Blitze am Leben - Mike Bracht - E-Book

Blitze am Leben E-Book

Mike Bracht

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Beschreibung

Entsteht eine Krankheit erst im Laufe der Zeit oder werden wir mit ihr geboren? Ist jemand an der Psyche erkrankt oder spiegelt jeder Einzelne nur seine Formung wider, die er durch eine Vielzahl von Ereignissen seiner Zeitlinie erleben durfte und musste? Es gibt Ereignisse, die einen wie einen Blitz treffen, und andere, die wie ein Blitz viel Energie bereitstellen, und wieder andere, die wie ein Blitz viel Schaden anrichten. Die Empfindungen, welche in diesem Buch oft drastisch zur Sprache kommen, sind Gefühle aus gefangenen Momenten, ohne Ausweg aus der Situation, aus Momenten des Nicht-Reflektieren-Könnens, es sind Kreuzpunkte auf dem Weg vor der Behandlung einer Borderline-Störung.

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Seitenzahl: 83

Veröffentlichungsjahr: 2015

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www.tredition.de

Mike Bracht

Blitze am Leben

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© 2015 Mike Bracht

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7323-5625-6

Hardcover:

978-3-7323-5626-3

e-Book:

978-3-7323-5627-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

INHALT

Vorwort

Gefangen

Unterwegs

Schutzgeld

Drückerkolonne

Herzinfarkt

Loslassen

Bekannte

Diesellokomotive

Danksagung

Vorwort

Entsteht eine Krankheit erst im Laufe der Zeit oder werden wir mit ihr geboren?

Ist jemand an der Psyche erkrankt oder spiegelt jeder Einzelne nur seine Formung wider, die er durch eine Vielzahl von Ereignissen seiner Zeitlinie erleben durfte und musste?

Es gibt Ereignisse, die einen wie einen Blitz treffen, und andere, die wie ein Blitz viel Energie bereitstellen, und wieder andere, die wie ein Blitz viel Schaden anrichten.

Die Empfindungen, welche in diesem Buch oft drastisch zur Sprache kommen, sind Gefühle aus gefangenen Momenten, ohne Ausweg aus der Situation, aus Momenten des Nicht-Reflektieren-Könnens, es sind Kreuzpunkte auf dem Weg vor der Behandlung einer Borderline-Störung.

Gefangen

Was willst du? Was - willst - du? Ich will doch nur geliebt werden! So stark, dass ich es auch spüre, so stark, dass ich es auch sehen kann, so stark, dass ich es begreifen, verstehen kann, dass ich geliebt werde. Doch egal, wie jemand probiert sie mir zu zeigen, ich spüre sie nicht - die Liebe. Wieso kann mir kein Mensch das Gefühl geben, dass er mich liebt, wieso werden alle meine zwischenmenschlichen Beziehungen für mich umso unsicherer, je mehr ich nach der Liebe suche? Wieso hilft mir keiner? Bitte, ich brauche doch jemanden, der dieses Suchen von mir aushalten kann, jemand der mir immer wieder zeigen kann, dass ich kein schlechter, unzuverlässiger, arroganter, selbstsüchtiger Mensch bin. Was ist daran so schwer auszuhalten, dass ich die Liebe nicht kapiere? Je weniger ich die Liebe verstehe, desto weniger möchte ich einen Menschen an mich heranlassen. Ich muss jeden ausgrenzen, der mir nicht zeigen kann, dass er mich lieb hat. Und je mehr ich den anderen ausgrenze, umso weniger fühle ich mich geliebt. Wieso versteht das keiner, keiner von denen, die behaupten, dass sie mich besser kennen würden, als ich mich selber kenne? Wieso ist keiner bereit dazu, sich diese Zeit zu nehmen, auch wenn ein Ende nicht absehbar ist? Ich mache das doch nicht absichtlich, ich möchte doch keinen verärgern oder sogar verletzen! Ich wünsche mir auch keinen Rückzug von mir selber, doch wie ich den verhindern kann, weiß ich nicht, ich würde es ja gern, aber mir hat noch keiner gezeigt, wie das gehen könnte. Das Gegenteil, den Rückzug, den konnte mir jeder von euch zeigen! Obwohl ihr mich alle so gut zu kennen glaubt. Meine Unsicherheit, mein Misstrauen euch gegenüber wird immer größer und größer, bis es Ausmaße erreicht hat, die ich selber nicht mehr ertragen kann - doch das ist mein Problem, auch wenn ich es euch spüren lasse, bitte verzeiht! Nicht um euch kränken zu wollen habe ich euch gerne, sondern weil ihr so seid wie ihr seid.

