Blutsühne - Sandra Florean - E-Book

Blutsühne E-Book

Sandra Florean

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Beschreibung

Innere Unruhe plagt die junge Vampirin Louisa. Der Hunger äußert sich bei jedem Vampir anders und ist schwerer zu kontrollieren als die Blutgier. Auch wenn ihr geliebter Dorian alles unternimmt, um ihr diese letzte quälende Last zu nehmen, ahnt Louisa, dass nur einer ihr helfen kann. Der ist allerdings weit weg. Sie hat ihn aus ihrem Leben verbannt und ist sich nicht sicher, ob er je zurückkehren wird … Lesermeinungen „(Die Autorin) schafft es wie nur einige wenige, an jeder einzelnen Stelle genau die richtige Mischung aufs Papier zu zaubern, so dass man regelrecht unter Zwang steht, immer weiterlesen zu müssen. Hier findet man weder Längen noch verwirrende Handlungen.“ „Sandra Floreans Figuren sind authentisch, problembehaftet und spannend. Jeder einzelne Band fesselt und treibt einen mit den Figuren in die Höhen und Tiefen. Der besondere Reiz der Reihe liegt auch darin, dass die Handlung, das Ende nicht absehbar ist.“ „Ich habe Sandra Florean schon einige Male als die deutsche Antwort auf J.R. Ward und ihre Black Dagger betitelt, kann mich inzwischen aber nicht mehr festlegen, welche der beiden Reihen die Bessere ist!“

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Sandra Florean

Blutsühne

Das Buch:

 

Während Louisa mit ihrem »Hunger« kämpft, erhält Dorian beunruhigende Nachrichten aus Schottland. Offenbar hat es einige Vampire aus Richards Brut erneut auf die alte Burg getrieben, und Dorian spielt mit dem Gedanken, hinzufahren und nach dem Rechten zu sehen. Dafür müsste er jedoch Louisa und Zoe allein zurücklassen, denn Louisa will nie wieder auch nur einen Fuß auf schottischen Boden setzen. In seiner Not wendet er sich an Jayden und Eric und bittet um ihre Rückkehr. Die beiden haben in Fernost jedoch ganz andere Sorgen: Sie sind erneut in das Visier von Vampirjägern geraten. Und haben mittendrin eine alte Bekannte entdeckt …

 

Die Autorin:

 

Sandra Florean wurde 1974 in Kiel geboren, wo sie auch aufwuchs. Nach ihrer Fachhochschulreife absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung und arbeitet als Sekretärin.

Zum Schreiben kam sie bereits als Jugendliche, wobei Fantasy und Vampire schon immer ihre Leidenschaft waren. Seit ca. 2011 widmet sie sich ihren erdachten fantastischen Welten intensiver, veröffentlicht regelmäßig in unterschiedlichen Verlagen und ist zudem als Herausgeberin und Lektorin tätig. Ihr Debüt »Mächtiges Blut« wurde auf dem Literaturportal Lovelybooks zum besten deutschsprachigen Debüt 2014 gewählt. 2018 wurde sie für ihre Tätigkeit als Herausgeberin von „The U-Files. Die Einhorn Akten“ mit dem Deutschen Phantastik Preis für die beste Kurzgeschichtensammlung 2018 geehrt. Mehr über die Autorin: www.sandraflorean-autorin.blogspot.de

Blutsühne

 

Nachtahn 4

 

 

Sandra Florean

 

 

Roman

 

 

 

Neuauflage

Blutsühne – Nachtahn 4

Sandra Florean

 

Copyright © 2021 Sandra Florean

Südring 71, 24222 Schwentinental

 

Copyright © 2014 at Bookshouse Ltd.,

Bildnachweis: Pixabay: AlLes

Istock: Zeppelin

Lektorat/Korrektorat: Bookshouse Ltd.

Satz: Sandra Florean

 

 

 

 

 

www.sandraflorean-autorin.blogspot.de

 

 

 

 

Urheberrechtlich geschütztes Material

Table of Contents

page2

Die Autorin

Titel

Impressum

widmung

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

Nachwort

Danksagung

Dieses Buch widme ich meinem Bruder,

der noch nie zuvor einen Vampirroman gelesen hatte -

geschweige denn mehrere.

Kapitel 1

 

 

 

Sam schloss die Tür zu ihrem Haus ab und fuhr mit dem Auto aus der Garage. In die Innenstadt brauchte man gut zwanzig Minuten, aber das störte sie nicht. Sie genoss das Leben auf dem Land, seit sie von einer nicht gekannten Tante das Reihenhaus geerbt hatte. Es war ein entzückendes Häuschen, schmal, aber dafür in die Höhe gebaut, wie man es in Südengland häufig fand. Mit einem winzigen Garten, der genug Platz zum Durchatmen bot und sogar ein umfangreiches Kräuterbeet hatte. Ihre Nachbarn waren überwiegend ältere Leute, die sie anfangs kritisch beäugt, aber mittlerweile ins Herz geschlossen hatten. Es war eine nette Dorfgemeinschaft, wo jeder jeden kannte und alles friedlich verlief. Ein bisschen, als würde die Zeit hier langsamer verstreichen. Das genoss sie, denn ihr Job in der Anwaltskanzlei war hektisch. Sie brauchte den Ausgleich, die Abgeschiedenheit, das Gefühl der Geborgenheit.

Sie parkte vor ihrem Lieblingsitaliener und ließ sich von dem älteren Kellner an den Tisch bringen. Hal erwartete sie bereits mit einem Lächeln. Ganz Gentleman stand er auf, gab ihr einen warmen Kuss auf die Wange und schob ihr den Stuhl hin. Er trug einen dunkelgrauen Anzug und ein fliederfarbenes Hemd. Das helle Lila passte gut zu seiner sonnengebräunten Haut. Sein Haar war sehr kurz. Sam wusste, dass er sich nicht der vielen grauen Strähnen schämte, sondern es praktisch mochte. Hal war fünfzehn Jahre älter als sie, fast eins neunzig groß, hatte breite Schultern und war genau die Sorte Mann, die Sam mochte. Er sah trotz seines Alters blendend aus, seine Muskeln waren von harter Arbeit geformt, und er behandelte sie gut. Es war nicht so, dass er ein Pantoffelheld war, er respektierte sie. Selbst wenn sie stritten, blieb er sachlich. Er hörte ihr zu und ließ sie an seinem Leben teilhaben. Sie waren Freunde, Partner.

»Du siehst umwerfend aus in dem kleinen Schwarzen«, raunte er ihr über die Speisekarte hinweg zu.

Seine grauen Augen blitzten kurz auf. Auch wenn er nie in einem Lokal mit ihr knutschen würde, gab es stets eine sexuelle Spannung zwischen ihnen. Das hatte ihr von Anfang an an ihm gefallen. Und die erwachsene Art, mit der er Dinge anging. Er war kein von zu viel Testosteron gebeutelter Mittvierziger, der es noch mal wissen wollte. Hal liebte Sex, kam aber auch gut ohne klar. Er sprach offen aus, was er begehrte, und war bisher jedem ihrer Wünsche nachgekommen.

»Wenn du erst siehst, was ich drunter trage«, sagte sie in dem gleichen nüchternen Ton und warf ihm lächelnd einen Blick zu.

Er erwiderte das Lächeln und winkte den Kellner heran. Hal achtete darauf, was er aß. Sam war das ziemlich egal. Sie konnte essen, so viel sie wollte, und nahm doch nicht zu.

»Wie war dein Tag?«, fragte sie.

Er knöpfte sich das Jackett auf und strich sich die ebenfalls graue Krawatte glatt, ehe er von dem Geschäftsabschluss erzählte, auf den er die vergangenen Wochen hingearbeitet hatte. Er war ein erfolgreicher Bauunternehmer. Das war er vor allem, weil er hart dafür gearbeitet hatte und sich auch jetzt als Big Boss nicht zu schade war, mit anzupacken. Seine Mitarbeiter mochten ihn, und seine Geschäftspartner schätzten seine direkte, ehrliche Art. Sam hatte bereits einige dieser Leute kennengelernt.

Sie waren knapp zwei Jahre zusammen. Anfangs hatten sie es langsam angehen lassen. Sie hatten sich angefreundet und erst im Laufe der Zeit tiefere Gefühle füreinander entwickelt. Es war keine alles verzehrende Liebe, sondern tiefe Zuneigung und das Wissen, einander vertrauen und miteinander leben zu können. Sam ließ alles auf sich zukommen. Sie hatte das Gefühl, nach Jahren der Rastlosigkeit endlich angekommen zu sein, und sie schaute nicht zurück. Es gab aber auch nicht viel, auf das sie zurückblicken konnte. Die Jahre, bevor sie nach Südengland gezogen war, waren wie mit einem Schleier belegt. Sie konnte sich an keine Einzelheiten erinnern. Sie wusste nur, dass sie lange krank gewesen war. Daher rührten die vielen Narben. Es war keine schöne Zeit gewesen, und sie hatte sie deshalb tief in sich vergraben. Jedes Mal, wenn sie versuchte, eine dieser Erinnerungen hervorzuholen, überkam sie ein ängstliches Frösteln, und sie schüttelte sich förmlich und ließ es bleiben.

