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Der heilige Bruder Konrad: Ein Mann verbringt die 75 Jahre seines Lebens vollkommen unspektakulär, zunächst auf seinem Bauernhof, dann im Kloster. Worin besteht dann aber die Heiligkeit dieser Persönlichkeit und wie sieht sein Leben konkret aus? Und was hat der Heilige Bruder Konrad uns heute - nicht nur den religiös Denkenden und Handelnden - noch zu sagen? Gerade bei der Beantwortung der letzten Frage kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass Konrad "ein Kind seiner Zeit" gewesen ist. Deshalb wird im vorliegenden Buch zunächst der zeitgeschichtliche Rahmen abgesteckt, in dem Konrad lebte. Im Anschluss wird die Frömmigkeit im Bayern des 19. Jahrhunderts näher beleuchtet und mit Konrads Biographie exemplarisch ein Leben geschildert, das die Formen und Haltungen der damaligen Religiosität dokumentiert, wenn auch in extremem Maße. Eben in dieser Überzeichnung wird für den Menschen unserer Zeit die ganze Bandbreite der damaligen Frömmigkeit greifbar.
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2018
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mit Bildern von historischen Andenken an den Heiligen und einem Stundenentwurf für den Religionsunterricht
Andachtsbild, um 1960
E
INLEITUNG
G
ESCHICHTLICHER
T
EIL
Zeitgeschichtlicher Hintergrund
Kirchengeschichte des 19. Jahrhunderts
Kirche und Frömmigkeit im bayerischen 19. Jahrhundert
3.1 Johann Michael Sailer (1751-1832)
3.2 Karl August Graf von Reisach (1800-1869)
3.3 Barockfrömmigkeit
Volksfrömmigkeit im Spiegel der Physikatsberichte
Heiligmäßige Gestalten neben Bruder Konrad
B
IOGRAPHIE
D
AS
L
EBEN DES
H
EILIGEN
B
RUDER
K
ONRAD VON
P
ARZHAM
Familie Birndorfer
Kindheit
Jugend
Der Hof, das Erbe
Die Volksmission in Aigen und der Beichtvater Dullinger
Wallfahrten
Bruderschaften
Im St. Anna Kloster in Altötting
Die ersten beiden Briefe an die Geschwister
Der dritte Brief
Das Noviziat in Laufen
Bruder Konrads Lebensprogramm in elf Vorsätzen
Bruder Konrad als Pförtner
Bruder Konrad als Brotvater der Armen
Bruder Konrad und die Kinder
„Herzensschau“
Bruder Konrad als Betrüger
Verhältnis zu den Geschwistern
Geistliche Freundschaften
19.1 Michael Bärenwinkler (1821-1908)
19.2 Anna Reitinger (1840-1922)
19.3 Anonyme Terziarin
Bruder Konrads Spiritualität
Bruder Konrad als Beter und Marienverehrer
Krankheit und Tod
Die Grabstätte
Die Seligsprechung (1930)
Die Heiligsprechung (1934)
Bruder Konrad Verehrung
Die bleibende Botschaft des Bruder Konrad
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AGESABLAUF DES
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EILIGEN
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RUDER
K
ONRAD
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TUNDENENTWURF
(R
ELIGIONSUNTERRICHT
)
Vorbemerkung
Beispiel einer Unterrichtsstunde
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UELLENVERZEICHNIS
- L
ITERATUR
In seinem Prosaband „Die Heiligsprechung der Hühner“ stellt Michael Groißmeier in dem gleichnamigen Text folgende These auf: „Ginge es nach mir, so sollten alle Hühner heiliggesprochen werden, zumindest die Hühner in einer Legebatterie; denn diese hätten es sich durch ihr Martyrium verdient, in die Gemeinschaft der Heiligen aufgenommen zu werden.“ Nach einer ausführlichen Beschreibung des Hühnermartyriums kommt er zu dem Schluss: „Ist da ein Unterschied zwischen einem noch lebend gebrühten Huhn und einem in Öl gesottenen Heiligen?“1
Hier ist nicht so sehr die groteske Vorstellung von Hühnern mit Heiligenschein und einem Eisengitter als Märtyrerinsignium von Interesse, sondern die Tatsache, dass Heilige im Allgemeinen mit Märtyrern gleichgesetzt werden. Dass Menschen, die in den Stand der Heiligkeit gerückt werden, nicht zwingend für ihren Glauben sterben müssen, ist eigentlich hinlänglich bekannt. Als „ganzer Heiliger“ gilt aber trotzdem der, der Jesus den Kreuzestod nachstirbt. Für die Gläubigen lässt sich dann viel leichter ablesen, worin denn die „Heiligkeit“ besteht: Dieser Mensch hat für Gott das Höchste hingegeben, das er besitzt, nämlich sein Leben.
