Das Leben ist kein Spiel - Boris Becker - E-Book

Das Leben ist kein Spiel E-Book

Boris Becker

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Beschreibung

Boris Becker unplugged: Erstmals spricht der ehemalige Tennisstar über den Scheidungskrimi mit Barbara, die Zeugung seiner Tochter Anna, den Sorgerechtsstreit mit Angela Ermakowa, Firmenpleiten, Skandale, sein Leben nach dem Tennis … Was tut er heute? Wo sieht er sich in zehn Jahren? Und was sagen seine Söhne und seine jetzige Ehefrau Lilly? Boris Becker, Tennis-Wunderkind, Held von Wimbledon, das Sport-Idol einer ganzen Generation, spricht Klartext. Denn alles, was man bisher in puncto Becker zu wissen glaubte, entspricht nur zur Hälfte der Wahrheit. Ein ungeschminktes, höchst unterhaltsames Bekenntnis

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EPUB
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Seitenzahl: 271

Veröffentlichungsjahr: 2016

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BORIS BECKER

mit Christian Schommers

Das Leben ist

kein Spiel

HERBiG

www.herbig-verlag.de

© für die Originalausgabe und das eBook:

2013 F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten

Textredaktion: Teddy Hoersch

Bildbeschaffung: André Kirsch

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel, München

Coverfoto: © Romney Müller-Westernhagen

Satz: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice G. Pfeifer, Germering

ISBN 978-3-7766-8174-1

Die F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH empfiehlt,für ein optimales Leseerlebnis die Schrift Minion Pro zu verwenden.

Dieses Buch ist der Familie Becker gewidmet,

meiner Mutter Elvira, meiner Schwester Sabine

und meiner Ehefrau Sharlely sowie meinen Kindern Noah, Elias, Anna und Amadeus, ohne die mein

Leben so viel ärmer wäre.

INHALT

VORWORT

von Günter Netzer

AUFSCHLAG

1. PLÖTZLICH PRINZESSIN

Wie aus Barbara Feltus Frau Becker wurde. Gesetzt als Herzdame, Ehefrau und Mutter. Im Nebenberuf: Society-Lady, XXL-Shopperin, Partyqueen. Schließlich Scheidungskrimi vor einem Millionenpublikum

NOAH BECKER: »MEIN DAD IST COOL!«

2. DIE SCHÖNE BALLETTTÄNZERIN

Mit Caroline Rocher endlich wieder Schmetterlinge im Bauch. Aber alles viel zu früh für mich

3. UND DANN KAM LILLY!

Sharlely Kerssenberg, erster Akt. Unbeantwortete Anrufe. Fernbeziehung ohne Pass. Finale furioso beim Formel-1-Rennen in Monaco

4. TAUSENDMAL IST NIX PASSIERT

Plötzlich verliebt bis über beide Ohren in Sandy Meyer-Wölden, heute bekannt als Alessandra Pocher. Eine doppelte Verlobung. Gelangweilt in Zürich. Genervt in den Hamptons. Gestresst in New York

5. EIN NEUANFANG

Sharlely Kerssenberg, zweiter Akt. Ein Wiedersehen in London, Verlobung und Hochzeit in Sankt Moritz. Und das Glück hat einen Namen: Amadeus

LILLY BECKER: »SO IST MEIN BORIS WIRKLICH!«

6. NICHT OHNE MEINE TOCHTER ANNA

Dauerstress mit Angela Ermakowa. Geschrei in Miami. Gezerre in London, Gezanke in Monte Carlo. Und ein Kampf zwischen Herz und Verstand

7. WIMBLEDON: NEUE HEIMAT, ALTE WIRKUNGSSTÄTTE

Vom teutonischen »Bum-Bum-Boris« zur adoptierten Respektsperson. Warum wir in England leben und auf der Insel alt werden wollen

8. DIE BORIS-BECKER-AG

Meine zweite Karriere als Unternehmer, Werbepartner, Manager, TV-Experte und Berater

9. SIEGE SIND SCHÖN, ABER AN NIEDERLAGEN WÄCHST MAN!

War ich zu blauäugig? Meine gemischten Erfahrungen als Businessmann

10. IMMER ÄRGER MIT DER FINCA

Stress mit Maklern, Handwerkern und Gärtnern. Die wechselvolle Geschichte unseres Feriendomizils auf Mallorca

11. TENNIS IST MEINE LEIDENSCHAFT, ABER NICHT MEHR MEIN BERUF

Wo ist der nächste Boris Becker? Und warum gibt es kein Topturnier mehr in Deutschland?