Manchmal fragte sie sich, ob es diesen blonden Mann wirklich gegeben hatte, von dem sie so häufig träumte. Sie wusste weder seinen Namen noch, woher sie ihn kannte. Vielleicht war er keine reale Person, aber sie träumte immer wieder von ihm. Er war unglaublich groß und hatte die tiefsten blauen Augen, die man sich vorstellen konnte. Überhaupt war er einfach zu schön, um wahr zu sein. Wie ein Filmstar. Wahrscheinlich hatte sie ihn mal irgendwo auf der Leinwand gesehen, und er hatte einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen, weil er so groß war und so schöne Haare hatte und weil …

»Hallo? Sam?« Hal sah sie fragend an. »Wollen wir zu dir oder zu mir fahren?«

»Entschuldige, ich war in Gedanken. Lass uns zu dir fahren. Ich brauch mal wieder ein heißes Bad.«

Hal lachte. »Wenn du mich lassen würdest, könnten wir auch bei dir einen Whirlpool einbauen.«

Sie standen auf und verließen zusammen das Restaurant, um dann getrennt zu Hals Wohnung in der Innenstadt zu fahren. Obwohl sie sich gut verstanden, bestand Sam auf ihren eigenen Haushalt. Hal hatte eine schöne, moderne Wohnung, die ihm gleichzeitig als Büro diente. Sam war gern dort. Vor allem, weil er das luxuriöseste Badezimmer hatte, das man sich vorstellen konnte. Als Selfmademan war die Installation für ihn natürlich ein Kinderspiel gewesen.

Aber sie mochte ihr Haus. Sie hatte diese entfernte Verwandte nicht gekannt, die ihr das Haus vermacht hatte, und es hatte niemanden gegeben, den sie nach ihr hätte fragen können. Ihre Eltern lebten nicht mehr, und andere Familienmitglieder gab es nicht. Nachdem sie das Haus gesehen hatte, hatte sie nicht lange gezögert. Sie liebte es. Ein Auto gehörte mit zum Erbe. Ein fast neuer Land Rover. Als sie kurz darauf noch den Job in der Anwaltskanzlei angeboten bekam, konnte sie es sich sogar leisten, dort zu wohnen. Es war wie ein Geschenk des Himmels.

 

»Weißt du, so gefällst du mir wesentlich besser als in dem Anzug. Obwohl auch der echt heiß aussah«, rief sie Hal hinterher, als er ins Badezimmer ging, um ihr ein Bad einzulassen.

Sie hatten sich wild und ausgiebig auf dem Küchentisch geliebt. Sam blieb auf der blank polierten Oberfläche liegen und sah ihm hinterher. Er besaß die klassische Bauarbeiterbräune. Brauner Nacken und Arme bis dahin, wo das T-Shirt anfing, und den knackigsten Arsch, den sie je an einem Mann gesehen hatte.

»Guckst du mir schon wieder auf den Hintern?«, fragte er über die Schulter hinweg und verschwand hinter der Badezimmertür. Im Bademantel kam er wieder, den er jedoch nicht zugebunden hatte.

»Jetzt nicht mehr«, antwortete sie und rekelte sich lasziv auf der kalten Oberfläche.

Hal hatte den Tisch vor ein paar Tagen im Boden verankert, damit sie nicht immer damit durch die ganze Küche wanderten. Ein Handwerker im Haus war praktisch.

»Eigentlich wollte ich so ein bisschen Eindruck schinden«, erwiderte er und beugte sich kurz über sie, um sie zu küssen. »Um das hier zu tun.«

Er holte eine kleine Schachtel aus der Tasche seines Bademantels und legte sie ihr auf den nackten Bauch. Sam nahm sie argwöhnisch in die Hand und setzte sich auf. Hal stand zwischen ihren Beinen und ließ seinen Blick über ihren Körper wandern. Sie sah die Begierde in seinen Augen und die Zuneigung. Beides kannte sie bereits, doch es war noch etwas Anderes darin. Etwas Ernstes. Als er tief Luft holte, überkam Sam eine sonderbare Beklemmung.

»Weißt du, du bist die aufregendste Frau, die jemals nackt auf meinem Küchentisch gelegen hat«, begann er und lächelte. »Okay, eigentlich bist du die einzige Frau, die jemals nackt auf meinem Küchentisch gelegen hat. Ich würde mir wünschen, dass das so bleibt. Dass du weiterhin hier auf meinem Tisch liegst. Also, nicht die ganze Zeit. Aber doch, na ja, also … ach, Mist!«

Sam stieß ein kleines Lachen aus, und Hal schlug den Bademantel vorn zu, um seine erneute Erektion zu verbergen. Er sah sie ernst an.

»Sam, ich möchte dich bitten, meine Frau zu werden.«

 

*

 

Jayden wusch sich die Hände, strich sich die Haare glatt und verließ das Hotelzimmer. Sein Opfer, eine Blondine aus Deutschland mit einem fürchterlichen Dialekt, lag in den zerwühlten Laken und schlief. Ihre Angst war köstlich gewesen und ihr Blut auch. Er hatte ihr Gedächtnis gelöscht, nichts würde an ihn erinnern, sobald sie aufwachte. Sie würde sich ein wenig schwach und benommen fühlen aufgrund des Blutverlustes und wund an Stellen sein, an denen sie wahrscheinlich noch nicht allzu häufig wund gewesen war, aber ansonsten würde sie sich an nichts erinnern. Wozu auch? Er hatte seinen Spaß an ihr gehabt, wie immer. Sie durfte weiterleben, was sonst eher selten geschah.

Anfangs war er beinahe sanft mit seinen Opfern umgegangen, doch das war nicht das Gleiche. Er brauchte ihre Angst. Nur das befriedigte ihn. Irgendwann schaltete er die gefühlvolle, von Gewissensbissen gebeutelte Seite aus. Danach konnte er die Todesangst in den Augen seiner Opfer wieder genießen, aber er ließ keines von ihnen am Leben. Er konnte ihr Gebettel, ihr Geheule, selbst ihre Furcht danach nicht ertragen. Er hasste sich dafür. Noch mehr hasste er sie dafür. Die Frau, die eine Saite in ihm zum Klingen gebracht hatte, die er nicht hören wollte.

Den Türknauf noch in der Hand hielt er inne. Die Sache mit Sam hatte ihn lange verfolgt. Obwohl er sie liebte, hatte er ihr die Erinnerungen genommen und ihr ein geregeltes Leben verschafft. Zu viel hatte sie von Vampiren wie ihm erleiden müssen. Hätte sie als Vampirjägerin weitergemacht, hätte sie unweigerlich den Tod gefunden. Bald und unter Garantie schmerzhaft. Das hatte er ihr erspart.

Jayden stieß sich von der Tür ab und ging gemächlich den Gang hinunter. Er würde keinen Gedanken mehr an die Blondine, die er gerade beinahe sechs Stunden lang gefickt und zu Tode erschreckt hatte, verschwenden. An die Andere auch nicht. Die, nach der er unbewusst seine Opfer aussuchte. Die er unbedingt aus seinem Kopf bekommen musste.

Jahrelang war er damit beschäftigt gewesen, sich die Frau auszutreiben, die ihn verwandelt hatte. Mary, das manipulative Miststück. Mit ihr hatte er erkannt, wie nah Hass und Liebe oftmals beieinanderlagen. Und wie wenig sich diese beiden Emotionen voneinander unterschieden. Beides konnte einen antreiben und gleichzeitig zugrunde richten. Als er Mary traf, war er gerade von Zuhause abgehauen. Eigentlich war sie nicht sein Stil gewesen. Sie war zwar hübsch mit ihren feuerroten Haaren und den großen Brüsten, aber sie war ungebildet und wirkte bäurisch auf ihn. Jayden kam aus gutem Hause, sah blendend aus, war sportlich und ein Einserschüler. Mary passte nicht zu ihm, aber der Sex mit ihr war bahnbrechend. Sie war hemmungslos, ohne Sinn für Anstand und derart versaut, dass er Probleme hatte, mit ihr mitzuhalten. Sie trieb es auf jede nur erdenkliche Weise mit ihm und anderen. Nachdem er wusste, was sie war, ergaben auch die gewöhnungsbedürftigen Blutspiele einen Sinn.

Als sie ihn verwandeln wollte, war er so high von ihrem Blut und stundenlangem Sex, dass er zu allem Ja gesagt hätte. Danach wurde alles anders. Durch seinen Durst hatte sie ihn komplett in der Hand. Sie liebte es, ihn zu quälen, ihn dursten zu lassen, während sie vor seinen Augen andere fickte und deren Blut trank. Nicht nur das. Sie zwang ihm Dinge auf, die er normalerweise nicht getan hätte. Es waren abartige, unmenschliche Dinge, für die er sich noch Jahrzehnte später verabscheute. Sie benutzte ihn und jeden, den sie in die Finger bekam, für ihre Zwecke. Nicht nur, um ihre abartige Lust zu befriedigen. Wie oft hatte er jemanden mit seinen bloßen Händen ermorden müssen, damit sie sich in dem Blut des Toten buchstäblich suhlen konnte. Wie ein Tier hatte sie ihre Opfer ausgeweidet und sich ihr Blut auf den nackten Körper geschmiert, das er hatte ablecken müssen. Wenn er sich anschließend in Krämpfen am Boden wand, weil ihm das Blut nicht bekommen war, hatte sie ihn bestiegen oder ausgelacht. Nicht nur einmal hatte er seinen Körper dafür verflucht, dass er auf ihre Reize reagierte. Hätte er keinen mehr hochbekommen, hätte sie ihn in Frieden gelassen. Wahrscheinlich hätte sie ihn geschlagen oder ihn anderweitig gequält, aber zumindest hätte er sie dann nicht mehr nackt und feucht auf sich spüren müssen.

