D R O G E N S T U R M - Roland Eberhardt - E-Book

D R O G E N S T U R M E-Book

Roland Eberhardt

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Beschreibung

Diese Autobiografie Roland Eberhardts zeigt auf eindringliche und ungeschönte Weise das Bild eines Menschen, der in seinem Leben absolut nichts ausgelassen hat: Schon früh rutschte er in die Welt der Kriminalität, wurde drogenabhängig, Dealer und gewissenloser Zuhälter. Schließlich wurde er während seiner Heroinabhängigkeit sogar zum Bankräuber und er hat auch zweimal versucht, sich umzubringen. Eberhardt saß mehrfach in U-Haft und im Gefängnis und entschied sich 2002 - nach fast 20 Jahren schwerer Kokain-, Heroin- und Alkohol-Abhängigkeit - im Alter von 40 Jahren noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Und es ist ihm tatsächlich gelungen: Der mittlerweile dreifache Vater lebt seit 20 Jahren absolut abstinent und ist mit seiner Frau, die viel Leid mit ihm geteilt hat, bis heute glücklich zusammen. Seine Geschichte beweist, dass man sich - egal wie schlecht und aussichtslos die Situation auch sein mag - niemals ganz aufgeben darf. Das Leben ist zu wertvoll, um es für immer der Sucht zu überlassen. Daher möchte er mit diesem Buch anderen Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln. Seine Message: "Wenn ich es schaffe, können es andere auch! Man darf nie den Glauben an sich verlieren, denn es ist nie zu spät, um noch einmal ganz von vorn anzufangen!"

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Seitenzahl: 510

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Impressum

Roland Eberhardtc/o SP-Day.de Impressum-ServiceDr. Lutz Kreutzer

Putzbrunner Straße 9c81737München

[email protected]

Druck: epubli – ein Service der neopubli GmbH, Berlin (2022)

Der

D R O G E N S T U R M

des

Roland Eberhardt

Ich kann jeden Menschen nur raten

vernünftig zu bleiben und sich nicht mit

Alkohol und Drogen anzulegen.

Wie schlimm es werden kann, erzählt

meine Geschichte.

Viele Jahre war ich abhängig von Alkohol, Kokain, Heroin und Schmerzmitteln, ich war spielsüchtig, Zuhälter und wurde während meiner Sucht, um meine Heroinschulden bei meinem Dealer zu bezahlen, aus Verzweiflung zum Bankräuber.

Heute lebe ich das Wort Verantwortung und bin mein eigenes Vorbild, das war aber leider nicht immer so, denn ich habe in meiner Vergangenheit, sehr vielen lieben unschuldigen Menschen, sehr viel Leid zugefügt.

Selbst wenn der liebe Gott persönlich mir in einer Glaskugel meine Zukunft gezeigt hätte, wäre mit Sicherheit alles genauso passiert, da ich es ihm niemals geglaubt hätte!!

Ein Sportler wie ich, der im Alter von 22 noch nicht rauchte, keinen Alkohol trank und für den Drogen, ein Fremdwort war, wird zum alkoholkranken Junkie auf Heroin. Niemals.

Erst wenn du akzeptierst,

dass du der geworden bist, der du niemals sein wolltest, erst dann weißt du, was du falsch gemacht hast.

Ich bin kein Schriftsteller und habe auch nur den Hauptschulabschluss, trotzdem wollte ich meine Geschichte mit meinen Worten erzählen. Ich bitte mir zu verzeihen, wenn es sich für den einen oder anderen nicht so liest, als wenn es ein Profi geschrieben hätte.

Ausdrücklich soll niemand meinen bisherigen Lebenserlebnissen nacheifern, bitte nur die positiven

Aspekte für sich selbst überdenken.

Geboren bin ich am 13.5.1962 in Wilhelmshaven als zweites von vier Kindern. Unser Vater Georg - Jahrgang 1925 - und unsere Mama Marianne (1931) zogen Anfang der 60er-Jahre mit unserer Schwester Marina geb. 1956 von Duisburg nach Wilhelmshaven, 1962 wurde ich 1964 Doris und 1965 Georg jun. geboren.

Mein Vater und auch unsere Mama bereisten als Propagandisten mit ihren Verkaufsständen Märkte und Fußgängerzonen. Sie priesen mit einer gekonnten Vorführung ihre Artikel vor Publikum an und machten sie so für die Kunden unwiderstehlich. Einmal war ich dabei, wie mein Vater ein Mittel zum Teppichreinigen vorführte, sehr viele Menschen standen im Kreis um seinen Teppich und hörten ihm aufmerksam zu. Als er schließlich mit seiner Vorführung fertig war, hielten alle einen Geldschein hoch und wollten eine Flasche von dem Zeug kaufen. Ich war gerade fünf oder sechs Jahre alt, aber seit diesem Tag stand für mich fest, das mache ich später auch!

Unser Vater war öfter für mehrere Wochen am Stück von zu Hause weg. Kam er nach Hause, hat er uns immer Geschenke mitgebracht, das fanden wir schön. Was nicht so schön war, war seine Art Probleme (wenn es denn überhaupt welche waren) in der Familie zu lösen.

Wenn es untereinander mal streitig wurde und einer von uns anfing zu weinen oder wenn wir mal Mist gebaut haben, was bei Kindern schon mal vorkommt, dann hat er uns hart und schmerzvoll mit Schlägen bestraft. Er hat auch keine Probleme damit gehabt, unsere liebe Mama vor unseren Augen zu schlagen. Ich habe meinen Vater geliebt, aber für das, was er mir meinen Geschwistern und unserer Mutter angetan hat, habe ich ihn gehasst. 1971 sind wir in ein schönes altes Eckhaus direkt in der Stadtmitte von Duisburg gezogen und keine 150 Meter weiter in einer Unterführung der Fußgängerzone hatten meine Eltern einen Laden für Damenbekleidung, der täglich sehr viel Umsatz ein brachte. Geld war bei unserem Vater damals reichlich vorhanden und wenn einer von uns ein neues Fahrrad wollte, zog er ein großes Geldknödel aus seiner Hosentasche und es wurde gekauft! Ab und zu ist mein Vater auch noch auf den Wochenmarkt gefahren und wenn ich konnte, war ich immer mit dabei!

Mein Freund Frank und ich waren in dieser Zeit die besten Freunde, wir waren jeden Tag zusammen, spielten Fußball, zogen durch die City oder sind Baugerüste hochgeklettert, dann aber eines Tages und so ganz ohne Ankündigung ohne Verabschiedung war er nicht mehr da. Seine Mutter und er sind über Nacht nach Wolfsburg gezogen, für mich ist damals eine kleine Welt zusammengebrochen, ich wusste überhaupt nicht, was los war, das war für mich damals sehr verstörend und nicht zu begreifen!

Erst viel später habe ich erfahren, dass es bei ihnen familiäre Probleme gab und es deswegen keiner vorher wissen durfte. 1976 zogen wir nach Großenbaum einen Stadtteil im Duisburger Süden. Wir lebten uns gut ein und hatten schnell viele neue Freunde.

Zwei Häuser neben uns wohnte die Moni, sie spielte oft mit uns Jungs Fußball und ich war von Anfang an in sie verliebt. 1978 wurden wir beide ein paar und waren von da an unzertrennlich. Nach meinem Hauptschulabschluss und einem Jahr Handelsschule, die ich trotz Versetzung abgebrochen habe, hatte ich ein kurzes Gastspiel als Bäckerlehrling beim Bäckermeister Müller, einem Schwager meiner Freundin. Ich wollte nach der Schule eigentlich mit auf den Markt fahren, aber mein Vater sagte, eine Lehre wäre was Anständiges, was auch immer er mir damit sagen wollte. Der Lohn auf jeden Fall war unanständig. Die 175 Mark im Monat reichten vorne und hinten nicht, aber mein Vater hat mir, wenn ich Geld brauchte, immer ein Paar Scheine die Hand gedrückt.

Die Lehre war hart, um 4 Uhr musste ich in der Backstube sein und oft wurde bis 13 Uhr gearbeitet, das war überhaupt nicht das, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte. Dann an einem sehr warmen Tag, die anderen waren schon gegangen, war ich wie immer der letzte, ich wollte ich mich gerade auf mein Moped schwingen, um mit meiner Freundin zum Schwimmen zu fahren, da kam der Bäcker Müller mit einem Sack harter Brötchen um die Ecke und sagte zu mir „hier mahl mal eben schnell noch Paniermehl". Da habe ich vor den Sack getreten und gesagt, ``das kannst du selbst mahlen, ich kündige``! So war meine Karriere als Bäcker, bevor sie richtig anfing, auch schon wieder vorbei! Mein Vater hatte kurze Zeit später, wie er sagte Probleme mit der Stadt Duisburg und unser Laden in der Unterführung, der sehr gut lief, bekam einen neuen Inhaber. Ich fuhr dann mit meinen Eltern auf den Markt, ich habe ihnen geholfen und beim Verkaufen zugesehen, das war mir wesentlich angenehmer als der Backstubenstress! Mit 16 bekam ich von meinem Vater 200 Mark wöchentlich bar auf die Hand, ich hatte eine Hercules K50 unterm Hintern und eine großartige Freundin im Arm, ja es war eine sehr schöne Zeit damals.

