Per Luftschiff durch Caltha, Teil 1 - Arnold Nirgends - E-Book

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 1 E-Book

Arnold Nirgends

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Beschreibung

Der Roman handelt von zwei parallel erzählten Reiseabenteuern, welche zu fernen und gefährlichen Gebieten auf dem Kontinent Caltha führen. Einerseits trifft man wieder auf die von der Erde entführte Agentin, welche nach einer Chance auf Rache sinnt. Und andererseits begleitet man als Leser eine gefährliche diplomatische Mission, die zu entgleisen droht.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

General – Absturz im Südmeer

General – Eine ungewöhnliche Bitte

General – Landeanflug Hagedorn

Marjeka – Eine unangenehme Reise

Marjeka – Wer bist du?

Marjeka – Hagedorn

Rebecca - Hagedorn

Erinnerungen – Lufthafen

Erinnerungen – Abflug und Kennenlernen

Erinnerungen – Ansprache vom Captain

Rebecca – Demonia

General – Dienstantritt

Rebecca – In der Höhle des Löwen

Rebecca – Verhandlung mit Aussicht

General – Dienstantritt auf der ANS Messenger

Rebecca – Zwischenstopp Tukan

Rebecca – Naali Encounter

General – Nächste Etappe

Erinnerungen - Landestelle

Erinnerungen – Agent Grün

Erinnerungen - Wasserbeschaffung

Erinnerungen – Schadensanalyse

Erinnerungen – Nächtlicher Besuch

Die Drei

Erinnerungen – Detektiv gesucht

Erinnerungen – Traumdeuter unterwegs

Erinnerungen – Hilfe naht

Die Drei

Rebecca –Ilonerfestung Dur Mok

Geheimer Beobachter – Fremde in Dur Mok

Rebecca – Konfrontation

--- Arcapedia ---

--- Anhang ---

Deckplan für Luftschiffe der Olbiaklasse (Modell 68.ANZ)

Personenregister ANS Messenger

Personenregister ANS Lysian

Rosamunde Tecot - 9 Jahre alt (78.ANZ)

--- Feedback und Newsletter ---

--- Andere Arca-Nihil Veröffentlichungen ---

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 1

Arca-Nihil®

Archon-Reihe, Band 4

Arnold Nirgends

--- Impressum ---

Fiction Roman

Arca-Nihi®

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 1

Archon-Reihe, Band 4

1.Auflage September 2018

Arnold Nirgends

Copyright© 2018 Arnold Nirgends

Covergestaltung: Arnold Nirgends

Unter Verwendung von Fotolia.com Bildern

www.arcanihil.com

www.facebook.com/arcanihil

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors gestattet. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Alle Markennamen und Warenzeichen, welche in diesem Roman vorkommen, sind natürlich Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.

Arnold Nirgends

www.arcanihil.com/impressum

[email protected]

Dieser Roman baut auf seinen Vorgängern auf, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden. Vorkenntnisse sind nützlich, aber nicht erforderlich!

Am Ende des Buches befindet sich die Arcapedia, wo etliche Begriffe und Abkürzungen aus dem Text ausführlicher erklärt werden.

Je planmäßiger der Mensch vorgeht, umso wirkungsvoller trifft ihn der Zufall

(Friedrich Dürrenmatt)

--- Einleitung ---

Die mittels einer ANKH Mission von der Erde nach Arca-Nihil gereisten Igor und Marjeka, waren nach einer mehrmonatigen Akklimationszeit auf der abgelegenen Insel ‚Devenport Island‘ mit Forschungsprojekten beschäftigt worden.

Während Igor diese Einführungszeit erfolgreich abgeschlossen hatte und dann weiter nach Tlinax gelangte, einem Ort der sich in der Arca-Nihil Föderationszone befand, hatte sich Marjeka für einen umständlicheren Weg entschieden.

Sie versuchte von der Insel zu fliehen, was ihr beim ersten Versuch misslungen war. Mit Hilfe eines befreundeten Gorfan Priesters und eines bestechlichen Luftschiffkommandanten gelang es ihr dennoch die Insel zu verlassen.

