Per Luftschiff durch Caltha, Teil 2 - Arnold Nirgends - E-Book

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 2 E-Book

Arnold Nirgends

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Beschreibung

Lesen sie die Fortsetzung von zwei parallel erzählten Reiseabenteuern, welche zu fernen und gefährlichen Gebieten auf dem Kontinent Caltha führen. Einerseits wird die goldene Kuppel der Iloner und das zerstörte Tritown angeflogen. Andererseits begleitet man als Leser eine diplomatische Mission, welche nach einer Notlandung auf einer einsamen Insel gestrandet ist. Es stellt sich die Frage, ob es die Besatzung schafft die Insel wieder zu verlassen und ob die eigentliche Mission, Kontakt mit Rebellen unter den Silonern aufzunehmen, um einen möglichen Angriff auf Arca-Nihil frühzeitig abzuwenden, noch erfüllt werden kann.

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Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhaltsverzeichnis

General – Über Dur Mok

Ilgor – Unter Dur Mok

Rebecca – Raus aus Dur Mok

Erinnerungen – Schwarz

Erinnerungen – Silber

Erinnerungen – Grün

Erinnerungen – Ein trauriger Nachmittag auf der Insel

Erinnerungen – Ausflug uns Ungewisse

Erinnerungen – Eine unheimliche Nacht

Erinnerungen – Heimkehr und Aufbruch

Erinnerungen - Meuterei

Erinnerungen – Aufklärung

Erinnerungen – Nacht der Entscheidung

Erinnerungen – Aufstand

Erinnerungen – Türkis

General – Reise ins Herz des Ilonerreichs

Rebecca – Die Goldene Kuppel

Fugger – TWC Besprechung

General – Flugziel Tritown

Erinnerungen – Binnenmeerblick

Erinnerungen – Südliches Barrieregebirge

Erinnerungen – Das Wäldchen

Erinnerungen - Orcs

Erinnerungen – Schwere Entscheidungen

Erinnerungen - Verfolgungsjagd

Erinnerungen – Sturmangriff

Erinnerungen - Einsamkeit

Erinnerungen - Rückmarsch

Erinnerungen – Unter Beobachtung

Erinnerungen - Erlösung

Rebecca – Massengrab

Rebecca – Ein wunderschöner Herr

Rebecca – Kalmer

General - Lustig

--- Arcapedia ---

--- Anhang ---

Deckplan für Luftschiffe der Welfbutklasse (Modell 74.ANZ)

Personenregister ANS Messenger

Personenregister ANS Lysian

Rosamunde Tecot - 11 Jahre alt (80.ANZ)

--- Feedback und Newsletter ---

--- Andere Arca-Nihil Veröffentlichungen ---

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 2

Arca-Nihil®

Archon-Reihe, Band 5

Arnold Nirgends

--- Impressum ---

Fiction Roman

Arca-Nihi®

Per Luftschiff durch Caltha, Teil 2

Archon-Reihe, Band 5

1.Auflage April 2019

Arnold Nirgends

Copyright© 2019 Arnold Nirgends

Covergestaltung: Arnold Nirgends

Cover Image von Shutterstock.com

www.arcanihil.com

www.facebook.com/arcanihil

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors gestattet. Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Alle Markennamen und Warenzeichen, welche in diesem Roman vorkommen, sind natürlich Eigentum ihrer rechtmäßigen Besitzer.

Arnold Nirgends

www.arcanihil.com/impressum

[email protected]

Dieser Roman baut auf seinen Vorgängern auf, kann aber auch unabhängig davon gelesen werden. Vorkenntnisse sind nützlich, aber nicht erforderlich!

Am Ende des Buches befindet sich die Arcapedia, wo etliche Begriffe und Abkürzungen aus dem Text ausführlicher erklärt werden.

--- Danksagung ---

Dieser Roman ist zum Großteil auf einer Thailandreise entstanden. Vielen Dank an meine Partnerin Doris und Tochter Olivia für ihre Geduld dabei.

Es gibt nichts Stilleres als eine geladene Kanone.

(Heinrich Heine)

--- Einleitung ---

Die mittels einer ANKH Mission von der Erde nach Arca-Nihil gereisten Igor und Marjeka, waren nach einer mehrmonatigen Akklimationszeit auf der abgelegenen Insel Devenport Island mit Forschungsprojekten beschäftigt worden.

