2,99 €
Ein Zeitreisender von der Erde, die Kommandantin einer SERAN Einheit und der Botschafter von Arca-Nihil kommen etwa zeitgleich in einen kleinen Ort and den Grenzen der Arca-Nihil Föderation. Wie es ihnen dort ergeht und was es mit der nahe gelegenen verbotenen Zone auf sich hat findet sich im dritten Band der Arca-Nihil Serie.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2018
Inhaltsverzeichnis
--- Impressum ---
--- Einleitung ---
Marlen – Noric
Lucky – Schweine
Igor – Abschied
Helmut Solo von Olbia – Sonderlieferung
Igor – Reise im Luftschiff
Igor – Erster Eindruck
Marlen – Black Sippe
Igor – Boizenburger
Igor - Berufung
Helmut Solo von Olbia – Official Dinner
Marlen – Aufruhr an der Grenze
Igor – Lucky
Marlen – Jagdausflug
Helmut Solo von Olbia – Museumstour
Marlen – Die verbotene Zone
Igor – Besuch aus Silvertrail
Helmut Solo von Olbia – Vorr
Marlen – Aufbruch zur verbotenen Zone
Igor –Erster Tag
Marlen – Erste Verunsicherung
Vorr – Doronir Bahn 5
Igor – Friedhof der Legionäre
Marlen – Düsterwaldkeiler
Igor – Es spukt
Lucky – Furchtlos und treu
Vorr – Nichts wie weg
Marlen – Dungeon Mister
Igor – Strategische Reserve
Igor – Fall ungelöst
Helmut Solo von Olbia – Lessons learned
--- Arcapedia ---
--- Anhang ---
Rosamunde Tecot - 7 Jahre alt (76.ANZ)
--- Feedback und Newsletter ---
--- Andere Arca-Nihil Veröffentlichungen ---
Das Geheimnis der verbotenen Zone
Arca-Nihil®
Archon-Reihe, Band 3
Arnold Nirgends
Fiction Roman
Arca-Nihil®
Das Geheimnis der verbotenen Zone
Archon-Reihe, Band 3
1.Auflage Dezember 2017
Arnold Nirgends
Copyright© 2017 Arnold Nirgends
Covergestaltung: Arnold Nirgends
Unter Verwendung von Fotolia.com Bildern
www.arcanihil.com
www.facebook.com/arcanihil
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors gestattet. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Alle Markennamen und Warenzeichen, welche in diesem Roman vorkommen, sind natürlich Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.
Arnold Nirgends
www.arcanihil.com/impressum
Dieser Roman baut auf seinen Vorgängern auf, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden. Vorkenntnisse sind nützlich, aber nicht erforderlich!
Am Ende des Buches befindet sich die Arcapedia, wo etliche Begriffe und Abkürzungen aus dem Text ausführlicher erklärt werden.
Das deutlichste Zeichen von Weisheit ist ein stetes Vergnügtsein.
(Michel de Montaigne)
Igor und Marjeka, welche vor etwa einem Jahr von der Erde nach Arca-Nihil gekommen waren, mussten eine Weile auf einer recht einsamen Insel verbringen. Während Marjeka von der Insel geflohen war, fühlte sich Igor dort sehr wohl.
Nach einem halbjährigen Aufenthalt auf Devenport Island kam aber auch für Igor der Zeitpunkt, Abschied von seinen Freunden zu nehmen. Er konnte in der Zwischenzeit eine Menge Wissen über Mekmuskel ansammeln und hoffte, dass ihm das für seinen weiteren Weg dienlich sein würde.
Etwa zur selben Zeit war Wachablöse im fernen Noric. Captain Marlen Black führte dort ihre Männer in den verdienten Urlaub. Endlich würde sie ihre Sippe wiedersehen und sie wusste, dass eine andere, ungewöhnliche Aufgabe auf sie wartete. Sir Helmut Solo von Olbia war ebenfalls alarmiert. Die verbotene Zone nämlich, welche seit langer Zeit gemieden wurde, gab bedrohliche Zeichen von sich und man sah sich genötigt, dort wieder einmal nach dem Rechten zu sehen.