Auf ihren Abenteuern in der ‚True World‘ begegnet sie einem Luftschiffer, der eine schwere Last in Form unverarbeiteter Erinnerungen zu einer kürzlich erlebten Reise mit sich herumträgt und diese mit Marjekas Hilfe aufzuarbeiten versucht.

Marjeka ist auf der Suche nach ihrer Bestimmung in dieser für sie fremden und der Entführung wegen, verhassten Welt. Wen wird sie kennenlernen und wem ihr Vertrauen, oder ihre Loyalität schenken? Durch ihre Vergangenheit als Marine und CIA Agentin auf der Erde und durch das SERAN Training auf Devenport Island ist sie eine fähige Person, die viele Möglichkeiten hat, das Geschehen auf dieser fremden Welt zu beeinflussen. Allerdings benötigt sie die richtigen Verbündeten. Findet sie diese im Rahmen der TWC, der ‚True-World-Company‘ in Hagedorn?

Botschafterin Kerala hat an anderer Stelle eine schwere Mission zu erfüllen. Arca-Nihil und das im Südosten des Kontinents Caltha gelegene uralte Silonerreich standen sich seit Jahrzehnten feindselig gegenüber. Durch die Zerstörung der Stadt Tritown, welche eine Bufferfunktion zwischen den Mächtigkeitsblöcken ausgeübt hatte, haben sich die Spannungen in den letzten Jahren zugespitzt. Weiters gab es berechtigte Sorgen darüber, dass die Siloner ihre Reproduktionsalgorithmen verbessern konnten und man zukünftig mit gefährlicheren Silonern zu rechnen hatte.

Um einen bevorstehenden Krieg zu verhindern und mehr über den evolutionstechnologischen Fortschritt im Silonerreich zu erfahren wurde eine Kontaktaufnahme mit einer Gruppe von Silonerrebellen arrangiert. Dieses Treffen sollte auf den Hochebenen des südlichen Barrieregebirges stattfinden. Einem Gebiet das sehr weit vom Einflussgebiet Arca-Nihils entfernt war. Unter großer Geheimhaltung wurde daher ein Luftschiff für diese Reise vorbereitet.

Der Verlauf dieses Abenteuers ist der zweite Handlungsstrang im vorliegenden Roman.

MarjekaBeginnt damit sich ein neues Leben aufzubauenGeneralDie Vergangenheit lässt ihn nicht losAgent GrünEr schwank zwischen Coolness und TapferkeitKeralaAuf der Botschafterin ruht eine große VerantwortungDemoniaEine starke Frau sucht das AbenteuerLeutnant GriffDer Luftschiffkommandant ist in Nöten

General – Absturz im Südmeer

General wurde von einem heftigen Knall und einem Schmerz im linken Bein aus seinem Schlaf gerissen. Augenblicklich war er hellwach und versuchte sich soweit es ging in seiner Hängematte aufzurichten und nach dem Rechten zu sehen.

Er hatte es sich auf dem Oberdeck der ANS Lysian bequem gemacht, um im Schatten des Luftschiffballons und bei einer angenehmen, warmen Nachmittagsbrise seine Pause schlafend zu genießen. Nun starrte er verdutzt auf seinen linken Unterschenkel, der knapp unterhalb des Knies eine frische, blutende Wunde aufwies. Im Hinterkopf notierte er, dass es nur ein Kratzer zu sein schien, während seine ganze Aufmerksamkeit nach oben wanderte. Das Geräusch, welches er von dort her wahrnahm, war der Albtraum jedes Luftschifffahrers. Das Zischen entweichender Luft in Verbindung mit dem untrüglichen Gefühl im Magen, dass es zwar langsam, aber doch eindeutig nach unten zu gehen schien, war sehr alarmierend. Und tatsächlich erkannte er über sich, mitten im zylinderförmigen Luftschiffkörper ein riesengroßes Loch. Am Rande des Loches sah er, wie zerfranste Reste der Außenhaut von dem ausströmenden Helium-Wasserstoffgemisch hin und her geschlagen wurden. Weiters waren auch zerstörte Strukturelemente des Ballonkörpers, gebrochenen Rippen gleich, zu erkennen.

