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Macht, Gier und Rock'n'Roll: das Leben des legendären Elvis-Managers Wer weiß, ob die Welt jemals von Elvis Presley gehört hätte, wenn er nicht gewesen wäre: Colonel Tom Parker, einer der skrupellosesten und geheimnisumwittertsten Manager, die es im Rockbusiness je gab. Er machte Elvis zum Star, beutete seinen Schützling gleichzeitig gnadenlos aus und gefährdete schließlich durch seine Spielsucht und seine halbseidenen Geschäftskontakte sein eigenes Werk. Elvis' Karriere ist ohne ihn undenkbar - weshalb sich Warner Bros. entschieden hat, James L. Dickersons Biografie als Grundlage für Baz Luhrmanns Kinofilm Elvis zu nehmen, in dem Parker von Tom Hanks verkörpert wird. Parker war schon als junger Mann eine schillernde Figur. 1909 in den Niederlanden geboren, wanderte er 1929 illegal in den USA ein und fürchtete sich lebenslang vor einer Abschiebung. In den folgenden Jahren lernte er das Entertainment-Handwerk als Helfer bei den Wanderbühnen, die mit ihrem Kuriositätenprogramm durch die amerikanische Provinz zogen. Seit 1938 managte er Sänger und Musiker, bis ihm 1955 sein Bravourstück gelang: Er entdeckte den jungen Elvis Presley und konnte seinen naiven Schützling und dessen Familie überzeugen, ihm sämtliche Entscheidungen über dessen Karriere zu überlassen. James L. Dickerson hat für seine Biografie aufwendig recherchiert und geht durchaus hart mit Parker ins Gericht, bleibt aber immer fair. Colonel Tom Parker zeichnet das fesselnde Porträt eines rücksichtslosen Machtmenschen, der mit seinem manipulativen Genie neue Weg bei der Vermarktung von Künstlern erschloss und der Erste war, der aus seinem Star eine Marke machte. Dadurch, dass Parker stets an Elvis' Seite war und jeden Schritt des Sängers kontrollierte, bringt dieses Buch auch viele neue Details über das Leben Elvis Presleys ans Licht - ein Muss für Fans des »King«, die ihren Star einmal aus einem neuen Blickwinkel betrachten wollen.
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Seitenzahl: 472
Veröffentlichungsjahr: 2022
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James L. Dickerson
Colonel Tom Parker
Das verrückte Leben des exzentrischen Managers von Elvis Presley
Aus dem Englischen von Waltraud Eckersberger
www.hannibal-verlag.de
Danksagung
Folgenden Personen und Organisationen möchte ich für die Unterstützung bei der Entstehung dieses Buches danken: Ed Frank von der Mississippi Valley Collection, University of Memphis; der Jean und Alexander Heard Library, Vanderbilt University; Frances Preston, Brenda Lee, Marshall Grant, Bobbie Moore, Paul Lichter, Al Dvorin; Diane Grey bei der Tampa Tribune; Carl Sedlmayr Jun., Laura Sedlmayr, Hal Kanter, Evelyn Black Tuverville, James Reid; John Bakke, University of Memphis; der Public Library of Nashville and Davidson County; dem FBI; Joan Jacka, Nevada Gaming Control Board; Debbie Taylor, Tampa Humane Society; Sharon Toon, Selective Service System; der Tampa-Hillsborough County Public Library; Loretta Bowman, Las Vegas, Nevada; Ave M. Sloane und Marian Smith, United States Immigration and Naturalization Service; Mark Medley, Country Music Foundation; Chips Moman, D. J. Fontana, Donna Presley Early; Sergeant Dan Grossi, Tampa Police Department; Claudia Anderson, Lyndon Baines Johnson Library; und ein besonderer Dank geht an den wahren Helden der Elvis-Presley-Saga, Scotty Moore.
Widmung
Für meine Mutter, Juanita Dickerson Caldwell
Impressum
Deutsche Erstausgabe 2022
© 2022 by Hannibal
Hannibal Verlag, ein Imprint der KOCH International GmbH, A-6604 Höfen
www.hannibal-verlag.de
ISBN 978-3-85445-723-7
Auch als Paperback erhältlich mit der ISBN 978-3-85445-722-0
Titel der Originalausgabe: Colonel Tom Parker: The Curious Life of Elvis Presley’s Eccentric Manager
Copyright © 2001 James L. Dickerson
Coverfoto © James R. Reid (Das Foto zeigt Parker, wie er in Memphis hinter Elvis Presley aus dem Zug steigt. Parker konnte das Land nicht verlassen, also holte er Elvis in New York ab und sie nahmen den Zug nach Memphis.)