IgorVerfolgt einen riskanten PlanCpt. Marlen BlackIst auch im verdienten Urlaub aktivTobias MorEin Hauptmann der Stadtwache in NötenLucky MurlNimmt das Leben, wie es eben istSir Helmut Solo von OlbiaDer Botschafter muss einen schwierigen Deal verhandelnHisssa das KrokodilWird zum Essen eingeladenUnwirsch knallte Marlen ihren schweren SERAN Kampfhelm auf die Tischplatte vor sich. Alle um den Tisch sitzenden zuckten zusammen. Die Augen des Bürgermeisters schienen ihr Blitze entgegen zu schleudern, so stechend böse sah er sie jetzt an.
„Martin, so geht das nicht!“ sagte sie laut und bestimmt, aber ruhig. „Es ist alles zwischen deinem König und dem RAN abgestimmt, die Ersatzlanze ist eingetroffen und du willst genau jetzt meine Ablöseformulare nicht unterzeichnen? Hast du noch alle Tassen im Schrank?“
Einen derart rauen Ton war man von der meist recht beherrschten Marlen nicht gewohnt. Aber wer sie kannte, wusste, dass sie beinhart und stur sein konnte.
„Wir sind eine gute und erfahrene Einheit und freuen uns bereits…“, weiter kam Leutnant Lentanos nicht, als ihm schon der Bürgermeister brüsk ins Wort fiel:
„Ihr könnt euch noch so freuen hierher zu uns zu kommen, aber ihr seid eine AUFKLÄRUNGSEINHEIT! Wir brauchen Krieger. Und ein einziger Mechkrieger aus Captain Blacks Lanze hat mehr Kampfkraft als euer ganzer Haufen eitler Aufklärer.“
Das Gespräch entglitt zusehends und eine Weile folgte eine Anschuldigung der anderen. Marlen hielt sich ein wenig zurück und wartete ab, bis sich die Gemüter wieder zu beruhigen schienen. Nachdem sie eine Weile gar nichts gesagt hatte, waren nun auch die Blicke der drei Männer auf sie gerichtet. Sie atmete hörbar ein, zeigte ihr Kampflächeln in der Runde und rekapitulierte, mit anfänglich schmeichelnder, danach immer schneidenderer Stimme die Situation. „Lieber Bürgermeister, lieber Vizebürgermeister von Noric. Ich verstehe ja, dass ihr besorgt seid und jeden nur erdenklichen Schutz von Arca-Nihil haben wollt, den ihr bekommen könnt. Noric war, ich betone, WAR, ein Austragungsort großer Kämpfe gegen die Sauhagians und die Schattenlords…“
„Den Bollenbacherhof darfst du nicht vergessen!“, warf Lukas, der Vizebürgermeister ein. „Ja, natürlich. Der Bollenbacherhof steckt uns jetzt noch in den Knochen“, bestätigte Marlen. „Aber damit ist es vorbei. Noric lebt grundsätzlich in Frieden. Und dass meine Lanze jetzt nach Jahren der Präsenz hier abgezogen wird ist richtig und auch für uns wichtig. Wir wollen Urlaub machen, wieder Waffentrainings genießen und unsere SERAN Anzüge überholen lassen. Danach wollen wir an einen Ort, wo sich auch etwas tut. Geschichte wird derzeit im Süden von Caltha gemacht. Da braucht uns der Rat von Arca-Nihil. Lentanos Leute sind gut. Er war mit der 7’ten Legion in Nexal und hat gegen die Kurraks gekämpft. Wer das überstanden hat ist ein Held. Ich will nichts mehr von mangelnder Kampfkraft, oder so hören. Ihr seid ein kleines, zugegeben, exponiertes Dorf, dem man eine ganze Lanze – 20 Mann – als Schutz zugesteht. Einfach so, damit ihr besser schlafen könnt. Ich bin zwar nur ein kleiner Captain, aber ich habe gute Beziehungen. Wenn ihr jetzt nicht sofort unterschreibt und wir die Zeremonie endlich beginnen können, werde ich nicht ruhen bis das Legionskommando jegliche Unterstützung für Noric verweigert. Dann könnt ihr zu eurem König nach Neophlan pilgern. Soll er doch selber für die Sicherheit in seinem Dorf bürgen.“
Nach einer theatralischen Kunstpause folgte noch ein,
„Also, hier ist der Stift.“
Heftig platzierte Marlen den erwähnten Stift auf den vor Martin liegenden offiziellen Papieren, wegen denen sie sich gerade in den Haaren lagen, und sah ihm dabei durchdringend in die Augen. So lange, bis Martin den Blickkontakt abbrach und seufzend den Stift in die Hand nahm, um ihn nachdenklich zwischen den Fingern zu drehen.
