Dating Sabbatical - Lena Lamberti - E-Book

Dating Sabbatical E-Book

Lena Lamberti

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der Zero-Dating-Plan   Ein Selbstversuch, der zeigt, wie es klappen kann: Direkte Soforthilfe für Frauen, die auf der Suche nach Mr. Right mit Datingfrust zu kämpfen haben. Lena Lamberti hatte es satt beim Dating von einem Liebesleid ins nächste zu springen und entschied sich für einen Selbstversuch: Ein Jahr lang verzichtete sie auf Dates und Sex, um abseits der üblichen Wege nach Liebe zu suchen. Dieses Dating Detox gab ihr Ruhe, ihr vergangenes Liebesleben aufzuräumen, sich über die Ursachen für ihre Datingprobleme klar zu werden und eine neue Einstellung zur Liebe und zu Partnerschaften zu entwickeln.   - Detox für das Liebesleben: Mit alten und schmerzhaften Beziehungen abschließen, anstatt sich mit Dates und Affären über die vergangenen Liebschaften hinwegzutrösten - Bye Bye, Bindungsangst: Eingefahrenen Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster ändern und innere Konflikte aufdecken - Eine Anleitung zum Dating von innen nach außen: Die Liebe in sich selbst finden, um sie auch in einer Beziehung leben zu können - Umgang mit Gefühlen: Beim Dating entspannter die emotionalen Wellen surfen - Liebesleben 2.0: Ein neuer Blick auf Beziehungen und auf das, was zwei Menschen wirklich zusammenhält  Aus Ihren eigenen Erfahrungen heraus zeigt Sie Wege auf, wie wir die wiederkehrenden Enttäuschungen in Dates und Beziehungen hinter uns lassen und endlich die Liebe finden, nach der wir uns immer gesehnt haben. Denn nur, wenn wir uns der Ursachen für unser kompliziertes Liebesleben bewusst werden und diese überwinden, können wir unser Herangehen an die Liebe verändern und uns von den eigenen festgefahrenen Beziehungsmustern und Liebesproblemen befreien.   Diese Anleitung zum Dating von innen nach außen inspiriert, in uns selbst aufzuräumen, innere Konflikte aufzudecken und die Liebe in uns selbst zu finden, um sie nach außen leben zu können. Ein moderner Weg ins Liebesglück.   Wenn ich gewusst hätte, wie leicht Liebe sein kann, hätte ich mir so viele Jahre Herzschmerz ersparen können. LENA LAMBERTI

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 330

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Lena Lamberti

Dating Sabbatical

Wie du die Liebe findest, wenn du aufhörst, danach zu suchen Mein Jahr ohne Männer

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

»Wenn ich gewusst hätte, wie leicht Liebe sein kann, hätte ich mir viel Herzschmerz ersparen können. Lange verstand ich nicht, warum es mit dem Beziehungsglück bei mir nicht funktionieren wollte. Dann erkannte ich, dass es abseits von Dates einen anderen Weg gibt, den richtigen Partner zu finden: den Weg zu sich selbst. Daher habe ich ein Jahr auf Männer und Sex verzichtet und in diesem Dating Sabbatical herausgefunden, was zwischen mir und einer glücklichen Partnerschaft stand. Nun möchte ich anderen von meiner Reise und meinen Erkenntnissen erzählen.« Lena Lambertis Selbstversuch zeigt, wie es klappen kann: Identifikatorische Lebenshilfe für Frauen, die auf der Suche nach Mr Right mit Bindungsangst zu kämpfen haben.

Inhaltsübersicht

Widmung

Wie alles begann

Teil I

1. Kapitel

Ein Tag – zwei Trennungen

Herz und Kopf

Etwas muss anders werden

Ich will keine Schokolade …

Die Schwachstelle vieler Frauen

Nein sagen will gelernt sein

Ich muss nicht perfekt sein, um geliebt zu werden

Die eigene Willenskraft trainieren

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Kein Leben im Konjunktiv

Und nun? Mach ich’s doch nicht?

Abgespeckte Version

Klare Spielregeln

Ich darf mich abgrenzen

Ein bisschen Sex funktioniert nicht

Dinge um ihrer selbst willen tun

Die eigenen Bedürfnisse kommunizieren

Vorzüge auf Augenhöhe

Die Spreu vom Weizen trennen

Es braucht ein Ja und ein Nein

Die eigenen Ehrlichkeitsmuskeln trainieren

Umwege erweitern die Ortskenntnis

Nichts ist attraktiver, als zu wissen, was du willst

Sorge dich nicht. Lebe!

2. Kapitel

Ich tauschte Sex gegen Nähe

Hauptsache, gemütlich!

Geh! Bitte bleib!

Mit mir selbst kuscheln

Endlich unabhängig!

Anleitung zum Selberkuscheln

Schätzen, was da ist

Zurück in die Vergangenheit

Die Lösung meiner Beziehungsprobleme liegt in mir

Emotionales Nachreifen

Mich selbst an die Hand nehmen

Teil II

3. Kapitel

Ich hatte Bindungsangst!

Ich doch nicht! Oder doch?

Das Heil in der Distanz suchen

Hilfe, ich ersticke!

Die Freiheit in mir selbst finden

Wasch mich, aber mach mich nicht nass

Trau dich!

4. Kapitel

Eine Welt von Fassaden

Die Balance finden

Offene Kommunikation bewahrt vor Enttäuschungen

5. Kapitel

Die Angst vor dem Ende

Liebe ist kein »Wenn-dann-Spiel«

Emotionale Staudämme abbauen

Angst ist nur eine Illusion

Den Weg der Liebe gehen

Angst ist ein Signal, kein Dirigent

Die Kehrseite der Flexibilität

Alles, was du im Außen suchst, musst du in dir finden

Erinnerungen sind alles, was bleibt

Das Leben ist eine Sinuskurve

Die Fesseln der Erwartungen auflösen

Trennungsangst in Beziehungen

Teil III

6. Kapitel

Ein Mann wie eine Handtasche

Weniger ist mehr

Sex sells

Das Ego in den Urlaub schicken

Ich will, dass du mich willst

Sonnen- und Schattenseiten

Die Heilung des Selbstwerts kann nur von innen kommen

Ich bin gut so, wie ich bin

Du bist, was du glaubst

Wir sind alle gleich

Nicht perfekt, sondern perfekt du selbst sein

Je echter du bist, desto anziehender wirkst du

Vom Mangel- ins Füllebewusstsein

7. Kapitel

Körperkampf, nein danke!

