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Wenn sich die eigenen Gedanken, Gefühle und Emotionen auf einen Aspekt fokussieren, dann entsteht ein Bild im Kopf, welches über allen selbst gesteckten Prioritäten steht. Dieses Bild bestimmt den Moment, den Alltag, das Leben. Das eigene Handeln, ist wie fremdgesteuert. Alles wird nach diesem Bild ausgerichtet. Es kontrolliert die betroffene Person, übernimmt die Steuerung und erhält die Macht zu zerstören. Den Menschen zu zerstören, in dem sich dieses Bild ausgebreitet hat. Das Bild, stillt das ursprüngliche Bedürfnis nach Schutz, Kontrolle und Sicherheit. Allerdings gibt es den eigenen Weg daraus und meinen Weg möchte ich hiermit teilen. In meinem Buch geht es um meine Erfahrungen und meinen Weg mit der Krankheit Anorexie.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Vorwort
Fett im Kopf – eine Gedankenreise
Was Klein ist…
Fremde Hände
Zahlen
Verdrehte Wahrnehmung
Wendepunkt
Der eigene Willen
Zerbrechlich
Zerbrochen
Heilende Freundschaft
Kraftlos
der eigene Psychopath
….Kann groß werden
Vor dem Gericht
Zunahme
Der eigne Weg
Gedanken und Gefühle
Ist Der Verstand stärker als Das Gefühl?
Zu lassen oder zulassen
Riskiert
Gewonnen
Verloren
Leere
Das unsichtbare Gewand
Zurück rudern
Bereitschaft
Für die Ewigkeit
Mein Schutzschild
Hinterfragen
Der eigene Endgegner
Abschied
Ich will DANKE sagen…
Cover
Vorwort
Ich will DANKE sagen…
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Vorwort
Was bedeutet es krank zu sein? Was bedeutet es mit der Essstörung als Partner durch den Alltag zu gehen? Was bedeutet es vom Hunger gefressen zu werden? Was bedeutet es am Sport kaputt zu gehen? Was bedeutet es nur noch eine leere Hülle zu sein? Was bedeutet es sich selbst aufzugeben? Was bedeutet es für den Betroffenen?
In diesem Buch werde ich meine Geschichte erzählen. Jeder hat seine eigene Geschichte, aber mein Ziel ist es mit diesem Buch Eltern und Angehörigen von Betroffenen nahezubringen, wie man sich als Betroffener fühlt, wie es in einem aussieht und wie man selbst daran zerbricht. Ich möchte erreichen, dass ein Nachvollziehen möglich wird, aber ein Nachempfinden ist ausgeschlossen. Vor allem schreibe ich dieses Buch aber für alle Betroffenen. Mein Ziel ist es, dass du dir mithilfe dieses Buches näherkommst, dass du deine Gedanken hinterfragst, die Gründe suchst oder sie sogar findest. Die Essstörung ist nicht zufällig in dein Leben geplatzt, dafür gibt es Gründe und die gilt es zu finden.
Ich werde auf Fragen stoßen wie:
Was bedeutet gesund sein? Was bedeutet Selbstliebe? Allerdings werde ich euch nicht eure Antwort geben. Es gibt kein Heilrezept. Das einzige Rezept, was dich an dein Ziel bringt ist: Geh deinen Weg! Ich musste mehrfach die Erfahrung machen, dass der Weg anderer nicht meiner ist und dass ich mir meinen Weg selbst freischaufeln muss, wenn ich aus dem Kreislauf ausbrechen will. Die Stärke dazu hat jeder, der Wille ist am Ende das Entscheidende.
Was ich allerdings beantworten werde sind Fragen, die ich mir persönlich oft gestellt habe. Ich werde mit euch meine Gedanken und Ansätze teilen. Fortschritte und Rückschläge nacherzählen, um mein Leben der letzten neun Jahre bestmöglich widerzuspiegeln.
Dabei werde ich auf Themen wie Sportsucht, Bulimie, Depressionen, Selbstverletzung, Suizidgedanken und Anorexie eingehen. Diese Passagen sind deutlich formuliert, sodass Triggerpunkte nicht ausgeschlossen sind.