ISBN 978-1-941644997
Sartoris Literary Group, Inc.
Jackson, Mississippi
www.sartorisliterary.com
Coverdesign und grafischer Satz in deutscher Sprache: Thomas Auer
Übersetzung: Waltraud Eckersberger
Deutsches Lektorat: Dr. Rainer Schöttle
Korrektorat: Manuela Tiller
Hinweis für den Leser:
Kein Teil dieses Buchs darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, digitale Kopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet werden.
Der Autor hat sich mit größter Sorgfalt darum bemüht, nur zutreffende Informationen in dieses Buch aufzunehmen. Alle durch dieses Buch berührten Urheberrechte, sonstigen Schutzrechte und in diesem Buch erwähnten oder in Bezug genommenen Rechte hinsichtlich Eigennamen oder der Bezeichnung von Produkten und handelnden Personen stehen deren jeweiligen Inhabern zu.
Inhalt
Kapitel 1 Die zweitgrößte Show auf Erden
Kapitel 2 Unterwegs mit Hank und Eddy
Kapitel 3 Der Colonel erschließt sich ein wildes Königreich
Kapitel 4 Der King rockt sich an die Spitze
Kapitel 5 Vom Rand des Abgrunds zurück ins Rampenlicht
Kapitel 6 Geteert und gefedert mit dem Glanz Hollywoods
Kapitel 7 Las Vegas zieht die Schlinge enger
Kapitel 8 Der König ist tot: Lang lebe der Manager
Anmerkungen
Bibliografie
Über den Autor
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Kapitel 2 Unterwegs mit Hank und Eddy
Im Winter 1943 fiel ein Filmteam von MGM in Tampa ein, um Szenen für den neuen Film mit Spencer Tracy, Kampf in den Wolken (A Guy Named Joe), zu drehen. Tracy spielt darin einen Kriegspiloten, der stirbt und zum Schutzengel für einen jungen Piloten wird. Weitere Darsteller waren Irene Dunne und der Newcomer Van Johnson.
Tracy war damals so ungefähr der einzige große Star, den es in Hollywood noch gab. Clark Gable, Robert Taylor, James Stewart und Robert Montgomery hatten sich freiwillig zum Militärdienst gemeldet. Weil so viele Schauspieler in Uniform waren, hatte MGM seine Produktion auf nur zwei Dutzend Filme pro Jahr eingeschränkt. Tracy hatte in jenem Jahr viele Drehbücher abgelehnt, bevor er Dalton Trumbos Kampf in den Wolken las. Es war eine sentimentale, fahnenschwenkende Geschichte, die Tracys Patriotismus ansprach.
Trumbo war der »König« der patriotischen Filme (Ende des Jahres arbeiteten Tracy, Johnson und Trumbo in Dreißig Sekunden über Tokio [30 Seconds Over Tokyo] zusammen), wurde aber später vor das Komitee für unamerikanische Aktivitäten zitiert und wegen seiner angeblichen Verbindungen zur Kommunistischen Partei in die Mangel genommen. Er weigerte sich, die Fragen des Komitees zu beantworten, und wurde wegen Nichtachtung des Kongresses verurteilt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis stand er jahrelang auf der schwarzen Liste und schrieb seine Drehbücher unter Pseudonymen.
MGM hatte Tampa als Drehort für Kampf in den Wolken ausgewählt, weil der Luftwaffenstützpunkt MacDill in den südlichen Ausläufern der Stadt lag. MacDill war das einzige größere Trainingslager der Army in Florida, und das Militär war mehr als willig, seine Einrichtungen den Filmgesellschaften zur Verfügung zu stellen. Das garantierte gute Publicity und unterstützte die Army bei der Rekrutierung neuer Soldaten.1
Eines Tages tauchte der Produktionschef des Films bei der Tampa Humane Society auf und fragte Tom Parker, ob er sich für ein paar Szenen einige Hunde ausleihen könne. Nur zu gern gab Parker ihm alle Hunde, die er brauchte. Nicht nur würde er ihm die Hunde ohne Berechnung überlassen, er würde sie sogar zum Stützpunkt begleiten und dafür sorgen, dass sie nach Möglichkeit machten, was die Dreharbeiten verlangten. Die Filmleute sahen in Parker zwar nur den kleinen Hundefänger, ihm aber verschaffte diese Erfahrung den ersten flüchtigen Einblick in das ganz große Showgeschäft, und sofort fing er Feuer.
