Christian von Pentz - Ruth Möller - E-Book

Christian von Pentz E-Book

Ruth Möller

0,0

Beschreibung

Christian von Pentz war der Schwiegersohn Christian IV., König von Dänemark und Norwegen (1577-1648). Viele Jahre gehörte er zu den engsten Beratern des Königs und war ein erfolgreicher Feldherr, Gouverneur und Diplomat in Diensten des Königs. Doch dann fiel er in Ungnade und soll dem Wahnsinn und der Trunksucht verfallen sein. So jedenfalls wird es überliefert. Ruth Möller begibt sich auf eine Spurensuche und bringt Erstaunliches zu Tage. Nichts ist wie es scheint.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 143

Veröffentlichungsjahr: 2017

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Für Hans Reimer Möller

Das Erscheinen dieses Bandes wurde ermöglicht durch die finanzielle Förderung unserer Sponsoren:

Kerstan von Pentz

Markwart von Pentz

Medienagentur Worm, Glückstadt

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Schwiegervater – König Christian IV. (1577–1648) und seine große Familie

Der Patensohn des Königs

Das Pentz-Palais

Der Gubernator

Der Gutsherr

Der ergebene Sohn

Das Ehepaar Graf und Gräfin von Pentz

„Der Ansehnliche“ des Palmenordens

Der Diplomat

Der Verteidiger der Kremper- und Wilstermarsch

Die königliche Ungnade

Die Personenwüstung

Der Autor Detlef von Ahlefeldt und seine Memoiren.

Glückstädter ehrendes Gedenken

Literatur

Vorwort

Liebe Freundinnen und Freunde der Detlefsen-Gesellschaft, der nun dritte Band der Detlefsen-Gesellschaft zum Stadtjubiläum mit dem Titel „Christian von Pentz. Das rätselvolle Leben des Glückstädter Gubernators Christian Reichsgraf von Pentz (1610-1651)“ ist erschienen. Zuvor wurden bereits die Bände „Festung Glückstadt“ und „400 Jahre Glückstadt“ von unserem kleinen Geschichtsverein herausgegeben. Es gibt viel zu lesen im Glückstädter Jubiläumsjahr.

Herzlich sei an dieser Stelle den Autoren der verschiedenen Bände gedankt, die ehrenamtlich ihre Beiträge zur Verfügung stellten und geforscht haben. Gedankt sei auch den Sponsoren Alexander Valentin, Dr. Hans-Georg Helm, dem Lions-Club Glückstadt/Elbe, der Sparkasse Westholstein, Kerstan von Pentz, Markwart von Pentz und den Mitgliedern der Detlefsen-Gesellschaft Glückstadt e.V. für die finanzielle Unterstützung.

Für Arbeiten an den Büchern danken wir Claudia Boldt für das Layout, Norbert Meinert und Michael Boldt für Lektorat und Korrektorat. Unserem Mitglied Walter Worm danken wir herzlich für die ehrenamtliche Gestaltung der Schutzumschläge.

Nun eine kurze Einleitung zum Inhalt des Buches.

Christian von Pentz war der Schwiegersohn Christian IV., König von Dänemark und Norwegen (1577–1648). Viele Jahre gehörte er zu den engsten Beratern Christian IV. und er war ein erfolgreicher Feldherr, Gouverneur und Diplomat in Diensten des dänischen Königs. Doch dann fiel er in Ungnade und soll dem Wahnsinn und der Trunksucht verfallen sein. So jedenfalls wird es überliefert. Ruth Möller begibt sich auf eine Spurensuche und bringt Erstaunliches zu Tage. Nichts ist, wie es scheint.

Lassen Sie sich überraschen!

Borsfleth im November 2017 Christian Boldt M.A.