Während Igor diese Einführungszeit erfolgreich abgeschlossen hatte und dann weiter nach Tlinax gelangte, einem Ort der sich in der Arca-Nihil Föderationszone befand, hatte sich Marjeka für einen umständlicheren Weg entschieden.

Sie versuchte damals von der Insel zu fliehen, was ihr beim ersten Versuch misslungen war. Mit Hilfe eines befreundeten Gorfan Priesters und eines bestechlichen Luftschiffkommandanten gelang es ihr später dennoch, die für sie verhasste Insel zu verlassen.

Bei der Ankunft in der ‚Wahren Welt‘ begegnete sie einem Luftschiffer, der eine schwere Last, in Form unverarbeiteter Erinnerungen, zu einer kürzlich erlebten Reise mit sich herumschleppte und diese mit Rebeccas Hilfe aufzuarbeiten versuchte. Marjeka hatte sich kurzerhand in Rebecca umbenannt, um diesen Aspekt ihrer Vergangenheit hinter sich zu lassen und etwaigen Häschern weniger Anhaltspunkte zu geben.

Rebecca war auf der Suche nach ihrer Bestimmung in dieser für sie fremden, und der Entführung wegen, verhassten Welt. Wen würde sie kennenlernen und wem ihr Vertrauen, oder ihre Loyalität schenken? Durch ihre Vergangenheit als Marine und CIA Agentin auf der Erde und durch das SERAN-Training auf Devenport Island war sie eine fähige Person, die viele Möglichkeiten hatte, das Geschehen auf dieser fremden Welt auf die eine oder andere Art und Weise zu beeinflussen. Allerdings benötigte sie die richtigen Verbündeten. Im Rahmen der TWC, der ‚True-World-Company‘ in Hagedorn, lernte sie eine ungewöhnliche Frau kennen. Demonia, wie sich die Fremde nannte, hatte sofort Rebeccas Potenzial erkannt und sie als Begleitung für eine Flugreise angeheuert. Dabei bereisten sie eine verfallende Stadt des wahren Volkes und gelangten danach in einer alten Ilonerfestung in einen Hinterhalt.

Botschafterin Kerala hatte an anderer Stelle eine schwere Mission zu erfüllen. Arca-Nihil und das im Südosten des Kontinents Caltha gelegene uralte Silonerreich standen sich seit Jahrzehnten feindselig gegenüber. Durch die Zerstörung der Stadt Tritown, welche eine Bufferfunktion zwischen den Mächtigkeitsblöcken ausgeübt hatte, haben sich die Spannungen in den letzten Jahren zugespitzt. Weiters gab es berechtigte Sorgen darüber, dass die Siloner ihre Reproduktionsalgorithmen verbessern konnten und man zukünftig mit gefährlicheren Gegnern zu rechnen hatte.

Um einen bevorstehenden Krieg zu verhindern und mehr über den evolutionstechnologischen Fortschritt im Silonerreich zu erfahren, wurde eine Kontaktaufnahme mit einer Gruppe von Silonerrebellen arrangiert. Dieses Treffen sollte auf den Hochebenen des südlichen Barrieregebirges stattfinden. Einem Gebiet das sehr weit vom Einflussgebiet Arca-Nihils entfernt war. Unter großer Geheimhaltung wurde daher ein Luftschiff für diese Reise vorbereitet. Anfangs verlief der Flug nach Plan. Aber es gab einen Verräter an Bord und diesem gelang es, im Luftschiff eine Bombe zu zünden. Der erfahrenen Besatzung war es zu verdanken, dass eine Notlandung auf einer unbekannten Insel, die sich zufällig gerade in Reichweite befunden hatte, möglich war. Bei späteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Luftschiff auch weit vom geplanten Kurs abgewichen war. Zusätzlich verhielten sich etliche Besatzungsmitglieder merkwürdig. Es kam zu Spannungen und Gruppenbildungen an der Landestelle. Dass die Insel nicht unbewohnt war, und voller Gefahren steckte mussten sie ebenfalls leidvoll erfahren. Einige Agenten büßten ihr Leben ein, als sie in einen Hinterhalt gerieten.