Ich weiß, dass solche Bücher runterziehen können, deswegen ist der erste Schritt für dich in diesem Buch dir die Frage zu stellen, ob du soweit bist. Natürlich werde ich nicht bewusst triggern, aber ich schreibe dieses Buch auch als Reflexion für mich und mein einziger Anspruch dabei an mich selbst ist es mir nichts vorzumachen.
Daher werde ich keine Fakten beschönigen oder Gefühlslagen neutralisieren. Genauso werde ich aber auch nichts dramatisieren oder Ereignisse schlechter reden als ich sie für mich empfunden habe.
Um den Kreis meines Vorwortes zu schließen möchte ich dir einfach sagen: Du sollst dieses Buch lesen, wenn es dir gut tut, aber respektiere es auch, wenn du noch nicht soweit bist. Es soll dir eine Inspiration sein und keine Last. Wenn du soweit bist, dann kannst du jetzt anfangen dir meine Geschichte erzählen zu lassen.
Was Klein ist…
Eines Tages fing es an,
Ich ließ niemanden mehr an mich heran,
Die Gedanken fingen an zu kreisen,
Wo soll ich da noch bleiben?
Ich laufe im Kreis,
Bis ich überhaupt nicht mehr weiter weiß,
Ich fühle mich so leer,
Wo kommt dieses Chaos bloß her?
Ich weiß nicht mehr wer ich bin, Ich
frage mich wohin?
Wohin soll das alles führen?
Meinst du ich werde es irgendwann kapieren?
Dass es so nicht funktioniert,
Und mein Leben sich nicht aktualisiert.
Der Wahrheit ins Auge zu sehen,
Um zu verstehen:
Ich laufe gegen die Wand,
Ohne jeglichen Verstand,
Der Verstand den ich verloren hab,
Als ich mich dir hingab,
Ohne mir bewusst zu sein,
Du stellst mir ein Bein,
Ich schreie Nein,
Aber du bist schlimmer als ein Keim,
Du sitzt in mir fest,
Wie die Pest,
Ist das alles ein Test?
Dann gib mir den Rest,
Den Rest will ich haben,
Um dich zu vergraben,
Willst du es nicht wahrhaben?
Glaube mir du wirst versagen.
Ich habe einen starken Willen,
Und der wird dich killen,
Glaube mir ich gebe nicht auf,
Dafür nehme ich viel in Kauf,
7 Jahre reichen aus,
Jetzt schreie ich raus,
Raus aus mir,
Es gibt kein wir!!
Ich bin ich,
Dafür brauche ich dich nicht,
Ich will leben, lieben, tanzen,
Über alle Distanzen,
Der Weg ist weit,
Aber ich bin bereit,
Viele Schritte musste ich gehen,
Um heute hier zu stehen,
Unzählige Tränen sind geflossen,
Aber am Ende habe ich es genossen.
Heute schaue ich mich an,
Und frage mich immer noch wann?
Wann wirst du mich lassen,
Dich endlich zu hassen.
Aber jeder einzige Schritt hat sich gelohnt,
Denn ich wurde belohnt.
Am Ziel bin ich zwar noch nicht,
Doch ist es in Sicht,
Ich bereue keinen einzigen Schritt,
Denn nun bin ich nicht mehr dein,
Sondern mein.
Dies ist ein älterer Text von mir, denn ich schreibe schon seit vielen Jahren. Immer wenn es mir schlecht geht beginne ich diese Gefühle in Worte zu fassen. Schreiben bedeutet für mich, mich frei zu machen. In dem Moment wo ich schreibe, sehe ich die klare Grenze. Ich kann die Essstörung loslassen. Sie in Worte fassen und mich damit von ihr befreien. Wenn ich aus Verzweiflung anfange zu weinen, dann fange ich an zu schreiben. Das Schreiben ist für mich meine Barriere die Kraft der Essstörung zu durchdringen. Zumindest für einen kurzen Moment ihr zu entkommen. Entkommen aus einem Gedankenwahn, der meine Gefühle mit einander so verdreht, dass ich sie nicht mehr auseinander halten kann, aber durch das Schreiben gelingt es mir dieses Konstrukt zumindest für den Moment zu lösen, sodass ich für diesen Moment meinem Schicksal entfliehen kann und zurück zu mir selbst kehre.
