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"Stefan B. nahm die Spritze, setzte sie am Zugang an und lächelte mich freundlich an. Schwarzer Engel, schoss es mir durch den Kopf. Dann drückte er die Spritze in meine Vene. Plötzlich wurden meine Lider bleischwer. Ich wollte sie gewaltsam aufreißen, doch meine Augen schienen eingefroren zu sein. Ich bekam gerade noch mit, wie er den Tropf anschloss, dann war ich komplett weg. Downstairs in the darkness." In eine albtraumtiefe Dunkelheit steigt Manu B. in dieser verhängnisvollen Nacht, als sie im Einzelzimmer des Marienkrankenhauses in Hamburg liegt, betäubt von einem schwarzen Engel im weißen Kittel eines Krankenpflegers, der sich an ihr vergeht. Ein Skandal sondergleichen. Ein jahrelanger Prozess beginnt. Bis zum Schluss sitzt Stefan B., der Krankenpfleger, unter einer stählernen Glocke des Schweigens und würdigt sein Opfer keines Blickes. Seine schmalen schwarzen Augen glitzern mit kalter, stechender Teilnahmslosigkeit. Seit dem 23. Januar 2013 ist das Urteil des Landgerichts Hamburg - 4 Jahre und 3 Monate - in letzter Instanz vom BGH rechtskräftig entschieden. Doch befreit aufatmen konnte Manu B. nicht: Zu tief saß der Schock der seelischen Vergewaltigung. Sie glaubte sich geschützt unter der pflegenden Obhut des Krankenhauses. Wie ein Dolchstich unter dem Mantel der vertrauenden Schutzbefohlenen traf sie die Betäubungsspritze und machte sie zum willenlosen Opfer. Manu B.'s Enthüllungs-Roman ist der erstaunlich geglückte Versuch, aus dem betäubten Schrei dunkler Ohnmacht wieder zu ihrer hellen inneren Stimme zu finden.
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Enthüllungs-Roman underDog
Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil– oder strafrechtlich verfolgt werden.
underDog Verlag ist ein Imprint von EgoBook
www.egobook.de
ISBN 978-3-943606-19-5
© EgoBook, Graben. 2013
Lektorat: Klaus Middendorf
Dieses Buch handelt von einem sexuellen Missbrauch, den ein Pfleger eines katholischen Hamburger Krankenhauses an mir beging.
Vorwort
Ich wende mich mit meinem Buch an die Öffentlichkeit, um die Fortsetzung der Schweigespirale bei Missbrauchsopfern zu verhindern und die Frauen für eine größere Wachsamkeit zu sensibilisieren.
Schweigen hilft niemandem. Wären meine beiden emotional starken Töchter nicht für mich da gewesen, hätte auch ich geschwiegen, und das wäre absolut falsch gewesen.
Heute weiß ich das.
Deshalb bin ich den beiden sehr dankbar. Ich liebe sie über alles.
Es lohnt sich, den Mund aufzumachen! Auch wenn es ein harter und langer Weg ist.
Doch ich will auch nicht verschweigen, dass es vor allem für mich sehr wichtig war, dieses Buch zu schreiben, um auf diesem Weg meine Geschichte besser aufarbeiten zu können, denn sie verfolgt mich fünf Jahre nach der Tat immer noch.
Ich möchte allen danken, die mich bei diesem Vorhaben unterstützt haben, in erster Linie Thommy, die Liebe meines Lebens, aber auch Simon, meinem Exmann, und natürlich meinen Töchter Laura und Nina sowie alle meine Freunde, die davon wussten, und nicht zu vergessen Olaf Junge vom underDog Verlag, denn ohne ihn wäre es mir gar nicht möglich gewesen, mein Buch zu veröffentlichen.
Entschuldigung
Lieber Simon,
Ich hoffe, auch du wirst dieses Buch lesen und mich dann vielleicht ein wenig besser verstehen.
Manches wird dich hart angehen, aber es ist die Wahrheit, jedenfalls nach meinem damaligen Verständnis und Empfinden. Und dagegen kann ich leider nichts tun.
Ich weiß, dass ich dir sehr weh getan habe und dich sehr verletzt habe, dies war aber nie meine Absicht, denn ich tat es, um mich zu schützen.
Auch du hast, ohne es zu wissen, mich sehr verletzt, weil du mich bedrängt hast.