Mit 17 habe ich in Rekordzeit meinen Autoführerschein gemacht, und an meinem 18. Geburtstag habe ich endlich den heiligen Lappen in den Händen gehalten, von da an verbrachte ich jede freie Minute im Auto! Seit ich denken konnte, habe ich mich für Autos interessiert, ich hatte hunderte Spielzeugautos, mit sechs Jahren konnte ich schon lesen und lernte alle Daten von den Autos aus den Quartettspielen auswendig. Mein erstes Auto war gleich ein Audi 100. 1980 sind meine Eltern mit uns nach Rheinberg in ein schönes Einfamilienhaus gezogen. Von dort bin ich fast ein Jahr lang mit meiner Mutter jeden Morgen von Rheinberg nach Euskirchen gefahren. In der Fußgängerzone von Euskirchen vor einem Supermarkt bauten wir unseren Stand auf und abends fuhren wir wieder zurück nach Rheinberg. Anschließend bin ich direkt nach Duisburg zur Moni gefahren und spät abends um 23 Uhr wieder zurück nach Rheinberg und morgens um 7 ging es wieder Richtung Euskirchen.

Jeden Tag über 300 Kilometer und meistens fuhr ich nach Stoppuhr, meine arme Mama war die ganze Zeit neben mir am Beten. Habe ich mal eine Strecke in einer Stunde und sechs Minuten geschafft, dann musste es beim nächsten Mal eine Minute schneller sein! Der Punktestand in Flensburg hat sich meiner Fahrweise dementsprechend angepasst! In meiner Freizeit bin ich oft in Spielhallen gewesen und habe mich mit den Spielen Donky Kong, Missile Command und PacMan beschäftigt. Jeder Automat hatte eine Rangliste mit den Initialen des Highscore und mein R.E. musste bei diesen 3 Spielen immer ganz oben stehen! 1982 sind Moni und ich in unsere erste eigene Wohnung gezogen, Moni hat praktischerweise direkt um die Ecke in der Bäckerei ihres Schwagers gearbeitet. Mein erstes Auto war noch ein Audi 100 ein Jahr später wurde es ein Ford Granada 2,3 und keine 2 Monate später bin ich umgestiegen auf Opel Diplomat 5.4. Mit gerade mal 19 einen Opel Diplomat zu fahren, war meine Welt, nicht um auf die Brause zu hauen, nein das war pure Leidenschaft, und ich wollte nicht ein Auto fahren ich wollte am liebsten alles fahren.

Hier ein Auszug der Fahrzeuge, die ich mir bis zu meinem ersten Führerscheinentzug von 1980-1985 gekauft habe.

1x Audi100, 2x VW Bus T2, 11x (in Worten: ELF) Mercedes S Klasse von 280 S - 350SEL, 2x Opel Diplomat 5.4, 1x Opel Admiral 2,8, 1x Ford Granada 2,3, 1x Ford Granada 2,8i, 1x Chevrolet Blazer K5. Ich war so oft beim Straßenverkehrsamt Autos um ab und anmelden, die haben gedacht, ich bin Autohändler!

Aber anstelle mich an einem schönen Auto zu erfreuen und zu behalten, nachdem ich es zusätzlich noch für viel Geld veränderte, u.a. mit einer HiFi-Anlage, breite Reifen mit Alufelgen, usw., verkaufte ich es mit Verlust, um mir dann ein anderes zu kaufen und dieses wieder umzubauen.

Ich stand immer schon darauf, ein Auto zu verändern und schick zu machen, allerdings hätte ich beim Verkauf anstelle eines Verlustes Gewinn damit machen sollen! In den Spielhallen hat sich dann eine Wende angekündigt, die Spiele, die ich gut beherrschte und mittlerweile mit einer Mark bis zu einer Stunde und länger spielen konnte wurden aussortiert. Die neuen Automaten wurden immer komplizierter und ich hatte absolut keine Lust, noch mal viel Zeit und Geld zu investieren, um dahin zu kommen, wo ich eigentlich schon war. So habe ich mich nach was anderem umgeschaut und mich für Poolbillard entschieden. Ich schaute den guten Spielern fasziniert beim Spielen zu, wie sie eine Kugel nach der anderen in das Loch versenkten bis zum Ende die 8 fällt. Ich hatte vorher schon öfter 3 Band Billard mit meinem Vater gespielt und kannte mich also ein wenig aus und machte dann Pool zu meinem neuen Spiel. Ich kaufte mir einen guten Billardqueue und übte so lange allein, bis die Kugeln nacheinander nur so rein gingen! Mit 19 meldete ich mich in der Muckibude an, weil ich fand, mehr Muskeln können nicht schaden.

Und da ich alles, was ich machte, immer mit vollem Einsatze und viel Ehrgeiz vollzog, habe ich mich im Bodybuildingstudio auch voll reingehangen! Dort lernte ich auch Michael kennen, er war zwei Jahre älter und schon etwas weiter mit dem Training, wir wurden Trainingspartner und schnell die besten Freunde. Meine Freundin Moni musste den ganzen Tag Arbeiten und ich machte das, was mir Spaß machte, dazu gehörte leider auch das ich nicht weggeschaut habe, wenn ein anderes Mädchen mich angelächelt hat. Beim Billard wurde bald um Geld gespielt, erst um fünf, dann für zehn Mark. Ich war mittlerweile so gut in dem Spiel, das ich regelmäßig gewann, damals noch nicht viel, mal 20 oder auch 40 Mark, aber auch mal 100 je nachdem wer da war und wie hoch der Einsatz wurde. Ich war mit meinen Leben bis dahin sehr zufrieden. Meine Haare waren immer frisch geföhnt, von den Schuhen bis zum Hals habe ich nur Lederklamotten getragen und mit gerade mal 20 hatte ich einen Oberarm von 40 Zentimeter Umfang, eine Rolex am Handgelenk und einen Mercedes 280 SE vor der Türe!

Beruflich, wenn es denn überhaupt ein Beruf ist, eher ist es eine Berufung, fuhr ich als Propagandist oder wie wir es sagen als "Spezialist" (ein Verkäufer, der mit einer Vorführung seine Artikel anpreist) von einem Wochenmarkt zum nächsten. Es wurde immer gerade der Artikel verkauft, der den meisten Gewinn abgeworfen hat, und einer davon war über einen sehr langen Zeitraum ein Perlator für den Wasserhahn, wir nannten ihn "Wasserfix". Er war mit einem Kugelgelenk ausgestattet, so konnte man den Wasserstrahl praktischerweise um 360 Grad schwenken.

Der Wasserfix hatte einen normalen Wasserstrahl, den jeder Perlator hat, aber wenn man seinen Kopf nach unten zog, verwandelte er sich in einen Brausestrahl. So konnte man dann die Spüle sauber machen oder z. B. den Salat abduschen. Mit einem Wort "genial", und der war so genial, dass wir ihn heute noch an jedem Wasserhahn haben, ohne geht gar nicht! Zum Vorführen hatte ich eine mobile Klappspüle im Auto. Sie war zusammengeklappt nur einen Meter breit und 30 Zentimeter hoch und passte so in jeden Kofferraum, zum Aufbau wurden die Seitenwände aufgerichtet, zwei Schiebetüren reingestellt, die Spüle obendrauf gelegt, ein Eimer mit Wasser wurde unter die Spüle gestellt, eine Pumpe kam in den Eimer, ein Wasserhahn wurde angeschraubt, Stromkabel gelegt, die Ware in einen Korb auf die Spüle gestellt und fertig war das Imperium.

Ohne zu übertreiben war der Wasserfix in dieser Zeit, einer der genialsten Artikel auf den Märkten, er war über Jahre ein Umsatzgarant. Es gab einen Wasserfix-Verkäufer in der Düsseldorfer Altstadt, er stand sechsmal die Woche mit seinem Stand direkt am Eingang von Woolworth, er wurde in zwei Jahren damit zum Millionär. Auch auf den Märkten wurde jahrelang mit diesem Artikel viel Geld verdient und wer clever war, der konnte sich leicht ein Haus davon kaufen.

Im Verkaufen war ich spitze, aber das mit dem Haus hat bei mir nicht funktioniert. Ein Grund war, dass mein Vater mich immer davor gewarnt hatte, ein Haus zu kaufen. Er sagte öfter als einmal zu mir, kauf dir niemals ein Haus, Häuser seien nur Belastung. Die Erklärung dafür kommt später. Ich habe mein Geld halt für Autos ausgegeben und jeden Tag Arbeiten war auch nicht so mein Ding. Geld war immer genug da, denn jeden Tag gab es, an jeder Ecke Neues. 500 – 1000 Mark von 9 bis 12 Uhr waren kein Problem, wohlgemerkt nach Abzug der Ware und der Kosten. Für noch mehr Geld musste man nur mehr auf die Tube drücken oder von 8 bis 13 Uhr arbeiten. Wer wollte und fleißig war, konnte damals jeden Tag mit diesen Summen nach dem Wochenmarkt nach Hause gehen!