Das rätselvolle Leben des Glückstädter Gubernators Christian Reichsgraf von Pentz (1610–1651)

Ruth Möller

1) Der Schwiegervater – König Christian IV. (1577–1648) und seine große Familie

Der Gründer Glückstadts, König Christian IV. von Dänemark und Norwegen, war als Herzog von Holstein und Teilen Schleswigs auch Fürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, also ein deutscher Reichsfürst. Er entstammte dem Hause Oldenburg, das 1448 mit Christian I. aus dynastischen Gründen auf den dänischen Thron gelangt war.1 Nach dem Kalmarkrieg (1611-1613) galt er als der reichste Fürst Nordeuropas in einem politisch und wirtschaftlich gefestigten Staat. Er war volksnah und gerecht, von der seltenen Art, die ihr „Haupt kann kühnlich legen jedem Untertan in Schoß“.2 Mit Großmachtplänen beteiligte er sich am Dreißigjährigen Krieg. Der gefährdete die territoriale Integrität des Königreichs, stürzte es in ein wirtschaftliches Chaos und den König am Ende seines Lebens in tiefste Depression. Ein Idol ist er geblieben.

Portrait König Christian IV. Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (sign. P8M C117).

König Christian hatte 24 Kinder. Sein Urenkel, August der Starke von Sachsen und Polen (1670–1733), brachte es gar auf 28! Das gab der Schwester des Alten Fritz, Wilhelmine von Brandenburg, Markgräfin von Bayreuth, Anlass, über ihren Patenonkel zu scherzen, er habe 365 Kinder, so viele, wie das Jahr Tage hat. In einem Fernsehbericht wurde der Sachsenkönig kürzlich zum Sexmonster erklärt. Solch verächtliches Urteil traf den Dänenkönig niemals. Der Unterschied: Er hatte möglichst nur eine Partnerin zur selben Zeit. Alle ihre gemeinsamen Kinder hat er in die königliche Familie aufgenommen, sie geliebt und sich bis in Kleinigkeiten um ihr leibliches Wohlergehen, ihre Ausbildung und ihr Fortkommen gekümmert.

Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden.

Sechs Kinder aus erster Ehe mit Anna Katharina von Brandenburg (1575–1612): drei überlebende Söhne, Christian, Friedrich, Ulrich, als mögliche Nachfolger und zwei Töchter, Sophie und Elisabeth. Christian und Ulrich starben vor dem Vater. Friedrich wurde nach ihm König als Friedrich III.

Zehn überlebende Kinder aus der zweiten morganatischen Ehe mit der dänischen Adeligen Kirsten Munk (Kirstine, Christine 1598–1658): neun überlebende Töchter und ein Sohn, Waldemar. Die Zweit- und die Drittälteste wurden bedeutsam: Sophie Elisabeth (1619–1657) und Leonora Christina (1621–1698). Ihre Mutter und sie erhielten die Würde der Gräfinnen bzw. des Grafen von Schleswig-Holstein.

Etwa fünf Kinder aus Beziehungen zu bürgerlichen Lebensgefährtinnen: nach der ersten Ehe Kirsten Madsdatter, die 1613 starb, und Karen Andersdatter. Ab Ende der zweiten Ehe Wibeke Kruse. Sie wurden mit dem Nachnamen Güldenlöwe geehrt, entsprechend dem goldenen dänischen Wappenschild mit den drei Löwen. Friedrich III. setzte diesen Brauch fort. Die Mätressen waren gesellschaftlich nicht anerkannt, wohl aber ihre Bastarde. Bedeutsam wurden Wibeke Kruses Kinder Ulrich Christian und Sophie Elisabeth.

Den Söhnen verschaffte der Vater bedeutende Staatsposten, die vielen „Fräulein“ aus 2. Ehe verheiratete er sehr jung mit besonders befähigten Männern: Sophie Elisabeth mit Christian Pentz (1610–1651), Leonora Christina mit Corfitz Ulfeldt (1606–1664), deren Karrieren er tüchtig förderte. Aber seine vorausschauenden Bemühungen um Familienfrieden waren vergeblich! Die drei Gruppierungen der Kinder lieferten sich in zwei Parteien noch zu seinen Lebzeiten und erst recht nach seinem Tode einen mörderischen Kampf, der die ganze Atmosphäre in Dänemark vergiftetete. Man könnte denken, Shakespeare habe sich davon zum „Hamlet“ inspirieren lassen, 1. Akt, 4. Szene, Marcellus: „Etwas ist faul im Staate Dänemarks“, doch dieses Drama wurde schon vorher (1602) uraufgeführt.

