Besuch bei Angela - Dieter Bub - E-Book

Besuch bei Angela E-Book

Dieter Bub

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Beschreibung

Im Berliner Kabarett ''Die Distel'', einer Stacheltruppe aus DDR-Zeiten, wird das Erfolgsstück ''Schicksalsjahre einer Kanzlerin'' aufgeführt, kess, fröhlich wie auch Matthias Riechling in der Rolle Merkels. Die Programme sind, wie viele andere Kopien, zugleich Persiflagen und Anerkennung. 2018 ist zum wahren Schicksalsjahr Angela Merkels geworden, mit dem sie den entscheidenden Weg für ihre und die Zukunft ihrer Partei vorgezeichnet hat. Allen, über soziale Gruppen, Grenzen, national und international hinweg, hat sie mit ihrem Coup überrascht. Bei aller Flexibilität und einem Chamäleonverhalten, gab es Augenblicke, bei denen sie Zeichen setzte. Dazu gehörten der Ausstieg aus der Kernenergie und die Öffnung der Grenze für über eine Million Flüchtlinge. Über Jahrzehnte hinweg gab es immer neue Versuche, das Phänomen dieser Frau zu erklären, als müsse ein Geheimnis gelöst werden. Dabei schien sie stets mit sich im Reinen. Auch jetzt? Diese Geschichte ist als Erzählung der Versuch einer Annäherung aus ungewohnter Perspektive. Es sind die Impressionen von Angela O., der wir dort begegnen, wo ihr wahres Zuhause ist, im Haus am See in der Uckermark. Diese ''Datsche'', mit Blick auf den See, ist ihr Rückzugsort und für uns ein Platz der Fantasie, Kulisse für reale Akteure der Politik, Dorfbewohner und unbekannte Erzähler. Es ist die Darstellung eines zweiten Lebens mit stetiger Rückschau auf ihre Biografie.

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2019

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GEWIDMET

Allen „OSSI-FRAUEN“ zwischen Kap Arcona und Oberwiesenthal, von Frankfurt/Oder, Halle/Saale, Neuzelle, Weimar, Ilmenau bis Dresden, zwischen Oder und Elbe.

ANGELA MERKEL AKTUELL - STAND JANUAR 2019

Das Magazin Forbes wählt Angela Merkel wieder an die Spitze. Sie ist: „Die mächtigste Frau der Welt“.

01.12.2018

Flug zum Treffen der G20 Staaten in Buenos Aires – Eine Reise mit Hindernissen.

Getrennte Gespräche mit Putin und Trump zur Ukraine-Krise. Einfluss auf das Schlussdokument.

02.12.2018

Wegen verspätetem Abflug ein ungewöhnlicher Spaziergang durch die Altstadt von Buenos Aires. Besuch eines Restaurants. Ovationen auf der Straße. Sie wird gefeiert wie ein Popstar.

05.12.2018

Teilnahme an der Beerdigung von Georg Bush, der gemeinsam mit Gorbatschow und Helmut Kohl die Einheit Deutschlands ermöglicht hat.

07.12.2018

Die Entscheidung über die Nachfolge im Vorsitz der CDU. Gewinnerin ist Annegret Kramp-Karrenbauer mit dem Kürzel AKK gegen den Millionär und Finanzspekulanten Friedrich Merz.

08.12.2018

Die Harvard Universität kündigt einen Vortrag Merkels für 2019 mit einem emotionalen Video zu ihrer Biografie an. Sie wird wie eine Erlöserin und Legende dargestellt.

09.12.2018

Angela Merkel reist als einzige Regierungschefin zur Unterzeichnung des UN-Migrationspakts nach Marokko.

13.12.2018

Angela Merkel in Brüssel. Zum Streit um den Brexit in London erklärt sie: Das Ergebnis der Verhandlungen mit der EU wird nicht verändert.

31.12.2018:

In ihrer Neujahrsansprache fordert Angela Merkel zu einem Neuanfang auf und gibt offen Fehler im Jahr 2018 zu.

05.01.2019:

Angela Merkel macht das Thema Kohleausstieg zur Chefsache.