Nicht zu jeder Zeit kann ich euch die Ruhe und Gelassenheit zollen, die ihr ohne Zweifel verdient habt. Es gibt Zeiten, in denen meine Zweifel ungeahnte Ausmaße annehmen, so gewaltige, dass ich jedwede Beziehung bis aufs schärfste ausreize. Vielleicht, weil ich mir so die Sicherheit holen möchte: „Wenn ihr das aushaltet, dann müsst ihr mich doch wirklich lieb haben!“ Doch leider, auch wenn ich dieses Ziel vielleicht manchmal erreichen durfte, habe ich nicht denken können, dass ihr mich trotzdem lieb habt.

Ich bin alleine und fühle mich allein gelassen. Keiner ist so richtig ernsthaft an mir interessiert, lästig, ja genauso komme ich mir vor, wenn ich euch unter die Augen trete. So als ob es nur noch den einen Wunsch in euch geben könnte, wann ist dieser Typ endlich aus meinem Leben verschwunden, wann braucht ihr euch diesen Ballast, mich, nicht mehr anzutun. Dabei probiere ich aus, euch nicht mehr im Weg zu stehen. Probiere, es allen Recht zu machen und mich in Luft aufzulösen, um euch nicht lästig zu werden. Doch auch dieses Prinzip scheint nicht zu funktionieren, denn ich fühle mich nicht nur im Weg stehend, sondern auch noch benutzt. Ihr ertragt mich nur so lange, wie ihr einen Nutzen von mir habt. Doch ich weiß, ihr versteht mich besser als ich mich selbst. Aber wie laut soll man denn um Hilfe schreien, damit ihr mich hört? Meine Wahrnehmung ist tief gestört, denn ich verstehe wie immer alles falsch, handle immer falsch, alles was ich tue und lasse ist falsch, dient mir nur dazu, diesen Schmerz auf irgend eine Art auszuhalten. Zu er-tragen. Irgendwie sich festkrallend an egal was, Hauptsache weiter leben! Ich möchte anfangen zu spüren und nicht nur Schmerz, davon habe ich genug, genug von Vorwürfen, genug von dem, was ich alles falsch gemacht haben soll. Und ich habe mich aufgeopfert für viele von euch! Euer Dank war so groß, dass ich, eure Last, weit aus eurem Leben ausgegrenzt wurde. Dies scheint mir Beweis genug dafür zu sein, dass ich mit meiner Einschätzung Recht hatte, ihr liebt mich nicht, ihr habt mir so lange etwas vorgemacht, wie ich euch von Nutzen gewesen bin. Das fühlt sich verdammt noch mal nicht gut an und ich wünsche keinem von euch, dass ihr euch jemals so fühlen müsst, denn man braucht ganz schön viel Energie, um das aushalten zu können. Ich frage mich oft, wo meine Energie überhaupt noch herkommt, wo die Reserven lagern, aus denen ich Kraft ziehe. Niemand kann mir erklären, wofür das alles zu ertragen sein sollte. Aber ich glaube, dieser Kraft-Pool ist in mir, nur wo. Bitte, lieber Pool, mach dich mir bemerkbar, bitte zeige mir, woraus ich unbewusst alle Kraft nehme, die mir soviel Energie gibt, damit ich sie bewusster nutzen kann! Zeige dich!

Unterwegs

Ich sitze im Auto und fahre in einer Stadt, die mir wohlbekannt ist. Schließlich bin ich hier geboren und habe nun fast dreißig Jahre meines Lebens hier verbracht.

