Verlag: Ullstein Ebooks in Ullstein Buchverlage Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

Böser Wolf E-Book

Nele Neuhaus  

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Bestseller

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E-Book-Beschreibung Böser Wolf - Nele Neuhaus

»Packend und fesselnder als jeder seiner Vorgänger.« HR online An einem heißen Tag im Juni wird die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main bei Eddersheim geborgen. Sie wurde misshandelt und ermordet, und niemand vermisst sie. Auch nach Wochen hat das K 11 keinen Hinweis auf ihre Identität. Die Spuren führen unter anderem zu einer Fernsehmoderatorin, die bei ihren Recherchen den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität. Und dann wird der Fall persönlich. Entdecken Sie auch SOMMER DER WAHRHEIT, einen fesselnden Roman, den Nele Neuhaus unter dem Namen Nele Löwenberg geschrieben hat!

Meinungen über das E-Book Böser Wolf - Nele Neuhaus

E-Book-Leseprobe Böser Wolf - Nele Neuhaus

NELE NEUHAUS

BÖSER WOLF

Kriminalroman

Ullstein

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Alle Rechte vorbehalten. Unbefugte Nutzungen, wie etwa Vervielfältigung, Verbreitung, Speicherung oder Übertragung können zivil- oder strafrechtlich verfolgt werden

ISBN 978-3-8437-0308-6

© 2012 by Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin

Alle Rechte vorbehalten

Satz und eBook bei Pinkuin Satz und Datentechnik, Berlin

Für Matthias. Heaven is a place on earth with you.

Prolog

Er stellte die Einkaufstüte ab und verstaute seine Einkäufe in dem winzigen Kühlschrank. Das Eis, ihre Lieblingssorte von Häagen-Dasz, war fast geschmolzen, aber er wusste, dass sie es genau so mochte, so sahnig und cremig mit den knusprigen Gebäckstückchen. Es war Wochen her, dass er sie zuletzt gesehen hatte. Obwohl es ihm schwerfiel, drängte er sie nie. Er durfte nichts überstürzen, musste geduldig sein. Sie musste von sich aus zu ihm kommen wollen. Gestern hatte sie sich schließlich gemeldet, per SMS. Und gleich würde sie da sein! Die Vorfreude ließ sein Herz schneller schlagen.

Sein Blick wanderte durch den Wohnwagen, den er gestern Abend noch ordentlich aufgeräumt hatte, und fiel auf die Uhr über der kleinen Küchenzeile. Schon zwanzig nach sechs! Er musste sich beeilen, denn er wollte nicht, dass sie ihn so sah, so verschwitzt und unrasiert. Nach der Arbeit war er noch schnell beim Frisör gewesen, aber der ranzige Geruch nach Imbissbude klebte in jeder Pore. Rasch zog er sich aus, stopfte die nach Schweiß und Frittenfett stinkenden Klamotten in die leere Einkaufstüte und zwängte sich in die Dusche neben der Miniküche. Auch wenn es eng und der Wasserdruck äußerst bescheiden war, so zog er die Nasszelle des Wohnwagens den unhygienischen öffentlichen Sanitärräumen des Campingplatzes, die zu selten gereinigt wurden, vor.

Er seifte sich von Kopf bis Fuß ein, rasierte sich sorgfältig und putzte die Zähne. Manchmal musste er sich dazu zwingen, denn oft war die Versuchung, sich hängenzulassen und in Selbstmitleid und Lethargie zu versinken, groß. Vielleicht hätte er es getan, wenn sie nicht wäre.

Ein paar Minuten später schlüpfte er in frische Unterwäsche und ein sauberes Polohemd, aus dem Schrank nahm er eine Jeans. Schließlich streifte er die Uhr über sein Handgelenk. Ein Pfandleiher am Hauptbahnhof hatte ihm vor ein paar Monaten hundertfünfzig Euro geboten – eine glatte Unverschämtheit, hatte er vor dreizehn Jahren doch elftausend Mark für dieses Meisterstück aus einer Schweizer Uhrenmanufaktur bezahlt. Er hatte die Uhr behalten. Sie war die letzte Erinnerung an sein altes Leben. Ein prüfender Blick in den Spiegel, dann öffnete er die Tür und trat aus dem Wohnwagen.

Sein Herz machte ein paar raschere Schläge, als er sie draußen auf dem klapprigen Gartenstuhl sitzen sah. Seit Tagen und Wochen hatte er sich auf diesen Augenblick gefreut. Er blieb stehen, um ihren Anblick auf sich wirken zu lassen, ganz in sich aufnehmen zu können.