Du wirst es deiner Virilität zuschreiben, und du hast ja auch eine Erscheinung nicht wie ein Baum, wobei bei diesem Vergleich freilich nur die deutsche Eiche infrage gekommen wäre, sondern vielmehr wie ein Bär.
Das Gefährliche, oder jetzt auf dich umgemünzt: das Bedrängende, sieht man ja einem Bär nicht an. Er macht einen gutmütigen Eindruck. Aber genau darin liegt ja die Gefahr.
Nachts legtest du das Gemütliche ab und besannst dich deiner männlichen Natur, die, was das Drängende und Bedrängende für eine Frau ausmachte, quasi immer schnörkellos auf die Erfüllung ihrer explosiven Potenz ausgerichtet war.
Das scheint mir ein großes Missverständnis zu sein, dass sich hier Mann und Frau auf dem Gipfel ihrer Sehnsucht finden, wenn nur dieLust des Mannes nach vorne drängt, sodass seine Zärtlichkeit brach liegt.
Ich habe dich die vielen Jahre bis zu diesem Übergriff im Krankenhaus am 28.01.2008 wirklich geliebt.
Doch dann habe ich mich verändert.
Ich bin nicht mehr die toughe Manu, die alles wie selbstverständlich meisternd selbstbewusst durchs Leben geht.
Nach außen hin mag ich dies für viele noch sein, aber in mir bin ich eigentlich ein scheues Reh geworden und sehr verletzlich.
Heute können mich Dinge verletzen, die früher an mir abgeprallt sind und über die ich gelacht habe.
Du hast mir jeden Wunsch erfüllt und noch vieles mehr, aber es sollte einfach nicht sein.
Ich bin mir sicher, wenn die Sache im Krankenhaus nicht passiert wäre, wären wir heute noch ein glückliches Ehepaar. Doch nach meiner totalen Veränderung zu meinem neuen ICH kann und möchte ich es mir nicht einmal mehr vorstellen.
Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, denn ich wollte es nicht, und ich konnte mich genauso wenig dagegen wehren, wie ich mich gegen den Missbrauch wehren konnte.
Ich hoffe und ich wünsche mir, dass du wieder so glücklich wirst, wie wir es waren.
Ich bin inzwischen seit dem 1.9.2011 sehr glücklich mit Thommy verheiratet.
Er ist einfach genau der richtige Partner für mich, und ich habe es sehr gut bei ihm.
Er ist einfach das Beste, was mir in meinem neuen Leben passieren konnte. Mein Guardian Angel. Er geht mit mir durch dick und dünnund hat sehr viel Verständnis für mich und mein altes Leben.
Ich liebe ihn wirklich sehr, und er ist die Liebe meines neuen Lebens!
Ein ganz besonderes Dankeschön
Lieber Thommy,
vielen Dank für dein liebevolles Verständnis und deine bedingungslose Liebe. Die vielen Stunden, Tage und Wochen, die du auf mich verzichten musstest, damit ich mein Buch schreiben konnte, waren für dich bestimmt auch nicht immer leicht. Aber es hat sich gelohnt.
Wir haben auf vieles verzichtet in dieser Zeit, aber auch das hat sich gelohnt, denn mit jeder Zeile, die ich geschrieben habe, ging es mir etwas besser.
Jetzt ist es umso schöner.
Danke für deine ständige Begleitung.
Wo immer ich dich auch brauche, du bist stets an meiner Seite.
Ohne dich wäre ich noch lange nicht so weit wie jetzt! Du bist die Liebe meines Lebens, und ich werde dich immer lieben.
Danke, mein Herz!
Ich liebe dich über alles!
Kapitel 1
Wie alles begann
Alles begann mit einer vermeintlich harmlosen Erkältung am ersten Weihnachtstag des Jahres 2007.
Ich feierte mit Simon, meinem damaligen Mann, meiner einundneunzigjährigen Großmutter und meinen beiden Töchtern Laura (23) und Nina (19) sowie mit ihren Freunden bei Laura Heiligabend.
Zu diesem Zeitpunkt wohnte sie schon nicht mehr bei uns, sondern bei ihrem Freund.
Es gab wie jedes Jahr einen Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen. Wir kochten zusammen und hatten Spaß.
Ich kümmerte mich vornehmlich um den Gänsebraten, für dessen Zubereitung ich wohl ein besonders glückliches Händchen haben muss, denn alle lieben meinen Gänsebraten heiß und innig.
Alles war schön und harmonisch. Ein Bilderbuch–Heiligabend.