Anfangs hatte er geglaubt, Mary zu lieben und von ihr geliebt zu werden, doch sie war zu so einem Gefühl nicht fähig. Mit ihrem Neid auf das Glück und die Zufriedenheit anderer, ihrem unstillbaren Hass auf ihren Schöpfer Dorian und ihrer abgrundtiefen Grausamkeit zerstörte sie ihn Stück für Stück. Als er sich von ihr losmachen konnte, war nicht nur sein Körper tot. Seine Schwester Jil brachte ihm etwas Frieden, aber nicht für lange. Auch sie entwickelte sich zu einer unbarmherzigen, gewissenlosen Bestie, die ihn ebenfalls für ihre Zwecke und ihre Lust benutzte. Wann seine Liebe zu ihr in Hass umgeschlagen war, wusste er nicht. Er hatte sie lange gesucht, nachdem sie verschwunden war. Aus Pflichtbewusstsein und weil er nicht allein sein wollte. Tief in seinem Inneren hatte er gehofft, er wäre sie los. Für immer.

Das alles wurde ihm bewusst, als er mit Dorian und Louisa zusammenlebte. Zu was für einem Ungeheuer er geworden war und mit welcher Art Monstern er sich bisher umgeben hatte. Dorian und Louisa waren anders. Sogar Dorian war mit den Jahren menschlicher geworden, ohne dadurch weniger Furcht einflößend zu wirken. Sie hatten ihm ein Heim geboten, ein Zuhause. Er vermisste sie. Ohne sie war er wieder das, was Mary aus ihm gemacht hatte. Ein Killer, der von der Angst seiner Opfer lebte.

Er durchschritt die helle Lobby und warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Zeit, Eric abzuholen. Mit dem Taxi ließ er sich zu einem verlassenen und halb verfallenen Werksgelände bringen. Es war eine Fabrik für Billigspielzeug, die vor Jahren stillgelegt worden war. Jetzt fanden in den baufälligen Lagerhallen Techno- und Mangapartys statt. Heute war jedoch alles ruhig, wenn man nicht genau hinhörte. Er durchquerte eine große Halle, in der noch der Geruch nach schwitzenden Menschen in der Luft hing, die sich hier am Wochenende vergnügt hatten, und ging in den Keller. Ein verzweigtes Tunnelsystem ohne Markierungen, in dem sich jeder nicht Eingeweihte zwangsläufig verirrte, brachte ihn zum eigentlichen Schauplatz. Ein Kellergewölbe, das vor Jahrzehnten als Lagerraum für große Kriegsmaschinerie benutzt worden war. Der Lärm der begeisterten Menge und der dicke, schwere Geruch nach Schweiß, Blut und Tabak waren wie eine zähe Masse, durch die sich Jayden mühsam hindurchzwängen musste. In der Halle, die etwa so groß war wie ein Fußballfeld, waren mehrere Reihen Stühle um ein Podest in der Mitte verteilt. Es erinnerte an eine Boxarena, nur dass es aus Beton gegossen war, und zwischen die vier Eckpfeiler aus rohen Stahlträgern, wie man sie beim Bau von Hochhäusern verwendete, waren dicke Stahlseile gespannt. Hier fanden Kämpfe aller Art statt. Vor allem Vampirkämpfe. Über die Hälfte der Anwesenden waren Vampire. Der Rest wollte einer werden, gehörte zum Veranstalterteam oder war zur falschen Zeit am falschen Ort.

Im Ring standen sich zwei Vampire blutend und keuchend gegenüber. Der eine war ein riesiger japanischer Kämpfer mit der Statur eines Sumoringers und dem Grinsen eines Raubtieres. Er spie Blut und einen Fetzen Haut aus, den er seinem Gegenüber aus der Schulter gerissen hatte. Eric stand breitbeinig vor ihm und machte auffordernde Gesten. Wobei ihm der linke Arm nicht mehr zu gehorchen schien. Er stand in einem merkwürdigen Winkel vom Ellenbogen ab und war wahrscheinlich gebrochen. Eric hatte sein T-Shirt ausgezogen und war eine imposante Erscheinung.

Diese Vampirkämpfe waren der neueste Schrei in Ostasien. Es hatte sich eine ganze Liga mit mehreren Klubs herausgebildet, die sich gegenseitig zu überbieten versuchten. Erics Gegner war einer ihrer Stars. Ausländer hatten hier generell schlechte Chancen, denn auch wenn es strikte Regeln gab, hielten sich diese verdammten Schlitzaugen selten daran. Wie auch jetzt, als der fette Sumo Eric mit seiner Vampirkraft niederdrückte, um ihm so heftig ins Gesicht zu schlagen, dass Jayden hören konnte, wie sein Schädel brach. Erics massiger Körper, der durch die ungezählten Kämpfe noch mehr gestählt war, schlug hart auf dem kalten Beton auf. Jayden wusste, er würde nicht lange liegen bleiben. Louisas Blut hatte ihm eine erstaunliche Selbstheilungskraft verliehen. Nicht so enorm wie Dorians, aber so gut, dass er nie lange verletzt blieb. Den Schmerz musste er dennoch aushalten. Das kümmerte Eric jedoch nicht.

Eric hatte ein neues Ventil gefunden, um seine Scham, seine Trauer und seine Wut auf sich herauszulassen. Er wusste, dass er allein schuld daran war, dass Louisa ihn weggeschickt hatte. Ihm war klar, dass keine Entschuldigung oder Beteuerung, es nie wieder zu tun, ausreichte, damit sie ihm vergab. Das hatte er alles schon durch. Tagelang hatte er bei Louisa angerufen, nachdem Jayden ihn fortgeschleift hatte. Sie hatte nicht einmal mit ihm geredet. Dorian war es, der versucht hatte, ihn zu beruhigen und ihm versicherte, Louisa würde ihm verzeihen, wenn er sie ein wenig in Ruhe ließe. Ausgerechnet Dorian! Irgendwann hatte Eric es begriffen. Zwei Jahre waren sie nun fort. Seit über einem Jahr machte Eric diese Vampirkämpfe mit. Zwei Jahre, und er vermisste sie wie am ersten Tag. Dabei waren sie nicht einmal zusammen gewesen. Sie war Dorian stets treu geblieben.

Eric vermisste auch seine Tochter. Die kleine Zoe. Dass er nicht bei ihr war, nicht sehen konnte, wie sie aufwuchs, quälte ihn sogar noch mehr. Wahrscheinlich ließ er sich deshalb immer zu Brei schlagen. Zoe sprach wenigstens mit ihm. Einmal die Woche telefonierten sie miteinander, und sie erzählte ihm, was sie erlebt hatte. Über Louisa sprachen sie nie. Nach diesen Telefonaten ging es Eric noch beschissener. Jayden glaubte nicht, dass er Todeswünsche hatte, aber manchmal hatte er Angst, einer seiner Gegner würde ihn umbringen. Entweder fair im Ring oder aus dem Hinterhalt in einer dunklen Gasse.

Dorian hatte sich geirrt. Es gab noch alte Vampire und die asiatischen Alten waren unberechenbar. Glücklicherweise hatten er und Eric einige von ihnen gefickt. Sie standen auf so große, breite Kerle wie ihn und Jayden. Jayden war sich dennoch sicher, sobald sie die Schnauze voll von ihnen hätten, wären sie schnell ihre Unsterblichkeit los.

Erstaunlicherweise hatte Eric nie wieder eine Sterbliche angerührt, um mit ihr zu schlafen. Auch bei Vampiren suchte er sich stets Frauen, die groß und kräftig waren. Als hätte er Angst, er würde wieder eine von ihnen aus Versehen töten, wie es mit Concetta geschehen war. Leider gab es von den größeren Frauen nicht allzu viele, weshalb er sich auf Männer verlegte oder überhaupt keinen Sex hatte. Letzteres war die Regel. Was dazu führte, dass er noch mehr unter Strom stand.

Ein heiseres Lachen ließ die Menge aufjohlen. Jayden betete, Eric würde einfach liegen bleiben und sich auszählen lassen. Stattdessen kam er blitzschnell auf die Beine und stürzte sich auf den Sumoringer, der ihm in seiner Überraschung nichts entgegenzusetzen hatte. Er schlug ihm die Rechte in den fetten Wanst, fegte den Ellenbogen einmal durch sein weißes fleischiges Gesicht und riss ihn in einer schnellen Bewegung am Genick von den Füßen. Mit einem klatschenden Geräusch landete der Vampir auf dem Boden. Eric stellte ihm einen Stiefel aufs Gesicht und drückte zu. Blut spritzte darunter hervor. Sein Gegner knurrte vor Schmerz auf. Er versuchte, sich unter Erics Stiefel zu befreien, doch Eris Fuß nagelte ihn förmlich an den Boden. Er würde nicht weichen. Der Sumo versuchte ein paar Mal vergeblich, ihn an den Beinen zu packen und umzuwerfen. Als es ihm nicht gelang, schlug er mit der flachen Hand auf den Beton neben sich. Eric nahm seinen Fuß von ihm und ließ die Schultern hängen. Der Kampf war vorbei. Auch wenn Eric wie so oft gewonnen hatte, schien er in sich zusammenzusinken. Jede Kampfkraft, jeder Elan wich mit dem finalen Gong von ihm und brachte ihn wieder an den Punkt, weswegen er überhaupt in den Ring gestiegen war. In seine persönliche Hölle.