Wenn Laufen ein Weglaufen ist

Mensch oder Skulptur?

Kraft für Neues

Wie finde ich eine gesunde Balance?

Sich die richtigen Vorbilder suchen

Teil IV

8. Kapitel

Ein Abend, und dann?

Eingefahrene Sichtweisen

Meine Probleme liegen in mir

Andere sind der Spiegel meiner Innenwelt

Raus aus der Opferrolle

Niemand muss sich für mich ändern

Emotionale Lastenverteilung

9. Kapitel

Einfach mal nicht weglaufen

Alles rauslassen

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker

Die Handbremse des Lebens lösen

Emotionale Nebelschleier

Ohne Arbeit geht es nicht

Alles annehmen und nichts wegdrücken

Dampf ablassen

Pubertät 2.0

Adios, Märchenprinz

10. Kapitel

Gefühle brauchen ein Gleichgewicht

Alte Muster ablegen

Das Joch der eigenen Gefühle

Emotionen sind Energie

Ich kann es auch allein!

Weise wählen

Gefühle mit Vernunft anreichern

Dem Unbehagen Glücksgefühle beimischen

Emotionale Brücken bauen

Veränderung bedeutet nicht, sofort alles richtig zu machen

Teil V

11. Kapitel

Mich dem Leben hingeben

Keine Männer, kein Frust, alle glücklich

Liebe darf auch einfach sein

Mach die Augen auf!

Auf Sicht fahren

Perfekte Entscheidungen gibt es nicht

Sich den Weg schön machen

Das Tauziehen mit dem Leben beenden

12. Kapitel

Zu viele Optionen

Zuerst mich und erst dann den passenden Partner finden

Ein bisschen was abziehen

Wollen wir das Gleiche?

Wollen oder Brauchen?

Herzensmenschen

Wenn du dich fragst, ob es geht, geht es nicht

Wahre Liebe verändert alles

Verliebtheit und Liebe sind zwei verschiedene Welten

Glück und Unglück sind allein in dir

13. Kapitel

Alles auf Anfang

Virtuelle Liebeleien

Wenn die Sehnsucht Mutter der Gedanken ist

Fantasiewelten

Zeitreisen als Warnhinweis

Teil VI

14. Kapitel

Praxistest

Liebe braucht Raum

Du hast deine Liebe selbst in der Hand

Die eigenen Erfahrungen prägen das Erleben

Sei dir selbst mehr wert!

Was willst du überhaupt?

15. Kapitel

Liebe ist eine Einstellung zum Leben

Liebe muss nicht besonders sein

Ich liebe dich, wenn du …

Mit offenem Herzen

Wahre Liebe will gelernt sein

Die Beziehung zu mir selbst

Du bist dein wichtigster Partner

16. Kapitel

Ein ständiges Auf und Ab

Liebe muss reifen wie Freundschaften

Der Verbindung Raum zum Wachsen geben

Beziehung ist Wachstum

17. Kapitel

Tränen nach dem Sex

Eigentlich suchte ich immer nur nach Liebe

Sex ohne Liebe ist wie Suppe ohne Salz

Sex ist mehr als Orgasmen

Auch beim Sex ist das Wie wichtiger als das Was

Alles kann, nichts muss

Mir selbst nah sein

Der eine Tipp

Eine Reise ohne Ende

Literatur

Für die Männer meines Lebens und meine Herzensmenschen

Wie alles begann

Wenn du nach außen strebst, ist deine Reise endlos. Richtest du dich nach innen, dauert sie nur einen Moment.

Sadhguru

Es ist Herbst 2017, und ich stehe nackt und mit Tränen in den Augen vor dem Badezimmerspiegel. Tränen, die ich mir wegwische, um dem Mann, der im Bett auf mich wartet, meine Emotionalität zu ersparen. Er kann ja schließlich nichts dafür, dass ich ein weiteres Mal aus den falschen Gründen Sex hatte. Aber es macht etwas mit mir, mich dort selbst zu sehen – die Frau, die Liebe sucht und Sex findet, immer und immer wieder. In diesem Moment sage ich mir: »Es reicht. Ich brauche eine Pause. Wenn mehr Männer nicht dazu beitragen, mein Liebesleid zu mildern, dann sollte ich es vielleicht einmal ganz ohne versuchen!«

Zum damaligen Zeitpunkt erlebte ich ständig ähnliche Geschichten mit dem männlichen Geschlecht und fragte mich, warum. Warum nur fiel es mir so schwer, in Liebesangelegenheiten endlich glücklich zu werden? Und warum zog ich permanent all diese Chaos-Männer in mein Leben? Heute weiß ich, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass sich viele Frauen genau diese Fragen stellen.

Dieser Moment vor dem Spiegel stellte den absoluten Tiefpunkt meines persönlichen Liebeslebens dar. Mein Beziehungsstatus war konstant »kompliziert«, und das unabhängig davon, welchen Mann ich gerade datete. Noch nie zuvor hatte ich so sehr mit meinem Leben und dem Schicksal gehadert, das mich scheinbar von Mal zu Mal in die Arme der »falschen« Männer führte. Ich hatte aber all die unnahbaren Typen, die mich zwar gern in ihren Betten sahen, aber zu keiner ernsthaften Beziehung bereit waren, so satt. Damals verstand ich noch nicht, dass mir niemand anderes als ich allein unentwegt übel mitspielte. Denn ich selbst suchte mir – unbewusst – genau diese Männer aus, mit denen ich oberflächliche Romanzen ohne Aussicht auf Langfristigkeit führen konnte. Dass die Unnahbarkeit allein in mir war und ich die beziehungsaffinen und nahbaren Männer in den Wind schoss. Diese Selbstsabotage zu durchschauen und mich aktiv für ein anderes Herangehen in der Liebe zu entscheiden, sollte ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg in eine glückliche Beziehung werden.