Wie es den Überlebenden auf der geheimnisvollen Insel weiter ergeht und ob Demonia mit ihren Begleitern, den Herren von Dur Mok, entkommen kann wird auf den Seiten dieses Folgeromans zu lesen sein.

RebeccaMacht etliche ungewöhnliche BekanntschaftenGeneralDie Vergangenheit lässt ihn nicht losAgent GrünNimmt das Ruder in die HandKeralaKennt kein PardonDemoniaLässt sich nicht in die Karten blickenLeutnant GriffVerzweifelt an sich selbst

General – Über Dur Mok

„Was passiert da?“ Neben General stand Captain Omar, hielt sich am Rand der Ladeluke des Schiffes fest und starrte ungläubig nach unten.

Tatsächlich hatte sich die gesamte Gruppe, geführt von Demonia, zum wiederholten Male in eine der riesigen rotbraunen Baracken begeben. Sie hatten sich auf dem Weg zur Zitadelle befunden, die im Zentrum Dur Moks stand und alles überragte. Dabei dürften sie unterwegs etwas entdeckt haben, das zu untersuchen sie abbiegen ließ.

Was den Captain jetzt derart aus der Fassung brachte, war, dass sich kurz darauf das vom Luftschiff aus sichtbare große Tor der Zitadelle öffnete und eine große Menge Menschen daraus hervorkam. Aus der großen Höhe, in welcher sie sich befanden, waren keine Details erkennbar, aber es war offensichtlich, dass es sich um eine unorganisiert voranschreitende Menge handelte, welche auf jene Baracke zu steuerte, in der ihr Landekommando erst vor wenigen Minuten verschwunden war.

„Was sollen wir denn jetzt tun?“, fragte der Captain eine weitere rhetorische Frage.

Das wirst du uns gleich sagen, mein Freund, dachte General und blickte besorgt nach unten.

Ein Schatten tauchte auf und dann sahen sie das Hippogriff mit schnellen und energischen Schwüngen seinen Sturzflug bremsen. Prinzessin Sophie landete es auf dem Dach der Baracke, wo ihre Leute verschwunden waren. ‚Gustavo‘, wie das Hippogriff genannt wurde, krächzte markerschütternd. Es klang für General weniger wütend oder angriffslustig, sondern mehr nach einem unsicheren Krächzen. Aber er war sich da nicht sicher. Hatte das Hippogriff etwa Angst? Schwer vorzustellen.

„Wir gehen tiefer, Philipp. Kurs Nord-Nordwest, halbe Kraft und dann runter auf zweihundert. Tom, ans Gerät! General, entsichern. Feuer nur auf mein Kommando.“ Er nickte.

So hätte er es auch gemacht. Und er war glücklich, dass er keine Feuerfreigabe erhalten hatte. Wurde das Luftschiff offensichtlich bedroht, hatte er immer die Erlaubnis zu feuern. Aber von diesem Recht hatte er, zum Glück, sein ganzes Luftschifferleben lang noch nie Gebrauch machen müssen. Und so war er happy, dass er ansonsten, zum Beispiel auf diese Menschenmenge da unten, nur dann das Feuer eröffnen würde, wenn es ihm ausdrücklich befohlen wurde. Er freute sich deshalb, weil er immer noch schlecht schlief und schlecht träumte wegen solcher Entscheidungen.

Während er das noch alles so dachte, wurde ihm bewusst, dass er schon wieder diesen Gedanken nachhing und er nahm sich vor, das Denken jetzt erst mal sein zu lassen. Besser darauf warten bis Rebecca wieder etwas Zeit hatte, um sich seine Geschichte weiter anzuhören. Aber da waren sie schon wieder, diese Gedanken. Er fluchte halblaut und winkte zum besorgt zu ihm herüberschauenden Omar. Ab jetzt blickte er nur mehr konzentriert auf alles, was sich vor seiner Gatling am Boden unten abspielte. Aber was, wenn da plötzlich etwas auftauchte… Nicht schon wieder diese Gedanken, dachte er verzweifelt und bemühte sich einen leeren Kopf zu bekommen.

