AuPair ? - Au weh ! - Mony Mürr - E-Book

AuPair ? - Au weh ! E-Book

Mony Mürr

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Beschreibung

Ein autobiografischer Erfahrungsbericht, der episodenhaft Einblicke gibt in die Tücken und Katastrophen des (Familien)Lebens mit einem Au Pair. Die Autorin schildert aus ihrer Sicht was geschieht, wenn anstelle der "großen Schwester" zur Kinderbetreuung ein heiratswilliges Sorgenkind einzieht ...

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Mony Mürr

Au Pair ?

- Au weh !

Ein Gastspiel in 3 Monaten

© 2018 Mony Mürr

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7469-9344-7

Hardcover:

978-3-7469-9345-4

e-Book:

978-3-7469-9346-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

Warum ich dieses Buch geschrieben habe

Visa-Probleme

Erwartungen und Wirklichkeit

Das Gastspiel

Aller Anfang ist schwer

Essgewohnheiten

Helikopter-Märthe

Märthe kocht

Notfall

Sprechstunde

Ein Stein für Märthe

Schulweg

Spielregeln

Der Koffer

Freunde

Geschwisterliebe ?

Miss Märthe und ihr Chauffeur

Märthe sucht einen Mann

Die Haarpracht

Schulfahrt

Laufen

Märthe fährt in die große Stadt

Wer schreit, dem muss geholfen werden

Im Schwimmbad

Samstag

Kirchgang

Märthe singt im Chor

Sprachkurs

Der Herr Papa

Märthe kommuniziert

Was ist das Programm für heute?

Fluchtversuche

Märthe kocht mal wieder

Einseitiges Unbehagen

Das Telefon

Entwicklungsgespräch

Das geheimnisvolle Zimmer

Das Handy

Die Kündigung

Geisterstunde

Rollenspiele

Savant-Syndrom

Der (vor)letzte Tag

Abschiedssch(m)erz

Anstelle eines Epilogs

Märthes Märchen

Vorbemerkungen

Warum ich dieses Buch geschrieben habe?

Vorstellungsgespräche sollen dem Arbeitgeber helfen herauszufinden, ob der Bewerber die gestellten Anforderungen erfüllt und in die Firma und zur Belegschaft passt. Dabei kann auch überprüft werden, ob die bei der Bewerbung gemachten Angaben stimmen, indem man zum Beispiel einen Einstellungstest durchführt oder einen Probearbeitstag anbietet oder fordert.

Bei der Auswahl eines AuPairs gestaltet sich dies schwieriger, da man sich nur per Facebook, Mail oder bestenfalls per Skype austauschen kann. Auch wenn die Fotos, die Bewerbungsunterlagen und der erste (Fern)Eindruck noch so gut sind, eigentlich kauft man „die Katze im Sack“, wie die schöne Redensart lautet, oder etwas netter ausgedrückt, ein „Überraschungs-Ei“. Wie die Werbung verspricht, ist in jedem siebten Ei etwas Besonderes dabei – oder so ähnlich. Nun, unser Ei war Nummer 7 und die Überraschung / Verblüffung / Enttäuschung über die Besonderheiten war groß.

Aus diesem Grund ist dieses Buch entstanden. Als Titel hatte ich mir ursprünglich in Anlehnung an Friedrich Dürrenmatts tragische Komödie „Der Besuch der alten Dame“

„Besuch einer jungen Dame“

Eine komische Tragödie in 12 Monaten Wochen

ausgesucht, da ich aber nicht weiß, inwieweit dieser Titel die komplizierten Urheberrechte verletzt, sei dies nur am Rande erwähnt.

Für mich war das Schreiben eine Art von Stressbewältigung durch Schreib-Therapie, der Versuch den Tag schreibend statt schreiend zu bewältigen.

Es ist ein Erfahrungsbericht, der zum Teil überzogen wirken mag, aber im Großen und Ganzen hat es sich so zugetragen wie beschrieben – oder schlimmer…

Trotzdem möchte ich ausdrücklich betonen, dass es sich hierbei um eine einzelne private Tragödie/Komödie handelt, quasi ein „Einzelschicksal“. Dieses Buch sagt nichts aus über die Arbeit all der anderen AuPairs weltweit und das ist auch nicht von mir gewollt.

