen, einen Jungen und ein Mädchen. Sie war eine gut aussehende Frau mit rötlichen Haaren, ein scharfes Gerät, wie man heute wohl sagt. Nach allem Ärger mit seinem Vater und der Familie meiner Mutter war sie für meinen Vater jedenfalls wie ein Sechser im Lotto, eine hübsche Frau, zwei Kinder und die Möglichkeit in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern und so kam eines zum anderen und die beiden haben geheiratet und entschlossen Deutschland den Rücken zu kehren. Vorher musste aber noch der Unterhalt für mich geregelt werden und so haben wir uns alle bei einem Rechtsanwalt getroffen. Während der Verhandlung habe ich im Nebenraum mit den beiden Kindern seiner neuen Frau gespielt und wir haben uns eigentlich ganz gut verstanden, aber Kinder sind eben unvoreingenommener als Erwachsene. Als alles erledigt war, nahm mein Vater mich an die Hand und ging mit mir zu einem Spielwarengeschäft. Er wollte mir alles Mögliche kaufen, wenn ich nur noch einmal Papa zu Ihm sage. Kurzum, ich habe auf die Spielsachen verzichtet.

Wir wohnten weiter in Hann. Münden bei Familie Finkeldei und meine Mutter hatte in der Zwischenzeit eine Stelle als Verkäuferin angetreten. Oft habe ich mit Mimi, der Tochter unserer Wohnungsgeber gespielt, mit der ich mich gut verstand. Im nahegelegenen Wald gingen wir oft Bucheckern sammeln denn nach dem Krieg waren die Waren in den Geschäften knapp und man musste erfinderisch sein. So wurden Bucheckern zu Mehl gemahlen oder als Streusel auf Kuchen und Plätzchen verarbeitet. Manchmal kamen wir mit einer ganzen Einkaufstasche voll nach Hause. Wenn ich mit meiner Mutter unterwegs war, fuhren wir immer mit dem Bus und wenn Sie mich fragen, dann war das für mich immer das größte. Ich stand immer vorne bei dem Busfahrer, der mich schon kannte und habe mich an einer Haltestange festgehalten. Eines Tages, meine Mutter war arbeiten und ich hatte niemand zum Spielen, kam ich auf die Idee mal eine Runde mit dem Bus zu fahren. Da der Busfahrer mich kannte und dachte, meine Mutter wäre auch mit im Bus, hatte er nichts dagegen und als er an der Endhaltestelle merkte, dass dem nicht so war, nahm er mich auch wieder mit zurück. Als aber meine Mutter von der Arbeit nach Hause kam und ich nicht da war, herrschte große Aufregung. Eine Nachbarin hatte mich gesehen als ich in den Bus stieg und als der Bus wieder an der Endhaltestelle ankam, wartete meine Mutter schon auf mich. Zu Hause gab es erst mal ein Tracht Prügel mit dem Drahtteppichklopfer und ich bin nie mehr alleine Bus gefahren denn auf meinem Hintern zeichneten sich noch eine ganze Weile die Striemen des Teppichklopfers wie die olympischen Ringe ab, doch der Wunsch, später einmal Busfahrer zu werden, war geboren.

Als es in Hann. Münden mit der Arbeit schwieriger wurde, zogen wir nach Kamp-Lintfort an den Niederrhein zu meinen Großeltern mütterlicherseits wo ich auch meine Halbschwester Annemarie kennen lernte. 1939 hatte Mutter ihren damaligen Freund Franz Josef geheiratet doch leider kehrte dieser aus dem Krieg nicht zurück und meine Schwester, die 1940 geboren wurde wuchs bei Oma und Opa auf; meine Mutter wäre mit zwei Kindern in Hann. Münden alleine wohl nicht fertig geworden. Schnell wurde klar, dass das Elternhaus zu eng für uns alle wurde und nach dem eine Arbeitsstelle in Kamp-Lintfort gefunden war bezogen wir ein neues Quartier im sieben Kilometer entfernten Rayen. Hinter dem Haus befanden sich eine Schreinerei und davor die Hauptverkehrsstraße, die allerdings wenig befahren war. Sonst gab es nur Felder und den stark bewaldeten Eyller Berg wo es auch eine Rodelbahn gab. Jeden Tag sind wir mit dem Bus von Rayen nach Kamp-Lintfort gefahren, wo meine Mutter die Großeltern versorgt hat, die bereits ziemlich alt waren und im Laufe der Zeit lernte meine Mutter wieder einen Mann kennen, wieder einen Helmut. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und so wurde im Umkehrschluss auch diese Beziehung zur Enttäuschung. Er kam aus Chemnitz und verdiente als Schlosser in Neukirchen-Vluyn gutes Geld und so hoffte meine Mutter, die als Verkäuferin kein großes Einkommen hatte auf ein bisschen Unterstützung für uns beide. Er war immer viel unterwegs und auch wenn er sich um mich gekümmert hat als er zu Hause war, so hatte ich nie das gleiche Gefühl, das ich bei meinem leiblichen Vater hatte, obwohl ich diesen ja nur relativ kurz kannte. Etwas habe ich ihm dann aber doch hoch angerechnet. Er war ein sehr guter Schlosser und als ich Ihm von den damals gerade neuen Rollschuhen vorschwärmte, die viel zu teuer waren, fertigte er mir selbst welche an. Richtig schwer mit Stahlrollen und Lederriemen zum unter die Schuhe schnallen. Sicher, die Schuhsohlen gingen dadurch schneller kaputt und die Stahlrollen machten ordentlich lärm, aber ich hatte immerhin meine eigenen Rollschuhe.

