be-coming - Simon Rhys Beck - E-Book

be-coming E-Book

Simon Rhys Beck

0,0

Beschreibung

Auf einer Party lernt der Autor Falk Arthur den jungen Cieran Webb kennen. Er ist sofort fasziniert und lädt Cieran zu sich nach Hause ein. Dort gelten Falks eigene Regeln, und Falk hat sein Handwerk gelernt. Schnell stellen beide fest, dass zwischen ihnen viel mehr ist als Freundschaft. Cieran will sich unterwerfen - und zwar ganz. Und Falk ist bereit, diesen Weg zu gehen. Doch Falk hat mysteriöse Freunde, und bald sind sie in ein lebensgefährliches Abenteuer verstrickt, bei dem sich herausstellt, dass nicht nur Cieran ein dunkles Geheimnis hat. Phil, ein alter Freund von Falk taucht auf der Bildfläche auf. Und Phil verändert sich ...

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Seitenzahl: 374

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Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2015

http://www.deadsoft.de

© by s.r. beck

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com/

Bildrechte: Roman Striga – shutterstock.com

4. Auflage

ISBN 978-3-934442-10-8 (Print)

Inhalt:

Auf einer Party lernt der Autor Falk Arthur den jungen Cieran Webb kennen. Er ist sofort fasziniert und lädt Cieran zu sich nach Hause ein. Dort gelten Falks eigene Regeln, und Falk hat sein Handwerk gelernt. Schnell stellen beide fest, dass zwischen ihnen viel mehr ist als Freundschaft. Cieran will sich unterwerfen - und zwar ganz. Und Falk ist bereit, diesen Weg zu gehen.

Doch Falk hat mysteriöse Freunde, und bald sind sie in ein lebensgefährliches Abenteuer verstrickt, bei dem sich herausstellt, dass nicht nur Cieran ein dunkles Geheimnis hat. Phil, ein alter Freund von Falk, taucht auf der Bildfläche auf. Und Phil verändert sich ...

1

FALK

Seufzend steckte ich mir eine Zigarette an. Ich rauchte nicht regelmäßig, vielleicht nur aus Langeweile. Warum hatte ich mich nur wieder einmal überreden lassen? Den wenigsten Partys konnte ich etwas abgewinnen. Und hier – nun, ein Blick hatte mir genügt, um zu erkennen, dass sich hier ausschließlich Psychologen und Juristen tummelten. Ich war nicht einmal auf einer Universität gewesen! Diese Veranstaltung entsprach auf geradezu amüsante Weise dem Klischee der High-Society-Party. Und natürlich würden alle finden, dass gerade ich hier bestens hineinpasste, vielleicht weil meine Klamotten ein Vermögen gekostet hatten, aber ich empfand das nicht.

Ich lehnte mich an eine der kühlen Säulen und betrachtete das Treiben um mich herum, als mich jemand am Arm berührte – es war Lisa Webb, die Gastgeberin.

»Wie schön, dass du kommen konntest, Falk.« Sie lächelte mich offen an und entblößte dabei eine hübsche Reihe kleiner weißer Zähne.

Automatisch lächelte ich zurück.

»Hast du dein Gepäck schon hereingeholt?«

»Ist alles schon erledigt, Lisa«, sagte ich. Die fleißigen Hausangestellten hatten mir meine Reisetasche förmlich entrissen und mich dazu gezwungen, mir das für mich bereitgestellte Gästezimmer anzusehen.

Ich hatte Lisa Webb vor ein paar Monaten durch einen merkwürdigen Zufall kennengelernt, bei den Recherchen zu meinem neuen Roman. Seitdem hatten wir uns einige Male getroffen und ausgesprochen gut unterhalten. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob sie sich mehr von unserer Beziehung versprochen hatte. Vielleicht wollte sie mit mir ins Bett – wer konnte das schon so genau sagen? Doch eigentlich war ich überrascht gewesen, als sie mich zu dieser Party einlud. Sie wohnte etwa zwei Autostunden weit entfernt von meinem Heimatort und hatte daher sofort angeboten, dass ich bei ihr übernachten könne. Ein Angebot? – Platz hatten die Webbs jedenfalls reichlich, denn Lisa und ihr Bruder Cieran hatten nach dem Tod ihrer Eltern das komplette Anwesen geerbt.

Trotzdem erschien Lisa nie großspurig, nie verschwenderisch, was ich sehr sympathisch fand. Und sie hatte es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht, ihren jüngeren Bruder Cieran zu versorgen.

Von einem vorbeieilenden Kellner ergatterte sie zwei Gläser Champagner und reichte mir davon eins.

»Auf diesen Abend«, sagte sie lächelnd.

»Cheers.« Der Champagner kribbelte in meiner Kehle. Was dieser Abend wohl noch für Überraschungen parat hielt?

Ihre Blicke irrten durch den vollen Raum, doch schließlich schien sie gefunden zu haben, wonach sie Ausschau hielt. »Komm, Falk.«

Ich folgte ihr neugierig. Lisa steuerte zielstrebig auf einen Mann zu, der sich angeregt mit zwei attraktiven Frauen unterhielt.

»Darf ich dir meinen Bruder vorstellen – Cieran?«

Er drehte sich zu uns um, und ich erstarrte. Er war unglaublich hübsch, mit hohen Wangenknochen, einer schmalen Nase und einem wohlgeformten Mund. Seine grünen Augen durchbohrten mich, und ich sah mehr Neugier in ihnen als Sympathie.

Langsam machte er zwei Schritte auf uns zu.

»Cieran, das ist Falk.«

Cieran nahm meine Hand und drückte sie fest. Er hatte einen warmen, jugendlichen Händedruck. Sein Lächeln war herzlich, doch es verunsicherte mich. Ein leichter Anflug von Spott zog seine Mundwinkel nach unten. Ein eigenartiges Lächeln.

»Falk – mein lieber Bruder Cieran.«

»Hallo«, sagte ich. Mir war bewusst, dass wir uns neugierig musterten. Nicht unbedingt freundlich, eher wie zwei Raubkatzen.

Ich zog mich ein wenig zurück, ich war schließlich der Erfahrenere. Cieran war sicher zehn Jahre jünger als ich.

Er lächelte mich an. »Bist du auch einer von denen?« Er machte eine Handbewegung in den Raum hinein. Lisa bedachte ihn mit einem ärgerlichen Blick.

Ich lachte leise. »Von den Seelenklempnern, meinst du? – Nein, ich bin Schriftsteller.«

»Da bin ich ja beruhigt«, sagte er amüsiert. »Ich hab mich schon langsam unwohl gefühlt.«

Lisa runzelte die Stirn. »Schriftsteller tendieren dazu, Leute noch stärker zu durchleuchten als Psychologen.«

Er lachte auf. »Das ist ja eine richtige Röntgen-Party, was?«

Ich grinste. Lisa drehte sich mit einem verärgerten Gesichtsausdruck um und ließ uns allein. Neugierig sah ich ihn an. Würde er ein Gespräch mit mir anfangen oder sich wieder den beiden hübschen jungen Damen widmen, mit denen er eben gesprochen hatte?