(Einwohner von Dur Mok)

Ilgor – Unter Dur Mok

„Halt!“

Ilgor kannte sich mit den Menschen nicht so gut aus, aber der Tonhöhe des laut gerufenen Wortes nach zu urteilen schien es sich um eine Menschenfrau zu handeln, die da gerufen hatte. Er hielt inne und studierte die Konturen der Gegnerin. Sie hatte eine für Menschen ungewöhnliche, kammartige, blaue Kopfbehaarung und sie war schmächtiger als durchschnittliche Exemplare, wie er sie bisher gesehen hatte. Ja, er war sich nun sicher, dass es sich um eine weibliche Form von Mensch handelte, die da in dem für Ilgor ungewöhnlichen ANOS ihn und seinen Kollegen Igit angesprochen hatte. Natürlich dachte er nicht daran, auf sie zu hören. Er aktivierte abermals seine Schockklinge und setzte dem fliehenden Eisenkrieger mit einem entschlossenen Schritt nach, um ihn ebenfalls zur Strecke zu bringen.

Einen Moment stockte er, als er bemerkte, dass der Frau, welche vorher gerufen hatte und die eigentlich unbewaffnet dastand, aus der rechten Hand eine transparente, leicht bläulich fluoreszierende Klinge erwuchs.

„Wir sind keine Diebe. Der RAN schickt uns.“, hörte er die Frau sagen, während sie mit der Klingenspitze bedrohlich auf ihn zeigte.

Irritiert hielt er inne. Tatsächlich war ihr Auftrag hier in Dur Mok, jede Art von Plünderung zu verhindern und alle Eindringlinge zu töten. Ilgor war jung und unerfahren, das war ihm selber bewusst. Umso mehr wollte er seinen Vorgesetzten beweisen, dass er einen Auftrag gut und exakt ausführen konnte. Aber der RAN, waren das nicht Verbündete der Iloner? Wenn dem so war, warum kamen sie dann heimlich nach Dur Mok und schnüffelten hier herum?

Während er noch unschlüssig dastand und überlegte, wurde Igit, der auf den tödlichen Stoß gegen den betäubt am Boden liegenden, bereits von dessen Schwert paralysierten Eisenkrieger aufgrund der veränderten Situation verzichtet hatte, von dem anderen Eisenkrieger etwas zurückgedrängt.

Einer Horde Zombies, die hinter ihm in den Raum drängen wollten, gab er durch eine herrische Geste zu verstehen, dass sie dort im Gang bleiben sollten.

„Was hast du hier zu suchen, Mensch aus Arca-Nihil?“, fragte er mit blecherner Stimme, wich dabei aber keinen Millimeter vor dem Gefuchtel der Menschenfrau mit ihrer Klinge zurück und hörte sich an was sie sagte.

„Das ist kompliziert, mein Hübscher.“

„Ich habe aber auch eine Ermächtigung von deiner Exilregierung. Unterschrieben vom Illuminator. Und ich muss zur goldenen Kuppel.“

(Dur Mok)

Rebecca – Raus aus Dur Mok

Sie war eine bestens ausgebildete Agentin und auf jeden Fall eine Frau mit enormer mentaler Stärke und Selbstbeherrschung. Aber derzeit hatte sie das Gefühl, als ob sie eine semibekannte Persönlichkeit, wie zum Beispiel ein Schlagersternchen, sei, das in einer Reality Show gefangen war und eine Reihe ekliger Mutproben ausführen musste. Zum Beispiel in eine Glasbox voller Schlangen, Spinnen oder ekligerem greifen zu müssen, um für sich und ihr Team ein Abendessen zu verdienen. Früher hatte sie manchmal bei ‚Ich bin ein Star, holt mich hier raus‘, das auf einem Privatsender lief, zugesehen und sich gewundert, warum die alle so zart besaitet waren.

Für die toughe Rebecca wäre dort alles eine Leichtigkeit gewesen. Aber genau deswegen wurden dort auch verhätschelte Zivilisationsopfer vorgeführt und keine Überlebenskünstler. Das hatte sie natürlich erkannt.

Was hier in Dur Mok gerade abging und ein wenig vorher in Tukan geschehen war, das war jetzt für sie ähnlich schockierend wie für diese Möchtegernstars in der Reality Show die kleinen Ekelprüfungen dort. Nur hatte sie hier nicht mit Mehlwürmern, Kakerlaken oder Krokodilhoden zu tun, sondern mit den schlimmsten Albträumen aus der irdischen Horrorindustrie. Es gab Vierarmige, Eingeborene mit Giftpfeilen, Orcs aus Tolkiens ‚Herr der Ringe‘ und jetzt sogar echte Untote und fremdartige Wesen in goldenen Rüstungen. Auf dieses Setting war sie einfach nicht eingestellt. Alle ihre Maßstäbe verschoben sich gerade enorm und ihr gewohntes Weltbild wankte.

