Eine ungewöhnliche Reise - Arnold Nirgends - E-Book

Eine ungewöhnliche Reise E-Book

Arnold Nirgends

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Beschreibung

Igor, der Privatdetektiv, ist in der krisengeschüttelten Ostukraine unterwegs, um einen Auftrag auszuführen. Dabei stößt er auf eine Gruppe ungewöhnlicher Menschen und begibt sich auf die abenteuerlichste Reise seines Lebens. Mit diesem Roman startet eine Serie fantastischer Abenteuer im Arca-Nihil Universum.

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Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Igor - Kontrollposten

Igor - Metallurge

Igor - Karaoke Bar

Kalmer – Ankunft

Igor - Iwans Zimmer

Igor - Frühstücksraum

Igor - Werkstatt

Igor - Karaoke singen

Igor - Aufbruch und Fahrt

Igor - Ankunft

Igor - Überfall

Igor - Das Feuerzeug

Kalmer – Teleskop

Igor - Grenzübertritt

Igor - wieder Karaoke

Igor - Grenzkontrolle

Igor - Gespräch auf der Fahrt

Kalmer – Trick

Igor - Verladung

Igor - Transsibirische Eisenbahn

Igor - Transsibirische Eisenbahn 2

Igor - Transsibirische Eisenbahn 3

Igor - Transsibirische Eisenbahn 4

Igor - Transsibirische Eisenbahn 5

Igor - Umstieg auf Schiff

Igor - Rendezvous auf See

Igor - Schichtwechsel auf der Montenaken

Kalmer – Heavens Door

Igor - Sternengucker

Igor - Küstenwache

Igor - Marines

Igor - Geheimstützpunkt

Kalmer – Alarm

Igor - Tetris Halle

--- Arcapedia ---

--- Anhang ---

Rosamunde Tecot - 3 Jahre alt

--- Feedback und Newsletter ---

--- Andere Arca-Nihil Veröffentlichungen ---

Eine ungewöhnliche Reise

Arca-Nihil®

Archon-Reihe, Band 1

Arnold Nirgends

--- Impressum ---

Fiction Roman

Arca-Nihil®

Eine ungewöhnliche Reise

Archon-Reihe, Band 1

2.Auflage Juni 2019

(1.Auflage Oktober 2016)

Arnold Nirgends

Copyright © 2016, 2019 Arnold Nirgends

Covergestaltung: Arnold Nirgends

Unter Verwendung von Fotolia.com Bildern

www.arcanihil.com

www.facebook.com/arcanihil

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors gestattet. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Alle Markennamen und Warenzeichen, welche in diesem Roman vorkommen, sind natürlich Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.

Arnold Nirgends

www.arcanihil.com/impressum

[email protected]

Am Ende des Buches befindet sich die Arcapedia, wo etliche Begriffe und Abkürzungen aus dem Text ausführlicher erklärt werden.

--- Danksagung ---

An dieser Stelle möchte ich ganz besonders meinem Bruder Christian danken, für die vielen Jahre in denen wir gemeinsam an den Rahmenbedingungen des Arca-Nihil Universums gebastelt und dabei viel Spaß gehabt haben.

Nicht die Unwissenheit, sondern die Unwissenheit der Unwissenheit ist der Tod des Wissens. (Alfred North Whitehead)

--- Vorwort zur 2.Auflage ---

Als dieser Roman entstand, war er der Allererste dieser Serie. Ziel war es damals den Leser von der Erde langsam zum Arca-Nihil Universum hinzuführen. Darum war es eine lineare Geschichte, die in der Ukraine begann und von dort ihren Verlauf nahm. Bis jetzt, 2019, ist schon einiges geschehen und die Serie hat ihre Unschuld bereits ein wenig verloren. Deshalb erscheint es aus jetziger Sicht sinnvoll, den Einstiegsroman ein wenig zu erweitern. Es war der kürzeste Roman der Serie und mit dem Einfügen eines zweiten Blickwinkels wird für den Einsteiger früher erkennbar, wohin sich die Serie entwickeln wird. Anfänglich wirkt Arca-Nihil eher mittelalterlich, aber es handelt sich eindeutig um eine Science-Fiction-Serie. Das sollte von Anfang an klar erkennbar sein.