Leichter Regen perlt an den Scheiben meines Wagens ab. Die Scheibenwischer tun ihren Dienst und geben mir einen freien Blick auf die Straße. Richtig sehen kann ich jedoch nicht. Meine Atmung ist viel zu schnell, dies könnte mal wieder zur Hyperventilation führen. Auf meiner Stirn hat sich Angstschweiß gebildet, und das Lenkrad halte ich nicht mit sicherem Griff. Panikschweiß benetzt meine Hände, durch die das Lenkrad gleitet. Bemerkbar vor allem in den Kurven, wenn ich Probleme habe, die Spur zu halten. Ist das noch verkehrssicheres Fahren? Nein, unter Alkoholeinfluss würde ich wahrscheinlich sicherer fahren.

Haben das Bier und mein Mund zu oft Bekanntschaft miteinander gemacht, hätte ich schlafen können, nachts um zwei, drei, vier Uhr, hätte ich den Alkohol nicht verköstigt? Sorgen über mein Verhalten stehen auf meiner privaten Tagesordnung auf Platz eins, und dann kommt erst einmal eine lange, breite und dicke Schicht des Nichts, von der ich nicht weiß, was sie ist.

Meine Sehnsucht, mein Verlangen, welches mich nun seit fast zehn Jahren plagt, ist: endlich wieder gesund zu werden. Krank bin ich in den letzten zehn Jahren - weiß Gott - oft genug gewesen, auch eingebildet krank. Meine Einbildung hat in Kopplung mit meiner Überzeugungskraft die Ärzte dazu bewegt, mir stets mit Tabletten zur Seite zu stehen. Sie wussten jedoch nicht, dass ich sie nicht nehme. Profitiert hat in diesem Fall nur die Pharmaindustrie. Ich habe also Arbeitsplatzsicherung betrieben. Diesen Gefallen tue ich euch gerne, für die Statistik der Arbeitslosensenkung. Meine Kontonummer bekommt ihr von meinem Agenten oder vom Verlag.

Die Ursache für die stetigen Kopfschmerzen, diesem permanenten Druck, der mich denken ließ, dass mein Gehirn in meinem Schädel platzen würde, war nach reichlichen Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten schlussendlich gefunden. Meine Weisheitszähne standen schief und drückten auf die davor stehenden Zähne, diese entwickelten Druck auf meinen Kiefer, und die Erklärung für meinen Kopfdruck war somit klar! Die Weisheitszähne sind schuld, dass mein Gehirn kurz vor dem Platzen ist! Also raus damit.

Die Schmerzen nach der Operation waren die Hölle, ich wollte meinen Druck im Kopf zurück, keine Bombe im Zentrum meiner Hirnnerven zünden. Doch durch diese Hölle musste ich die nächsten zwei Wochen gehen. Als sensibler Wehleidiger, wenig tapfer. Der Begriff weh-leidig ist mir genau dazu in den Sinn gekommen, aber erst, als die Schmerzen nicht mehr da waren. Auch der Druck im Kopf war endlich weg. Dank der tollen Vorstellungskraft meiner Gedanken. Glücklich stürzte ich mich in neue Aufgaben, denn ich war ja geheilt. Gesund! Fester Überzeugung nach gesund. Meine Mutter sah das jedoch ein wenig anders, schon im Vorhinein, bevor ich das Schlachten in meinem Munde zuließ. Sie war der ständigen Überzeugung, dass ich psychosomatische Hilfe bräuchte, tja - bräuchte ich wohl nicht, denn ich war ja jetzt gesund. Die ängstlichen, besorgten Mütter! Alle sind sie gleich! An alle Mütter: Keine Sorge, damit wir nicht untergehen, suchen wir uns wohl erzogene junge Damen, die euch Paroli bieten.

Schade nur, dass ich wohl nicht den wahren Grund für meinen Kopfdruck gefunden hatte! Verdammt, neuer Nährstoff für die Theorie meiner Mutter, denn als hätte jemand mir einen Fluch auferlegt, oder bildlich gesprochen eine Flasche Tequila auf meiner Hirnaußenseite zerschellen lassen, kam der Druck unaufgefordert in meinen Schädel zurück. Und das viel schneller als mir lieb war! War wohl nicht der richtige Grund, die richtige Diagnose, die ich gefunden hatte. Ich dachte über meine Leiden der letzten Jahre nach und welche Schmerzen mich immer wieder geplagt hatten, die zentraler Auslöser für diesen Druck, dieses Elend hätten sein konnten. Was hatte ich übersehen, was hatte ich vergessen, was? Verdammt!