12. MEIN KÖRPER, EIN SCHLACHTFELD

Sprunggelenksprobleme, Knieprobleme, Hüftprobleme, Bandscheibenvorfälle, Bänderrisse: Leistungssportler treiben Raubbau am eigenen Körper

UND NOCH EIN WORT ZUM SCHLUSS

ANHANG

Danksagung

Das Becker-Lexikon

Bildteil

Register

VORWORT

Von Günter Netzer

Ich denke fast jeden Tag an Boris – wenn ich die Uhr trage, die er mir zu meinem 60. Geburtstag geschenkt hat. Wenn ich an Boris denke, sehe ich einen deutschen Helden. Glänzend. Gestrauchelt. Gekrönt. Wer mit 17 den Olymp erreicht hat, ist begnadet. Aber er lebt auch mit einem Dilemma – denn keiner bleibt ewig 17. Boris ist an sich selbst gewachsen. Bobbele, der »Bum Bum« der Nation, der rote Baron, Boris Becker. Er hat auf dem Tenniscourt gekämpft, selbst wenn ein Sieg schier aussichtslos erschien. Er ist dem Filzball nachgehechtet, bis er frei in der Luft zu hängen schien. Er hat die Faust in den Himmel gereckt, wenn er gegen alle Wahrscheinlichkeit ein Match gedreht hat. Er hat Prügel bezogen wie kaum ein anderer. Jetzt hat Boris Becker eine neue Biografie vorgelegt, eine Bilanz der Jahre danach. Bewegte Jahre, angefüllt mit der Suche nach privatem Glück und seinem beruflichen Standort.

Boris hat als Sportler die Nation, mehr noch, die Welt elektrifiziert und als Mensch die Gemüter oft bewegt und erregt. Ein Held des Sports zu sein ist keine leichte Bürde. Aber genau die trägt der heute 45-jährige Leimener, und ein Sportheld bleibt er bis ans Ende seiner Tage. Und er ist da in bester Gesellschaft: Max Schmeling, Uwe Seeler, Lothar Matthäus, Michael Schumacher, Stefanie Graf, Michael Groß, Dirk Nowitzki, Sebastian Vettel – und das sind längst nicht alle – gehören in diese schwierige Kategorie.

Schwierig, weil Heldenbiografien Risse bekommen können. Zum Hochgeschriebenwerden kommt unweigerlich das Niedermachen hinzu. Mir nahm man Discobesuche und -besitz übel, die Frisur gab stets Anlass zu Spott, der Ferrari zu Neid. Ich war der »Rebell am Ball«. Unbequem, unangepasst, unmöglich. Hennes Weisweiler gewährte mir damals Sonderfreiheiten. Sehr großzügig, aber aus heutiger Sicht kaum mehr verständlich. Ich war Fußballer, kein Säulenheiliger mit Vorbildfunktion. Aber Sportlern wurden (und werden) immer wieder genau solche Aufgaben aufgebürdet: Elf Freunde sollt ihr sein, Saubermänner auf und neben dem Platz. Was für ein Unsinn! Denn meist waren es die Aufmüpfigen, die Spiele gewannen, zu Persönlichkeiten reiften, eine Mannschaft zum Sieg führten.

Bei Boris sorgten in erster Linie die Frauengeschichten für Schlagzeilen, und später dann auch sehr gerne seine nicht immer glücklichen Businessentscheidungen. Womit wir bei einem Thema dieser Biografie sind: Das Ende einer Sportkarriere ist eine existenzielle Problemzone. Wo vorher klare Regeln gelten, ist plötzlich das wahre Leben. Wo vorher nur der Sieg und nichts als der Sieg zählt, herrscht plötzlich eine oft verwirrende Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Wo vorher der Tunnelblick verengt, öffnet sich plötzlich das Panorama des Möglichen, aber auch des Unabwägbaren. Der Weg vom umjubelten Sportstar zum Prominenten mit Helden-Vergangenheit ist kein leichter. Oft endet er mit einem Sprung ins eiskalte Wasser. In der Kälte ist Boris in den zwölf Jahren nach dem aktiven Tennis mehrmals gelandet. Aber Boris wäre nicht Boris, wenn er sich nicht freigeschwommen hätte – Kämpfer und Siegertyp, der er war und ist. Einer, der schon auf dem Rasen schier Unmögliches geleistet hat. Einer, der sich mit atemberaubenden Ballwechseln in unsere Herzen spielte. Einer, der niemals aufgab und auf der Basis so deutscher Tugenden wie Disziplin, Siegeswillen und Hartnäckigkeit ein schwarz-rot-goldener Held wurde. Die Aufregung, die der Boulevard ob Beckers privater Affären und Skandale verbreitete, konnte ich oft gar nicht verstehen. Klar, mit Oben-ohne-Fotos seiner Herzdamen, Besenkammer-Affäre und Samenraub, mit Pleiten, Pech und Pannen lässt sich gut Auflage und Quote machen. Aber mal ehrlich, wäre unser Leben nicht ärmer, wenn nicht dann und wann auch die Bocksprünge eines Boris Becker für Kurzweil und Schmunzeln gesorgt hätten? Ändert dies etwas an dem Status, der Statur dieses Mannes, den ich als jungen Sportler kennen- und als Mensch und Freund schätzen lernte? Nein! Ich habe ihn glücklich erlebt, weniger glücklich und verzweifelt. Aber stets war klar: Er ist ein ganzer Kerl, das Herz am rechten Fleck, ein Mann mit Humor, Manieren und Lebensart.