Verunsichert sah er zwischen ihnen und mir hin und her. Ich kam ihm zu Hilfe, denn es war mir unangenehm, ihn so zappeln zu sehen.

»Ich hole mir noch etwas zu trinken. Denke, wir sehen uns noch.«

Cieran nickte. Irgendetwas an seinem Blick passte nicht. Nur was, fragte ich mich. Ich drehte mich um und nahm mir vor, genau das noch herauszufinden.

Ich hatte mich getäuscht, der Abend war doch interessanter geworden, als ich mir vorgestellt hatte. Claudia, eine Freundin von Lisa, hatte sich meiner angenommen und war nicht bereit, mich wieder aus ihren Fängen zu entlassen. Erst später beichtete sie, dass sie von Anfang an gewusst hatte, wer ich war, und dass sie meine Bücher liebte.

Ich grinste. Es war nicht schlecht, manchmal gebauchpinselt zu werden.

Ich zündete mir gerade eine weitere Zigarette an und lehnte mich in einem der hellen Cocktailsessel zurück, die zu einer kleinen Sitzecke gruppiert waren, als Cieran sich hinter mich stellte. Seine Anwesenheit brachte mich sofort aus dem Konzept, und es fiel mir schwer, mir dies nicht anmerken zu lassen. Er war wirklich hübsch, ich hatte ihn den ganzen Abend über aus den Augenwinkeln beobachtet. Ich dachte nur noch daran, wie es wohl war, ihn zu küssen. Es war fast eine Manie, ich konnte kaum noch klar denken.

»Was schreibst du denn?« fragte er.

Claudia warf ihm einen überraschten Blick zu. Ich sah ihr an, dass sie diese Frage nicht so recht glauben konnte. Immerhin war ich mittlerweile in den Bestseller-Listen vertreten.

Ich legte den Kopf in den Nacken, um ihn ansehen zu können. Er starrte auf mich hinunter. Und erst jetzt sah ich die hübsche Rothaarige in seiner Begleitung. Hatte sich sein Engagement wohl doch gelohnt, dachte ich und unterdrückte ein Grinsen. Natürlich versetzte es mir auch einen Stich – ich war wirklich von mir eingenommen. ArroganterBock, schalt ich mich selbst.

»Diese Frage beantworte ich dir erst, wenn du wirklich Interesse daran hast, die Antwort zu erfahren.«

»Meinst du, das habe ich nicht?« fragte er amüsiert.

Jetzt meldete sich seine exotische Begleiterin zu Wort. »Sie sind Falk Arthur, nicht wahr?«

Ich nickte, verdrehte mir fast den Kopf, um sie anzusehen.

»Falk ist ein ungewöhnlicher Name«, stellte sie fest. Sie hatte eine tiefe, rauchige Stimme. »Ein Künstlername?«

Ich lachte und zog an meiner Zigarette. »Nein, ich heiße tatsächlich so. – Wie ist Ihr Name?«

Sie trat um meinen Sessel herum, damit ich sie richtig anschauen konnte. »Namen sind Schall und Rauch, oder nicht? – Ich heiße Sue.«

Sie setzte sich zu mir, und auch Cieran ließ sich mir gegenüber auf einen Sessel gleiten. Ich konnte nicht einschätzen, ob ihm Sues Interesse an mir gegen den Strich ging.

»Ihr neuer Roman war sehr spannend«, begann sie.

»Danke.«

»Sie scheinen sich sehr mit der Materie befasst zu haben ...«

Ich nickte. »Recherchieren macht sicher die Hälfte eines guten Romans aus. Und ich gebe zu, dass mich die Dämonenthematik, das Mystische, Unerklärliche sehr gereizt hat.«

»Das kann ich gut verstehen«, bemerkte sie. Ihre Augen funkelten. »Glauben Sie denn daran?«

Überrascht schüttelte ich den Kopf und grinste. »Nein. Ich bin Autor – da muss man doch ein Mindestmaß an Fantasie einbringen.«

Das nun wieder schien sie zu enttäuschen. Oder war es Verärgerung, was für eine Sekunde ihren Gesichtsausdruck verdunkelte?

»Ich habe mich auch lange Zeit mit den sogenannten Schattenseiten befasst«, sagte sie, merklich kühler, »mit dem Mystischen, mit Voodoo ...«

Das Grün ihrer Augen bereitete mir fast Kopfschmerzen.

»Und? Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?«

Sie zuckte mit den Schultern, wirkte auf einmal fast gleichgültig. »Dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als der normale Mensch begreifen kann.«

»Was genau meinen Sie damit?« Sue hatte nicht wirklich mein Interesse geweckt, aber ich wollte nicht unhöflich erscheinen.

»Vielleicht finden Sie das eines Tages selbst heraus.«

Ich schaute zu Cieran hinüber und bemerkte seinen angespannten Gesichtsausdruck. Er hielt sich auffallend aus dem Gespräch heraus. Das Thema schien ihm nicht gerade zu behagen. Oder störte es ihn nur, dass ich mich mit Sue unterhielt?

»Mit anderen Worten: Sie glauben daran?«

Sie sah mich lächelnd an, doch in ihrem Lächeln war nicht der Hauch von Wärme. »Es ist in jedem Fall ein interessantes Thema«, wich sie geschickt aus. »Und ich bin nicht der Meinung, dass wir die Weisheit gepachtet haben, was solche Phänomene angeht. Es gibt Naturvölker, die diese Thematik völlig anders behandeln.«

Da stimmte ich ihr zu; doch für mich war das Thema erledigt. Im Prinzip war es mir auch egal, was sie dachte. So lange ich nicht gezwungen wurde, einer schwarzen Messe beizuwohnen oder obskure Götter anzubeten.

2

CIERAN

»Sue«, keuchte ich und küsste sie wild. Sie lächelte boshaft und zwang mich auf den Rücken. Ich war nicht überrascht. Viele Frauen mochten es, mich nach unten zu drängen. Wahrscheinlich lag es an meinem Alter, an meiner jungenhaften Gestalt. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es sie reizte – ich war beides, oder keins von beidem, nicht mehr Kind, aber auch noch kein Mann. Doch ich ließ sie niemals im Unklaren, davon abgesehen, dass sie an meinem langsamen Gang sehen mussten, dass ich nach dem Flugzeugabsturz körperlich beeinträchtigt war.

Ihre Hand glitt hinunter, zwischen meine Beine – doch sie fühlte nicht das, was sie erwartet hatte. Ihr Kuss endete abrupt. Misstrauisch sah sie mich an. Ihr heißer Körper gewann ein wenig Abstand zu mir. Ihre unausgesprochene Frage hing wie ein Damoklesschwert über meinem Kopf.

»Ich habe dir doch gesagt, dass ich nicht mit dir schlafen kann«, flüsterte ich leise. Ich war verunsichert.

Sie starrte mich ungläubig an. »Das ist doch nicht dein Ernst?« Ihre Stimme war fast schrill.

Irritiert schüttelte ich den Kopf. Was sollte das?

»Natürlich ist das mein Ernst; meinst du, ich mache Witze darüber?« Ich spürte, wie eine kalte Wut in mir aufstieg. Eine kalte, ohnmächtige Wut. Was bildete sie sich ein?