Ich hoffe die hinzugefügten Kapitel runden das Lesevergnügen dieses Romans gut ab und wünsche viel Unterhaltung mit Igor und Kalmer.

Arnold Nirgends, Wien 2019

--- Einleitung ---

Irgendwo in den Weiten der ostukrainischen Ebene …

Igorein Privatdetektiv, der auf einer heißen Spur unterwegs istIwanhat ein GeheimnisTulcineasingt gerne Karaoke und sammelt KunstBennoTulcineas ‚Hund‘ und begabter BegleiterKalmerDer ewige Krieger öffnet Türen

Igor - Kontrollposten

Igor war ein bulliger Typ. Deshalb wurde er auch extra gründlich gefilzt als er die Straßensperre der sogenannten „Separatisten“ nahe Mariupol passieren wollte. Die Separatisten glaubten ihm entweder nicht, dass er nur Reporter einer russischen Lokalzeitung sei, oder sie machten sich einen Spaß daraus, ihn glauben zu lassen, dass sie ihm das nicht glaubten. Jedenfalls hatten sie die compact Flash Speicherkarte seiner alten Digitalkamera komplett gelöscht und ihm die letzte der Stangen Zigaretten, die er vorher zuhauf mit sich geführt hatte, als ‚Zoll‘ abgeknöpft. Die Pistole durfte er behalten, weil „sowas braucht man hier“, wie der Kommandant der Straßensperre meinte.

Das Ziel von Igor war eine Buk-Raketenstellung – vermutlich jene, von der aus die meisten ukrainischen Kampfjets abgeschossen wurden. Es gab dort einen Iwan Ignotsik, den wollte er interviewen und ein Foto von ihm machen. Es ging ihm weniger um den Krieg hier, als um eine reiche russische Witwe, die den Beweis dafür wollte, dass ihr Liebhaber – Iwan Ignotsik - wirklich im Kriegsgebiet war, und nicht, wie von anderer Stelle behauptet, ein Doppelleben führte. Igor war Privatdetektiv und er war gut – aber nur wenn er wollte. Leider war er auch ein wenig faul. Darum freute er sich jetzt umso mehr, dass diese russische Witwe viel Geld zahlte – leicht verdientes Geld, wenn man nur den Mut hatte, in ein Kriegsgebiet zu fahren. Und Igor war zwar faul, aber nicht feige.

Also winkte er den Separatisten beim Kontrollpunkt noch mal im Rückspiegel zu und gab Gas, um schnell wegzukommen. Mariupol würde er nicht mehr bis zum Abend erreichen, aber auch in der Nacht würde sich ein Hotel finden. Und dann ginge es zur Buk-Raketenstellung weiter.

Igor - Metallurge

„Russe, heh?“ Die Frage war wohl nicht freundlich gemeint. Igor erreichte kurz vor Mitternacht Mariupol am Asowschen Meer. Eine alte Hafenstadt, erbaut von den Griechen und immer noch mit einer griechischen Minderheit, die aber inzwischen auch eher Russisch und Ukrainisch sprach.

So viel hatte Igor noch in Moskau gegoogelt und auch, dass die Statue ‚Metallurge‘ ein Wahrzeichen der Stadt sei. Als er nun hier bei der Statue ankam und die drei Herren am Straßenrand angesprochen hatte, war seine Erwartung, oder besser gesagt seine Hoffnung eigentlich gewesen, den Weg zum Park Hotel zu erfahren.

Aber nein, der Stämmigere, glattrasiert und kahlköpfig, mit der Brechstange in der Hand, hatte eher rüpelhaft nach seiner Nationalität gefragt.

Das genuschelte „Warum sollte ich? Ich doch nicht.“ überzeugte den Glattrasierten wohl nicht und er kam näher.

„Siehst aber wie einer aus.“, klang nicht gut.