Nach dem köstlichen Essen räumten wir alle schnell die Küche auf, denn wir waren schon ganz fickerig auf die Bescherung.
Zuerst stießen wir mit einem Glas Sekt auf das schöne Weihnachtsfest an und freuten uns, dass wir wieder alle zusammen waren.
Dann ging es endlich an die Bescherung. Die Freude war doppelt, galt sie doch nicht nur unseren Geschenken, sondern auch den Beschenkten.
Wir naschten ausgiebig Weihnachtsbäckereien und ließen ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein.
Weit nach Mitternacht gingen wir ins Bett.
Die ganze Familie schlief bei Laura unterm Dach.
Am nächsten Morgen fiel mir auf, dass Laura nicht so fit aussah wie sonst, und ich schob es auf den Alkohol vom Vorabend.
Gegen Mittag bekam sie erhöhte Temperatur und Gliederschmerzen.
Sie legte sich auf die Couch und wurde zusehends kränker.
Um nicht länger zu stören, packten Simon und ich unsere Sachen und machten uns auf den etwa einstündigen Weg nach Hause.
Zu Hause angekommen rief ich bei Laura an.
Ihr Freund war am Telefon.
Das Fieber steige ständig, meinte er und fragte mich, was er machen solle.
„Mach Wadenwickel und gib ihr fiebersenkende Mittel“, riet ich ihm.
Zwischenzeitlich fing Laura an zu fantasieren, denn das Fieber hatte inzwischen fast vierzig Grad erreicht.
Als nichts half, rief mein Schwiegersohn den Notarzt an, der Laura eine Spritze gab, worauf das Fieber langsam sank.
Am späten Nachmittag wurde ich dann schließlich von Gliederschmerzen erwischt und einer umwerfenden Müdigkeit, die mich widerstandslos ins Bett schmiss.
Am nächsten Morgen spürte ich, dass auch auf mich die Erkältung mit vollem Begleitprogramm wie erhöhter Temperatur, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Halsschmerzen etc. zusteuerte.
Halsschmerzen waren mir grundsätzlich vertraut, denn drei bis vier Mal im Jahr erwischt mich regelmäßig eine Seitenstrang–Angina, die mit Antibiotika behandelt werden muss.
Gleich am ersten Tag nach Weihnachten suchte ich meinen Hausarzt auf, der mir wie gehabt ein Antibiotikum verschrieb, damit ich möglichst schnell wieder fit wurde und am zweiten Januar des neuen Jahres zur Arbeit gehen konnte.
Damals war ich noch für die bekannte TV–Journalistin Eva Herman als persönliche Assistentin tätig. Doch dazu später.
Nachdem das Antibiotikum merkwürdigerweise nach drei Tagen immer noch nicht angeschlagen hatte – im Gegenteil, mir ging es immer schlechter –, flehte ich Simon am Samstag, den 30. Dezember an, mich ins Krankenhaus zu bringen, da ich schon Angst um mein Leben hatte.
Mir ging es hundeelend. Ich dachte tatsächlich, dass mein letztes Stündlein geschlagen hatte.
Ich konnte nur noch im Sitzen schlafen, da ich sonst keine Luft mehr bekam.
Noch nie in meinem Leben war ich so schwer erkältet gewesen.
Simon brachte mich allerdings nur zu einer Notfallpraxis, da er wohl dachte, dass das Ganze nur halb so schlimm sei. Jedenfalls war ich nicht in der Lage, mich groß zu wehren oder dagegen anzureden.
Da ich hohes Fieber hatte, hoffte ich, dass man mir wenigstens dort helfen konnte.
Mein Husten hörte sich wie Hundegebell an. Da mein gesamter Mund– und Kehlkopfbereich einschließlich des Zungenbeins und meiner Stimmbänder stark entzündet war, litt ich bei jedem Hustenanfall tatsächlich wie ein Hund.
Schließlich verschrieb man mir ein anderes Antibiotikum in der Hoffnung, dass dies nun endlich anschlug.
Mir war alles recht. Nur eines wollte ich nicht: weiter krank bleiben und so leiden.
Bereits am nächsten Morgen merkte ich eine geringe, wenn auch kaum spürbare Besserung.
Es war Silvester, der Tag auf den ich mich das ganze Jahr freute.
Schon Monate vorher hatten Simon und ich uns einen Tisch in unserem um die Ecke, an der Alster gelegenen spanischen Lieblingsrestaurant reserviert.