Wenige Wochen nach dieser Nacht vor dem Badezimmerspiegel jedenfalls entschied ich mich dafür, für ein Jahr auf Männer und Sex mit ihnen zu verzichten. Es war Zeit für ein Dating Sabbatical, um mich selbst zu finden und die Muster zu verstehen, die mich stets in die gleichen schmerzhaften Einbahnstraßen in der Liebe geführt hatten. Ich wollte mein Liebesleben neu ordnen. Die Befreiung von dem ständig wiederkehrenden Herzschmerz, der mich wie ein Gespenst zu verfolgen schien, war dabei mein oberstes Ziel für meinen Dating-Rückzug. Ich hatte weder Lust noch Kraft, weiter von einem Liebesleid zum nächsten zu springen und mit Anlauf gegen die gleichen Wände zu laufen. Das Ganze hatte mich in den letzten Jahren so unendlich viel Energie gekostet, und ich konnte einfach nicht mehr. Also setzte ich einen Schlussstrich unter das, was war. Ich zog mich in mich selbst zurück, steckte mich in Sex-Quarantäne, wies mich auf die emotional-kardiologische Intensivstation ein und schloss mich an den Selbstfürsorge-Tropf an. Dringend brauchte ich diesen Fokus nur auf mich und nach innen, weil ich zu lange meine Aufmerksamkeit einzig nach außen und auf andere gerichtet und mich dabei selbst verloren hatte.

Wie so viele war ich nach Jahren im lustig bunten Single-Großstadtleben mit seinen Tinder-Dates und sexuellen Abenteuern Dating-müde und genervt von den vielen Optionen, die dann doch alle wieder scheiterten. Ich hatte genug von der Oberflächlichkeit, den neuen Versuchen, die am Ende nur in die nächste Enttäuschung mündeten, von all dem Herzschmerz und den traurigen und einsamen Stunden, die danach folgten. Abstand war notwendig geworden, um herauszuarbeiten, was ich wirklich von Männern und in der Liebe wollte. Immerhin wusste ich schon mal, dass ich mich nicht länger mit einem Mann über den letzten hinwegtrösten wollte – nur um zu erfahren, dass es nicht weniger kompliziert wurde.

Während meines Dating Sabbatical fand ich abseits von komplizierten Männergeschichten endlich die Zeit, mich intensiv damit auseinanderzusetzen, was genau meine Probleme waren. Als ich erkannte, dass nicht die Männer an sich mein Problem darstellten, sondern alle Liebeskonflikte in mir verwurzelt waren, begann ich, die aufwendige Symptomkosmetik zu beenden und an den Ursachen meines mit Schwierigkeiten verbundenen Liebeslebens zu arbeiten. Ich trat in Kontakt mit vielen Menschen, die Ähnliches erlebten und meine Reflexionen als Stütze und Inspiration empfanden, auch ihre Herangehensweise, was ihr Liebesverhalten betraf, zu ändern. Durch den Austausch mit den Leserinnen und Lesern meines »ONE YEAR NO GUY«-Blogs, den ich parallel zu meiner Männerauszeit als virtuelles Tagebuch schrieb, merkte ich, dass meine Erkenntnisse, die ich nach und nach hatte, auch für viele andere vom Liebesleid Geplagte hilfreich waren.

Die Veränderungen, die sich während meines Dating Sabbatical schließlich ergaben, waren tatsächlich schöner und umfassender, als ich es je zu träumen gewagt hätte. Das Innehalten und meine Problemforschung gaben mir die Möglichkeit, nicht länger Opfer sein zu müssen. Stattdessen begriff ich, dass ich selbst Verantwortung für mein Liebesleben übernehmen musste. Tatsächlich bin ich heute ein anderer Mensch als früher und trage insbesondere in Liebesangelegenheiten eine größere Leichtigkeit in mir. Damals konnte ich noch gar nicht absehen, was ich alles Neues über die Liebe lernen sollte und wie falsch meine alten Ansichten und Herangehensweisen waren. So machte ich mich während meiner Männerauszeit auf den Weg zu echter Selbstliebe.

Auf diese besondere Reise – heraus aus meinem Liebesleid und rein in das Glück der wahren Liebe – möchte ich dich mitnehmen. Denn diese habe ich nach langer Suche tatsächlich gefunden – in mir, in anderen sowie innerhalb einer wunderschönen Partnerschaft. Heute bin ich einunddreißig Jahre alt und habe eine komplett neue Sichtweise auf die Liebe. Ich habe den Glauben hinter mir gelassen, dass ich nur lange genug nach dem »einen Richtigen« suche müsse, der perfekt zu mir und in mein Leben passt und mit dem dann für immer alles gut werden würde. Es war eine realitätsferne Vorstellung von einer »glücklichen« Beziehung gewesen. Ich habe sie inzwischen über Bord geworfen.

Hätte ich vorher gewusst, dass diese Suche nach dem perfekten Märchenprinzen kompletter Nonsens ist, hätte ich mich schon viel früher dieser Vorstellung entledigen können, anstatt fortwährend die männlichen Hauptdarsteller in den Tragikomödien meines Liebeslebens auszutauschen. Wenn ich heute zurückblicke, weiß ich, dass ich mir viel Herzschmerz und Tränen hätte ersparen können, wenn ich die Erkenntnisse aus meinem Dating Sabbatical, die ich in diesem Buch mit dir teile, eher gemacht hätte.

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen erkennen, wie sie sich ihr Liebesglück selbst verbauen und warum die anderen nur Symptome der eigenen, inneren Baustellen sind. Denn nur wenn ich meine Verantwortung für mein Wohlbefinden erkenne, kann ich auch danach handeln und aufhören, überhöhte Erwartungen an meinen Partner zu stellen, die er nicht erfüllen kann. Anstatt erfolglos von Date zu Date zu springen und davon frustriert zu sein, gibt es nämlich einen anderen Weg – den Weg zu sich selbst.

Die einzelnen Kapitel sind daher – wahrscheinlich ungewöhnlich – eine Anleitung zum Dating von innen nach außen. Normalerweise wird häufig ein »Liebesobjekt« als Startpunkt der Reise hin zu wahrer Liebe gewählt. Meine Anleitung soll dich jedoch inspirieren, zuerst in dir aufzuräumen und die Liebe in dir selbst zu finden, bevor du dich anderen mit deinen individuellen Konflikten »antust«. So kannst du verhindern, mit erfolglosen Herangehensweisen ständig neue Liebeleien einzugehen, die dann doch früher oder später wieder scheitern. Den rasanten Wechsel zwischen Euphorie und Herzschmerz kannst du dir nämlich ersparen, indem du deine inneren Konflikte, die dich derzeit noch darin hindern, glücklich zu sein, endlich aufdeckst und für dich transformierst. Ich reiche dir daher bildlich die Hand, damit du aus deinen eingefahrenen Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern herauskommst, um wahre Liebe zu erleben.