Ich kenne einige Gasteltern und AuPairs, die auch Jahre und Jahrzehnte später noch Kontakt haben und sich gegenseitig besuchen. Diese Erzählungen haben mich erst auf den Gedanken gebracht, ein AuPair in unsere Familie aufzunehmen.

In der Theorie schien dies die optimale Lösung für uns zu sein, in der Praxis allerdings war es ein völliger Fehlschlag.

Visa-Probleme

Nachdem wir Märthe nach intensiver Suche in den Weiten des AuPair-Marktes gefunden hatten und die Verträge alle unter Dach und Fach waren, hat die ganze Familie ungeduldig auf die Ankunft unseres neuen Familienmitglieds gewartet.

Dann der Schock, als das Visum nicht bewilligt wurde.

Die Begründung der Botschaft lautete, aus Märthes Antrag sei nicht ersichtlich, warum ein AuPair-Aufenthalt in Deutschland für ihre weitere Lebensplanung von Bedeutung sei.

Zunächst war ich fassungslos, weil die Botschaft einer Germanistik-Studentin das Visum verweigert. Nachdem Märthe mir aber eine Kopie ihres Antrags gemailt hatte, konnte ich die Begründung der Botschaft nachvollziehen: „Ich möchte mit Kindern spielen und ihnen Geschichten erzählen“ ist eine recht dürftige Erklärung. Das kann sie auch auf ihrer Insel, dazu muss sie nicht unbedingt nach Deutschland fliegen.

Da wir aber unbedingt Märthe als AuPair haben wollten, habe ich den folgenden Brief an die Botschaft geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wir gestern von Frau Sch. erfahren haben, wurde ihr Antrag auf ein AuPair-Visum abgelehnt.

Dies hat uns sehr bestürzt, da Märthe (so nennen wir sie) im Laufe der Wochen, während wir auf das Visum gewartet haben, bereits wie ein Familienmitglied für uns geworden ist. Obwohl wir uns noch nicht persönlich getroffen haben, haben wir doch regelmäßig Kontakt über Skype, E-Mail und die sozialen Medien.

Für unsere beiden Söhne ist sie mittlerweile die große Schwester geworden, auf deren Ankunft sie sich sehr freuen und mit der sie schon viele Pläne haben. Dementsprechend groß ist jetzt die Enttäuschung in unserer Familie über den Ablehnungsbescheid, gegen den wir hiermit Einspruch erheben. Unsere Remonstration begründen wir wie folgt:

In Ihrer Ablehnung verweisen Sie darauf, dass „ein konkreter Zusammenhang zwischen Märthes persönlicher Lebensplanung und dem AuPair-Aufenthalt“ nicht festzustellen sei, was uns sehr erstaunt hat.

Märthe studiert Germanistik an der Universität ihres Heimatlandes und lernt Deutsch am Goethe-Institut, da ihr Berufsziel Deutsch-Lehrerin ist. Deshalb ist es für ihre berufliche Weiterentwicklung durchaus von Bedeutung, das Land, die Kultur und die Sprache, die sie später einmal ihren Schülern vermitteln will, aus erster Hand kennenzulernen, zu „erleben“. Diese Möglichkeit hat Märthe durch einen AuPair-Aufenthalt in Deutschland, bei dem sie als ein Teil unserer Familie auch das Alltagsleben in einer anderen Kultur erfährt und unsere Land „hautnah“ und nicht nur aus Büchern und Filmen kennenlernt.

Auch ist das Erlernen einer Sprache unter Muttersprachlern wesentlich einfacher und effizienter, als dies stundenweise in einem Sprachkurs möglich ist. Trotzdem wird Märthe auch in Deutschland weiterhin einen Sprachkurs besuchen, um neben der gesprochenen Sprache auch ihre Kenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik zu festigen bzw. zu vertiefen.

Ich habe Märthe durch unseren Mail-Kontakt als eine aufgeschlossene und interessierte junge Frau kennengelernt, die sehr engagiert ist in ihrem Studium und mir auch viele fachliche Fragen gestellt hat.

Da ich selbst Deutsch-Lehrerin bin, wird sie die Möglichkeit haben, an meiner Schule im regulären Deutsch-Unterricht und im Deutsch-Kurs für Migranten zu hospitieren und so Einblicke in das deutsche Schulsystem und das Lehrerleben erhalten.