Schwieriger wird es da für manchen schon zu erkennen, worin der Anlass zur Heiligsprechung bei einem Nicht-Märtyrer besteht. Beispiele hierfür sind Therese von Lisieux, Bernadette Soubirous oder auch Bruder Konrad von Parzham. Dieser Mann hat die 75 Jahre seines Lebens vollkommen unspektakulär verbracht, zunächst auf seinem Bauernhof, dann im Kloster. Worin bestand dann aber die Heiligkeit dieser Persönlichkeit und wie sah sein Leben konkret aus? Und was hat der Heilige Bruder Konrad einem modernen Menschen heute noch zu sagen?
Gerade bei der Beantwortung der letzten Frage kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass Konrad „ein Kind seiner Zeit“2 gewesen ist. Deshalb soll zunächst der zeitgeschichtliche Rahmen abgesteckt werden, in dem Konrad lebte. Anschließend wird die Frömmigkeitshaltung im Bayern des 19. Jahrhunderts näher beleuchtet und mit Konrads Biographie exemplarisch ein Leben geschildert, das genau die Formen und Haltungen der damaligen Frömmigkeit dokumentiert, wenn auch in extremem Maße. Eben in dieser „Überzeichnung“ wird für den modernen Menschen die ganze Bandbreite der damaligen Frömmigkeitshaltung greifbar.
1 Groißmeier, Michael, Die Heiligsprechung der Hühner, Ergolding 1999. 55f.
2 Sasowski, Reinhard, Bruder Konrad von Parzham. Ein ungewöhnliches Leben. Passau 1993, 25.
Das ausgehende 18. Jahrhundert war besonders gekennzeichnet von der Französischen Revolution, die ganz Europa in Mitleidenschaft zog.3 Bei den napoleonischen Kriegen erlebten auch die Rottaler Plünderungen, Brandschatzungen und Einquartierungen durch Truppendurchzüge.4 Viele Abgaben waren zu leisten, denn die Truppen verlangten Fleisch, Brot, Branntwein und Bier.5 Das Saatgetreide diente als Futter für die Pferde der Soldaten. Zudem mussten 30.000 bayerische Soldaten den Russlandfeldzug 1813 mit dem Leben bezahlen.6
Besonders schwere Jahre waren für die Bauern 1805/06, 1809 (Schlacht von Eggmühl) und 1812/13.7 Vom Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 und dem Wiener Kongress erhoffte man sich ein Ende des Elends. Doch gegen eine Hungersnot 1816/17 waren die Menschen dadurch nicht gefeit. Das ohnehin knappe Getreide fiel der äußerst ungünstigen Witterung zum Opfer. Erst 1818, im Geburtsjahr Bruder Konrads, konnte wieder eine ausreichende Ernte eingefahren werden.8
Nach der knappen Darstellung der zeitgeschichtlichen Lage soll der kirchengeschichtliche Rahmen des 19. Jahrhunderts umrissen werden, in den auch die Ereignisse im Bistum Passau und die Frömmigkeitshaltung der Menschen gebettet sind. Gleich zu Beginn des Jahrhunderts fand mit der Säkularisation 1803 ein großer Einschnitt statt. 1808 wurde die alte bayerische Diözesanorganisation aufgelöst, in den 30er Jahren entzündete sich in Köln ein Streit über die Mischehen („Kölner Wirren“), der die ultramontane Ausrichtung der Katholiken verstärkte und die konfessionellen Gegensätze vertiefte.9 Die Revolution von 1848 betraf die Kirche insofern, als durch die Aufhebung der alten Einkünfte aus Rechten über Grund und Boden auch die Kirchenfinanzen erschüttert wurden. Der Kulturkampf in Preußen und im Deutschen Reich fielen ebenfalls in dieses Jahrhundert, in dem auf dem Ersten Vatikanischen Konzil 1870/71 dann das Unfehlbarkeitsdogma diskutiert wurde.10