Zum Billardspielen war ich Stammgast in der Spielhalle auf dem Salvatorweg und da waren u.a. Typen anwesend, die optisch genauso aussahen wie ich, dicke Oberarme, eine Rolex am Handgelenk, Lederklamotten vom Hals bis zu den Schuhen, immer ein Geldknödel zur Hand und jeder von ihnen fuhr einen Mercedes mit dicken Alufelgen. Der Unterschied allerdings zwischen ihnen und mir war, ich fuhr auf den Markt und die anderen waren Zuhälter, man sprach sich an, eine Partie Billard für einen 10er nur für Spaß? Schon kam man in Kontakt und lernte sich kennen!! Einmal stand ein Zuhälter aus Berlin in der Halle, sehr groß, sehr dicke Arme, goldene Rolex mit Brillis am Arm und einen fetten Daimler 450 SEL 6.9, tiefschwarz mit dicken Rädern vor der Tür. Er stand sehr ungünstig am Fußende des Billardtisches und unterhielt sich mit einem anderen wichtigen luden aus Duisburg, er sah so gefährlich aus, dass ich die Kugel beim Anstoß leider zu weit unten erwischt habe und ihm diese direkt vor seinen frisch geföhnten Kopf knallte. Er zog sofort eine Riesenknarre aus seinem Mantel, zielte auf mich, spannte langsam den Hahn und sagte, wenn du nicht mit einem Freund von mir spielen würdest, hättest du jetzt eine Kugel im Kopf! Ich entschuldigte mich und war schwer beeindruckt! Was für ein Vortrag. Genauso passiert. Ich habe dann immer öfter um Geld gespielt, die Einsätze wurden höher und es lief!

Ich war immer noch 20 und dachte, ich habe es voll drauf. Ein Holländer und Ex-Fußballprofi eröffnete bei uns in der City ein Fitnessstudio. Michael, Moni und ich haben gleich einen Vertrag abgeschlossen, diese Muckibude wurde mein zweites Zuhause. In der Woche haben wir stundenlang das Eisen bewegt und am Wochenende wurde mit den Jungs aus dem Studio Fußball gespielt, wir hatten eine Fußballmannschaft, mit der hätten wir locker in der Bezirksliga mitspielen können, da waren richtig gute Jungs dabei. Moni war die beste, leider habe ich ihr nicht das gegeben, was sie verdiente, und auch sonst lief von mir unerkannt schon so einiges nicht normal. Wir hatten zwar eine schöne Wohnung, einen schönen Mercedes vor der Türe, ich verdiente viel Geld, hatte viel Zeit und viele Hobbys, ich trank keinen Alkohol und rauchte nicht. Mein Problem allerdings war, dass ich dachte, dass ich immer alles richtig machte. Habe ich mal was falsch gemacht, waren es immer die anderen. Im Straßenverkehr fuhr ich wie eine Wildsau, habe ich jemanden geschnitten und er hat gehupt, habe ich ihm gleich Schläge angedroht. Die liebe Moni wurde am laufenden Band von mir betrogen und ich empfand das nicht als schlimm, einmal hat sie mich fast dabei erwischt, das andere Mädchen konnte so gerade eben noch aus dem Fenster verschwinden und vom Garagendach springen.

Ein Bekannter aus der Muckibude erzählte mir von einer neuen Wasserskianlage bei uns in Duisburg, was er sagte, hörte sich super an und so fuhr ich am nächsten Tag dort vorbei, um mir das mal anzuschauen. Ich war sofort infiziert, das war absolute Spitze, wie sie dort mit einem Affenzahn um den See gerast sind, mal auf zwei, dann auf einem Ski, auf einem Teller, einem Trick-Ski oder auf einem Knieboard. Das war ganz großer Sport, sehr spektakulär. Er forderte alles an Technik, Kraft und Ausdauer! Ich habe mir direkt vor Ort noch eine Jahreskarte mit Equipment gekauft.

Dort lernte ich dann schnell meinen zukünftigen besten Freund Frank kennen, er war der Lokalmatador der Anlage und wir verstanden uns auf Anhieb. Er verpasste mir auch gleich meinen Spitznamen „Buddy“.

Diese Begegnung, dieses Kennenlernen,

war der Anfang der Katastrophe!!!!!!

Zwischendurch musste ich noch zur Musterung, aber Bundeswehr ging gar nicht, da wollte ich überhaupt nicht hin, und da ich als Baby mit Klumpfüßen zur Welt kam, lange im Krankenhaus gelegen habe und jede Menge Narben an den Füssen hatte, wurde ich mit der durchtrainiertesten Figur bei der Musterung, mit T5 ausgemustert.

Nach drei Jahren hartem Training, brachte ich schließlich stahlharte 82 Kilos auf die Waage und drückte auf der Bank sauber die 140 Kilo, damals in dem Alter und mit dem Körpergewicht eine gute Leistung. Ich fuhr bei Wind und Wetter jeden Tag ein paar Stunden Wasserski, spielte noch Fußball und Billard und ging fünfmal die Woche für zwei Stunden in die Muckibude. Ja, ich war fit wie ein Turnschuh! Der Sommer 84 gehörte dann ganz der Wasserskianlage, den Michael sah ich nur noch beim Training. Er hatte eine neue Freundin und Wasserski war nicht sein Ding. Ich war jetzt jeden Tag mit Frank und seiner Clique zusammen. Mindestens einmal am Tag fuhr ich zu meinen Eltern. Ich wollte meine Mama sehen und habe mich gerne mit meinem Vater unterhalten. Ich hatte absolut keine Geheimnisse vor ihm und erzählte ihm immer alles, was ich so erlebt habe. Meine Mutter musste sich das dann immer mitanhören und hat dann oft gesagt, mein Gott, mein lieber Junge, mein Gott.

1984 war auch das Jahr, wo ich meine erste MPU - den berühmten Idiotentest - machen musste. Da ich aber für die 18 Punkte länger als zwei Jahre gebraucht hatte, durfte ich den Führerschein bis zur MPU behalten, allerdings waren es dann bis zum Termin keine 18 mehr, sondern knapp 30. Für Nötigung gab es ja schon sieben Punkte, aber Nötigung im Straßenverkehr war für mich damals keine Nötigung, sondern völlig normal. Nicht normal fand ich es, wenn mich jemand deswegen angezeigt hat. Auch fand ich es nicht schlimm, auf der Autobahn in der Baustelle, wo wegen des Gegenverkehrs, der damals nicht durch Leitplanken, sondern nur durch Bodenkappen getrennt war und nur 60 km/h erlaubt waren, mit 120 durchzurasen. Rechts überholen und den anderen beim Einscheren schneiden, war absolut normal für mich und sparte kostbare Zeit, und eine Geschwindigkeitsbegrenzung hat mich nicht wirklich interessiert.

Ja, ich war am Steuer eines Autos ein Verantwortungsloser Vollidiot! IDIOTENTEST ist nicht die richtige Bezeichnung für die MPU, aber wenn so ein Idiot wie ich daherkommt, dann ist der optimale Name für diese Untersuchung halt ``Idiotentest``! Da ich noch im Besitz der Fahrerlaubnis war, bin ich mit meinem Mercedes zum Test gefahren. Leider kam mir an diesem so wichtigen Morgen noch was in die Quere und zusätzlich bekam ich auf die Schnelle keinen Parkplatz, und als ich dann endlich ankam und nach langem Suchen endlich die richtige Türe geöffnet habe, saßen sie alle an einem großen langen Tisch und schauten mich an. Der Prüfer, Herr Mooren, sagte zu mir: "Wer sind sie denn"? "Ich bin der Herr Eberhardt, ich habe einen Termin für eine MPU und bin leider zu spät. Ich habe auf die Schnelle keinen Parkplatz und auch hier im Haus nicht die richtige Türe gefunden". Da sind die anderen Prüflinge vor Lachen fast vom Stuhl gefallen, zum Idiotentest mit dem Auto, so ein Idiot! Der Prüfer fragte: "Sie sind mit dem Auto hier"? "Ja", sagte ich, "ich habe doch noch meinen Führerschein, ich habe zu viele Punkte in Flensburg". Schlagartig wurde es still, denn alle die laut gelacht haben waren wegen Alkohol und Drogen da und sind zu Fuß gekommen. Ich war geständig, gelobte Besserung und versprach, in Zukunft die Regeln einzuhalten. So bestand ich die Prüfung und durfte weiterfahren. Ich habe dann das Drängeln und die Stoppuhr weggelassen und es wurde besser!!