Kapitel 2

 

 

 

Wir hatten schwere Zeiten hinter uns. Seit Louisa mich kannte, litt sie. Bereits als Mensch wurde sie von Vampiren angegriffen und schließlich entführt, wobei man sie zwang, mit Eric, der Flachpfeife, zu schlafen. Dabei wurde sie schwanger. Wir entschieden uns für das Kind, was die zweitbeste Entscheidung meines Lebens war. Die beste war, Louisa noch vor der Entbindung zu meiner Frau zu machen. Auch ohne diese Schrecknisse hatte Louisa mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen, seit ich sie verwandelt hatte. Sie liebte mich. Aber sie liebte auch Eric, den leiblichen Vater unserer kleinen Zoe. Um ihn zu retten, war sie bereit gewesen, sich einem Mann hinzugeben, den sie nicht mochte. Es war nicht dazu gekommen, Louisa hatte den Kerl getötet, doch etwas in ihr zerbrach. Sie schickte Eric fort, der seinen Gefährten Jayden mit sich nahm. Damit bestrafte sie nicht nur ihn, sondern auch sich.

Sie litt unter dieser Trennung, ließ sich jedoch nicht erweichen, ihn zurückzurufen. Dass Eric ebenso litt, gerade weil er unsere Tochter Zoe nun nicht mehr aufwachsen sehen konnte, bekam ich jede Woche zu spüren, wenn er anrief und sich nach den beiden erkundigte. Louisa redete nicht ein einziges Mal mit ihm. Mir waren die Hände gebunden, wollte ich nicht ihren Zorn auf mich laden. Louisa war die Liebe meines Lebens, und ich respektierte ihre Entscheidungen, auch wenn ich sie nicht verstand.

Nur langsam fand sie ins Leben zurück und kroch aus ihrer Höhle heraus, um sich mit ihrem Polizistenfreund Franco und Pierre, dem Leiter des Tenebra, eines Vampirklubs in Palermo, zu treffen. Es war Pierres Ziehvater gewesen, der sich an Louisa vergriffen hatte und dafür sein Leben lassen musste. Obwohl Vincenzo den sterblichen Pierre bereits als Kleinkind zu sich genommen hatte, misshandelte er ihn und Pierre war nicht traurig über seinen Abgang. Im Gegenteil, er hatte meine Frau sogar tatkräftig dabei unterstützt, ohne an sein eigenes kostbares Leben zu denken. Sie war ihm noch immer dankbar dafür. Deshalb überraschte es mich nicht, dass er Louisa irgendwann bat, ihn zu verwandeln.

»Pierre, das kann ich nicht.« Sie starrte ihn entsetzt an.

»Chérie, es wird Zeit für mich«, sagte er und klang nach dem alten Mann, der er im Grunde war. Er nahm ihre kleine Hand in seine. »Ohne Vincenzos Blut werde ich altern. Wenn ich die Kontrolle über die anderen behalten möchte, und das möchte ich, muss ich stärker sein als sie. Dein Blut ist stärker.«

»Pierre, ich weiß, was du für Louisa getan hast«, sagte ich. »Dafür schulde ich dir etwas. Michael kann dich verwandeln. Er ist alt und hat zumindest einen Teil von Louisas Blut in sich. Er wird es tun.«

Pierre nickte dankbar. Er wusste, wie eigen ich mit meinem und Louisas Blut war. Wir einigten uns darauf, es nach dem Wochenende zu tun. Im Tenebra gab es mehrere Arrestzellen, in die würden wir ihn einsperren, und ich würde einmal am Tag nach ihm sehen. Wenn der Blutdurst vorüber war, würden wir ihn hinauslassen. Pierre war mit allem einverstanden. Allerdings blieb ihm keine andere Wahl.

 

»Ich kann das nicht, Dorian«, jammerte Louisa, als wir auf dem Rückweg waren.

Louisa sollte von ihm trinken, bis er ohnmächtig wurde. Michael und ich würden den Rest erledigen. »Er wird Angst haben, Louisa. Du wärest ein Trost für ihn, jemand, den er mag, an dem er sich festhalten kann.«

»Aber wir töten ihn.«

Ich seufzte. Louisa war in vielen Dingen nervenaufreibend widersprüchlich. Sie würde, um ihre Familie zu schützen, ebenso gewissenlos töten wie ich. Dabei zu sein, wie wir einem Freund seinen Wunsch erfüllten und ihn zu einem von uns machten, quälte sie schon vorher. Sie hatte bis heute nicht begriffen, dass die meisten das Vampirdasein als Geschenk betrachteten. »Wir erwecken ihn ja auch gleich wieder. Er wird nichts davon spüren.« Wenn alles klappte.

 

Pierres Verwandlung verlief reibungslos. Ich war froh darüber, denn trotz meiner sechshundert Jahre hatte ich nicht viel Erfahrung damit und wusste nur, dass es nicht immer funktionierte.

Miss Miller, meine Sekretärin und Michaels langjährige feste Freundin, war ebenfalls anwesend. Sie hatte sehen sollen, was wir waren und wie eine Verwandlung verlief. Ich hatte Louisa nicht darauf vorbereiten können, den Fehler wollte ich Michael bei Miss Miller nicht machen lassen. Es hatte sie entsetzt und Michael hatte sie bereits nach Hause gebracht, ehe wir fertig waren. Es wunderte mich nicht, dass sie das Geschehen erschreckt hatte, passte es doch nicht zu der romantischen Vorstellung, die sie aufgrund dieser Vampirromane und Michaels sanftem Umgang mit ihr gewonnen hatte.

Wir waren noch nicht aus dem Tenebra heraus, als mein Handy klingelte.

»Franco, was kann ich für Sie tun?« Normalerweise rief er nie an, wenn Zoe bei ihnen war, und mich beschlich ein ungutes Gefühl. Seit ich einen Clan um mich versammelt hatte und verantwortlich für mehrere Leben war, hatte ich des Öfteren Vorahnungen, die sich meist als weit schlimmer herausstellten als angenommen.

»Endlich erreiche ich Sie«, sagte er, und die Erleichterung war ihm deutlich anzuhören. »Es geht um Zoe. Sie ist im Krankenhaus.«

 

*

 

Auf dem Weg zum Flughafen konnte Sam an nichts anderes denken als an Hals Antrag. Nie im Leben hätte sie das erwartet, und sie hatte ihm keine Antwort geben können. Es tat ihr in der Seele weh, aber sie konnte weder Ja noch Nein sagen. Sie hatte sich bisher übers Heiraten keine Gedanken gemacht. Es lief prima mit ihnen. Sie verstanden sich gut, hatten guten, häufigen Sex und lange, tief gehende Gespräche. Sie hatten gemeinsame Freunde und unternahmen viel zusammen. Sie mochte ihn. Nein, mehr als das. Aber heiraten? Dazu fühlte sie sich nicht bereit. Sie wollte ihr Haus nicht aufgeben und auch nicht ihr Leben, das sie gerade erst wiederbekommen hatte. Zumindest fühlten sich die vergangenen drei Jahre an, als hätte sie ihr Leben gerade erst wiederentdeckt.

Sam wollte Hal nicht verlieren. Auch wenn er ihr versichert hatte, dass das keine Ganz-oder-gar-nicht-Entscheidung sein würde, war sie sich sicher, dass es nach einem Nein zwischen ihnen nicht mehr sein würde wie bisher. Aber deswegen heiraten?

Sie überlegte, einen Umweg zu der Baustelle zu machen, die er leitete, um ihn noch einmal zu sehen. Vielleicht fiele ihr die Entscheidung leichter, wenn sie ihn sah, und sie müsste ihn nicht unnötig übers Wochenende zappeln lassen. Als sie aus dem Autofenster blickte und die ersten Flugzeuge starten und landen sah, erkannte sie, dass es zu spät war. Er hatte ihr diese Bedenkzeit eingeräumt, also würde Sam sie nutzen. Die Reise mit ihrer Freundin war schon länger geplant.

Ellen arbeitete für ein politisches Magazin und war der neue Liebling ihres Redakteurs. Dank ihr war die Vertuschung einer Bankenpleite aufgedeckt worden, was ihr großes Lob und vor allem den Respekt ihres Chefs eingebracht hatte. Dabei war es eher Zufall gewesen, wie sie Sam später gestanden hatte. Sie war mit einem der Firmenchefs ausgegangen, und der hatte sich in einem Anfall von schlechtem Gewissen bei ihr ausgeheult. Nun war sie losgeschickt worden, um in Japan Recherchen über eine neue Form von illegalen Sportwetten anzustellen, die nach Europa zu schwappen drohte. Ein Kollege von ihr hatte erste Kontakte geknüpft und um weibliche Verstärkung gebeten. Eine Riesensache, wie ihre Freundin ihr versicherte. Man setzte große Hoffnungen in sie. Weshalb es ihr erlaubt war, jemanden mitzunehmen. Sam kam es so vor, als brauchten sie eine Frau, die über gewisse Reize verfügte und damit vielleicht mehr erreichte. Sie war sich nicht sicher, ob sich Ellen dessen bewusst war oder ob es ihr egal war.