Doch dieses Jahr war alles anders.
Trotz meiner schweren Erkrankung schleppte ich mich dorthin. Schließlich hatten wir schon im Voraus einhundert Euro pro Person bezahlen müssen. Allerdings waren im Preis das komplette Essen, alle Getränke inklusive Mitternachtssekt und Berliner inbegriffen.
Auf das leckere Essen – es gab wirklich die ganze Palette an spanischen Spezialitäten – musste ich aufgrund der Umstände leider verzichten. Ich bekam einfach nichts runter, und wegen der Antibiotika schmeckte auch alles einfach nur bitter.
Als ich das Buffet mit den leckeren Langusten, der Paella und allem, was das Herz begehrt, sah, war ich schon ziemlich traurig.
Simon trank einen herrlich duftenden spanischen Rotwein und eine hervorragend hausgemachte Sangria.
So kam es, dass ich den ganzen Abend den teuersten und besten Pfefferminztee der Welt trank.
Ganze sechs Gläser mit Pfefferminztee habe ich geschafft.
Zum Schluss genehmigte ich mir einen Herbas mit drei Eiswürfeln.
Herbas ist ein typisch spanischer Kräuterlikör, deshalb dachte ich, dass Kräuter ja nicht schlecht für die Genesung sein konnten.
Ich genoss es, wie wunderbar kühl der Herbas mir den entzündeten Hals runterlief!
Anschließend ging es schnell nach Hause auf die „Krankenstation“, also in mein Bett.
Nach zwei Tagen schlug das neue Antibiotikum tatsächlich an, so dass ich wieder arbeiten gehen konnte und nicht zu meinem Hausarzt musste, um mich krankschreiben zu lassen.
Auch wenn es mir schwerfiel, fuhr ich zur Arbeit.
Bestimmt wäre es besser gewesen, wenn ich meinen Hausarzt aufgesucht und vielleicht mal ein paar Tage pausiert hätte, aber ich bin ein Arbeitstier und kann einfach nicht krank im Bett liegen, weil ich dann das Gefühl habe, noch kränker zu werden. Überhaupt hält mich nichts daheim, wenn ich weiß, dass Arbeit auf mich wartet, .
Bereits an meinem ersten Arbeitstag überfielen mich starke Bauchschmerzen und Durchfall, der mich zwang, mehr auf der Toilette als an meinem Schreibtisch zu sitzen.
Kurzfristig überlegte ich sogar, von dort aus zu arbeiten. Es war aber auch eine Scheiße. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Eva war sehr bemüht um mich und versorgte mich mit Essen und Trinken, denn bei Durchfall soll man ja viel trinken und bestimmte Dinge essen.
Doch jedes Mal, wenn ich was trank oder aß, musste ich spätestens zehn Minuten wieder aufs Klo.
Also stellte ich das Essen und Trinken wieder ein.
Tatsächlich kam ich so besser über den Tag und konnte wenigstens arbeiten.
Am nächsten Morgen, den 3.1.2008, ging ich vor Arbeitsbeginn (zu dieser Zeit arbeitete ich halbtags von zwölf bis siebzehn Uhr) zu meinem Hausarzt.
Er verschrieb mir ein Medikament, das bei mir aber nicht anschlug.
Innerhalb kürzester Zeit nahm ich sieben Kilo ab.
Daraufhin schlug Simon Alarm und riet mir dringend, einen Facharzt aufzusuchen.
Erst mal tat ich es ab und wartete: Vielleicht regelte sich ja alles von allein; die Arbeit würde mich schon ablenken.
Doch der Durchfall blieb hartnäckig.
Erstaunlicherweise konnte ich irgendwie damit leben, und das, obwohl ich so gut wie nichts mehr trank und aß.
Am 25. Januar überfielen mich plötzlich kaum auszuhaltende Schmerzen im Unterbauch.
Jetzt ging ich endlich zu einer Gastroenterologin, einer Fachärztin für Magen– und Darmheilkunde, deren Praxis ganz in unserer Nähe war.
Lass dir halt ein paar Mittelchen verschreiben, dachte ich mir, und anschließend gehst du wieder arbeiten.
Als ich aus dem Fahrstuhl trat, stand ich zu meiner Überraschung schon fast vor der Anmeldungstheke, überhaupt war ich angenehm überrascht, wie modern die Praxis eingerichtet war.