»Dann bist du wirklich ein Krüppel?«

Ich biss die Zähne aufeinander. Meine Kiefermuskeln bebten so heftig, dass ich mit den Zähnen knirschte.

»Du dumme Gans«, flüsterte ich beherrscht.

Aber sie starrte mich weiterhin an, als wäre ich ein seltenes Insekt.

»Du machst mich an«, sagte sie langsam, »obwohl du nicht in der Lage bist, zu vögeln?« Sie betonte jedes Wort.

»Hau ab, raus aus meinem Bett!« fauchte ich. Meine Empörung wandelte sich in flammenden Zorn. Stumm vor Wut sah ich zu, wie sie ihre Sachen zusammenraffte und aus meinem Zimmer rauschte. Und sie lachte. Mein Gott – sie lachte wirklich über mich!

»Komm ja nicht wieder in meine Nähe!« schrie ich hinter ihr her. Ich spürte, wie die ersten Tränen an meinen Wangen hinunterliefen. Ein unkontrollierbares Schluchzen entrang sich meiner Kehle.

Es war so demütigend. Tränen liefen über mein Gesicht, ich war verwirrt und erschöpft. Was war bloß los? – Selbstbeherrschung ade.

Wieso passierte so etwas? Ich konnte das nicht verstehen, denn ich hatte es ihr doch gesagt. Glaubte sie vielleicht, ich würde darüber wirklich Witze machen? – Es war verdammt noch mal schwer genug für mich. Ich hatte mir – bei Gott – nicht ausgesucht, impotent zu sein!

Nach einiger Zeit hörte ich ein vorsichtiges Klopfen an der Tür.

»Cieran?«

Ich erkannte die Stimme sofort, dunkel und sanft – es war Falk. Ich wollte nicht mit ihm sprechen, ich wollte mit niemandem reden. Aber aus irgendeinem Grund schluckte ich heftig und sagte: »Ja?«

Die Tür wurde einen Spalt weit geöffnet, und ich sah den Umriss seines Gesichts. Er machte einen betroffenen Eindruck, zumindest dachte ich das, obwohl ich seinen Gesichtsausdruck kaum sehen konnte.

»Darf ich reinkommen?«

Ich schniefte leise, meine Schwäche war mir unangenehm. Er musste sofort bemerkt haben, dass ich heulte.

Ich machte eine Handbewegung, um ihn reinzubitten.

Er kam langsam auf mein Bett zu, sah von oben auf mich herab und setzte sich dann vertraut zu mir.

Er trug noch immer die Kleidung, die er auf der Party getragen hatte, dunkle Stoffhose, enges, weißes Hemd mit 70er-Jahre-Kragen, schwarze Schuhe. Er roch nach Zigaretten und einem herben, männlichen Duft, den ich nicht kannte.

»Cieran«, sagte er leise. Und ich erschauderte, als er meinen Namen aussprach. »Was ist passiert?«

Wieder spürte ich den Reif, der sich fest um meine Kehle legte. Ich schüttelte den Kopf.

»Na, komm schon«, sagte er. Seine Stimme war wirklich vertrauenerweckend. »Sue ist eben an mir vorbeigerannt wie eine Furie.«

Ich zuckte zusammen, als hätte er mich geschlagen. Wenigstens erwähnte er nicht, dass sie mich ausgelacht hatte. Denn das musste er ebenfalls mitbekommen haben.

»Fast hätte sie mich die Treppe hinuntergestoßen.« Er sah mich lange an. »Könnte es sein, dass deine miese Stimmung mit ihr zusammenhängt?«

Ich schluckte hörbar, erneut traten Tränen in meine Augen. Ich schämte mich wegen meiner Schwäche. Mit erstickter Stimme presste ich ein »Ja« heraus.

»Wenn du mir davon erzählst«, sagte er sanft, »wird es wahrscheinlich sofort leichter für dich.«

Ich sah ihn ärgerlich erstaunt an, betrachtete ihn länger, als ich es den gesamten Abend über getan hatte. Warum sollte ich es ihm erzählen? Sein Tonfall machte mich plötzlich wütend.

»Lass mich mit diesem Psycho-Quatsch in Ruhe«, zischte ich unfreundlich und war mir der Tränen, die wieder über meine Wangen liefen, nur allzu bewusst.

»Sie hat dich wirklich verletzt«, stellte Falk nüchtern fest. Er zögerte einen Moment, dann sagte er: »Sie war sauer, weil du sie nicht ficken konntest, nicht wahr?«

Ich stöhnte leise. »Warum hat Lisa dir das erzählt?« fragte ich und war im nächsten Moment so enttäuscht und frustriert wie schon lange nicht mehr. Und sofort schrillten alle meine Alarmglocken – was hatte sie noch über mich erzählt?

Er sah mich nachdenklich an. »Menschen erzählen mir alles, was ich wissen möchte.«

»Sie hatte kein Recht dazu«, stellte ich fest und zog in Ermangelung eines Taschentuchs die Nase hoch.

Er holte ein Taschentuch aus der Hosentasche und reichte es mir.

»Sie will nur dein Bestes, Cieran. Sie liebt dich.«

Es war eigenartig, das aus seinem Mund zu hören. Ich wusste, dass Lisa mich liebte, aber ich war wirklich wütend, dass sie es diesem Mann gesagt hatte. Dass ich nicht konnte, wusste nur eine Handvoll Leute – und das war mir nur recht.

»Haben Psychologen nicht auch eine Art Schweigepflicht?« Ich versuchte nicht, meinen Zynismus zu verbergen. Lisa hatte sich zu meiner persönlichen Therapeutin gemacht – obwohl sie der Tod unserer Eltern auch arg mitgenommen hatte. Wenn sie also meinte, ich sei ihr Patient, oder Klient, wie auch immer, dann hatte sie kein Recht, einem Fremden solche Details zu offenbaren.

Falk zuckte nur mit den Schultern. »Sie meint, dich beschützen zu müssen.«

»Toll ...«

»Vielleicht machst du noch so einen unselbstständigen Eindruck?« Er verzog amüsiert die Mundwinkel, als er meine Verärgerung bemerkte.

»Was willst du von mir?« fauchte ich ihn an.

Er grinste. »Nichts.«

Langsam stand er auf. »Das heißt – doch. Hast du nicht Lust, für einige Zeit mit zu mir zu kommen? Mal weg von deiner Schwester?«

»Willst du mich einladen?«

Er nickte. »Ich habe ein recht schönes Haus in Santa Monica, Platz hätte ich auch noch für dich. – Überleg es dir, bis morgen.«

Er drehte sich um und öffnete die Tür.

»Warte.« Sein Vorschlag reizte mich. Vielleicht hatte er recht, vielleicht musste ich endlich mal aus allem raus. Urlaub bei dem berühmten Schriftsteller Falk Arthur – warum nicht?

»Ich komme mit dir.«

Er nickte langsam. Sein Gesicht blieb im Dunkeln. »Schön. – Schlaf gut, Cieran.« Und leiser fügte er hinzu: »Du bist viel zu schade für eine Frau wie Sue.«

3

FALK

Wir fuhren über die breite Allee zu meiner geliebten Villa. Links und rechts säumten Platanen unseren Weg, die ein wenig Schatten spendeten.