Sam traf Ellen am Schalter beim Check-in. Ihre Freundin war wesentlich pünktlicher gewesen, denn sie stand fast ganz vorn in der langen Schlange. Sam stellte sich einfach zu ihr. Mit ihren fast einen Meter achtzig ohne High Heels und den langen blonden Haaren kamen die meisten Frauen nicht an sie heran, um sich über sie zu beschweren. Die Männer starrten für gewöhnlich auf ihre langen Beine. Ellen war fast so groß wie sie, hatte kinnlange dunkelblonde Haare mit helleren Strähnchen. Sie plapperte die ganze Zeit, als würde es sich um einen Vergnügungsurlaub handeln. Dabei würden sie ein Terrain betreten, das eindeutig am Rande der Legalität und vermutlich auch am Rande der Gesellschaft lag, zu der sie normalerweise gehörten.

»Denkst du, die japanischen Männer sind so erfinderisch im Bett, wie man sagt?«, fragte Ellen, als sie die übliche Sicherheitsunterweisung hinter sich hatten und der Flieger gestartet war.

»Hal hat mich gefragt, ob ich ihn heiraten will«, platzte Sam anstatt einer Antwort mit ihrer Neuigkeit heraus.

Ellen quiekte vor Freude auf und umarmte sie stürmisch. Sam kannte keine andere Dreißigjährige, die tatsächlich quiekte.

»Oh, herzlichen Glückwunsch. Darf ich mitkommen und dein Kleid aussuchen?«

»Ich hab ihm nicht geantwortet.« Sie vermied es, Ellen anzusehen. Als ihre Freundin nichts sagte, drehte sie sich doch zu ihr um.

»Dann habt ihr euch getrennt?«

»Nein, ich hab mich nur noch nicht entschieden.«

»Du liebst ihn doch, oder nicht?«

Natürlich, wollte sie antworten, sagte allerdings nichts. Es war keine Liebe, was sie für Hal empfand. Liebe hatte sie sich anders vorgestellt. Hatte sie anders erlebt. Ja, sie war sich sicher, dass sie jemanden geliebt hatte. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wer und wann das gewesen war, aber die Erinnerung an das Gefühl, das sie damals verspürt hatte, zog manchmal wie ein flüchtiger Windhauch an ihr vorbei. Allein dieser leise Nachhauch war tief greifender und umfassender als das, was sie für Hal empfand. »Ich weiß es nicht. Ich bin gern mit ihm zusammen. Er ist ein toller Mann. Er hat mich auch noch nie bedrängt, aber ich bin mir sicher, wenn ich Nein sage, werde ich ihn verlieren.«

»Wenn du ihn nicht verlieren willst, dann solltest du einfach Ja sagen«, sagte Ellen und lächelte ihr aufmunternd zu.

Da hatte sie vermutlich recht. Bei Ellen gab es häufig nur schwarz oder weiß. Sam wusste, dass das Leben aus allzu vielen Grautönen in unterschiedlichen Abstufungen bestand. Es wäre zu schön, wenn alles nur schwarz oder weiß, gut oder böse, ja oder nein wäre. Wie einfach wären Entscheidungen.

Sie schwieg den Rest des Fluges und versuchte, sich vorzustellen, wie es sein würde, mit Hal verheiratet, Mrs Samantha Fletcher geborene Stayton, zu sein. Sie konnte es nicht. Sam hatte das Gefühl, als hätte das Leben etwas anderes mit ihr vor.

Kapitel 3

 

 

 

Zoe lag auf einer Behandlungsliege und hatte ein dickes Pflaster auf der Stirn. Chiara saß neben ihr. Francesca und ihre Tochter ebenfalls. Franco ging seit einigen Wochen mit Francesca aus, hatte Louisa mir berichtet. Die drei Mädchen kicherten, als wir hereingestürmt kamen.

Ich hasste Krankenhäuser.

»Ist alles halb so wild«, sagte Francesca. »Zoe war nur verwirrt, als sie aufgewacht ist und keiner von euch da war. Sie hatte Angst, weil sie noch nie im Krankenhaus war.«

»Was ist passiert?«, fragte Louisa. Sie hatte sich zu Zoe gesetzt und sie in die Arme genommen.

Franco hatte uns alles erzählt, dennoch hörten wir uns ihre Version an. Sie waren in der Stadt bummeln, als sich ein Motorradfahrer im Vorbeifahren Zoes Tasche schnappte. Dabei war sie gestürzt und hatte sich den Kopf aufgeschlagen, sodass sie kurz weggetreten war.

»Es musste nicht genäht werden«, beruhigte sie uns und strahlte schon wieder. »Es tut auch gar nicht mehr weh.«

Louisa warf mir einen unglücklichen Blick zu. Zoe war niemals krank gewesen, und natürlich hatte sie noch nie einen Unfall gehabt. Es war immer einer von uns bei ihr. So konnte ihr nichts passieren. Seit sie kein Kind mehr war und öfter ihre eigenen Wege gehen wollte, war sie leider häufiger allein auf ihnen unterwegs. So etwas musste wohl zwangsläufig irgendwann passieren.

Als die Tür aufging und eine junge Ärztin mit Zoes Akte hereinkam, verließen uns die anderen.

»Wann können wir sie wieder mit nach Hause nehmen?«, fragte Louisa, die noch immer bei Zoe auf der Liegenkante saß.

»Da es Ihrer Tochter wieder gut geht und es nicht nach einer Gehirnerschütterung aussieht«, antwortete die Ärztin, die sich als Dr. Grocera vorgestellt hatte, »können Sie sie gleich wieder mitnehmen. Ich wollte sie ihren Eltern übergeben, auch wenn Signore Lutoni mir versicherte, dass Sie befreundet sind. Außerdem gab es Ungereimtheiten bei ihren Werten, die ich gern mit Ihnen besprochen hätte.«

Ungereimtheiten. Tja, das konnte ich mir denken. Immerhin hatten wir unsere Tochter mit Vampirblut aufgezogen. Auch jetzt bekam sie es noch ab und zu. Das konnte ich Dr. Grocera natürlich nicht erzählen. Ich trat zu ihr und beugte mich neugierig über die Akte, die sie in der Hand hielt. Viel stand nicht drin, wie ich mit einem schnellen Blick feststellte.

»Ist es richtig, dass Zoe noch niemals in ärztlicher Behandlung war außer zu den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen?«

»Das ist korrekt. Wir leben sehr natürlich«, antwortete ich und grinste.

»Sie hatte nicht eine Kinderkrankheit? Windpocken, Scharlach, Röteln?«

»Nein.«

»Gibt es irgendwelche Erbkrankheiten in Ihrer Familie oder der Ihrer Frau?«

»Ich kann mich nicht erinnern.«

Zoe kicherte leise und erntete einen bösen Blick von Louisa.

»Mr. Fitzgerald, ich will ehrlich sein.« Dr. Grocera sah mich ernst an. »Als Ihre Tochter hergebracht wurde, sprach der Notarzt von einer stark blutenden Platzwunde am Kopf. Sie war einige Minuten nicht ansprechbar und alles deutete auf ein Schädeltrauma hin. Als ich mir Ihre Tochter etwa eine halbe Stunde später angesehen habe, war es nicht viel mehr als eine Platzwunde, die man sich holt, wenn man sich zum Beispiel an einem Tisch den Kopf stößt.«

»Na, das ist doch schön.«

»Ich habe daraufhin Ihrer Tochter Blut abgenommen und einem routinemäßigen Check unterzogen«, fuhr Dr. Grocera unbeirrt fort. »Dabei sind mir besagte Unregelmäßigkeiten aufgefallen.«

»Zum Beispiel?« Die Sache fing an, mich zu erheitern.

»Zum Beispiel weist Ihre Tochter mehrere Blutgruppen auf.« Dr. Grocera klang nicht amüsiert. Eigentlich wirkte sie sogar ernst, fast erschüttert und empört darüber, dass ich ihre Entdeckung so gelassen aufnahm.

»Aber wie ist das denn möglich?«, mimte ich den Empörten.

»Nun reicht es, Dorian«, sagte Louisa leise und beendete damit den Spaß.

Ich beugte mich zu Dr. Grocera herunter und erzählte ihr, dass ihr nichts Ungewöhnliches aufgefallen war und dass sie keinen Bluttest gemacht hatte, sondern dass sie Zoe für ein gesundes, hübsches Mädchen hielt. Junge Frau, musste ich auf Protest von Zoe verbessern und schickte die nette Ärztin nach draußen.

Zoe kicherte, als wir allein waren. Louisa verdrehte die Augen.

»Den Typen hab ich übrigens erwischt. Ich hab ihn von seinem dämlichen Motorrad geschleudert. Er liegt vier Türen weiter. Hat sich den Arm gebrochen.«

»Du hast ihn umgestoßen?«, fragte Louisa. »Wie das denn?«

»Na, so wie Jayden es mir beigebracht hat«, antwortete unsere Tochter, als wäre das keine große Sache.

Louisas Blick sprach Bände. Ich lächelte stolz. Was Vampirblut nicht alles bewirkte. Seit Zoe auf der Welt war, bekam sie mein Blut zu trinken. Nicht viel, dennoch hatte sie erstaunliche Kräfte entwickelt. Übernatürliche Fähigkeiten, die ein sterbliches Mädchen nicht haben sollte. Jayden hatte sie darin trainiert. Louisa war nie wohl dabei gewesen, aber nun zeigte sich, dass er gut daran getan hatte.