Manchmal, wenn samstags schlechtes Wetter war, bin ich nicht auf den Markt gefahren, sondern in die Großmarkt-Gaststätte gegangen, sie machte um 5 Uhr morgens auf und auf dem Billardtisch mitten in dem Laden wurde grundsätzlich nur um Geld gespielt. Um 6 Uhr war die Bude gerammelt voll, da kam alles rein, was nach durchzechter Nacht noch lebte und Hunger oder Durst hatte! Ich aber wollte dort nur Geld beim Billard verdienen. In dem Laden war alles vertreten, Dirnen mit ihren Zuhältern oder beides auch allein, Stripperinnen und Transvestiten aus den Nachtclubs am Hafen, Dealer, Rocker, Leute auf Drogen und welche denen die ausgegangen sind. Da war eine Lautstärke drin, das war nicht normal. Die Billardtisch-Regel lautete, der Gewinner bleibt am Tisch. Ich hatte immer leichtes Spiel, erst mal war ich eh besser als die anderen und dann waren sie meistens noch betrunken oder zugedröhnt.

200 bis 300 Mark Gewinn in 1-2 Stunden war kein Problem, das Problem war meistens ich. Da ich immer gewann, hatten einige oft einen dicken Hals und einmal platzte einem Rocker der Kragen. Nachdem er wieder mal zahlen musste, ging er raus, kam wieder rein und haute mit einem Baseballschläger auf den Tisch und sagte "gewinnst du noch ein Spiel, hau ich dir den Schädel ein"! Da habe ich schnell die 8 ins falsche Loch versenkt, den 20er auf den Tisch geschmissen und bin verschwunden! Einer meiner Stammpatienten dort war Kellner in der "Wilhelmshöhe" und sein Name war Paul.

Er hatte immer reichlich Geld mit dabei und wollte immer um 50 Mark spielen, der arme Kerl hat nicht ein einziges Spiel gewonnen. Ich fragte ihn einmal: "Wie kommt ein Kellner an so viel Geld?". Er sagte "gutes Trinkgeld und meine Frau Anne hat einen Privatclub in Alpen". Wenn du mal eine Frau hast, die viel Geld verdienen will, sag Bescheid. Er dachte wohl, ich sei Zuhälter. Er gab mir seine Telefonnummer und ich dachte mir nichts mehr dabei. Überall lernte ich neue Örtlichkeiten und immer andere Menschen kennen, die - von mir nicht erkannt - nicht gerade der optimale Umgang für mich waren.

Abends ging ich oft ins "Display", die angesagteste Disco in Duisburg, außer montags-mittwochs und sonntags war der Laden jeden Tag geöffnet. Anfangs bin ich nur wegen der zwei Billardtische, die dort standen, da rein gegangen.

Tagsüber fuhr ich zur Wasserskibahn und später ging ich ins "Frankys", ein Bistro auf der Friedrich-Wilhelm-Straße, die Gäste dort, Zuhälter, Autohändler, Geschäftsleute, überall fast immer die gleichen Gesichter, man kannte und grüßte sich. Ich fand das schon sehr angenehm, mitten unter ihnen zu sein. Einer meiner Kumpels von der Wasserskibahn war der Sohn vom größten Schrottunternehmer weit und breit, seine Familie galt als sehr reich! Bernd war ein lieber Junge, sah gut aus und war sehr nett, er war aber auch sehr naiv und zu gutgläubig, was ihm letztendlich finanziell viel Geld gekostet hat! Man kann aber auch sagen, dass ich indirekt dafür verantwortlich war! Ich hatte in dieser Zeit eine kurze, aber heftige Zweitbeziehung mit Anja. Eine Hammerbraut mit einer Wahnsinns Figur, sie hatte es faustdick hinter den Ohren. Sie war noch keine 18 aber wusste ganz genau, was sie wollte. Wenn Anja im Display ihre Tanznummer abgeliefert hat, wurden bei den Männern nicht nur die Hälse lang. Ich Egoist hatte von Verantwortung in einer Beziehung absolut keine Ahnung, meine Freundin Moni war die Einzige, die ich geliebt habe. Ja, was Liebe war, das wusste ich schon genau, aber Verantwortung war ein Fremdwort für mich!

Anja wurde mir nach einiger Zeit zu stressig und so nahm ich mir im Display den Bernd zur Seite und machte ihn mit ihr bekannt. Ich sagte Bernd, das ist Anja, Anja, das ist Bernd. Bernd, nur poppen und nicht heiraten, ganz genauso habe ich es gesagt, aber vielleicht hätte ich es ihm besser erklären sollen. Allerdings glaube ich, er hätte eh das gemacht, was dann kam. Ein halbes Jahr später hat der Vater vom Bernd 250.000, - Mark für eine Riesenhochzeit hingeblättert! Auf dieser Hochzeit habe ich zu einem Bekannten gesagt, der Bernd hängt sich wegen Anja noch mal auf!! Kurioserweise wurde der Vater vom Bernd- er hieß genauso- ein paar Jahre später verhaftet, und der hat sich dann in der U-Haft aufgehängt.

Im Sommer habe ich mir ab und zu mein Traumauto, einen Mercedes 280 SL, für ein Wochenende ausgeliehen. Von Freitag, 12 Uhr, bis Montagmorgen um 8 Uhr hat der Spaß 741 Mark gekostet und das war er mir

auch wert. Dann gab es in Rheinhausen noch einen Verleiher von Trikes, die waren sehr laut, hatten eine lange Gabel vorne und zwei fette Reifen hinten, reine Spaßmobile. Mein Bruder und ich haben die Dinger so oft ausgeliehen, dass es günstiger gewesen wäre, eins zu kaufen. Trotz aller Eskapaden, die Moni mit mir ausgehalten hat, waren wir immer noch zusammen, denn zum Glück bekam sie das meiste nicht mit. Hat sie dann doch etwas geahnt und mich darauf angesprochen, habe ich natürlich alles abgestritten und so umgedreht, dass sie das wohl geträumt haben muss.

Vom Markthändler

zum Zuhälter

Eines Tages fuhr ich von der Wasserskibahn zu Frankys Bistro, dort hatte ich eine Verabredung mit einem Bekannten, der Lederjacken verkaufte. Ich machte die Türe von dem Bistro auf und wer wollte gerade gehen?

Zwei Mädchen im Minirock und auf hohen Pumps, und beide mit sehr großer Oberweite ausgestattet. Sie rannten mich beim Rausgehen fast über den Haufen. Hier hat wieder die weltberühmte rote Ampel gefehlt. Wäre ich eine Minute später in den Laden rein gegangen, mein Leben, das meines Bruders, der Angie und auch von der Silvia wäre komplett anders verlaufen!!!! Ich schob Sie zurück in den Laden, brachte sie zu einem Tisch und sagte zu ihnen, trinkt was ihr wollt, ich komm gleich wieder. Ich bin dann mit meinem Bekannten zu seinem Lager gefahren, habe eine Jacke gekauft und bin schnell zurück ins Frankys zu den zwei Mädels, die dort immer noch saßen und auf mich gewartet haben!

Die Namen der Mädchen habe ich geändert, der Rest ist wie alles hier eine wahre Geschichte!! Angie sagte, sie wäre 18 Jahre, ohne Freund und würde in einer Apotheke eine Ausbildung machen. Silvia, ihre Freundin, war 17 und auch Solo! Wir unterhielten uns nett und verabredeten uns für den nächsten Tag. Silvia machte ich gleich mit meinem Bruder bekannt, die zwei wurden ein Paar und sind in Dinslaken, wo die Mädchen herkamen, später zusammengezogen und haben eine Tochter bekommen.

Zu Angie sagte ich, dass ich eine Freundin habe und mit ihr zusammenlebe. Ihr war das egal, sie wollte unbedingt mit mir zusammen sein und ich sagte dazu, so wie ich war, natürlich nicht nein. So oft es ging war sie mit mir unterwegs, und wenn ich mit den Zuhältern Billard gespielt habe, hat sie schön brav gewartet, bis ich fertig war, was unter Umständen auch schon mal 3 Stunden dauern konnte. Die Zuhälter dachten mittlerweile, ich bin ein Kollege und das Angie aufgrund ihrer Optik meine Partie (Prostituierte) ist. Ich habe den Jungs ja nie erzählt, dass ich Markthändler bin.

Die Angie fand das cool, dass ich so viele Zuhälter kannte und nach ein paar Wochen dann, kam das, was man nicht für möglich gehalten hätte, dass es so was überhaupt gibt. Die Angie sagte auf einmal zu mir "Ich möchte für dich anschaffen gehen".