Und: „Warum fragt so einer nach dem feeeeinen Park Hotel?“

„Will wohl baden gehen, heh?“

Igor machte sich ein wenig Sorgen und stotterte ein paar beschwichtigende Dinge wie „Ich kann doch gar nicht schwimmen“ (was gelogen war) oder „Seid lieb und ich zahl euch auch einen Wodka.“

Er erkannte nun, dass er die falsche Verhandlungstaktik gewählt hatte, da der Bursche mit der Narbe auf seine Motorhaube sprang und von dort auf die Windschutzscheibe spuckte. Der dritte, unauffälligere Typ zog bedächtig ein Klappmesser aus der recht modischen und sauberen Hose.

Die brauchen das einfach, dachte Igor bei sich, fasste aber trotz der bedenklichen Situation Mut, weil er etwa 50 Meter entfernt eine Polizeistreife im Schatten eines Alleebaumes stehen sah. Wenn ich sie auf die Lage aufmerksam mache, kommen sie her und diese drei Halbwüchsigen verschwinden! So setzte Igor seine Gedanken fort.

Er war wohl ein wenig zu viel in Gedanken über seine baldige Rettung versunken, weil ihn das metallische Scheppern überraschte. Der ‚Glatzkopf‘, wie er ihn für sich im Geiste nannte, hatte, während Igor nach rechts, Richtung Polizeiauto geschaut hatte die Brechstange angehoben und damit mächtig auf die Kühlerhaube geschlagen. Für die Macht des Aufpralls und das laute Krachen war die Beule gar nicht so groß. Gute alte Qualitätsautos, dachte Igor. Ein neues Auto hätte da Plastik und das wäre sicher zersprungen. Der Glatzkopf schaffte noch drei weitere Hiebe mit seinem Schlagwerkzeug, dann war Igor aus dem Auto raus und schrie aus Leibeskräften. Er schrie so laut, dass es den Dreien in den Ohren rauschen musste. Sie waren derart überrascht und erschrocken, dass sie ihre Beine in die Hand nahmen und davonliefen. Davonliefen, verfolgt von einem aus voller Kehle schreienden Igor mit vor Anstrengung feuerrotem Kopf.

Nach etwa 200 Meter Flucht besannen sich die Drei, dass sie in der Überzahl waren und stoppten ihren Lauf. Sie drehten sich um, einer die Brechstange locker in einer Hand haltend, damit auf die andere Hand leicht schlagend, der Andere, Elegantere ein Messer in der Hand haltend und der Dritte, mit der Narbe frech grinsend. Das Grinsen verging ihnen schlagartig. Die drei blieben wie auf Kommando ganz ruhig stehen, auf die Mündung einer gut geölten Glock starrend, welche Igor gekonnt in der einen ausgestreckten Hand vor sich hielt, mit der anderen Hand gestützt und ungefähr auf die Drei vor ihm gerichtet.

„Nur weil ich vielleicht ein Russe bin, müssen wir nicht gleich streiten“ meinte Igor deeskalierend. „Dieser ganze Konflikt um den Donbass ist mir sehr unangenehm und ich finde, Grenzen muss man einhalten. Da bin ich ganz bei euch.“

Nachdem seine Kontrahenten auch nach diesen beruhigenden Sätzen keine Anstalten machten, zum Fortgang des Dialogs beizutragen, fragte Igor sie, wo denn nun das Park Hotel sei. Er bekam vom Vernarbten eine gute Auskunft und ließ sie dann von Dannen ziehen.

„Eine gute Ausbildung ist das Wichtigste im Leben!“, rief Igor ihnen noch gutmeinend nach und ging sehr, sehr erleichtert zurück zu seinem Auto.

Dort standen mittlerweile zwei Polizisten. Einer von Ihnen steckte gerade einen Zettel hinter den rechten Scheibenwischer. Der Andere rauchte gemütlich eine Zigarette.

„Ist das ihr Auto?“, fragte der rauchende Polizist gelangweilt.

„Ja, ich wurde hier gerade von drei Halbwüchsigen überfallen. Sie haben meine Motorhaube…“ antwortete Igor, wurde aber von dem zettelsteckenden Polizisten unterbrochen.

„Wir wollen keine Lebensgeschichten hören. Wir sind im Dienst und in dieser unruhigen Zeit sehr beschäftigt.“ wurde er zurechtgewiesen.