Leider war das Wartezimmer gesteckt voll, was mich allerdings nicht verwundern durfte, schließlich hatte ich ja keinen Termin.
Die Hoffnung, schnell wieder draußen zu sein und anschließend zur Arbeit zu gehen, konnte ich mir also abschminken.
Schmerzgekrümmt stand ich vor der Anmeldung, wo die Arzthelferin sofort auf mich aufmerksam wurde und mich ohne Umschweife in den Ultraschallraum führte und mich bat, auf der Liege auf die Ärztin zu warten.
Als nach einer Weile die Ärztin erschien und ich ihr meine Beschwerden schilderte, untersuchte sie mich sofort per Ultraschall.
Erschrocken fragte sie mich, warum ich denn erst jetzt zu ihr gekommen sei, der Übergang vom Dick– zum Dünndarm zeige bereits eine heftige Entzündung, die einen Verdacht auf Morbus Crohn nahelege, jedenfalls sei eine Überweisung ins Krankenhaus unerlässlich.
Da ich 2005 im Zusammenhang mit meiner Schilddrüsenoperation sehr gute Erfahrungen mit dem Hamburger Marienkrankenhaus gemacht hatte, fiel mir die Wahl nicht schwer.
Als Erstes rief ich Eva an und informierte sie, dass ich ins Krankenhaus müsse, aber in ein oder zwei Tagen wieder einsatzfähig sei. Danach rief ich Simon an und bat ihn, mich ins Marienkrankenhaus zu bringen.
Kapitel 2
Im Krankenhaus
Nachdem ich mit dem Verdacht auf Morbus Crohn in der Notaufnahme des Hamburger Marienkrankenhauses gelandet war, wurde ich erst mal gründlich untersucht.
Dabei wurde ein reduzierter Kräftezustand festgestellt, Schmerzen im rechten Unterbauch und Gliederschmerzen bei Belastung.
Die Ärzte hatten zuerst den Verdacht, ich hätte eine Blinddarmentzündung und eventuell eine Keuchhusten–Reinfektion.
Eine Blinddarmentzündung kam allerdings nicht infrage, da mir der Blinddarm bereits mit achtzehn entfernt worden war. Also mussten sie noch weiter suchen. Der Verdacht auf eine Keuchhusten–Reinfektion konnte dagegen durchaus berechtigt sein, weil ich als Kind schon einmal Keuchhusten hatte.
Daraufhin wurde eine erneute Ultraschalluntersuchung und eine Computertomografie durchgeführt.
Hierzu musste intravenös ein Kontrastmittel zugeführt werden, um die inneren Organe grafisch sichtbar zu machen, was sich hinterher allerdings als nicht so gute Idee herausstellen sollte, denn nun stellten sich noch weitere Komplikationen ein, die meinen Kreislauf zusammenbrechen ließen.
Trotzdem musste ich diese Untersuchungen über mich ergehen lassen, weil sie schließlich wissen mussten, was mir letzten Endes fehlt. So entschloss man sich, mich vorläufig erst mal dazubehalten.
Inzwischen konnte ich mir kaum vorstellen, wie sich das Leben ohne Schmerzen anfühlte, immerhin hatte ich seit dem 26.12.2007 keinen Tag mehr ohne Schmerzen erlebt, deshalb war ich froh, im Krankenhaus meines Vertrauens untergekommen zu sein.
Nach der CT wurde ich in einer wahren Odyssee zu meiner Station gerollt.
Zu dieser Zeit fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Überall herrschte hektisches Treiben.
Im Stillen dachte ich mir, ach, wäre ich doch nur wegen einer einfachen Mandel–, Nasen– oder Was–weiß–ich–Operation hier, aber nein, ich musste mir natürlich wieder irgendetwas Außergewöhnliches einfangen.
Die Fahrt zu meiner Station schien gar nicht mehr enden zu wollen und erschien mir symptomatisch für meine Situation.
Was würde mich erwarten?
Gefühlte dreißig Minuten später landete ich endlich auf meinem Zimmer.
Als ich die Schwester fragte, wo ich hier denn um Gottes willen gelandet sei, antwortete sie, dass ich mich auf der MED–NOT–Station befände.
Auf dieser Station gab es nur Einbettzimmer.
Ich weiß nicht, ob alle Zimmer so groß wie meines waren, jedenfalls war mein Zimmer mit circa sechs Quadratmetern erschreckend klein.
Den einzigen Ausblick, den ich hatte, gewährte ein kleines vergittertes Fenster, das bis zur Hälfte milchig verglast war.