Mit den genannten Gründen konnten wir Ihnen hoffentlich darlegen, dass ein Aufenthalt in Deutschland für die berufliche Weiterentwicklung und Lebensplanung von Frau Sch. wichtig ist und sie für ihre spätere Arbeit wichtige Erfahrungen sammeln kann.

Weiterhin möchte ich noch anführen, dass an deutschen Universitäten für Studierende einer Fremdsprache ein Aufenthalt im Ausland sogar vorgeschrieben ist.

Wir bitten Sie deshalb höflichst, den Visa-Antrag noch einmal zu prüfen, um Märthe Sch. den AuPair-Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

Mony Mürr

Dieser Brief schildert das Bild von Märthe, das wir von ihr gewonnen hatten. Es hat sowohl uns wie auch die Mitarbeiter der Botschaft überzeugt. Sie erhielt ihr Visum und Einzug in unsere Familie.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir die Arbeit sparen können, denn es gibt nur eine einzige einfache Begründung, warum der AuPair–Aufenthalt in Deutschland für Märthes Lebensplanung unerlässlich ist:

Sie will von einem deutschen Mann geheiratet werden und in Deutschland leben. So wie ihre Cousine auch. Zukunftspläne über die Eheschließung hinaus hat sie keine. Vielleicht Kinder, und dann mit ihnen spielen und Geschichten erzählen…

Erwartungen und Wirklichkeit

Der Besuch der jungen Dame, das heißt ihre Ankunft, war für das Frühjahr geplant, hat sich aber durch die ganzen Formalitäten bis zum Sommer hinausgezögert.

Wir haben in dieser Zeit Mails und Facebook-Nachrichten ausgetauscht und es hatte den Anschein, als würden wir uns gut verstehen.

Märthe schien perfekt für uns. Wie das vorhin schon erwähnte Ü-Ei, bot sie drei Sachen auf einmal: Sie hat sehr gute Deutsch-Kenntnisse und ist sportlich. Vor allem aber hat sie einen Führerschein und Fahrpraxis, was bei einem Leben außerhalb der Stadt fast unverzichtbar ist. Der Besitz eines Führerscheins war die Grundvoraussetzung, um in unserer Familie AuPair werden zu können, und das Ausschlusskriterium für einige andere vielversprechende Bewerberinnen.

Das alles hatte Märthe in ihren Bewerbungsbogen angegeben. Aber leider sind manche Aussagen oft nicht mehr wert, als das Papier, auf dem sie stehen. Papier ist bekanntlich auch geduldig, aber ich bin es nicht mehr, weshalb ich jetzt diese Seiten fülle.

In der Realität und von Nahem betrachtet hat alles ganz anders ausgesehen:

1) Märthes Deutsch-Kenntnisse sind wirklich sehr gut und wenn sie sprechen würde, könnte man das als Pluspunkt werten.

2) Märthe hat plötzlich doch keinen Führerschein. Nach ihrer eigenen Aussage kann sie nicht schalten und lenken, und wer sie einmal hat Fahrradfahren sehen, der kann dies nur bestätigen.

3) Sportlichkeit, die dritte Überraschung: Das Fahrradfahren habe ich bereits erwähnt, aber laut Bewerbungsunterlagen kann Märthe schwimmen. Beim ersten Freibad-Besuch saß sie unterm Regenschirm (der Sonne wegen) und wollte nicht ins Wasser gehen. Weitere Schwimmbad-Besuche hat sie komplett verweigert.

Zu guter Letzt haben wir zum Glück keine Haustiere, um die sich unser AuPair -laut ihren Bewerbungsunterlagen- kümmern kann, denn Märthe hat Angst vor Hunden und Katzen und davon gibt es in unserer Nachbarschaft viele.

Da ohne Führerschein, besteht ihre Hauptaufgabe nun darin, sich zuhause um die Kinder zu kümmern - so lautet die offizielle Version.

Inoffiziell kümmern sich die Kinder um sich selbst und betreuen nebenbei noch ihr AuPair.

Von kleineren Episoden und Katastrophen abgesehen, wenn Märthe wirklich einmal versucht hat ihren Job zu machen, klappt das recht gut und unsere Kinder werden selbständig und fast schon Selbstversorger – immerhin ein positiver Aspekt, den man dem Ganzen abgewinnen kann.