Die Fronten:

Kirsten-Munk-Partei oder „Schwiegersöhne-Partei“. Zur Schwiegersöhne-Partei unter Führung von Corfitz Ulfeldt gehörten Frantz Rantzau (?), Christian Pentz, Hans Lindenow, Hannibal Sehestedt und Ebbe Ulfeldt. Sie hatten eine enge Bindung zu Kronprinz Christian, der ein Jahr vor dem Erbfall kinderlos verstarb.

Wibeke-Kruse-Partei mit Wibekes Sohn Ulrich Christian Güldenlöwe und ihrem Schwiegersohn General Claus von Ahlefeldt Sie unterstützten den nachfolgenden König Friedrich III. bei der schwierigen Königswahl und später als Ratgeber und Heerführer im Kampf gegen Schweden.

Nachdem König Christian IV. seine liebe Frau Anna Katharina durch frühen Tod verloren hatte, drängten seine älteren Schwestern ihn, wieder eine deutsche Prinzessin zu heiraten, aber das lehnte er ab, weil er bei der Erbfolge dynastische Schwierigkeiten befürchtete. Statt dessen wollte er sich unverbindlich mit einer bürgerlichen Mätresse begnügen. Mit achtunddreißig Jahren verliebte er sich in eine siebzehnjährige dänische Adelige, Kirsten Munk. Das gefiel vor allem deren Mutter, Ellen Marswin (1572–1649), einer reichen Landbesitzerin, der fast ganz Fünen gehörte, 7.600 Hektar an Fläche, dazu das Land der mythischen Cimbern, Himmerland in Nordjütland. Von ihren vielen Gütern erwähnen die Schriften Dalum auf Fünen (Harde Odense) und Boller bei Horsens südlich Aarhus auf der Festlands-Halbinsel Jütland. Die tüchtige Geschäftsfrau erhoffte sich von einer engen Verbindung zum Hof große Vorteile, wie Aufträge zur Lieferung ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse an die königliche Flotte. Dass ihre Tochter die x-te Mätresse würde, passte ihr aber gar nicht, darum sorgte sie für eine rechtliche Absicherung, die auch im Sinne des Königs war. Er schloss mit Kirsten eine morganatische Ehe oder „Ehe zur linken Hand“, in der die darin geborenen Kinder von der Thronfolge klar ausgeschlossen sind.

Um die dreizehn Jahre hat Kirsten sich auf die ihr zugedachte glanzvolle Rolle eingelassen, hat den König auf allen Wegen begleitet, hat dieständigen Schwangerschaften in Kauf genommen, gesundheitlich auch gut überstanden, doch an den Früchten der Liebe soll sie kein Interesse gehabt haben. Die Kinder kamen auf Skanderborg, Frederiksborg, Kronborg sowie in Haderslefhus zur Welt, dann übergab sie sie folgerichtig ihrer Mutter, die ihr diese Ehe eingebrockt und ihr auch bei jeder Geburt beigestanden hatte. Andererseits soll es beim Adel üblich gewesen sein, Kleinkinder bei Großeltern aufwachsen zu lassen, so wie auch König Christian nach frühem Tod des Vaters bei Großeltern aufgewachsen war, Herzog Ulrich von Mecklenburg und Elisabeth von Dänemark, auf Schloss Güstrow.

Kirsten Munk. Lithografie. Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek (sign. P8M 264).

Kirsten Munk mit ihren drei ältesten Töchtern und dem Sohn auf einem Gemälde von Jacob van Dort von 1623 (Schloss Rosenborg). Von Jakob van Doordt - © Det nationalhistoriske Museum på Frederiksborg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=990350

Viele Jahre sollen die Eheleute „in großer Liebe und Einigkeit“ gelebt haben, dann entfremdeten sie sich mehr und mehr, nicht zuletzt durch unterschiedliche Auffassungen über Kinderziehung. Wie der König in seinen Briefen erwähnt, sah er eines Tages die Mutter zwischen ihren Kindern, wie sie „lustig“ auf sie einschlug. „Um ihr die Macht über sie zu nehmen“, ließ er die Wache vor seinem Schlafzimmer abziehen und vor die Tür der Kinder postieren, außerdem sein Bett näher an ihr Schlafzimmer heranrücken.