Die Villa war in den 50er Jahren erbaut worden, ein weißer Protzkasten im neospanischen Stil, mit vielen kleinen Erkern und unzähligen Fenstern. Ich fuhr den gepflasterten Weg entlang, vorbei an den ersten Grünflächen, die zu meinem Grundstück gehörten, vorbei an den Anfängen des Gartens, in dem wunderschöne Zypressen, Zedern und Jacarandas gepflanzt waren, und parkte direkt vor der Tür. Cieran sah mich interessiert an.

»Gehört das alles dir?«

Ich nickte, nicht ohne Stolz. Ich hatte hart dafür gearbeitet. Verdammt hart.

Wir stiegen aus dem Wagen, und ich passte mich seinem Tempo an, stützte ihn, als wir die Stufen hinauf zum Eingang erklommen. Er hielt das für peinlich, ich für zuvorkommend.

Bevor ich noch den Schlüssel zücken konnte, öffnete sich die Tür. Michael war da – er hatte uns bereits gehört. Mit gesenktem Kopf trat er an die Seite.

»Falk.«

Das war seine einzige Begrüßung. Aber wie immer klang er so unterwürfig, dass es mir warm den Rücken hinunterlief. Und er sah großartig aus, denn er trug lediglich eine hautenge, kurze Latexhose. Gordon hatte offensichtlich mit ihm gearbeitet.

Er hatte einen perfekten Körper, auch wenn ich persönlich ihn für etwas zu muskulös hielt. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen, als ich Cierans verwirrten Gesichtsausdruck sah.

»Mike – Cieran Webb. Er wird für eine Zeit mein Gast sein.«

Michael nickte vorsichtig. Ich trat einen kleinen Schritt nach vorn, ein Zeichen für ihn, dass er mich küssen durfte. Sanft war sein Kuss auf meiner Wange, nur ein Hauch.

Ich sah ihn an, doch er erwiderte meinen Blick nicht. Gut, dachte ich.

»Bereite zwei Drinks für uns vor – in der Bibliothek«, befahl ich leise und starrte ihm nach, als er sich entfernte. Er hatte einen hübschen Arsch, und ich sah an seinem Gang, dass er einen Ständer hatte.

Ungläubig starrte Cieran mich an. Er erwartete eine Erklärung, doch ich hatte beschlossen, auf seine Fragen zu warten.

»Das ist wirklich dekadent«, sagte er schließlich, als er sich von seinem Schock erholt hatte.

Ich lachte. »Findest du?«

Misstrauisch fixierte er mich. Er sah hinreißend aus.

»Wenn du glaubst, ich würde ab morgen hier in Latexhöschen herumhüpfen, dann kannst du das gleich wieder vergessen.«

Mein Lachen wurde ausgelassener. Die Vorstellung, Cieran in so einer Hose zu sehen, war zu wundervoll.

»Hier tut jeder nur, was er möchte, mein Lieber.« Ich sah, dass er aufatmete, doch sein Blick blieb misstrauisch.

Ich führte ihn durch mein Reich und sah, dass er wirklich beeindruckt war. In stummer Bewunderung ging er hinter mir her durch die Pferdeställe, hielt Zwiesprache mit dem einen oder anderen Pferd. Und sein Gesicht leuchtete dabei so warm, dass sich meine Kehle zuschnürte.

Ich zeigte ihm das Zimmer, das ich ihm für die nächste Zeit zugedacht hatte. Es war über eine hohe, gläserne Balkontür mit der großen Veranda verbunden, von der man über das gesamte Gelände und hinunter auf den Pool schauen konnte.

Cieran nahm all diese Eindrücke in sich auf, saugte sie förmlich in sich hinein. Er erinnerte mich an ein Kind, das versehentlich in einen bereits erwachsenen Körper hineingeraten war.

»Darf ich mich setzen?«

»Ja, natürlich. Fühl dich wie zuhause«, sagte ich. Ich stieß die Tür zum Badezimmer auf. »Hier ist dein eigenes Bad. Wenn du irgendetwas brauchst – auch Hilfe – sag mir Bescheid, ja?«

Ein leises Klopfen an der Tür unterbrach uns.

»Ja?«

Kevin trat ein, der Sohn meiner Köchin. Er verdiente sich mit einfachen Tätigkeiten ein wenig Geld dazu. Einen richtigen Job bekam er nicht, denn er war geistig ein wenig zurückgeblieben. Aber ich mochte ihn, seine naive Art – und er hatte Spaß an der Arbeit, vor allem am Rasenmähen ... Ich grinste unwillkürlich, denn plötzlich sah ich Kevin auf dem kleinen Aufsitzmäher vor mir. Er war so stolz, ihn fahren zu dürfen.

Kevin trug Cierans Reisetasche in den Raum. Es sah so aus, als könne er sie mit zwei Fingern transportieren – er war wirklich ein Bär von einem Mann.

»Wo soll die hin?« fragte er polternd.

»Du kannst sie einfach dort auf den Boden stellen«, sagte ich lächelnd und wartete, bis er wieder gegangen war.

»Möchtest du bei deiner Schwester anrufen? Ihr sagen, dass wir gut angekommen sind?« fragte ich ihn. Im selben Moment biss ich mir auf die Lippe – jetzt war ich schon genauso fürsorglich wie Lisa. Und ich wollte alles andere als ihn bemuttern.

Er verzog sein hübsches Gesicht ein wenig, doch er nickte. »Ja, muss ich wohl ...«

Die Tür wurde vorsichtig aufgeschoben und herein spazierte Deacon, mein hübscher, rötlich beigefarbener Birmakater, eine von mittlerweile vier Katzen, die bei mir ihr Zuhause gefunden hatten.

Cieran sah ihn erstaunt an. »Du hast Katzen?«

Ich nickte. »Ist das so ungewöhnlich?«

Deacon musterte Cieran neugierig. Er ließ sich von Fremden nie abschrecken.

»Nein, aber ich hätte es einfach nicht gedacht.«

Ich nahm Deacon auf den Arm, er begann augenblicklich zu schnurren. Katzen vermittelten mir immer ein Gefühl des Zuhauseseins, der Wärme. Oft saß ich stundenlang auf einem Sessel, mit einer meiner Katzen auf dem Schoß und las. Ein Leben ohne Katzen konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen. Ich mochte ihre Ruhe – aber auch ihre Unberechenbarkeit, die Tatsache, dass sie uns Menschen lediglich die Gnade zu erweisen schienen, mit uns zusammenzuleben. Aber dieses Gefühl konnten wahrscheinlich nur Katzenliebhaber nachvollziehen.

»Ich hoffe ja nicht, dass du eine Katzenallergie hast?!«

Cieran schüttelte lächelnd den Kopf. »Glaube nicht.«

Vorsichtig setzte ich den Kater wieder auf den Boden. »Warte, ich hole dir das Telefon.«

»Danke.« Cieran beugte sich vornüber und versuchte, Deacon anzulocken.

Ich konnte nur schwerlich meinen Blick von ihnen reißen, dem hübschen, zierlichen Jungen und dem edlen Kater. Ich grinste.