„Ausweis, Papiere, Visum, und so weiter“ herrschte ihn der Exekutivbeamte weiter an.

„Der Strafzettel ist übrigens wegen unerlaubten Parken im Kreisverkehr“

„Aber ich…“, wollte Igor anfangen, wurde aber abermals unterbrochen und aufgefordert sich endlich auszuweisen.

„Hm, aus Moskau. Reporter, soso. Und eingeladen von der jüdischen Vereinigung für Meeresbiologie, wo er Freunde hat. Interessant.“

Igor versuchte alles zu erklären und darzulegen, dass er rein beruflich hier sei und es keinen Anlass gäbe, an seiner Rechtschaffenheit zu zweifeln. Während er auf diese Art die Polizisten immer mehr zu langweilen schien, fiel ihm nebenbei ein, dass sie, falls sie es bemerkt hatten, mit keinem Wort seine Waffe erwähnten. War es schon so schlimm, dass sogar die Polizei davon ausging, dass hier sowieso jeder bewaffnet sei?

„Da werden wir wohl mal aufs Revier müssen. Das kann schon ein paar Tage dauern, bis das vom Polizeipräsidium abgezeichnet ist.“

Jetzt dämmerte es Igor. Wie dumm von ihm.

„Kann es sein, dass ich vor ein paar Jahren mal mit ihrem Vater zu tun hatte?“, fragte Igor und setzt fort mit „Wie geht es ihm und der Familie so?“.

„Naja, war schon besser.“, antwortete der Polizist. „Mutter muss Medikamente nehmen und die sind echt teuer. Der Arzt verlangt 1300 Griwna für eine Packung und die reicht nicht mal drei Wochen. Wie soll man das denn bezahlen?“

„Ach, das ist aber wirklich schlimm. Wie kann man nur braven Bürgern so viel Geld für lebensnotwendige Medikamente abknöpfen? Das ist ja fast schon Erpressung.“ Igor redete sich richtig in Rage.

„Wissen sie was – ihr Vater war so ein guter Kamerad und Freund. Hier sind 5000, nein, hier sind 8000 Griwna. Kaufen Sie ihrer lieben Mutter ganz viel von dieser Medizin und richten sie ihrem Vater doch bitte alles Gute von mir aus.“

Igor nahm acht große Scheine aus seiner linken Innentasche und gab sie dem Polizisten, mit dem er gesprochen hatte. Beide Polizisten nickten freundlich, verabschiedeten sich mit netten Worten und wünschten noch einen guten Aufenthalt in Mariupol.

Igor setzte sich ins Auto, startete den Motor und fuhr ein Liedchen pfeifend die dritte Ausfahrt vom Kreisverkehr ab, Richtung Park Hotel, sich selbst im Geiste lobend, dass er die Bestechungssumme so gut geschätzt hatte und nicht gar zu viel ausgegeben hatte.

Igor - Karaoke Bar

Er traute seinen Augen nicht. Iwan fläzte da ganz gemütlich auf einer Ledercouch in der Karaoke Bar des Park Hotels und sah gelangweilt einer dem ersten Anschein nach deutschstämmigen jungen Dame zu, wie diese eine recht eigenwillige Interpretation von „Atemlos“ von Helene Fischer zum Besten gab.