Für Menschen, die diese Gedanken und Gefühle nicht kennen ist es unbegreiflich welche Macht sie besitzen. Ich habe diese Macht noch nie wo anders gespürt. Es ist gut, wenn du das Gefühl nicht kennst. Aber es ist auch nicht schlimm, wenn du es empfindest. Ich weiß man hält es nicht aus, aber jeder der das hier liest und spürt was ich sage, der darf sich sicher sein, dass er die Chance dazu hat sich dieser Aufgabe zu stellen. Denn auch wenn man nichts dafür kann, kann man derjenige sein, der entscheidet eine andere Richtung einzuschlagen.
Glaube mir, in diesem Buch ist nur ein Bruchteil von Momenten enthalten, in denen ich mich für die Essstörung entschieden habe. Ich schreibe bewusst nicht „für die falsche Seite“, weil ich nicht glaube, dass es die falsche war. Ich glaube in diesen Momenten war es die richtige. Eine kurze Flucht vor meiner Angst, die mich letztendlich nur darin bestärkt hat, mich der Herausforderung weiter anzunehmen. Ich will hiermit einfach Mut geben, nicht weil es mir jetzt jeden Tag gut geht. Nein wirklich nicht, aber weil ich denke, dass Worte auch Brücken bauen können, genau wie es für mich das Schreiben tut und weil ich denke, dass es gut ist zu wissen, dass es schon dann sehr schön werden kann, wenn man sich annimmt so wie man ist. Es ist nicht so, dass man dafür gesund sein muss, sondern dass man schon vorher das Recht dazu hat. Dieses Recht hast du immer! Wenn du es in Anspruch nimmst wirst du es für dich einsetzen und nicht für die Essstörung, das ist eine Art Versprechen an dich selbst.
Dabei geht es nicht darum immer gesund zu entscheiden, sondern durch seine Entscheidungen zu lernen. Glaube mir es ist normal, dass sich da viele kranke Beschlüsse einschleichen, aber du wirst mit der Zeit überrascht sein, dass es auch ein gesunder Gedanke schafft erhört zu werden. Nicht nur das, du wirst den Unterschied merken und der Essstörung langsam auf die Schliche kommen, dass sie nämlich gar nicht so ein guter Freund für dich ist, wie sie es verspricht.
Die Macht der Essstörung ist nicht von heute auf morgen so undurchdringlich groß geworden. Allerdings gesteht man sie sich oft erst dann ein, wenn dieser Schritt bereits geschehen ist. Der gesunde Mensch glaubt, dass das stärkste Gefühl, dass man empfinden kann die Liebe ist. Deswegen kann ein gesunder Mensch die Erkrankung nicht verstehen. Es ist unmöglich. Genau aus diesem Grund, weil die Essstörung etwas in einem erwachen lässt, was stärker ist als Liebe, Verstand und Vernunft zusammen. Der Einfluss der Essstörung auf den Betroffenen ist so gigantisch, dass jegliche Prioritäten hinten anstehen. Ich habe immer ein sehr enges und vertrautes Verhältnis zu meinen Eltern gehabt. Ich war nie oberflächlich oder stark auf mein Äußeres fokussiert, aber durch die Essstörung hat sich mein ganzes Empfinden verändert. Ich habe meine Eltern immer noch über alles geliebt, doch wenn die Essstörung der Meinung war sich ein Schlupfloch in einer Lüge suchen zu müssen, dann habe ich gelogen und das auch gar nicht in Frage gestellt. Wenn es nötig gewesen ist, habe ich sie sogar verteidigt, ihr Deckung geboten, weil ich darauf vertraut habe, dass sie mir Sicherheit gibt. Letztlich schleicht sich die Erkrankung ganz langsam in das Leben ein und breitet sich dann dort aus. Das funktioniert für die Erkrankung soweit, dass sie am Ende des Tages die Kontrolle über die Person, in der sie sich eingenistet hat besitzt. Eine Kontrolle die der Betroffene scheinbar selbst besitzen möchte, aber kläglich mit der Essstörung in Konkurrenz steht.