Deacon hatte Cieran genauso verzaubert wie mich damals, als mein Freund und Mentor Phil ihn mir geschenkt hatte. Ich war überrascht gewesen, von jemandem wie Phil eine Katze geschenkt zu bekommen. Doch irgendwie, im Nachhinein betrachtet, hatte es doch alles zusammengepasst. Ein so wildes und unbezähmbares Geschöpf, und das war Phil zweifellos, liebte halt auch Tiere, die ihm ebenbürtig waren.

Aber – wieso dachte ich jetzt an Phil?

4

CIERAN

Ein wenig unsicher, aber mit einem Riesenhunger ausgestattet, betrat ich das Frühstückszimmer. Der köstliche Geruch von Rührei und frischem Kaffee, der mir entgegenschlug, raubte mir fast den Atem.

Am anderen Ende des reich gedeckten Tisches, mit der Sonne im Rücken, saß ein Mann, der, als ich eintrat, seine Zeitung zur Seite legte und mich neugierig ansah. Er war vielleicht Mitte dreißig, mit kurzen, roten Haaren und hellblauen Augen. Kein hübscher Mann, aber sehr apart. Er kam mir merkwürdig bekannt vor.

»Hi«, sagte er jetzt lächelnd. »Ich bin Ste, Falks Lektor. Und – wer bist du?«

Ich räusperte mich. »Cieran.« Verunsichert stellte ich fest, dass ich nicht begründen konnte, warum ich hier war. Erwartete Ste eine Erklärung? Nicht, dass er dachte ... Er dachte doch wohl nicht ...

»Ich ... ich bin hier nur zu Besuch«, fügte ich stotternd hinzu – und bemerkte sofort, wie dämlich sich das anhörte.

Ste grinste auch dementsprechend anzüglich. »Setz dich doch, Cieran. Möchtest du Kaffee?«

Ich nickte und ließ mich etwas schwerfällig auf einen der schweren, alten Stühle sinken.

»Wo ist Falk?« fragte ich, während ich mir zwei Toasts mit Butter bestrich.

»Keine Ahnung«, antwortete Ste mit vollem Mund. »Glaube, er wollte eine Runde auf seinem Bike drehen.«

Ich nickte und schob mir Toast mit Rührei in den Mund. Die Sonne schien auf Stes Rücken, ließ sein Haar kupferfarben leuchten. Irgendwoher kannte ich ihn. Aber – woher?

Ste beobachtete mich, ich hatte keine Ahnung, was in seinem Kopf vorging. Aber plötzlich fiel mir ein, woher ich sein Gesicht kannte: Steven O’Connor – der bekannte Journalist. Ich verschluckte mich fast an einem Toastkrümel. Steven O’Connor arbeitete als Falks Lektor? Es wurde wirklich Zeit, dass ich mir mal einen von Falks Romanen zu Gemüte führte.

»Ist irgendetwas?« riss mich Stes Stimme aus den Gedanken.

»Nein, mir ist nur gerade eingefallen, woher ich dich kenne.«

»Wieso? Kennen wir uns?« fragte Ste überrascht. Doch dann verstand er. »Ach so, klar. Seit ich nicht mehr als Journalist arbeite, vergesse ich das immer.« Er grinste jungenhaft. »Irgendwann wird man mein Gesicht hoffentlich vergessen.«

Ich zuckte mit den Schultern, wusste nicht, warum er in Vergessenheit geraten wollte. Vermutlich war mein Gesicht ein einziges, großes Fragezeichen, denn Ste lachte und sagte: »Ich verdiene ganz gut als Falks Lektor. Er ist ja auch nicht mein einziger Arbeitgeber. – Du fragst dich, warum ich den Journalismus an den Nagel gehängt habe, nicht wahr?«

»Ja. Ist doch ein cooler Job, oder?«

Ste sah mich lange an. »Im Prinzip hast du recht, aber man macht sich eine Menge Feinde. Das habe ich bemerkt, als meine Frau und mein Sohn bedroht wurden. Da wusste ich, dass ich mich zurückziehen musste.«

»Man hat nichts davon in den Zeitungen gelesen«, sagte ich verwundert.

Ste nickte. »Das ist auch gut so. Sonst hätten sie sie wohl umgebracht. Das war eine ziemlich heikle Sache damals.«

»Und dann war die ganze Sache vergessen?«

Ste schnaubte ein wenig unwillig. Eine Geste, die nicht so recht zu ihm passen wollte. »Ich musste das gesamte Beweismaterial vor ihren Augen vernichten. Alles, was ich so mühsam recherchiert hatte. Aber ich hatte keine Wahl.«

»Als Lektor zu arbeiten, ist da wohl ungefährlicher, was?«

Er lachte. »Ein bisschen.«

Nach einem ausgedehnten Frühstück trat ich hinaus in den strahlenden Sonnenschein. Der Himmel war ungewöhnlich blau – es würde ein heißer Tag werden. Für diese Prognose brauchte ich keinen Wetterbericht. Es war eine der Gaben, die in mir schlummerten. Ob ich wollte oder nicht ... Ich hätte als verdammter Wetterfrosch arbeiten können.

Ich trat an das Geländer und stützte mich auf, als ein Motorrad um die Ecke des Hauses bog. Es war eine große, schwarze Straßenmaschine – eine BMW, wie ich sah, als sie langsam auf mich zurollte. Auf ihr saß Falk, seine schlanke Gestalt war unverwechselbar. Vor der Treppe hielt er an und nahm den Helm ab. Er sah hervorragend aus in der schwarzen Lederhose und der engen Lederjacke. Um seine schmalen Hüften schmiegte sich ein Nierengurt.

Er grinste mich an. »Guten Morgen, Cieran. Wie wäre es mit einer kleinen Rundfahrt?«

Ich grinste zurück. »Gute Idee.«

Langsam stieg ich die Stufen hinunter. Ich wusste, dass ich mich auf die Maschine quälen musste, aber ich hatte große Lust mitzufahren. Ich hatte noch nie auf einem Motorrad gesessen. Mit einer Hand stützte ich mich schwer auf Falks Schulter ab, während ich mit der anderen Hand mein Bein unterstützte. Falk wartete geduldig.

Als ich endlich saß, drehte er sich zu mir um und setzte mir seinen Helm auf den Kopf.

»Es wäre schade um deinen hübschen Kopf«, sagte er lächelnd. »Halt dich mit beiden Händen an mir fest.«

Er startete die Maschine, und mir blieb nichts anderes übrig, als mich an ihm festzuhalten. Gemächlich fuhren wir über die gepflasterten Wege, die zum Pferdestall und an diesem vorbei Richtung Weiden führten. Dort beschleunigte er schließlich.

»Halt dich vernünftig an mir fest, damit du ruhig sitzen kannst.« Seine Stimme wurde durch den Fahrtwind nach hinten, an mein Ohr getragen. Ich rutschte näher an ihn heran und schlang meine Arme um seinen athletischen Körper. Es war sehr fremd, ihm so nah zu sein.

Als wir die Weiden hinter uns gelassen hatten, führte ein kurzer Schotterweg zu einer gut ausgebauten Straße. Ich spürte, wie Falk sich spannte, als er richtig Gas gab.