„Nun gut, ich wollte nur dass ihr nach eurem wohlverdienten Urlaub und Waffentraining wieder zu uns kommt. Wir vertragen uns so gut. Hier kennt euch jeder und ihr hättet es auch sehr schön.“
„Du vergisst, warum wir ursprünglich hergekommen sind. Wir testeten hier, vor vielen Jahren, die damals neue Mechtechnologie. Noric war ideal dafür, weil abgelegen. Nur wegen Dir, haben meine Männer und ich anschließend einige der besten Jahre unseres Lebens, bei Fischsuppe und Fischschnaps vergeudet.“
Ihre Worte waren etwas heftiger, als beabsichtigt. Aber sie wollte klarstellen, dass es ein endgültiger Abschied war. Auch wenn die Zeit für sie in Noric tatsächlich viel besser gewesen war, als Marlen jetzt zugegeben hatte.
Aber die Worte saßen. Endlich wurden die Dokumente alle unterzeichnet. Jetzt war es offiziell, dass ab 111.H01 Arca-Nihil Zeitrechnung (kurz ANZ) die 108.Schwere Lanze von der 464.Aufklärungslanze abgelöst wurde.
Bürgermeister, Vizebürgermeister, Captain Marlen Black und Leutnant Lentanos verließen das Besprechungszimmer im Rathaus und traten auf den in der Mittagssonne hell gleißenden Platz, vor dem Gebäude hinaus. Hier waren die beiden Lanzen vollständig angetreten. Bürgermeister, Gemeinderat, Sarnpriester und Apotheker vorneweg ging es nun im Festzug durch das kleine Dorf Noric. Hinter den Repräsentanten des Dorfes folgte die kleine Dorfkapelle, welche Marschmusik spielte. Dahinter gingen Blacks schwere Legionäre und am Ende des Zuges folgten die Aufklärer mit ihren 4 Pferden.
Der Umzug endete auf dem Dorfplatz, wo hunderte Schaulustige dem Spektakel beiwohnten. Die Legionäre nahmen Aufstellung vor der Tribüne. Auf Kommando schlugen alle 40 die Haken zusammen und salutierten. Akustisch war das recht beeindruckend, weil 18 SERAN Stahlstiefel und zwei Demon100 Mechfüße einen lauten metallischen Aufpralleffekt erzeugten. Die danach herrschende Stille am Dorfplatz nutzend hielten der Bürgermeister, sein Vize und die beiden Lanzenkommandanten ihre Reden an die Legionäre und die Dorfbevölkerung.
Die Veranstaltung dauerte etwa eine Stunde. Danach marschierten die beiden Lanzen unter Applaus im Gleichschritt vom Dorfplatz. Die Neuankömmlinge nahmen den Weg hinauf zum alten Hippogriffturm. Das war seit jeher die Unterkunft von Legionären in Noric. Blacks Lanze marschierte hingegen zum nahe gelegenen Lufthafen und schiffte sich auf der dort wartenden ‚ANS Ravenstein‘ ein. Es war ein Luftschiff der Westendklasse und ausreichend geräumig für den Transport einer Lanze. Die Männer und Frauen der Lanze legten ihre Rüstungen ab und genossen den Flug nach Arca-Nihil.