Da ich weiblichen Geschlechts bin, ist dieses Buch aus Frauensicht geschrieben. Die Perspektive kann aber entsprechend geändert werden. Und wenn ich von »Partner« spreche, können damit genauso gut Männer wie Frauen gemeint sein.

Teil I

Nähe will gelernt sein

1

Grenzen setzen

Ein Tag – zwei Trennungen

Die Entscheidung für mein Dating Sabbatical fiel im Oktober 2017 in einer emotional aufwühlenden Nacht in einem Berliner Hotelzimmer, nachdem ich mich an einem Tag gleich von zwei Männern getrennt hatte. Über Jahre hatte ich mich ungeliebt gefühlt, hatte den Eindruck gehabt, dass Männer sich dann zurückzogen, wenn ich anfing, mich emotional auf sie ein- und mehr Nähe zuzulassen. Ich verstand nicht, warum ich in der Liebe immer wieder enttäuscht wurde und an Männer geriet, die entweder noch verheiratet waren, sich mitten in einer Trennung oder in deren Nachwehen befanden, viel zu weit weg auf einem anderen Kontinent lebten oder aus sonstigen Gründen nicht bereit für etwas »Festes« waren. Andere Frauen schienen es doch auch zu schaffen, einen Mann für eine Beziehung zu finden. Und genau das wollte ich auch!

Fast hatte ich den Glauben verloren, dass es zwischen mir und Männern noch einmal funktionieren würde. Ich fühlte mich emotional leer, hilflos, und die Verzweiflung über meine Situation war mir in dieser Nacht in meine bitterlich weinenden Augen geschrieben. Ich wusste, dass in meinem Liebesleben etwas ganz dramatisch falsch lief. Ich spürte, dass ich dringend etwas ändern musste. Daher nahm ich all meinen Mut zusammen und traf an diesem Tag ein paar längst überfällige Entscheidungen.

Zuerst trennte ich mich von einer zweieinhalb Jahre andauernden On-Off-Beziehung, die mir nicht guttat. Wir hatten unser Zusammensein während dieser Zeit immer wieder beendet – und konnten dann doch nicht die Finger voneinander lassen. Der Mann war auf seine Art so faszinierend und besonders, dass es mir schwerfiel, ihn endgültig loszulassen. Vom ersten Tag unseres Kennenlernens an verband uns etwas Besonderes, das wir zunächst platonisch und später auch körperlich auslebten. Das Problem war nur, dass Christian mehr als fünfundzwanzig Jahre älter als ich war und sich gerade erst aus einer zwanzigjährigen Ehe gelöst hatte.

Am Anfang hatte ich es ein wenig absurd gefunden, mich auf einen so viel älteren Mann einzulassen. Seine Lippen fühlten sich beim Küssen bereits etwas schrumpelig an, und ich spürte sein Alter daher auch mit geschlossenen Augen. Gleichzeitig war er so lebenserfahren, dass er mir in vielerlei Hinsicht die Welt erklären konnte. Ich liebte die tiefgründigen Gespräche mit ihm, die wir bei mehr als einem Glas Wein bis in die Morgenstunden führten.

Die Zeit mit ihm fand ich spannender als mit gleichaltrigen Männern, die noch sehr in ihrer Sturm-und-Drang-Phase verhaftet waren und an den Wochenenden von einer Party zur nächsten tingelten. Erfahrung und charakterliche Tiefe hatten ihren Reiz, aber damit einher kam die Tatsache, dass wir uns in sehr unterschiedlichen Lebensphasen befanden. Ich wollte eine Familie und Kinder, und Christian hatte das alles schon hinter sich. Ich wollte Commitment und Beständigkeit, er suchte nach der Trennung von seiner Frau erst einmal Freiheit ohne Verbindlichkeiten. Ich hoffte, dass wir eine Möglichkeit finden könnten, dauerhaft glücklich zu sein – und war am Ende meiner Kräfte, wenn es nicht gelang. Zwar bewegten wir uns bei jedem Anlauf ein Stück vor, aber nicht weit genug, als dass ich meine Bedürfnisse nach Nähe und Sicherheit erfüllt fand.

Herz und Kopf

Da unsere Treffen jedes Mal so schön waren, wollte ich ihn nach jeder Trennung zumindest als platonischen Freund behalten und weiterhin die gemeinsamen Momente genießen. Schließlich hatte es so begonnen, und ich hoffte, dass wir dahin zurückfinden könnten. Leider scheiterten wir damit meist kläglich, da er seine Finger nicht von mir lassen konnte und ich damals große Probleme damit hatte, Nein zu sagen und ihn in die Schranken zu weisen. Ich hatte Angst, dass ich ihn verlieren würde, wenn ich ihm nicht das gab, was er körperlich wollte. Meine eigenen Bedürfnisse stellte ich dabei zurück. Daher wachte ich oft doch wieder in seinem Bett auf – obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, nach unseren Diskussionen nach Hause zu fahren. Es war frustrierend, und wir drehten uns im Kreis.

Da wir ein offenes Miteinander vereinbart hatten, bei dem sich jeder auch abseits unserer Verbindung ausleben konnte, landete ich auf der Suche nach beständiger Nähe stets in den Armen anderer Männer. Ich wollte mir beweisen, dass ich ihn nicht brauchte, um glücklich zu sein, und weinte still, wenn ich im Zusammensein mit einem anderen Typen auch nicht das fand, wonach ich Ausschau hielt. Das Problem dabei war, dass ich mit diesen Männern nicht nur Sex hatte, weil ich mit ihnen Sex haben wollte, sondern weil ich hoffte, dass einer von ihnen es endlich schaffen würde, mich von Christian wegzubringen – und das, obwohl ich es selbst nicht schaffte, den Schalter in mir umzulegen. Es gelang mir nicht, mich klar von ihm zu distanzieren. Nach jeder Trennung hielt ich emotional weiter an ihm fest. Selbst wenn ich jemand anderen datete, waren mein Herz und meine Gedanken weiterhin bei ihm. Zwischen uns bestand ein Band, das ich nicht zerschneiden wollte. Und doch wusste ich, dass ich mich von ihm lösen musste, um den Platz an meiner Seite frei für einen Menschen zu machen, mit dem ich die Beziehung führen konnte, die ich mir so sehr wünschte.