Wie ein Geschoss rasten wir die Straße entlang. Bäume und entgegenkommende Fahrzeuge flogen an uns vorbei wie grüne, rote und blaue Bälle, die aus einer Tennistrainingsmaschine schossen. Der Wind riss an meiner Hose, blähte meine Jacke auf. Verlor Falk bei dieser Geschwindigkeit die Kontrolle, würde ich unweigerlich gehäutet werden.

Unwillkürlich schlossen sich meine Arme enger um Falks Taille, der diesen Geschwindigkeitsrausch in vollen Zügen genoss.

Einige Kilometer folgten wir der Straße, und Falk reizte die Maschine bis zum Optimum aus. Und nach und nach stellte ich mich auf die Geschwindigkeit ein, spürte ein angenehmes Kribbeln in der Magengegend. Falk fuhr sehr sicher, ich glaubte nicht, dass er mich mit seinem Höllengefährt direkt in selbige befördern würde. Außerdem trug ich den Helm – nicht er.

Doch er brachte mich wohlbehalten wieder zurück. Mit einem kleinen Ruck bockte er die Maschine auf und hielt mir grinsend seinen Arm entgegen. Seine grauen Augen blitzten vergnügt.

Ich stützte mich darauf und kletterte vom Sitz herunter. Trotz seiner schmalen Gestalt war Falk ausgesprochen kräftig. Er hätte wahrscheinlich nicht einmal Schwierigkeiten damit gehabt, mich hochzuheben. Dieser Gedanke versetzte mir einen Stich. Ich erinnerte mich nur ungern an die Zeit, in der mich alle hatten tragen müssen, an die Zeit, die ich im Rollstuhl verbracht hatte ...

5

CIERAN

Ich war kaum für eine halbe Stunde in meinem Zimmer gewesen, hatte die Beine hochgelegt und mein Buch aufgeschlagen, da hörte ich das leise Klopfen an der Tür und sagte: »Herein.«

Michael trat ein, mit gesenktem Kopf. »Möchtest du baden und eine Massage?« Seine Stimme war verblüffend jung und unmännlich.

Irritiert sah ich ihn an. »Ja, warum nicht?« Den Vorschlag, nach meinem Motorradausflug ein kleines Bad zu nehmen, konnte ich kaum ablehnen. Meine Muskulatur verspannte sich immer rasend schnell nach jeder noch so kleinen Anstrengung.

»Darf ich dir helfen beim Baden?«

Ich runzelte die Stirn und fragte mich, was das nun schon wieder bedeuten sollte. Aber ich verspürte den Drang, sein Angebot anzunehmen. Außerdem hatte Falk ihn vermutlich geschickt – warum eigentlich nicht?

Ich verblüffte mich also selbst, indem ich »Ja« sagte und ging langsam hinter ihm her. An der Treppe wartete er auf mich, um mir zu helfen. Ich ließ es zu, doch die Hitze, die er ausstrahlte, ließ mich erschaudern. Ihn umgab eine dunkle Aura, die ich sehr intensiv spürte, wenn ich ihm so nah war. Ich versuchte, dieses Gefühl in den Hintergrund zu kämpfen.

Falks Vorstellung von einem Baderaum war natürlich genauso ausgefallen wie er selbst. Der Raum glich eher römischen Thermen – mit riesigen ovalen Badewannen, Marmorfußboden, mit interessanten Ornamenten und großen Grünpflanzen – als einem Badezimmer. Im hinteren Teil befand sich ein großer Pool, größer noch als der draußen. Auf einem der Liegestühle lagen zwei zusammengerollte schwarze Katzen und schliefen.

Ich fand es ungewöhnlich, die Katzen so nah am Pool zu sehen, aber sie waren wahrscheinlich genauso extravagant wie ihr Besitzer.

Michael hatte das Wasser bereits einlaufen lassen, offensichtlich hatten sie nicht damit gerechnet, dass ich ablehnen würde. Fast zärtlich begann er, mir die Kleider abzunehmen, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, und als ich schließlich nackt war, half er mir in das warme, wunderbar entspannende Wasser. Ich war ein wenig verlegen, und es verwirrte mich, als er tatsächlich begann, mich zu waschen.

Seine Finger glitten sanft über meine Haut, schäumten mich ein. Ich begab mich in seine Hände, er hatte es offensichtlich schon oft getan – und seine Erfahrung machte es sehr angenehm. Geschickt wusch er mir die Haare, und ich musste mich zusammennehmen, damit ich nicht begann zu schnurren, denn er war wirklich gut.

Seine Hände glitten hinunter zu meinen Schultern, massierten meinen angespannten Nacken.

»Wie alt bist du?« fragte er leise.

»Achtzehn«, antwortete ich.

Ich drehte mich ein wenig, sah, dass er nickte. Warum wollte er das wissen?

Vorsichtig spülte er den Schaum aus meinen Haaren. Das heiße Wasser jagte angenehme Schauer über meine Haut.

»Ist das gut so?«

»Hm.« Ich knurrte leise.

Michael stand auf, um ein großes Badehandtuch zu holen. Mit erstaunlicher Kraft half er mir aus der Badewanne, sein Körper war stahlhart, als ich mich kurz gegen ihn lehnte. Er schlang mir das weiche Handtuch um die Schultern und trocknete mich so vorsichtig ab, als sei ich aus Glas.

Etwas seitlich, in einer Art Nische, stand ein Massagetisch, wie man ihn in Praxen von Masseuren und Krankengymnasten findet. Er war mit einer dicken Lage Handtücher bequem abgepolstert.

Michael führte mich zu diesem Tisch und half mir mit einer geübten Bewegung, mich bäuchlings daraufzulegen. Über meinem Hintern breitete er ein weiteres trockenes Handtuch aus.

»Falk wird gleich kommen.« Mit diesen Worten zog er sich zurück.

Und es dauerte in der Tat nur ein paar Minuten, bis Falk den Raum betrat. Er trug eine blaue Jeans und ein schwarzes, eng geschnittenes T-Shirt und sah darin ausgesprochen gut aus. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich, wie er zu mir herüberkam.

»Hey«, begrüßte er mich. »Hat Mike seinen Job ordentlich gemacht?«

Ich brachte ein Grinsen zustande, doch meine Antwort klang erbärmlich dünn. »Ja.«

Falk griff nach einer weißen Flasche, und ich war erstaunt, als er sich daran machte, meinen Rücken einzuölen. Seine Finger glitten über die breiten Narben, die quer über meiner Wirbelsäule verliefen. Ich hatte mit allem Möglichen gerechnet, aber nicht damit, dass er mich massieren würde.

Er war sehr geschickt, und ich stöhnte unter seiner kräftigen Massage. Seine Finger waren lang und schlank, und es war wundervoll, wie sie all die kleinen Verspannungen unter meiner Haut fanden. Er massierte mich lange und ausgiebig, bis er den Eindruck hatte, dass ich wirklich entspannt war. Dann machte er sich daran, meine Beine zu bearbeiten. Und das war noch schöner, es erinnerte mich an die Massagen, die ich kurz nach dem Unfall bekommen hatte. Und das eigenartige Gefühl, wenn seine Hände von empfindlichen zu tauben Stellen in meinen Beinen glitten, war einfach göttlich. Ich knurrte wohlig.

