"Das langsame Verrecken an der Front ist entsetzlich" - Hans-Joachim Kuhlenkampff - E-Book

"Das langsame Verrecken an der Front ist entsetzlich" E-Book

Hans-Joachim Kuhlenkampff

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Beschreibung

Wenn eine Welt aus den Fugen gerät: Bericht eines prominenten Zeitzeugens über seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. In diesem Einzelbeitrag: Hans-Joachim Kulenkampff

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EPUB

Seitenzahl: 29

Veröffentlichungsjahr: 2015

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© für die Originalausgabe und das eBook: 2015 F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

Satz und eBook-Produktion: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

ISBN 978-3-7766-8228-1

HANS-JOACHIM KULENKAMPFF

Hans-Joachim Kulenkampff (* 27. April 1921 in Bremen, † 14. August 1998 in Seeham/Österreich) wurde mit seiner Samstagabendshow »Einer wird gewinnen« (»EWG«), die er weitgehend selbst erfunden hatte und souverän moderierte, zum unbestritten beliebtesten und erfolgreichsten bundesdeutschen Fernsehunterhalter der 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Er war einzigartig. Sein Fazit nach 1945:

»Das langsame Verrecken an der Front ist entsetzlich!«

Die Umgehungsautobahn zwischen Wiesbaden und Frankfurt am Main bot schon 1965 in der Dunkelheit ein atemberaubendes Bild: Lichtergefunkel in allen Neonfarben, gewaltige Industriewerke dicht an dicht säumten die Strecke. Eine gigantische Kulisse. Hans-Joachim Kulenkampff, in dessen Jaguar ich mitfuhr, sinnierte am Steuer: »Wo das noch hinführen soll eines Tages, möchte ich wissen. Noch ’ne Industrie und noch ’ne Industrie. Noch mehr Absatz und noch mehr Menschen. Das gibt doch irgendwann einen ganz großen Kladderadatsch.«

Kulenkampff entstammte einer seit fünf Jahrhunderten in Bremen ansässigen und hoch angesehenen Kaufmannsfamilie für Im- und Export, die mit Teakholz, Kupfer und Baumwolle handelte, dabei ein großes Vermögen, entsprechendes Selbstbewusstsein und einen gewissen Weitblick erworben hatte. Sohn Hans-Joachim, der unbedingt Schauspieler werden wollte, war mit seiner Berufswahl aus der Art geschlagen. Dass er allerdings kein Theaterstar wurde, sondern ausgerechnet als Showmaster beim Fernsehen seine Lorbeeren erntete, war ihm selbst nicht geheuer.

»Das ist doch kein Beruf für einen erwachsenen Mann«, grummelte er manchmal, sprach auch gelegentlich von der »Fernsehseuche, die mir anhaftet«. Dabei lobten ihn die Feuilletonisten in anspruchsvollen Publikationen als »Mozart des Plaudertons« und »König der TV-Abendunterhaltung«. Aber er hielt Distanz zu seinen Erfolgen, sagte in gewohnter Offenheit, er habe sich »aus Feigheit« dem Fernsehen verschrieben, weil er nach dem Krieg eine sichere Existenzgrundlage brauchte. Schließlich hatte er als ziemlich mittelloser Kriegsheimkehrer schon 1946 seine große Liebe, die österreichische Schauspielerin Gertraud Schwarz, geheiratet, die für ihn ihren Beruf aufgab und ihm zwei Söhne und eine Tochter schenkte. Er hatte eine Familie zu ernähren. Anderseits war er ein nachdenklicher Mensch, Pazifist aus Kriegserfahrung und blieb sein Leben lang ein Unangepasster.

Mit »Butler« Martin Jente in der TV-Show EWG

© Privatarchiv Hans-Joachim Kulenkampff

Als er 1959 auf dem Bildschirm »die lieben Fernsehfreunde in der DDR« begrüßte und innerhalb dieser Sendung zu allem Überfluss eine Landkarte zeigte, die den anderen deutschen Teilstaat nicht als »Sowjetische Besatzungszone«, sondern als DDR verzeichnete, gab es einen Skandal. Er erhielt sogar Morddrohungen und stand zeitweise unter Polizeischutz. Aber er ließ sich das Freidenken nicht nehmen, offenbarte sich auch immer wieder als Verteidiger seines Volkes. Die deutschen Soldaten sind in den Krieg gezogen, um das Vaterland zu verteidigen, sagte er, und schob die Fangfrage nach, ob Patriotismus etwas Böses sei. Das trug ihm zur Abwechslung auch Anfeindungen von linker Seite ein. Doch er blieb bei seinen Überzeugungen, hängte sein Mäntelchen nicht nach dem Wind.

Als ich ihn einmal fragte, ob er nach einer EWG