Etwas muss anders werden

Da ich damals große Angst vor dem Alleinsein hatte und um jeden Preis versuchte, dies zu vermeiden, begann ich bereits einige Wochen vor diesem Abend im Hotelzimmer – quasi als Vorbereitung auf die anstehende Trennung von Christian – mit einem Mann in meinem Alter anzubändeln. Auch wenn ich wusste, dass dieser Romanze für eine langfristige Beziehung die Basis fehlte, ließ ich mich darauf ein. Er war die perfekte Ablenkung in einer Phase, in der ich Zerstreuung suchte. Wieder einmal wollte ich eine Brücke weg von Christian bauen. Zu spät merkte ich, dass das, was als unterhaltsamer Zeitvertreib begonnen hatte, direkt in die nächste Liebeseinbahnstraße führte. Zwar gewöhnte ich mich schnell an seine Nähe, war gleichzeitig aber noch gar nicht bereit für eine neue Liebe. Anstatt die Beziehung zu Christian zunächst einmal zu verarbeiten, trug ich all den angestauten Frust mit in die neue Verbindung, was zu falschen Erwartungen und unfairen Reaktionen ihm gegenüber führte. Er musste all das ausbaden, was sich während der Zeit mit Christian in mir angesammelt hatte. Schnell kam es zu Konflikten. Alles, was mich an Christian und das erinnerte, was ich mit ihm erlebte hatte, wies ich abrupt von mir und verlangte im Gegenzug eine Art Nähe und Planbarkeit, die sich erst über die Zeit hätte entwickeln können. Ihm gegenüber war das mehr als unfair, weil ich ihm keinen Raum gab, er selbst zu sein. Mit ihm wollte ich nur die Löcher füllen, die in meinem Leben gerade präsent waren.

Genau deshalb ist es auch so wichtig, Altes abzuschließen und sich nicht immer wieder in den losen Enden der letzten Lieben zu verheddern. Oft nehmen wir uns nämlich viel zu wenig Zeit, ein Beziehungsende erst einmal zu verschmerzen. Stattdessen springen wir direkt in die nächste Liebesgeschichte, um den Trennungsschmerz nicht zu fühlen. Diese schmerzt dann allerdings ebenso, weil der nicht verarbeitete Schmerz noch in uns steckt und wir ihn von Beziehungsversuch zu Beziehungsversuch mitnehmen. Aus diesem Grund liegt der Schlüssel im Liebesglück meist nicht in mehr, sondern eher in weniger Dates.

Es war daher nur folgerichtig, mich wenige Stunden nach der Trennung von Christian auch von meinem gleichaltrigen »Übergangsobjekt« zu trennen. Ich musste lernen, das Alleinsein auszuhalten, das ich so lange vermieden hatte. Ich hatte all die Dramen satt. Ich wollte eine Pause von dem Herzschmerz, der mit meinen wechselnden Männergeschichten ständiger Begleiter in meinem Leben gewesen war. Die Tränen in dieser Nacht waren wie ein reinigendes Sommergewitter, das es manchmal braucht, um die angestauten Luftmassen zu klären. Der Regen in meinen Augen spülte langsam den Schmerz der vergangenen Jahre weg. Ich spürte eine neue Hoffnung in mir aufkeimen: Mein Liebesleben könnte anders werden, wenn ich mich darin übte, mich gegenüber all dem abzugrenzen, was ich nicht mehr wollte. Auch wenn ich noch nicht genau wusste, wie ich das anstellen sollte. Ich hatte keine Lust mehr auf all die unnahbaren Typen.

Ich will keine Schokolade …

Mein Dating Sabbatical vergleiche ich gern mit einer Diät, bei der ich vorher meine Schokoladenvorräte verschenke und auch keine neuen anlege, weil ich mich zwingen möchte, auf Süßigkeiten zu verzichten. Meine Chance, mein Vorhaben zu meistern, würde nämlich merklich sinken, wenn überall Schokolade um mich herum wäre und sie mir permanent frech zulächeln würde. Wenn wir Altes loslassen wollen, müssen wir Distanz dazu aufbauen. Wenn ich keine Schokolade mehr habe, kann ich sie auch nicht essen. Und da Männer meine Schokolade sind, entschied ich mich, den Kontakt zu meinen Ex-Partnern und -Liebeleien während meines Dating Sabbatical auf ein Minimum zu reduzieren, um mich vor Rückfällen zu schützen. Es war nicht so, dass sie mir plötzlich nichts mehr bedeuteten, doch ich entschied mich aktiv dafür, einen neuen Weg einzuschlagen und alte Geschichten an der Weggabelung zurückzulassen.

So lernte ich, dass jemanden zu lieben und mit jemandem zusammen zu sein zwei gänzlich verschiedene Dinge sind. Denn auch wenn ich einen Mann zutiefst liebe und für unsere gemeinsamen Momente dankbar bin, muss er nicht der Mann sein, mit dem ich mein Leben und meinen Alltag teilen möchte. Manche Menschen verstehen sich nur in kleinen, gemeinsam verbrachten hedonistischen Augenblicken. Doch das Leben außerhalb dieser miteinander zu teilen, ist eine völlig andere Herausforderung. Ich rate dir daher, zunächst Platz für den neuen Menschen zu schaffen, den du kennenlernen möchtest, und deine alten Lieben abzuschließen und zu verarbeiten. Das heißt: Du musst erst verstehen, was dich in der Vergangenheit davon abgehalten hat, an der Seite eines anderen Menschen glücklich zu werden, bevor du gestärkt und um einiges klarer in neue Beziehungsversuche starten kannst. Dadurch wird die Vergangenheit weniger Einfluss auf das haben, was du in der Gegenwart erlebst, und du kannst dich bewusster einlassen oder auch abgrenzen. Denn sobald du mit deiner Vergangenheit Frieden gemacht hast, wird auch deine Gegenwart aufblühen.