Zum Glückt hatte Demonia es geschafft, sich mit diesen Ilonern, wie die Metallwesen sich nannten, zu verständigen und von ihren guten Absichten zu überzeugen. Die Leute vom Wahren Volk, wegen derer sie hier waren, konnten nicht mehr gerettet werden. Die waren vermutlich von den Zombies zerfleischt worden, oder selbst zu welchen mutiert. Aber sie durften, umringt von dieser stinkenden Horde Untoter, den unterirdischen Hinterhalt verlassen und waren nach kurzer Zeit wieder im Freien.

Was sie dort erwartete, ließ ihr den Atem stocken. Hunderte wandelnde Leichname streunten zwischen den Barracken umher und gaben knurrende, jammernde, krächzende, schabende und sonst welche Geräusche von sich. Einige waren ganz nahe und blickten sie mit gebrochenen Augen, oder auch leeren Augenhöhlen an und hoben die Arme. Obwohl sie jeden Kontakt zu meiden versuchte und sich dicht an Regling hielt, berührte sie immer wieder mal tote Haut, oder eine tote Hand, die sich kurz an ihr festzuhalten versuchte, bevor Rebecca sich mit einem heftigen Ruck wieder lösen konnte.

Direkt über ihnen, auf dem Giebel der Baracke, die sie gerade verlassen hatten, kreischte das scheußliche Vieh von einem Hippogriff, mit der eingebildeten Prinzessin am Rücken. Noch so eine Gestalt aus einem Albtraum, oder einem Harry-Potter-Film, wie ihr nebenbei einfiel. Das Hippogriff fühlte sich anscheinend auch nicht wohl an diesem Ort des Todes.

Ich will hier weg, drückten alle ihre Gedanken und Bewegungen aus. Sie alle standen so etwa eine Stunde lang inmitten der Herde Kreaturen aus der tiefsten Dunkelheit ihrer morbidesten Phantasien, immer bemüht, diese Monster auf Distanz zu halten. Regling und Karo erbarmten sich und schützten Rebecca und den noch viel verängstigteren Häuptlingssohn Schneller Pfeil, indem sie versuchten, sich möglichst zwischen die beiden und die am nächsten stehenden Zombies zu stellen. Aber es war ein schwieriges Unterfangen und immer wieder unterlief eine Kreatur diese Abwehr, um zu versuchen Kontakt zu nackter, lebender Haut zu bekommen. Gierig war dabei der Gesichtsausdruck und ekelhaft die Berührung.

Dieser absonderliche Tanz begleitete das Zentrum des Geschehens. Ilgor und Igit, die beiden in ihren schweren, goldenen Rüstungen prächtig anzusehenden Iloner, debattierten mit ihrer Anführerin Demonia in einer Sprache, die Rebecca nicht verstehen konnte. Es war angeblich Ilonisch und somit jene Sprache, die unter Ilonern, Silonern und Rotonern, sowie deren Vasallen schon seit Ewigkeiten gesprochen wurde und viel älter als das ANOS aus Arca-Nihil war. Das wusste sie noch von den Unterrichtseinheiten bei ihrer Ausbildung auf Devenport Island und dankte ihrem damaligen Lehrer Herrn Mönich insgeheim nachträglich für die damals erhaltene, breit gefächerte Information.

Als sie schon glaubte, es würde den ganzen Tag so dahin gehen, kam es scheinbar zu einer Einigung und Demonia verkündete kurz angebunden, dass man hier fertig sei und die Erlaubnis habe zur goldenen Kuppel zu fliegen. Sie schien damit sehr zufrieden zu sein und winkte nach oben, um die tief fliegende ANS Messenger herunter zu beordern.