Boris hat dann und wann Mist gebaut. Na und? Wer hat das nicht? Boris hat, nach herben Rückschlägen, auch seine zweite Karriere als Businessmann inzwischen erfolgreich ausgestaltet und seinen Platz gefunden. Boris hat nach wilder Fahrt endlich seine Prinzessin gefunden und mit ihr ruhigeres Gewässer erreicht. Gut so! Das freut mich für ihn. Und ich verstehe nur zu gut, dass er mit diesem Buch einiges richtigstellen möchte. Lügen werden nicht wahr, weil man sie ständig wiederholt. Halbe Wahrheiten sind eben nicht die ganze Wahrheit. Boris ist, das war er oft in seinem Leben, ein Mann mit einer Mission: Jetzt spreche ich, und zwar Klartext! Tatsachen bleiben Tatsachen, selbst wenn sie von einer dicken Schale aus Gerüchten umhüllt werden. Ich habe bei der Lektüre oft gestutzt, geschmunzelt, gelacht und manchmal auch den Kopf geschüttelt, aber – Hut ab! Für diese Ehrlichkeit braucht es Mumm. Aber davon, das wussten und wissen wir ja, hatte Boris immer mehr als genug.

Der Centre-Court ist ebenso wie der Fußballplatz, wie jede andere Sportstätte, ein Feld der Träume. Fest umrissen, klar begrenzt, eine Welt mit staubig-weißen Außenlinien. Dort hat Boris seine Matches gewonnen und dafür einen festen Platz im Sport-Olymp eingenommen. Und jetzt, gut zwölf Jahre nach seinem Karriereende – und das ist der vielleicht größte Sieg –, hat er als Vater, Ehemann, Mensch und als Geschäftsmann seinen Weg gefunden. Hermann Hesse hätte den Untertitel zu diesem Buch schreiben können: »Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.«

AUFSCHLAG

Ein klirrend kalter Wintertag. Schmutziger Schnee am Straßenrand. Der Himmel über Berlin – eine unruhige Leinwand mit schiefergrauen Wolken, hinter denen sich eine müde Sonne abmüht. Wir fahren zur Bambi-Verleihung und nutzen die Fahrt, um ein kurzfristig vereinbartes Interview zu führen. Es ist Dezember 2000. Meine erste Begegnung mit Christian Schommers. Just zu diesem Zeitpunkt geht allmählich meine Tenniskarriere zu Ende, und ich stehe vor zahlreichen Problemen – Probleme, die es in der abgeschlossenen Tenniswelt für mich so nicht gegeben hatte. Probleme, die mit dem Start in ein komplett neues Leben zusammenhängen, einem Leben abseits vom Jubel auf dem Centre-Court und fetten Preisgeldern. Ein Leben in der realen Welt, in die ich mich erst einmal einfinden muss. Ein Leben, das mich – wie ich heute weiß – vor sehr schwierige Aufgaben stellen sollte. Der Chauffeur des Shuttleservice kämpfte sich durch den Berliner Verkehr, und wir haben eine halbe Stunde Zeit, alles zu besprechen. Wirklich alles?

Auf dem Weg zur Bambi-Verleihung im Dezember 2000: Interview mit meinem späteren Biografen und Co-Autor Christian Schommers

© Roba Press

Diese erste Begegnung habe ich nicht vergessen, weil es für mich ein trauriger Tag war. Wir saßen im Fond eines schwarzen S-Klasse-Mercedes und sprachen über das Ende meiner Ehe mit Barbara, das ich vier Tage vorher hatte öffentlich machen müssen, über das Ende meiner aktiven Tenniskarriere, meine beruflichen Ambitionen, meine Gefühle und Ängste. Christian Schommers arbeitete seinerzeit als Society-Reporter für ein People-Magazin. Keine Ahnung, ob er damals auf meinen Seelenstriptease vorbereitet war, aber mir tat es gut, einmal alles auf den Tisch zu legen. Der Gala-Titel, der ein paar Tage später erschien, zeigte ein ganzseitiges Foto von Barbara und mir und darunter nur die Frage: »Warum?« Eine opulente Fotostrecke folgte und dann das Interview, das wir auf dem Rücksitz des Shuttlewagens geführt hatten. Die Berichterstattung war, das muss ich zugeben, vergleichsweise fair. Aber natürlich fehlten Details, Zusammenhänge wurden verkürzt dargestellt, manches klang zu eilig, zu vorschnell. Die Frage ist: Kann man während einer halbstündigen Autofahrt wirklich klären, warum die große Liebe und eine Familie, die mir seinerzeit alles bedeutet hat, gescheitert ist? Die Antwort lautet ganz eindeutig Nein.

So berichteten die Medien über das Ende des Traumpaars: Hier der Titel der Gala vom 7. Dezember 2000

© GALA

Und genau das führte letztendlich zu diesem Buch. In einer zeitlich begrenzten Interviewsituation kann man nicht in die Tiefe gehen, nicht erklären, was einen bewegt, oder die Facetten einer solchen Trennung beschreiben. Weil immer die Zeit dazu fehlt. Oder die Lust. Oder beides. Dann bleibt man an der Oberfläche, und das ist ärgerlich, weil es für mich meist um existenzielle Themen und Gefühle geht. Und ich gebe offen zu: Manchmal will ich auch gar nicht tiefer einsteigen in die Materie. Will das Private privat sein lassen, will nicht gläserner sein, als ich es ohnehin schon bin. Als Person des öffentlichen Interesses hat man nur eine eingeschränkte Privatsphäre. Ob man es will oder nicht – der private, eigentlich gesicherte Raum wird vor den Augen der Öffentlichkeit ausgebreitet. Dann aber, bitte schön, kann ich auch meine Version erzählen. Und zwar ungeschminkt, ehrlich und geradeheraus!