* * *
Anfang 1944 sah es so aus, als würde Tom Parker zum Wehrdienst eingezogen werden. In Europa und im Pazifik wurde erbittert gekämpft, und ganze Schiffsladungen von Soldaten wurden dahingerafft. Bei der Einberufungsbehörde in Tampa blickte man auf die Zahlen für März und April und wühlte sich durch die Listen. Am 3. März 1944 schickte die Behörde ein Schreiben an Parker und bestellte ihn zur Eingangsmusterung ein.2
Zusammen mit Dutzenden weiterer Männer fand er sich in der Woche darauf zur Untersuchung ein. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, wo die Untersuchungen stattfanden, aller Wahrscheinlichkeit nach aber auf dem Stützpunkt MacDill. Nach seiner Ankunft wurde er gewogen, gemessen, und seine Augen und Ohren wurden oberflächlich untersucht. Ein Armeearzt prüfte seinen Blutdruck, hörte ihn ab und nahm seine bisherige Krankengeschichte auf.
Bis dahin war er mit dem medizinischen Personal immer allein gewesen. Das sollte sich ändern. Nachdem er die Untersuchungskabine verlassen hatte, sagte man ihm, er solle sich setzen und warten, bis sein Name aufgerufen werde. Er setzte sich auf einen Metallstuhl in einem Raum voller Männer, von denen die meisten einige Jahre jünger waren als er. Er war nicht lange dort, bis jemand auch seinen Namen rief … Thomas Andrew Parker.
Er stellte sich in eine Reihe mit den anderen Männern und kam in einen weiteren spärlich möblierten Raum. Die Männer wurden aufgefordert, zwei Reihen zu bilden, einer hinter dem anderen und Schulter an Schulter zu stehen. Ein Armeearzt wies die Männer im Befehlston an, ihre Hosen bis auf die Knöchel fallen zu lassen. Und sie wurden aufgefordert, breitbeinig dazustehen.
Falls der Arzt nicht außergewöhnlich lange Arme gehabt hatte, muss er Parkers Gesicht sehr nahe gekommen sein. Ohne Erklärung fing der Arzt mit seiner Routine an, die er bis zum Ende des Tages noch Dutzende Male durchführen würde.
»Drehen Sie den Kopf nach links«, sagte der Arzt.
Parker spürte, wie der Arzt ihm in die Hoden griff.
»Husten Sie«, sagte der Arzt.3
Die Untersuchung verfolgte zweierlei Ziele: Erstens, um festzustellen, ob die Art und Weise, wie sich seine Hoden beim Husten bewegten, Hinweise auf einen Weichteilbruch gaben; zweitens, um herauszufinden, ob Männer darunter waren, die eine Erektion bekamen, wenn sie ihre Hosen in Anwesenheit anderer Männer fallen ließen. Bevor Parker die Untersuchungsstelle an jenem Tag verließ, wusste er, dass er die begehrteste Klassifizierung erhalten hatte, die ein Mann bekommen konnte. Er wurde als 4-F klassifiziert, was bedeutete, er war aufgrund »körperlicher, mentaler oder moralischer Gründe« für den Militärdienst abgelehnt worden.4
Eine physische Disqualifizierung hätte sich auf beliebig viele Beschwerden stützen können. Eine mentale Disqualifizierung stützte sich eher auf emotionale Probleme als auf tatsächliche mentale Defizite, obwohl Kandidaten mit besonders niedrigem IQ gewöhnlich übergangen wurden. Die »moralische« Disqualifizierung stützte sich gewöhnlich darauf, dass der Rekrut für homosexuell gehalten wurde. Warum Parker abgelehnt wurde, kann nicht mehr nachvollzogen werden, denn laut Gesetz ist das Selective Service System dazu verpflichtet, diese Unterlagen nach einem bestimmten Zeitraum zu vernichten. Dass Parker jedoch aufgrund von physischen Problemen abgelehnt worden wäre, ist kaum anzunehmen, denn er lebte nach der Untersuchung noch dreiundfünfzig Jahre.