Für solche Momente waren sie regelmäßig gedrillt und trainiert worden. Wenn jemand aus einer Luftschiffbesatzung so etwas erblickte, setzten augenblicklich bis ins reflexhafte eintrainierte Reaktionsmuster ein. General war schon auf den Beinen und sah, wie Froxi, der Techniker, die Hängeleiter hochgeklettert kam. Froxis vordefinierte Aufgabe in solchen Situationen war es, die Kleisterkanone einzusetzen, wusste General. Er hatte ihm zu folgen, aber erst, nachdem er sich das Notfallset geschnappt hatte.

Während er also ans Heck des Schiffes eilte, um den dort befestigten Rucksack mit dem Notfallset zu holen, hörte er unten aus der Kommandozentrale Leutnant Griff laut und aufgeregt Befehle rufen.

„Propper, Ladung sichern!“ „Froxi, an die Kanone! Schnell!“ „General, Notfallset holen!“

Weiters hörte er wie etliche der Mitreisenden schrien, oder laut redeten. Aber er nahm nicht wahr was gesagt wurde. Das Luftschiff war voll mit Legionären, Agenten und einer Botschafterin mit Gefolge. Für diese Leute mussten die Explosion und das darauffolgende rapide Absacken des Luftschiffes noch beängstigender sein, weil sie völlig unvorbereitet waren.

Er hatte jetzt aber keine Zeit und keine Lust sich dem Mitgefühl für Mitreisende hinzugeben. Stattdessen entfernte er die Sicherungsleinen und Plomben vom Notfallset, hängte sich den Rucksack um und eilte zur mittleren Strickleiter, um Froxi nach oben in den Ballonkörper hinein zu folgen.

Nach wenigen Augenblicken sah er die Schuhe des Technikers knapp über sich und hörte kurz darauf das satte ‚Plopp‘, welches signalisierte, dass dieser eine Ladung Kleister abgefeuert hatte.

„Das geht sich nicht aus, verdammt und zugenäht!“, fluchte es über ihm.

„Zu groß?“, fragte er eher rhetorisch nach oben. „Ja sowieso!“, grunzte Froxi aufgeregt und ärgerlich. „Die Zweier ist hinüber, aber die anderen hat’s auch erwischt“, erfuhr er jetzt vom aufgeregten Techniker.

„Ei ei ei“, konnte General da nur mehr sagen und verarbeitete das Gesagte in Gedanken weiter. Ein Schiff der Welfbutklasse wurde von einem 75 Meter langen und 19 Meter durchmessenden torpedoförmigen Ballon getragen. Aus Sicherheitsgründen war der Ballon in drei Kammern etwa gleicher Größe aufgeteilt. Die mittlere Kammer war die Wichtigste und deshalb gab es in ihrem Inneren eine sogenannte Kleisterkanone, mit welcher mal Löcher von innen mittels einer klebrigen Substanz verschließen konnte. Leider war von der Explosion die mittlere Kammer so schwer beschädigt worden, dass an ein Verschließen der Öffnung nicht zu denken war. Sie alle wussten, dass der Ausfall einer Kammer für das Luftschiff gefährlich, aber nicht lebensbedrohlich war. Ein guter Pilot konnte mit etwas Glück eine Notlandung zuwege bringen. Natürlich nur, wenn das Schiff nicht schwer beladen war.

Für solche Notfälle war es auch vorgesehen die meiste Nutzlast abzuwerfen. Dafür gab es spezielle Luken, um das zu beschleunigen. Die Lysian war zwar nicht schwer beladen, aber es waren viele Personen an Bord. Die konnte man schlecht über Bord werfen. Diese Gedanken hatte General schnell durch. Aber nun kombinierte er seine gedankliche Momentaufnahme mit Froxis letzter Aussage – wenn die anderen Kammern auch leckten, dann würde das Schiff viel schneller absinken und eine Notlandung wäre unmöglich. Was konnte man tun?

„Froxi, kannst du eine der Kammern zukleistern?“, fragte er mit zittriger Stimme.

„Ja, den Norden sollte ich schaffen.“, kam es von Froxi. „Kannst du den Süden erreichen und flicken?“, fragte ihn der mit der Kleisterkanone hantierende Techniker mehr auffordernd als fragend.