Glücklich lag Lucky zwischen den Schweinen im Morast. Sein linker Fuß war unter einer dicken Bache begraben. Aber das störte Lucky nicht. Er hörte den Schweinen zu, auf welche Art sie grunzten und manchmal antwortete er auf einen Grunzlaut, ebenfalls grunzend. Er wusste nicht, ob die Schweine das verstanden, aber er glaubte Verständnis zu fühlen und das machte ihn froh.
Heute war es besonders schön und er hatte schon das ganze Tagwerk vollbracht. Also war er guter Dinge und fürchtete sich nicht vor dem Bauern. Denn, wenn er faul war, dann schimpfte der Bauer oft. Er erinnerte sich auch, dass er schon öfters verprügelt worden war. Und einmal, als er sehr unartig gewesen war, da hatte ihn der Bauer tagelang in einen dunklen Keller gesperrt. Damals war er sehr traurig gewesen, erinnerte er sich. Aber jetzt war alles schön. Das Wetter war schön. Die Schweine waren satt und glücklich. Er, Lucky, hatte sein Tagwerk schon vollbracht. Im Schlamm bei den Schweinen zu liegen war schön. Ach, wie war das Leben schön.
„Luucckkyy, Lucky, wo steckst du, du Schweinehund?“, hörte er den Bauern rufen. Jetzt war ihm, als hätte er den Bauern schon öfters rufen hören.Oje, da wird sich der Bauer aber ärgern, dachte Lucky bei sich und wollte aufspringen. Das ging aber nicht, weil ja die schwere Bache auf seinem Bein lag. Lucky dachte nach.
Wenn ich nicht aufstehen kann, dann werde ich einfach rufen, beschloss er bedächtig aber bestimmt.
Er richtete sich so weit auf, wie er konnte. Aus dieser Position war der Bauer nicht zu sehen. Lucky war sich aber sicher, dass der Bauer ihn würde hören können. „Hier bin ich Bauer, naga!“, rief er so lauf er konnte.
„Wo steckst du?“, der Bauer klang verärgert. Lucky bekam ein ungutes Gefühl. „Im Schweinestall bin ich, naga“, antwortete er laut und beflissen.
„Komm her, ich brauche Dich!“
„Ich kann nicht, naga“
„Wenn ich Dich rufe hast Du zu kommen, aber dalli!“, rief der Bauer hörbar verärgert.
„Es geht nicht Bauer, naga!“ Lucky klang verzweifelt.
Inzwischen war der Bauer von selbst hergekommen, weil er einfach Luckys Rufen gefolgt war. Als er sah, dass Lucky mitten unter den Schweinen saß und deswegen nicht aufstehen konnte, begann er lauthals zu lachen. Die Schweine wiederum erhofften vom Bauern Futter zu bekommen, richteten sich auf und trotteten zum Gatter. Lucky war nun frei und stand ebenfalls auf.
„Komm her Lucky“, sprach der Bauer, in versöhnlicher Tonlage.
„Wir brauchen frisches Fleisch. Geh also ins Wildgehege und schnapp Dir einen der großen, wilden Eber. Hier, nimm das Messer und gib Bescheid, wenn ich das tote Schwein abholen kann. Verstanden?“
„Ja, Bauer, naga“, antwortete Lucky fröhlich und nahm das Messer.
„Ich mache mich gleich auf den Weg, naga.“
Folgsam trottete Lucky vom Hof weg, in Richtung Waldgehege. Das Gehege war riesengroß und er musste lange suchen, bis er einen der großen, fetten Keiler fand.
Der Keiler war ganz ruhig und ließ Lucky an sich herangehen. Lucky setzte sich neben das riesengroße Tier und begann es mit dem Messerknauf am Rücken zu kratzen. Der Eber grunzte zufrieden.
„Der Bauer braucht Fleisch, naga“, erklärte Lucky dem Tier die Lage. „Darum werde ich dich jetzt töten, naga.“
Bei diesen Worten streichelte er zärtlich des Ebers Backen und kraulte ihm die Ohren.