In den folgenden zwölf Jahren seit unserer ersten Begegnung schrieb Christian Schommers immer wieder über mich. Für Gala, für BILD, für die BUNTE, für Closer. Die Schlagzeilen, Interviews und Storys waren zwar nicht immer angenehm für mich, aber unter dem Strich konnte man sagen: »Hart, aber fair!« Als ich mich schließlich dazu durchrang, ein Buch zu schreiben, rief ich ihn an und erklärte ihm mein Vorhaben und dass ich ihn gerne als Mitstreiter, als Kritiker, als Autor hätte. Wir trafen uns in München, Kitzbühel, London, Mallorca, Ibiza, Dubai, Miami, Sankt Moritz, New York und … Leimen. Für dieses Buch sind wir – zusammen mit den Fotografen Jan Knoff und Michael Wilfing – an alle wichtigen Orte meines Lebens gereist. Wir gingen in Klausur, führten lange Gespräche. Kritisch, nachdenklich, detektivisch. So hatte ich mir das vorgestellt! Keine Frage war tabu, alles kam auf den Tisch. Angenehme ebenso wie unangenehme Dinge. Was tue ich den lieben langen Tag, wie lebe ich in London, wie bin ich privat, beruflich und wirtschaftlich aufgestellt? Wie war das mit den Frauen in meinem Leben? Wo sehe ich mich in zehn Jahren? Was ist da mit meiner angeblich gepfändeten Finca auf Mallorca, die vor der Zwangsversteigerung stehen soll? Was mit den Geldforderungen aus Firmenpleiten? Was mit der Anzeige des Pfarrers, der mich und Lilly in Sankt Moritz traute?

Die Zielvorgabe lautete: keine Maske, kein doppelter Boden, keine aufgehübschte, für die Öffentlichkeit zurechtgezupfte Version. Das fiel mir weiß Gott nicht immer leicht. Denn in dieser Autobiografie werden meine Fehler, Krisen und Skandale ebenso schonungslos beleuchtet wie die der anderen. Das Hin und Her unserer zahlreichen Gespräche war einem Tennismatch sehr ähnlich. Aufschlag. Return. Vorteil Becker. Spiel, Satz und Sieg. Euphorie und Jubel. Oder auch: Spiel, Satz – und Niederlage. Trauer und Verzweiflung.

Zu Besuch in Leimen bei meiner Mutter Elvira Becker im Herbst 2012

© Michael Wilfing

Dieses Buch ist mir eine Herzensangelegenheit. Im Lauf der letzten zwölf Jahre ist sehr viel Unsinn über mich und meine Lieben verzapft worden. Da brauchte es eine andere Sicht auf die Dinge – meine. Und keine falsche Bescheidenheit, für die ich sowieso nicht gerade bekannt bin: Dieses Buch ist ein Durchbruch in der »Becker-Geschichtsschreibung«, Richtigstellung und Zwischenbilanz zugleich. Und dies hoffentlich auch für meine Frau Lilly, meine Kinder Noah, Elias, Anna, Amadeus, meine Mutter Elvira und die ganze Becker-Familie.

Es ist mir ein Bedürfnis zu erklären, wo ich stehe und wer ich heute bin. Es geht längst nicht mehr um das umjubelte Tennis-Wunderkind, den 17-jährigen Leimener, den Helden von Wimbledon, das Idol einer ganzen Generation. Sondern um den Ehemann, Vater und Unternehmer. Ja, ich habe nach meiner Tenniskarriere privat und beruflich Fehler gemacht und musste so einige Nackenschläge einstecken. Aber ich habe immer wieder nach vorne geschaut und gekämpft. Denn mein Motto ist bis heute: »Abgerechnet wird zum Schluss!« Und in Wimbledon, »meinem Wohnzimmer«, wo ich mit Lilly, Amadeus und neuerdings auch mit Noah lebe, schließt sich für mich ein Kreis. Hier hat 1985 meine Karriere begonnen, hier bin ich heute wieder angekommen. Es war gewiss kein leichter Weg, und ich bin stolz darauf, dass ich die Kurve bekommen habe.

Zu guter Letzt: Ein Leisetreter war ich nie und werde es auch niemals sein. In diesem Buch attackiere ich so vehement wie früher auf dem Tennisplatz. Serve and volley! Immer volles Risiko, auch für mich! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen und hoffe, Sie verstehen nach der Lektüre, was ich meine, wenn ich Ihnen sage: Alles, was Sie in puncto Boris Becker bisher zu wissen glaubten, entspricht nur zur Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte steht in diesem Buch!

London, im Sommer 2013

I. PLÖTZLICH PRINZESSIN

Wie aus Barbara Feltus Frau Becker wurde. Gesetzt als Herzdame, Ehefrau und Mutter. Im Nebenberuf: Society-Lady, XXL-Shopperin, Partyqueen. Schließlich Scheidungskrimi vor einem Millionenpublikum

Scheidungskrimi – das hört sich spannend an. Nach Entertainment, Hitchcock-Thrill. Aber für diejenigen, die in dem Rosenkrieg drinstecken, geht der Unterhaltungswert gegen null.