„Ich werde es versuchen!“, rief er ihm zu und begann sich am Ballon entlang zum Loch hin zu hanteln, um ins Innere des beschädigten Ballons zu kommen.

Hinter sich bemerkte er eine Bewegung. Agentin Schwarz hatte doch tatsächlich die Luftschiffgondel verlassen und sich zu ihnen herauf getraut.

Die Agentin war der regulären Besatzung schon öfters aufgefallen, weil sie ungewöhnlich viel Interesse am Luftschiff gezeigt hatte und oft auf der Galerie oder auf dem Ballon selbst angetroffen worden war.

Für General kam die unerwartete Unterstützung sehr gelegen. Agentin Schwarz war sehr kräftig und auch geschickt. Gemeinsam drangen sie in das Innere des Ballons ein und mit Hilfe der Agentin konnte er zuerst zwei große Löcher und danach vier kleinere mit dem Reparaturset flicken. Dabei mussten sie auf einem Gerüst von dünnen Holz- und Metallstäben bis zu fünfzehn Meter über dem Ballonboden hoch klettern, ohne herunterzufallen und ohne noch mehr Schaden an der filigranen Konstruktion anzurichten.

Als sie damit fertig waren und das Innere des Ballons durch das große Loch verlassen wollten, sahen sie, dass das Luftschiff schon sehr nahe an der Wasseroberfläche war.

„Wir müssen aus dem Ballon raus, bevor wir auf dem Wasser aufkommen. Sonst ertrinken wir eventuell hier drinnen.“, rief ihm die Agentin zu, bevor sie sich kraftvoll hinausschwang. So gut es in dem Gewirr zerborstener Stäbe und Hölzer beim Loch in der Hülle ging, beeilte er sich ihr zu folgen, schwang sich ebenfalls hinaus und verlor dabei den Halt.

Er spürte einen Ruck, als sein Sturz abrupt gestoppt wurde. Er hing nun unter dem Ballon, gehalten von der Agentin, welche mit einer Hand den Rucksack auf seinem Rücken gepackt hatte und sich mit der anderen Hand an der Strickleiter festhielt. Er blickte dankbar in ihr angestrengtes Gesicht. Die Agentin schaukelte ihn ein paar Mal hin und her, bis er auch nach der Strickleiter greifen konnte und wieder Halt fand.

Noch einmal blickte er dankbar zu ihr hinauf und kletterte dann eilends nach unten, um sich auf der Galerie der Luftschiffgondel für den Aufprall auf der Meeresoberfläche vorzubereiten. Wenn möglich wollte er nicht ins Wasser geschleudert werden. Also eilte er ganz nach vorne, hängte seinen Gürtel an zwei Ösen ein, womit er an der Reling fixiert war und winkte die Agentin zu sich, um sie ebenfalls festzuschnallen. Die Agenten waren ja nur Passagiere und kannten sich im Luftschiff nicht so gut aus. Als Agentin Schwarz heftig atmend, aber gesichert neben ihm an der Reling saß, fasste er sich ein Herz, stand auf, stemmte sich gegen den heftigen Wind, verursacht durch die hohe Fallgeschwindigkeit und blickte nach vorne, um den Aufprall mitzuerleben.

Seine Augen weiteten sich vor Schreck und er sah…

„Ist schon gut. Mach dir nicht in die Hosen. Ich bin ja bei dir.“

General öffnete die Augen und blickte seinen Vorgesetzten an, der ihn mitleidig ansah und versuchte sich verärgert aus dessen Umarmung zu lösen.

Er, General, lag total verschwitzt in seiner Koje und hatte seine Finger in die Unterarme von Leutnant Griff gekrallt. Als er erschrocken losließ, waren auf Griffs Unterarmen tiefe Druckstellen zu erkennen.

„Entschuldige“, murmelte General.

Griff nickte verständnisvoll und fragte „War es wieder einer dieser Träume?“.

General nickte und setzte sich langsam und immer noch heftig atmend auf.

„Kannst du mir einen Gefallen tun?“ fragte ihn Griff und General nickte.