Über meinem Bett waren Überwachungsmonitore angebracht, an denen ich aber zum Glück nicht angeschlossen war.
Am Fußende links befand sich ein Hängeschrank und ein Unterschrank in denen sich wohl Pflegeutensilien befanden.
Direkt vor meinem Fußende war die Zimmertür, rechts neben meinem Bett stand ein mobiler Nachttisch, und rechts an der Wand stand ein Stuhl. Das war‘s.
Das Badezimmer glich eher einer besseren Mini–Nasszelle.
Vor dem Badezimmer stand ein winziger Einbauschrank für meine Kleidung.
Simon fuhr gleich wieder nach Hause, um erst mal das Nötigste für mich zu holen.
Nach etwa zwei Stunden war er wieder zurück und packte meine Sachen in den kleinen Spind. Drei Schlafanzüge, ein Nachthemd, Unterwäsche, Socken, ein paar Hausschuhe, meine Waschsachen und, nicht zu vergessen, meinen Lou Bär.
Wenn ich auswärts übernachtete, ging mein Lou Bär immer mit, um auf mich aufzupassen.
Er war ein dunkelbrauner Kuschelbär. Das erste Geschenk, das ich vor zehn Jahren, als wir uns kennengelernt hatten, von Simon bekommen hatte.
Anfangs war Simon auch ein Kuschelbär, obwohl er schon damals immer ungeduldig war und möglichst schnell zur Sache kommen wollte.
Unglücklicherweise musste ich bei jedem Toilettengang eine Stuhlprobe nehmen. Das war nicht angenehm, aber ich habe versucht, positiv zu denken, und gehofft, dass dadurch die Ärzte möglichst schnell feststellen konnten, was mir fehlt.
Auf der MED–NOT–Station gab es stets für jedes Zimmer pro Schicht eine feste zuständige Krankenschwester oder Krankenpfleger.
Bei Schichtwechsel wurde stets die Nachfolgerin beziehungsweise der Nachfolger persönlich vorgestellt, was ein sehr positives Bild bei mir auslöste.
Ich fühlte mich wohl und sehr gut aufgehoben und hatte größtes Vertrauen zum Personal.
Meine derzeitige Nahrung, die ich noch oral zu mir nehmen durfte, bestand aus Pfefferminztee und schwarzem Tee. Selbstverständlich ohne Zucker.
Zusätzlich kam ich noch in den Genuss von einem Liter 0,9 prozentiger Kochsalzlösung intravenös.
Die Auswahl war zwar nicht so berauschend, aber ich war zufrieden.
Nach unzähligen Untersuchungen meiner Blut– und Stuhlproben kamen die Ärzte am 26.01.2008 zu folgendem Befund:
Gastroenteritis sonst. respiratorischer Infekt.
Clostr. diffizile A/B Test positiv
Kein Nachweis von Salmonellen, Shigellen, Yersinien und Campylobacter.
Aufgrund dieser Diagnose musste mein Zimmer unter Quarantäne gestellt werden, da ich hochinfektiös war.
Daraufhin wurde vor mein Zimmer ein Wagen mit speziellen Handschuhen, Mundschutz, Hauben etc. bereitgestellt.
Kapitel 3
26.01.2008
Im Krankenhaus
Meine Medikation bestand aus einem Liter Kochsalzlösung 0,9 % intravenös und dreieimaligen Tagesrationen Metronidazol 400 mg. (Um sechs Uhr, vierzehn Uhr und um zweiundzwanzig Uhr.)
Gegen die Schmerzen bekam ich Benuron 1 mg. und Buscopan 20 mg.
Da ich nicht einschlafen konnte, wurde mir zusätzlich ein Schlafmittel angeboten, das ich aber ausschlug, weil ich ja nichts weiter zu tun hatte, außer mich auszuruhen, und so konnte ich auch tagsüber viel schlafen, wenn ich mal keinen Besuch hatte.
Nachmittags waren Simon und Nina mit ihrem damaligen Freund da.
Wir unterhielten uns über Gott und die Welt.
Langsam kehrte das Leben wieder zu mir zurück, und auch die Schmerzen ließen nach.
Wenn mein Besuch am späten Nachmittag gegangen war und mich die Langeweile einholte, griff ich zu meinem Handy und rief meine Freundin an.
Wir hatten immer genug Gesprächsstoff und konnten stundenlang telefonieren.