06.01.2019

Merkel erklärt das Thema Kohleausstieg zur Chefsache.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Erste Tag: Zeit der Ruhe

Schloss Meseberg: Staatsbesuch

Informationen auf dem Weg

Das Team im Haus am See

Wagner – Der Mann von früher

Turbulenzen und Alarmzeichen

Rosenkranz und Güldenstern

Vorbereitungen – Der Countdown läuft

Damals: unbeschwerte Zeiten

Die große Angst: Flüchtlinge und Asylanten

Erholung Fern der Stadt

Rosenkranz und Güldenstern: Die Zeitenstreuner

Deutschlandreise ins Heute und Gestern

Rosenkranz und Güldenstern: Der Beginn der Geschichte

Rosenkranz und Güldenstern: Mit Halstuch und Blauhemd

Religion und Gesellschaft

Aus dem zweiten Leben: Die private Angela O

Das Hier und das Dort: Leben mit der Grenze

Neuorientierug und Entscheidung

Die BRD - Das ferne Land

Das Teflon – Phänomen

Die Ankunft IM Haus am See

Wagner und Angela O.

29. April – Der Zweite Tag: Endlich am Ziel

30. April – Der Dritte Tag: Landgeschichten

Informationen aus dem Amt: Keine Besonderen Vorkommnisse

Aufbau Ost aus eigener Kraft

Mikes Geburtstag, von Wölfen und Fremden

Der dritte Tag: Am Morgen danach

Die Erscheinung der Angela O.: Auftritt und Repräsentation

Verdruss, Verärgerung, Protest

Ankerzentren: Kurzfristiger Aufenthalt

Der 4. Tag: Erster Mai, Frühstück mit Lohengrin

Die verschworene Gemeinschaft: Kein Wort nirgends

Zurück zur Natur: Von der Sehnsucht der Städter

Der Weg über das Meer: Trotz Abriegelung neue Flüchtlinge

Fata Morgana

Ankunft und Erste Hilfe

Mahlzeit – German Food

Auf Messers Schneide

Der Weg nach Europa und in die Abschiebehaft

Tägliche Konfrontation: Misstrauen, Gewalt, Angst

Die Entdeckung der Afrikaner

GSG 9 Im Einsatz

Kalimas und Hassans Flucht

Die Abschiebung

Der Besuch bei Angela O.: Versuche Einer Erklärung

Zum Handeln Entschlossen: Die Zukunftsprojekte von Angela O.

Rosenkranz und Güldensterns Ideen für die Zukunft

Vor dem Bambi: Die Bunte zu Gast

Nach der Unruhe neue Stabilität Abschiedsgerüchte

Der Rückzug: Besuch im Haus am See

Popularität, Liebe, Verehrung

Nachtrag

VORWORT

BESUCH BEI ANGELA

Diese Erzählung ist eine deutsche Biografie, die sich auch, aber nicht ausschließlich, am Leben von Bundeskanzlerin Angela Merkel orientiert. Ihr Leben war und ist bis heute ein Spiegelbild deutscher Geschichte. Das Land zwischen Rügen und Erzgebirge war die Heimat von Millionen aus dem Osten, in dem sie sich eingerichtet hatten.

Mit dem Fall der Mauer und der Einheit gerieten sie in einen Umbruch. Herausgefordert mussten sie sich in der anderen Gesellschaft des real existierenden Kapitalismus neu orientieren. Es war und ist kein zu Hause sondern ein ständiger Weg von neuer Anpassung.

Angela O., wie sie in dieser Geschichte genannt wird, verbrachte das politische Kunststück des Starts in einem ihr unbekannten Land. Als Frau in der von Männern dominierten Gesellschaft. Dabei lehrte sie die westdeutsch orientierten alten Politikgranden das Fürchten, wurde zur Regierungschefin und, wie viele bis heute glauben, zur mächtigsten Frau der Welt.

Auf diesem steilen Weg nach oben ließ sie ihre Vergangenheit zurück. Sie erkannte die Chance wie Hunderttausende, die ebenfalls an eine neue Zukunft in diesem neuen Deutschland glaubten.

Trotzdem begegnen wir in dieser Erzählung Frauen und Männern, die ihr gerade in der Heimat zunehmend die Gefolgschaft verweigern.