Am 16. März schickte die Einberufungsbehörde Parker ein Schreiben, in dem er offiziell über seine Klassifizierung als 4-F benachrichtigt wurde; im September des darauffolgenden Jahres wurde seine Klassifizierung auf 4-A geändert, was bedeutete, dass er mit sechsunddreißig Jahren zu alt für den Militärdienst war.5 Er war gerade noch einmal davongekommen.
* * *
Der Gitarrist Eddy Arnold aus Henderson, Tennessee, gehörte zu den vielversprechendsten aufstrebenden Countrymusikern im Jahr 1944. Noch war er kein Star, aber er war auf einem guten Weg dahin. In jenen Tagen begann eine Karriere im Musikgeschäft häufig mit Auftritten bei einem lokalen Radiosender. Livemusik gehörte bei den meisten Sendern zum festen Programm, und gewöhnlich war es für einen ambitionierten Sänger nicht schwierig, gebucht zu werden.
Arnold gab sein Radio-Debüt im Jahr 1936 bei einem Sender in Jackson, Tennessee. Von dort aus fuhr er zu Sendern in Memphis und St. Louis und wieder zurück nach Jackson, wo er sechs Jahre lang regelmäßig beim Sender WTJS auftrat. Die Künstler wurden für ihre Liveauftritte nicht bezahlt; man erwartete von ihnen, dass sie um der Erfahrung willen kamen, die sie auf diese Weise sammeln konnten.
Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, spielte Arnold wann immer möglich in Clubs und nahm einen Teilzeitjob als Gehilfe in einem Bestattungsinstitut an. Dort war es seine Hauptaufgabe, einen Rettungswagen zu fahren. Der Bestatter stellte ihm einen Schlafplatz im Bestattungsinstitut zur Verfügung und bezahlte ihm fünfundzwanzig Cents für jede Leiche, die er brachte – was in den Situationen der Fall war, wenn der Rettungswagen nicht rechtzeitig zur Stelle war, um ein Menschenleben zu retten. Wenn er bei einer Bestattung mitarbeitete, bekam er jeweils fünfzig Cent, und wenn er einen Anzug trug und als Sargträger fungierte, erhielt er eine Zulage.
Im Jahr 1943 zog Arnold die Aufmerksamkeit von Dean Upson auf sich, einem leitenden Mitarbeiter des Radiosenders WSM, der die Buchungsagentur Artistsʼ Service Bureau betrieb. Gegen eine Provision von fünfzehn Prozent wurde Arnold von der Agentur für Liveauftritte gebucht, und Arnold durfte sich als Star der »Grand Ole Opry« bezeichnen. Upson wollte Arnolds persönlicher Manager werden; er bot ihm einen Fünfjahresvertrag, doch der Sänger wollte sich nicht über einen so langen Zeitraum verpflichten und schloss nur einen Jahresvertrag ab.6
Im selben Jahr erschien im Radio Mirror ein Bericht über Arnold, in dem es hieß, der Sänger »gewinnt mit jedem Auftritt an Popularität«. Tom Parker las den Bericht und nahm sich vor, den Künstler im Auge zu behalten. Zwar hatte Arnold noch keinen Plattenvertrag, aber der Fünfundzwanzigjährige löste zweifellos Begeisterungsstürme aus, und Parker fand, er habe das Aussehen und die Stimme eines Plattenstars. Im Jahr darauf zeigte sich, dass Parker richtiggelegen hatte, denn Arnold, der sich inzwischen Tennessee Plowboy nannte, unterschrieb einen Plattenvertrag mit RCA Victor.
Inspiriert von seinem kurzen Flirt mit dem Filmgeschäft und erleichtert, den Fängen der US-Army entkommen zu sein, nahm sich Parker ein paar Tage frei von seinem Job im Tierheim und fuhr nach Nashville. Alle, mit denen er in der Branche gesprochen hatte, hatten ihm gesagt, er müsse in der Music City sein und den Größen der Countrymusik Honig um den Bart schmieren, wenn er hauptberuflich als Veranstalter arbeiten wollte. In Tampa hatte er in kleinem Rahmen ein bisschen Werbung für die Grand-Ole-Opry-Stars Ernest Tubb und Roy Acuff gemacht, und das hatte gereicht, um ihm die Tür zum Ryman Auditorium zu öffnen.
Die Opry war schon seit 1925 auf Sendung, lief jedoch anfangs unter dem Namen WSM Barn Dance. Weil WSM eine Tochtergesellschaft der NBC war, bekam der Sender mehrere Stunden Programm täglich aus New York. Im Gegenzug lieferte WSM der NBC wöchentlich mehrere Popmusik-Shows sowie Sendungen mit großer Orchestermusik. Die populärste Sendung war „Sunday Down South“ mit Dinah Shore und Snooky Lanson.