Die Beziehung lief dann auch ein ganzes Jahr gut und dann kam es vor, dass er öfter nicht nach der Arbeit nach Hause gekommen ist, angeblich, weil er noch auswärts etwas zu tun hätte. Diese Ausreden kamen immer öfter, bis er plötzlich ganz verschwunden war, verschwunden und unauffindbar, und ein weiteres Jahr verstrich in dem ich ohne Vater aufgewachsen bin.

Mittlerweile war es 1950 und ich wurde, stolze sechs Jahre alt, in der katholischen Volksschule zu Rayen eingeschult. Ich hatte nur etwa 100 Meter bis zur Schule und auch Freunde fanden sich recht schnell, Hannelore, Magret, Heinz und Josef. Die ersten Schuljahre verliefen ohne bemerkenswerte Ereignisse und ich lernte lesen, schreiben und rechnen und nur von Mamas Helmut war weit und breit nichts zu sehen oder zu hören. Erst als wir uns eines Tages mit den Eltern meines Freundes Heinz unterhielten, die in Ihrem Haus eine kleine Trinkhalle hatten und auch selbst Limonade herstellten trafen wir auf eine Spur des vermissten Lebensgefährten in Form des Untermieters, der in Neukirchen-Vluyn mit ihm zusammen gearbeitet hatte. Zunächst machte er ein großes Geheimnis darum, da er angeblich nichts verraten dürfe aber nach einer Weile und dem Versprechen absolutes Stillschweigen zu wahren, rückte er damit heraus, dass Helmut schon seit langer Zeit unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben war und schließlich vom Arbeitgeber fristlos gekündigt wurde. Fluchtartig soll er seine Arbeitsstelle verlassen haben und nachdem man seinen Schrank geöffnet hatte, fand man sehr viele Unterlagen aus dem Osten. Und das war das, mehr war nicht zu erfahren.

Bei mir in der Schule lief es noch ganz gut und meine Mutter, die ja unseren Unterhalt bestreiten musste ging weiter arbeiten. Als ich einigermaßen gut und leserlich schreiben konnte, Schönschrift wie es damals noch hieß, kam meine Mutter auf die Idee, ich solle meinem Vater in Amerika schreiben, da der mich ja bis zu meinem 18 Lebensjahr unterstützen musste. Er hatte sich öfter gemeldet, da er wissen wollte wie es mir geht und wie ich in der Zwischenzeit aussähe und Mutter hatte Ihm unsere Situation bereits geschildert. Er wollte meine Maße wissen und schickte mir dann Kleidung, so dass ich manchmal wie ein kleiner Amerikaner aussah. Die Hemden, Hosen und Jacken hatten derart starke Farben, dass mich meine Schulfreunde alle neidisch angesehen haben. Es entstand ein reger Briefwechsel zwischen uns und erst später erfuhr ich, dass meine Mutter es sich zu Vaters Leidwesen, nicht hatte nehmen lassen noch ein Paar spitze Bemerkungen unter meine Briefe zu setzen. Das ärgerte ihn zunehmend mehr aber darauf kommen wir später noch zurück. Als ich etwa zehn Jahre alt war, bekam ich mein erstes Fahrrad und während Mutter noch arbeitete fuhr ich nach Schulschluss zu Oma und Opa nach Kamp-Lintfort. Manchmal bin ich auch in Rayen geblieben, wenn ich bei einer befreundeten Familie mitessen konnte. Ich hatte dann mehr Zeit mit meinen Freunden zu spielen. Natürlich haben wir auch sehr viele Streiche gespielt, so haben wir einmal ein altes großes Karrenrad vom Eyller Berg auf das Hausdach der Trinkhalle rollen lassen, das unterhalb des Berges an einer Wiese lag. Wir wollten nicht glauben, dass das Karrenrad die Lücke zwischen Wiese und Hausdach überspringt. Der Beweisführung fielen dann sehr viele Dachziegel zum Opfer und zur Strafe mussten wir eine Woche lang bei der Herstellung von Limonade helfen, Flaschen reinigen, Flaschen füllen und Kisten schleppen.