Die Sonne schien, der Himmel über Miami makellos blau, so wie fast immer. Aber für Florida war es eisig kalt, hoher »wind chill factor«, für später war sogar Schnee angekündigt. Die Scharen von deutschen Journalisten, die sich vor dem Gerichtsgebäude des Miami Dade Courthouse versammelt hatten, froren. Der Scheidungs- und Sorgerechtsstreit mit meiner Noch-Ehefrau Barbara sollte, obwohl wir in München lebten und einen deutschen Ehevertrag hatten, in Amerika stattfinden. Und nicht, wie man vielleicht annehmen konnte, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nein, das Ganze wurde live im Fernsehen übertragen, sehr zum Vergnügen eines Millionenpublikums, das solchen schamlosen Veranstaltungen entgegenfieberte. Der Tennisheld auf der Anklagebank! Das Scheidungsdebakel Becker vs. Becker live und in Farbe. Super, schmutzige Wäsche waschen vor aller Augen!

Der Zeremonienmeister dieses Gerichtskrimis war Barbaras Anwalt Samuel I. Burstyn, ein Mann, der später aufgrund von Drogendelikten für Jahre in den Knast wanderte und damit sogar seine Anwaltslizenz gefährdete. Auf diesen feinen Herrn traf ich im Gericht von Miami, und zwar heftig! Zwei Stunden lang versuchte er, mich nach allen Regeln der Kunst auseinanderzunehmen und mich in Widersprüche zu verwickeln. Ja, er nannte mich sogar einen Lügner, wie meine Anwälte bezeugen können. Burstyn wollte den deutschen Tennishelden vor Gericht und vor der gesamten Weltöffentlichkeit in die Knie zwingen, erniedrigen und zerstören. Das war sein ganz großer Auftritt, seine Bühne, sein Moment, frei nach Andy Warhol: »berühmt für 15 Minuten« … Mich widerte sein Gebaren an. Selten zuvor habe ich mich so gedemütigt gefühlt, stand ich so unter Druck und Anklage. Es war wie in einem schlechten Film, aber bedauerlicherweise lief der vor einem Millionenpublikum auf der ganzen Welt.

Spulen wir zurück. Wie war es überhaupt dazu gekommen, dass ich mich vor einem amerikanischen Gericht zu verantworten hatte? Der Lebensmittelpunkt der Familie Becker war, wie bereits erwähnt, damals München, nicht Miami. Doch wer hat Barbara eigentlich zu diesem Schritt, dieser Flucht nach Miami, getrieben? Waren nicht mein Seitensprung und das daraus resultierende Kind der Grund dafür? Wir hatten nach meiner Beichte eine Auszeit vereinbart. Das war nach dem, was ich ihr angetan hatte, das kleinste Zugeständnis gegenüber meiner Frau. In diesem Familiendrama war ich, daran besteht kein Zweifel, das Arschloch. Ich hatte meine schwangere Frau betrogen, ein außereheliches Kind gezeugt, mit der Wahrheit lange hinterm Berg gehalten. Auch wenn es mir schwerfiel: Ich musste laut und deutlich »mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa« sagen. Aber all das erklärt dennoch nicht, wieso ich an diesem für mich so düsteren Tag vor einem amerikanischen und nicht vor einem deutschen Gericht angehört worden bin.

Miami, 4. Januar 2001: Blitzlichtgewitter kurz vor dem Scheidungskrimi — auf die Medienaufmerksamkeit hätte ich liebend gerne verzichtet

© Langbehn /action press

Begonnen hatte dieser »Schauprozess« (Der Spiegel, 8.1.2001) am 4. Dezember 2000, für mich ein schwarzes Datum. An diesem Tag hatte ich die Trennung von Barbara und mir öffentlich gemacht. Und wer sich schon mal von einem geliebten Menschen getrennt hat, der weiß, das ist eine harte Prüfung. In meinem Fall war es doppelt schwer, weil alles medial stattfand und ich meine ganz privaten Probleme auch noch jeden Tag in der BILD-Zeitung ausgebreitet lesen musste. Das machte die Sache schier unerträglich, weil ich auf der einen Seite die Trennungsprobleme mit meiner Frau bewältigen musste und auf der anderen Seite ein öffentliches Image entstand, das alles andere als angenehm war. Ich wurde überall, ob auf der Straße oder im Taxi, dumm von der Seite angequatscht und konnte mich nicht einmal richtig wehren. Es hätte sowieso alles nach Ausflucht, nach Entschuldigung geklungen.

Bevor die Boulevardmedien – gleichermaßen abonniert auf fremde Glücksmomente wie auf zerrüttete Beziehungen prominenter Zeitgenossen – uns jedoch wehtun konnten, hatten wir uns selbst wehgetan. Man muss kein Philosoph sein, um zu wissen, dass nur derjenige uns richtig verletzen kann, dem wir am Anfang einen Blankoscheck in Sachen Liebe ausgestellt haben. Der Ehepartner, das unbekannte Wesen! Sieben Jahre lang waren wir dasTraumpaar. Wir ließen uns herumreichen wie eine Trophäe. Schaut her, sagte der Boulevard, die beiden haben es geschafft, die beiden sind glücklich, die beiden haben den Spagat zwischen öffentlicher Inanspruchnahme und geschütztem Familienglück hinbekommen. Und das war eine Zeit lang auch wirklich so. Aber auch bei uns begannen sich irgendwann unmerklich Zweifel einzuschleichen. Zuerst nur dann und wann ein lautes Wort, danach häufiger Zwistigkeiten, zwischendurch die Unter-den-Teppich-kehr-Methode. Es folgten Anklagen, Vertrauensverlust, Schuldgefühle, beredtes Schweigen. Und die übliche Frage: »Wie kann es sein, dass derjenige, den ich mal so geliebt habe, mich so getäuscht, so enttäuscht hat?« An diesem Punkt ist der »point of no return«, anfangs noch als Auszeit, Bedenkzeit oder Pause deklariert, schon längst erreicht. Hartnäckiges Leugnen soll darüber hinwegtäuschen, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Aber irgendwann ist Schluss mit den Selbsttäuschungen und dem Sich-in-die-eigene-Tasche-Lügen. Es führt kein Weg an der traurigen Erkenntnis vorbei, dass man reden und Entscheidungen fällen muss. Auch wenn es schmerzt. In sich hat man es als Endlosschleife längst gehört: »Das geht so nicht mehr! So können wir nicht weitermachen, so kann man nicht zusammenleben!«