Die Schwachstelle vieler Frauen

Den meisten Frauen fällt es schwer, Grenzen zu setzen. Auch ich war lange Zeit sehr schlecht darin. Immer wieder ließ ich mich auf Männer ein, von denen ich mich viel früher hätte abgrenzen müssen. Oft war es von Anfang an klar, dass wir zusammen mit Vollgas in eine Einbahnstraße liefen, und doch schaffte ich es nicht, meinen Kopf rechtzeitig einzuschalten und Nein zu sagen. Es war diese Unfähigkeit, mich abzugrenzen und dieses Nein auch zu verteidigen, die mich immer wieder in schmerzhafte Situationen brachte. Schließlich stellt es an sich kein Problem dar, einen verheirateten Mann kennenzulernen, mit ihm in ein Restaurant zu gehen und sich danach allein und im eigenen Bett schlafen zu legen. Die Probleme begannen immer dann, wenn ich genau dazu nicht in der Lage war und mich trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf mehr einließ. Hätte ich all die Männer, die vergeben, noch gar nicht bereit für eine neue Beziehung oder nur auf ein sexuelles Abenteuer aus waren, sogleich wieder weggeschickt, wäre daraus kein Liebesleid entstanden. Mein Herz konnte überhaupt erst schmerzen, weil ich sie trotz allem in mein Leben ließ und mir romantische Vorstellungen auf mehr machte. Ich hoffte, dass sie eines Tages bereit für eine Beziehung mit mir wären, ihre Frau vergessen oder verlassen würden. Heute weiß ich, dass man sich auf solche Situationen, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind, erst gar nicht einlassen sollte.

Die Ursache dafür, dass ich mich bis zu meiner Datingpause trotzdem immer wieder auf solche problematischen Geschichten einließ, war die Tatsache, dass ich bis dahin nicht wusste, wer ich war und was ich von der Liebe sowie vom Leben im Allgemeinen wollte. Es fiel mir oft schwer, Nein zu sagen, weil ich nicht wusste, wozu ich Ja sagen wollte. Es war mühsam für mich, Grenzen zu setzen, denn ich wusste nicht, wo diese für mich lagen. Ich wusste daher auch nicht, welche Männer ich daten und mit welchen ich zusammen sein wollte. Oft war ich mir unsicher, ob ich überhaupt eine tiefer gehende Beziehung wollte, weil mir die, die ich gerade hatte, schnell zu fest wurde. Vielleicht, so dachte ich, würde ich mit dem Abenteuer und der Leidenschaft einer heißen Affäre, die ganz bewusst den gemeinsamen Alltag mit seinen Herausforderungen ausspart, viel glücklicher werden?

Um mich in meiner Suche nach erfüllender Zweisamkeit klarer ausrichten zu können, musste ich daher zuerst mich selbst besser kennenlernen. Ich musste verstehen, wer ich abseits von Dates, Rollenvorbildern und gesellschaftlichen Erwartungen war und wie ich im Zusammensein mit Männern Grenzen definieren wollte. Denn nur so ist es möglich, diese auch klar zu kommunizieren. Bin ich auf der Suche nach einer Beziehung, kann ich viel Zeit sparen, indem ich dies von Anfang an offenlege und mich nur mit den Menschen treffe, die grundsätzlich Ähnliches wollen. Treffe ich auf einen verheirateten Mann und will nicht als Geliebte enden, muss ich in der Lage sein, ihn abzuwehren – egal wie charmant und verführerisch er sein mag. Nicht alles kann man miteinander in Einklang bringen, und das ist normal.

Nein sagen will gelernt sein

Nein zu sagen und Grenzen zu setzen, fiel mir oft deshalb so schwer, weil es bedeutete, zwischen meinen Bedürfnissen und den Bedürfnissen eines anderen Menschen zu vermitteln. Denn gegenüber Männern und ihren Wünschen standhaft zu bleiben und zu einem einmal ausgesprochenen Nein auch zu stehen – das war für mich eine große Herausforderung. Wollte ich nur kuscheln, wollten sie oft mehr, und ich ließ mich am Ende doch wieder von ihnen »übermannen«. Oft ärgerte ich mich schon beim Sex oder spätestens danach, dass ich nachgegeben hatte. Es war nicht meine Stärke, meine Bedürfnisse zu kommunizieren, zu verteidigen und den Männern bei Überschreitung dieser auf die Finger zu hauen. Keineswegs wollte ich als »langweilige Zicke« gelten, die prüde ist und keinen an sich ranlässt. Ich hatte nämlich große Angst, Männer zu vergraulen, wenn ich ihnen nicht schnell genug das gab, was sie wollten. Besonders oft passierte mir das in den Kennenlernphasen. Ich wollte den anderen schließlich von mir überzeugen und nicht riskieren, in seiner Gunst zu sinken. Daher ließ ich mich häufig viel zu früh auf Sex ein – ohne mir sicher zu sein, ob ich diesen Schritt mit der Person wirklich gehen wollte. Ich denke heute, dass das einer der Hauptgründe dafür war, warum mir Sex irgendwann nichts mehr bedeutete. Ich hatte ihn nämlich nicht um seiner selbst willen, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass er von mir erwartet wurde.

Ich muss nicht perfekt sein, um geliebt zu werden

Damals glaubte ich, dass ich perfekt sein und allen Erwartungen entsprechen müsste, um geliebt zu werden. In den Momenten, in denen ich den »Verpflichtungen« nicht mehr nachkam, hatte ich das Gefühl, meine Liebenswürdigkeit zu verlieren. Also tat ich alles, um mir die Liebe weiterhin zu verdienen – egal ob das meinen Vorstellungen eines Miteinanders entsprach oder nicht. Ich sehnte mich so sehr nach Liebe, dass ich bereit war, dies in Kauf zu nehmen. Mich für die Liebe zu verbiegen, war ja das, was ich mein Leben lang gewohnt war. Eine Annäherung an einen Menschen, die sich nicht wie ein Verbiegen anfühlt, lernte ich erst später.