Seit sie 2015 die Grenzen für Flüchtlinge öffnete wird sie für die Masseneinwanderung von Fremden, erst aus den Kriegsgebieten Irak, Afghanistan und Syrien und die nachfolgenden Muslime aus allen arabischen Staaten und aus Afrika, verantwortlich gemacht. Sie ist zum Feindbild geworden. Bei Demonstrationen der Rechten eskaliert die Ablehnung und wird zum blankem Hass.

Sie kann nicht ahnen wie sehr das Flüchtlingsthema sie in ihrem Ferienhaus in der Uckermark beschäftigen soll.

Dort bekommt sie in unserer Geschichte unerwartet Besuch.

Die Erzählung ist fiktional. Sie ist ernst und burlesk. Eine Geschichte über vier Tage von Ende April bis zum 1. Mai, die weit von Berlin in der Uckermark spielt.

Der Ort der Handlung wurde kartografisch verändert. Die Retusche bezieht sich auf die Entfernung von der Datsche zum See, die bewusst angenähert worden ist.

Diese Geschichte könnte sich in ähnlicher Form überall ereignen, weniger spektakulär als in unserem ungewöhnlichen Fall.

Es klingelt an der Tür. Draußen ein unerwarteter Besuch. Es sind keine Freunde, keine Bekannten, keine Angehörigen. Es sind Fremde.

Ich bin sicher, solche Überraschungen hat es gegeben.

Ist die Bitte um Einlass erfüllt worden oder war es schroffe Abweisung?

Gerne wird auf viele Fälle erfolgreicher Integration verwiesen.

Doch das Verhältnis zwischen Flüchtlingen, die neu hierher kommen und uns, hat sich verändert. Es ist geprägt von Furcht, Misstrauen und Agression.

Gut- und Wutbürger stehen einander gegenüber.

Statt Willkommen die Abschottung.

Das Haus am See in dieser Geschichte ist mit dem Original nicht identisch. Es gibt dafür keine Ortsangabe. Bei dieser optischen Korrektur sind Ablauf und Inhalt der Handlung gleich geblieben.

In der Geschichte agieren Personen, die frei erfunden sind – der Adlatus Wagner und zwei Gestalten, Rosenkranz und Güldenstern aus Shakespeares Hamlet.

Angela O. könnte bei allen Unterschieden als eine Zwillingsschwester oder Doppelgängerin verstanden werden.

Für den Erzähler gibt es Parallelen zu vielen deutsch-deutschen Lebensgeschichten im Zwischenraum von zwei Teilen, die einmal zwei Staaten waren. Sie finden sich auch bei ihm selbst.

DER ERSTE TAG: ZEIT DER RUHE

Selbst heute, am 28. April, drei Tage bis zum ersten Mai, gilt es nicht als sicher, ob Angela O. kommen wird, auch wenn das lange Wochenende im Kalender als „frei“ markiert ist. Das bedeutete vier Tage Entspannung für die Chefin.

Vielleicht.

Alles kann sich kurzfristig ändern, wie immer, wie seit Jahrzehnten. Wagner erfährt als erster, wann sie eintreffen wird, mit dem Wagen, eine Stunde von Schloss Meseberg entfernt.

Das Team im Haus am See trifft die letzten Vorbereitungen.

Der Mariannensee liegt still, unberührt, ohne die Geräusche von Motor- und Ruderbooten, die vor langer Zeit schon andernorts hin versetzt worden sind. Auf dem Wasser sind Enten unterwegs, die sich mehrmals am Tag dem Bootssteg nähern, von Männern der Kontrollmannschaft, Wagner und der Servicetruppe mit Brotresten gefüttert. In solchen Minuten stehen die Menschen versonnen, blicken über das Wasser wie auch Angela O., die entspannt wirkt, so wie wenige sie kennen.

Es sind Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Sie war vier, als sie begann den See zu erkunden, erlebte dann wie der Vater mit ihr auf dem Arm ins Wasser ging. Ein Jahr später konnte sie schwimmen. Der See gehörte ihr und ihrer Familie fast ganz allein. Unter den Dorfbewohnern gab es nur zwei Frauen, die sich, jetzt betagt, an sie als kleines Mädchen erinnern. Die Männer im Dorf, Bauern und Landarbeiter bei der LPG, scheuten den See, empfanden die Fortbewegung im Wasser als unnütz.

