Das Erbe - Andreas Sperling-Pieler - E-Book

Das Erbe E-Book

Andreas Sperling-Pieler

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Beschreibung

Ein achtzigjähriger Witwer sitzt in seinem Garten. "Häuser bauen und zwar solche, die sich auch junge Familien leisten können, mit Plätzen um sich zu treffen, für Eltern, Kinder, Großeltern und Freunde.", das war sein Jugendtraum. Tatsächlich kann er diese Vorstellungen erfüllen. Als aber sein Sohn den kleinen Betrieb des Vaters neu ausrichtet, bleibt von den ursprünglichen Idealen nichts mehr übrig. Die Höhe der Rendite und der Gewinne wird jetzt zum alleinigen Maßstab. Erst die nächste Generation findet wieder den Weg zu den Idealen des Großvaters zurück. Der Protagonist betrachtet über mehrere Generationen sein Erbe: was er erhalten hat und was er weitergibt. Dabei wird er nicht von Verbitterung verschont, sieht aber auch deutliche Zeichen der Hoffnung.

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Seitenzahl: 50

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Zum Buch:

Ein achtzigjähriger Witwer sitzt in seinem Garten. „Häuser bauen und zwar solche, die sich auch junge Familien leisten können, mit Plätzen um sich zu treffen, für Eltern, Kinder, Großeltern und Freunde.“, das war sein Jugendtraum. Tatsächlich kann er diese Vorstellungen erfüllen. Als aber sein Sohn den kleinen Betrieb des Vaters neu ausrichtet, bleibt von den ursprünglichen Idealen nichts mehr übrig. Die Höhe der Rendite und der Gewinne wird jetzt zum alleinigen Maßstab. Erst die nächste Generation findet wieder den Weg zu den Idealen des Großvaters zurück.

Der Protagonist betrachtet über mehrere Generationen sein Erbe: was er erhalten hat und was er weitergibt. Dabei wird er nicht von Verbitterung verschont, sieht aber auch deutliche Zeichen der Hoffnung.

Texte: © Copyright by Andreas Sperling-Pieler

Verlag:

Andreas Sperling-Pieler

Meierhofstr. 37

79664 Wehr

[email protected]

Vertrieb: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin

Das Erbe

Andreas Sperling-Pieler

Eine Erzählung aus der Reihe „Mit Bibel überLeben“

Genesis 6,1: Als sich die Menschen auf Erden zu vermehren begannen und ihnen Töchter geboren wurden ...1

Der August ist bereits zur Hälfte vorbei. Lange wird er nicht mehr die warme Sonne bis in den Abend hinein genießen können. Heute ist es allerdings außerordentlich schwül. Eine düstere Wolkenbank im Westen kündigt ein Gewitter an.

Am Garten will er sich freuen und ein wenig hier sitzen, mehr will er im Augenblick nicht. Der Patriarch sitzt in einem Liegestuhl und genießt die Sonne.

Eigentlich ist er nicht der Patriarch – das war noch sein Vater und auf jeden Fall sein Opa, aber er nicht mehr – und er wollte es auch nie sein.

Seine Eltern sagten oft, er sei ein Träumer und es stimmte auch. Er träumte von ordentlichen Straßen, um vernünftig Fahrrad fahren zu können und einem Bolzplatz hinten auf der Wiese, um mit seinen Freunden zu kicken und nicht bis ins Dorf laufen zu müssen, um jemanden zu treffen. Von solchen Sachen träumte er – weil es sie für ihn nie gab.

Als Kind baute er sein Traumdorf; zuerst mit Bauklötzen und später machte er auch entsprechende Zeichnungen. Irgendwann war klar: Er wollte Architekt werden und Häuser bauen und zwar solche, die sich auch junge Familien leisten können, mit Plätzen, um sich zu treffen, für Eltern, Kinder, Großeltern und Freunde.

Das war aber dann schon viel später, da war er bereits auf dem Gymnasium.

Sein Haus liegt etwas auf der Höhe, so dass er, über die Beerensträucher hinweg, bis zu der breiten Straße und den Wohnhäusern rechts und links sehen kann.