Bevor wir das Krankenhaus verließen, stattete ich dem Angreifer meiner Tochter einen Besuch ab. Er war ein vielleicht dreiundzwanzigjähriger Mann mit dunklen krausen Haaren und ungepflegten Klamotten. Ich flößte ihm ein, dass er sich, sobald er entlassen würde, sofort ins Luce del giorno begeben und sich mit freundlichem Gruß von Dorian als Mahlzeit für Pierre vorstellen sollte. Er schaute mich etwas verwirrt an, aber ich war mir sicher, dass er tun würde, was ich ihm befohlen hatte. Rache war süß.

 

*

 

Sam ließ ihren Blick über die begeisterte Menge schweifen. Ihre Freundin erbebte neben ihr, den Blick der weit aufgerissenen Augen starr auf den Ring geheftet. Sie hatte sich kerzengerade aufgerichtet, um alles mitzubekommen. Immer wieder leckte sie sich über die Unterlippe. Herrgott, dieser Kampf gefiel ihr, stellte Sam mit Schrecken fest. Sie persönlich fand schon Wrestling im Fernsehen krank, auch wenn sie genau wusste, dass das meiste von dem, was man sah, Show und einstudiert war. Das, was sie in dieser Lagerhalle zu sehen bekamen, war keine Show.

Gerade hatte ein extrem gut aussehender, dunkelhaariger Kerl den Ring betreten. Sie hatte sofort erkannt, dass er ein geübter Kämpfer war, dennoch war es ihr ein Rätsel, wie er nach all diesen Schlägen noch immer so ein hübsches Gesicht haben konnte. Der Kampf war brutal und schnell. Sam saß weit genug weg, um nicht alles genau hören zu können, doch sie hätte schwören können, dass der fette Asiate dem Dunkelhaarigen den Arm gebrochen hatte. Sie sah sogar das Blut spritzen, als sie weiter aufeinander eindroschen, und wendete sich angewidert ab. Mit was für Mitteln waren diese Kämpfer wohl gedopt? Kein normaler Mensch konnte solch brutale Schläge einstecken und dann noch aufrecht stehen! Vielleicht war eine neue Droge im Umlauf, die sich alle wie He-Man fühlen ließ. Oder standen die beiden unter Hypnose und spürten den Schmerz nicht?

Sam war froh, wenn sie endlich gehen konnten. Da war sie allerdings die Einzige, wie sie feststellte, als sie ihren Blick erneut über die Menge schweifen ließ, um nicht in den Ring schauen zu müssen. Ellen keuchte neben ihr auf. Sam wollte gerade zu ihr schauen, als ihr im Publikum jemand auffiel.

Ein großer blonder Mann kam zielstrebig und mit ernster Miene zur Tür herein und schlängelte sich mit anmutigen Bewegungen durch die hinteren Reihen, wo die Leute dicht an dicht standen und die Hälse reckten. Sam hatte das merkwürdige Gefühl, ihn schon einmal gesehen zu haben. Er blieb stehen und richtete seinen Blick auf die Kämpfenden und auf einige Besucher zu seiner Linken. Er schien über etwas nachzudenken. Als er sich mit der gleichen Anmut, mit der er durch die Tür gekommen war, wieder in Bewegung setzte, verspürte sie den dringenden Wunsch, zu ihm zu gehen. Sie kannte ihn und hatte das Gefühl, dass etwas zwischen ihnen war. Etwas, das nie ausgesprochen worden war.

»Ich bin gleich wieder da«, sagte sie, auch wenn Ellen nicht darauf reagierte, und stand auf.

Schnell drängelte sie sich durch die Sitzplätze auf den blonden Mann zu. Sie fühlte sich magisch angezogen von seinem blassen Gesicht mit den tief liegenden blauen Augen. Wenn sie nur wüsste, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte. Als sie nur noch wenige Schritte entfernt war, fiel es ihr ein. Das war der Mann aus ihrem Traum!

Bevor sie ihn erreichen konnte, war der Kampf vorüber, und die Leute erhoben sich von ihren Plätzen. Einige strebten dem Ausgang zu, die meisten jedoch bildeten Grüppchen, um sich zu unterhalten. Sam war größer als viele Zuschauer, sodass sie beobachten konnte, wie der dunkelhaarige Kämpfer zu dem blonden Mann aus ihren Träumen ging. Sie begrüßten sich, und der Blonde beäugte kritisch die Platzwunde an der Stirn des Kämpfers. Sam zwängte sich durch eine Gruppe asiatischer Frauen hindurch, als der Blonde den Kopf in ihre Richtung drehte und sie entdeckte.

 

*

 

»Wie hast du dich eigentlich von deiner Familie verabschiedet?«, fragte ich Dorian, nachdem wir Zoe zu Bett gebracht hatten.

Wir lagen im Bett, aber ich war viel zu aufgewühlt, um schlafen zu können. Es ging ihr gut, dennoch hatte sie uns einen gehörigen Schrecken eingejagt.

»Ich war von Zuhause weggelaufen«, erzählte Dorian leise, nachdem er eine Zeit lang geschwiegen hatte. »Wahrscheinlich haben sie gedacht, ich wäre auf dem Nachhauseweg überfallen worden. Oder einer der Gutsherren hätte mich als Sklave oder Soldat mitgenommen. Damals war es nicht ungewöhnlich, dass Leute verschwanden. Kurze Zeit, nachdem ich verwandelt worden war, ging ich zu ihnen. Es war ein harter Winter gewesen. Ich wusste, sie würden es schwer haben. Meine jüngste Schwester war bereits tot, als ich ankam. Verhungert. Gerald hat nie davon erfahren, dass ich sie besucht habe. Er hatte uns strikt verboten, uns bei unserer Familie blicken zu lassen. Ich konnte ihnen nicht über den Winter helfen, doch ich konnte etwas anderes für sie tun. Sie von ihrem Leid erlösen.«

»Du hast sie getötet?«

»Glaub nicht, dass mir das leichtgefallen ist, aber sie wären sowieso verhungert.«

Ich sah den Schmerz bei der Erinnerung daran deutlich in seinem Gesicht, das plötzlich so jung wirkte, wie er tatsächlich war. Er atmete tief durch und sah mich ernst an.

»Louisa, ich will, dass Eric wiederkommt. Das mit Zoe heute hat mir zu denken gegeben. Ich hab die ganze Zeit nichts dazu gesagt, aber du darfst ihn nicht länger von ihr fernhalten. Das ist grausam. Ich werde ihn anrufen und bitten, nach Hause zu kommen. Notfalls auch ohne deine Zustimmung.«

Kapitel 4

 

 

 

»Scheiße! Der Penner hat mir den Schädel gebrochen«, schimpfte Eric, als er bei Jayden ankam.

Jayden verdrehte die Augen. »Deinen Dickschädel kriegt man nicht so leicht kaputt. Zeig mal her.« Er besah sich die Platzwunde und schüttelte missbilligend den Kopf. »Du hättest den Sumoringer gewinnen lassen sollen. Verschwinden wir, ehe sie uns nicht mehr gehen lassen.«

»Dann bleiben wir nicht zum Essen?«, fragte Eric und stöhnte.

Das war das Beste an diesen Kämpfen. Willige Blutspender, die sich ihnen nur zu gern an den Hals warfen. Jayden drehte sich weg und erstarrte. Aus einer Gruppe schwarzhaariger Asiatinnen stach eine große blonde Frau hervor. Er erkannte sie sofort. Sam. Was zum Teufel machte Sam denn hier? Auf einem Vampirkampf. Ohne Schutz.

»Eric, geh zum Auto. Sofort!«

Er spürte, wie Eric verschwand. Sie machten nie viele Worte, Jaydens Stimmlage reichte für gewöhnlich aus, dass Eric verstand, wann es ernst war. Wie immer vertraute er ihm und reagierte umgehend und ohne Diskussion.

Die asiatische Vampirliga war nicht gut auf Eric und ihn zu sprechen. Eric gewann zu viele Kämpfe, und er und Jayden ließen sich nicht einschüchtern. Das an sich brachte jeden in potenzielle Gefahr, der sich in ihrer Nähe aufhielt – oder an dem sie ein besonderes Interesse zeigten. Sam schwebte jedoch in einer viel greifbareren, reelleren Gefahr. Oberstes Gebot dieser illegalen Vampirkämpfe war strikte Geheimhaltung. Wer nicht von seinem Schöpfer hergebracht worden war, um verwandelt zu werden, wurde gefressen. Und so, wie diese Schlitzaugen über ihre Opfer herfielen, erinnerte es buchstäblich an Gefressenwerden.

Schnell schob er sich durch die Menge auf Sam zu. Er konnte kaum glauben, dass sie hier vor ihm stand. So bezaubernd und gesund. Sie sah erholt aus, zufrieden, glücklich. Genau das hatte er sich für sie gewünscht. Wie war sie nur ans andere Ende der Welt gekommen, um ausgerechnet auf einer Vampirdinnerparty zu landen? Er musste sie hier rausschaffen.

»Jayden!«

»Sam«, flüsterte er und lächelte gequält. »Wir müssen verschwinden. Schnell.« Er nahm ihren Arm und zog sie den Weg zurück, den er gekommen war. Rücksichtslos schob er andere Gäste beiseite.

»Meine Freundin! Ich lass sie nicht hier.« Sie wollte sich losmachen, aber er hielt sie mühelos fest und lief weiter. Endlich erreichten sie den Gang, der sie nach draußen bringen würde.