Das ist jetzt also unsere Geschichte …

Das Gastspiel

Aller Anfang ist schwer

Endlich ist es soweit. Märthe hat ihr Visum erhalten und könnte eigentlich sofort nach Deutschland fliegen. Sie weiß jedoch noch nicht, wann sie kommen wird, weil ihre Schwester den Flug für sie bucht. Die ist aber gerade noch anderweitig, nämlich mit dem Besuch ihrer Mutter, beschäftigt.

Märthe schreibt uns, dass sie bis Mitte Juli auf jeden Fall ankommen wird, denn sie will bei der Hochzeit ihrer Cousine dabei sein. Da ich immer alles gerne im Voraus plane, nehme ich selbst Kontakt zu der Schwester auf und teile unserem künftigen Familienmitglied dann die Flugdaten mit. Sie wird an einem Samstagmorgen um halb sechs Uhr landen.

Pünktlich zur erwarteten Ankunft stehen wir also morgens um viertel nach fünf am Flughafen, Terminal B und die Kinder halten stolz ihr selbstgemaltes, drei mal zwei Meter großes Plakat mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen Märthe“ in die Höhe.

Mein Mann, der versucht in die Ankunftshalle zu sehen, durchbricht versehentlich die Lichtschranke und ruft das Sicherheitspersonal auf den Plan. Ansonsten ist wenig los um diese Uhrzeit, lediglich drei andere Personen warten mit uns – natürlich nicht auf Märthe.

Der erste Passagier kommt, die Spannung steigt.

Ich weiß, dass Märthe wilde Locken hat und eine große schwarze Brille trägt. Außerdem hat sie geschrieben, sie werde mit drei Koffern anreisen. Ich habe ihr geantwortet, dass wir zu viert kommen und die Kinder ein großes Plakat für sie vorbereitet haben.

Weitere Passagiere kommen und gehen.

Dann kommt eine junge Frau mit Turban, ohne Brille und mit zwei Koffern. Sie rennt an uns vorbei in Richtung Ausgang.

„Ist sie das?“, fragt mein Mann.

Ich verneine. Diese Frau passt nicht auf die Personenbeschreibung, die Märthe von sich selbst gegeben hat, und unser Plakat ist sicher nicht zu übersehen.

Eine halbe Stunde später stehen wir immer noch an der gleichen Stelle und warten. Das „Willkommen“-Schild liegt mittlerweile auf dem Boden, weil den Kindern die Arme wehtun. Sie fangen an zu murren, denn ihnen ist langweilig und sie haben Hunger.

Inzwischen wird schon der nächste Flug abgefertigt.

Ob unser AuPair seinen Anschluss-Flug verpasst hat und noch immer in Afrika festsitzt?

Mein Mann, ein Mann der Tat, beschließt die junge Frau mit dem Turban und den zwei Koffern zu suchen. Diese ist schon mehrmals orientierungslos an uns vorbeigelaufen. Gerade eben ist sie wieder nach draußen gegangen.

„Die läuft hier herum wie bestellt und nicht abgeholt“, meint er, „vielleicht ist es doch Märthe.“

Ich zweifle daran, denn diese hat einen Universitäts-Abschluss und kann sicher ihren Namen lesen. Außerdem kennt sie unsere Kinder von Bildern. Aber da mir keine bessere Lösung einfällt, lasse ich meinen Mann mit Konrad, unserem älteren Sohn, ziehen. Silas, unser Kleiner, ist während des Wartens auf einer Bank eingeschlafen.

Keine zehn Minuten später ist mein Mann zurück. Er hat zwei Koffer und die junge Frau mit dem Turban im Schlepptau. Es ist tatsächlich Märthe. Sie wusste nicht, wo wir sie abholen wollten, deshalb hat sie sich an den Taxistand gestellt. Ich bin leicht irritiert, aber hauptsächlich froh, dass die Warterei endlich ein Ende hat und wir mit unserem neuen Familienmitglied nach Hause fahren können.

Dort angekommen, möchte Märthe sofort mit der Arbeit beginnen und das Haus putzen. Ich hingegen möchte erst einmal frühstücken und schlage ihr vor sich etwas auszuruhen, während wir Brötchen kaufen. Sie will lieber mitkommen und so starten wir unseren ersten gemeinsamen Einkauf. Dabei läuft Märthe schweigend zwei Schritte hinter mir her und weiß nicht, ob sie etwas kaufen möchte.

Beim Frühstück weiß Märthe nicht was sie essen möchte. Auf ihrer Insel, so erzählt sie, isst man nur Reis - morgens, mittags und abends.