Ende Mai 1628 wurde als letztes Kind des Königs Tochter Marie Cathrine geboren, starb aber schon mit vier Monaten; zu fragen ist ob eines natürlichen Todes, durch Vernachlässigung oder durch Gift! Kirsten hatte einen neuen Liebhaber, einen Truppenführer ihres Mannes, Otto Ludwig Rheingraf zu Salm-Kirburg-Morchingen (1597–1634). Großmutter Ellen hat deswegen Tag und Nacht geweint! In Begleitung des Rheingrafen soll Kirsten am Leichenwagen der Letztgeborenen vorbei ungerührt zu einer Vergnügungsfahrt aufgebrochen sein.

Mit einem Mordanschlag auf den König versuchte sie, ihr eher fremdbestimmtes Schicksal zu ändern. Wie er in einem Brief anlässlich seiner Scheidung schrieb, zog sie vor einer ihrer Ausfahrten ein Döschen aus dem Muff und drängte ihm ein Pulver auf, das sie sich vom Leibarzt gegen ein Hautproblem hatte geben lassen. Er sollte es als erfrischendes, die Gesundheit förderndes Elixir zu sich nehmen. Da er sich nicht krank fühlte und keine Medizin brauchte, wohl auch einen Verdacht gegen sie hegte, ließ er, als sie fort war, den Leibarzt rufen, der ihm sagte: „Um Gottes Willen! Majestät, es ist Gift!“

Am 1. September 1629 kam ohne Beistand Ellen Marswins Kirstens Tochter Elisabeth Sophie zur Welt, die rein rechnerisch nicht vom König abstammen konnte. Derzeit war er in den Dänisch-Niedersächsischen Krieg (1625–1629) verwickelt und außerdem gesundheitlich stark beeinträchtigt durch einen Sturz mit dem Pferd in eine Grube. In der Reihe ihrer Geschwister war sie das sog. „abgelehnte Fräulein“, wuchs ebenfalls bei Ellen Marswin heran, wurde mit sieben Jahren der Großmutter aber fortgenommen und ins Augustinerkloster nach Köln gebracht. Mit siebzehn trat sie zum Katholizismus über und starb dort 1687 als Nonne.

Ein Gesetz, das der König im Jahre 1611 erließ, als seine Königin erkrankte, drohte Ehebrechern Auspeitschen, Pranger und ähnliche Strafen an. Darum floh der Rheingraf nach Schweden. Ihm rechtzeitig zu folgen, gelang Kirsten nicht, daraufhin verbannte ihr Ehemann und König sie zu Hausarrest auf eines der Schlösser ihrer Mutter, wo sie aber weiter wie eine Königin Hof hielt. Jeder Kontakt zu ihren Kindern wurde ihr verboten. Ehe sie von Kopenhagen in die Verbannung reiste, entließ sie ihr Personal. Da bat ihre Mutter den König, die Kammerfrau ihrer Tochter übernehmen zu dürfen, die vielleicht am besten mit kleinen Kindern umgehen konnte. Es war Wibeke Kruse!

Während der Verbannung suchten Mutter und Tochter nach Wegen, die Gunst des Königs zurückzuerlangen. Dazu hatte wahrscheinlich die Tochter eine spezielle Idee und die Mutter ging darauf ein: Bei Gelegenheit eines Besuchs bei seinen Kindern sollte dem König die Kinderfrau Wibeke Kruse „ins Bett geschoben“ werden. Vielleicht war die Berechnung so, dass er danach eher geneigt sein könnte, Untreue gegen Untreue aufzurechnen und Kirsten den Ehebruch zu verzeihen. Der Plan glückte nur zum Teil. Zwar schwängerte der König Wibeke Kruse, aber er behielt die Betreuerin seiner Kinder als Lebensgefährtin bei sich, 18/19 Jahre, länger als jede andere Dame.