»Wenn sie jetzt noch da drin ist, können wir ihr nicht mehr helfen.«

»Was soll das heißen?«

Die Schreie der Gebissenen drangen zu ihnen in den dunklen Tunnel, und der Geruch des Blutes kroch ihm in die Nase. Ohne zu antworten, beschleunigte er seine Schritte. Über die Geräusche des Gemetzels hörte er eine einzelne Stimme, die etwas rief, was nach einem Schlachtruf klang.

»Schluckt dies, ihr Blutsauger!«

Im nächsten Moment riss ihn eine fürchterliche Explosion von den Füßen und ließ die Halle einstürzen. Dicke Gesteins- und Betonbrocken wurden in den Tunnel hineingeschleudert. Er versuchte, Sam mit seinem Körper abzuschirmen und spannte jeden Muskel an, um seine Knochen zu schützen, dennoch schlug er hart auf dem Boden auf. Gesteinshagel ging auf ihn nieder. Staub drang ihm in die Lunge und ließ ihm die Augen tränen. Er war taub von der Detonation und für einen Moment orientierungslos. Sein Gehör würde schnell regenerieren, bis dahin musste er auf seine anderen Sinne vertrauen. Sein Körper schmerzte, als er seine Kräfte mobilisierte und auf die Beine kam. Sam rührte sich nicht. Er zog sie hoch in seine Arme und tastete mit einer Hand blind die Wände ab. Sie mussten hier heraus, bevor der Tunnel einstürzte.

Irgendwann spürte er kräftige Hände auf sich und wusste sofort, dass es Erics waren. Selbst halb blind und mit dem ohrenbetäubenden Piepen in den Ohren hatte er ihn erkannt. Eric nahm ihm Sam ab und stützte ihn. Es dauerte nicht lange, bis sie draußen waren. Jayden hatte den Großteil des Weges allein geschafft. Die frische Luft tat seinen Lungen gut, und er hustete würgend, um den feinen Staub herauszubekommen, der ihm das Atmen erschwerte.

»Du bringst mir ’ne tote Frau zum Essen mit?« Eric starrte auf die Frau hinunter, die er im Arm trug. »Scheiße! Ist das die Vampirjägerin?«

Er nickte und rieb sich die Augen, die von dem Staub, aber auch vor Wut und Sorge tränten. Das Piepen in seinen Ohren wurde langsam leiser. »Beeil dich, wir müssen sie in ein Krankenhaus bringen.«

Eric rührte sich nicht von der Stelle. »Jayden. Das wird sie nicht mehr schaffen. Ihr Kopf blutet stark. Und sieh dir ihre Beine an. Scheiße, das kriegen die nie wieder hin.«

Jayden sah erst Eric an und dann auf Sam in seinen Armen. Ihre Beine waren verdreht und zerquetscht. Ihre Brust wirkte eingefallen. Die Bluse war blutdurchtränkt. Das Schlimmste jedoch war ihr Kopf. Er war an einer Seite eingedrückt, die Haut heruntergerissen. Er konnte den Schädelknochen weiß unter dem ganzen Blut hervorschimmern sehen. Es war so viel Blut, dass ihre schönen blonden Haare rot gefärbt waren. Er trat vorsichtig näher, als würde er seinen Beinen nicht mehr trauen. So sehr hatte er sich bemüht, ihr ein neues Leben zu schenken. Er hatte ihr dieses Haus besorgt mit netten, normalen Nachbarn, einen Job und ein dickes, finanzielles Polster angelegt. Er hatte ihr alle Erinnerungen an Vampire genommen. An sich auch, obwohl sie ihn angefleht hatte, es nicht zu tun. Sollte sie gerade bei einem Angriff von Vampirjägern ums Leben kommen? Wie konnte das Schicksal so grausam sein!

Er streichelte ihr über die Wange und hätte am liebsten geschrien. Stattdessen nahm er sie Eric vorsichtig aus den Armen und drückte ihr einen Kuss auf die blutverschmierte Stirn.

»Jayden«, hauchte sie und schlug die Augen auf.

Eric zuckte erschrocken zusammen. »Scheiße! Die lebt ja noch!«

Jayden sank kraftlos auf die Knie. »Dein Blut«, bat er Eric und schaute zu ihm auf. »Gib ihr dein Blut.«

»Jayden, du weißt, das wird sie nicht mehr heilen«, warf Eric ein. Mit einem Blick machte Jayden ihm klar, dass er das auch nicht vorhatte.

 

»Wo ist Ellen, meine Freundin?«, fragte Sam irgendwann.

»Es gab eine Explosion«, erklärte Jayden ihr. »Du bist schwer verletzt worden. Aber das wird wieder.«

Sie versuchte, sich aufzusetzen, schaffte es aber nicht. »Ich muss Hal anrufen. Damit er Bescheid weiß und sich keine Sorgen macht, bis ich zurück bin.«

»Schätzchen. Du wirst erst mal nirgendwo hingehen.«

Sie starrte Eric an und fing an zu schreien.

 

»Warum musste ich ihr unbedingt von meinem Blut geben?«, meckerte Eric, als sie aus der Stadt hinausfuhren.

Sams Wunden waren verheilt, und sie atmete ruhig und gleichmäßig. Sie hatten ihre Beine gerichtet. Jayden war sich nicht sicher, ob die Verwandlung funktioniert hatte oder ob sie sie geheilt hatten. Dennoch hatten sie sicherheitshalber eine Blutbank ausgeräumt und waren auf dem Weg zu einem alten verlassenen Bauernhaus in den Bergen. Obwohl Haus für den zugigen Holzverschlag eine eher unpassende Bezeichnung war, aber er lag weit weg von allen Wanderwegen und sonstiger Zivilisation. Dort würde sie niemand finden. Oder hören.

»Weil du mehr von Louisas und demnach von Dorians Heilerblut in dir hast.«

Er fuhr. Eric hatte sich mit Sam auf den Rücksitz gequetscht. Sie hatten ein für sie drei viel zu kleines Auto, aber damit kam man besser durch den Verkehr. Bevor sie in die Wildnis fahren konnten, hatten sie ihre restlichen Sachen, vor allem die Handys und ihre Pässe, holen müssen. So wie Sam und Eric aussahen, wollte Jayden nicht riskieren, ein neues Auto zu besorgen. Außerdem war es mitten in der Nacht. Wenn der kleine Honda Civic in dem unebenen Gelände nicht mehr weiterkam, würden sie zu Fuß weitergehen.

»Und was, wenn sie von mir besessen ist?«

»Was meinst du mit besessen?«

»Na ja, Louisa ist von Dorian verwandelt worden, ich von Louisa. Sie ist besessen von Dorian und ich … tja …«

»Louisa war doch schon besessen von Dorian, bevor sie verwandelt wurde«, sagte Jayden und schüttelte den Kopf. »Ich glaub außerdem nicht, dass man das Besessenheit nennt. Das ist Liebe.«

»Nenn es, wie du willst. Ich will die hier nicht nachher an der Backe haben. Was hat sie da überhaupt gemacht? Ich dachte, du hättest ihr Gedächtnis gelöscht.«

»Woher soll ich das wissen?« Als ob er sich das nicht bereits gefragt hätte. Seit sie unterwegs waren, war er alles noch mal durchgegangen, was er in ihrem Gedächtnis verändert hatte. Er hatte keinen Fehler gemacht. Er hatte restlos jede Erinnerung an ihn gelöscht. Und an alles, was geschehen war, seit Dorian sie damals in dieser Bar überfallen hatte. Er war gründlich gewesen. Dennoch hatte sie ihn erkannt. Dass sie dort gewesen war, musste ein dummer und unglücklicherweise tödlicher Zufall gewesen sein. Keiner wusste, wo sie waren.

»Denkst du, es hat geklappt?«

Jayden antwortete nicht, weil er es nicht wusste. Er hatte erst eine Verwandlung durchgeführt. Die seiner Schwester. Die hatte er genauso gemacht, wie er es bei Mary gesehen hatte. Jil hatte friedlich im Bett gelegen. Er hatte ihr das Blut ausgesaugt, bis ihr Herz fast stehen geblieben war, und ihr dann seines gegeben. Im Grunde war es einfach. Aber er hatte keine Ahnung, wie viel von dem Vampirblut wieder aus Sams unzähligen Wunden herausgeflossen war. Ob genügend in ihr geblieben war, um sie zu verwandeln. Solange sie ohnmächtig war, konnte man das schlecht sagen.