Samstagabends stand bei der NBC die beliebte Music Appreciation Hour auf dem Programm, in der klassische Musik und Opern gespielt wurden. Als Kontrastprogramm übertrug WSM unmittelbar nach der NBC-Sendung Barn Dance. Eines Abends, während der WSM-Sprecher sich über die ernste Musik in der NBC-Sendung lustig machte, stellte er Barn Dance als »Grand Ole Opry« vor. Der Name blieb hängen, und als WSM später die Übertragungsstärke von 1000 auf 50 000 Watt erhöhte, konnte die Opry in fast allen Haushalten im Land gehört werden.
Die Eigentümer des Senders WSM mussten für die Ausstrahlung heftige Kritik von ihren Freunden einstecken, weil viele in Nashville fanden, sie würde die Stadt in einem schlechten Licht darstellen; aber außerhalb des Stadtgebiets von Nashville wurde die Sendung ausgesprochen erfolgreich, und schon bald strömten Country-Fans in die Stadt, um ihre Helden live zu hören. Schnell wurden die Räumlichkeiten des Radiosenders zu klein für die Opry. WSM probierte mehrere neue Standorte aus, darunter das War Memorial Building, bevor das Ryman Auditorium dauerhaft zur Heimat der Opry wurde.
An jenem Samstagabend, als Parker das Ryman besuchte, war Eddy Arnold als Vorprogramm für die Übertragung aus der Opry vorgesehen. Möglicherweise war es kein Zufall, dass Parker dort war. Vielleicht hatte er seinen Besuch so geplant, dass er mit Arnolds Auftritt zusammenfiel. Wie auch immer es zu dem Treffen kam, Parker stellte sich Arnold vor und behauptete, als Promoter könne er viel Gutes für ihn tun. Arnold war beeindruckt von Parker, hatte aber manchmal Schwierigkeiten, seinen gutturalen Akzent zu verstehen.7
Während Parker in Nashville war, erfuhr er, dass die Opry plante, sich an einer reisenden Zeltshow zu beteiligen, um in den Kleinstädten im Süden Werbung für ihr Programm und dessen Sponsoren zu machen. Die Show würde aus vier Einzelvorstellungen in einer Art Zirkuszelt bestehen; eine davon sollte Eddy Arnold bestreiten. Parker ließ das Management der Opry wissen, diese Art von Show sei genau das Richtige für ihn, denn er sei vom Meister Carl Sedlmayr persönlich in der Kunst ausgebildet worden, ein Schaustellerunternehmen zu führen.
Parker wurde vom Fleck weg engagiert. Er kehrte nach Tampa zurück und kündigte seine Arbeitsstelle bei der Humane Society, erwarb einen gebrauchten Lkw, der groß genug für den Transport seiner notwendigen Ausrüstung war (Plakate, Eimer mit Klebstoff, Bürsten etc.) und bequem genug, um darin zu schlafen, während er unterwegs war. In der Unterkunft engagierte er einen Mitarbeiter, einen Mann namens Bevo, der ihn bei der Werbung unterstützen sollte.
Als die Zeltshow in Florida ankam, setzte Parker alle Hebel in Bewegung und arbeitete unermüdlich, um für die Künstler zu werben. Seine Aufgabe war es, mehrere Tage vor der Show in die Stadt zu reisen und überall dort Ankündigungsplakate anzukleben, wo sie auffallen würden. Dazu wurde von ihm erwartet, Verbindungen zu den örtlichen Radiosendern und Zeitungen herzustellen und das Interesse an der Show zu wecken. Wenn viele Leute kamen, war es Parkers Verdienst. Wenn nur wenige kamen, hatte er stets eine Erklärung parat, mit der er jemand anderem die Schuld zuschob.