Durch den Austausch mit anderen Frauen während meines Dating Sabbatical erfuhr ich, dass viele von ihnen davor zurückschrecken, Grenzen zu setzen, weil auch sie Angst haben, dann abgewertet und nicht mehr gewollt zu werden. Viel zu oft tun viele von uns Dinge, um anderen zu gefallen, jedoch ohne selbst dahinterzustehen. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, denn wenn ich ständig über die gesunden Grenzen meines Wohlbefindens hinausgehe, muss ich mich nicht wundern, wenn mein Liebesleben kompliziert und unglücklich ist. Schließlich mache ich selbst mindestens 50 Prozent der Beziehung aus.

Also musste ich meine Bedürfnisse als wahr und wichtig annehmen, um mein eigenes Wohlergehen nicht ständig dem von anderen Menschen unterzuordnen. Das war nicht einfach, denn als Kind einer Mutter, die extrem liebes-, nähe- und zuneigungsbedürftig war, hatte ich nie gelernt, mich zu widersetzen. Stattdessen wurde mir beigebracht, ein braves Kind zu sein, das keine Probleme macht und so funktioniert, wie man es sich vorstellt. Genau dieses Verhalten legte ich dann – nachdem ich es jahrelang eingeübt hatte – auch in meinem Erwachsenenleben und im Zusammensein mit Männern an den Tag. Ich funktionierte, um die zwischenmenschliche Harmonie zu wahren, und ich verhielt mich so, wie es vermeintlich von mir erwartet wurde.

Die eigene Willenskraft trainieren

Hinter dem Entschluss, für ein Jahr auf Männer zu verzichten, steckte daher auch der Wunsch, mir ein gesundes Abgrenzungsverhalten anzueignen. Ich wollte ein starkes Argument haben, das als Mauer diente und mich für eine bestimmte Zeit vor weiterem Herzschmerz und unangenehmen Verstrickungen bewahren würde. Ein vorsichtiges Herangehen bei einem Date hatte ich zuvor nie geschafft. Ein Teil von mir wollte warten und es beim Kennenlernen langsam angehen lassen, während ein anderer Teil sofort Interesse daran hatte, zu erfahren, wie sich der Mann im Bett anstellen würde. Sex war früher nämlich ein sehr relevanter Part meiner Due-Diligence-Phase beim Dating und gehörte also zu meinen Prüfkriterien. Auch deshalb landete ich mit Männern schneller im Bett, als ich es eigentlich wollte. Und sobald dies der Fall war, war ich, dank der Bindungshormone in meinem Blut, auch direkt emotional involviert. Es schien mir deshalb leichter, einfach einmal zu allem rigoros Nein zu sagen, um nicht erneut in unangenehme Situationen hineinzuschlittern, in denen ich doch wieder mehr zuließ, als ich eigentlich wollte.

Das Problem war, dass ich wie viele andere Frauen, die auf der Suche nach Liebe sind, lange Zeit nicht überzeugt genug wusste, was ich nicht wollte. Meine Unsicherheit darüber, was ich von einem Mann wollte und wo meine Grenzen lagen, zog sich wie ein roter Faden durch mein Liebesleben. Im Zusammensein mit Männern war ich wie die Fahne im Wind, die sich von jeder Böe bewegen ließ und wenig eigene Standfestigkeit zeigte. Schließlich wollte ich dazugehören und von anderen angenommen werden. Doch dieser Wunsch nach Harmonie kann die eigene Innenwelt manchmal ganz schön in Disharmonie stürzen. Gerade Frauen mit einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis kennen das gut.

Ein »Ich habe heute keine Lust« fühlte sich für mich nie stark genug an. Lust kann auf verschiedenste Weisen erzeugt werden und reizt den anderen unter Umständen nur noch mehr, alle Techniken des Verführens anzuwenden. Dabei hatte ich oft genug erlebt, dass die Männer – getrieben von ihrer eigenen Lust – versuchten, das zu bekommen, was sie wollten. Mein Jahr ohne Sex war quasi ein Training meiner eigenen Standhaftigkeit. Ich wollte die Harmonie in mir nicht mehr für Zuneigung eines anderen opfern. Ich wollte endlich ich sein und meine eigene Wahrheit leben.

Ein »Ich habe mich entschlossen, für ein Jahr auf Sex zu verzichten. Keine Diskussion!« kam mir überzeugender vor als: »Ich würde es gern langsam angehen lassen.« Denn »langsam« ist relativ und kann genauso heißen, mit einem ausgedehnten Vorspiel zu beginnen. Mein Vorhaben eines Dating Sabbatical wirkte dadurch wie ein Gesetz, das ich öffentlich gelobte, nicht zu überschreiten. Es war die Mauer, die ich brauchte, um dahinter zu einer inneren Standhaftigkeit zu finden. Durch dieses Gelübde lernte ich, dass Neinsagen okay ist. Und ich lernte auch, dass es okay ist, meine eigenen Bedürfnisse über die sexuellen Wünsche eines anderen zu stellen.

Mein Dating Sabbatical war daher vor allem eine Linie, die ich zwischen Christian und mir sowie all den anderen Männern, die in meinem Leben ein und aus geflogen waren, zog, um diesem ganzen Hin und Her endlich ein Ende zu bereiten. In dem Sinne war meine Männerauszeit ein »Dating Detox« oder – besser – ein Entzug von einem süßen Rauschmittel.

Im Rückblick verstehe ich, dass viele meiner Probleme mit Männern in meinem Unvermögen, mich konsequent abzugrenzen, begründet waren. Ich hatte mich in der Liebe verstrickt und war in der Folge mit einem riesigen verfilzten Knäuel in mir konfrontiert. Die Entscheidung für mein Dating Sabbatical war daher der erste wichtige Schritt, mich im Neinsagen und in der Abgrenzung zu üben. Daher war der Entschluss, in mein sexfreies Jahr zu starten, mit dem Durchbrechen alter Muster verbunden – ein erster Etappenerfolg auf meinem Weg ins Liebesglück. Doch bevor es richtig losgehen konnte, brauchte es noch einen weiteren Schritt, um überzeugt in mein Vorhaben zu starten.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

So überzeugt, wie ich in der tränenerfüllten Nacht von meinem Plan war, so schnell zweifelte ich auch schon wieder daran. Keine vierundzwanzig Stunden nach meinen ersten Überlegungen, für ein Jahr auf Männer und Sex mit ihnen zu verzichten, kam nämlich der nächste Mann in mein Leben, der mir schöne Augen machte und meine Standhaftigkeit bezüglich meines Vorhabens testete.