Noch Hand in Hand mit Barbara zum Empfang von Bundespräsident Johannes Rau zu Ehren des französischen Präsidenten Jacques Chirac auf Schloss Bellevue am 26. Juni 2000. Ein halbes Jahr später, am 5.12.2000, gaben wir unsere Trennung bekannt

© picture-alliance / dpa

An einem trüben November-Nachmittag im Jahr 2000 haben wir uns an unseren großen Küchentisch gesetzt und endlich Klartext gesprochen. Beziehungsprobleme gab es zu diesem Zeitpunkt schon monate-, ja eigentlich schon jahrelang. Wir hatten kein gemeinsames Ziel, keine Basis mehr, von Erotik und Sex will ich gar nicht erst anfangen. Wir lebten nur noch nebeneinander her, waren uns fremd geworden. Ich schlug vor, eine Auszeit zu nehmen, um herauszufinden, was uns diese Ehe noch bedeutete. Aber was hieß das konkret? Wir lebten damals in der Lamontstraße in München-Bogenhausen, beste Adresse, schöne Villa. Unser ältester Sohn Noah ging in die erste Klasse der Internationalen Schule; Elias war noch ein Baby. Es war ein paar Wochen vor Weihnachten. Mein Vorschlag: Barbara sollte mit den Buben nach Miami fliegen, wo wir eine Wohnung auf Fisher Island hatten, und ich sollte an Weihnachten nachkommen. Das würde uns etwas Luft verschaffen. Die vier Wochen bis dahin würden hoffentlich ausreichen, um etwas auf Distanz zu gehen und durch die Entfernung eine andere Sicht auf die Dinge zu erlangen. Auf diese Variante einigten wir uns. Mit dem Zusatz, dass die Öffentlichkeit von alldem nichts erfahren sollte.

Lange Jahre war ein Apartment in diesem Anwesen auf Fisher Island der Rückzugsort der Familie Becker

© PHOTOLINK ONLINE LLC. / action press

Dass dies gründlich in die Hose ging, ist inzwischen bekannt. Aber mit diesem ehrenwerten Plan haben wir uns in München verabschiedet. Ich hatte Wagen und Fahrer organisiert, und an besagtem Morgen ist Barbara mit den beiden Jungs und einem Haufen Koffer zum Flughafen gefahren. Das alles fand in respektvoller Atmosphäre statt. Die drei sind nach Miami geflogen und haben sich in unserer Wohnung auf Fisher Island einquartiert. Doch von da an bekam ich keinerlei Lebenszeichen mehr. Ungefähr acht Tage lang. Nichts! Kein Anruf, keine SMS, keine E-Mail, kein Sterbenswörtchen. Und da wird man – als Vater, aber natürlich auch als Ehemann – ziemlich nervös.

Als ich Barbara schließlich an die Strippe bekam, fragte ich sie, wie es ihr gehe und ob mit Noah und Elias alles in Ordnung sei. Sie antwortete daraufhin kühl, dass die Kids nicht mit mir sprechen wollten. Das konnte ich nicht glauben! Ich versuchte, mich zu sammeln, und bat Barbara, sie solle mir bitte Noah ans Telefon holen. Doch sie lehnte ab, er sei gerade nicht da. Was sollte das? Ein böses Spiel? Das machte mich nicht nur noch mehr nervös, sondern auch misstrauisch. Irgendetwas lief in die komplett falsche Richtung. Ich musste sofort dorthin und nach dem Rechten sehen!