Nichts ist gefühlsmäßig in diesem Moment stärker als das Bedürfnis, den Anforderungen der Krankheit gerecht zu werden. Ein Verlangen was ewig unbefriedigt sein wird, denn auch wenn man am Anfang denkt, dass das alles nicht so schlimm ist, so ist man am Ende überrannt, wie sehr man der Situation ausgeliefert ist. Und für die Erkrankung gibt es kein genug, kein Stopp und schon gar kein Ende. Die Erkrankung treibt es bis zum bitteren Ende, wenn man nichts dagegen tut. Am Anfang sagt man sich: „Bei mir ist das nicht so schlimm, ich habe das alles unter Kontrolle.“ Die Wahrheit ist aber, dass die Essstörung sich einschleicht und einem langsam die Kontrolle aus den Händen nimmt.
Ich musste erst die Kontrolle über mein Leben verlieren, um zu
merken, dass Glück sich nicht kontrollieren lässt.
Fremde Hände
Warum fangen wir an uns in andere Hände zu legen?
Ich denke dieser Grund ist immer derselbe, weil wir selbst nicht mehr wissen, wie wir die Situation bewältigen sollen. Aus Verzweiflung an ihr zu scheitern sehen wir keinen anderen Weg als sie zu umgehen, indem wir uns selbst in Hände begeben die vieles im Sinn haben, aber sicherlich nicht unsere Probleme zu lösen oder gar eine schützende Hand für uns zu sein. Ich habe mich zu dieser „rettenden“ Hand hingezogen gefühlt. Ich habe ständig an sie gedacht, bis ich irgendwann anfing nicht nur an sie zu denken, sondern nach ihr zu greifen und später für sie zu funktionieren.
Am Anfang waren es ja ,,nur“ ein paar Lebensmittel, etwas mehr Sport und tägliches wiegen. Später wurden es dann kcal, exzessiver Sport und stündliches wiegen. Das alles in einem Tempo, in dem ich genug Zeit hatte um wegzuschauen. Eine Schutzmauer um mich herum zu bauen und mir meine eigene Welt zu erschaffen. Aber letztendlich ist es das. Ich habe nicht mehr in der eigentlichen Welt gelebt. In der eben nicht immer Rücksicht genommen wird, in der man enttäuscht wird, einstecken muss und mit seinen Problemen konfrontiert wird.
Wahrscheinlich ein massiver Grund, warum die Essstörung zu so einem starken Magneten wurde. Du hältst meine Hand, zwischen uns ein unsichtbares Band, stabiler als jegliche Wand. Dank dir spüre ich Wärme in mir.
Du bietest mir ein Versteck, aber
das ist nur Mittel zum Zweck.
Ich kapsel mich ab, es geht hinab und ich fühle mich so unendlich schlapp.
Ich reichte dir einen Finger.
Du nahmst die Hand und schließlich meinen ganzen Verstand.
Hätte ich es wissen müssen?
Hätte ich es dann gelassen?
Könnte ich dich heute hassen?
Ich habe mich auf dich eingelassen. Es gewollt. In deinen Armen geheult.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, und
so lief ich in das offene Messer.
Aus den eins noch 2kg wurden Zustände, die mit einem gesunden Leben nichts mehr zu tun hatten. Ich war komplett fremdgesteuert. Ich habe mich in die Hände der Essstörung gelegt. Diese führten mich jetzt wie eine Marionette. Meine Bewegungen, mein Handeln, mein Denken, alles hing an ihren Händen. Hände, die mich erschlagen sollten. Allerdings nicht kurz und schmerzlos, sondern langsam und qualvoll.
Mein Leben war nicht mehr Alltag, es war Essstörung. Egal wo ich war, dieser Magnet haftete an mir. Die Fäden waren gespannt. Das Band zwischen uns wurde immer straffer. Überall sah ich Zahlen.
Your arms around me tight
Everything, it felt so right
Behind These Hazel Eyes Kelly Clarkson