Am folgenden Abend steckte ich nämlich in Berlin fest, weil ein Sturm die Bahnstrecke nach Hamburg lahmgelegt hatte und ich nicht zurück nach Hause kam. Halb so schlimm – ich hatte schließlich acht Jahre in der Hauptstadt gelebt, hatte genug Freunde, die ich alle schon viel zu lange nicht mehr gesehen hatte, und das Hotel hatte auch noch ein Zimmer frei. Ich nutzte die Gelegenheit, alte Kollegen wiederzutreffen, und wir gingen gemeinsam in ein angesagtes Szene-Restaurant. Etwas später gesellte sich ein groß gewachsener und attraktiver Mann in meinem Alter zu uns, den ich bislang nicht kannte. Im Verlauf des Abends kamen wir miteinander ins Gespräch, und je mehr wir redeten, desto sympathischer fand ich ihn. Je später es wurde, desto mehr zog Sebastian mich in seinen Bann. Und so tanzten wir noch bis fünf Uhr morgens durch das Berliner Nachtleben.

An diesem Abend war ich jedoch zurückhaltender als sonst. Als ich mich verabschiedete, begleitete er mich noch nach draußen, wo ich in der Morgendämmerung verschwand. Ich gab ihm weder meine Nummer, noch fragte ich ihn nach seiner, denn ich hatte ja den Männern gerade abgeschworen und wollte ihnen keinen Raum mehr in meinem Leben geben. Außerdem wusste ich, dass sein Bruder – einer meiner Kollegen – bei Bedarf den Kuppler spielen könnte.

Kein Leben im Konjunktiv

Wahrscheinlich war es genau diese Leichtigkeit, die ich an jenem Abend ausstrahlte und die ihn anzog. Und so dauerte es keine dreißig Minuten, bis ich, zurück in meinem Hotelzimmer, eine Nachricht von Sebastian auf meinem Smartphone las. Nach ein paar weiteren SMS fragte er mich, ob ich ihn zu der Hochzeit begleiten möchte, zu der er am nächsten Abend eingeladen und für die er überhaupt nach Berlin gereist sei. Er selbst lebe in der Schweiz. Ich ließ mich darauf ein, denn ich liebe verrückte Ideen und ein Leben voller Abenteuer. »Sensation Seeking« und das Motto »Kein Leben im Konjunktiv!« waren damals die Leitgedanken, nach denen ich handelte. Um alles in der Welt wollte ich kein langweiliges Leben führen. Auch deshalb waren mir die einfachen und »netten« Männer, die für mich da waren, wenn ich sie brauchte, stets zu banal. Mit ihnen war es zwar beständiger, doch das ging meist auf Kosten der Abenteuerlust. Stattdessen datete ich lieber Supermodels, Supersportler, Superintellektuelle und Super-CEOs. Ohne irgendeine extrem interessante Eigenschaft, die mich faszinierte und der ich nacheifern konnte, hatte ein Mann keine Chance bei mir. Auch deshalb fiel es mir schwer, eine normale Beziehung zu einem normalen Mann in meinem Alter zu finden.

Durch die Einladung wurde ich also zu seinem Hochzeitsdate, und ohne dass wir uns genauer kannten, gaben wir ein ganz passables Paar ab. Ich tanzte mit ihm und seinen Freunden bis spät in die Nacht. Am Ende dieses zweiten Abends brachte er mich zurück in mein Hotel und küsste mich in einer menschenleeren Hotellobby vor den Augen eines einsamen Nachtportiers.

Und nun? Mach ich’s doch nicht?

Der Kuss war schön, die gemeinsam verbrachte Zeit mit ihm war schön, und plötzlich zündete dieser Funke, der mich an meinem Vorhaben einer Männerauszeit zweifeln ließ. Vielleicht war er ja der Mann, auf den ich so lange gewartet hatte? War er womöglich der eine, für den ich meinen Plan ad acta legen und mich einfach auf ihn einlassen sollte?

Ich fühlte mich von ihm gesehen, gewollt und umsorgt – all das, was ich bei Christian so lange Zeit vermisst hatte. Sein Versuch, mich wiederzusehen, zeugte von Aufwand und hinterließ bei mir einen guten Eindruck. Ich war genervt von Männern, die zwar die Zeit mit mir genossen, aber wenig eigenen Einsatz zeigten. Seine engagierte Art war daher eine willkommene Abwechslung und wie Balsam für meine emotionalen Wunden. Die Tatsache, dass er dann noch unverheiratet war, keine Kinder hatte und mehr als nur lockeren Spaß ohne weiteres Commitment wollte, trug dazu bei, dass er auf meiner Sympathieleiter immer weiter nach oben kletterte.

Also stand ich da, mit meinem Wunsch nach einer Datingpause und dem nächsten Mann, der vielleicht der Richtige sein konnte. Plötzlich war ich unsicher, wie ich nun mit meiner Sexauszeit vorgehen sollte. Die Idee fand ich immer noch richtig, weil ich spürte, dass ich diese Ruhe in meinem Herzen dringend brauchte. Gleichzeitig wusste ich, dass es schwer bis unmöglich wäre, jemanden kennenzulernen, mit dem man sich mehr vorstellen kann, und ihn für ein Jahr zappeln zu lassen. Auch wusste ich, dass ich es niemals schaffen würde, sexfrei zu bleiben, würde ein solcher Mann in meinem Orbit kreisen. Ich kann mir einiges vornehmen, aber ich kenne meine Libido, und die ist oftmals stärker als meine Ratio.

Diese Ambivalenz führte dazu, dass ich meine Entscheidung für meine Sexpause noch einmal überdachte. »Männerpause« konnte ich es zu diesem Zeitpunkt ja schon nicht mehr nennen, da sich der nächste Mann bereits unverhofft in meinem Leben eingefunden hatte. Mit viel Willenskraft schaffte ich es wenigstens, an diesem Wochenende nicht mit ihm zu schlafen. Und da es für mich in der folgenden Woche für einen Monat auf eine Trekkingreise nach Nepal ging, hatte ich zumindest weitere dreißig Tage, um darüber nachzudenken, wie ich mich ihm gegenüber verhalten wollte.