Rebecca war unglaublich erleichtert, als sie das wahrnahm. Sie blieb einen Moment stehen, beschattete die Augen und beobachtete wie das Luftschiff langsam zu sinken begann. In der Ladeluke der vertraute Anblick von General mit seiner Gatling. Weiters Omar und Gunnar neben ihm. Die beiden bedienten den Lift, welcher sich unterhalb der Luftschiffgondel nach unten zu bewegen begann. Klar, dass der Kapitän nicht zu landen gedachte. Bei so vielen dieser Biester hier. Rebecca versuchte abzuschätzen, wo die große Holzplattform, die den Lift ausmachte niedergehen würde und machte ein paar unbedachte Schritte darauf zu.

Das hätte sie nicht tun sollen, denn dabei entfernte sie sich ohne es zu merken von den SERAN-Kriegern und war den Zombies näher gekommen. Einer, der sie schon länger verfolgt hatte, konnte der Anweisung, sie in Ruhe zu lassen, nicht ganz widerstehen und krallte sich den saftigen linken Arm der blasshäutigen Frau. Noch während sie zusammenzuckte und sich loszureißen versuchte, vergrub er die Hauer seines zerstörten und verschobenen Gebisses in ihrem muskulösen Unterarm. Ihr Schrei ließ ihn stocken und kurz aufblicken. Schnell war Ilgor, der Iloner, zu Stelle und bestrafte den ungehorsamen Zombie, indem er ihm den linken Arm mit seiner scharfen Klinge abtrennte.

„Ennntschulldigee!“, kam es aus dem ausdruckslosen Gesicht des goldenen Metallwesens, das jetzt ganz nahe neben Rebecca stand, die panisch ihren Arm betrachtete. Deutlich waren die Abdrücke der zerborstenen Zähne des Orczombies, die sich in ihren Arm gebohrt hatten, zu erkennen.

„Ich bin tot!“, stöhnte die Agentin verzweifelt und den Tränen nahe.

Doch niemand nahm von ihrem Leid Notiz und sie trottete gemeinsam mit den anderen zur inzwischen am Boden angelangten Aufzugspattform des Luftschiffes. Dabei hielt sie den Arm mit der Bissstelle ganz fest umschlungen. So, als ob sie verhindern wollte, dass die Zombieseuche auf den restlichen Körper übergreifen sollte. Natürlich wusste sie, dass es nicht helfen würde, aber das war ihr im Moment ziemlich egal.

Undeutlich nahm sie das Schwanken der Plattform wahr, als oben im Luftschiff die extra dafür eingebauten Motoren begannen, die Seile aufzurollen und die Plattform wieder hochzuhieven. Zu Ihrer Überraschung befand sich auch ein Iloner unter den Evakuierten. Unten im Innenhofbereich von Dur Mok sah sie jetzt nur mehr den zweiten Iloner, umgeben von der Zombiehorde. Die meisten Zombies irrten weiter ziellos umher und nur wenige sahen ihnen, mit dumpfem Ausdruck im mehr oder weniger vorhandenen Gesicht, nach.

Oben angekommen, musste sich Demonia von Omar und auch von Prinzessin Sophie einiges anhören. Rebecca stand daneben und hörte einfach nur zu.

„Sehr schlau war das aber nicht, was du da geliefert hast!“, begann Omar sich seinen Frust von der Seele zu reden.

„Und das ohne uns auch nur irgendwie vorher zu informieren, oder gar zu fragen. Warum sollte die Dame das auch tun? Oder was?“

Sophie wirkte gerade nicht höfisch fein. Sie war noch ganz verschwitzt vom Einsatz und vor Aufregung hatte sie ein hochrotes Gesicht. Sah irgendwie lächerlich für Rebecca aus, die Sophie nicht sehr gut leiden konnte.

„Was geht euch das überhaupt an?“

Demonia wirkte ruhig, gefasst und ein wenig überheblich.

„Seid ihr da unten gewesen, oder war ich das?“

„Naja, ein wenig unvorsichtig war das schon. Wir hätten zumindest eine Wache bei der Bodenklappe zur Sicherung des Rückweges aufstellen können.“, fiel ihr Karlo, der korrekte Legionär, in den Rücken.

„Pfhh. Sicherung. Wer braucht so was? Und wer hätte das sein sollen? Sind wir etwa in Lanzenstärke da unten aufmarschiert?“, fragte die mit dieser einfachen Wahrheit konfrontierte erbost. (Anmerkung: Eine Lanze ist eine militärische Einheit, bestehend aus exakt zwanzig Personen).