General – Eine ungewöhnliche Bitte

General hatte seine Hängematte im Mannschaftsquartier verlassen, sich angekleidet und war dann dem Kommandanten der ANS Arakon eilig gefolgt. General fühlte sich auf dem Schiff nicht wohl. Eigentlich war er bisher immer auf den kleinen, überschaubaren Schiffen der Olbia- oder Welfbutklasse unterwegs gewesen. Und jetzt fuhren sie einen fliegenden Wolkenkratzer der Linienschiffklasse. Er beeilte sich also zur Wendeltreppe, eilte hoch, trat in die hinter der Kommandobrücke befindliche Kabine des Kapitäns ein und schloss die Tür hinter sich. Weil die Tür zur Brücke offen gestanden war, hatte er sehen können, dass der Pilot entspannt vor dem großen Panoramafenster gesessen war und sie bereits Festland erreicht hatten.

„Magst du auch welchen?“, kam ihm Griff mit einer Frage zuvor.

Nach dem gerade erlebten Traum war ihm zwar eher nach etwas Gehaltvollerem, aber er bejahte höflich und sah zu wie sein Gegenüber etwas ungeschickt aus einer Porzellankanne schwarzen Tee in eine Tasse goss.

General griff nach der Zuckerdose und nahm drei gehäuft volle Löffel braunen Zucker daraus hervor, um sie alsdann im Tee zu versenken, umzurühren und einen kleinen Schluck der heißen, jetzt zuckrigen Lösung zu genießen.

„Ah, das tut gut.“, seufzte er und war nun bereit seinem Chef zuzuhören.

Ex, Chef, dachte er bei sich. General war Leutnant Griff nämlich sehr dankbar, dass er ihn für diesen einen Flug als Sicherheitsassistenz angeheuert hatte, um ihm die Gebühren für ein Flugticket zu ersparen. General war früher mit Griff geflogen, aber seit etwa einem Jahr gingen sie getrennte Wege. Griff hatte sich für ein größeres Kommando beworben und kurz darauf die ‚Arakon‘ bekommen.

General war indes weniger erfolgreich gewesen. Der letzte große Einsatz in Form eines Langstreckenfluges weit in den Süden von Caltha hatte bei ihm erstzunehmende Spuren hinterlassen. Und so durfte er nicht mehr auf Luftschiffen anheuern. Stattdessen zahlte ihm der RAN (Rat von Arca-Nihil) einen zehnwöchigen Aufenthalt in einem Sanatorium inklusive psychologischer Betreuung.

Und jetzt ein Jahr später saß er hier in der Kabine seines Freundes und flog mit dessen Schiff nach Hagedorn, um endlich wieder aktiv zu werden.

Aber auf einem kleinen Schiff, das war ihm wichtig. Und weit weg von Arca-Nihil sollte es sein. Also Hagedorn.

„Wo bist du gerade?“, fragte ihn Griff ruhig und schaute ihm dabei tief in die Augen.

„Alles klar, alles ok!“ General sprach etwas zu hastig, um dabei glaubwürdig zu wirken. Aber eigentlich ging es ihm wirklich gut. Er war nur ein wenig fahrig.

„Wir sind schon am Ilonerpass vorbei.“, ergänzte er, um zeigen, dass er sehr wohl im Hier und Jetzt war.

„Hab’s beim Eintreten gesehen!“

„Ja, wir sind bald da. Es gibt eine Sturmfront vor dem Adlertal und darum fliegen wir die Südroute. Damit sollten wir kurz vor der Dämmerung dort sein und nicht wie ursprünglich geplant zur Mittagszeit.“

„Macht nichts. Kann ich da eventuell im Schiff übernachten?“

„Nein, das geht leider nicht!“ sagte Griff dem verblüfften General.

General verstand nicht ganz, warum das jetzt plötzlich ein Problem sein sollte und überlegte bereits wie er es vermeiden könnte eine Unterkunft bezahlen zu müssen und trotzdem nicht im Freien übernachten zu müssen. Seine Gedanken wurden unterbrochen, weil Griff weiter sprach.