Für Angela war H2O ihr Element, Erfrischung von 14 bis zu 23 Grad in heißen Jahren. In den Monaten zwischen April und Oktober war die Datsche am See für sie, ihre Geschwister und Eltern Ferienort und Sommerfrische, ein Stück Heimat wie die Kleinstadt, in der sie aufwuchs, nur vierzig Kilometer entfernt.

Ein beschaulicher Ort mit Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflaster, über das die Lastwagen holperten und die wenigen stinkigen Zweitakter stockerten.

Das ursprünglich kleine Haus am See mit vier Zimmern, Küche, Ofenheizung und einem Plumpsklo draußen über den Hof stammte aus den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhundert, erbaut von deutschen Einwanderern. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges und der Neuordnung Europas, auch für Polen, hatten sie die Wahl zu bleiben oder sich im heutigen Brandenburg eine neue Existenz aufzubauen. Sie bekamen ein Stück Land zur Nutzung übereignet. Das Haus war im Laufe der Zeit mit Innentoilette und Bad modernisiert worden. Von Verwandten und Freunden im Westen erreichten sie nicht nur die üblichen Päckchen und Pakete mit dem Sortiment von Kaffee, Tee, Schokolade, Seifen, Cremes und auch Kleidung, die sonst nur teuer in Exquisitläden der DDR angeboten wurden. Sie brachten aus Anlass von Besuchen dazu Nützliches für Haus und Hof mit, Wasserhähne, eine Pumpe, Waschbecken, Elektrosägen und Bohrer.

SCHLOSS MESEBERG: STAATSBESUCH

Der Vormittag war für Angela O. an diesem Donnerstag Abschluss einer strapaziösen Woche. Sie hatte Viktor Orban zur Unterredung mit anschließendem Mittagessen nach Meseberg eingeladen. Das Schloss schien ihr der angemessene Ort für einen unangenehmen Termin. Sie hoffte, das herrschaftliche Ambiente könnte den Besucher beeindrucken und ein wenig milde stimmen. Während sie den überwiegenden Teil der Staatsbesuche in Berlin absolvierte – Könige, Rassisten, Betrüger jeder Form begrüßte und überstand – gab es Ausnahmen, die für Wladimir Putin und auch Orban galten. Sie ahnte, auch in diesem Fall, war es der Trugschluss.

Die Aussichten für Zugeständnisse in der harten Haltung Ungarns in der Europäischen Union waren gering.

Orban hatte sich selbst von der Androhung von Sanktionen Brüssels nicht beeindrucken lassen. Die Umgestaltung des Landes war von ihm mit aller Konsequenz umgesetzt worden. Zunächst mit dem Bau von einem unüberwindbaren Stacheldraht-Bollwerk entlang der Grenze, der Internierung von Flüchtlingen, der Einschränkung der Pressefreiheit und der Ausweisung unbequemer kritischer Ausländer. Orban gehörte zu einer neuen Clique von Staatsführern in Osteuropa, die alte Regeln ausser Kraft setzten. Der Pole Duda zählt zu dieser Riege. Er war es, der eigenmächtig bisherige Juristen in den Ruhestand versetzte und durch neue ersetzen ließ. Auch er scherte sich bisher nicht um Drohungen aus Brüssel. Dass diese Entscheidung erst einmal rückgängig gemacht werden musste, wurde als kurzfristige Störung betrachtet.

Durch Osteuropa geht ein Rechtsruck, bei dem Oppositionelle drangsaliert, Minderheiten wie Sinti und Roma schikaniert und misshandelt werden, die Medien mit der Schließung von Zeitungen, Radio- und TV-Stationen auf Linie gebracht werden.

Orbans Besuch in Meseberg war nicht in einer kühlen, er war in eisiger Atmosphäre verlaufen. Für diplomatische Verhältnisse feindselig. Es hatte trotz ihrer Freundlichkeit gerade einmal zu einem Lächeln beim Toast auf die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Ungarn gereicht. Der versöhnliche Abschluss waren Lob und Dank für die Auseise von DDR-Flüchtlingen, die über Prag und Budapest in die Bundesepublik reisen durften.

Vor der Presse bestand Angela O. unbeirrt, wie überall und bei jeder Gelegenheit, auf einer europäischen Lösung zur Verteilung der Flüchtlinge, die von Ungarn, strikt zurückgewiesen worden war. Ungarn habe seinen Beitrag geleistet. Es gäbe bei ihm keine unerwünschten Personen mehr.