Wie wunderschön sie war, wie zart und zierlich! Ein kleiner, süßer Engel. Das weiche blonde Haar, von dem er wusste, wie es sich anfühlte und wie es roch, fiel ihr über die Schultern. Sie trug ein ärmelloses Kleid, das ihre leicht gebräunte Haut und die zerbrechlichen Wirbel in ihrem Nacken sehen ließ. Auf ihrem Gesicht lag ein konzentrierter Ausdruck, sie war damit beschäftigt, etwas in ihr Handy einzutippen, und bemerkte ihn nicht. Weil er sie nicht erschrecken wollte, räusperte er sich. Sie blickte auf, ihr Blick begegnete seinem. Das Lächeln begann in den Mundwinkeln und breitete sich dann über ihr ganzes Gesicht aus. Sie sprang auf.

Er musste schlucken, als sie nun auf ihn zukam und vor ihm stehenblieb. Der Ausdruck des Vertrauens in ihren dunklen Augen versetzte ihm einen Stich. Großer Gott, wie süß sie war! Sie war der einzige Grund, weshalb er sich nicht längst vor einen Zug geworfen hatte oder auf eine andere kostengünstige Art und Weise vorzeitig aus seinem elenden Leben geschieden war.

»Hallo, Kleines«, sagte er rau und legte seine Hand auf ihre Schulter. Nur ganz kurz. Ihre Haut fühlte sich samtig und warm an. Am Anfang hatte er immer Hemmungen, sie zu berühren.

»Was hast du deiner Mutter erzählt, wo du bist?«

»Die ist heute Abend mit meinem Stiefvater auf irgend so ’nem Fest, bei der Feuerwehr, glaub ich«, erwiderte sie und steckte das Handy in ihren roten Rucksack. »Ich hab gesagt, ich geh zu Jessie.«

»Gut.«

Mit einem Blick vergewisserte er sich, dass kein neugieriger Nachbar oder zufälliger Passant sie beobachtete. Er vibrierte innerlich vor Aufregung, seine Knie waren ganz weich.

»Ich habe dein Lieblingseis für dich gekauft«, sagte er leise. »Wollen wir reingehen?«

Donnerstag, 10. Juni 2010

Sie hatte das Gefühl, nach hinten wegzukippen. Sobald sie die Augen öffnete, drehte sich alles. Und ihr war übel. Nein, nicht übel, sondern sterbenselend. Es roch nach Erbrochenem. Alina stöhnte und versuchte, den Kopf zu heben. Wo war sie? Was war passiert, und wo waren die anderen?

Eben hatten sie doch noch alle zusammen unter dem Baum gesessen, Mart neben ihr, sein Arm um ihre Schultern. Das hatte sich gut angefühlt. Sie hatten gelacht, und er hatte sie geküsst. Katharina und Mia hatten dauernd wegen der vielen Mücken gemeckert, sie hatten Musik gehört und dieses süße Zeug getrunken – Wodka mit Red Bull.

Alina richtete sich mühsam auf. Ihr Kopf dröhnte. Sie schlug die Augen auf und erschrak. Die Sonne stand schon tief. Wie spät mochte es sein? Und wo war ihr Handy? Sie konnte sich nicht erinnern, wie sie hierhergekommen war und wo sie überhaupt war. Die letzten Stunden waren wie ausgelöscht. Ein echter Filmriss!

»Mart? Mia? Wo seid ihr?«

Sie kroch bis zum Stamm der mächtigen Trauerweide. Es bedurfte ihrer ganzen Kraft, auf die Beine zu kommen und sich umzublicken. Ihre Knie waren weich wie Butter, alles drehte sich um sie herum, und sie konnte nicht richtig klar sehen. Wahrscheinlich hatte sie ihre Kontaktlinsen verloren, als sie gekotzt hatte. Denn das hatte sie. Der Geschmack in ihrem Mund war widerlich, und in ihrem Gesicht klebte Erbrochenes. Das trockene Laub knisterte unter ihren nackten Füßen. Sie blickte an sich herunter. Ihre Schuhe waren auch weg!

»Scheiße, Scheiße, Scheiße«, murmelte sie und kämpfte gegen die aufsteigenden Tränen. Sie würde einen Riesenärger kriegen, wenn sie in diesem Zustand zu Hause auftauchte!

Aus der Ferne wehten Stimmen und Gelächter zu ihr herüber, der Duft von gegrilltem Fleisch drang ihr in die Nase und ließ die Übelkeit wieder stärker werden. Wenigstens war sie nicht irgendwo in der Pampa gelandet; ganz in der Nähe gab es Menschen!

Alina ließ den Baumstamm los und machte ein paar unsichere Schritte. Alles um sie herum drehte sich wie in einem Karussell, aber sie zwang sich, weiterzugehen. Was für Arschlöcher die alle doch waren! Von wegen Freunde! Ließen sie hier einfach besoffen liegen, ohne Schuhe und Handy! Wahrscheinlich hatten die dicke Katharina und die blöde Zicke Mia sich noch köstlich über sie amüsiert. Die konnten was erleben, wenn sie sie morgen in der Schule sah! Und mit Mart würde sie nie mehr im Leben ein Wort reden.