»Wie ist das mit deinen Beinen?« fragte er unbefangen. »Lisa hat mir erzählt, dass du eine Zeit lang im Rollstuhl gesessen hast.«

Ich versteifte mich unwillkürlich.

»Ja«, sagte ich zögerlich. »Bei dem Aufprall wurde meine Wirbelsäule gebrochen und damit einige Nervenbahnen durchtrennt.«

»War anstrengend, wieder laufen zu lernen, was?«

»Ja.« Er fand wieder eine verspannte Stelle und bearbeitete sie, bis ich leise aufstöhnte.

»Und das andere?«

Ich wusste sofort, was er meinte.

»Ich kann einfach nicht«, sagte ich und versuchte, unbeteiligt zu klingen. »Ich habe überhaupt kein Gefühl im Schwanz. – Kann froh sein, dass ich noch richtig pinkeln kann.« Meine Stimme triefte vor Zynismus. Es war reiner Selbstschutz, das wusste ich.

»Aber in anderen Regionen deines Körpers hast du doch Gefühl. Hier zum Beispiel, oder?« Sanft strich er mit der Hand über das Handtuch, das meine Kehrseite bedeckte.

»Ja«, sagte ich gepresst. »Aber das nützt mir nichts. Damit kann ich nicht ficken, oder?«

Falk lachte leise. »Du konntest dich noch nicht mit deinem Körper arrangieren?«

»Wie sollte ich auch? Ich bin schließlich nicht als Krüppel geboren«, gab ich zurück.

»Du bist kein Krüppel, Cieran«, sagte Falk ernst. »Du bist ein sehr hübscher junger Mann.«

Ich schwieg.

»Umdrehen«, befahl Falk nach einiger Zeit und half mir, mich auf den Rücken zu drehen. Grinsend verteilte er das Öl auf meiner Brust und auf meinem Bauch.

»Ich bin schon so glitschig wie eine Ölsardine«, sagte ich, aber genoss seine Massage in vollen Zügen.

Seine Fingerkuppen verweilten kurz bei meinen Brustwarzen. Die Berührung war unmissverständlich, und ich sah ihn erstaunt an. Er hielt meinem Blick stand, doch seine eisgrauen Augen waren unergründlich.

Ich fragte mich, was das sollte – doch seine Massage vertrieb bald alle Gedanken aus meinen Kopf. Ich lag nur noch da und wollte seine Berührungen genießen. Wobei es mir in diesem Moment egal war, dass es Falk war, der mir fast ein Schnurren entlockte. Es war gleichgültig, wem diese göttlichen Hände gehörten. Völlig egal ...

Ich kam mir vor, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet. Noch nie hatte ich in so kurzer Zeit so viele Verrücktheiten gesehen.

Ich mochte Falk, er war wie eine Raubkatze, schwarz und geschmeidig. Aber ich fühlte auch die Spannung, die von ihm ausging, und ich fragte mich, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, einige Zeit bei ihm zu verbringen. Mein leidiger siebter Sinn (oder vielleicht war es eine Art von Instinkt, den der Mensch normalerweise nicht mehr besaß?), sandte ständige Warnungen an mich. Aber – warum? Ich hatte genug Zeit unter Lisas fast mütterlichem Schutz gestanden. Vielleicht war jetzt die Zeit für eigene Erfahrungen.

Ich verließ mein Zimmer in der Absicht, mir in Falks Privatbibliothek ein spannendes Buch zu suchen, da ich meines gerade zu Ende gelesen hatte. Vielleicht hatte er eines von Koontz, das ich noch nicht kannte. Die Aussicht, mich mit einem interessanten Buch auf der Veranda in die Sonne zu setzen, gefiel mir durchaus. Doch als ich langsam durch den Gang an den anderen Zimmern im Obergeschoss vorbeiging, hörte ich Geräusche, die mich augenblicklich gefangen nahmen. Ich wusste sofort, was für Geräusche das waren, obwohl ich sie noch nie direkt gehört hatte.

Das leise, unaufdringliche Sirren von Leder in der Luft, das harte Klatschen, wenn es auf menschliche Haut trifft. Alles war untermalt von unterdrücktem Stöhnen. Ich erschauderte wohlig und schämte mich sofort dafür.

Doch natürlich siegte meine Neugier, und ich trat vorsichtig näher. Es war Michaels Zimmer, aus dem die Geräusche kamen. Ich hätte es mir denken können. Erstaunt fragte ich mich, warum die Tür offenstand, doch ich trat ein. Einen Moment lang wunderte ich mich über meine eigene Dreistigkeit, aber was konnte mir schon passieren, außer, dass ich rausgeschmissen wurde?

Michael lag ausgestreckt auf seinem Bett. Hände und Füße mit dicken schwarzen Manschetten ans Bettgestell gefesselt. Ich sah, dass er keuchte, sein muskulöser Rücken war mit leuchtend roten, angeschwollenen Striemen übersät. Und dann sah ich seinen Peiniger, ich wusste schon vorher, dass es Falk sein würde, doch trotzdem überraschte mich sein Anblick.

Er trug eine schwarze Lederhose und ein schwarzes Baumwollhemd, doch mit dem Lederriemen in der Hand sah er alles andere als vertrauenerweckend aus. Nur seine ungewöhnlich grauen Augen waren sanft und sein Lächeln, als er mich sah.

»Cieran«, sagte er, und ich zuckte zusammen beim Klang seiner Stimme. »Setz dich.«

Ich war wie erstarrt, doch ich schaffte es trotzdem, mich bis zum nächsten Sessel zu schleppen.

Er wandte sich an Michael. »Mike, wir haben einen Zuschauer.« Seine Stimme klang dunkel und bedrohlich. »Das magst du, oder?«

»Ja, Falk.« Michaels Stimme klang gepresst.

Wieder jagte ein Schauder durch meinen Körper. Mit einer teuflischen Eleganz schwang Falk den Riemen, und bei jedem Schlag, den er Michael versetzte, zuckte ich mit ihm zusammen.

Warum nur hatte mich dieses Geräusch so magisch angezogen? Ich hätte nie gedacht, dass mich solch eine Szene erregen könnte. Aber sie tat es – ohne Zweifel. Ich weiß nicht, woher dieser Gedanke kam, aber plötzlich schoss mir durch den Kopf, wie unglaublich schön Mike in seinem Schmerz war – und wie viel Macht Falk ausstrahlte.

Ich beobachtete, wie Falk Michaels Fesseln löste und ihn aufstehen ließ. Michaels steinharte Erektion war beachtlich, und ich wandte beschämt den Kopf ab. Warum nur brannte das Verlangen in mir, ihn anzusehen?

6

FALK

»Geh unter die Dusche«, sagte ich zu Mike. »Aber wag es nicht, dir einen runterzuholen.«

Mike zuckte zusammen. Langsam drehte er sich um und verschwand mit gesenktem Kopf im Badezimmer.

Ich konnte den Schmerz nachempfinden, den er in diesem Augenblick empfand – und ich wusste, wie sehr er danach lechzte, genau das zu bekommen.

Cieran saß noch immer wie erstarrt in dem Sessel. Er sah mich unsicher an, verfolgte jede meiner Bewegungen mit den Augen.