INFORMATIONEN AUF DEM WEG

Vom Schloss starten zwei schwere gepanzerte Limousinen, voraus der Wagen von Angela O. dahinter die Security. Ob und wie die Route zuvor kontrolliert wird, ist nicht bekannt.

Sie kennt den Weg, kaum ein Blick aus ihrem stählern-gläsernen Kokon. Sie prüft die neuen Nachrichten mit Prognosen der Meinungsforschungsinstitute, nach den Streitereien mit den Bayern noch immer düster.

Sie hört von den neuen Vorschlägen der großen Automobilhersteller, die mit Umtausch – Lockangeboten – weiter Kasse machen wollen, denkt kurz an das Schicksal der ehemaligen Konzernbosse, von denen der eine sich seit Monaten bereits in Haft befindet und der andere der Lüge überführt worden ist. Winterkorn und Stadler, mit denen sie nicht nur einmal im Kanzleramt in vertrauter Runde zusammengesessen hat.

Im Deutschlandfunk verfolgt sie ein Interview mit dem früheren Außenminister Gabriel, der an ein Wiedererstarken der SPD glaubt und zur Fortsetzung der großen Koalition ermuntert. Seinen selbst verschuldeten und erzwungenen Abschied hat sie bedauert. Er war kantig und beliebt, kein Vergleich mit dem blassen Nachfolger, der ohne Ausstrahlung bleibt.

Von Meseberg zum Haus am See geht es auf der B96 bis Löwenberg, danach östlich vorbei an Schloss Liebenwalde, nach 1949 der Residenz des ersten DDR-Ministerpräsidenten Wilhelm Pieck, später von Armeegeneral Hoffmann, heute einem First-Class-Hotel, anschließend über Zerpenschleuse und Groß Schönebeck bis Milmersdorf, Götschendorf, vorbei am Russisch-Orthodoxen Kloster, danach nur ein kurzes Stück.

Schloss Meseberg war bis zum Ende der DDR vielseitig genutzt worden, als Kindergarten, Konsum, Gaststätte und Wohnhaus. Danach stand es zum Teil leer und verfiel zusehends.

Erst in der Regentschaft von Helmut Kohl investierte die Messerschmitt-Stiftung den Umbau zum repräsentativen Luxusanwesen der Bundesregierung.

In Neuhardenberg engagierte sich die Deutsche Sparkassenstiftung. Mit Schinkelkirche und Lene-Park gilt der Ort als bedeutendes Kulturzentrum in Brandenburg.

Ein eigenartiges Kapitel aus der DDR-Geschichte: Neuhardenberg war als Station des Luftwaffengeschwaders Hermann Matern zur Verteidigung der Westgrenze in Marxwalde umbenannt worden.

Die Offiziere von damals hatten die Plattenbauten nach 1990 verlassen. Wenige von ihnen waren von der Bundeswehr übernommen worden. Einige nutzten Umschulungsangebote.

Andere fanden schlecht bezahlte Jobs im Security-Bereich als Disqualifizierung.

In Liebenberg kaufte sich die DKB-Bank ein. Das Schloss wurde zum Hotel.

In den vergangenen Jahrzehnten waren Schlösser und Herrenhäuser im Osten von alten Besitzern und neuen Eigentümern renoviert und zu Hotels ausgebaut worden. Andere gehörten zu landwirtschaftlichen Großbetrieben und Waldflächen. Oder sie wurden zu Luxusimmobilien vermögender Wessis.

Ein Beispiel:

Wenige Kilometer von Meseberg entfernt residiert die Familie der Schnapsbrenner Hardenberg aus Schleswig-Holstein auf Schloss Hoppenrade, die es für 4,5 Millionen Euro von einem Vorbesitzer erwarb und luxuriös umbaute.

Angela O. hat kurze Zeit nach dem Start ihr Handy auf stumm gestellt und von ihrem Fahrer auch die zweite Verbindung im Wagen ausschalten lassen. Am Steuer Jürgen Voigt, der sie seit fünfzehn Jahren fährt, sicher, zuverlässig, freundlich, dabei nicht devot, ein Vertrauter, „ein Mann von hier“, wie sie gerne sagt.