»Eine Vampirjägerin zum Vampir machen. Das ist schon grausam.«

War es das? Jayden war sich nicht sicher, was Sam anging. Er konnte sich sehr gut daran erinnern, wie sie ihn angesehen hatte. Wahrscheinlich hätte er sie schon damals verwandeln können. Sie hätte zugestimmt, wenn er sie gefragt hätte. Aber dann hätte er nicht wieder zurück zu Louisa und Dorian gehen können. Und zu Eric. »Du bist nicht besessen von Louisa.« Er warf Eric einen Blick durch den Rückspiegel zu. Er hatte lange darüber nachgedacht, als er Eric die letzten zwei Jahre beobachtet hatte. Wie er sich quälte, indem er mit Männern schlief, obwohl er es verabscheute. Wie er sich die Seele aus dem Leib prügeln ließ. Wie er sich dem Blutrausch hingab, sodass seine Augen tagelang komplett rot gefärbt waren. Wie er im Schlaf nach Louisa rief. Und nach Zoe. »Du brauchst sie. Ich glaube, Louisa ist dein Hunger.«

 

*

 

Es schien wirklich die Wärme zu sein, die Louisa fehlte. Monatelang grübelte ich nun, was ich tun konnte, um ihr das zu geben, wonach ihr Hunger verlangte. Der Hunger war eines der Grundbedürfnisse eines Vampirs und fiel bei jedem anders aus. Manche töteten, manche brauchten die Angst ihrer Opfer oder deren Liebe, wieder andere sättigten ihren Hunger mit Schmerz oder Sex. Bei Louisa schien es das Bedürfnis nach Wärme zu sein. Es reichte jedoch nicht, wenn ich gerade getrunken oder heiß geduscht hatte. Meine Haut kühlte zu schnell ab. Ich musste mich irgendwie von innen wärmen. Und wie konnte ich das am besten tun? Mit meiner Todeswelle. Das war die Lösung! Ich konnte anderen Vampiren das Blut in den Eingeweiden zum Kochen bringen. Auf mich angewendet, sollte das für ausreichend Hitze sorgen, dass sich meine Haut warm anfühlte. Warum war ich nicht schon vorher darauf gekommen?

Ich hatte bisher nie überprüft, ob sich die Haut meiner Opfer wirklich wärmer anfühlte. Das war mir nie wichtig erschienen. Rein theoretisch sollte es funktionieren. Die Schwierigkeit lag auch nicht darin, genügend Hitze zu erzeugen, sondern meine Todeswelle auf mich anzuwenden und das richtige Maß dabei zu finden. Ich wollte mich ungern zu Brei kochen. Dennoch nahm ich das Wagnis gern auf mich.

Anfangs trainierte ich an einer Hand. An der linken, die ich zur Not entbehren konnte. So konnte ich überprüfen, ob es funktionierte. Es kostete mich fünf Tage, bis ich mich überwand. Das Ergebnis waren höllische Schmerzen, die sich meinen ganzen Arm hinaufzogen. Der Arm war währenddessen tatsächlich warm geworden. Das war doch schon mal was. Nun hieß es, die richtigen Körperteile zu erhitzen und dabei das richtige Maß zu finden.

Nach zwei Wochen traute ich mich das erste Mal an mein bestes Stück heran. Ich wurde prompt von Louisa überrascht, die mir einen merkwürdigen Blick schenkte, als ich ihn mir in einer Schüssel voll Eiswasser abkühlte. Sonderbarerweise fragte sie nicht nach, sondern ging nur lachend wieder hinaus. Eine Woche später war ich so weit und überraschte sie, als sie aus der Dusche kam. Ich wollte sicherheitshalber in der Nähe des kalten Wasserhahns bleiben und schloss leise die Tür.

»Was führst du wieder im Schilde?«, fragte sie und lächelte mich durch den Spiegel hindurch an.

Ich nahm ihr das Handtuch ab, warf es in die Ecke und stellte mich hinter sie. Ihre Haare waren nass und klebten ihr dick und schwer am Rücken. Ich hob sie hoch und legte sie ihr über die Schulter, wo sie sich bis über ihre Brust ergossen. Dann ließ ich meine Todeswelle mein Blut erhitzen. Es schmerzte ein wenig, aber was war schon ein bisschen Schmerz, wenn ich meine Frau damit glücklich machen konnte. Ohne sie woanders zu berühren, presste ich ihr meine Lippen auf die Schulter. Sie erschauerte und schloss genüsslich die Augen. Ich sah in den Spiegel und bestaunte für einen Moment ihre vollkommene Schönheit. Die bleiche Haut, die wundervollen dicken Haare. Sie hatte perfekte Rundungen an den richtigen Stellen und ich wurde nie satt, sie anzusehen. Ich trat nah an sie heran, schob meine Hände auf ihre Hüften und zog sie an mich. Louisa riss die Augen auf und sog geräuschvoll die Luft ein.

»Dorian!« Sie drehte sich zu mir um und legte ihre kalten Hände auf meine Wangen. »Du bist ja ganz warm!«

Ich küsste sie und rieb mich an ihrem herrlichen, kalten Körper. Noch niemals hatte sie mich so sehr erregt. Es war, als würde ich sie noch deutlicher spüren. Mein Körper stand in Flammen und ihrer war so kühl und erregt. Oh, ich konnte es fühlen und riechen, wie sehr Louisa mich wollte. Ich riss die Tür zum Schlafzimmer auf und zerrte sie aufs Bett. Scheiß auf die Abkühlung. Ich wollte sie unter mir spüren, wollte ihren Körper an meinem fühlen.

Ihre Hände waren überall, ihre Lippen bedeckten mein Gesicht, meinen Hals mit kühlen, gierigen Küssen. Sie wand sich unter mir, als wollte auch sie mehr von mir spüren. Als ich in sie eindrang, war es wie die heiß ersehnte Abkühlung nach einer schier unerträglichen Hitzeperiode, und ich stöhnte laut auf.

Louisa strich mir die Haare aus dem Gesicht und lächelte mich an. Ihre Blicke wanderten immer wieder über mein Gesicht, während ihr Körper mich in lustvollen Kontraktionen immer tiefer in sich hineinzog. Als ich schon dachte, ich würde mir doch noch mein Gemächt verbrennen, kam sie mit einem lustvollen Schrei und riss mich mit sich.

Noch niemals war ich nach dem Sex so erschöpft gewesen. Ich ließ mich zur Seite fallen, gab meine Todeswelle auf und zog Louisa auf mich.

»Dorian! Deine Haut war ganz warm! Wie hast du das gemacht?« Sie lachte mich so glücklich an wie, ja, wie noch nie, seit sie ein Vampir war.

Dann war es tatsächlich das, was ihr Hunger wollte? Obwohl ich in dem Moment glücklich und zufrieden war, wäre mir jede andere Art von Hunger lieber gewesen, denn rein körperlich gesehen, fühlte ich mich grauenhaft. Meine Güte, meine Todeswelle war wirklich fürchterlich.

»Du wolltest dir die Eingeweide kochen?«, fragte sie mich entsetzt, als ich es ihr erzählt hatte.

»Eigentlich wollte ich nur, dass meine Haut wärmer wird. Das hat doch gut geklappt, oder?«

Sie lachte wieder. Allein dieses Lachen war jede geplatzte Ader und jeden gezerrten Muskel wert. Es heilte alles wieder, noch bevor die Ekstase dieses unvergleichlichen Orgasmus nachgelassen hatte.

»Mit dir ist wirklich alles möglich, oder?«, fragte sie mich, lachte noch immer und küsste mich.

»Ja, nur nicht jederzeit«, gestand ich und entlockte ihr damit erneut ein herrliches Lachen.

Kapitel 5

 

 

 

Sam streckte sich und schlug die Augen auf. Die Sonne schien durch die aufgeklappte Luke herein, und fast wäre sie aufgesprungen. Doch, nein, sie würde nicht zu Asche zerfallen. Sie hob ihre lange bleiche Hand in die einfallenden Strahlen.

»So warm!«, murmelte sie und betrachtete verzückt die umherfliegenden Staubteilchen, die ihre Bewegung aufgewirbelte hatte.

Sie war ein Vampir. War das zu fassen? Es fühlte sich so gut an! Sie konnte schärfer sehen, besser hören, nahm Gerüche viel intensiver wahr. Alles fühlte sich komplexer an. Selbst ihr eigener Körper. Sie konnte kaum satt werden, sich zu betrachten. Ihre Haut war schneeweiß geworden und so rein, wie sie noch nie gewesen war, seit sie sich erinnern konnte. Es waren keine Narben von der Explosion zurückgeblieben. Sogar ihre schlimmste Narbe, die am Hals, fiel nicht mehr so sehr auf. Ihre blonden Haare fühlten sich weicher an als vorher und passten herrlich zu der weißen Haut. Ihre Augen hatten einen wärmeren Blauton angenommen. Mit ihren schlanken, festen Muskeln und der hellen Haut fühlte sie sich wie eine Elfe oder so was.

Die vergangenen Wochen – oder waren es Monate? – waren hart gewesen. Sie hatte noch nie solche Schmerzen erlebt. Vor allem nicht solchen Durst. Sie wusste, dass sie Jayden und Eric mit allen Mitteln dazu hatte bringen wollen, ihr mehr zu trinken zu geben. Nur mehr! Aber an vieles erinnerte sie sich nicht.

Irgendwann war es besser geworden, sie hatte den Durst aushalten können und hatte das erste Mal als Vampir Sex gehabt. Schon bei der Erinnerung daran wäre sie am liebsten aufgesprungen und hätte Jayden auf ihr Lager gezerrt. Es war schon der Wahnsinn mit ihm gewesen, als sie noch ein Mensch war. Aber jetzt, als Vampir! Sie hätte am liebsten den ganzen Tag nichts anderes getan. Als er irgendwann Eric dazuholte, war es das Aufregendste, was sie jemals erlebt hatte. Jayden allein war schon unbeschreiblich, gepaart mit seinem dunklen Gegenpart war es Erfüllung pur. Manchmal dachte sie, in einem verrückten erotischen Traum zu stecken und jeden Moment aufzuwachen, um festzustellen, dass sie noch immer in ihrem Haus in Südengland saß und ihr entspanntes, ruhiges Leben führte.