Ich dachte, ich höre nicht richtig. Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich wurde zum Zuhälter, weil meine Freundin anschaffen wollte. Ich hatte null Ahnung von dem Geschäft und fragte einen bekannten Luden, was ich machen muss. Er sagte, sie müsse sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen, sich registrieren lassen und dann kann es mit der Puffkarriere losgehen! Dann kam der Hammer. Ich holte sie ab und fragte, ob sie ihren Ausweis eingesteckt hat, da gestand sie mir, dass sie noch keine 18 war, eigentlich 17, fast. 16 war sie und sie ging noch zur Schule. Angie war mit 16 schon so abgefegt, dass, wenn ich sie aus der Apotheke abgeholt habe, ist sie kurz vorher reingegangen, fuhr ich mit dem Auto vor, kam sie raus und sagte "Mann, was das heute wieder stressig". Dass sie für eine Puffkarriere mit 16 zu Jung war, war mir egal. Ich sagte mir, jetzt sehe ich nicht nur aus wie ein Lude, jetzt bin ich auch noch einer!! Mit 16 aber konnte sie nicht im Puff arbeiten und so rief ich Paul meinen Billard-Patienten aus der Großmarkt-Gaststätte an und bin mit Angie nach Alpen in den Privatclub seiner Frau gefahren. Die Frau vom Paul war sehr nett und freute sich, so ein Hammer-Mädchen bei sich zu haben.

Dass Sie noch keine 18 war, hat sie nicht großartig gestört, sie erklärte uns den Ablauf und am nächsten Tag sollte es dann losgehen!

Ich holte Angie aus der Schule ab, fuhr sie um 14 Uhr in den Club, und um 22 Uhr holte ich sie wieder ab. Im Auto dann gab sie mir stolz die erste Kohle, 400 Mark. Jetzt denken die einen bestimmt "diese Sau" und meinen damit mich, und haben vollkommen recht. Wiederum andere würden sagen, 400 Mark, cool, so viel Geld! Ich hatte absolut kein schlechtes Gewissen, dass ich eine 16-Jährige von der Schule in einen Privatclub gefahren habe und sie dort für mich anschaffen ging. Auch bei der Summe von 400 Mark dachte ich mir nicht viel, auf dem Markt habe ich, wenn ich wollte, in ein paar Stunden damals das Doppelte verdient.

Was mir wichtig war, diese 400 Mark, sie machten mich zu einem echten Zuhälter, und so wurde ich gefühlt gleich um 15 Zentimeter größer. Dabei war ich immer nur maximal 1,80 Meter und da Zuhälter nicht auf den Markt fahren, habe ich gerechnet. Von der Angie kommen 400 Mark pro Tag mal mehr, mal weniger, dann noch ein paar Tausender im Monat beim Billard und schon war das Marktgeschäft Geschichte. Ich war 22 Jahre und dachte, ich brauche nicht mehr Arbeiten. So dachte ich. Ich fuhr dann zu meinen Eltern nach Hause und habe zu meinem Vater wortwörtlich gesagt: "Ich fahr nicht mehr auf den Markt, ich habe jetzt ein Mädel im Puff und bin Lude"! Genau das waren exakt meine Worte! Meine arme Mutter sagte: "Nein, mein lieber Junge, das kann doch nicht wahr sein".

Mein Vater hat erst gelacht und dann wurde er ernst.

Dann hat er mir 5 Finger hingehalten:

"1-Zocken, 2-Saufen, 3-Drogen, 4-Lappen weg, 5-Knast". Ich habe gelacht und gesagt, du hast keine Ahnung. Ich habe allen Ernstes GEDACHT, er hat keine Ahnung und ich bin der Größte, was sollte mir schon groß passieren?? Ich IDIOT, alles, was er gesagt hat, ist eingetreten und es hat gar nicht allzu lange gedauert!

Ich habe eigentlich fast immer das Gegenteil von dem gemacht, was mein Papa mir geraten hat. Das war bestimmt auch die Retourkutsche, weil ich früher so oft Schläge bekommen habe. Im Nachhinein gesehen, habe ich mich dann aber selbst verhauen, schlimmer und heftiger als jemals von meinem Vater!! Morgens fuhr ich meine Moni zur Arbeit, später bin ich für 2 Stunden in die Muckibude trainieren gewesen, dann habe ich die Angie von der Schule abgeholt und in den Club gefahren. Anschließend fuhr ich zur Wasserskianlage, bin um den See gebrettert und habe meine Kumpels gesehen. Um 18.30 Uhr habe ich die Moni von der Arbeit abgeholt und nach Hause gefahren und um 22 Uhr abends die Angie vom Club abgeholt und auch sie nach Hause gefahren.

Wenn die Moni mich gefragt hat: "Wo willst du jetzt noch hin?", habe ich gesagt, ich habe einen Billardtermin, da ich anschließend immer mit Geld nach Hause kam, war das ja auch glaubhaft! Hat die Moni gefragt, warum ich nicht auf dem Markt gewesen bin, habe ich gesagt, ich verdiene mit Billard mehr Geld und brauche keine Ware einkaufen.

Dann lernte ich den Dieter kennen. Bei ihm kaufte ich massenhaft nachgemachte MCM-Taschen und Gürtel, Lacoste-Hemden, Boss- und Armani-Klamotten und natürlich jede Menge gutgefälschte Rolex- und Cartier-Uhren. Der Kofferraum von meinem Mercedes war vollgestopft mit diesen Sachen und ich habe reichlich Geld damit gemacht. Jeder zweite Taxifahrer in Duisburg rannte in einem Jogginganzug von Boss oder Armani von mir rum, und das MCM-Programm ging bei den Mädels weg wie warme Semmeln. Dienstagabends ging es dann immer zum Luden Treff ins Display.

Wir beide, die Angie und ich, waren schon ein optischer Vortrag. Ich sah ja schon aus wie ein Lude aus dem Bilderbuch, aber die Angie war der absolute Raketen-Knaller. 1,70 Meter groß plus 13 Zentimeter Pumps, neonfarbene figurbetonte Klamotten die viel Haut gezeigt haben. Ihre Haare, ihre langen Beine, ihre Wahnsinns Figur, ihre Katzenaugen und ihr Lächeln, sie sah unschlagbar aus. Die berühmte kleine Theke im Display war dienstags exklusiv nur für die Loddels, hat sich mal ein normaler Gast verirrt, wurde er böse angeschaut und weg war er. Oben vor der Tür stand mein Mercedes und unten im Display habe ich den Luden raushängen lassen. Mit gerade einmal 22 Jahren habe ich gedacht, ich bin ganz oben angekommen! Auf der Kasinostraße war der Tagsüber-Luden-Treff, "Zur Markise". Der Inhaber war natürlich ein stadtbekannter Zuhälter! In dem Laden traf sich alles, was Rang und Namen hatte und vor der Türe standen nur dicke Autos, die ganze Straße war voll mit Luxuskarren. Es wurde geredet, auf wichtig gemacht und Karten oder Backgammon gespielt. Beim Backgammon spielen ging es immer nur um Geld. Wochenlang habe ich bei denen, die regelmäßig gewonnen haben, zugeschaut und schließlich mitgespielt. Ich war in dem Spiel sehr schnell so gut, dass ich auch beim Backgammon nur noch um Geld gespielt habe.

Jetzt fehlte für die perfekte Optik nur noch der passende Hund. Ein "Römischer Kampfhund" sollte es werden. Ein Bekannter von mir hatte ein Mastino Weibchen und sie wog schon 70 Kilo. Ich wollte einen Rüden haben und ein Züchter in Aachen hatte einen Welpen für 3500 Mark abzugeben. Ich sagte am Telefon, halten sie ihn mir fest, ich komme sofort vorbei. Ich kam aber leider zu spät, denn kurz vorher hat ihn ein anderer gekauft, der Züchter sagte, der Kunde hat noch 500 mehr bezahlt und er müsste ja Geld verdienen, Mann, was war ich sauer.

Dann kam mein Bruder zu mir und sagte, im Tierheim haben sie eine "Deutsche Dogge". Ich fuhr also ins Tierheim und da war er. Ein Rüde, 4 Monate alt. Ich habe mich sofort in ihn verliebt und gleich mitgenommen. Sein Name war "Charly", er war von der ersten Minute an so dankbar, dass ich ihn daraus geholt habe, dass er mir nicht mehr von der Seite wich! In der größten Disco weit und breit - dem "Gelben Elefant" - waren wir auch oft zu Gast. Michael, genannt "Bärenauge", 2 Meter groß und 120 Kilo schwer, war ein Zuhälter und im „Gelben“ Geschäftsführer, als Profiboxer war er auch kurz aktiv. Michael hat immer geschaut, als wenn er jemanden fressen wollte. Wir beide waren Kumpels und haben oft zusammen trainiert.

Dann kam ein Typ vom Fernsehen in die "Markise". Man muss sich vorstellen, dass sich da nur Zuhälter und Zocker aufhielten. Hat sich mal ein normaler Mensch in den Laden verlaufen, wurde er von allen Seiten nur gefährlich angeschaut, weil alle dachten, es kann nur einer von der Schmiere (Polizei) sein. Der Herr vom Fernsehen war auf der Suche nach Statisten für die Fernsehserie "Detektivbüro Roth", die in Berlin und auch in Duisburg gedreht wurde und er wusste natürlich ganz genau, welchen Schlag von Menschen er vor sich hatte. Er suchte für die Serie Typen, die wie Zuhälter aussehen. Der hat es sich vielleicht einfach gemacht, er hat gleich Echte besorgt.

Wir Jungs waren scharf darauf ins Fernsehen zu kommen und standen Schlange.