Um die Frömmigkeit im Jahrhundert, in dem Bruder Konrad lebte, zu umreißen, kann man nicht erst in seinem Geburtsjahr 1818 ansetzen. Das einschneidendste Ereignis des 19. Jahrhunderts fand, wie schon erwähnt, mit der Säkularisation von 1802/03 statt. Orden wurden aufgehoben und das katholische Bildungswesen völlig lahmgelegt. Die bewegliche Habe der Kirche wie Mobiliar, liturgische Gerätschaften, Bücher und Kunstschätze wurden verkauft oder verschleudert, die unbewegliche Habe wie Grund und Boden, Gebäude und Klosterwaldungen beanspruchte der Staat als sein Eigentum.11 Für Regensburg, Aschaffenburg und Wetzlar konnte Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg Schlimmes verhindern. In Passau wurden das Kapuziner-, Franziskaner- und Benediktinerinnenkloster aufgehoben. In der Diözese Passau kam für St. Nikola bei Passau, Niederaltaich, Aldersbach, St. Salvator, Asbach u.a. das Aus.12 Das war umso schlimmer, als im Rottal zahlreiche Pfarreien von Klöstern aus versorgt worden waren. Asbach, Ering, Kirn und Münchham beispielsweise verloren das Benediktinerkloster Asbach als Angelpunkt ihres geistlichen Lebens.13
Es blieb allerdings nicht bei diesen Veränderungen im Großen. Die Regierung verfügte 1802, dass im Bereich des Landgerichtes Griesbach alle Gedenktafeln, Bildsäulen, Kreuze und Statuen des „Herrgott in der Wies“ binnen acht Tagen zu entfernen seien. Bei Zuwiderhandlung drohte eine Strafe von 150 Gulden. Dennoch gehorchten die Bauern nur zögerlich und waren empört, als 1804 Umzüge wie die Fronleichnamsprozession und Wallfahrten verboten wurden.14 Kirchen und Klöster wurden umfunktioniert zu Magazinen, Kasernen oder Militärlazaretten. Viele in diesen Gebäuden befindliche Kunstwerke wurden zerstört oder versteigert. Religiöse Volksbräuche, Christmetten, Weihnachtskrippen und Passionsspiele wurden polizeilich verboten.15
Fürstbischof Leopold Leonhard Graf von Thun (1796-1803/26) verließ 1804 die Dreiflüssestadt, da Passau seine Stellung als Residenzstadt und er damit seine Funktion als Reichsfürst verloren hatte. Die Geschicke des Bistums lenkten bis 1806 Johann Graf von Auersperg und anschließend ein geistliches Officium. Zwölf Jahre später war es nicht einmal möglich, die Firmung oder die Priesterweihe in Passau zu empfangen, denn auch der Weihbischof Karl Kajetan Graf von Gaisruck hatte Passau verlassen.16
Für Hubensteiner bleibt das 19. Jahrhundert janusköpfig, ein „Jahrhundert zwischen den Zeiten“18, dessen Frömmigkeit aus verschiedenen Schichten bestand, die oft „mehr ein Gegen- als ein Ineinander“19 waren. Die Kirche war durch die Aufklärung in sich gespalten, eine Glaubenskrise war die Folge. Johann Michael Sailers volksnahe Pastoral war eine Möglichkeit auf die Zeichen der Zeit zu antworten. Damit überwand der „bayerische Kirchenvater“20 sowohl den barocken Aszetismus als auch den Utilitarismus der Aufklärung.21 Er verkörperte selbst einen neuen Frömmigkeitstypus durch seine verinnerlichte, Frieden stiftende und tolerante Religiosität.22 So prägte er eine Vielzahl von Theologen, die als „Sailerkreis“23 für die Wiederherstellung der kirchlichen Verhältnisse sorgten. Sie besetzten die Bischofsstühle, lehrten als Professoren an den wiedererrichteten Diözesanhochschulen, lenkten die Geschicke im Domkapitel und leiteten Priesterseminare. Er selbst übte auch auf Gelehrte und Politiker, sogar auf König Ludwig I. großen Einfluss aus.