Sein Urgroßvater hatte diesen Platz ausgesucht. Damals gab es hier weder Straßen noch Häuser, nur Äcker und Wiesen – und das hatte sich bis in seine Jugendzeit nicht geändert. Geändert hatten sich nur die Gerätschaften, mit denen die Felder bearbeitet wurden.

An den ersten Traktor kann er sich noch gut erinnern. Damals war er noch nicht einmal in der Schule. Dadurch wurde die Arbeit leichter – das gab sein Opa auch zu, aber mit manch anderen Entwicklungen haderte er.

Bald darauf starb der Großvater. Das war dann in den Fünfzigern.

Die Welt wandelte sich. Der Krieg war ja vorbei! Es gab wieder Arbeit in den Städten und Unmengen junger Familien, die dringend Platz benötigten. Es fehlte an Vielem, aber hauptsächlich an bezahlbarem Wohnraum. Überall wurden neue Baugebiete ausgewiesen und um 1960 wurden auch die Felder des Vaters Bauerwartungsland. Bis die ersten Baumaschinen anrollten gingen aber noch einige Jahre vorbei.

Er wurde Architekt, das Land wurde Stück für Stück verkauft oder bebaut - übrig blieb nur der Hof.

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Die Häuser, die er jetzt sieht, sind seine Häuser. Er hat sie geplant und auch gebaut – auf jeden Fall einige. Sie machten ihn damals mächtig stolz. Es war sein erstes großes Projekt.

Jetzt macht ihn ihr Anblick traurig – oder melancholisch: Die Häuser werden älter, genauso wie die Menschen; die Hecken werden höher, die Zäune massiver und Kinder sieht er schon lange keine mehr. Ab und zu einen Knirps auf dem Rad, vermutlich ein Enkel auf Besuch, der verloren seine Runden dreht und von dem er nicht einmal weiß, wo er hingehört. Oder manchmal auch eine junge Frau mit Kinderwagen.

Auch sein eigener Garten ist verwaist; die Schaukel ist abgebaut und der Sandkasten musste einem kleinen Seerosenteich Platz machen (das war ein Traum seiner früh verstorbenen Frau). Aber der Teich droht zu verlanden und schreit förmlich nach Pflege; alleine schafft er es einfach nicht mehr.

Den Pool kann er von hier nicht sehen. Der ist hinter der Hecke versteckt (die auch immer höher wird) und ist sowieso abgedeckt. Der hat seit mindestens zehn Jahren kein Wasser mehr gesehen und müsste auf jeden Fall vorher gründlich gereinigt werden.

Es sind die Kinder, die ihm fehlen. Früher waren immer Kinder da. Manchmal brachte sein Sohn die halbe Klasse mit nach Hause, vor allem, als das Schwimmbecken fertig war. Das ging lange so, eigentlich bis zum Abitur und er mit dem Studium anfing. Aber auch da war er noch ab und zu mit Freunden zum Schwimmen oder Grillen und vor allem zum Feiern übers Wochenende hier. Und oft wurde es dann laut.

Jetzt ist Ruhe.

Auch das macht ihn traurig.

Gerade das!

Und an seinen Sohn will er jetzt schon gar nicht denken; dazu ist einfach das Wetter zu schön.

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Er schließt die Augen, um die vermaledeiten Häuser nicht mehr sehen zu müssen. Aber er ist kein Kind mehr, sondern achtzig – und er weiß, dass es so einfach nicht geht. Die Häuser beherrschen weiter seine Gedanken.

Als Kind wünschte er sich Spielkameraden, so wie die anderen aus seiner Klasse.

Als dann die ersten Grundstücke auf den weitläufigen Felder und Wiesen abgesteckt und bebaut wurden und die Landwirtschaft sich immer weniger lohnte, war er bereits mit dem Studium fertig und hatte als junger Architekt die Chance, seinen Kindheitstraum zu verwirklichen: Die Scheune wurde abgerissen und wo Getreide und Kartoffeln wuchsen, wurden die ersten Straßen geplant und Häuser angelegt – groß genug für Kinder und finanzierbar für junge Familien. Die Planung übernahm sein kleines Architekturbüro.