„Schau, das Messer ist ganz scharf. Das werde ich dir jetzt in den Hals stechen, damit du schön verbluten kannst, naga.“
Etwas umständlich, aber doch treffsicher, stach er mit der großen Klinge, das sichtlich überraschte Tier, tief in den Hals. Der Eber wollte sich aufrichten, aber Lucky hielt ihn fest und umarmte ihn mit beiden Händen.
„Du wirst doch den armen Lucky nicht verlassen wollen. Ich bleib bei Dir und tröste dich, naga.“
Der Eber aber reagierte anders und griff jetzt seinerseits den hilflosen Lucky an. Da dieser keine Anstalten machte sich zu wehren, bohrte der Eber seine Hauer tief in Luckies Bauch und schlitzte diesen auf.
Währenddessen hielt Lucky noch immer den Griff des Messers fest umschlungen und führte den Schnitt so weit fort, dass des Ebers Kehle nun zur Gänze durchtrennt war und das Blut in Strömen pulsierend, aus der klaffenden Wunde rann. Es ergoss sich auf den unter dem Keiler am Boden liegenden Lucky. Der Keiler lag in den letzten Zügen und wurde von Lucky unentwegt gestreichelt und getröstet, „Heute ist ein guter Tag zum Sterben, mein lieber Freund, naga“, sprach er in die abendliche Sonne schauend und hob die blutüberströmte Schnauze mit den riesigen Hauern aus seinem arg zugerichteten Unterleib.
„Bauer, naga“, rief er noch.
„Noch ein Gläschen?“ fragte der Zwerg verschmitzt und Igor nickte beiläufig. Fast schon aus Gewohnheit blickte er dabei über die steinerne Terrassenbrüstung hinaus auf das weite Meer, wo sich die Sonne gerade zu einem fulminanten Untergang vorbereitete.
„Ich vermisse das jetzt schon“, seufzte Igor, nahm das neu gefüllte Glas in die Hand und prostete Drack zu. „Kannst Du dich noch erinnern, als Du mir vor etlichen Monaten diesen komischen Witz erzählt hast?“, fragte er nachdem er das Glas in einem Zug geleert hatte. Auf Dracks fragenden Blick hin ergänzte er, „Na, als du meintest ich könne, nach Tlinax gehen und berühmt werden. Jetzt ist es soweit. Nicht das Berühmt werden, meine ich.“
„Ah, den Witz mit dem Licht“, meinte Drack erfreut und unterdrückte ein Glucksen. „Ja, der ist echt witzig, wenn man ihn versteht.“
Die beiden feixten darüber noch eine Weile. Dann, zum Abschied machte Drack etwas, das er noch nie bei Igor gemacht hatte: er wurde vom Zwerg umarmt und es war Igor als sähe er eine Träne der Rührung in Dracks Augenwinkel, als sie sich endgültig trennten.
Schweren Schrittes ging er wie immer nach seinem sarntäglichen Besuch bei Bürgermeister Drack die paar Meter zu seiner Hütte, in einer Seitenstraße von Devenport. Dort ließ er sich in den Stuhl auf seiner Veranda fallen und blieb ruhig sitzen. Früher als sonst hatte er sich heute von Drack verabschiedet. Aber es wollte einfach nicht die übliche Stimmung aufkommen. Immerhin war es das letzte Mal, dass er von Drack hierher gekommen war und das letzte Mal, dass er hier saß. Mehr als ein halbes Jahr war er jetzt schon auf der Insel und hatte sein Leben hier lieb gewonnen. Trotzdem war er hoch erfreut gewesen als er erfahren hatte, dass es nun so weit sei, ihn weiter ziehen zu lassen. Er solle sich bereit machen, um mit dem nächsten Luftschiff die Insel zu verlassen, hatte die Botschaft geheißen. Das Ziel wäre Tlinax, eine Stadt in der Arca-Nihil Föderation (ANF), wo er den Anschluss an eine Sippe finden sollte, um danach nach Arca-Nihil reisen zu können. Igor freute sich ungemein auf diese Aussicht, aber jetzt war er sehr traurig, Lebewohl sagen zu müssen. Die letzte Nacht in seinem Bett hier verbrachte er sehr unruhig. Immer wieder träumte er bruchstückhaft von Marjeka, seiner Begleiterin von der Erde, die zu ungeduldig gewesen war und vor Monaten auf eigene Faust, schwimmend, aufgebrochen war. Ob er sie wohl je wiedersehen würde? Tlinax war gar nicht so weit von der Küste weg, hatte ihm jemand gesagt.