Mit Karl Joseph Freiherr von Riccabona (1826-1839) kam 1826 in Passau ein Anhänger Sailers auf den Bischofsstuhl. Er reformierte die Diözese, visitierte häufig die Pfarreien, um ein seelsorgerliches Optimum zu gewährleisten und förderte die Ausbreitung weiblicher Orden in der Diözese. Die Leitung des 1828 errichteten Priesterseminars übertrug er ebenfalls einem Sailer-Schüler.24
Im Bistum Passau ging es damit endlich wieder aufwärts. „Eine besondere Rolle spielten dabei die Rottaler, die sich mit unter den Ersten wieder auf ihre angestammte Frömmigkeit und ihren Glauben besannen. So wurde das Rottal zu einem Zentrum der religiösen Erneuerung.“25
1836 löste Karl August Graf von Reisach, Bischof von Eichstätt, später Erzbischof von München und Freising Sailer als große Gestalt ab. Eine neue Richtung tat sich auf. Sie kennzeichnete sich durch eine Dialogverweigerung mit der modernen Welt, den Eifer, sich eng an Rom anzuschließen und sich der Neuscholastik zu widmen. „Überhaupt gerät die neue Richtung in eine merkwürdige Verbindung mit der Spätromantik und dem Nazarenertum, steigert sich hinein in einen heftigen Bau- und Purifikationseifer.“26
Doch neben diesen beiden Komponenten hielt sich eine dritte: es war der „unterirdisch weiterströmende Barock.“27 Die Frömmigkeit der Bürger und Bauern hatte weder die Aufklärung, noch die Säkularisation oder die Reformen Montgelas tiefgehend zu verändern vermocht. Weiterhin wurde das Rosenkranzgebet in der Familie gepflegt, beim Aveläuten im Wirtshaus geschwiegen, bei Familienandachten vor allem der „Armen Seelen“ gedacht. Feierliche Prozessionen brachten wieder Glanz in das Kirchenjahr, das Wallfahrtswesen erlebte einen neuen Aufschwung. Auch für Bruder Konrad waren die Fußmärsche zu den kleineren und größeren Wallfahrtsorten der Umgebung ein wesentlicher Bestandteil seiner Frömmigkeit. Und auch für ihn galt, dass gerade der Hauswallfahrt größte Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Die Kirche in St. Wolfgang, die schlichte Holzkapelle bei Birnbach, Kronberg bei Griesbach waren Ziele, die fast vor der Haustüre lagen.
Die Volksmission, die auch für Konrad sehr bedeutend war (St. Anna, 1838), beschreibt Hubensteiner als „religiösen Ausnahmezustand“28, dem sich kein Dorfbewohner entziehen konnte. Die anthropozentrische Frömmigkeitshaltung der Barockzeit vermischte sich in dieser Gestalt mit dem pastoralen Moralismus der Aufklärung.29 Die Rottaler Bevölkerung war den Volksmissionen gegenüber sehr aufgeschlossen: Von 14 Volksmissionen der Redemptoristen in den Jahren 1843 bis 1847 fanden allein acht im Rottal statt.30
Noch einmal soll unterstrichen werden, dass sich die Frömmigkeit des Bruder Konrad nicht der Form nach, sondern der Qualität und Quantität nach von der seiner Landsleute unterschied. „Gebetet, gewallfahrtet und Almosen gegeben haben damals alle“, stellt der ehemalige Vorsitzende des Bruder-Konrad-Vereins, Pfarrer Alois Anetseder, fest. „Aber Bruder Konrad tat alles im Übermaß.“32 Konrad Haberger formuliert die Tatsache so: „Nach außen hin fällt vor allem auf, dass er mehr betet, mehr beichtet, mehr Messen und Andachten besucht, mehr Wallfahrten geht als seine Rottaler Zeitgenossen, die auch nicht gottlos sind.“33
Tatsächlich gibt es zuverlässige Berichte, die über die Frömmigkeit des ostbayerischen Landvolkes Aufschluss geben. Es sind dies von Landgerichtsärzten verfasste Beobachtungen über „die religiöse Haltung des Volkes“.34 In einer Ministerialentschließung vom 21. April 1858 wurde man damit dem Willen Max II. gerecht, der schon 13 Jahre zuvor Pläne über eine Volksbeschreibung gehegt hatte.