Erst im letzten Augenblick bemerkte Alina die steil abfallende Böschung und blieb stehen. Da unten lag jemand! Zwischen den Brennnesseln, direkt am Wasser. Dunkle Haare, ein gelbes T-Shirt – das war Alex! Verdammt, wie war der dahin gekommen? Was war passiert? Fluchend machte Alina sich an den Abstieg. Sie verbrannte sich die nackten Waden an den Brennnesseln und trat auf irgendetwas Spitzes.

»Alex!« Sie ging neben ihm in die Hocke und rüttelte an seiner Schulter. Er stank auch nach Kotze und stöhnte leise. »Hey, wach auf!«

Mit der Hand verscheuchte sie die Mücken, die aufdringlich um ihr Gesicht schwirrten.

»Alex! Wach auf! Komm schon!« Sie zerrte an seinen Beinen, aber er war so schwer wie Blei und rührte sich nicht.

Auf dem Fluss fuhr ein Motorboot vorbei. Eine Welle schwappte heran, das Wasser gluckerte im Schilf und spülte über Alex’ Beine. Alina stockte vor Schreck der Atem. Direkt vor ihren Augen schob sich eine bleiche Hand aus dem Wasser und schien nach ihr zu greifen.

Sie prallte zurück und stieß einen erschrockenen Schrei aus. Im Wasser zwischen den Schilfhalmen – keine zwei Meter von Alex entfernt – lag Mia! Alina glaubte ihr Gesicht unter der Wasseroberfläche zu erkennen, sie sah im diffusen Zwielicht der Abenddämmerung helles, langes Haar und weit geöffnete, tote Augen, die sie direkt anzusehen schienen.

Wie gelähmt starrte Alina auf das grausige Bild. In ihrem Kopf herrschte ein einziges Durcheinander. Was zum Teufel war hier passiert? Eine neue Welle bewegte Mias toten Körper, ihr Arm ragte gespenstisch blass aus dem dunklen Wasser, als ob sie um Hilfe bäte.

Alina zitterte am ganzen Leib, obwohl es noch immer unerträglich heiß war. Ihr Magen rebellierte, sie taumelte, drehte sich um und erbrach sich in die Brennnesseln. Statt Wodka und Red Bull kam aber nur noch bittere Galle. Verzweifelt schluchzend kroch sie auf allen vieren die steile Böschung hoch, das Gestrüpp zerkratzte ihre Knie und Hände. Ach, wäre sie doch nur schon zu Hause, in ihrem Zimmer, im Bett, in Sicherheit! Sie wollte nur weg von diesem schrecklichen Ort und alles vergessen, was sie gesehen hatte.

*

Pia Kirchhoff tippte den letzten Bericht über die Ermittlungen im Todesfall Veronika Meissner in den PC. Die Sonne brannte seit dem frühen Morgen auf das Flachdach des Gebäudes, in dem sich die Büros des Kommissariats 11 befanden, und die digitale Anzeige der Wetterstation, die auf dem Fensterbrett neben Kai Ostermanns Schreibtisch stand, zeigte 31 Grad an. Raumtemperatur. Draußen waren es locker noch drei Grad mehr. In jeder Schule hätte es hitzefrei gegeben. Obwohl alle Fenster und Türen weit geöffnet waren, ging kein Lufthauch, der etwas Linderung gebracht hätte. Pias Unterarm klebte an der Schreibtischplatte, sobald sie ihn darauflegte. Sie seufzte und gab einen Druckbefehl, dann heftete sie den Bericht in den schmalen Ordner. Fehlte nur noch der Obduktionsbericht, aber wo hatte sie ihn hingelegt? Pia stand auf und suchte in ihren Ablagekörben, um den Vorgang endlich abschließen zu können. Sie hielt seit vorgestern allein die Stellung im K11, denn ihr Kollege Kai Ostermann, mit dem sie sich das Büro teilte, war seit Mittwoch auf einer Fortbildung im Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Kathrin Fachinger und Cem Altunay nahmen an einem länderübergreifenden Seminar in Düsseldorf teil, und der Chef hatte seit Montag Urlaub und war mit unbekanntem Ziel verreist. Dem akuten Mangel an potentiellen Gästen war deshalb auch die kleine Feierstunde, die Kriminalrätin Dr. Nicola Engel aus Anlass von Pias Ernennung zur Kriminalhauptkommissarin für den frühen Nachmittag anberaumt hatte, zum Opfer gefallen, doch das hatte Pia nicht gestört. Rummel um ihre Person war ihr zuwider, die Änderung des Dienstgrades eine verwaltungstechnische Formalie, mehr nicht.

»Wo ist denn dieser dämliche Bericht?«, murmelte sie ärgerlich. Es war schon kurz vor fünf, und um sieben wollte sie auf das Abitreffen nach Königstein. Die Arbeit auf dem Birkenhof ließ ihr viel zu selten Zeit, soziale Kontakte zu pflegen, deshalb freute sie sich darauf, die Mitschülerinnen von früher nach 25 Jahren wiederzusehen.

Ein Klopfen an der offenstehenden Tür ließ sie herumfahren.

»Hallo, Pia.«

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