In den folgenden Jahren war der Tagesablauf Tag ein Tag aus mehr oder weniger gleich. Morgens ging es die Schule dann mit dem Rad nach Kamp-Lintfort zu Opa und Oma zum Essen und abends mit meiner Mutter zurück nach Rayen. Meine Mutter war abends immer sehr müde und schaffte es kaum mir bei den Schularbeiten zu helfen also sollte meine Schwester einspringen, doch da die ja selbst sehr viel lernen musste, um später Ihr Abitur zu machen hatte sie nur wenig Geduld dabei meinen mäßigen schulischen Leistungen auf die Sprünge zu helfen. Also haben sich meine Tanten und Onkel um mich gekümmert aber auch diese stießen bald an ihre Grenzen und so war ich letztlich mit meinem Talent alleine. Besonders im Rechnen wollte sich der Erfolg nicht so recht einstellen und einer meiner Lösungsansätze war es bei Freunden abzuschreiben, mit eingebauten Fehlern um nicht aufzufallen, aber das Gelbe vom Ei war auch das nicht. Kurzum ich schlug mich so durch, es interessierte sich schlichtweg keine Sau für mich.

1957 stand auf dem Kalender und Ich war bereits stolze 13 Jahre alt als meine 17 jährige Schwester auf die Idee kam mit Ihrem Brüderchen in den großen Schulferien eine Radtour mit Übernachtungen in Jugendherbergen zu machen. Da der kleine Karl-Heinz zu dieser Zeit sehr stabil war, konnte ein wenig körperliche Ertüchtigung sicher nicht schaden und so sollte uns unser Weg bis zum Bodensee führen. Mit je hundert Mark für vier Wochen starteten wir und fuhren per Anhalter bis Köln in einem Kohlenlaster und von dort per Fahrrad zum Bonner Venusberg. Nach diesem anstrengenden Tag übernachteten wir in der dortigen Jugendherberge und fuhren am nächsten Morgen weiter. Den Venusberg hinunter ging es ganz gut aber das Sitzen auf dem Fahrradsattel war mühsam da die Rucksäcke groß und sperrig waren und so kam meine Schwester auf die glorreiche Idee, unsere Räder mit der Bahn nach Rüdesheim zu meiner Patentante zu schicken. Ein waghalsiges Unternehmen da wir ja nicht einmal sicher sein konnten dass überhaupt jemand zu Hause ist. Per Anhalter kamen wir selbst auch am selben Tag an und fanden ihre Adresse. Meine Patentante freute sich sehr mich einmal wieder zu sehen und erlaubte uns unsere Fahrräder in Ihrem Keller zu deponieren. Nach einer Übernachtung in der Jugendherberge ging es per Anhalter weiter bis Freiburg. Am folgenden Morgen stockten wir sparsam unsere Vorräte auf dem Markt auf, Brötchen und Obst und konnten gegen Mittag einen Wagen anhalten der bereit war uns bis in die Schweiz mitzunehmen, ein Generalvertreter mit Wohnungen in Zürich, Rom und Mailand. Er war es dann auch der mir einen Drei-Tages-Ausweis für die Schweiz bezahlte, da man mich mit meinem Ausweis der britischen Besatzungszone nicht ins Land lassen wollte. Noch einmal half uns unser Generalvertreter als er solange an der Herberge Sturm geklingelt hatte bis man uns einließ obwohl um dreiundzwanzig Uhr bereits seit einer Stunde geschlossen war. Am nächsten Tag fuhren wir nach Konstanz zum Meldeamt um unsere Mutter zu verständigen, dass ich einen neuen Ausweis brauchte. Innerhalb von vier Tagen war alles erledigt und wir setzten die Reise fort, mit dem Schiff über den Bodensee zur wunderbaren Insel Mainau mit ihren vielen Blumen und später zurück nach Zürich wo wir noch einen Tag blieben. Unsere Mutter, mit der wir ja telefoniert hatten dachte, dass wir jetzt unser Ziel erreicht hätten, den Bodensee.