Michael und ich haben fünf Drehtage mitgespielt, vier andere zwei Tage, der normale Statist bekam 60 Mark, wir bekamen pro Tag 200 Mark. Manfred Krug, Ilja Richter und Heinz Schubert alias Ekel Alfred spielten mit, und die Folge hieß „Alles in Gips". Der Oberschurke in der Folge, Manfred Seipholt, spielte einen Zuhälter und Kokaindealer, Michael und ich spielten seine Bodyguards. Der Manfred stand auf Männer und machte auch keinen Hehl daraus, dass er mich anziehend fand. Er hat mich doch tatsächlich zu sich nach Los Angeles einladen wollen, wo er wohnte, und das beim Mittagessen, wo alle dabei waren. Ich habe ihm aber verständlich gemacht das ich doch mehr auf das weibliche Geschlecht stehe, was ihm nicht so richtig gefallen hat. Wir hatten in den Tagen viel zu lachen, denn Manfred hat beim Drehen öfter mal seinen Text vergessen. Meine Videoaufnahme von der Folge ging im Laufe der Jahre verloren, und so habe ich später - ca. 20 Jahre später - mir die ganze Staffel auf DVD kaufen müssen, da ich den Namen der Folge nicht mehr wusste. Auf jeden Fall ist der Film jetzt bei mir zu Hause.

Jetzt kommt ein kleines Beispiel für mein oftmals unkontrolliertes Temperament in dieser Zeit. Ich fuhr auf der A59 Richtung Dinslaken und wollte die Angie bei ihren Eltern abholen. Vor mir fuhr ein kleiner Renault 5 Turbo, eigentlich ein schnelles Auto, er fuhr allerdings links neben einem Lkw, genauso schnell wie der Lkw. Ich fuhr zu der Zeit ein Chevrolet Blazer K5. Ich fuhr ihm bis auf wenige Zentimeter auf und blinkte mit meiner Lichthupe, nach ein paar Hundert Metern fuhr er endlich langsam vorbei. Wir hielten nach Handzeichen beide auf der Standspur, er stieg aus und schrie gleich los "ich zeig dich an", ich habe ihm dann mitten auf der Autobahn eine reingehauen und ehe ich noch mal zuhauen konnte, sprang er in sein Auto und drückte alle Knöpfe runter. Ich habe dann wie wild an seiner Karre rumgeschaukelt und alles Mögliche zu ihm gesagt, ich leg dich um, war noch harmlos. Dann sah ich seine Freundin, die sich im Fußraum vor Angst versteckte und bin schnell verschwunden.

Die Konsequenz daraus kam ein paar Tage später. Ich wollte abends meine Freundin Moni von der Arbeit abholen, da hat mich ein Zivilwagen auf Ermittlungsfahrt angehalten, mit im Polizeiwagen anwesend, Richter K. Herr K. war mein Stammrichter beim Amtsgericht und für den Buchstaben E. zuständig. Er kannte mich aufgrund diverser Verhandlungen und meines uneinsichtigen Verhaltens vor Gericht schon sehr gut und nahm mir wegen der Sache auf der Autobahn an Ort und Stelle den Lappen weg.

Einen Tag später ging ich zum Anwalt, habe eine andere Version der Geschichte erzählt und nach 6 Wochen meinen Führerschein bis zum Gerichtstermin wieder bekommen. Und überhaupt habe ich mit der Polizei regelmäßig im Clinch gelegen, die Gründe dafür waren einmal, A- mein unkooperatives und uneinsichtiges Verhalten bei ertappten Vergehen im Straßenverkehr und B- Dieter, ein Ex-Schulkamerad von mir und Polizeibeamter. Eines Tages wollte ich in der Stadt was kaufen, hatte wenig Zeit und der einzige freie Parkplatz für mich war vor einem VW- Käfer, der in einer Parklücke parkte. Leider hat es etwas länger als erwartet gedauert und wie ich mit meinem Auto wegfahren wollte, war es natürlich schon abgeschleppt worden. Ein paar Tage später dann hielt mich ein Streifenwagen der Polizei an. Dieter kam zu mir ans Fenster und sagte zu mir: "Eberhardt, parkst du mich noch mal zu, lasse ich dich noch mal abschleppen". Mein Problem war nicht, dass ich abgeschleppt wurde, sondern wie er mir das gesagt hat. Ich wurde so sauer, dass sich mein Hals auf das Doppelte ausdehnte, aber Dieter war im Dienst und so musste ich es erst mal runterschlucken. Ich sagte ihm: "Wir sprechen uns noch". Wochen später sah ich ihn dann nachts und allein mit seinem VW Käfer an einer Tankstelle. Die Gelegenheit habe ich sofort genutzt und ihm zwei, dreimal was auf die Glocke gehauen. Für dein grinsendes Gesicht habe ich ihm gesagt. Ab da an wurde ich jede Woche von der Polizei angehalten und jedes Mal intensiv kontrolliert, was mich der Polizei gegenüber nur noch aggressiver machte, was wiederum dafür sorgte das die Polizisten mich noch intensiver kontrollierten.

Das Urteil für den Eklat auf der Autobahn lautete sechs Monate Führerscheinentzug und 3250 Mark Geldstrafe, und weil ich den Führerschein nicht rausrücken wollte, hat mir der Richter die sechs Wochen, die er vorher schon weg war, nicht angerechnet! Die Geldstrafe habe ich anfangs noch in monatlichen Raten a 50 Mark abbezahlt! Ohne Führerschein war für mich die Höchststrafe, aber ich kannte viele Taxifahrer und bekam Mengenrabatt. Angie bekam im Club mittlerweile Stress mit den anderen Frauen. Die wenigen Freier, die in den Club kamen, wollten natürlich zu ihr, es war die Zeit von AIDS und die Kunden wurden immer weniger.

Angie hatte sich nach und nach die Telefonnummern der besten Gäste besorgt und wir haben dem Club gekündigt. Die Freier wurden dann privat abgeschöpft und es waren ein paar richtig wohlhabende Kunden darunter. Ein reicher Leihausbesitzer, ein hohes Tier bei einem bekannten Stahlunternehmen in Duisburg und ein berühmter Trabrennfahrer. Er war mehrfacher Weltmeister und als Freier war er das auch, nachdem sie allen gesagt hat, dass sie erst 17 ist, haben sie für eine Nummer 500 Mark zahlen müssen und alle haben brav bezahlt! Ich hatte dann eine Idee, wie die Kasse noch mehr klingelte. Angie sagte jedem Freier, dass sie von ihm schwanger wäre und der Arzt für die Abtreibung kostet 2000 Mark. Sie haben zwar alle bezahlt, aber verständlicherweise wollten einige danach nichts mehr von ihr wissen! Angie hat dann in einem Club eines Bekannten von mir in Bad Kissingen angefangen zu arbeiten. Anfangs sind wir noch mit dem Zug immer hin und her gefahren, bis ich dann endlich meinen Lappen wiederbekommen habe. Leider hatte ich, um ein neues Auto zu kaufen, nicht genügend Geld zur Verfügung.

Ich erfuhr, dass es beim "Langen Charly", einem Autohändler für amerikanische Fahrzeuge, für Luden die knapp bei Kasse sind, ein Auto auf lange Welle (Ratenzahlung) zu haben ist. Der Lange Charly war von Angie gleich vom Feinsten begeistert und fragte, in welchem Laden sie arbeitet? In Bad Kissingen beim…, sagte ich. Er rief dort an und weil die Angie auch in Kissingen die Nummer eins war, hat er mir die freie Auswahl angeboten.

Auf seinem Gelände standen nur geile Karren und ich wollte immer schon die Oberluden-Karre schlechthin, eine Corvette C3 haben.

Leider aber passte aber meine Dogge nicht in das Auto, sie war einfach zu groß. Er hatte aber noch einen "Cherokee Jeep" auf dem Platz stehen, und der hat dann gepasst. Es wurde schnell ein Vertrag gemacht, und für 1000 Mark im Monat fuhr ich wieder standesgemäß durch das Land! Meine liebe Freundin Moni, hatte dann irgendwann die Nase von meinem Verhalten gestrichen voll und ist ausgezogen!

Die liebe Moni, ich IDIOT.

Moni zog aus und die Angie zog ein.

Ganz knapp

am Tod vorbei

Mein Freund Bernd, hatte sich einen neuen 500 SL-Modell 107 gekauft. Ein zweisitziges Cabrio plus zwei Notsitze für Kinder bis fünf Jahren. Der Wagen hatte breite Räder drauf und war tiefer gelegt. Anke, Angie, der Bernd und ich wollten nach Mönchengladbach in eine Disco, ich wollte fahren, denn Gerd hatte gerade für ein paar Monate sein Führerschein abgeben müssen. Aber da die Anke fahren wollte und er bei dem kleinen Teufel nichts zu sagen hatte, musste ich mich hinten links rein quetschen und Angie hinten rechts. Wer das Auto kennt, ich fahre ja mittlerweile selbst so einen schönen Wagen, der weiß, wie das ausgesehen haben muss. Aufgrund des Übergewichtes hat der hintere linke Reifen am Kotflügel geschliffen, dieses hielt sich anfangs aber noch in Grenzen. Wir fuhren auf eine Raststätte und als erstes habe ich den Reifen gecheckt. Er sah noch ganz gut aus und ich sagte zum Bernd tanke nur für 20 Mark, dann passiert nichts und bin auf die Toilette gegangen.