Das Hotel insgesamt war recht gut ausgebucht, was auf die niedrigen Preise (sieben Tage für lediglich umgerechnet 130 Euro – es wurden nur Dollar oder Euro akzeptiert) zurückzuführen war. Nachdem Mariupol sehr nahe am Krisengebiet lag, waren diese Preise nicht überraschend. Überraschend war eher, dass es Leute gab, die sich so eine Gelegenheit für einen Billigurlaub in einem Luxushotel zunutze machten, dachte er. Im Hotel weilten also sehr viele Leute, aber die Karaoke Bar war überraschend verwaist. Es gab etwa 20 Sitzgruppen. Schwere Ledersessel und Glastische. Aber nur drei waren besetzt. Eine Gruppe ukrainischer Offiziere saß tief in ihren Sesseln, rauchte Zigaretten und folgte aufmerksam den Bewegungen der Sängerin auf der leicht erhöhten Bühne in der Mitte des Raumes. Iwan, zwei andere Männer vom Beamtentyp und zwei junge Mädchen in aufreizender Kleidung, die immer wieder mal albern kicherten, saßen direkt bei der Bühne. Eine riesige, sicher unglaublich teure Flasche Sekt, drei Flaschen teurer Wodka (Igor kannte sich da aus), viele Dosen eines Energydrinks, sowie ein paar Flaschen Mineralwasser, Cocktailgläser und Teller mit Kaviar nahmen die Oberfläche des Glastisches fast vollständig ein. Iwan schien schon tief ins Glas geschaut zu haben und hatte einen meist ziemlich starren Blick aufgesetzt, mit dem er Richtung Bühne schaute. An der Bar standen zwei Männer, welche sich wie Geschäftsleute gekleidet hatten und ausländisches Bier aus der Flasche tranken. Es sah nach Corona aus. Am dritten besetzten Tisch saßen Igor und sein Gast. Sein Gast hieß Irina. Er hatte sie am Hotelparkplatz kennengelernt. Sie brauchte Geld – er ein Alibi. Es gefiel ihr hier und sie genoss es wahrscheinlich auch, dass er nichts von ihr wollte außer Ihrer Anwesenheit. Nach Außen gaben sie vermutlich das Bild eines gealterten, griesgrämigen, schlecht gekleideten, irgendwie zu Geld gekommenen Mannes ab, der sich eine viel jüngere Frau leistete, die ihn aber eigentlich mit Ihrem Gerede ziemlich nervte. Das mit dem Nerven stimmte, denn sie redete wirklich immerzu von irgendeiner Castingshow, bei der es eine Reise nach Moskau zu gewinnen gäbe und wo sie schon mal fast mitgemacht hätte…

Alibi hin oder her – dieses Gerede lenkte ihn ungemein ab und er hätte fast übersehen, dass Iwan mit einem der ‚Beamten‘ in Streit geraten war. Es ging um Geld. Große Summen wurden genannt – nein – eher geschrien. Aber er verstand nicht, worum es ging. Die Musik war zu stark aufgedreht und darum drangen nur die lautesten Worte zu Igor durch. Den Gesten nach zu schließen schien aber viel Aggression aufzukommen. Der zweite Beamte mischte sich ein und die Gesichter färbten sich rot vor Aufregung. Was geht da vor sich? fragte sich Igor, der jedes Detail aufzuschnappen versuchte und sich dem Abschluss seines Auftrages schon recht nahe sah.

Bevor er seine Gedanken zu Ende führen konnte, hörte das Lied auf und die blonde Dame schritt mit grazilem Hüftschwung von der Bühne auf die Sitzgarnitur mit den Streithähnen zu. Der Applaus von den ukrainischen Offizieren ließ sie kurz schelmisch in deren Richtung blicken. Dann aber sagte sie mit kalter schneidender Stimme etwas, was Iwan sofort erblassen und verstummen ließ. Die Dame setzte sich elegant auf ihren Platz, nahm ein Cocktailglas zur Hand und alle Personen stießen mit den Gläsern zusammen und prosteten sich freundlich zu. Die Situation war nicht wiederzuerkennen und es wurden fröhliche, freundliche Floskeln ausgetauscht, welche Igor aufgrund der wieder einsetzenden Hintergrundmusik (‚Take on me‘ von Aha) wieder nicht verstehen konnte.

Aber zwei Dinge hatte er mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit verstanden. Es wurde von ‚Aufbruch‘ und von ‚Morgen früh‘ gesprochen. Nun begannen sich bei ihm im Kopf die Räder zu drehen. Wenn diese Gruppe morgen aufbrechen wird und wenn das zwei wichtige Beamte waren – dann würden sie eventuell zur Buk-Raketenstellung fahren. Oder woanders hin. Und da Igor davon ausging, dass die beiden Damen gekaufte Prostituierte zur Bestechung der Beamten waren und die schöne Unbekannte eine Nummer zu groß für Iwan war, musste dessen Liebelei woanders zu finden sein.

---ENDE DER LESEPROBE---