Was die allgemeine religiöse Einstellung des Volkes betrifft, waren die Ärzte einer Meinung, ob sie nun über Passau, Wegscheid, Grafenau, Osterhofen, Griesbach oder Vilshofen urteilten: „Es herrscht im Ganzen unter dem Volke noch die feste Anhänglichkeit an die katholische Religion und ihren Ritus.“35 Viele übten aber Kritik, indem sie zu sehen glaubten, dass die Religiosität nur der Form, nicht aber dem Inhalt nach erfasst und ausgeführt würde. Pötzl entlarvt diese Meinung als „typische Position des Akademikers“36, der nicht wie das Volk die Einheit von Form und Inhalt sieht.
Den Hang zu religiöser Schwärmerei sahen die Ärzte allenfalls bei den Frauen gegeben, „wozu durch die überall verbreiteten Jungfrauenbündnisse die Hauptveranlaßung gegeben ist.“37 Josef Hillmayer, Gerichtsarzt in Pfarrkirchen, bestätigte: „Für Mysticismus und Schwärmerei findet sich bei einem Volke ..., welches seine Beschäftigung ... inmitten einer mit allen Reizen und Gaben der Natur reich ausgestatteten Landschaft sein Leben ... hinbringt, kein fruchtbarer Boden. Mystiker und Schwärmer würden hierzulande von der öffentlichen Meinung ohne feinere psychologische Unterscheidung geradezu als Narren erklärt und mehr oder weniger bemitleidet oder verlacht werden.“38 Dass Bruder Konrad eben nicht von den Rottalern verspottet wurde, bestätigt, dass seine tiefe religiöse Begabung als ehrlich erkannt wurde. Sein Verhalten wurde wohl (auch in dieser tiefreligiösen Region) als merkwürdig empfunden, doch nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde er akzeptiert und manchmal auch bewundert.39
Wie er, so beteten auch seine Zeitgenossen bei Tisch, hielten das Rosenkranzgebet an Samstagen und an Vorabenden der Feiertage ein, „beichten und fasten viel“, wie der Amtsarzt aus Eggenfelden berichtete.40 Der Passauer Stadtdoktor Erhard bestätigte, dass die Gläubigen mit der größten Gewissenhaftigkeit zum Gottesdienst kamen und sich dabei auch nicht von schlechter Witterung oder extremer Entfernung abhalten ließen. Daneben wären auch Prozessionen, Missionspredigten und Wallfahrten „in größerem Maßstab“41 sehr beliebt gewesen. „Kreuzgänge finden alljährlich, unter großem Zudrange des Landvolkes statt, religiöse Vereine, Bruderschaften, Tugendbünde, bestehen in allen Pfarreien“42 konstatierte der Arzt aus Wegscheid.
Sogar über die Freigebigkeit legten die Ärzte Zeugnis ab. Die Wohlhabenderen spendeten für die Armen mit offenen Händen, wobei die Bauern eher Viktualien als Geld verteilten. Dieser Beobachtung entsprach auch die Familie Birndorfer, bei der, wie noch aufgezeigt wird, kein an die Türe klopfender Bittsteller leer ausging.
Wachsstöckl, um 1950