»Warum tust du das?« fragte er leise.

»Es ist ein Spiel«, sagte ich lächelnd. »Ein Spiel mit sehr genauen Regeln. Ich weiß genau, was er möchte. Warum er hier ist.«

Ich sah, dass Cieran erschüttert war – und neugierig. Er war durcheinander, und ich konnte mir denken, warum: Es hatte ihn erregt. Aber es überforderte ihn auch. Er hatte so etwas offensichtlich bisher noch nicht erlebt, ich vermutete, dass er sich nicht einmal mit erotischen Gedanken an Männer befasst hatte. Seine Reaktion auf Mikes Körper war heftig gewesen, hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Was er an Erfahrungen hatte, bezog sich mit Sicherheit nur auf Frauen. Lisa hatte mir erzählt, dass er sich von einem Abenteuer ins nächste stürzte. Mir war klar, dass er damit versuchte, seine Impotenz zu kompensieren. Dazu brauchte ich kein Psychologiestudium.

»Komm mit mir«, sagte ich sanft.

Er stemmte sich langsam hoch, seine Arme zitterten merklich.

»Und Michael?« fragte er unsicher.

Ich zuckte mit den Schultern. »Braucht dich nicht zu interessieren.«

Unschlüssig sah er mich an. »Er ... er wird auf dich warten.«

Ich grinste spöttisch. »Davon gehe ich aus.«

Ich verließ das Zimmer vor ihm und drehte mich in der Tür um. »Na, was ist?«

Wie ich erwartet hatte, folgte er mir langsam.

Ich wartete an der Treppe, um ihn zu stützen. Er ließ sich helfen, doch ich spürte seine Anspannung. Er traute mir nicht über den Weg.

»Möchtest du reiten?« fragte ich ihn vorsichtig, um ihn auf ein anderes Thema zu bringen.

»Auf einem Pferd?« fragte er spöttisch.

Ich lachte laut auf. »Ja!«

»Ich kann mich nicht oben halten«, sagte er, doch ich hörte an seiner Stimme, dass er es gern versuchen wollte.

»Du brauchst dich nicht zu halten«, entgegnete ich amüsiert.

Wir verließen das Haus und gingen langsam über den gepflasterten Weg Richtung Pferdestall. Es hatte sich bezogen, hellgraue Wolkenmassen versperrten der Sonne nun den Blick.

»Wenn ich falle, werde ich aussehen wie ein alter Kartoffelsack.«

Ich lachte. »Du bist eitel, mein lieber Cieran. Wenn jemand vom Pferd fällt, sieht das nie elegant aus.«

Im Stall war es angenehm kühl. Ich zog Sam aus dem Stall, die sanfteste meiner Stuten. Auf ihr hatte Cieran wirklich nichts zu befürchten. Mit einigen schnellen Handgriffen hatte ich sie gesattelt und aufgetrenst. Das ganze elende Putzen übernahm Kevin für mich. Er hatte Spaß daran.

Ich zog Sam hinter mir her in die Reithalle, und auch Cieran folgte uns langsam. Er schien sich nicht sicher zu sein, ob seine Entscheidung richtig war.

»Komm«, ermunterte ich ihn.

Er trat näher an Sam und mich heran.

»Ich weiß nicht ...« Er klang herrlich unsicher.

Ich verkniff mir ein Grinsen.

»Lass mich dir helfen«, sagte ich und hielt ihm meine Hände hin, sodass er hineinsteigen konnte.

»Das schaffe ich nie!«

»Na komm, dich Fliegengewicht werde ich schon auf dieses kleine Pferdchen hinaufbekommen ...«

Er hielt sich mit einer Hand am Sattelknauf fest, trat mit seinem Turnschuh in meine ineinander verschränkten Hände, und ich schob ihn langsam nach oben. Half ihm schließlich, das rechte Bein auf die andere Seite des Pferdes zu schieben. Als er oben saß, stieß er zischend den Atem aus.

»Ich bin schon fertig, allein vom Aufsteigen«, gab er zu.

Ich grinste ihn breit an.

»Lass die Zügel ganz lang und reite ein bisschen Schritt. Ich glaube, es ist gar nicht schlecht, wenn du dich ein bisschen durch die Gegend schaukeln lässt ...«

»Therapeutische Maßnahme, oder was?«

Ich ging nicht darauf ein. »Beine kurz zusammendrücken, möglichst gleichmäßig«, wies ich ihn an.

Sam setzte sich augenblicklich in Bewegung. Sie hätte es wahrscheinlich auch gemacht, ohne dass Cieran sich rührte. Sie konnte einfach in meinen Gedanken lesen.

Ich ließ Cieran im Schritt durch die Halle reiten. Er sollte selbst ausprobieren, wie man die Balance hielt, wie man nach links und nach rechts lenkte. Es war wahrscheinlich schon so anstrengend genug für ihn. Seine Muskeln mussten sich erst an die ungewohnte Belastung gewöhnen.

Nach einer halben Stunde half ich ihm wieder vom Pferd und ließ ihn sanft an mir heruntergleiten. Allein diese Berührung war exquisit. Cieran sah mich nur für einen kurzen Augenblick merkwürdig an. Ich wusste nicht, ob er meine Erregung gespürt hatte. Ich ließ ihn los.

Er senkte seinen Blick. »Ich hätte nie gedacht, dass das so anstrengend ist«, sagte er und massierte seine verkrampften Oberschenkel.

»Die meisten Leute wissen das nicht!« Ich führte Sam aus dem weichen Sand der Reithalle hinaus.

»Warum hast du dich für die Westernreiterei entschieden?« fragte er neugierig.

»Sie ist freier. Ich mag es nicht, wenn ich Tieren meinen Willen aufzwingen muss«, sagte ich lächelnd.

Er zögerte einen Moment, dann: »Und Menschen zwingst du deinen Willen auf?«

Ich lachte leise. »Nein, ich tue nur das, was sie sich wünschen.«

Er sah mich misstrauisch an. Wie gern hätte ich jetzt gewusst, was er dachte.

»Soll ich dir das wirklich glauben?« Er lehnte sich gegen eine der Boxentüren und massierte wieder seine Oberschenkel.

Ich drehte mich zu ihm um, sah ihm lange in die Augen. »Misstraust du mir etwa?«

Sein Blick war abschätzend. »Ja.« Doch sein hübscher Mund verzog sich zu einem schmalen Lächeln.

7

FALK

Es war ein grauer Morgen, Nebel hing über den Wiesen – ein Morgen, wie ich ihn mochte und wie er eher selten war in dieser Gegend. Wieder dachte ich kurz daran, nach England zu ziehen. Irgendwann würde mich hier nichts mehr halten.

Cieran saß mir gegenüber am Frühstückstisch. Der Duft von Kaffee und frisch gebackenem Brot hing in der Luft.

Ich trank einen Schluck Kaffee und konzentrierte mich wieder auf mein Skript. Ste hatte einige Textpassagen rot markiert, Kommentare hineingeschrieben, Tippfehler korrigiert. Jetzt lag es an mir, den Text noch mal zu überarbeiten. Ste war wie immer unerbittlich gewesen.