Aber meine Schwester wollte weiter über Italien, bis runter zur Côte d'Azur. Sicher war es ein kleiner Schock für unsere Mutter, als Sie erst eine Karte aus Mailand und dann eine von der Côte d'Azur bekam. Unser nächster Stop war Luzern mit dem traumhaften Luzerner See und der 1365 erbauten, überdachten Kapellbrücke. Nach einem eintägigen Aufenthalt ging es weiter durch das Tessin über Lugano bis ins italienische Mailand. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in dieser Stadt und ich bekam Bedenken, dass unser Geld nicht reichen würde. Aber ich hatte nicht geahnt, dass meine liebe Schwester, so gut reden konnte. Die Menschen waren beeindruckt von unserem Mut und unserer Lockerheit und so wurden wir oft zum Essen eingeladen und bekamen auch Geld geschenkt. Natürlich mussten wir auch lernen, dass nicht alle Menschen so liebenswürdig waren. Ausgerechnet ein italienischer Pfarrer sollte uns das vor Augen führen. Es war ein verregneter Tag, wir hatten keine ordentlichen Regenschirme und es gab nur wenig Verkehr auf unserer Strecke bis auf jenen Geistlichen der uns mitnahm. Ich saß auf der Rückbank und war eingenickt und bekam nicht viel mit von der angeregten Unterhaltung meiner Schwester und unserem Wohltäter bis ich Schwester auf einmal sagen hörte, dass er anhalten und uns auf der Stelle aussteigen lassen solle. Und da standen wir nun zu meinem Unmut im Regen. Meine Schwester war schockiert und auch ich kam aus dem Staunen nicht heraus als sie mir erzählte, dass der Pfarrer mit seiner Hand versucht hat zwischen Ihre Beine zu greifen. Ein Mann der Kirche! Wie man sich doch täuschen kann. Doch das sollte dann auch der einzige unangenehme Zwischenfall bleiben.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Mittelmeer. Mit zwei Mitfahrgelegenheiten erreichten wir erst Genua und schließlich Menton an der Côte d' Azur wo wir ein letztes Mal übernachteten bevor wir mit Nizza, Monaco und Monte Carlo unser Ziel erreichten. Am nächsten Tag waren wir schon früh auf den Beinen kamen aber nicht so schnell voran wie wir dachten. In Cannes angekommen sahen wir rechts neben der Straße einer großen Weinplantage, in die wir uns klammheimlich hineinschlichen. Eine runde Korbtasche mit Deckel, die meine Schwester von unseren Spenden gekauft hatte, haben wir dann mit saftigen Weintrauben gefüllt die unser Mittagessen sein würden. Am Nachmittag machten wir uns dann auf in Richtung Monaco. Kurz vor dem Fürstentum gibt es einen kleinen, dicht am Meer gelegenen Ort, Cap-Daniel, in dem es eine Jugendherberge gab. Für die Mädchen gab es einen Marmor getäfelten Schlafsaal in einem schicken Gebäude während wir Jungs draußen in einem Zeltlager auf Feldbetten schliefen. Aber ein Mann muss eben manchmal tun was ein Mann tun muss. Die Côte d ’Azur ist einfach zu schön um sich mit derartigen Kleinigkeiten aufzuhalten.

Gleich am zweiten Tag gingen wir am Abend nach Monte Carlo und kamen aus dem Staunen nicht heraus, als wir am Spielkasino die schicken Leute mit ihren großen eleganten Autos gesehen haben. Nach dem wir genügend gestaunt hatten, sind wir wieder nach Cap-Daniel getippelt, haben noch die beleuchteten Boote auf dem Meer beobachtet und sind dann völlig zufrieden in den Schlaf gesunken. Am nächsten Tag, es war sehr warm, wollte meine liebe Schwester den Strand in Nizza genießen. Auf dem Weg zum Strand durch die schmalen Gassen der Stadt entdeckte ich in einem Schuhgeschäft ein Paar schöne Sandalen, die ich unbedingt haben wollte, weil ich in meinen Schuhen unangenehm schwitzte. Nachdem wir uns am Strand etwas entspannt hatten, habe ich meine Schwester wieder mit den Sandalen genervt bis sie es leid war und mich per Anhalter nach Cap-Daniel schickte um das nötige Geld aus unserem