Wir fuhren wieder los und das Schleifen war jetzt viel lauter, ich schaute auf die Tanknadel und der Tank war voll. Ich sagte du Idiot, jetzt sind wir viel zu schwer, er sagte ach was, die Reifen sind nagelneu, da passiert schon nichts. Anke, die erst seit ein paar Monaten ihren Führerschein hatte, fuhr dann auch noch mit 150 km/h über die Bahn und es kam, was kommen musste, der Reifen platzte.

Jetzt hatten wir im Pech Riesenglück. Anke, die keinerlei Erfahrung hatte, latschte voll auf die Bremse, wir drehten uns und blieben mit den Scheinwerfern Richtung Mittelleitplanke auf der Überholspur und quer zur Fahrbahn stehen. Es war stockdunkel und auf der A44, gab es keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Ich beugte mich sofort blitzschnell mit aller Kraft aus der Enge von hinten nach vorne, drückte die Fahrertüre auf und schob die Anke aus der Karre.

Bernd saß wie versteinert mit großen Augen auf seinem Sitz, in dem Moment, als ich gerade aussteigen wollte, schaute ich in die Lichter eines Autos, was mit hoher Geschwindigkeit auf unserer Spur direkt auf uns zu kam. Der Fahrer dieses Autos hat uns allen das Leben gerettet, da er im letzten Moment noch so eben auf die rechte Spur ausweichen konnte. Hätte er eine Sekunde woanders hingeschaut als nach vorne, es hätte mindestens vier Tote gegeben. Ich habe die Anke dann blitzschnell über die Fahrbahn gedrückt, bin rein in das Auto und in einer Sekunde mit Vollgas rückwärts auf die Standspur gefahren.

Ich stand noch nicht ganz auf der Standspur, da rasten zwei Autos nebeneinander an uns vorbei, hätte ich nicht sofort reagiert und gemacht, wir wären spätestens jetzt alle mausetot gewesen! Ich habe dann schnell das Rad gewechselt und wir sind dann mit mir am Steuer weitergefahren!

Das war so knapp, dass ich jedes Mal, auch heute noch, wenn ich daran denke eine Gänsehaut bekomme!

Das Elend

beginnt

Wir waren alle gemeinsam im Display, mein Freund Frank vom Wasserski, die Angie, der Bernd, die Anke und alle Luden. Die Stimmung war gut und Frank, der gerne getrunken hat, sagte zum zigsten Male zu mir "Buddy, jetzt trink doch mal einen mit, was ist den los, du bist doch kein Schulkind mehr". Ich habe immer wieder Nein gesagt.

ABER an diesem Tag bin ich leider schwach geworden. Mein Leben war damals schon eine ewig lange Zündschnur, die, je kürzer sie wurde, umso mehr ist passiert, und so kam, was kommen musste. Die Stimmung war besonders gut und ich habe dann statt wie sonst NEIN, "Scheiß drauf" gesagt.

Ich habe einen Whisky Cola getrunken und nach dem zweiten hatte ich schon eine Zigarette im Mund, mir wurde aber nach der Kippe ganz komisch und ich musste zur Toilette. Dort standen dann ein paar Bekannte von mir vor einer offenen Klotür und einer sagte "warte, du bist auch gleich dran", und ehe ich mich versah, drückte mir einer einen gerollten Geldschein in die Hand und ich stand vor einem runtergeklappten Klodeckel, auf dem ein Paar Linien weißem Zeugs, von dem ich nicht wusste, was es denn ist, lagen.

Dann kam von hinten noch der Spruch "Zieh schneller, wir wollen auch", also bückte ich mich, und zog mir meine erste Nase Koks durch die Nase! Vom ersten Whisky bis zur ersten Nase Koks und zwischenzeitlichen ersten Zigarette waren es keine 20 Minuten! So übel und schlecht, wie es mir gerade noch ging, so gut und fit fühlte ich mich jetzt. Schlagartig war ich nach der Nase Koks der größte. Ich konnte mich laut denken hören und ich dachte, Whisky und Koks ist ab sofort mein Ding. Adios Wasser und Kaffee und Hallo Whisky und Koks.

Angie schenkte mir kurze Zeit später noch ein goldenes Dupont-Feuerzeug mit Klavierlack und die Kippen dafür kaufte ich mir selbst.

Ja, so fing das an und es wurde schnell immer mehr und mehr! Der Ablauf war immer der gleiche. Erst ging es abends ins Display, dann kam die Flasche Whisky mit einer Flasche Cola auf die Theke, und keine zwei Minuten nach dem zweiten Glas Whisky-Cola rannte ich wie ein Idiot durch den Laden und habe einen Koksdealer gesucht. Praktischerweise rannten in dieser Zeit gleich immer mehrere Dealer gleichzeitig durch den Laden, denn die Nachfrage nach Kokain war hoch.

250 Mark hat ein Gramm Kokain damals gekostet, was mir aber egal war, denn Koks machte mich wieder klar und ich konnte wieder denken. Erst war es ein Gramm pro Abend, dann brauchte ich mehr!

Der Konsum von Alkohol brachte einen Ablauf in Gang, den ich eigentlich so nicht haben wollte, der aber für viele Jahre mein Leben bestimmen sollte. Erst trank ich Alkohol, bis ich nicht mehr klar denken konnte, dann wurde ich nervös, denn ich brauchte einen Kopf, der zu gebrauchen war. Jetzt wusste ich, dass Kokain mir wieder zu einem klaren Gedanken verhilft und so habe ich mir schnell ein Gramm gekauft und mich so wieder hergestellt. Es wurde so lange getrunken und Kokain gezogen, bis kein Koks oder kein Geld mehr da war. 500 Mark pro Abend für Getränke und Kokain waren ganz normal gewesen. Anfangs wurde Whisky mit Cola getrunken, später habe ich auf Metaxa und Diebels Alt gewechselt. Meine Freundin war in Bad Kissingen am Anschaffen und ich schraubte den Konsum von Alkohol und Kokain in die Höhe.

Nachdem ich jetzt auch schon mittags und das mittlerweile täglich, in dem neuen Zuhälter Treff namens "Pinte", beim Billard und Backgammon getrunken und gekokst habe, fing ich auch noch mit dem Teufelsspiel "Seven Eleven" an. Ein Würfelspiel, wo es nur Verlierer gibt, selbst derjenige, der heute gewonnen hat, verliert morgen, spätestens übermorgen. Ich allerdings habe jeden Tag verloren.

Ich bin nicht einmal, nach dem Würfeln, mit Geld aus der Kneipe raus gegangen! Ich war in diesem Spiel der geborene Verlierer. Mittlerweile brauchte ich immer mehr Geld und wartete deswegen schon morgens um 10 in der Pinte auf die ersten Billardopfer. Ich war jetzt schon auf dem Weg nach ganz unten bei einem guten Tempo angekommen und habe es überhaupt nicht mitbekommen.

Nachdem ich beim Billard das erste Geld gewonnen hatte, wurde Backgammon gespielt. Einsatz, Punkt fünf oder zehn Mark. Hört sich nicht nach viel an, konnte aber richtig teuer werden, denn der Würfel stand schnell mal bei 4, 8, 16 oder auch mal auf 32, und hat man dann Schneider verloren, konnten das bei einem Einsatz von Punkt 10 Mark ganz schnell 640 Mark werden und das in nur einem Spiel. Und wir spielten viele Spiele und die schnell. In der Kneipe trafen sich alle bekannten Zocker und da ich meine Gegner und ihr Können kannte und so meine Siegchancen einschätzen konnte, habe ich auch regelmäßig beim Billard und Backgammon gewonnen. Hat das Würfelglück meines Gegners beim Backgammon, wenn er denn eins hatte, ihn nach spätestens einer Stunde verlassen, landete zu 90 % die Kohle in meiner Tasche.

Nicht selten habe ich beim Billard und Backgammon so 1000 Mark gewonnen, ich hatte aber auch Tage mit zwei- und dreitausend Mark Gewinn. 300 - 500 gingen für Alkohol und Koks drauf und der Rest wurde abends, beim Seven-eleven investiert. Es wurden ein paar Klorollen in die Löcher vom Billardtisch gesteckt und die Würfel konnten fallen.