Mit Parker in dem heruntergekommenen, stotternden alten Lkw, den er hellgelb lackiert hatte, reiste sein Gehilfe Bevo, der über Nacht vom Gehilfen eines Hundefängers zum Gehilfen eines Konzertpromoters aufgestiegen war. Eddy Arnold beschreibt Bevo in seiner Autobiografie It’s a Long Way From Chester County als Hilfsarbeiter beim Zirkus, der ihn als ein echter Charakter beeindruckt habe. »Er hielt sich für einen echten Kerl, einen Frauentyp, und er trug alle möglichen seltsamen Kleidungsstücke, die andere weggeworfen hatten, wie zum Beispiel Hosen, die zu groß oder zu klein waren, Jacken mit Schultern, die fast bis zu seinen Ellenbogen hingen, oder Farben, die nicht zusammenpassten«, schrieb Arnold. »Und er mochte die Frauen, so wie manche Männer trinken oder spielen, und das hat ihm immer eine Menge Ärger eingebracht.«
Bevos Aufgabe war es, die von Parker aufgehängten Plakate vorsichtig wieder abzulösen und einzusammeln, damit sie wiederverwendet werden konnten. Manchmal verschwand er für mehrere Tage am Stück. Gewöhnlich hatte es mit Frauen zu tun, die er unterwegs kennengelernt hatte. Bevo erzählte den Frauen gern, dass er Eddy Arnolds Manager sei, und manchmal glaubten ihm die Frauen und liefen mit ihm davon in die nächste Stadt, nur um dann wieder zu Mutter nach Hause zu eilen, wenn sie herausfanden, dass er gelogen hatte und kaum mehr als ein Hilfs-Roadie war.
All das brachte Parker auf die Palme, weil er die Plakate immer für die nächste Stadt brauchte; laut Arnold jedoch konnte er Bevo nie lange böse sein. Jedes Mal, wenn er wieder einmal verschwunden gewesen war, schrie Parker ihn an und warf ihm vor, alle im Stich zu lassen, um ihm dann, weil er offensichtlich nicht alle Tassen im Schrank hatte, auf die Schulter zu klopfen und ihm zu sagen, dass er wieder an die Arbeit gehen solle.
Allen Berichten nach war Parker ein wagemutiger Promoter. Einmal, so wird erzählt, fuhr er durch eine Stadt, wo gerade eine einheimische Band auf einer Freilichtbühne auftrat, und die Vorstellung wurde live im Radio übertragen. In einer kurzen Pause zwischen zwei Nummern spurtete Parker von seinem Lkw los und hüpfte auf die Bühne, griff sich das Mikrofon und teilte den Zuhörern mit, dass sie einen wirklich guten Künstler, nämlich Eddy Arnold, in der Zeltshow am anderen Ende der Stadt verpassen würden. Als ihm das Mikrofon schließlich entrissen wurde, hatte er alles gesagt, was er hatte sagen wollen, und damit ein paar Minuten teurer Sendezeit für seinen Klienten gestohlen.
Arnold wusste zu schätzen, wie viel Mühe er sich gab, und sagte ihm das auch.
Als die zweiwöchige Tour vorüber war, teilte Parker Arnold mit, dass er sein Manager werden wolle. Arnold meinte, er habe schon einen Manager, aber der Vertrag würde im Jahr darauf auslaufen. Auf Parkers Frage, ob er mit seinem Management glücklich sei, antwortete Arnold, er habe zwar einen Plattenvertrag mit RCA unterschrieben, aber bisher noch keine Songs aufgenommen. Sein Einkommen mit Manager sei nicht viel höher, als es ohne Manager gewesen sei.
Parker erzählte ihm, was jeder Manager von jeher einem potenziellen Klienten gesagt hat, nämlich, dass ihn die Leute reihenweise bis aufs Hemd ausziehen würden, ihm hier ein paar Cent und da ein paar Cent stehlen würden, wodurch ein hübsches Sümmchen zusammenkäme. Wenn er sein Manager wäre, würde er die Mittelsmänner ausschalten und sich um sein Geld kümmern. »Junge, ich mach dich zu einem Star!« In Arnolds Ohren hörte sich das einfach prima an.
Im Dezember 1944 buchte RCA eine Aufnahmesession für Arnold. Die beiden Songs, die er an jenem Tag aufnahm, »Mommy, Please Stay Home With Me« und »Mother’s Prayer«, wurden im Monat darauf veröffentlicht. Nach den Maßstäben des Jahres 1945 war die Platte sehr erfolgreich, die gesamten 85 000 gepressten Exemplare wurden verkauft. Arnold war in Hochstimmung. Zwei weitere im selben Jahr veröffentlichte Songs, »Many Tears Ago« und »Cattle Call«, verkauften sich weniger gut, aber seine Plattenkarriere hatte gut angefangen, und er war sich dessen bewusst.
* * *