Warum, könnte man sich fragen, habe ich mich nicht direkt in den nächsten Flieger gesetzt? Gute Frage! Die Antwort klingt nach Ausflucht, entspricht aber den Tatsachen. Ich hatte in München Stress ohne Ende. Mein Steuerprozess und das ganze Drama um meine gerade geborene Tochter Anna mit Angela Ermakowa waren in vollem Gange. Ich hatte also neben meinen Eheproblemen noch zwei weitere, riesige Baustellen. Rückblickend ist mir klar: Das war die schwierigste und dunkelste Zeit meines Lebens. Alles brach um mich herum zusammen.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Die Lage auf Fisher Island wurde immer verworrener. Nachdem ich meine Söhne zwölf Tage nicht hatte sprechen können, bin ich nach Miami geflogen, um die Situation vor Ort zu klären. Auf Fisher Island war alles wie ausgestorben. Ich war sofort auf 180. Irgendetwas passierte da hinter meinem Rücken. Ich habe überall herumtelefoniert, aber keiner wusste, wo Barbara und meine Söhne waren. In meiner Not rief ich schließlich bei Tarik, einem gemeinsamen Freund von uns, an und fragte ihn, ob er wisse, wo meine Familie sei. Die seien bei ihm, antwortete er. Okay, sagte ich, dann komme ich jetzt vorbei. Nein, das gehe nicht, antwortete Tarik, das wolle meine Frau nicht. An diesem Punkt wurde ich ziemlich ungehalten und fragte ihn, was das bitte solle. »Boris«, bat mich der bedrängte Tarik, »werde jetzt nicht sauer. Irgendetwas scheint zwischen euch vorgefallen zu sein. Barbara ist momentan sehr nervös. Ich erlaube dir jedenfalls nicht, in mein Haus zu kommen«. Um es kurz zu machen: Tarik drohte mit der Polizei! Ich knallte den Hörer auf und brach auf.

Keine gute Idee in diesem Ausnahmezustand. Aber mein Gott, wenn man aufgebracht ist, ist man nicht ganz zurechnungsfähig. Und das Gefühlsgemisch »erschrocken+enttäuscht+wütend« ist echt explosiv. Barbara war mit unserem Auto unterwegs. Ich bin also zu Fuß zur Fähre marschiert, die Fisher Island mit dem Festland verbindet. Und just in diesem Moment zog ein fürchterliches Gewitter auf. Ich hatte die Wohnung trocken verlassen und war nun binnen weniger Minuten nass bis auf die Haut. Heute bin ich dem lieben Gott dankbar für dieses Donnerwetter: Es hat mich wieder zur Besinnung gebracht. Mir wurde klar, dass ich in dieser Verfassung für gar nichts mehr garantieren konnte. »Beruhige dich, Boris, morgen ist auch noch ein Tag. Geh nach Hause, trink ein Bier und schlaf dich aus! Das hat jetzt alles keinen Sinn«. Ich hatte zu allem Überfluss auch einen Mörder-Jetlag. Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf sieht die Welt meist besser aus, so dachte ich zumindest.

Aber in meinem Fall verdichteten sich am nächsten Tag die Zeichen der Krise. Von Vorteil war nur, dass ich ausgeschlafen keine unüberlegten Aktionen mehr unternahm. Ich wachte am nächsten Tag relativ früh auf, fuhr zur Fähre und dann auf direktem Weg zu Tariks Haus in Miami. Als ich ankam, öffnete er mir die Tür. Er war freundlich. Ich auch. »Tarik, hallo, wie geht es denn so? Wo sind meine Kinder?« Tarik: »Noah ist in der Schule.« – »Wie bitte? Wo ist der?« – »Ja, in der Schule, hier in Miami.« Ich, verwundert: »Das verstehe ich nicht, er geht doch eigentlich in München auf die Internationale Schule.« Tarik reagierte erstaunt: »Da hat mir deine Frau aber etwas anderes erzählt.«

»Tarik, ich komme gerade aus München. Wir leben dort. Noah ist dort in der ersten Klasse. Tarik, weißt du eigentlich, dass ich gerade mit meiner Frau eine Auszeit beschlossen habe?« Und dann erzählte ich ihm alles. Von meinem One-Night-Stand in London, meiner unehelichen Tochter Anna, meinem Steuerverfahren und all den Streitereien und Problemen, die ich mit meiner Frau im Lauf der letzten zwei Jahre gehabt hatte. Ich sagte ihm aber auch, dass ich alles versuchen würde, um unsere Ehe zu retten. Tarik war völlig von den Socken und sagte, dass Barbara ihm das alles ganz anders dargestellt habe. Nämlich dass sie ganz nach Miami gezogen sei, und dass Noah hier eine Schule brauche. Und das sei alles mit mir abgestimmt. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Hier bestand Klärungsbedarf. Dringend! Doch zunächst ging ich hoch ins Schlafzimmer. Dort war Elias mit Aphrodite, seinem Kindermädchen, das Barbara begleitet hatte. Sie kam zu mir, umarmte mich und sagte, es sei schön, dass ich da sei. Alles sei so schlimm, und sie habe den Eindruck, Barbara drehe hier gerade durch. Sie erzählte mir, was in Miami bis dahin so alles passiert war, und da war mir klar: »Okay, das ist jetzt hier kein Missverständnis mehr, da steckt ein Plan dahinter.« Ich war entsetzt und fühlte mich fürchterlich hintergangen.

In der Hoffnung, diese verfahrene Situation noch einmal retten zu können, rief ich Barbara an. Nach über einer Stunde ging sie endlich an ihr Mobiltelefon. Sie war nervös und kurz angebunden, aber wir haben zum Glück nicht rumgeschrien. Ich sagte: »Barbara, wir müssen uns dringend sehen, hier laufen Dinge ab, die so nicht gehen! Noah besucht hier die Schule, und ich weiß nichts davon? Was soll das?« – Sie wiegelte zunächst ab und schlug ein Treffen im »Sports Café« um halb eins vor. Sie fragte mich noch, wo ich denn jetzt sei. »Ich bin bei Tarik und bleibe jetzt noch ein bisschen hier, verbringe etwas Zeit mit Elias und fahre dann los.« Als ich mich dann wenig später in den Wagen setzte, hatte ich bereits ein seltsames Gefühl. Und tatsächlich, ein Blick in den Rückspiegel bestätigte meinen Verdacht: Ich wurde verfolgt! »Das ist ja wie in einem James-Bond-Film?«, ging es mir durch den Kopf. Das Auto folgte mir durch die Straßen. Obwohl ich versuchte, schneller zu fahren, konnte ich den Verfolger nicht abhängen.