Es hat nie lange gedauert und meine hart erspielten Taler, steckten in den Taschen der anderen. Dann verpfändete ich anschließend beim Wirt mein Dupont-Feuerzeug für 300 Mark und kaufte ihm noch schnell ein Gramm Shit (Hasch) ab, was ich mittlerweile auch täglich geraucht habe, dann verzog ich mich. Am nächsten Tag habe ich mit den 300 Mark als Startkapital wieder angefangen, Billard und Backgammon zu spielen. Vom ersten Gewinn kaufte ich als erstes mein Dupont für 400 Mark vom Wirt zurück, fast jeden Tag hat er sich so einen Hunderter für meine Dummheit eingesackt.

In einem Einkaufszentrum in Oberhausen war eine "Peep-Show", ich kannte den Inhaber und besuchte ihn ab und zu. Einmal als ich an der Theke stand kam Manuela zu mir und hat mich angesprochen. Die erste Frage lautet, wenn ein Mädchen vor dir steht, die Anschaffen geht, hast du einen Mann??

Sagt Sie ja, wird nicht mehr weitergesprochen, alles andere kann Ärger geben! Sie aber sagte Nein, und so habe ich sie abends abgeholt und einen Tag später gab es schon das erste Geld von ihr. 4000 Mark gespartes und 50 % der Gage aus der Peepshow! Ein paar Tage später im Display kam noch die Birgit auf mich zu, die Mädels kamen zum Glück immer von allein, denn das Anbaggern lag mir überhaupt nicht. Ich kannte aber Zuhälter, die auf der Suche nach neuen Mädchen, tagelang von einem Puff in den nächsten rannten!

Eigentlich wollte ich keine zwei oder drei Mädchen, die Angie hat mir ja völlig gereicht. Birgit war aus Gelsenkirchen und hat in Essen im Puff gearbeitet. Der Stress, den ich jetzt mit drei Mädchen gleichzeitig hatte, war nicht gerade wenig. Keine darf von der anderen erfahren und alle wollen glücklich gemacht und auch befriedigt werden. Dann war da noch meine geliebte Dogge, die brauchte auch Zeit und mit meinem Freund Frank wollte ich auch den Tag verbringen. Zusätzlich hatte ich noch ein paar Bekanntschaften nur für das Bett, die ich auch noch besucht habe.

So wie ich heute bin, kann ich das alles fast selbst nicht glauben und nur mit Kopf schütteln, was war ich doch für ein Idiot. Aber meine Strafe dafür und für das, was ich der Moni angetan habe, sollte noch kommen!! Manuela hatte Geburtstag und Frank, Sie und ich fuhren nach Oberhausen in eine Disco. Wir waren gut drauf und haben gefeiert und getanzt! Manuela hatte eine Tasche mit dabei und diese wollte ich, bevor sie gestohlen wird, nach oben ins Auto bringen. Ich dachte an nichts Böses, ging die Treppe hoch und auf dem Parkplatz wie aus dem nichts, sprangen plötzlich eine Horde junger Türken aus zwei Autos, einer hielt mir sofort eine Knarre an den Kopf und drückte mich gegen eine Hauswand, ein anderer hielt mir ein Messer an den Hals und die anderen hielten ihren Baseballschläger in der Hand.

Ich dachte, ich bin im falschen Film gelandet. Der mit der Knarre sagte, hast du die Manuela angelabert oder sie dich?? Ich sagte, die hat mich angequatscht und hat gesagt, sie wäre allein. In dem Moment kamen Manuela und Frank die Türe raus und derjenige, der gerade noch mit mir gesprochen hat, rannte sofort zur Manuela, Frank rief "Buddy lauf zum Auto". Ich riss mich los und wir sprangen ins Auto, Frank holte eine Gasknarre aus dem Handschuhfach und schoss damit zweimal durchs Fenster, dann sind wir mit Vollgas auf direktem Wege in die Pinte.

Der "Türken-Micha", ein Deutscher mit pechschwarzen Haaren und schwarzem Schnäuzer, deswegen Türken-Micha, wollte gleich eine ganze Horde zusammentrommeln und die Typen suchen gehen. Ich sagte, ich weiß doch gar nicht, wer der Typ war, ich wusste nur dass es ein Türke war. In der Pinte war der "Pascha" anwesend. Ein Türke mit langen Haaren und mächtiger Erscheinung. Er hatte viel Einfluss und alle hatten großen Respekt vor ihm. Er fragte mich nach dem Namen des Mädchens und in welchen Laden sie arbeiten würde. Er setzte sich ans Telefon und nach ein paar Anrufen kam Pascha wieder und sagte "wie viel Kohle willst du für den Angriff haben? 5000 Mark, tausend sind für dich, sagte ich. Er rief noch einmal an und sagte dann zu mir "in einer Stunde ist das Geld hier und vergiss die Alte"! Alles klar, kein Problem, sagte ich. Genau eine Stunde später kam ein Typ und brachte fünftausend Mark vorbei und die Sache war gegessen! Das war hart ich habe echt kurz gedacht, das überlebe ich nicht!

Mir fällt das echt nicht leicht, den ganzen Blödsinn von damals aufzuschreiben. Dass ich heute so bin wie ich bin, ist unter anderem auch diesen Zeiten zu verdanken.

Es gab aber auch noch schöne und stressfreie Momente in dieser Zeit, vor allem beim Wasserski. Frank war eine richtige Größe in der Szene, er hatte es richtig drauf und gehörte zu den besten in Deutschland, im Trick-Ski und auch im Slalom war er absolute Spitze, aber im Springen über die große Schanze war er der King. Ich fuhr Mono-Ski und Teller, aber der wahre Experte war ich auf einem Knieboard, dem Hydro-Slider. Da machte mir keiner was vor. Am härtesten war der fliegende Start vom Mono Ski Startblock bei 57 km/h, die ersten 10 Meter flog ich durch die Luft, bis es aufs Wasser ging, dann durch die 90 Grad Kurven, wo der Speed sich noch mal auf locker 80 km/h erhöhte und das alles bei Wellengang mit noch fünf bis sechs Mono-Ski-Fahrern im Seil, die Slalom fuhren. Das war der Wahnsinn, ich bin nur so über das Wasser geflogen, das war jedes Mal so was von Saugeil!!!! Ich hatte ein „Black Magic“ mit drei Finnen unterm Brett, damit konnte ich die Kurven noch enger nehmen, damit ging es richtig ab!

Ein sehr schönes Wochenende hatten wir, als Frank, mein Hund und ich mit dem ganzen Wasserski-Equipment und einem Zelt in meinem Jeep nach Thulba in Oberbayern zu einem Wasserski-Wettkampf gefahren sind! Wir hatten eine super Zeit, da wurde ausnahmsweise mal nicht getrunken, da stand der Wettbewerb im Fokus. Frank hat in der Gesamtwertung den 1. Platz gemacht! Aber kaum war ich wieder in Duisburg, ging mein Abstieg weiter. In den Wintermonaten wurde es dann immer extremer mit dem Saufen. Ich sage mit Absicht Saufen, denn mit trinken hatte das schon lange nichts mehr zu tun!

Da ich immer mehr Zeit für Alkohol, Drogen und das Zocken investierte als in meine Beziehungen, hat mich verständlicherweise als Erstes die Birgit verlassen. Mit Angie lief es auch nicht gut. Als ich sie wieder mal aus Bad Kissingen abgeholt habe, war sie auf der Rückfahrt auffallend ruhig, das war so gar nicht ihre Art. Dann auf einmal, mitten auf der Autobahn, so ganz ohne Ankündigung, ist sie hochgegangen wie eine Bombe. Sie hat volles Rohr in die Frontscheibe getreten, so feste, dass der Absatz ihres Stöckelschuhs in der Scheibe stecken geblieben ist. Ich konnte die Karre gerade noch so in der Spur halten, bei den breiten Reifen war es ohne Theater im Auto schon nicht einfach, geradeaus zu fahren. Sie schrie in voller Lautstärke laut los, "Du Sau, ich reiße mir den Arsch für dich auf und du machst in Duisburg mit anderen Weibern rum. Jede Woche rufen im Club irgendwelche Mädchen an und sagen, sie wären jetzt mit Roland zusammen"! Ich fuhr den nächsten Parkplatz raus und musste erst mal, wie immer, alles abstreiten.

Ich sagte, dass die anderen Luden nur scharf auf dich sind. Sie schicken ihre Mädels vor, die dich anrufen und Stress provozieren, und wenn wir getrennt sind, dann fangen sie dich ein. Da ist nichts und da war nichts, Basta. Ich nahm sie in den Arm und konnte sie beruhigen. Mann, was war das wieder knapp gewesen. Bei mir wurde es nie langweilig, irgendwas ist immer passiert. Mein Verhalten in den 80ern gegenüber den Frauen, ganz besonders mein inakzeptables Verhalten der lieben Moni gegenüber, ist mit nichts zu entschuldigen. Ich war damals, um es in einem Wort auszudrücken, ein "Schwein". Männer, die von Frauen Geld nehmen, um damit auf die Kacke zu hauen, das geht gar nicht.

Zuhälter sein ging und geht überhaupt nicht, das kann mir auch heute keiner schönreden. Wenn du denkst, du bist einer, dann verdiene dein Geld selbst, aber nimm es nicht von den Frauen.