„Wir wussten nicht was du da unten vorhast und du hast uns genötigt, das Luftschiff in Gefahr zu bringen. Auch Sophie, die für die Luftaufklärung zuständig gewesen war, hatte keine Ahnung und hätte sich fast mit der Zombiehorde da unten angelegt. Ganz zu schweigen von den Bedrohungen, die für euch da unten vorhanden waren. Du hast uns alle in Gefahr gebracht. Und das aus meiner Sicht völlig unnötig.“

Omar verstand es, die Sachen auf den Punkt zu bringen.

„Und wegen dem bisschen Nervenkitzel machst du dir gleich in die Hosen? Warum kommandiert ein Captain eigentlich nur so ein kleines Schiff? Ist da jemand vielleicht ein Kleingeist, der nicht über die Olbiaklasse hinausblicken kann? Hat dies das Luftflottenkommando eventuell schon sehr früh erkannt? Vielleicht soll ich diese angenommene Kleingeistigkeit in eine Beschwerde einbauen?“ Demonia sprach jetzt schneidend und mit durchdringendem Blick. Obwohl alle außer ihr der Meinung waren, dass sie da unten in Dur Mok - gelinde gesagt - verantwortungslos gehandelt hatte, war jetzt niemand mehr bereit, ihr das in irgendeiner Form weiter vorzuwerfen.

Also ging man daran, die nächsten Schritte vorzubereiten. Ilgor bekam einen kleinen Bereich im Luftschiff für sich und Omar brachte mit seiner Besatzung das kleine Luftschiff in Richtung Zentrum des Ilonerreichs, zur goldenen Kuppel, auf Kurs.

Rebecca hatte einfach keine Gelegenheit gefunden, ihr Schicksal zu beklagen und die Besatzung davor zu warnen, dass sie sich kurz davor befand ein Zombie zu werden und dann alle im Schiff anzugreifen und mit der Seuche zu infizieren.

Erst als es ruhiger im Schiff geworden war, nahm sie eine Portion Eintopf vom kleinen Ofen und begleitete General auf das Oberdeck, das sie ganz für sich alleine hatten. Während unten die Legionäre auf ihren mitgebrachten Instrumenten etliche Lieder über vollbrachte Heldentaten, und einst stattgefundene traurige Ereignisse unter Beifall der Besatzung darboten, erklärte sich Rebecca dem verdutzten General.

„Du weißt ja, dass ich auch da unten war.“

„Ja natürlich. Ihr wart einige Stunden in der alten Burg und dann haben wir euch wieder hochgeholt.“

General stimmte ihr natürlich zu.

„Weißt du, was mir da widerfahren ist?“

General war alarmiert, denn er kannte Rebecca nur als kühle und beherrschte Frau. Es war jetzt das erste Mal, dass er ein leichtes Glitzern in ihren Augen bemerkte. Sie schien Angst zu haben. Eventuell war die Begegnung mit den Ilonern mehr gewesen, als sie zu verkrafteten vermocht hatte. Und jetzt sehnte sie sich nach einer starken Schulter, der Schulter eines starken Mannes. Einem, dem sie vertraute und der sie verstand. Ja, und das war er, in der Tat.

Er blickte sie verständnisvoll nickend an und begann, ihr gütig seinen Arm um die Schulter zu legen.

„Was soll denn das, bitte schön?“

Beinahe angeekelt ergriff sie seinen, ihr unangemessen nahe gekommenen Arm und stieß ihn von sich. Das geschah so heftig, dass er vor Schmerz kurz stöhnte und sie überrascht und verunsichert anblickte.

„Ich wollte dich doch nur ein wenig trösten.“, erklärte er kleinlaut entschuldigend.

„Trost hilft mir nicht weiter.“ Rebecca war jetzt eher aufgebracht als deprimiert.

„Ich habe die Seuche. Da, schau her. Ein Zombie hat mich gebissen. In wenigen Stunden oder Tagen ist es vorbei. Werdet ihr mich jetzt töten? Oder gar irgendwo absetzen und zurücklassen?“

General blickte verständnislos.