Nach neuen Erkenntnissen ist Wibeke Kruse die Tochter oder Schwester des Hausvogts von Krempe, der vorher Verwalter der Steinburg bzw. des Herrenhauses Drage war.3 Von seinen kürzeren oder längeren Aufenthalten bei Detlef Rantzau, dem Amtmann von Steinburg, muss sie dem König wohlbekannt gewesen sein. In ihrer neuen Würde pflegte sie nicht nur des Königs „Fräulein“, sondern umsorgte als bürgerliche Hausfrau auch ihn selbst. Das war neu, das gefiel ihm, das war eine Wohltat im fortschreitenden Alter, von Damen des Adels nicht zu erwarten! Dabei blieb sie das, was sie war: das Kind des Volkes, das zu Majestäten ehrfürchtig aufblickt. Sie hielt sich bescheiden, mischte sich nicht in Staatsangelegenheiten ein, forderte keine Sonderrechte für sich und ihre Kinder. Stets war sie auf des Königs persönliches Wohlergehen bedacht, war immer da, wenn er sie brauchte, sogar auch während der „Seeschlacht auf der Kolberger Heide“ 1644, wo er als schlimmste Verwundung ein Auge verlor.

Wibeke Kruse. Bildnis aus 1748, dem Jubiläumsjahr des dänischen Königshauses – Authentizität der Darstellung zweifelhaft, da Vorlage unbekannt. Schloss Rosenborg Kopenhagen. Von unbekannt - unbekannt, Bild-PD-alt, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=1872951

Doch ständig musste der König sich wegen dieser Liaison vor seiner Familie, dem Reichsrat und dem Volk rechtfertigen. Im Kreise der Höflinge wurde die Mätresse verachtet, genötigt, sich abseits in Nebengemächern aufzuhalten. War sie sichtbar, wurde sie angefeindet, ein Grund mehr dafür, dass der König um 1630 den Schwerpunkt seines Lebens in seine 1617 gegründete neue Stadt Glückstadt verlegte. Dann regierte er Dänemark von hier aus.

Als die von Ellen Marswin mitverursachte Schwangerschaft Wibeke Kruses sich dem Ende näherte, brachte der König die Gebärende auf das Eremitageschloss Ipstrup/Jägersborg, das er möglicherweise extra zu ihrer Sicherheit hatte bauen lassen. Dort im Norden Kopenhagens kam 1630 Christian Ulrich Güldenlöwe inmitten eines riesigen Naturwaldes zur Welt; der König war gerade frisch geschieden. Wenn es so war, dass er zu Zeiten einer Geburt aus Furcht vor Anschlägen Abgeschiedenheit suchen musste, dann könnte die Vermutung mancher Regionalgeschichtsforscher richtig sein, dass die gemeinsame Tochter Elisabeth Sophie 1633 auf Gut Bramstedt geboren wurde. Der König erwarb es 1631 für 19.000 Mark, ließ es nach der Verwüstung durch Wallenstein instandsetzen und schenkte es seiner Lebensgefährtin 1633 zur Lebensabsicherung als erbliches Eigentum. Aber auch in Glückstadt könnte Fräulein Güldenlöwe zur Welt gekommen sein, da Wibeke Kruse (nach Köhn) 1633 als Bewohnerin des Turmhauses Am Hafen 40 nachweisbar ist. Ein Geburtsregister gab es damals noch nicht.

Einmal müssen die heranwachsenden Kinder Kirsten Munks nach Gründen der Scheidung ihrer Eltern gefragt haben. Die Kammerfrau Wibeke Kruse, sagte man ihnen, habe dem König eine Geschichte von der Untreue seiner Gattin eingeflüstert und mit dieser Lüge die Ehe eigensüchtig zerstört. Nur so ist es zu verstehen, wieso Wibekes Schützlinge die feindselige Haltung des Hofes übernahmen, und ja, zu erbitterten Anführern der Gegner wurden und ihre frühere Wohltäterin „mit loderndem Hass“ verfolgten. Von dem Mordanschlag ihrer Mutter auf den Vater werden sie nichts erfahren haben.4