Am Morgen gab es ein kleines Abschiedsfest für ihn. Alle Einwohner von Devenport Island sprachen noch einmal mit ihm, schüttelten ihm die Hände oder steckten ihm ein kleines Geschenk zu. Die Kinder sangen ein Abschiedslied und Bruder Tom sprach ein feierliches Gedicht und segnete Igors Rucksack im Namen Gorfans und der übrigen Götter. Igor taumelte wie im Traum durch diese Feierlichkeit. Dabei bemerkte er erst recht spät das sich annähernde Luftschiff. Das Luftschiff war recht groß, die ‚ANS Cargo‘ der True-World-Company (kurz TWC) war ein Schiff der mächtigen Stonehavenklasse und der Ballonkörper fast einhundert Meter lang.
Es wurden ein paar Kisten aus- und eingeladen. Das ging so schnell, dass Igor kaum Zeit für eine letzte Abschiedsrunde blieb. Dann händigte er seinen Rucksack einem Bootsmann aus und wurde von starken Händen, durch die Ladeluke ins Schiffsinnere hochgezogen.
Fast blind wegen seiner tränenden Augen verfolgte er, wie die Leinen eingeholt wurden und das Luftschiff langsam an Höhe gewann. Die winkenden Menschen am Lufthafen wurden kleiner und kleiner, aber er blieb an der offenen Ladeluke stehen und winkte weiter, obwohl bald nur mehr das offene Meer zu sehen war.
„Komm Alter, du musst von der Ladeluke weg, sonst fällst du uns vor Heimweh noch runter“, sagte eine freundliche Stimme. Er machte einen Schritt zurück und beobachtet, wie der Mann die Ladeluke verschloss und mit einem Riegel sicherte.
„Willkommen auf der Cargo“, sagte der bärtige Kapitän und führte ihn zum Passagierbereich.
Sir Helmut Solo von Olbia residierte gerade in seinem großzügig angelegten Herrschaftshaus mit Garten, welches sich in der Stadt Stonegate, etwa 20 Kilometer südlich von Arca-Nihil befand. Stonegate war auch der Sitz des ANF Rates, und Sir Helmut als AN Botschafter im ANF Rat war darum gut beraten, hier in Stonegate zu wohnen, um möglichst schnell mitzubekommen, wenn sich in einer der ANF Nationen eine gefährliche Situation anbahnen sollte.
Sir Helmut saß in der Gartenlaube und nahm gerade ein reichhaltiges Frühstück ein. Dabei war er lediglich in Gesellschaft seines treuen Liebwächters Vorr, der normalerweise nie von Sir Helmuts Seite wich.
Garand, einer der beiden Sekretäre betrat den Garten und näherte sich zögernd. Er hielt ein Dokument in der Hand, mit welchem er leicht wedelte, um die Aufmerksamkeit des Botschafters zu erlangen.
„Welche Sorge führt dich zu mir, wenn doch das Wetter derart schön ist und das Frühstück so gut mundet?“
„Nichts von Belang, Sir Helmut, aber du selbst hast angeordnet, dass auch die kleinste Kleinigkeit, welche uns zukommt, sofort an deinen Tisch zu tragen sei. Diese Order führt mich nun herbei.“, kam es aus Garands Mund und Sir Helmut war sich nicht sicher, ob der sonst so trockene Garand zufällig gereimt hatte, oder er ihn aufziehen wollte.