Ich parkte vor dem »Sports Café« in Miami Beach, und der ominöse Wagen parkte direkt hinter mir. Ich stieg aus und dachte: »Oh Gott! Was ist denn jetzt los? Hat der Typ vielleicht eine Waffe? Oder will der mir eine überziehen?« Zum Glück war es helllichter Tag. Der Fahrer entpuppte sich als ein relativ klein gewachsener Mann. Er kam auf mich zu, und ich dachte bei mir: »Na, den packe ich aber! Wenn der böse wird, muss ich keine Angst haben«. »Sind Sie Boris Becker?«, fragte mich der Verfolger. »Ja!« – Daraufhin hielt er mir einen Umschlag unter die Nase und sagte: »Okay, hier sind die Papiere. ›You are served!‹.« Was ich bis dahin nicht wusste: In Amerika muss eine Person, die angeklagt wird, die gerichtlichen Unterlagen persönlich in Empfang nehmen. Und genau das war just in diesem Augenblick geschehen. Ab sofort konnten mich also amerikanische Gerichte einbestellen.

Und ich hatte angenommen, wir treffen uns zum Mittagessen, um wie zwei vernünftige, ehemals in Liebe verbundene Menschen über uns und das Schicksal unserer gemeinsamen Söhne zu sprechen. Und jetzt hielt ich diese Unterlagen in der Hand. »Served.« Schöner Mist! Was stand überhaupt in diesen Papieren? Ich riss den Umschlag auf und las die Überschriften, kapierte aber erst einmal nichts. Deswegen fragte ich den Überbringer der Hiobsbotschaft: »Hören Sie mal, ich habe keine Ahnung, was hier abgeht.« Er erwiderte: »Ich darf mich zu dem Fall nicht äußern.« Ich hakte nach: »Ich bin mit dieser Frau verheiratet, wir haben zwei Kinder zusammen. Können Sie mir nicht wenigstens einen Anhaltspunkt geben?« – »Hier in Amerika ist das der erste Schritt zur Scheidung.« Und da fiel bei mir der Groschen! Ich fing an zu zittern und dachte nur noch: »Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Was geht denn hier ab?«

Ich betrat – reichlich verwirrt und auf weitere böse Überraschungen gefasst – das »Sports Café«. Ich schaute mich um, keine Barbara! Die Kellnerin führte mich an einen der freien Tische, und ich bestellte ein Glas Wasser und etwas zum Essen. Nach einer Weile erschien Andrea, unser langjähriges »Mädchen für alles« aus München. Ich war zum wiederholten Mal an diesem Tag sprachlos. Andrea? Sie war seinerzeit als eine Art Privatsekretärin für Barbara eingestellt worden und ohne mein Wissen mit nach Miami geflogen. Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, fragte ich sie, was das hier eigentlich für ein abgekartetes Spiel sei. Ich hätte Barbara erwartet und nicht sie. Andrea antwortete, dass Barbara gerade die Nerven verliere und nicht kommen werde. Keine Ahnung, was das nun wieder zu bedeuten hatte. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, zahlte und machte mich auf den Rückweg nach Fisher Island.

Gegen 15 Uhr tauchte sie, die Kinder im Schlepptau, schließlich auf. Noah und Elias sind direkt auf ihr Zimmer gegangen. Barbara und ich haben uns an den langen Tisch auf der Terrasse gesetzt, sie an das eine, ich an das andere Ende. Das Gespräch, wenn man es denn so nennen will, lief sofort aus dem Ruder. Alle Regler auf zehn, und los ging’s mit Gebrüll. Ich erinnere mich, dass Barbara mich verbal ziemlich wüst attackierte. Sie werde mich fertigmachen und mich für das, was ich ihr angetan habe, büßen lassen. Ich versuchte Ruhe zu bewahren, besonders um der Kinder willen. Aber konstruktiv sollte diese Unterredung nicht mehr werden. Ich wollte wissen, was sie eigentlich geritten habe, so weit zu gehen. Ich wollte die Sache logisch und möglichst emotionslos angehen. Doch vergeblich! Wir wurden beide immer lauter und aggressiver. Sie hätte schon die besten Anwälte der Stadt engagiert, eröffnete sie mir, und die Anklage sei auch schon vorbereitet. »Um was geht es hier eigentlich«, wollte ich wissen, »um unsere Ehe oder um Kohle?« Ich sagte: »Barbara, du kennst mich seit zehn Jahren. Du weißt, ich bin ein großzügiger Mensch. Du weißt, was ich dir und den Kindern heute schon freiwillig zahle. Und du weißt auch, dass wir nach wie vor in München gemeldet sind und dort leben. Wir haben einen deutschen Ehevertrag. Hier werde ich mich nicht scheiden lassen. Also, ich verstehe die ganze Aufregung hier überhaupt nicht!«