„Soll ich dir ein Pflaster bringen? Aber eigentlich kenne ich dich gar nicht so wehleidig.“

Jetzt war die Reihe an Rebecca, verdutzt zu sein. Und als sie von General erfuhr, dass man echte Zombies auf Arca-Nihil nicht mit jenen von Netflix Serien wie ‚The Walking Dead‘ oder jenen von HBOs ‚A Game of Thrones‘ verwechseln dürfe und noch nie jemand einer Verletzung wegen selbst zum Zombie geworden wäre, da war die Erleichterung so groß, dass sie ihn vor Lebensfreude tatsächlich umarmte und auf einen Mundwinkel küsste.

Nachdem jetzt ihre Sorgen und Nöte verschwunden waren, erkannte sie, dass es dem armen General auch nicht gut ging. Die vorherige Aufregung hatte ihm arg zugesetzt und die Vorstellung, dass er aus geringer Höhe eine Horde Zombies mit der Gatling beinahe hätte niedermähen müssen, hatte wieder alte Wunden geöffnet.

Sie waren alleine auf dem Oberdeck. Rebecca ging es wieder gut und es dauerte noch viele Stunden, bis sie ihr Ziel erreichen würden. Also erlaubte sie ihrem Bekannten, wieder mit seiner Geschichte fortzusetzen. Mit der Geschichte von einer Flugreise, auf der alle seine Probleme begannen…

Erinnerungen – Schwarz

Ein ziehendes Jucken, das sich über die ganze linke Wange zog, ließ sie aus einem todesnahen, tiefen Schlaf erwachen und sofort kehrten die Schmerzen ihres gepeinigten Körpers in ihr Bewusstsein zurück. Pochend meldete sich das zersplitterte Knie, welches von einem Oger zertrampelt worden war, und überall am Körper spürte sie Schnittwunden, Kratzwunden und Prellungen. Komischerweise aber war das Gefühl an der Wange ein anderes. Als Agentin Schwarz vorsichtig ihre Augen ein wenig öffnete, um sicherzugehen, dass kein Oger sie dabei beobachtete, nahm sie eine schemenhafte Bewegung direkt vor dem linken Auge wahr und spürte mehrmals einen leichten Druck auf Wange und Ohr. Es dauerte eine Weile, bis ihr Bewusstsein dazu in der Lage war, die Sinneswahrnehmungen zu einem Lagebild zu vereinen. Erst dann erschauderte sie vor Entsetzen. Kurz verlor sie ihre bisher eiserne Beherrschung und ehe sie es verhindern konnte, hatte ihre linke Hand schon nach dem Nagetier gegriffen, das sich an ihrer blutenden Wange zu ergötzen schien. Es knackste leicht, als ihr stählerner Griff dem Nager das Rückgrat brach und erschrocken blickte sie sich um, ob auch niemand das kurze, panische Piepsen des jetzt toten Tieres gehört hatte. Zu ihrem Glück saß nur ein einzelner Oger an einer Feuerstelle, keine zehn Meter von ihrem Dornenbusch entfernt. Dieser kehrte ihr auch den Rücken zu und schien nichts bemerkt zu haben.

Schwarz hatte hier, im Gebüsch liegend, die Nacht verbracht. Obwohl sie am Vortag arg zugerichtet worden war, schien der von Agent Grün als Abschiedsgeschenk verabreichte Stim sie vom Schlimmsten bewahrt zu haben. Abgesehen vom völlig zerstörten Knie und einer allgemeinen Mattigkeit spürte sie wieder Kraft in ihrem Körper. Nach einer kurzen Analyse der Umgebung beschloss sie, die Flucht anzutreten. Es war bereits dämmrig und bei Tageslicht würde es wohl unmöglich sein fortzukommen. Also raffte sie all ihre Kraft zusammen und begann sich, millimeterweise gleitend, aus dem dichten Gestrüpp herauszubewegen. Immer den wachenden Oger beobachtend rutschte sie über eine freie Fläche zu einem Abhang. Dort verschwand sie aus dem Blickfeld der Wache und glitt den Hang langsam rutschend hinunter. Am Fuße des Hügels begann dichter Urwald und sie atmete das erste Mal an diesem Morgen erleichtert auf. Nun zog sie sich an Lianen in die Höhe und versuchte auf ihren Beinen zu stehen. Wie erwartet gab das kaputte Knie nach und sie hätte beinahe lauf vor Schmerz gebrüllt. Zum Glück hatte sie sich vorher ein Stück Holz in den Mund gesteckt.

---ENDE DER LESEPROBE---