Von Leonora Christina Gräfin Ulfeldt dominiert, machten die Schwestern viele Versuche, „das Herz des Königs“ wieder für ihre Mutter zu erwärmen. Ellen Marswin, die wusste, wie es damals war, hielt sich zurück. Die Ehemänner der Schwestern, geführt von Kanzler Corfitz Ulfeldt, machten schließlich aus der Mesalliance des Königs eine Staatsaffäre und zum Gegenstand ihrer Machtpolitik. Weil die Mätresse den Plänen der Schwiegersöhnepartei im Wege stand, scheuten einige der Herren sich nicht, Wibeke in aller Öffentlichkeit zu demütigen, zu beschimpfen und sogar mit dem Tode zu bedrohen, – so der sonst wenig bedeutsame Graf Waldemar bei Hofe auf Koldinghus und Corfitz Ulfeldt im Feldlager Fuhlsbüttel. Wegen Lügen und Hinterziehungen wollte der Hofmeister ihr einen Prozess machen, um somit eine Verurteilung und lange Haftstrafe zu erwirken, das lehnte aber der Reichsrat ab. Nach dem Torstensonkrieg geriet Wibeke Kruse zeitweilig in materielle Not, weil Ulfeldt als Leiter der Rentekammer ihre Bezüge einbehielt.

Zur Schwiegersöhnepartei gehörte per Heirat mit Sohie Elisabeth von Schleswig-Holstein auch Reichsgraf Christian von Pentz (1610–1651), Gubernator und Festungskommandant in Glückstadt. Er hatte zu Wibeke Kruse ein entspanntes Verhältnis. Er kannte keine andere Frau an des Königs Seite. Als landwirtschaftlicher Gutachter und als Jurist brachte er die Schenkung des Gutes Bramstedt unter Dach und Fach. In der aufblühenden Residenz Glückstadt lebte die königliche Patchworkfamilie in Eintracht: der König mit seinen kleinen „Fräulein“ nebst Waldemar und Wibeke Kruse, Graf Pentz mit „Christiansdatter“ Sophia Elisabeth sowie Herzog Friedrich mit der Welfin Sophie Amalie, die 1644 auf Schloss Glücksburg heirateten. In einer etwa zeitgenössischen Aufzählung der Kruse-Gegner in der Schwiegersöhnepartei fehlt der Name Pentz.5

Nach dem Ende des Torstensonkrieges, August 1646, kam Kirsten Munk gegen das Verbot des Königs nach Glückstadt bei ihrer Tochter Gräfin Pentz zu Besuch, allein, und im Oktober/November noch einmal auf der Durcheise nach Altona mit reitenden Dienern. Der König residierte derzeit im Schloss und erfuhr davon, weil ihre Kutsche sich auf dem Steindamm mit der von Wibeke Kruse kreuzte. Er ließ ausforschen, was sie gewollt habe, daraufhin wurde ihr Arrest auf Fünen verschärft.

Reichsgraf Christian von Pentz. Stadtarchiv Glückstadt.

Nach vielen vergeblichen Verhandlungen wegen der Versöhnung war der Vorstoß des Kanzlers Christian Thomesen v. Sehestedt vom 11. November 1647 endlich von Erfolg, kurz vor des Königs Tod. Unter vielen Variationen von Unterwürfigkeitsfloskeln und Versprechungen zu künftigem Wohlverhalten der Bittsteller, darunter namentlich auch Christian Pentz, weist Thomesen den König auf etwas Wichtiges hin: die Wirkung des Familienzerwürfnisses auf die Untertanen! Er möge der Frau Kirsten Munck die Freiheit schenken, denn die von ihm ausgesuchten Schwiegersöhne in hohen Staatsstellungen und ihre Familien mit Kind und Kindeskindern möchten „vor aller Unehre und schlimmer Nachrede gesichert sein“. Als der König nach Monaten des Siechtums auf dem Wasserschloss Frederiksborg/Seeland sich nach Kopenhagen begab, um sich im „Gartenhaus“ Rosenborg zum Sterben zu legen, gab er lt. Bewilligung vom 26. Januar 1648 den Bitten nach. Kirsten Munck (1598–1658) erhielt ihre Freiheit zurück und durfte wieder zu Hofe kommen. Sofort machte sie sich auf den Weg. Doch ehe sie mit der Segelfähre von der Ostküste Jütlands über den Kleinen Belt und dann mit der Pferdekutsche quer durch Seeland bis zum Großen Belt gekommen war, war der König tot.