„Du weißt, dass das kein Problem wäre. Mein Schiff ist ja halb leer und du könntest die ganze Zeit im Schiff bleiben.“ „Aber, es gibt da eine andere Sache. Ich muss nämlich sofort nach der Landung zum Legionskommando und Meldung machen. Ich denke nicht, dass ich da so schnell wieder wegkomme.“

„Aber du hast ja einen tollen Ersten. Der wird sich um die Fracht und das Schiff kümmern.“

General grinste schelmisch, als er Griffs Gesichtszüge deutete.

„Du hast Dreck am Stecken, du Halunke! Wolltest Du nicht sauber werden? Nur mehr offiziell und so?“

„Es war zu verlockend. Aber jetzt habe ich doch ein wenig Bammel und möchte, dass es problemlos verläuft.“ General sah ihn auffordernd an und so setzte er fort.

„Wir nehmen ja immer wieder mal ein wenig Extra mit, ohne es zu kommissionieren, oder? Ja, und ich habe da halt in einer toten Fracht ein wenig lebende Fracht mitgenommen. Anfangs kam mir das wie eine gute Idee vor, inzwischen bereue ich das aber ziemlich.“

„Was bereust du?“

„Am Zwischenstopp auf Devenport Island haben wir unter anderem eine große Kiste zugeladen. Da drin ist ein SERAN Anzug. Ganz normal denkt man sich, wo hier in Hagedorn doch die 4’te Legion ihr Hauptquartier hat. Im Anzug steckt eine Frau drin, sag ich Dir. Ein Gorfanpriester hat den Deal eingefädelt und ich hätte es wissen sollen, dass man diesen Fanatikern nicht trauen darf. Stell dir vor – das ist eine politische Gefangene. Und ich habe ihr zur Flucht verholfen.“

„Da hast du aber echt dein Hirn daheim gelassen, als du das ausgehandelt hast. Man erkundigt sich doch, wen man da mitnimmt.“

„Der hat mich ausgetrickst, sag ich Dir!“, Griff war lauter und aufgeregter geworden, bekam jetzt seine Stimme aber wieder unter Kontrolle und sprach leise weiter.

„Ich erspare dir die Details, aber er hat mich davon überzeugen können, dass sie seine Freundin sei und hier in Hagedorn Geschäfte machen möchte. Geschäfte mit illegalen Gütern.“ „Ok, das hätte ich jetzt auch mal geglaubt. Sowas machen Leute doch gerne und oft und darum bieten wir diesen Service.“

„Gegen gute Bezahlung!“, fügte General lächelnd hinzu.

„Wo siehst du da etwas Politisches?“

„Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie passen unangenehm gut zusammen. Erstens gibt es eine Vorschrift, welche es explizit verbietet, unregistrierte Passagiere von etlichen Orten wie zum Beispiel von Bullrock Island, Noric und eben Devenport Island aufzunehmen. Zweitens erscheint es mir nach längerem Nachdenken sehr merkwürdig, dass jemand von einer Insel mit ein paar Dutzend Einwohnern unbemerkt verschwinden will und dafür extra, ich meine wirklich EXTRA, viel zahlt. Die Leute wissen das nach ein paar Tagen sowieso. Weil wo sollte sie sonst sein?“

„Naja, das ist schon etwas weit hergeholt. Aber es hat was. Und jetzt komm ich ins Spiel? Als Retter?“, General war nun echt neugierig, zu welchen weiteren Gedanken seines Freundes dessen Paranoia ihn geführt hatte.

„Sollte die Inquisition zu Sesosta kommen, so ersuche ich dich alles auf deine Kappe zu nehmen. Dann kann ich das Kommando behalten. Du hast nichts zu verlieren und stehst auch rechtlich weniger in der Klemme. Das gibt für dich höchsten ein halbes Jahr. Für mich wäre es vermutlich das Ende meiner Karriere.“

„Jetzt übertreibst du aber komplett.“, empörte sich General.

„Das war nicht gut, was du gemacht hast. Aber sowas macht doch jeder. Ich mag ein wenig labil geworden sein, aber du bist ja paranoid. Träumst du auch öfters davon?“

Griff nickte leicht, sah General aber dabei nicht an, sondern aus dem Bullauge hinaus auf kleine Wölkchen.

„Warum nicht?“, versuchte General die trübe Stimmung aufzuhellen.

„Wenn es eine Schmugglerin ist, dann schaut sicher auch für mich einiges raus. Bis ich auf der Mezz anheure habe ich Zeit. Da kümmere ich mich um Deine Fracht.“

Griffs Augen strahlten vor Freude.

„General, du bist ein echter Freund!“

Er langte in die Außentasche seiner Fliegerweste und holte einen kleinen, seidenen Beutel mit Schnürverschluss hervor.

„Du bekommst die Hälfte der vereinbarten Prämie. Und vielleicht gibt die Lady ja noch etwas her. Sie hat verdammt viele davon.“, meinte er bedeutungsschwanger.

General griff zögernd nach dem Beutel. Der Inhalt war klein, rund und schwer. Etwa wie Glasmurmeln. Was mochte da drinnen sein?

Er öffnete ihn und holte mit zwei Fingern eine von drei Kugeln heraus. Es war ein bläulich schimmerndes, nein glänzendes rundes Ding, wie er es noch nie selbst gesehen hatte. Aber natürlich wusste er sofort, was er da in der Hand hielt.

„Ich will verdammt sein, wenn wir das nicht hinbekommen!“, grinste er über beide Ohren und besprach gut gelaunt mit seinem Freund, wie sie nun vorgehen wollten.

General – Landeanflug Hagedorn

Ein paar Stunden später saß General entspannt auf einem Stuhl, welcher an der Rückwand der Kommandobrücke heruntergeklappt werden konnte um mehr Personen, zum Beispiel für eine Besprechung aufzunehmen. Normalerweise war die Brücke für drei bis vier Personen vorgesehen. Es konnten zur Not aber bis zu zehn Leute darin Platz finden.

Das haben die Konstrukteure gut gemacht, überlegte General, weil das Schiff normalerweise eine zehnköpfige Besatzung aufwies und somit alle in jenem Raum zusammentreffen konnten, der während des Fluges immer besetzt sein musste. Zur Not oder ohne Kursänderungen genügte ein Pilot. Bei komplizierten Landemanövern oder in unübersichtlichen Gefahrensituationen wie es sie zum Beispiel Stürme darstellten taten zwei bis drei Personen Dienst. Dann war es hier richtig gemütlich. Es war möglich, die komfortablen Stühle zu verlassen, ein paar Schritte zu gehen und das große Panoramafenster gab einen guten Überblick, was vor einem so geschah. Was hier fehlte, war der Rundumblick und die Bullaugen am Boden, wie es die mittelgroßen Luftschiffe der Stonehaven- und der Welfbutklasse boten. Aber bei den Linienschiffen befand sich die Brücke im Oberdeck und diese Möglichkeiten waren darum verwehrt.

Ein wenig wehmütig fiel ihm bei diesen Gedanken ein, dass einem schon vor langer Zeit geplanten Verschrottungsprogramm fast alle Olbiaschiffe zum Opfer fallen sollten. Sie waren aufgrund ihrer kleinen Nutzlast und der, dem hohen Alter geschuldeten Wartungsintensität einfach zu teuer geworden und sollten bald aus dem AN-Luftraum verschwunden sein. Das machte ihn sehr traurig. Hatte er doch mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens auf genau solchen Schiffen verbracht.

Das war auch der schönste Teil meines Lebens, fügte er in Gedanken hinzu. Leider hatte er oft zurückstecken müssen. Und wenn er dann an seinem Lieblingsort, der geöffneten Ladeluke eines Luftschiffes, saß, die Füße nach unten baumelten und er Himmel, Horizont und tief unten das Meer oder das Festland betrachten konnte, dann war er fast immer das, was er für sich selber als glücklich bezeichnete.

Seine Trauer um das baldige Ende der Olbiaflotte wurde allerdings bei ihm und auch bei vielen anderen Luftschiffern von einer Vorfreude auf die neue Generation von Luftschiffen kompensiert. Es war nicht einfach eine neue Klasse. Nicht mehr vom Selben, sondern etwas ganz Neues. Er hatte die ANS Ichmi, das erste seiner Art, ein einziges Mal aus der Ferne gesehen. Es war deutlich kleiner als ein Linienschiff, aber kompakter.

---ENDE DER LESEPROBE---